ALG II: Neue Methoden von Jobcenter und Maßnahmeträger bei der Maßnahme "Integration durch Praxis". Wer hat ähnliche Erfahrungen machen müssen?

Rimini57

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Da bin ich mal wieder. Ich beziehe ALG II und bekam neulich von meiner neuen SB ein Schreiben in dem ich ein Angebot einer Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung "Integration durch Praxis" erhielt. Antrittsdatum heute. Die Maßnahme soll bis Mitte Januar gehen. Natürlich mit RFB.

Ich fuhr dann frohen Mutes zum Träger um mir die Personalfragebögen etc. einzustecken und prüfen zu lassen. Die Fahrkosten hatte ich im Vorfeld formlos beim Jobcenter beantragt, eine Fahrkostenübernahmenachfrage habe ich ebenfalls versendet...per Post natürlich.

Heute gings also los. Das Kennlerndate dauerte aber länger als gedacht. Es waren mit mir 3 Teilnehmer erschienen, zuerst gab es eine mündliche Einweisung für alle. Danach wurden die Fragebögen Seite für Seite erklärt. Es waren 15 an der Zahl. Dann sollten die Fragebögen ausgefüllt werden.

Nachdem wir die Fragebögen erhielten übereichte ich dem Ansprechpartner meine persönliche Datenschutzerklärung. Er schluckte und meinte ich wäre der Erste der ihm sowas vorlegen würde. Nun ja, einer ist immer der Erste.

In der Ausfüllzeit gab es Einzelgespräche in einem anderen Raum. Ich beantwortete nur Fragen wo ich mit gutem Gewissen keine persönlichen Daten weitergegeben habe.
Dabei zeigte er mir dass er, also der Ansprechpartner, auf meine Daten vom Jobcenter zugreifen kann.
Da klingelte meine innere Alarmglocke. hatte ich doch dem Jobcenter 2017 untersagt meine Daten weiterzugeben. Hatte damals sogar an den Datenschutzbeauftragten geschrieben. Das gibt Ärger.

Nach dem Einzelgespräch durfte ich die 15 Bögen ausfüllen, was ich aber nicht tat. Hinzu kamen noch Zettel zur Einverständnis zur hybriden Teilahme der Maßnahme, wo der Ansprechpartner Antworten angekreuzt und die "telefonische" Bestätigung unterschrieben hat. Ich sollte dann auch, hab ich aber nicht. Habe das Einverständnisblatt in meinen Rucksack gepackt.

Auch einen Unterweisungsnachweis über die Gefährdung durch den Coronavirus habe ich nicht unterschrieben.

Der Höhepunkt kam fast zum Schluß. An jedem Teilnehmer wurde eine Abtretungserklärung der Fahrtkosten verteilt. Der Träger würde sich das Geld vom Jobcenter wiederholen. Praktisch. Man könne also den Fahrkostenantrag ans Jobcenter zerreissen. Ich habe diese Erklärung natürlich nicht unterschrieben, obwohl das Geld in bar vor mir lag. Feiner Trick. Und schon ist man mit dem Maßnahmeträger einen Vertrag eingegangen.

Zuguterletzt wurde mir gestattet die gesamten Unterlagen mitzunehmen. Da war ich dann doch irritiert. Nun erwartet der Maßnahmeträger alle Unterlagen, die es zu unterschreiben gibt, unterschrieben zurück.

Meine Frage ist nun, wenn ich den Unterweisungsnachweis über die Gefährdung durch den Coronavirus, nicht unterschreibe, kann mir daraus ein Strick gedreht werden? Mein Maßnahmeansprechpartner deutete an, dass er mich dann eventuell aus der Maßnahme nehmen müsste. :biggrin: Was natürlich schade wäre :biggrin:

Habe noch vergessen zu erwähnen, dass ich beabsichtige in Kürze eventuell vorzeitig in Rente zu gehen. Davon weiß das Jobcenter, trotzdem habe ich die Einladung zur Maßnahme erhalten. Mein Beratungsgespräch betr. Rente habe ich nächste Woche.
 

HermineL

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ALG II: Neue Methoden von Jobcenter/Maßnahmeträger bei Maßnahme IdP
 

abcabc

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Perfekt - vorbildliches Verhalten bei Zwangsmaßnahmen. (y)

Zuguterletzt wurde mir gestattet die gesamten Unterlagen mitzunehmen. Da war ich dann doch irritiert. Nun erwartet der Maßnahmeträger alle Unterlagen, die es zu unterschreiben gibt, unterschrieben zurück.
Das dauert ja sicher mindestens 1-2 Wochen mit der Prüfung... und erst dann entscheidest du dich, ob du mit irgendeinem Dritten Verträge abschließen willst oder doch nicht...
Wichtig: So lange du vom MT nichts schriftlich bekommst, solltest du dort jeden Tag pflichtgemäß nach Zuweisung auf der Matte stehen. Erst wenn der MT dir schriftlich gibt, dass du nicht mehr kommen musst oder darfst, kannst du fernbleiben. Sonst könnte der MT auf die Idee kommen dem JC zu melden, dass du unentschuldigt fehlst --> 30% Sanktion sind sicher.

