ALG 1 und beabsichtigte Existenzgründung - Wie am besten vorgehen?

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Amateur

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Hallo liebe Forumsmitglieder,

ich stehe kurz vor meiner Arbeitslosigkeit, die am 1.4. beginnt. AL-Meldung ist schon erledigt, Antrag auf ALG1 beim AA ist Anfang April.

Grundsätzlich möchte ich mich selbständig machen. Meine SB hat bisher einen wohlwollenden Eindruck auf mich gemacht, muss sich aber letztlich ihren Weisungen fügen und dazu gehört auch das Absingen des bekannten Hoheliedes von dem Super-Arbeitsmarkt, der Aussichtslosigkeit eines Gründungszuschusses und des Vorranges der Vermittlung, welches willige Existenzgründer abschrecken soll.

Von meinen fachlichen Voraussetzungen kann ich mich ohne weiteres selbständig machen. Allerdings muß ich einen Businessplan und ein Finanzierungskonzept aufstellen, und brauche noch eine Tragfähigkeitsbescheinigung. Dies stelle ich mir recht zeitaufwendig vor, im betriebswirtschaftlichen Bereich habe ich nicht sehr viel Ahnung. Da muß ich also lesen, ggf. Schulungen besuchen, und das alles neben dem Bearbeiten der VVs, um Kürzungen zu vermeiden.

Kann mir vorstellen, dass es zeitlich eng wird, wenn ich mich in Vollzeit für die Vermittlung zur Verfügung stelle (jede Menge VVs, ggf. Maßnahmen, wenn es nicht wie gewünscht klappt). Ich habe mich kaum eine Woche arbeitslos gemeldet und habe schon neun „Stelleninformationen“ auf dem Tisch liegen, die Hälfte davon von ZAF.

Mir ist klar, dass die AA mit Gewalt versucht, mich zu vermitteln, um den Gründungszuschuss für sich zu „retten“ – meine SB hat mir ganz klar gesagt, sie wird sehr viel genauer darauf achten, dass ich alles Notwendige tue, um in ein sv-pflichtiges Arbeitsverhältnis zu kommen, als sie es bei jemandem tun würde, der keinen Gründungszuschuss beantragt. Bei dem würde sie das recht locker handhaben.

Nun muss ich mir eine Strategie überlegen. Die Möglichkeiten, die mir einfallen:

  1. Ich melde mich für Vollzeit-Verfügbarkeit, beantrage Gründungszuschuss, bereite mich neben den VV auf die Selbständigkeit vor.
  2. Ich melde mich für Teilzeit-Verfügbarkeit (ca. 80 % von Vollzeit), beantrage Gründungszuschuss, habe dadurch mehr Zeit, mich auf die Selbständigkeit vorzubereiten.
Natürlich ist immer das z.Zt. recht hohe „Risiko“ gegeben, dass der Gründungszusschuss nicht gewährt wird, auch wenn Finanzierungkonzept/Businessplan/Tragfähigkeit gegeben sind. Gibt es Erfahrungen, was sinnvoll ist und was nicht? Habe ich evtl. etwas übersehen?


Amateur
 

Holger01

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Ich hatte zunächst das Gewerbe angemeldet mit dem Zusatz "Nebengewerbe", also <15 Wochenstunden.

Damit konnte ich die Existenzgründung schon während des Alg1-Bezuges vorbereiten und ausbauen.

Als der Arbeitsumfang dann deutlich zunahm, beantragte ich den Gründungszuschuss. Die AfA verpflichtete mich dann zur Teilnahme an einem Existenzgründerseminar, 2 Tage, in dessen Verlauf wir auch die Businesspläne erstellten und vom Seminaranbieter die Tragfähigkeitsbescheinigung erhielten.

Nach Genehmigung des EGZ nahm ich beim Gewerbeamt den Hinweis auf "Nebentätigkeit" heraus und alles ging seinen Gang...

Wenn du keine Beschränkung auf Nebentätigkeit nachweist bzw. wenn du der AfA nicht deutlich erklärst, dass du maximal 14,9 Wochenstunden in deinem Gewerbe arbeiten wirst, wird dir das Alg1 wegen Nicht-Verfügbarkeit gestrichen.

Ich hatte damals auch die freiwillige Alo-Versicherung genutzt; das war von großem Vorteil, als es nach 4 Jahren aus gesundheitlichen Gründen geschäftlich nicht mehr weiterging.

Viel Glück!
 

stummelbeinchen

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Ich melde mich für Teilzeit-Verfügbarkeit (ca. 80 % von Vollzeit), beantrage Gründungszuschuss, habe dadurch mehr Zeit, mich auf die Selbständigkeit vorzubereiten.

