Agentur für Arbeit geschlossen - "Personalengpass"

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Kuhle Wampe

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Ein guter Tag für Alle, die nicht unter Zwangsvermittlung stehen wollen.
Packt Euere Koffer, macht Ausflüge!!!
 

hartz5

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Ach ja, Vollbeschäftigung ist schon was doofes....keine Leute zu finden

*Ironieaus
 
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Ein guter Tag für Alle, die nicht unter Zwangsvermittlung stehen wollen.
Packt Euere Koffer, macht Ausflüge!!!


und was ist mit denen die anträge stellen müssen oder unterlagen einreichen weil sonnst die leistungsabteilung diverse anträge nicht bearbeitet ?

sollen die auch koffer packen ?
 

JulieOcean

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Bei mir ist das ganz regulär - jeden Mitwoch ist die JC-Butze zu. Keine Ahnung warum, an mangelndem Andrang kann es wohl nicht liegen. :mad:
 

Lecarior

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Ach ja, Vollbeschäftigung ist schon was doofes....keine Leute zu finden

*Ironieaus
Die Träger der Grundsicherung haben es tatsächlich schwer, Stellen im Jobcenter adäquat zu besetzen. Man findet nicht ausreichend Personal mit Verwaltungsausbildung und ein Großteil derjenigen, die dort arbeiten, sieht sich nach anderen Stellen um. Im Personalrat habe ich mitbekommen, dass bei internen Stellenausschreibungen des Kreises deutlich überproportional viel Bewerber in unserem Jobcenter arbeiten. Zwei Kollegen, die dort gearbeitet haben, habe ich mal nach ihren Gründen befragt, sich dort wegzubewerben. Zwei Gründe waren bei beiden dabei: Die Kunden (Anmerkung: Einer kam ins Jugendamt, der andere ins Sozialamt) und die Behördenkultur der BA.

Auch unser Jobcenter hat entsprechende Probleme, seine Stellen entsprechend zu besetzen. Der Anteil von Quereinsteigern wird größer. Das gilt aber auch für andere Bereiche. In meinem Themengebiet weiß ich von mindestens drei Leuten in den nachgeordneten Behörden, dass sie keine Verwaltungsausbildung haben. Dass ich da als Fachaufsicht ein wenig mehr Hilfestellung geben muss, ist verständlich.
 

gila

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Danke für die Info, Lecarior ...
bei uns im Kreis ist es so, dass Stellen "eingespart" werden und Personal abgebaut.
Ist das ein "Trend"?
 

Texter50

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Mein Sachbearbeiter hat mir erzählt, dass die Agentur für keine Arbeit demnächst 15000 Stellen streicht!
Da werd ich mich dann um nen 1 Euro Job bewerben.
Nee sagen, das kann ich!!!! :icon_razz:
 

hartz5

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Die Träger der Grundsicherung haben es tatsächlich schwer, Stellen im Jobcenter adäquat zu besetzen.

Sorry, aber die Stellen werden mit genau denen besetzt, die billig und willig sind.
Deine Ausführungen mögen ja richtig sein, aber um eine adäquate Besetzung der Stellen geht es doch gar nicht, besonders, wenn man sieht, dass die Mitarbeiter, die nicht nur fordern sondern auch fördern wollen, die ersten sind, die gehen müsssen
 

Purzelina

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Zitat von Lecarior
Die Träger der Grundsicherung haben es tatsächlich schwer, Stellen im Jobcenter adäquat zu besetzen.
Das wird regional unterschiedlich sein.

Mein Jobcenter hat einen Personalüberhang, die Mitarbeiter in der Arbeitsvermittlung und in der Widerspruchsabteilung sind überwiegend gut qualifiziert. In der Leistungsabteilung findet man dagegen etliche Minderleister.
 