Meine Frage ist nun, wenn ich den Unterweisungsnachweis über die Gefährdung durch den Coronavirus, nicht unterschreibe, kann mir daraus ein Strick gedreht werden?
Hast du diesen Zettel den überhaupt bekommen? ;)
Ist ne Grauzone... Falls es eskaliert und vor dem Sozialgericht endet, könnte es passieren, dass der Richter behauptet, dass du die Corona Unterweisung hättest unterschreiben müssen...
 
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Draisine

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Die Zuweisung zur Massnahme konterkariert Deine Absicht mit der Rente. Warum? Weil es oberstes Ziel dieser Massnahme sein soll-die Beschäftigungsfähigkeit wiederherzustellen, zu erhalten und zu stärken. Für den Weg dahin würde dann ein Integrationsplan erstellt, der auch eine betriebliche Erprobung beinhalten soll. In der Regel ist das eine Massnahme für Arbeitslose ab 18 Jahren, auch mit Migrationshintergrund. Zudem sieht die Massnahme regulär eine Nachbetreuung ein, sofern eine Beschäftigung aufgenommen würde. Das passt dann dummerweise zu 16i Coaching usw. Oder einer zusätzlichen Förderung nach 16g darüber hinaus. Was leider auch vorgesehen ist, dem Träger wird zugesichert, dass das mit dem Angebot an den Arbeitslosen schon der Status als Teilnehmer vorliegt, welcher dann mit dem ersten Gespräch durch und mit dem Träger verbindlich sein soll. Das klingt für mich so, als ob du bereits schon mit Versendung des Angebots durch den AV als Teilnehmer verbindlich gebucht würdest. JC und deren Träger sind vernetzt. Ich selbst war nicht in einer solchen Massnahme, Kenne aber die Standard Inhalte dieser Massnahme aus deren Aufträgen via vorherigen Ausschreibungen.
 
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Rimini57

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Tag 2 der Maßnahme - keine Sorge ich werde nicht jeden Tag von der Maßnahme berichten. Gleich zu Beginn wurden alle anwesenden Teilnehmer informiert, dass sie heute wegen Coronaverdacht nach Hause gehen dürfen (sollen). Aus der Art der Ansage hörte ich heraus, dass wir (die Anwesenden) selbst schuld wären, dass wir umsonst erschienen sind, da wir ja keine Daten (Mail, Tel. etc.) angegeben hätten. Ich fand meine Busfahrt und den anschließenden Spaziergang bei herrlichem Sonnenschein recht angenehm.

Darauf angesprochen ob ich denn den Corona- Unterweisungsnachweis unterschrieben mitgebracht hätte, verneinte ich und erklärte dass ich den zur Prüfung zusammen mit den 15 anderen Bögen zu meinem Rechtsbeistand geschickt habe. Ich bin ja unwissend und kenne die Paragraphen und deren Inhalt nicht auswendig

Da für die nächste Woche "Home Office" vorgesehen war gab es Hausaufgaben mit. Unter dem Titel "Anforderungen an den Arbeitnehmer/Schlüsselkompetenzen" waren Erklärungen zu lesen, die ich noch aus meiner Lehrzeit kenne. Damals wars und lange her. Es erinnerte wirklich an Draisines Post

....Massnahme für Arbeitslose ab 18 Jahren, auch mit Migrationshintergrund. Zudem sieht die Massnahme regulär eine Nachbetreuung ein, sofern eine Beschäftigung aufgenommen würde. Das passt dann dummerweise zu 16i Coaching usw. .....

Interessant fand ich auch den Bogen "Selbst- und Fremdeinschätzung von Schlüsselkompetenzen" Den werde ich natürlich niemals ausfüllen., natürlich auch die anderen nicht. Verrate ich aber vorher nicht.
In 5 Minuten hatte ich die Aufgaben durchgelesen. Im Prinzip bin ich schon mit der 2. Woche durch und warte auf nächste Aufgaben. Natürlich warte ich nicht wirklich

Wie es nun weitergeht werde ich dann wohl per Post erfahren oder auch nicht.
 

Jobhändla

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Interessant fand ich auch den Bogen "Selbst- und Fremdeinschätzung von Schlüsselkompetenzen" Den werde ich natürlich niemals ausfüllen., natürlich auch die anderen nicht. Verrate ich aber vorher nicht.

