Ab wann hat man nach dem Studium Anspruch auf Alg ll? Spielen dabei bestimmte Faktoren eine Rolle, z.B. ob man eine abgeschlossene Berufsausbildung hat?

GanzGeheim

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Hallo,

ich habe meine Abschlussarbeit Mitte August abgegeben und warte noch auf meine Note und damit auch auf mein Abschlusszeugnis.
Zum 31.8. habe ich mich exmatrikuliert, da ich bei keinem Studentenjob mehr für einen Monat bis Semesterende angenommen worden wäre.
Zum 14.9 soll ich eigentlich meine Note erfahren, aber es könnte sich bis Ende September hinziehen, da meine Mentorin im Urlaub ist.
Das Prüfungsamt würde mir ein vorübergehendes Abschlusszeugnis ausstellen, bis zu dem "richtigen" dauert es nochmal mind. 2 Wochen nach der Benotung.

Meine Sachbearbeiterin hat gesagt, dass ich erst wenn ich mein "richtiges" Abschlusszeugnis habe, Anspruch auf Alg II habe, da ich so lange als Bafögförderungsfähig gelte.
Nur bekomme ich schon seit 2016 kein Bafög mehr, da die Diagnose meiner chronischen Krankheit ein paar Tage nach dem Leistungsnachweis gestellt wurde und die Diagnose davor hätte gestellt werden müssen. Ich bin nicht mehr Bafögberechtigt / habe keinen Anspruch mehr darauf. Auch wenn man nicht immatrikuliert ist, hat man kein Anrecht auf Bafög....
Im Jobcenter eine Stadt weiter wurde mir gesagt der Zeitpunkt der Exmatrikulation zählt und sie können das nicht nachvollziehen. Die Agentur hatte auch die ganze Zeit von der Exmatrikulation gesprochen.

Des Weiteren hat mir meine Sachbearbeiterin gesagt, dass ich ja auch gar nicht vermittelbar sei, weil ich mein Abschlusszeugnis noch nicht habe. Das verstehe ich nicht ganz, da ich ja eine Berufsausbildung vor dem Studium abgeschlossen habe und darin vermittelt werden könnte.

Nun bin ich sehr verwirrt. Die Sachbearbeiterin meinte, dass es wohl erst ab Dezember klappen wird. Bitter ist, dass ich am Ende einen Kredit aufnehmen musste und tatsächlich gar kein Geld mehr habe und schon überlege zur Tafel zu gehen (wenn mir denn da überhaupt etwas zusteht).

Wisst ihr, ab wann man nach dem Studium Anspruch auf Alg II hat? Ob dabei Krankheit eine Rolle spielt? Die Bedürftigkeit? Dass man eine abgeschlossene Berufsausbildung hat?

Vielen Dank schon mal für eure Antworten.
 

abcabc

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Hallo und willkommen im Forum.
Du hast natürlich ab 01.09. vollen Anspruch auf ALG II (Exmatrikulation und kein Anspruch auf Bafög oder andere Sozialleistungen). Wenn du Ü25 bist und nicht mehr vei deinen Eltern wohnst, hat das JC 0 Chancen dich abzulehnen.

Du hast beim JC wahrscheinlich ne Lügnerin als SB erwischt oder sie hat 0 Ahnung von ihrem Job. Glaube dieser Frau nie wieder ungeprüft etwas - höchstens dass ihre Oma im Hühnerstall Motorrad fährt. Bei allen Dingen die Leistungsrelevant sind mindestens mal kurz googlen.

Die Auskünfte hat sie dir sicher nur mündlich erteilt oder auch schriftlich?
Hast du deinen ALG II Antrag nachweisbar eingereicht oder eine Antwort vom JC erhalten, aus der hervorgeht, dass der Antrag eingereicht wurde?

Wichtiger Tip:
Lass dich vom JC in keinen Drecksjob zwingen. Nimm lieber 30% Sanktion in Kauf und such dir dafür im Alleingang einen "Akademiker Job" - vorausgesetzt du hast ein Fach studiert, mit dem man aufm Arbeitsmarkt Chancen hat und die Note ist Ok.
Es könnte sonst passieren, dass die SB versucht dich bei irgendeiner Zeitarbeitsfirma als Hilfsarbeiter zu versklaven. Nach spätestens 1-2 Jahren ist dann dein Lebenslauf zerstört und du wirst es extrem schwer haben den Berufseinstieg zu schaffen bei Akademiker Jobs (sowohl 1-2 Jahre Lücke - verschweigen vom Drecksjob, als auch die Wahrheit mit dem Hilfsjob schrecken die meisten potentiellen AGs ab).
Das solltest du der SB aber nie offen sagen, dass du lieber 30% Sanktion hinnimmst um dafür in Ruhe einen brauchbaren Job für den Berufseinstieg als Akademiker zu suchen.
 