Lecarior

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Sorry, aber die Stellen werden mit genau denen besetzt, die billig und willig sind.
Deine Ausführungen mögen ja richtig sein, aber um eine adäquate Besetzung der Stellen geht es doch gar nicht, besonders, wenn man sieht, dass die Mitarbeiter, die nicht nur fordern sondern auch fördern wollen, die ersten sind, die gehen müsssen
Mir geht es um Folgendes: Wenn ich mir die im Internet verfügbaren Stellenbeschreibungen ansehe (z. B. Jobcenter Ennepe-Ruhr-Kreis, Jobcenter Ulm, Jobcenter Reinickendorf oder Jobcenter Pankow), dann sind sowohl die Arbeitsvermittlung als auch die Leistungssachbearbeitung mit E9 (bei Angestellten) bzw. A10 (bei Beamten) auf der Funktionsebene des gehobenen Dienstes angesiedelt. Erforderlich ist dafür eigentlich die Ausbildung, die ich habe: Dipl.-Verwaltungswirt (FH) bzw. Bachelor of Arts - Public Administration. Selbst Verwaltungsfachangestellte wären dafür erst geeignet, wenn sie den Angestelltenlehrgang II, also den Aufstieg zum Verwaltungsfachwirt geschafft haben. Und solche Stellen werden nun notgedrungen zum Teil mit Leuten besetzt, die nun zum ersten Mal mit Gesetzen zu tun haben und quasi on the job angelernt werden. Dass das nicht problemlos läuft, ist mir vollkommen klar. Ich bin mir aber auch dessen bewusst, dass die Personalverantwortlichen da kaum eine andere Wahl haben. Ich jedenfalls würde auch dann nicht ins Jobcenter wechseln wollen, wenn ich dafür zum Oberamtsrat befördert werden würde.
 

0zymandias

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[...] Zwei Gründe waren bei beiden dabei: Die Kunden (Anmerkung: Einer kam ins Jugendamt, der andere ins Sozialamt) und die Behördenkultur der BA.
[...]

Wurden denn die Kunden an sich als schwierig empfunden oder das, was man mit den Kunden machen sollte?

[...] Ich jedenfalls würde auch dann nicht ins Jobcenter wechseln wollen, wenn ich dafür zum Oberamtsrat befördert werden würde.

Eine mehrheitsfähige Einstellung, kein Vertun. Und der Zwang zum JC tut keinem gut, auch nicht der Sache.
 
E

ExitUser

Gast
Dass die Jobcenter massive Probleme mit der Stellenbesetzung haben, und zwar wie erwähnt sowohl hinsichtlich Quantität als auch hinsichtlich Qualität der Bewerber, ist schon lange bekannt. Das wird sowohl von (Ex)-Mitarbeitern der BA wie auch vom BA-Hauptpersonalrat seit Jahren in internen PR-Infos bemängelt. Denn viele Mitarbeiter in den Jobcentern sind überlastet, frustriert und latent burn-out gefährdet. Einiges dazu lässt sich hier nachlesen. Über die Frustration vieler Mitarbeiter aufgrund der Unsinnigkeit dessen, wie die Arbeit in den Jobcentern derzeit abläuft, kann man sich hier und hier informieren. Einen eher informellen Blick findet man auch hier.

Dass Mitarbeiter in den Jobcentern oftmals nicht hinreichend rechts- und verfahrenskundig arbeiten, stimmt zweifellos. Das hat allerdings, anders als hier im Forum oft suggeriert, nicht per se etwas mit etwaiger Faulheit oder Unfähigkeit der Mitarbeiter zu tun, obwohl es auch unter den Jobcenter-Mitarbeitern faule und Unfähige zweifellos gibt. Individuelle Faulheit/Unfähigkeit ist aber nicht das wirkliche Problem. Sie ist ein vernachlässigbarer Faktor, denn Faulheit/Unfähigkeit gibt es in jeder Organisation. Das Problem ist vielmehr ein grundsätzliches, ein institutionelles.

