450 Euro Job und nun zusätzlich "Midi Job"

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´n Abend,

vorweg:
ich beziehe ALG 2 und habe einen 450 € Job, in dem ich monatlich aber nur maximal 280 € verdiene.
Dies wird vom zuständigen Jobcenter verrechnet (Freibetrag, Prozente etc.).


Heute bekam ich Antwort auf eine Bewerbung. Es sieht wohl so aus, dass ich 20 Stunden in der Woche (wohl zum Mindestlohn) dort arbeiten könnte, das wären dann also ca. 680 € im Monat.

Ich habe schon etwas gegoogelt, bin aber in den Berechnungen und Gesetzen absolut nicht drin. Vielleicht kann man mir hier kurz helfen oder ein paar verständliche Links oder nützliche Tipps geben.


Was mich interessiert ist:

- wie sieht es steuertechnisch dann für mich aus?
- was werde ich vom Gesamtverdienst behalten dürfen?
- lohnt sich das überhaupt?
- wie genau wird das alles berechnet?
- habe ich was vergessen?





Grüße & Danke
 

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O.K.

Das heisst also, dass ich die beiden Bruttoverdienste (680 € des Midi-Jobs u. 280 € des 450 €-Jobs) einfach zusammenrechnen muss? Es gilt dann als ein Gehalt und wird dementsprechend versteuert und Co.?




EDIT:

Nachdem ich nun den Gesamtverdienst (ca. 960 €) durch den Rechner gejagt habe, komme ich auf eine Nettozahl, die knapp 10 € unter meinem puren ALG 2 Geld liegen würde (also ohne das Geld aus dem jetzigen 450 € Job). Das heisst also ich hätte nun mit den beiden Jobs weniger zur Verfügung als würde ich nicht arbeiten oder als hätte ich nur den 450 €-Job + ALG 2?

Was meinst Du mit höherer Freibetrag?


EDIT_2:

Ich blicke da leider noch nicht durch ....


Mehr Tipps oder Infos sind hochwillkommen.
 

biddy

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Wenn ich jetzt mal von 20 Std./Woche zu 8,50 €/Std. und 4,33 €/Wochen im Monat ausgehe, wären das ca. 736,10 € brutto.
Der Gleitzonenrechner sagt: ca. 598,40 € netto

Gesamtbrutto:
ca. 280 € Minijob + 736,10 € Midijob = 1016,10 € brutto

Gesamtnetto:
ca. 280 € Minijob + ca. 598,40 € Midojob = 878,40 € netto


Freibetrag:

100 € Grundfreibetrag* nach § 11b Abs. 2 SGB II
+ 180 € (20 % des Brutto ab 100 bis 1.000 €, also 20 % von 900 €) nach § 11b Abs. 3 Nr. 1 SGB II
+ 1,61 € (10 % des Brutto ab 1.000 bis 1016,10 €, also 10 % von 16,10 €) nach § 11b Abs. 3 Nr. 2 SGB II
------------------------------
= 281,61 € Gesamtfreibetrag

878,40 € Gesamtnetto
- 281,61 € frei, nicht anrechenbar
---------------------------
= 596,79 € anrechenbar


Nachdem ich nun den Gesamtverdienst (ca. 960 €) durch den Rechner gejagt habe, komme ich auf eine Nettozahl, die knapp 10 € unter meinem puren ALG 2 Geld liegen würde
Das kannst Du so nicht ausrechnen lassen, denn der Minijobverdienst hat ja nichts im Brutto-Netto-Rechner zu suchen. Und bei Gleitzonenjobs wird der Anteil der Sozialversicherungsbeiträge, die der Arbeitnehmer, also Du, zu zahlen hat, von einem geringeren Brutto errechne (da gibt's spezielle Gleitzonenrechner).

Liegt Dein Alg-II-Bedarf (Regelbedarf + KdU-Bedarf) bei zum Beispiel 800 €, dann:

800 € Alg-II-Bedarf
- 596,79 € anrechenbares Erwerbseinkommen
-------------------------
= 203,21 € aufstockendes ALGII würdest Du dann ca. noch bekommen, wenn Du beide Jobs ausübst.

Bisher beträgt Dein Freibetrag bei ca. 280 € Minijobverdienst 136 €.
Die hast Du also bisher "zusätzlich" zur Verfügung ("zusätzlich" im Sinne von "neben dem reinen Regelbedarf von 399 €").
Übst Du daneben noch den Midijob aus, steigt der Freibetrag, also das, was nicht anrechnet wird vom Verdienst und Du somit zusätzlich zur Verfügung hast, auf ca. 281,61 €. Sind also 145,61 € mehr als jetzt.




* Dein Gesamtfreibetrag kann noch steigen, wenn Du durch Deine Aufwendungen - also Fahrtkosten (ÖPNV oder Kfz) zur Arbeit + 30 € Versicherungspauschale + 15,33 € Werbungskostenpauschale + ggf. Kfz-Haftpflichtversicherung + ggf. Riesterrentenbeitrag - über die pauschal gewährten 100 € Grundfreibetrag kommst. Dann muss der höhere Betrag statt der 100 € GFB abgesetzt werden.

