2 Wochen "Praktikum" im Call-Center

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darby

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Hallo zusammen,

mein Sachbearbeiter hat mich dazu verdonnert, mich nächste Woche in einem Call-Center vor zu stellen. Nach einem Bewerbertag soll ein 2-wöchiges unbezahltes "Praktikum" folgen, welches zur Einarbeitung dient.

Weiß vielleicht jemand ob dies rechtens ist? Da ich auf keinen Fall in einem Call-Center arbeiten möchte, frage ich mich wie ich aus der Nummer wieder raus komme. Kann entsprechendes Verhalten beim Bewerbertag zu einer Sanktion führen: Wenn ich zum Beispiel sage, dass ich gerne einen(!) Probetag mache, aber meine Arbeitskraft nicht 2 Wochen umsonsten zur Verfügung stellen möchte?

Danke für eure Antworten!

Gruß darby
 

darby

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@lernfähiger:
Das Stellenangebot hat er mir beim Termin mündlich unterbreitet. Eine EGV habe ich eine ganz "normale". Muss halt jede Stelle annehmen um meine Hilflosigkeit zu beenden usw....

edit: Ist wohl Usus in diesem Call-Center die Leute erst nach 2 Wochen Probearbeit einzustellen.
 

darby

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Ich kann nicht scannen.
Der Kernsatz: Sind verpflichtet alle Möglichkeiten zur Beendigung oder Verringerung ihrer Hilfebedürftigkeit auszuschöpfen, um ihren Lebensunterhalt unabhängig von Leistungen des SGB II aus eigenen Mitteln und Kräften bestreiten zu können.
 

final-doom

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Ich sage es Dir nochmal keiner kann Dich zwingen ohne Bezahlung zu Arbeiten. Auch nicht die ARGE Schergen. Was meinst Du warum Er es Dir mündlich unterbreitet hat!
 
E

ExitUser

Gast
Wenn ich zum Beispiel sage, dass ich gerne einen(!) Probetag mache, aber meine Arbeitskraft nicht 2 Wochen umsonsten zur Verfügung stellen möchte?

Auch ein einziger Probetag ändert nichts daran, dass man seine Arbeitskraft nicht umsonst zur Verfügung stellt.

Sag denen dass ruhig so, NACHDEM du einen SCHRIFTLICHEN VV hast und zum Vorstellungsgespräch musst.
Dann nehmen die dich ohnehin nicht, weil sie merken, da lässt sich einer nicht einfach so ausbeuten.

Der Kernsatz: Sind verpflichtet alle Möglichkeiten zur Beendigung oder Verringerung ihrer Hilfebedürftigkeit auszuschöpfen, um ihren Lebensunterhalt unabhängig von Leistungen des SGB II aus eigenen Mitteln und Kräften bestreiten zu können.

Das ist man ohnehin ab Leistungsbezug und Vermittelbarkeit.

Das ist wiedermal ein "Klassiker" der schön aufzeigt, dass eine EGV ein reines potentielles Sanktionsmittel darstellt, und sonst null komma überhauptnix anderes.
 

Purzelina

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...SGB II sieht eine Leistungsabsenkung insbesondere vor, wenn der erwerbsfähige Hilfebedürftige sich trotz Belehrung über die Rechtsfolgen weigert, eine zumutbare Arbeit, Ausbildung oder Arbeitsgelegenheit aufzunehmen oder fortzuführen.

Der Verweigerungshandlung muss dabei im Falle der verweigerten Arbeitsaufnahme notwendigerweise ein Angebot zur Aufnahme einer bestimmten Beschäftigung vorausgehen (Valgolio in Hauck-Noftz, SGB II, K § 31 Rn. 50 (Stand: November 2007)). Dies setzt nicht voraus, dass der Leistungsträger die Arbeitsgelegenheit unterbreiten muss. § 31 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 Buchst. c) SGB II erstreckt sich auf Beschäftigungsangebote eines Arbeitgebers und solche Tätigkeiten, auf die der Hilfebedürftige selbst aufmerksam geworden ist (Berlit in LPK-SGB II, 2. Auflage 2007, § 31 Rn. 33).

(1) Entgegen der Ansicht der Antragsgegnerin hat sich der Antragsteller durch den Abbruch des Praktikums nicht geweigert, eine Arbeit, Ausbildung oder Arbeitsgelegenheit fortzuführen. Denn bei dem unentgeltlichen Praktikum handelt es sich nicht um eine Arbeit, Ausbildung oder Arbeitsgelegenheit im Sinne des § 31 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. c) SGB II.

Unter Berücksichtigung der Wertung des § 10 Abs. 1 und des § 2 Abs. 2 S. 2 SGB II ist "Arbeit" in diesem Sinne jede (lohn-)abhängige Erwerbstätigkeit, die sozialversicherungsrechtlich ein (sozialversicherungspflichtiges) Beschäftigungsverhältnis konstituiert (Rixen in Eicher/Spellbrink, SGB II, 2. Auflage 2008, § 10 Rn. 25). Ein Praktikum, für das kein Entgelt oder Lohn gezahlt wird, erfüllt diese Kriterien nicht. Dies folgt bereits aus § 2 Abs. 2 S. 2 SGB II, der bestimmt, dass erwerbsfähige Hilfebedürftige ihre Arbeitskraft zur Beschaffung ihres Lebensunterhalts einzusetzen haben. Da unentgeltliche Tätigkeiten diesen Zweck (unmittelbar) nicht zu erreichen vermögen, sind sie insofern auch nicht als "Arbeit" i.S.d. §§ 10 und 31 SGB II zu qualifizieren.

Ein Praktikum ist auch keine Ausbildung im oben genannten Sinne. Denn der Begriff der Ausbildung betrifft die Berufsausbildung (Rixen a.a.O., § 10 Rn. 27).