Beachte, dass der Gründungszuschuss aufgrund der ALG1-Höhe berechnet wird. D.h. bei 80% ALG1 (weil auch nur 80% Verfügbarkeit) wird Dein Gründungschuss um 20% niedriger ausfallen.

mfg
 

Foederalist

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Du weißt aber schon, dass sich seit Ende Dezember die Rechtslage geändert hat (um Geld einzusparen). Der Gründungszuschuss wurde zwar nicht abgeschafft, wird aber inzwischen kaum noch gewährt. Der GZ ist nur noch eine "Kann"-Leistung. Es besteht also immer der Vermittlungsvorrang und der GZ muss zwingend notwendig sein, um Dich in Arbeit zu vermitteln. Gerade wenn man gut qualifiziert ist und ausreichend Stellen vorhanden sind, ist es also nicht mehr möglich einen Gründungszuschuss zu erhalten.
Ich bin sowieso erstaunt, dass der SB das Vorhaben nicht schon von vornherein abgebügelt hat, sondern immerhin von Dir einen Business-Plan etc. sehen will. Zumindest scheint dann ein Gründungszuschuss noch nicht völlig ausgeschlossen.
 

WilfriedTö

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Der Gründungszuschuss ist jetzt zwar eine Kannleistung, aber damit keine Willkürleistung.
Hierzu gibt es eine Durchführungsbestimmung der Bundesanstalt für Arbeit. Demnach gehen die Arbeitsagenturen wie folgt vor:
1. Zuerst wird in der Jobbörse geprüft, ob offene Stellen vorhanden sind. In diesem Fall wird zuerst versucht, den Arbeitslosen zu vermitteln. Tipp: Selbst schon vorher auf alle offenen Stellen eine Bewerbung schreiben und die Absagen mitbringen. Dann muss das Arbeitsamt in die Prüfung des Gründungszuschusses einsteigen.
2.Dann wird geprüft, ob der Arbeitslose die notwenige kaufmännische und fachliche Qualifikation hat. Tipp: Das Bundeswirtschaftsministerium fördert Seminare für Existenzgründer und Selbstständige. "Existenzgründerseminar" googlen und Seminar besuchen.
3. Es muss ein Businessplan erarbeitet werden. Dieser sollte in den ersten Monaten nicht zu optimistische Gewinne ausweisen, da ansonsten der Antrag wegen mangelnder Beürftigkeit abgelehnt werden kann. Wer allerdings nach sechs Monaten noch keine ausreichende Gewinne ausweist, wird allerdings auch abgelehnt. Tipp: Das Bundeswirtschaftsministerium fördert ebenfalls Workshops zur Businessplanerstellung.
4. Fachkundige Stellungnahme einholen, gibt es bei der Kammer, Unternehmensberatern oder der Hausbank.

Viele Arbeitsagenturen wimmeln Existenzgründer mit dem Hinweis ab, sie würden ohnehin nicht gefördert oder es sei kein Geld da. Geld ist genug da, wird nur nicht ausgegeben. Den Antrag sollte man auf jeden Fall stellen und gleich klar machen, dass man ggf. vor dem Sozialgericht klagt (ist kostenlos).
Auch ein Brief an Frau von der Leyen wirkt. Einer Kundin von mir antwortete von der Leyen, sie würde ihr bei Schwierigkeiten helfen. Diesen Brief hat sie dem Arbeitsamt vorgelegt, zwei Tage später war der Antrag bewilligt.
 

Mollmops

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Ich habe mich kaum eine Woche arbeitslos gemeldet und habe schon neun „Stelleninformationen“ auf dem Tisch liegen, die Hälfte davon von ZAF.
ZAF würden von mir nur eine Standardbewerbung erhalten. Einmal schreiben, Adresse ändern, ausdrucken, abschicken, Pflicht nachgekommen.

Ich bin sowieso erstaunt, dass der SB das Vorhaben nicht schon von vornherein abgebügelt hat, sondern immerhin von Dir einen Business-Plan etc. sehen will. Zumindest scheint dann ein Gründungszuschuss noch nicht völlig ausgeschlossen.
Dahinter kann auch stecken, dass dem Amateur noch ein bisschen Hoffnung gemacht werden soll. Die Vermittlung forcieren, aber seine Idee nicht ganz abbügeln, damit er sich hübsch kooperativ zeigt und letztendlich eine Zusage von einer ZAF bekommt und fein ausgetrickst wurde.

Ich würde es dennoch probieren, man muss sich schon durchboxen. Die Idee mit dem Nebengewerbe ist prinzipiell nicht schlecht, dazu außerdem für Vollzeit zur Vermittlung zur Verfügung stehen (Papier ist geduldig). Fragt jemand, wie Amateur das gedenkt zu schaffen, dient als Argumentation immer noch, dass ein Selbständiger sowieso mehr als 40 h/Woche schuftet.
 

Amateur

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ZAF würden von mir nur eine Standardbewerbung erhalten. Einmal schreiben, Adresse ändern, ausdrucken, abschicken, Pflicht nachgekommen.
Genauso werd ichs machen.

Ich würde es dennoch probieren, man muss sich schon durchboxen.
Werd ich auch machen.