Beispiel mit 15 km einfache Strecke zur Arbeit:

30 € Versicherungspauschale
+ 15,33 € Werbungskostenpauschale
+ 57 € Fahrtkosten (19 Arbeitstage bei 5-Tage-Woche * 20 Cent * 15 km oder tatsächl. Kosten für günstigstes Monatstickets öffentl. Verkehrsmittel)
+ 35 € Kfz-Haftpflicht
+ 5 € Riesterrentenbeitrag
--------------------------------
= 142,33 € insgesamte Aufwendungen

Hier würde dann der oben errechnete Gesamtfreibetrag um 42,33 € steigen, da statt der 100 € Grundfreibetrag die tatsächlichen 142,33 € abgesetzt werden müssen
 

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Dank für die schnelle und kompetente Antwort. Bin ich geneigt, folgendes Zitat zu meiner Beruhigung und Grund zur Zusage zu verwenden:
Bisher beträgt Dein Freibetrag bei ca. 280 € Minijobverdienst 136 €.
Die hast Du also bisher "zusätzlich" zur Verfügung ("zusätzlich" im Sinne von "neben dem reinen Regelbedarf von 399 €").
Übst Du daneben noch den Midijob aus, steigt der Freibetrag, also das, was nicht anrechnet wird vom Verdienst und Du somit zusätzlich zur Verfügung hast, auf ca. 281,61 €. Sind also 145,61 € mehr als jetzt.
Alles nachvollziehen kann ich leider noch nicht, deshalb nehme ich diese (für mich) leicht verständliche Aussage auch als Aufhänger ....

Trete ich (tatsächlich morgen, kurzfristig und ein bißchen kurios) diesen zusätzlichen Job an, werde ich also monatlich knapp 150 € mehr zur Verfügung haben. Das wäre erstmal positiv.

Aber habe ich hier ein Verständnisproblem:

- 145,61 € mehr -

Momentan habe ich ca. 900 € zur Verfügung (ALG 2 770 € + MiniJob 280 €). Rechnet man die 145,61 € drauf, lande ich bei ca. 1050 €.
Diese 1050 € habe ich dann zur Verfügung?
Das wäre doch mehr als das Gesamtbrutto aus beiden Jobs. Wie kann das sein?

Habe ich sicher einiges noch nicht verstanden und bitte um Nachsicht.
 

kerstin2

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Momentan habe ich ca. 900 € zur Verfügung (ALG 2 770 € + MiniJob 280 €). Rechnet man die 145,61 € drauf, lande ich bei ca. 1050 €.
Diese 1050 € habe ich dann zur Verfügung?
Das wäre doch mehr als das Gesamtbrutto aus beiden Jobs. Wie kann das sein?
Schau doch mal in deine Bewilligungsbescheide, daraus kannst du einiges lesen. Wenn du Hilfe brauchst (und die Bescheide sind echt nicht selbsterklärend) gibt es in deiner Stadt bestimmt eine Arbeitslosenhilfe oder so, die dir hilft.

Ich versuchs mal ganz vereinfacht:

Es wird ein Mindesbedarf für dich zu Grunde gelegt. Der hat nichts mit deinem Einkommen zu tun, egal ob Netto oder Brutto. Er besteht aus Regelsatz, Unterkunft (KdU), eventuell Mehrbedarfe. Wenn du diesen Mindestbedarf nicht aus eigener Arbeitskraft erwirtschaften kannst, bekommst du von SGB II Zuzahlungen - du "stockst auf".

Dein Brutto-Einkommen interessiert dabei nicht, sondern das Netto-Einkommen. Davon werden aber noch einige Freibeträge abgezogen, das ist dann das anrechenbare Netto. Die Berechnung hat biddy ja wunderbarst oben aufgeführt.

Also:
- Von deinem Netto werden Freibeträge abgezogen
===> Dies ergibt das anrechenbare Netto.
- Von dem dir zustehenden Mindestbedarf wird das anrechenbare Netto abgezogen
===> Diese Differenz wird dir als aufstockendes Hartz 4 ausgezahlt

Ganz kurz:
Mindestbedarf - Netto + Freibeträge = aufstockender Betrag
oder
Mindestbedarf - anrechenbares Netto = aufstockender Betrag

Alles klaro? :)

Gruß von Kerstin
 

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´n Abend,

die Wolken lichten sich langsam. Habe mir den (wirklich hervorragenden) Post von biddy wieder und wieder durchgelesen - und es wird besser.

Vielleicht geht es ja nur mir so, aber als Anfänger im "Mehrjob-Bereich" finde ich diese ganze Berechnung alles andere als übersichtlich. Wird aber sicher Sinn ergeben - wer würde es auch wagen an dem zu zweifeln, was unsere Obrigkeit so verzapft.

Habe heute nach einer Anlaufstelle (wie empfohlen "Arbeitslosenhilfe") in meiner Gegend ausschau gehalten - und tatsächlich eine gefunden.
Wenn mir alle übrigen Daten (Arbeitsvertrag etc.) vorliegen, werde ich mir mal zur Sicherheit einen Termin geben lassen.

Bis dahin suche ich mir übers Wochenende mal einen "speziellen Gleitzonenrechner" und schaue, was ich dank Euch an Vorarbeit leisten kann.


Danke nochmals in die Runde - für die aufgewendete Zeit und die Ausführlichkeit.
 

biddy

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iese 1050 € habe ich dann zur Verfügung?
Das wäre doch mehr als das Gesamtbrutto aus beiden Jobs. Wie kann das sein?
Zieh' mal von den 1051,61 Deinen Bedarf von ca. 770 € ab - was bleibt übrig? Richtig, Dein Freibetrag von Mini- und Midijob, also der Teil, der nicht angerechnet wird (281,61 €). Für's Jobcenter existiert quasi dieser Teil des Gesamtnetto, das Du von den Arbeitgebern bekommst, also diese freien, nicht anrechenbaren 281,61 €, gar nicht - so könnte man's ausdrücken. Und 1051,61 € (die Du circa zur Verfügung hast) minus 281,61 € (die circa frei/nicht anrechenbar sind) sind ja eben genau 770 € = genau Dein Alg-II-Bedarf vor Anrechnung von Einkommen ... und der muss ja gedeckt sein.
 
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