Denn selbst wenn Mitarbeiter im Jobcenter gut arbeiten wollen (was die meisten, die ich kenne, durchaus möchten), erhalten sie oftmals gar nicht die Möglichkeit dazu, ihrer Arbeit im Sinne der "Kunden" positiv und zugewandt zu gestalten. Das wäre durchaus möglich! Das SGB II gibt einem in vielen Dingen nämlich sehr wohl Ermessens- und Entscheidungsspielräume. Dass diese derzeit in vielen Jobcentern allerdings selten zum Vorteil der Kunden angewandt werden, liegt an strukturellen Versäumnissen wie auch an einer auf Kadavergehorsam getrimmten Führungskultur in der BA. Der Personalmangel ist da nur ein kleiner Indikator unter vielen für ein grundsätzlich systemisches Problem. Was den Personalmangel angeht, ist dieser in großen Teilen hausgemacht.

Viele Mitarbeiter bringen keine Rechts- oder Verwaltungsausbildung mit. Unter den Älteren finden sich Beamte aus dem mittleren und gehobenen Dienst der ehemaligen Post, Bahn oder Telekom, wo diese Mitarbeiter mitunter in einem gänzlich anderen Bereich, teils ohne jeden Kundenkontakt, gearbeitet haben. Unter den Jüngeren sind vornehmlich Seiteneinsteiger aus dem Bereich BWL, SozPäd, Sowi, GeiWi, die ebenfalls nicht unbedingt in Verwaltungs- oder Sozialrecht geschult sind. Alle bekommen dann mehrwöchige Crash-Kurse, der Rest ist im Wesentlichen learning by doing, d.h. Ausprobieren, Hospitieren, Nachfragen, Selbststudium.

Es gibt zwar auch zwischendurch immer mal wieder Schulungen, nur fehlt bei nicht selten 400 + X "Kunden", die ein Vermittler zu betreuen hat, ganz oft einfach die Zeit, das Gelernte bzw. in Schulungen Gehörte auch zu erproben und zu routinisieren. Es müsste kollegiale Beratung, Supervision oder Fallbesprechungen geben, doch gibt es die in kaum einem Jobcenter. Erschwerend kommen die häufigen Gesetzesänderungen hinzu, wie auch die Tatsache, dass sehr oft neue HEGAs, ELWs und FHs erlassen bzw. überarbeitet werden. Auch das relevante Arbeitsprogramm VerBIS wird alle paar Monate geupdated, was dann dazu führt, dass man sich erst mal nicht zurecht findet.

Erschwerend kommt die fatale Befristungspraxis der BA hinzu. Die ständigen Befristungen ohne Entfristungen bringt es mit sich, dass die Quereinsteiger, nachdem sie nach 1-2 Jahren in der Rechtsanwendung einigermaßen routiniert und bedingt kompetent sind, wieder gehen müssen. Die festen Kräften, die dann zurückbleiben, leiden logischerweise unter dem dann erst mal höheren Arbeitsaufkommen während der Zeit, wo neue Mitarbeiter eingearbeitet werden und sie zusätzlich den workload der Ex-Kollegen aufgehalst bekommen, die nun ihre "Kunden" bzw. die "Kunden" ihrer Kollegen auf den besseren Posten in den Agenturen (SGBIII) sind.

Das heißt, auch wenn man als Jobcenter-Mitarbeiter selbst ganz kompetent ist (bzw. sich dafür hält), fehlt es oft an Zeit, diese Kompetenz zur Anwendung bringen zu können. Man macht dann eben nur das Nötigste. Oder eben das, was einem gesagt wird, auch wen man eigentlich weiß, dass das in der Form rechtlich fragwürdig ist. Häufig sind die befristeten Kräfte im Jobcenter dabei übrigens mehr für sich selbst vermittelnd tätig, als für ihre "Kunden". Zumindest ging mir das so. Ich habe, wahrend ich Mitarbeiter im Jobcenter war, nicht weniger Bewerbungen pro Monat geschrieben als zu der Zeit, wo ich "Kunde" war. Über 5 Bewerbungen im Monat kam ich eigentlich immer hinaus.

