ALG2-Antrag und "leere" Kontoauszüge

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gentri

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Hallo Leute!

Ich bereits aktuell meinen ALG2-Antrag vor und suche alle benötigten Dokumente zusammen. Dazu gehören auch die Kontoauszüge.

Diese habe ich auch für das gesamte vergangene Jahr zusammen. Jedoch ist auf den Kontoauszügen mehr oder weniger nichts zu sehen, mit Ausnahme einiger weniger Vorgänge. Aber keine Mietzahlungen, Stromrechnungen oder andere alltägliche Buchungen.

Dies liegt daran, dass ich zur Zeit selbständig bin, aber bereits seit Anfang des Jahres keine Einnahmen mehr habe. Daher unterstützt mich zur Zeit meine Mutter, indem sie so ziemlich mein ganzes Leben finanziert hat in den letzten Monaten. Sie zahle meine Miete und Rechnungen und hat mich mit Bargeld versorgt.

Das soll nun enden, ich will ihr nicht länger auf der Tasche liegen. Da ich aktuell auch keine Aussicht auf Einnahmen durch mein Gewerbe habe, stelle ich nun den entsprechenden Antrag.

Meine Frage: wird das Jobcenter fragen, wieso keine Buchungen in den Auszügen auftauchen oder ist es denen wurscht, wie ich die letzten Monate über finanziert wurde? Oder wollen die eventuell sogar mehr Infos von meiner Mutter, z. B. ihre Kontoauszüge? Eigentlich möchte ich es meiner Mutter nicht zumuten sich mit dem Amt rumzuschlagen, nachdem sie mich all die Monate so sehr unterstützt hat. Sie soll mal Ruhe vor mir haben ;) .

Ich bin Ü25 und lebe alleine in einer eigenen Wohnung. Ich bilde also keine BG mit meiner Mutter.

Was erwartet mich also bei der Antragsstellung diesbezüglich?

Vielen Dank :peace:
 
E

ExitUser 55598

Gast
Fragen werden sie dich natürlich, wovon du gelebt hast und warum deine Mutter dich dann nicht weiter finanzieren will. Vielleicht erstmal abwarten, was der jeweilige SB sagt. Hängt auch oft von der Laune des SB ab.

Ich hatte mich mal verspätet bei Hartz IV angemeldet und hatte mir davor Geld von Freunden geliehen für die Miete etc., weil ich dachte ich finde doch noch eine Arbeit.

Jedenfall wurde ich garnicht danach gefragt, eher wollten sie wissen warum ich meine Arbeit verloren hatte, obwohl das da auch schon 2 Monate her war.
 

HermineL

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Dumm fragen wird das JC mit Sicherheit aber maßgebend ist das du am Tag der Antragstellung
nachweislich bedürftig bist und nicht wie du bis dahin gelebt hast. Du bist über 25 und hast hoffentlich
eine abgeschlossenen Ausbildung und dann ist deine Mutter nicht unterhaltspflichtig. Anders sieht
es aus wenn du noch keine Ausbildung hast da die Eltern dem Kind den Unterhalt nach § 1610
Abs. 2 BGB bis zu einem berufsqualifizierendem Abschluss schulden.

Beschluss vom 12. Mai 2005 - 1 BvR 569/05 Bundesverfassungsgericht

Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende dienen der Sicherstellung eines menschenwürdigen Lebens. Diese Sicherstellung ist eine verfassungsrechtliche Pflicht des Staates, die aus dem Gebot zum Schutze der Menschenwürde in Verbindung mit dem Sozialstaatsgebot folgt (vgl. BVerfGE 82, 60 <80>). Diese Pflicht besteht unabhängig von den Gründen der Hilfebedürftigkeit (vgl. BVerfGE 35, 202 <235>). Hieraus folgt, dass bei der Prüfung der Voraussetzungen eines Anspruchs auf Leistungen zur Sicherung des Existenzminimums, soweit es um die Beurteilung der Hilfebedürftigkeit der Antragsteller geht, nur auf die gegenwärtige Lage abgestellt werden darf. Umstände der Vergangenheit dürfen nur insoweit herangezogen werden, als sie eindeutige Erkenntnisse über die gegenwärtige Lage des Anspruchstellers ermöglichen. Dies gilt sowohl für die Feststellung der Hilfebedürftigkeit selbst als auch für die Überprüfung einer Obliegenheitsverletzung nach §§ 60, 66 SGB I, wenn über den Anspruch anhand eines dieser Kriterien entschieden werden soll. Aus diesen Gründen dürfen existenzsichernde Leistungen nicht auf Grund bloßer Mutmaßungen verweigert werden, insbesondere wenn sich diese auf vergangene Umstände stützen.
 

gentri

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Hallo HermineL,

vielen Dank für deine informative und schnelle Antwort. Damit wäre die ursprüngliche Frage so gut wie beantwortet :) .