Die Idee mit dem Nebengewerbe ist prinzipiell nicht schlecht, dazu außerdem für Vollzeit zur Vermittlung zur Verfügung stehen (Papier ist geduldig). Fragt jemand, wie Amateur das gedenkt zu schaffen, dient als Argumentation immer noch, dass ein Selbständiger sowieso mehr als 40 h/Woche schuftet.
Denke trotzdem, es hat in diesem Fall Vorteile (z.B. bezüglich Maßnahmen etc.), nicht Vollzeit, sondern z.B. nur 80% der Vollzeit zur Verfügung zu stehen. Dann hab ich mehr Zeit, um meine Selbständigkeit "nebenbei" vorzubereiten - Zeit, die mir in keinem Fall genommen werden kann.

Nur: Wann genau wird kein ALG mehr gezahlt? Wenn ich sage: Ich mache mich ab dem 1.5. selbständig, kriege ich dann kein ALG mehr, auch wenn (noch) kein Gründungszuschuss gewährt wurde?

Amateur
 

Holger01

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@Amateur,
wenn du dich zum 1.5. selbstständig machst, bekommst du kein Alg1 mehr.
Wenn du dich zum 1.5. selbstständig machst und einen Gründungszuschuss nicht bewilligt bekommen hast, bekommst du auch keinen Gründungszuschuss.

Einzige Lösung mit vollem Alg1: siehe Post #2.


P.S.: Warum willst du Geld verschenken, indem du dich nur zu 80 % zur Verfügung stellst? Alg1 ist eine Versicherungsleistung. Du hast dafür 100 % Beiträge bezahlt und hast Anspruch auf Leistung 100 %!

Zumal ja auch Meldebeträge an die RV niedriger wären, ebenso wie eventuelle Krankengeldansprüche... (was ist niemandem wünsche, ...).

Ebenso wäre der Gründungszuschuss nur bei 80 %!!!
 

Amateur

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P.S.: Warum willst du Geld verschenken, indem du dich nur zu 80 % zur Verfügung stellst? Alg1 ist eine Versicherungsleistung. Du hast dafür 100 % Beiträge bezahlt und hast Anspruch auf Leistung 100 %!

Zumal ja auch Meldebeträge an die RV niedriger wären, ebenso wie eventuelle Krankengeldansprüche... (was ist niemandem wünsche, ...).

Ebenso wäre der Gründungszuschuss nur bei 80 %!!!

Die 80% Verfügbarkeit sind hauptsächlich deshalb, damit mir die SB nicht auf die Idee kommt, mich in mehr oder weniger sinnlose Vollzeit-Maßnahmen zu stecken, wenn es mit der Vermittlung nicht klappt und mal wieder Statistiken geschönt werden müssen. Wenn es Mittel und Wege (oder Gesetze) gibt, Maßnahmen zu umgehen, bin ich mit Vollzeit dabei. Vllt. läßt sich das mit der SB besprechen? Allerdings bin ich der Reha-Abt. zugeordnet, und ich weiß nicht, wieviel Einfluß sie auf Maßnahmen hat.

Also im Prinzip einfach die Angst, die Vollzeit mit irgendwas Blödem zwangsgestopft zu bekommen und dadurch keine Zeit für Nebenbei-Vorbereitung zur Existenzgründung zu haben. Ist diese Angst berechtigt?

Amateur
 

stummelbeinchen

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P.S.: Warum willst du Geld verschenken, indem du dich nur zu 80 % zur Verfügung stellst? Alg1 ist eine Versicherungsleistung. Du hast dafür 100 % Beiträge bezahlt und hast Anspruch auf Leistung 100 %!

Das ist nicht richtig. Zum ALG1 gehören zwei Bedingungen:
1. entsprechende Einzahlungen
2. Erfüllen der Voraussetzung für die Auszahlung.
Wenn eines von beiden nicht klappt, dann gibts nichts oder eben nicht in vollem Umfang.
 

Holger01

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@Amateur:
Ich war schon öfters im Alg1-Bezug und habe nicht die Erfahrung gemacht, in Maßnahmen gezwungen zu werden.
Einmal hatte ich mir eine Maßnahme sogar aussuchen dürfen (Grundkurs SAP über zwei Wochen).

Auch während meiner Selbständigkeit <15 Wochenstunden war ich verschont geblieben (das war 2007). Allerdings hatte ich bereits darauf hingewiesen, in absehbarer Zeit auf Vollzeit auszudehnen und sodann den Gründungszuschuss zu nutzen. Das hat dann alles einwandfrei geklappt.

Wie es aktuell ist, wissen andere Forumsmitglieder besser...
Bitte melden...

@Stummelbeinchen:
TE hatte im ersten Satz in #1 deutlich von Alg1-Beantragung gesprochen. Wir können aus dem Gesamtzusammenhang davon ausgehen, dass er alle Anspruchsvoraussetzungen erfüllt.
Die Gewährung des Gründungszuschusses steht auf einem anderen Blatt...
 
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