Darüber hinaus fehlt es - abgesehen vom Befristungsproblem sowie vom Mangeln an fundierten Rechtskenntnissen - fast allen Mitarbeitern (mit Ausnahme der Sozialarbeiter/Pädagogen) oft an den einfachsten Basis-Skills im Bereich der Vorteilsübersetzung und Kommunikation. Schwer wiegt auch, dass die Mitarbeiter kaum auf den Kontakt mit "sozialen Randgruppen" vorbereitet werden, denen man im Jobcenter unausweichlich ausgesetzt ist. Das Problem ist einfach, dass durch die Hartz-Reformen Menschen plötzlich als arbeitsfähig eingestuft wurden und als vermittelbar galten, die vorher in der Sozialhilfe betreut wurden. Von denen muss man jetzt - nach manchmal 20 Jahren der Nicht-Aktivierung - etwas fordern, weil der Gesetzgeber das eben verlangt (Aktivierungszwang). Und man muss denen ggfs. sogar ihr weniges Geld noch kürzen, obwohl man weiß, dass das ganz sicher nicht dazu führt, dass sie schneller in den Job kommen, sondern dass eher noch mehr soziale Desintegration die Folge ist. Aber der Gesetzgeber und die BA-Manager verlangen es. Das System verlangt es.

Und dies bringt es mit sich, dass man dann halt auch schon mal angeschrien, bedroht und beschimpft wird. Es wird laut und unangenehm. Überdies stinkt es gelegentlich nach Alkohol, Urin und Kotze. Man hat es im Jobcenter teilweise mit "Kunden" zu tun, die ein hochproblematisches Verhalten an den Tag legen, was viele der Mitarbeiter aus ihrem sonstigen privaten Umfeld in keiner Weise gewohnt sind. Das schockt und irritiert dann. Ich sage bewusst teilweise, um zu betonen, dass nicht die Mehrheit der "Kunden" gemeint ist. Die Mehrheit ist nicht problematisch, aggressiv oder unverschämt, sondern völlig "normal", wie immer man das für sich auch definiert. Es sind aber eben die Extremfälle, die einen als Mitarbeiter fordern, die einem mitunter schlaflose Nächte bereiten, die krank machen.

Es ist etwas völlig anderes, ob man in einer Stadtverwaltung, z.B. im Bürgerbüro oder Bauamt arbeitet, oder eben im Jobcenter tätig ist. Ich will dabei die Jobcenter nicht verteidigen. Ich bin heilfroh, dort nicht mehr zu arbeiten. Ich will aber aus Sicht eines ehemaligen pAp schildern, woran es liegt, dass es oft Personalengpässe gibt. Und ein Grund dafür ist in meinen Augen eben die potentiell krankmachende, frustrierende Unattraktivität der Arbeit im Jobcenter. Das ist eben eine gewisse Paradoxie: Jobcenter-Mitarbeiter vermitteln, so sie überhaupt je vermitteln, oft in krankmachende Arbeit, nämlich in prekäre, demütigende ZAF-Jobs. Dabei macht ihre eigene Arbeit eben nicht selten auch krank, sie ist lediglich besser bezahlt.

Dazu, dass die Arbeit potentiell krankmachend ist, bei tragen ganz entschieden auch die Verwaltungsvorgaben der BA, die teilweise abstrusen, realitätsfernen Konzepte und Managementideale (4PM, NEO etc.), die dort vorherrschen. Diese wurden von neoliberalen Consultants, Controllern und Chance-Managern im Nürnberger Elfenbeinturm konzipiert, sind in der Praxis aber oft überhaupt nicht umsetztbar, weil in ihnen völlig falsche Rahmenbedingungen zugrunde gelegt werden, bzw. verkannt wird, was sich realistischerweise wirklich umsetzen lässt. Des Weiteren wird in der BA einem zynischen, durchökonomisierten Menschenbild das Wort geredet, wonach man nur etwas "wert" ist, wenn man eben wertschöpferisch tätig ist, wie stumpfsinnig, krankmachend und umweltzerstörend die Arbeit auch sein mag.

