ALG-2 Bezug und währenddessen Berufsunfähigkeit; was macht man nun? (1 Betrachter)

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niro

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Hallo,

benötige Rat in Bezug auf einsetzende Arbeitsunfähigkeit bei ALG-2 Bezug:

Wenn man aufgrund von chronischen Krankheiten und Medikamenten weder körperlich noch psychisch in der Lage ist einer Arbeit nachzugehen, was macht man dann?
Sagen wir derzeit bezieht die Person ALG-2, und die Arbeitsunfähigkeit entsteht währenddessen. Das wäre doch Quatsch da jetzt alle 2 Monate sich zu bewerben und mit dem Jobcenter Beratern über Jobs usw. zu sprechen - so gut die das auch meinen. Gibts nicht eine Möglichkeit beständig Geld zu bekommen ohne dem Jobcenter irgendwas nachweisen zu müssen von wegen Bewerbung? Denn dieser Stress ist zusätzlich eine Krankheitsfördernde Belastung.

Wie geht man da vor, an welche Stelle wendet man sich? Schwerbehinderten Ausweis von über GdB 50 vorhanden.

Danke.

Ich glaube ich habe das falsche Wort gewählt. Es ist keine Arbeitsunfähigkeit, sondern Berufsunfähigkeit.
 

humble

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Wenn Du arbeitsunfähig bist, wirst Du vom Arzt arbeitsunfähig geschrieben, solange die Arbeitsunfähigkeit besteht. Während der Dauer der AU brauchst Du Dich nicht zu bewerben mit Hinweis auf die AUB. Sollte das jc die AU anzweifeln, oder den Umfang der AU feststellen wollen, haben sie den ärztlichen Dienst um Begutachtung zu beauftragen.

Im Prinzip brauchst Du unter Hinweis auf die AUB auch nicht zu den unsinnigen Meldeterminen "über die berufliche Situation" zu erscheinen. Das jc wird das höchstwahrscheinlich eine Wegeunfähigkeitsbescheinigung verlangen. Aber das ist wieder ein längeres Thema. In die Forensuche "Wegeunfähigkeitsbescheinigung" eingeben und viel lesen.

Viel Erfolg.
 

saurbier

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Hallo niro,

Ich glaube ich habe das falsche Wort gewählt. Es ist keine Arbeitsunfähigkeit, sondern Berufsunfähigkeit.
Es ist zuerst einmal ein erheblicher Unterschied zwischen Arbeitsunfähigkeit und Berufsunfähigkeit.

Eine Arbeitsunfähigkeit kann von einem Arzt ja per AUB bescheinigt werden. Eine Berufsunfähigkeit kann dir nur die DRV bzw. über eine private Absicherung in Form einer BU-Versicherung bescheinigt werden.

Eine Berufsunfähigkeit als solche über die DRV setzt ein Geburtsjahr vor 1961 und einen erfolgreichen Berufsabschluss (z.B. Gesellenbrief etc.) voraus, für danach geborene gibt es nur noch eine Teil-EMR. Bei den privaten BU-Versicherungen sieht dies je nach Vertrag ganz unterschiedlich aus. Letzten Endes jedoch setzten die DRV als auch die privaten Versicherer immer aussagekräftige ärztliche Befundberichte bis hin zu Gutachten voraus und bei der DRV in der Regel auch noch vorab eine Reha zwecks sozialmedizinische Begutachtung.

Da sollte dir jetzt schon klar sein was bei dir vorliegt.

Wenn du tatsächlich eine anerkannte Berufsunfähigkeit hast, dann bedeutet das fürs JC, daß du deinen Beruf eben nicht mehr ausüben kannst. Damit würdest du aber dem JC für jede andere berufliche Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt immer noch voll zur Verfügung stehen - gesundheitliche Einschränkungen immer berücksichtigt.

Eine Arbeitsunfähigkeit hingegen bedeutet beim JC das du so lange du eine AUB vorweisen kannst, nicht der Vermittlung zur Verfügung stehst.

Das ist jedoch noch lange kein Freifahrtschein, denn je nach JC und eben deiner Erkrankung kann es da durchaus zu Meldeterminen kommen. Ob man gewillt ist diese trotz AUB auch wahrzunehmen, hängt davon ab ob man bereit ist mit dem JC ggf. vor Gericht zu gehen, denn mitunter werden dort WUB´s verlangt, die sehr strittig sind (nur aus Sicht der JC, denn lt. Gesetz gibt es die nicht).

Grundsätzlich gilt, je länger eine AUB vorgelegt wird, je eher sollte das JC den ärztlichen Dienst zur Begutachtung deiner Leistungsfähigkeit einschalten (§ 44a SGB II), um über diesen abzuklären wozu du noch Leistungsfähig bist. Das kann mitunter dann auch soweit gehen, daß man dich auffordert einen Renten-Antrag zu stellen.

Gibts nicht eine Möglichkeit beständig Geld zu bekommen ohne dem Jobcenter irgendwas nachweisen zu müssen von wegen Bewerbung?
Nun ja, stelle einen Renten-Antrag und hoffe das die DRV dich daraufhin verrentet.

Ansonsten ist alles nur ein zeitlicher Aufschub, ganz getreu dem Motto - wer vom Staat ALG-II bezieht, hat alles ihm mögliche zu unternehmen die staatlichen Transferleistung nach seinen Möglichkeiten zu reduzieren -.

Denn dieser Stress ist zusätzlich eine Krankheitsfördernde Belastung.
Denn Stress beim JC haben alle anderen auch auf ihrer Arbeit, oder glaubst du ernsthaft das in der heutigen Zeit eine Arbeit ohne beruflichen Stress abläuft.


Grüße saurbier
 
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