Irgendwie beschleicht mich der leise Verdacht das es sich dabei um psychlogisches Vorgehen handelt. Sehr grenzwertig. Kann positiv sowie negativ genutzt werden. Ich bin jedesmal wieder erstaunt wenn ich lese welche tollen Beratungsfunktionen in diesen Maßnahmen ausgeübt werden. Kannst du evtl. mal nachfragen was die Repräsentanten der Träger gelernt haben? Würde mich brennend interessieren ob da Sozialpädagogen oder sowas vertreten sind.
 

HermineL

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In manchen Verordnungen der Länder ist das Pflicht wenn man an Bildungsangeboten teilnehmen will
Das mag stimmen wenn man das aus eigener Initiative, also freiwillig, möchte aber nicht wenn dies einem vom Jobcenter aufgezwungen wird. Dann gilt nur das SGB II, das eine solche Pflicht nicht enthält, und nicht irgendwelche Länderverordnungen.
 

Onkel Tom

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dass wir umsonst erschienen sind, da wir ja keine Daten (Mail, Tel. etc.) angegeben hätten.

Oh, stehst Du also mit deinem gesunden Menschenverstand nicht alleine ?

Interessant fand ich auch den Bogen "Selbst- und Fremdeinschätzung von Schlüsselkompetenzen"

Wäre schön, wenn Du die Unterlagen hier anonymisiert hoch lädst. Gerade diese Selbsteinschätzungs-
Fragebögen schummeln sich gern an der Grenze von Persönlichkeitsmerkmalen und Privatsphäre
vorbei..

Bin ja immer neugierig interessiert.:biggrin:

Ich auch :wink:
 

Rimini57

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Muß man bei Corona-Verdacht nicht in Quarantäne und sich testen lassen? Komischer Verdacht.
Ich denke mal ja. Weil ich ja gestern nur im Gespräch (er hat viel gesprochen und ich sehr wenig) mit dem Leiter des Maßnahmeträgers war und nicht im Schulungsraum muss ich nicht in Quarantäne. Gottseidank. Der steht nicht unter Coronaverdacht.
Oh, stehst Du also mit deinem gesunden Menschenverstand nicht alleine ?
Ich war auch erstaunt

Wäre schön, wenn Du die Unterlagen hier anonymisiert hoch lädst.
Ich hoffe du kannst dich noch bis morgen gedulden, da habe ich mehr Zeit :)
 

faalk

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In manchen Verordnungen der Länder ist das Pflicht wenn man an Bildungsangeboten teilnehmen will
Also kann man doch gezwungen werden, sich eine Mailadress und vor allem ein Telefon anzuschaffen? Nicht das sich jemals die JC auf diese anscheinend "du musst" Gesetze dieser Bundesländer beruft. :wink:

Und was der Datenschutz wohl dazu sagt, dass ich gezwungen werde meine Privaten Daten zur email erstellung im Welt weiten (ich weis alles über dich) Netz preiszugeben?
 

HermineL

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Also kann man doch gezwungen werden, sich eine Mailadress und vor allem ein Telefon anzuschaffen? Nicht das sich jemals die JC auf diese anscheinend "du musst" Gesetze dieser Bundesländer beruft.
Nein kann man nicht weil das SGB II als Bundesgesetz nur die postalische Erreichbarkeit vorsieht. Länder.- , Kreis- oder kommunale Verordnungen können das SGB II als Bundesgesetz nicht aushebeln.
 

noillusions

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Also kann man doch gezwungen werden, sich eine Mailadress und vor allem ein Telefon anzuschaffen? Nicht das sich jemals die JC auf diese anscheinend "du musst" Gesetze dieser Bundesländer beruft.
Die jc sind sich eh ne Wundertüte. Wenn Unterschriftenverweigerung bei MT Verträgen von denen schon Mal mit Sanktion beantwortet werden, ist denen auch zuzutrauen dass sie meinen die freiwillige Angabe von Tel und Mail falle unter die Mitwirkungspflicht. Laut Verordnungen ist es so wie in der Kneipe: willst du nix angeben, hast du da nix drin zu suchen, du darfst halt nicht.
 

Jobhändla

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Nein kann man nicht weil das SGB II als Bundesgesetz nur die postalische Erreichbarkeit vorsieht. Länder.- , Kreis- oder kommunale Verordnungen können das SGB II als Bundesgesetz nicht aushebeln.
Sehr interessanter Punkt, ich bin extrem gespannt wie lange es noch dauert bis die fortschreitende Digitalisierung auch im Gesetz angekommen ist. Das kann nur eine Frage der Zeit sein.
 

Allimente

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Sehr interessanter Punkt, ich bin extrem gespannt wie lange es noch dauert bis die fortschreitende Digitalisierung auch im Gesetz angekommen ist. Das kann nur eine Frage der Zeit sein.

Von mir aus gerne, wenn sie es denn dann auch bezahlen :) Und was bei den Tücken der Technik so alles passieren kann. Zumal ich bei solchen Dingen einfach kein gutes Händchen habe. ;)
 
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