Im Klartext lässt sich sagen: An der Basis, auf dem street-level ganz unten, wo die SBs/pAps/FMs/FAs/BOVs tätig sind, rumort es richtig. Ganz oben im Nürnberger Elfenbeinturm, im BA-Olymp des ignoranten Ach-was-sind-wir-toll, wird das aber völlig ignoriert, negiert und als Genörgel bzw. - wie im Falle von Inge Hannemann - gar als potentielle Gefährdung des Personals schroff zurückgewiesen. Ein Gipfel des Zynismus: Kritisches Personal gefährdet sich durch seine Kritik, so die perfide Logik der BA-Oberen, offenbar selbst. Zum Schutz der Mitarbeiter muss den Mitarbeitern daher aufgetragen werden, das eigene kritische Denken zu unterlassen! Denn die BA, die BA die hat immer Recht, immer Recht...!

Dabei könnte man auch in Nürnberg um die Probleme wissen, wäre man dort nicht so ignorant und hinge man nicht so sehr der Devise an, dass eben nicht sein kann, was nicht sein darf. Die Probleme sind offenkundig und für jeden einsehbar, doch wird seitens der BA dennoch nichts geändert. Und das frustriert natürlich viele Mitarbeiter, denen tagtäglich vor Augen geführt wird, dass ihre Arbeit eben - anders als von den BA-Managern behauptet - eindeutig keine Arbeit für die Menschen ist, sondern eine Arbeit ausschließlich für die Statistik, für viele grüne Balken.

Dass Mitarbeiter, denen sich dann berufliche Alternativen eröffnen, geneigt sind, diese anzunehmen und die surreale Welt des Jobcenters schnell zu verlassen, verwundert da wohl kaum. Ich vermisse jedenfalls, obgleich ich im Jobcenter viel gelernt habe und nette Menschen auf beiden Seiten des Schreibtisches kennenlernen durfte, keine Sekunde meiner ehemaligen Zeit im Jobcenter.
 

Helga40

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Und das Ganze jetzt nochmal bitte in den Thread bzgl. der Abschaffung der BA... :icon_biggrin:

:danke:
 
E

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Sorry, aber die Stellen werden mit genau denen besetzt, die billig und willig sind.
Deine Ausführungen mögen ja richtig sein, aber um eine adäquate Besetzung der Stellen geht es doch gar nicht, besonders, wenn man sieht, dass die Mitarbeiter, die nicht nur fordern sondern auch fördern wollen, die ersten sind, die gehen müsssen


die BA/JC wollen das Aldi System anwenden ^^
da kommen nur noch anscheisser und Sadisten unter vertrag
die alten fliegen raus da diese noch zu sozial eingestellt sind und menschlich dazu

schau dich um die jungen dinger was die für eine Einstellung haben was h4 Empfänger angeht
98% von denen vertretten die Meinung der bildzeitung das alle faul und unwillig sind
na denn ^^
 

Helga40

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Das ist Quatsch. Rotiert (alte weg, neue rein) wird nur aus dem Grund, weil bei Befristungen nunmal bestimmte Fristen zu beachten sind, z. B. dass es nur maximal 2 Jahre sind, wenn ohne Sachgrund befristet wurde.

Die BA will schlichtweg keine festen Stellen mehr schaffen und nimmt dafür in Kauf, dass viele Angestellte nach maximal 2 Jahren (und dann u. U. endlich bestehender Kenntnis der Tätigkeit) wieder verschwinden und neue (ohne Ahnung) eingestellt werden, die dann den Arbeitskreislauf noch erschweren, indem sie erstmal mühevoll eingearbeitet werden müssen.

Es ist so, wie BurnsTorn goldrichtig geschrieben hat.