Aber du hast mich erwischt: ich habe in der Tat noch keine Ausbildung abgeschlossen. Seitdem ich 20 Jahre alt bin, bin ich selbständig. Nicht sonderlich erfolgreich, aber ausreichend um meinen Lebensunterhalt zu verdienen (mit Ausnahme der letzten Monate, aufgrund Wegfall meiner wichtigsten Kunden). Es lief also immer irgendwie. An eine Ausbildung habe ich lange Zeit nicht gedacht.

Nun heißt es also, dass meine Mutter für mich unterhaltspflichtig ist, wenn ich noch keine Ausbildung abgeschlossen habe. Das trifft auf mich definitiv zu. Mittlerweile bin ich stolze 32 Jahre alt. Müsste meine Mutter hier tatsächlich Unterhalt leisten? Und was würde das für den ALG2-Antrag bedeuten?

Das lässt mich grad ein wenig zittern :icon_frown:
 

Unspoken

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Auskunft über dritte, also die Kontoauszüge deiner Mutter, darf das Amt rechtlich gesehen nicht verlangen. Manchmal hält es dies aber nicht davon ab, es trotzdem zu tun.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen es wird durchaus nachgefragt, wie man seine Miete zahlt, wenn keine Abbuchungen zu sehen sind.
Wenn man die z.B. einfach bar bezahlt, natürlich rechtlich einwandfrei beim Finanzamt angegeben vom Vermieter, kann man das per Mietquittung nachweisen.

Ich habe z.B. schon immer meine Miete bar bezahlt und sogar auf Vertrauensbasis ohne Nachweis.
Der Vermieter gab das in seiner Steuererklärung mit an, also alles einwandfrei.
Seit ich Bezüge bekomme, muss der arme immer eine Mietquittung unterschreiben.
 

gentri

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Hey! Ich danke euch sehr für eure Antworten. Dass ich nur bis 27 Jahre unterhaltspflichtig wäre, beruhigt mich (und vor allem meine Mutter) sehr :icon_hihi: .

Nachweisen dass die Miete gezahlt wurde, kann ich definitiv, denn zur Not könnte ich ja Auszüge meiner Mutter vorlegen. Ich hoffe nur, dass es nicht dazu kommt. Letztendlich könnte ich auch nicht schon fast 6 Jahre in dieser Wohnung leben, wenn ich das gesamte Jahr über nicht irgendwie die Miete bezahlt hätte. Aber da muss ich wohl abwarten was vom Amt gefordert wird, sobald der Antrag eingereicht wurde.

Mal etwas abseits vom ursprünglichem Thema: ich würde gerne eine Ausbildung machen und bemühe mich auch bereits seit einiger Zeit um eine solche. Bis jetzt nicht wirklich intensiv und auch nicht von Erfolg gekrönt.

Wie seht ihr die Chancen, dass ich vom Jobcenter einen Bildungsgutschein erhalte? Mit diesem könnte ich die gewünschte Ausbildung bei einem dieser sog. "Bildungsträger" machen. Taugen diese Ausbildungen etwas? Und komme ich dafür in Frage?

In den Zugangsvoraussetzungen steht etwas von mind. 3 Jahren Berufspraxis. Da ich keinen Beruf erlernt habe, bin ich mir nicht sicher, ob damit gemeint ist, dass ich mind. 3 Jahre in einem erlernten Beruf gearbeitet haben muss, oder ob es ausreicht, dass ich mind. 3 Jahre lang gearbeitet habe.

Ich interessiere mich für eine Ausbildung zum IT-Systemkaufmann oder -elektroniker. Das ist im Grunde 1:1 der Job, den ich bisher als Selbständiger ausgeübt habe.

Wie sehr ihr das?
 
G

Gelöschtes Mitglied 57503

Gast
Wir hatten in der Prüfung auch jemanden, die mitgeschrieben hat, obwohl sie keine der Berufsschüler war.
Aufgefallen war sie, als sie in Panik, 5 min nach Beginn der Prüfung abgebrochen hatte - damit wir nicht alle von ihrer Panik angesteckt werden, klärte unser Prüfer uns auf, dass sie als Externe an der Prüfung teilnehmen wollte.

Welche Voraussetzungen das braucht kann ich aber leider nicht sagen.