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isso

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Vermutlich geht die Argumentation von @abcabc in folgende Richtung (wobei es hier um ein Urlaubssemester ging)

Damit ist ein Studierender während eines Urlaubssemesters dann nicht von Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem SGB II ausgeschlossen, wenn er in dieser Zeit aus organisationsrechtlichen Gründen der Hochschule nicht mehr angehört oder die organisationsrechtliche Zugehörigkeit zwar weiterhin vorliegt, er sein Studium jedoch tatsächlich nicht betreibt
BSG, Urteil vom 22.08.2012, Az.: B 14 AS 197/11 R

Dein Fall ist nicht der "klassische" Fall eines Studierenden. Die meisten werden erst mit Bekanntgabe der Abschlussnote/letzten Prüfung exmatrikuliert und exmatrikulieren sich nicht vorher selbst. Und dem Grunde nach ist ein Studium in Vollzeit bis zu der Bekanntgabe förderungsfähig (§ 15b Abs. 3 BAföG).
1Die Ausbildung endet mit dem Ablauf des Monats, in dem die Abschlussprüfung des Ausbildungsabschnitts bestanden wurde, oder, wenn eine solche nicht vorgesehen ist, mit dem Ablauf des Monats, in dem der Ausbildungsabschnitt tatsächlich planmäßig geendet hat. 2Abweichend von Satz 1 ist, sofern ein Prüfungs- oder Abgangszeugnis erteilt wird, das Datum dieses Zeugnisses maßgebend. 3Eine Hochschulausbildung ist abweichend von den Sätzen 1 und 2 mit Ablauf des Monats beendet, in dem das Gesamtergebnis des erfolgreich abgeschlossenen Ausbildungsabschnitts bekannt gegeben wird, spätestens jedoch mit Ablauf des zweiten Monats nach dem Monat, in dem der letzte Prüfungsteil abgelegt wurde.

Den Gedankengang wird vermutlich derjenige gehabt haben, der dir die Auskunft gegeben hat. Und somit ist die Antwort gar nicht unbedingt so einfach, da du theoretich nach Bafög Gesetz dem Grunde nach förderungsfähig wärst und auch nicht im Sinne des §15b Abs. 4 BAföG deine Ausbildung abgebrochen hast. Somit hast du dich zwar exmatrikuliert, das ändert aber erst einmal nichts daran, dass du ursprünglich noch dem Grunde nach BAföG förderungsfähug gewesen wärst und dies nur durch deine eigenständige vorzeitige Exmatrikulation, um bis zur Bekanntgabe der Note schon SGB II Leistungen zu erhalten, anders ist.

Wenn man nun aber die Ausführungen des BSG hinzuzieht, könntest du versuchen zu argumentieren, dass du weder mit der Organisation weiter verbunden bist noch dein Studium weiter betreibst, was durch die Exmatrikulation eingetreten ist. Und deswegen an dem Tag nach der Exmatrikulation anspruchsberechtigt nach dem SGB II wärest.

Riesige Chancen sehe ich aber nicht unbedingt aufgrund von §15b BAföG.
 
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grün_fink

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ich meine auch etwas über Behinderung oder Krankheit heraus gelesen zu haben.
Da kann das JC nicht überall hin vermitteln, müsste theoretisch erst den ärztlichen Dienst einschalten, der dazu sein Statement abgibt. Das geht ganz so schnell allerdings nicht. Bis dahin dürfte aber die Erwerbsfähigkeit nicht geklärt sein.
Scheint, SB möchte sich Arbeit vom Hals halten.

Was hast du eigentlich schriftlich beantragt und schriftlich abgelehnt bekommen?
 

Seekuh

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Es kommt auf den Zeitpunkt der Exmatrikulation an.

§ 15b BAföG unterstellt, dass die Person noch immatrikuliert ist.

Maßstab ist die abstrakte Förderungsfähigkeit (= Förderungsfähigkeit dem Grunde nach). Zeiten ohne Immatrikulation sind nicht abstrakt förderungsfähig. Es findet kein "Besuch" der Ausbildungsstätte (§ 2 BAföG) mehr statt.
 
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