Agentur für Arbeit geschlossen - "Personalengpass"

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ExitUser

Gast
Ich habe schon viele KollegInnen heulend am Schreibtisch sitzen sehen kurz vor Ende der Befristung. Dies u. a. auch, weil dann die Mitteilung "es geht weiter" erst ein paar Tage vor Ablauf kam. Insoweit ist die BA wirklich ein "super" Arbeitgeber.

Das kann ich nur unterschreiben. Ich habe die gleiche Erfahrung gemacht. Auch ich habe eine Kollegin weinend am Schreibtisch gesehen, nachdem ihr der Bereichsleiter zwei Wochen vor Vertragsende verkündet hat, dass eine Verlängerung nicht erfolgen wird. Als wäre das für sie nicht schon schlimm genug gewesen, empfand ich es aber als richtig zynisch, dass eine fest im Sattel sitzende Kollegin sie ein paar Tage später dann auch noch so nebenbei fragte, ob sie denn auch Kuchen zum Abschied backen würde. Da dache ich auch nur: Na klar, Mädchen! Die wird entlassen und soll dann auch noch den Abschied mit' nem Kuchen feiern. :icon_neutral:

Das Problem war in ihrem Fall auch, dass seitens des Vorgesetzten immer wieder gesagt wurde: "Das wird schon irgendwie!" Tja, wurde es dann aber eben doch nicht. Bei mir war das zweimal ganz ähnlich. Zum Ablauf der ersten Befristung erfuhr ich 2 Tage vor Vertragsablauf, dass es doch noch weitergeht. Kurz davor hatte ich gerade mein "Erstgespräch" im Jobcenter absolviert und mich - diesmal als Kunde - zu meinen Eigenbemühungen verpflichtet (da kein ALG I Anspruch nach dem Auslaufen der ersten Befristung, zumal < 1 Jahr Beschäftigungsdauer). Zum Ablauf der zweiten Befristung gab es für mich dann das Glück, noch anteilig die Elternzeitvertretung einer jungen Beamtin übernehmen zu dürfen. Davon erfuhr ich auch erst kurz vor Vertragsende, nachdem ich schon wieder mein "Erstgespräch" hatte, diesmal aber in der Agentur für Arbeit.

Grundsätzlich denke ich, dass der Frust bei vielen Befristeten daher rührt, dass sie a) enorme Planungsunsicherheit haben, und b) täglich sehen, dass es hinsichtlich der Frage, ob sie entfristet werden oder nicht, so gut wie keinen Unterschied macht, ob sie engagiert oder gleichgültigt mit "Kunden" arbeiten. Qualitative Aspekte spielen in der auf Kennzahlen fixierten BA bei der Beurteilung nämlich kaum eine Rolle (sie sind auch schwer zu messen bzw. zu objektivieren). Platt ausgedrückt: Entfristet wird man nicht etwa, weil man gut ist, was das viele Gerede von der Bestenauslese in der BA suggeriert, sondern schlicht und einfach deshalb, weil man eben das Glück hat, gerade zu dem Zeitpunkt im richtigen Jobcenter zu arbeiten, wo Stellen entfristet werden.

Des Weiteren ist der Frust oft auch deshalb so groß, weil man so spät vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Das ist zwar nachvollziehbar, um die Mitarbeiter bis fast zum Ende der Vertragslaufzeit motiviert und fügsam zu halten, aber am Ende zahlen es die nicht entfristeten bzw. nicht verlängerten Mitarbeiter der BA dann über negative Mundpropaganda doch zurück. Ich habe, das muss ich der Vollständigkeit halber wohl sagen, aber durchaus auch das Gegenteil erlebt, sprich: Mitarbeiter, die glücklich waren, dass sie gingen und den "Zirkus", das "Irrenhaus" oder die "Galeere" verließen, wie manche meiner Kollegen sich ausdrückten. Ich war zum Ende dann ja auch einer von denen, die glücklich waren, dass es vorbei war. Allerdings sind beim Auslaufen des Vertrages wohl fast ausschließlich diejenigen Mitarbeiter glücklich, die eben etwas anderes gefunden haben, die also in eine neue Beschäftigung einmünden, und nicht in die Arbeitslosigkeit.