Zu den Kontoauszügen: Niemand kann dich dazu verpflichten die Kontoauszüge deiner Mutter einzureichen - das geht das Amt nichts an.
Zumal sie nicht verpflichtet ist, diese dir überhaupt zu geben.
(Ich würde auch nicht ins Konto meiner Mutter gucken wollen, wer weiß was mich da erwartet :wink:)

Natürlich wollen die dann wissen, wie es dazu kommt, dass du "mittellos" alles finanzierst. Kann ja auch sein, dass du auf einem schweizer Konto deinen Lottogewinn von der Größe eines Kleinmillionärs hast.

Aber dazu werden dir die Profis mehr raten können.
 

RoxyMusic

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Zur Anlage HG (Haushaltsgemeinschaft):

https://juris.bundessozialgericht.d...&Art=en&Datum=2009-1-27&nr=10929&pos=3&anz=11

Urteil vom 27.01.2009, Az. B 14 AS 6/08 R:

"Wenn Hartz-IV-Empfänger mit erwachsenen Verwandten zusammen wohnen, darf das Jobcenter nicht automatisch von einem gemeinsamen Wirtschaften ausgehen und das Arbeitslosengeld II kürzen. Erst wenn der Leistungsträger nachweist, dass eine Haushaltsgemeinschaft = Wirtschaftsgemeinschaft vorliegt, greift der Vermutungstatbestand des § 9 Abs. 5 SGB II.

Eine Haushaltsgemeinschaft = Wirtschaftsgemeinschaft i.S.d. § 9 Abs. 5 SGB II liegt erst dann vor, wenn aus einem Topf gewirtschaftet wird.

Der in Wohngemeinschaften häufig anzutreffende gemeinsame Einkauf von Grundnahrungsmitteln und Sanitärartikeln aus einer Gemeinschaftskasse begründet noch keine Wirtschaftsgemeinschaft."
[>Posted via Mobile Device<]
 

schwarzrot

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Ich interessiere mich für eine Ausbildung zum IT-Systemkaufmann oder -elektroniker. Das ist im Grunde 1:1 der Job, den ich bisher als Selbständiger ausgeübt habe.

Wie sehr ihr das?

Neben dem was Hyana beschrieben hat (über IHK ohne träger zur prüfung zugelassen werden) gibt es in den grösseren städten private 'bildungs'einrichtungen, die quereinsteiger bis zur fachprüfung schulen.
Je nach vorherigem kenntnisstand verkürzt sich die sonst betriebliche ausbildung auf bis zu 1,5jahre.
https://kursnet-finden.arbeitsagentur.de/kurs/

Voraussetzung ist, dass dein SB (oder das 'job'center nach klage) eine solche weiterbildung für sinnvoll erachtet, um dich aus dem 'leistungsbezug' zu bringen.
In der regel wird dein SB wollen, dass du dich erstmal 1-2 jahre erfolglos beworben hast.
Auch schikanen vor der bildungsgutscheinsbewilligung sind möglich, z.b. müssen manche vorher zum IQ-test. Es geht aber auch ohne.
Manchmal hat man glück, einen verständlichen, wirklich helfenden SB, normal ist das leider nicht (erziehe deinen SB!), wenn man ganz viel glück hat, hat das JC gerade das jahr über mit weiterbildungen geknausert, braucht gegen abrechnungsende viele weiterbildungen und man passt ins bild. :wink:

Also, viel 'kann' und viel sog. 'soziale kompetenz'. :biggrin:

Deine Hebel für eine weiterbildung sind die vom JC gewollte 'freiwillige' unterzeichnung einer EGV (weiterbildung reinverhandeln!), bzw. eine absage immer schriftlich mit begründung verlangen (manchem SB ist so eine begründung unlieber, als eine genehmigte weiterbildung).

Hab gerade so ne fachinf.-'weiterbildung' hinter mir.
Gebracht hats mir nix, also ansprüche nicht zu hoch hängen.
Bei deinem alter sieht das noch nicht so schlecht aus.
Man lernt aber viel formalien, nur für die prüfung.

Viel glück!
 
Zuletzt bearbeitet:

Vyenna

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Das ist ja wohl das normalste auf der welt, dass, wenn man etwas bezahlt, man eien Quittung bekommt.

in diesem Fall anscheinend nicht, denn es ist auch nicht alles "normal" G0ttseidank. Unspoken hat, so verstehe ich das, schon immer seine Miete in bar und ohne Quittung bezahlt, das heisst auf Vertrauensbasis. Will einer, der jahrelang von mir auf Vertrauensbasis gekauft hat, plötzlich eine Quittung, dann ist dieses Vertrauensverhältnis gestört. Das wird auch der Grund sein, warum er seinem Vermieter gesagt hat, dass er die Belege für das Jobcenter braucht.
 

Kerstin_K

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Vertrauen hin oder her, irgendwann gibt es mal Streit wegen iregend einem Kinkerlitz und dann fällt einem sowas auf die Füße. Bei Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf.
 
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