Im Übrigen habe ich die Erfahrung gemacht, dass gerade die neuen (insbesondere die jungen, die direkt nach dem Studium, z. B. Sozialpädagogik) kommen, wesentlich mehr dazu neigen, die Welt noch rosarot zu sehen. Und teilweise waren sie selbst nach dem Studium erstmal in den "Genuss" von ALG 2 gekommen...
 

gila

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Mir geht es um Folgendes: Wenn ich mir die im Internet verfügbaren Stellenbeschreibungen ansehe (z. B. Jobcenter Ennepe-Ruhr-Kreis, Jobcenter Ulm, Jobcenter Reinickendorf oder Jobcenter Pankow), dann sind sowohl die Arbeitsvermittlung als auch die Leistungssachbearbeitung mit E9 (bei Angestellten) bzw. A10 (bei Beamten) auf der Funktionsebene des gehobenen Dienstes angesiedelt. Erforderlich ist dafür eigentlich die Ausbildung, die ich habe: Dipl.-Verwaltungswirt (FH) bzw. Bachelor of Arts - Public Administration. Selbst Verwaltungsfachangestellte wären dafür erst geeignet, wenn sie den Angestelltenlehrgang II, also den Aufstieg zum Verwaltungsfachwirt geschafft haben. Und solche Stellen werden nun notgedrungen zum Teil mit Leuten besetzt, die nun zum ersten Mal mit Gesetzen zu tun haben und quasi on the job angelernt werden. ...

"Früher" - also als ich als Beamtin im Sozialamt tätig war, "reichte" für die Sachbearbeitung eine mittlere Beamtenlaufbahn, Schwerpunkt war das BSHG - was in der Praxis auch von restlos ALLEN Mitarbeitern beherrscht wurde.
Heutzutage sitzt einem eine Ex-Telekom-MA gegenüber, teils gefrustet, weil sie einen Job macht, den sie eigentlich nicht will ...


.....
Und dies bringt es mit sich, dass man dann halt auch schon mal angeschrien, bedroht und beschimpft wird. Es wird laut und unangenehm. Überdies stinkt es gelegentlich nach Alkohol, Urin und Kotze. Man hat es im Jobcenter teilweise mit "Kunden" zu tun, die ein hochproblematisches Verhalten an den Tag legen, was viele der Mitarbeiter aus ihrem sonstigen privaten Umfeld in keiner Weise gewohnt sind. Das schockt und irritiert dann. Ich sage bewusst teilweise, um zu betonen, dass nicht die Mehrheit der "Kunden" gemeint ist. Die Mehrheit ist nicht problematisch, aggressiv oder unverschämt, sondern völlig "normal", wie immer man das für sich auch definiert. Es sind aber eben die Extremfälle, die einen als Mitarbeiter fordern, die einem mitunter schlaflose Nächte bereiten, die krank machen.


DAS gab es auch schon "früher", zu meiner Zeit und ich musste in sehr jungen Jahren schon damit umgehen können.
Das wurde einfach erwartet und hatte auch mit Respekt und Einfühlungsvermögen zu tun - Schulungen, Coachings etc. gab es schlicht nicht. Auch kein Sicherheitspersonal und es gab nicht wenige "Problembären" mitunter!
Stallorder war einfach auch anders: Benehmt Euch anständig dem Bedürftigen gegenüber ... ihm stehen die Leistungen zu!!!

Ob das ein richtiger "Penner" war, der nach Alk roch und sich vorm Tisch aufbaute und drohte: "Wenn isch nix kriesch mach isch Molotofffffff ..." :eek: oder die verlassene Ehefrau und Mutter von 6 Kindern, die schon mal den Rock bis zur Hüfte in die Höhe hob um zu "beweisen", dass der Ar... von den Tritten ihres Gatten schon ganz blau war ...

Und abends ging man in die gleichen Kneipen und wurde von diesen Leuten auf ein Kölsch eingeladen mit den Worten: "Du kanns ja och nix dafür".

Was hat sich inzwischen so sehr verändert?
Mitunter liegt es wirklich an der FÜHRUNG!
 