Ich bin in Anbetracht dessen, dass meine Zeit im Jobcenter dazu beigetragen hat, dass ich meine jetzige Stelle erhalten habe, auf die BA keinesfalls nur schlecht zu sprechen. Denn die Arbeitszeiten, die Bezahlung und die Büro-Infrastruktur waren durchaus in Ordnung. Gleiches gilt für viele meiner durchaus netten Ex-Kollegen. Und für unbefristete Mitarbeiter, die willens und fähig sind, sich dem Führungsethos der BA zu beugen, bietet die BA wirklich lukrative Karriere- und Verdienstmöglichkeiten. Aber für jene, die befristet sind und vielleicht auch mal mit etwas kritischem Abstand auf das blicken, was sie da täglich tun, ist es eine andere Welt, da stellt sich die BA als im wahrsten Sinne des Wortes zutiefst asozialer Arbeitgeber dar, für den Mitarbeiterbindung und soziale Verantwortung ebenso Fremdwörter zu sein scheinen wie Kundenzufriedenheit, Nachhaltigkeit und Selbstreflexionsfähigkeit.

Die wenigsten kommen von der BA-Hochschule und gerade die sind, es, die als "Kind der BA" (O-Ton eines solchen "Kindes") die Mentalität der BA mit der Muttermilch aufgesogen haben und daher die Obrigkeitshörigkeit plakativ vor sich her tragen. Soll heißen: diese Kollegen scheinen damit besser klar zu kommen. Was nicht heißt, dass sie durch negative Einflüsse (Kollegen der Kommune, die zum eigenständigen Denken erzogen wurden) im Laufe der Zeit nicht doch ins Zweifeln kommen.

Auch das kann ich voll unterschreiben, deckt es sich doch mit meinen Erfahrungen. Längst nicht alle, aber doch ein Großteil der BA-Eigengewächse aus Mannheim oder Schwerin, die ich kennengelernt habe, hatten den Kadavergehorsam wesentlich stärker verinnerlicht als jene Externen, die an regulären Unis/FHs studiert hatten und quasi organisationsfremd zur BA stießen. Das verwundert auch nicht wirklich, denn die Studierenden der HdBA werden ja ganz gezielt im Studium über Jahre mit dem BA-Führungs- und Managementstil vertraut gemacht. Für die ist das, was man als Externer vielleicht als sonderbar wahrnimmt, mitunter eine Selbstverständlichkeit. Plakativ: Wo ein SoWi- oder GeiWi-Absolvent vielleicht mal nachhakt oder Kritik übt, ist es für viele BA-Eigengewächse durchaus eine Selbstverständlichkeit, das Denken den Vorgesetzten zu überlassen. Das aber nicht aus Dummheit, sondern deshalb, weil sie gelernt haben, dass man damit in der BA wirklich am besten fährt!

Das ist der Nachteil an dem (so man unbefristet ist) doch recht sicheren Job. Diesen Nachteil wollen offensichtlich viele befristete Kräfte in Kauf nehmen. Sonst gäbs ja das 2011er (oder 2012er?) Urteil des Bundesarbeitsgerichtes nicht, nach welchem die BA so viele Kräfte entfristen musste... Und auch in meinem JC klagt gerade ein (Ex)Kollege gegen seine Beendigung des AVs aufgrund Befristung.

Ich kann das auch nachvollziehen, zumal man ja bedenken muss, dass die BA gerade für Leute, die aus dem Sowi-, SozPäd- und GeiWi-Bereich kommen, durchaus ein lukrativer Arbeitgeber ist. Als pAp hat man nach einem Jahr gut 3200 € brutto im Monat bei TV-BA IV + Funktionszulage. Dazu kommen 29 Tage Urlaub sowie ein 13 Monatsgehalt. Das ist mitunter deutlich mehr, als so mancher 0815-Absolvent der Sozialpädagogik, Sozialwissenschaft, Philosophie oder Germanistik bei anderen Arbeitgebern (außerhalb der Wissenschaft oder Industrie) verdient.

Das mag darin begründet sein, dass es durchaus Menschen gibt, die sich gern leiten lassen und ungern selbst denken oder aber auch, dass es mehr als 2 Jahre dauert, bis man wirklich ausgebrannt ist (soweit man ein Mensch ist, der lieber selbst denkt).

Das sehe ich auch so. Es könnte aber wie gesagt ebenso daran liegen, dass der Verdienst die Bedingungen ein gutes Stück weit kompensieren kann. Dies insbesondere dann, wenn man sich an den Verhältnissen gar nicht mehr groß stört, weil man - um eben gerade kein burn-out zu erleiden - so abgestumpft ist, dass einem die Arbeit völlig egal geworden ist. Für die "Kunden" ist so eine Indifferenz dann nicht unbedingt toll, aber für den jeweiligen Mitarbeiter stellt sie eine Schutzfunktion dar.
 

hartz5

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Es ist doch wie immer in D....was nicht auf dem Papier steht, das kann Mensch nicht. Soziale Kompetenz, die für solch einen Job unerlässlich sein sollte, kann man nicht im Rahmen eines Studiums erwerben.

Wenn es denn der Arbeitsagentur auf MA ankäme, die das Gesetz verstehen und sinnvoll anwenden, sollte man nicht nur auf Zeugnisse schauen.
Gerade die, die die andere Seite des Schreibtisches kennen gelernt haben sind als MA wertvoller als dieses junge Volk mit xundneunzig Abschlüssen und 0 Lebenserfahrung.

ABER ich bin der festen Überzeugung, das ist gar nicht gewollt. Ich bleibe dabei, das Einstellen von Menschen, die rücksichtslos wider geltendes Gesetz handeln und bereit sind, auf Kosten von Existenzen Geld einzusparen sind, hat System bzw ist das System.
 

BibiBlocksberg2009

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Und dass man als SB viele unterschiedliche Menschen antrifft, auch welche, die einem schlaflose Nächte bereiten, ist doch klar. Das Jobcenter ist kein Club der Reichen. Da wird man unter den Kunden eher selten Leute mit Designerkleidung antreffen. Dass da welche stinken oder besoffen sind, muss man doch akzeptieren. Und das ist auch Lamentieren auf hohem Niveau. 10 bis 30 Minuten habt ihr mit denen zu tun, dann sind die weg. Andere Menschen scheinen ein dickeres Fell zu haben. Ich war schon in Altenheimen, Behindertenheimen, Behindertenwerkstätten und in Problemvierteln tätig. Ich habe nie gejammert. Manchmal hilft es auch, diesen Menschen zuzuhören. Das tut ihnen ziemlich gut. Und ich habe den Eindruck, dass dies in den Jobcentern nicht mehr passiert. Leider!
.... weil für das Zuhören keine Zeit vorgesehen ist bei der Fülle an "Kunden", die betreut und aktiviert werden müssen.
Das ist aber ein grundsätzliches Problem der sozialen Arbeit, nicht nur auf das Jobcenter beschränkt.

Wer gerne intensivere Gespräche in regelmäßigeren Abständen möchte, kann sich ja bei der JobOffensive "einweisen" lassen. :icon_razz:
 

ethos07

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Solange das Sanktionsregime politisch gewollt wird - die Gegenkräfte es politisch nicht schaffen, es wieder auszuhebeln- sind die PaPs der No-Job-Vermittlungsteams in den JCs schlicht einfach die Soldateska im - verdeckten - aktuellen 'Stellungskrieg' der gesellschaftlichen Klassen/Schichten gegeneinander.