0zymandias

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Interessante Runde, interessante Postings :biggrin:

Da muss ich gleich fragen: Hält denn jemand von Euch - theoretisch gesprochen - das Hartz-IV-Konzept für reformfähig oder muss es ein Reset geben?

(Gefragt natürlich unter der Voraussetzung, dass ich den Reformbedarf prinzipiell richtig als konsensfähig eingeschätzt habe.)
 

Helga40

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- was in der Praxis auch von restlos ALLEN Mitarbeitern beherrscht wurde.

Quark. Da waren auch Flachpfeifen dabei. Z. B. meine damalige Sachgebietsleiterin. Es gäbe für Erwerbsunfähige einen MB. "Aber nur, wenn sie G haben.", "Nein, alle.", "Schauen Sie doch selbst nach § 23 Abs. 1 BSHG."... Und selbst danach noch Diskussion...

SGB X, SGB I? Rechtsfolgebelehrungen nach 86 SGG oder 96 SGG? Glaubst du doch nicht, dass da wirklich einer Ahnung von hatte... Hat auch niemanden interessiert, weil das BSHG für Anwälte damals irgendwie noch unattraktiver als das jetzige SGB II war und die Verwaltungsgerichtsbarkeit bei Weitem nicht so sozial wie die Sozialgerichtsbarkeit.

Man konnte sich schlichtweg besser durchwurschteln. Es hat sich niemand für die paar Hanseln Sozialhilfeempfänger interessiert.
 

Helga40

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Da muss ich gleich fragen: Hält denn jemand von Euch - theoretisch gesprochen - das Hartz-IV-Konzept für reformfähig oder muss es ein Reset geben?

Ehrliche Meinung? Ich wäre für ein Bürgergeld in etwa angelehnt an die jetzigen Bedarfssätze incl. einer Pauschalmiete (gestaffelt nach den Kosten am Wohnort, München ist nunmal teurer als Nordhausen..).

Und zur Vermittlung soll nur der kommen, der wirklich will, weil er halt mehr Kohle haben möchte.

Außerdem soll sich die BA aus dem SGB II ganz raushalten. Die sollen ihre Obrigkeitshörigkeit in ihren eigenen Reihen durchsetzen. Da haben sie noch genug Spielwiese.
 

0zymandias

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:danke:

Blöd wie ich bin, habe ich übersehen, dass ich meine Frage auch schon mal für mich beantworten kann. Nachhol (Möge man mir den Inflexiv nachsehen):

Zusammenkehren und in den Ascheimer. Wäre das Effektivste.
Wäre aber auch schon für kleine Schritte zur Linderung dankbar:

  • Sanktionsobergrenze von 30%
  • Miete, KdU, KK, etc. werden als unverfügbar erkannt
  • Maßnahmen sanktionslos ablehnbar (Allerdings schlecht für den Verband der Psychotherapeuten und die Innung forensischer Kliniken)
  • Anpassung der Zumutbarkeit (wäre eine faktische Teil-Vorwegnahme des Mindestlohns)
 

BibiBlocksberg2009

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Die BA will schlichtweg keine festen Stellen mehr schaffen und nimmt dafür in Kauf, dass viele Angestellte nach maximal 2 Jahren (und dann u. U. endlich bestehender Kenntnis der Tätigkeit) wieder verschwinden und neue (ohne Ahnung) eingestellt werden, die dann den Arbeitskreislauf noch erschweren, indem sie erstmal mühevoll eingearbeitet werden müssen.

Ehrlich gesagt:
Je nach Standort und "Klientel" kann es für einen JC-Mitarbeiter aber auch ein Segen sein, nur 2 Jahre dort arbeiten zu müssen.
Und sich danach - zumindest aus ALGI-Bezug heraus - wieder eine neue Perspektive zu suchen.
Wie lange bspw. so ein junger, motivierter "Hüpfer", der frisch von der BA-Hochschule kommt und gerne mit Menschen arbeiten möchte, diesen alltäglichen JC-Arbeitsfrust und den Spagat zwischen "Ich würde gerne, es geht aber nicht, und mein Teamleiter sagt...." aushält, bevor er selbst innerlich ausbrennt (d.h. vor die Hunde geht), sei mal dahingestellt. :icon_rolleyes:
 

Helga40

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Je nach Standort und "Klientel" kann es für einen JC-Mitarbeiter aber auch ein Segen sein, nur 2 Jahre dort arbeiten zu müssen.

Erfahrungsgemäß ist dem (ungeachtet den weiteren Ausführungen) nicht so. Ich habe schon viele KollegInnen heulend am Schreibtisch sitzen sehen kurz vor Ende der Befristung. Dies u. a. auch, weil dann die Mitteilung "es geht weiter" erst ein paar Tage vor Ablauf kam. Insoweit ist die BA wirklich ein "super" Arbeitgeber.

Wie lange bspw. so ein junger, motivierter "Hüpfer", der frisch von der BA-Hochschule kommt

Die wenigsten kommen von der BA-Hochschule und gerade die sind, es, die als "Kind der BA" (O-Ton eines solchen "Kindes") die Mentalität der BA mit der Muttermilch aufgesogen haben und daher die Obrigkeitshörigkeit plakativ vor sich her tragen. Soll heißen: diese Kollegen scheinen damit besser klar zu kommen. Was nicht heißt, dass sie durch negative Einflüsse (Kollegen der Kommune, die zum eigenständigen Denken erzogen wurden) im Laufe der Zeit nicht doch ins Zweifeln kommen.

diesen alltäglichen JC-Arbeitsfrust und den Spagat zwischen "Ich würde gerne, es geht aber nicht, und mein Teamleiter sagt...." aushält, bevor er selbst innerlich ausbrennt (d.h. vor die Hunde geht),

Das ist der Nachteil an dem (so man unbefristet ist) doch recht sicheren Job. Diesen Nachteil wollen offensichtlich viele befristete Kräfte in Kauf nehmen. Sonst gäbs ja das 2011er (oder 2012er?) Urteil des Bundesarbeitsgerichtes nicht, nach welchem die BA so viele Kräfte entfristen musste...

Und auch in meinem JC klagt gerade ein (Ex)Kollege gegen seine Beendigung des AVs aufgrund Befristung.

Das mag darin begründet sein, dass es durchaus Menschen gibt, die sich gern leiten lassen und ungern selbst denken oder aber auch, dass es mehr als 2 Jahre dauert, bis man wirklich ausgebrannt ist (soweit man ein Mensch ist, der lieber selbst denkt).
 

Vincet

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Ich muss ja ehrlich sagen, dass ich auch total nette MitarbeiterInnen kennengelernt habe, die auf Fragen auch mit einem Lächeln antworten. Und Probleme hatte ich eigentlich noch nie. Es gibt aber doch schwarze Schafe im Jobcenter, die ich auch schon mal kennenlernen durfte, welche aber gottseidank nicht für mich zuständig waren.

Und dass man als SB viele unterschiedliche Menschen antrifft, auch welche, die einem schlaflose Nächte bereiten, ist doch klar. Das Jobcenter ist kein Club der Reichen. Da wird man unter den Kunden eher selten Leute mit Designerkleidung antreffen. Dass da welche stinken oder besoffen sind, muss man doch akzeptieren. Und das ist auch Lamentieren auf hohem Niveau. 10 bis 30 Minuten habt ihr mit denen zu tun, dann sind die weg. Andere Menschen scheinen ein dickeres Fell zu haben. Ich war schon in Altenheimen, Behindertenheimen, Behindertenwerkstätten und in Problemvierteln tätig. Ich habe nie gejammert. Manchmal hilft es auch, diesen Menschen zuzuhören. Das tut ihnen ziemlich gut. Und ich habe den Eindruck, dass dies in den Jobcentern nicht mehr passiert. Leider!
 
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