Sorry, rutschte mir grad mal so raus... kann man ja nun aber noch verfeinern: dass es dort an dieser 'Front im Stellungskriegs' für die JC-Jobbersodateska nicht lustig ist (selbst wenn sie fürstlicher bezahlt würden) - sondern eben mit Rotz und Kotz behaftet, physisch oder auch bei den Gesitteteren nur als Faust oder Drperession in den Gesichtern der sog. 'Kundschaft' ist klar.

Und weil halt bislang auf beiden Seiten dieser gesellschaftlichen 'Frontlinie'nun nur immer jede/r an seinen eigenen individuellen kleine/n Tages'vorteil' denkt, wird das auch auf unendliche Zeiten noch so bleiben... Da können wir als 'Zuschauende'/Minder-Drangsalierte auf beiden Seiten der 'Frontlinie' nur ein wenig RotKreuz spielen und die Verwundeten für ihren nächsten Einsatz wieder fitmachen , ein wenig abhärten. Aber viel Aussicht scheint mir das - nach all den Jahren Verfestiung des 'Stellungskriegs' auf beiden Seiten nicht wirklich zu haben. (c) Maja Binder 2013 :))

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Mir geht es um Folgendes: .... Ich jedenfalls würde auch dann nicht ins Jobcenter wechseln wollen, wenn ich dafür zum Oberamtsrat befördert werden würde.

:danke: für die zahlreichen Infos @Lecarior

Eine mehrheitsfähige Einstellung, kein Vertun. Und der Zwang zum JC tut keinem gut, auch nicht der Sache.
:icon_hug:
 

Henrik55

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Solange das Sanktionsregime politisch gewollt wird - die Gegenkräfte es politisch nicht schaffen, es wieder auszuhebeln- sind die PaPs der No-Job-Vermittlungsteams in den JCs schlicht einfach die Soldateska im - verdeckten - aktuellen 'Stellungskrieg' der gesellschaftlichen Klassen/Schichten gegeneinander.

Sorry, rutschte mir grad mal so raus... kann man ja nun aber noch verfeinern: dass es dort an dieser 'Front im Stellungskriegs' für die JC-Jobbersodateska nicht lustig ist (selbst wenn sie fürstlicher bezahlt würden) - sondern eben mit Rotz und Kotz behaftet, physisch oder auch bei den Gesitteteren nur als Faust oder Drperession in den Gesichtern der sog. 'Kundschaft' ist klar.

Und weil halt bislang auf beiden Seiten dieser gesellschaftlichen 'Frontlinie'nun nur immer jede/r an seinen eigenen individuellen kleine/n Tages'vorteil' denkt, wird das auch auf unendliche Zeiten noch so bleiben... Da können wir als 'Zuschauende'/Minder-Drangsalierte auf beiden Seiten der 'Frontlinie' nur ein wenig RotKreuz spielen und die Verwundeten für ihren nächsten Einsatz wieder fitmachen , ein wenig abhärten. Aber viel Aussicht scheint mir das - nach all den Jahren Verfestiung des 'Stellungskriegs' auf beiden Seiten nicht wirklich zu haben.

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:danke: für die zahlreichen Infos @Lecarior


:icon_hug:
Die haben doch laut die Joboffensive ausgerufen. Was kann das bei fehlenden sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen anderes sein als eine Kriegserklärung an die Erwerbslosen. Denn die fehlenden Arbeitsplätze kann man nicht herbeizaubern. Man kann nur Leute aus der Statistik drücken, indem man sie pathologisiert, pädagogisiert, sanktioniert um sie in Sklavenarbeit zu drängen oder in eine Art offenen Strafvollzug der Träger abzuschieben.
Hin und wieder tritt auch ein marrokanischer Datenschutzbeauftragter auf den Plan welcher Empfänger und Datenschutzbeauftrager in Personalunion ist und der sich dann in die JVA abschieben lässt um dort seinen 1 € Job zu verrichten.
 
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