Das unentgeltlich zu absolvierende Praktikum stellt schließlich auch keine Arbeitsgelegenheit i.S.d. § 31 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. c) SGB II dar. Denn der Begriff der Arbeitsgelegenheit in diesem Sinne bezieht sich auf alle Arbeitsgelegenheiten gemäß § 16 SGB II, wobei damit insbesondere Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Arbeitsgelegenheiten gemeint sind, die mit Hilfe von Eingliederungszuschüssen geschaffen werden (Rixen a.a.O., § 31 Rn. 15).
https://sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/esgb/show.php?modul=esgb&id=78213

Ein weiterer Beschluss:

https://www.elo-forum.org/allgemein...aech-bemaengelt-91358/index4.html#post1166462
 

darby

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Und deswegen nur mündlich unterbreitet
Das ist bei uns in der Optionskommune übrigens immer so. Es gibt, wenn überhaupt, nur "Zettel" mit der Stellenbeschreibung ohne Rechtshilfebelehrung.
Mit diesen muss man zur einer städtischen Jobagentur gehen und bekommt erst da den Namen der Firma genannt.

Aber die Paragraphen von Purzelina helfen mir schon sehr weiter.Das hört sich gut an. Danke dafür!
 

Fuzzi

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Hallo

vielleicht solltest du am Berwerbertag ein wenig stottern....:biggrin:

ich zum beispiel sollte mich bei einer Leihklitsche als Wachmann berwerben. hab dann mal gefragt ob ich auch ne Knarre krieg....:biggrin:
 

SixpackRanger

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Ich kann nicht scannen.
Der Kernsatz: Sind verpflichtet alle Möglichkeiten zur Beendigung oder Verringerung ihrer Hilfebedürftigkeit auszuschöpfen, um ihren Lebensunterhalt unabhängig von Leistungen des SGB II aus eigenen Mitteln und Kräften bestreiten zu können.

Verringert eine unbezahltes Praktikum deine Hilfebedürftigkeit ?

Denk einfach mal kurz drüber nach.
 

Claus.

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Es gibt, wenn überhaupt, nur "Zettel" mit der Stellenbeschreibung ohne Rechtshilfebelehrung.
Mit diesen muss man zur einer städtischen Jobagentur gehen und bekommt erst da den Namen der Firma genannt.
Und für den Weg zu dieser Jobagentur gibt es dann Fahrtkostenerstattung?
 

jockel

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Hallo zusammen,

mein Sachbearbeiter hat mich dazu verdonnert, mich nächste Woche in einem Call-Center vor zu stellen. Nach einem Bewerbertag soll ein 2-wöchiges unbezahltes "Praktikum" folgen, welches zur Einarbeitung dient.

Weiß vielleicht jemand ob dies rechtens ist? Da ich auf keinen Fall in einem Call-Center arbeiten möchte, frage ich mich wie ich aus der Nummer wieder raus komme. Kann entsprechendes Verhalten beim Bewerbertag zu einer Sanktion führen: Wenn ich zum Beispiel sage, dass ich gerne einen(!) Probetag mache, aber meine Arbeitskraft nicht 2 Wochen umsonsten zur Verfügung stellen möchte?

Danke für eure Antworten!

Gruß darby

2 Wochen für Null-Euro arbeiten zu sollen - ist pure Ausbeutung, das amtliche Fördern von unternehmerischer Schwarzarbeit, Steuer- und SV-Beitragshinterziehung.

Es ist strafrechtlich zu verfolgen. Es ist die schlimmste Form von amtlich gefördertem Lohnwucher.

Was ist Lohnwucher?

Lohnwucher beginnt dann, wenn man weniger als 2/3 des tariflich, branchen- oder ortsüblich verdient und soll nach § 138 BGB und § 291 StGB verfolgt werden. Es sind sittenwidrige Geschäfte.

Hinzu kommt noch die amtliche Verletzung des Zumutbarkeitsparagraphen im SGB III:

§ 121 SGB III - Sozialgesetzbuch Drittes Buch - Arbeitsförderung

(2) Aus allgemeinen Gründen ist eine Beschäftigung einem Arbeitslosen insbesondere nicht zumutbar, wenn die Beschäftigung gegen

gesetzliche, tarifliche oder in Betriebsvereinbarungen festgelegte Bestimmungen über Arbeitsbedingungen oder gegen Bestimmungen des Arbeitsschutzes verstößt.


(3) Aus personenbezogenen Gründen ist eine Beschäftigung einem Arbeitslosen insbesondere nicht zumutbar, wenn das daraus erzielbare Arbeitsentgelt erheblich niedriger ist als das der Bemessung des Arbeitslosengeldes zugrunde liegende Arbeitsentgelt.
  • In den ersten drei Monaten der Arbeitslosigkeit ist eine Minderung um mehr als 20 Prozent und
  • in den folgenden drei Monaten um mehr als 30 Prozent dieses Arbeitsentgelts nicht zumutbar.
  • Vom siebten Monat der Arbeitslosigkeit an ist dem Arbeitslosen eine Beschäftigung nur dann nicht zumutbar, wenn das daraus erzielbare Nettoeinkommen unter Berücksichtigung der mit der Beschäftigung zusammenhängenden Aufwendungen niedriger ist als das Arbeitslosengeld.

Das kann man nicht als Vermittliung in zumutbare Arbeit betrachten und die Annahmeverweigerung solcher Arbeitsbedingungen kann auch nicht vom Amt sanktioniert werden.

Im Gegenteil, das Amt hat solche Unternehmer zu sanktionieren.

Ist das Vermitteln von Fachpersonal in Hungerlohnverhältnisse ein volkswirtschaftliches Verbrechen?

Ja!!!!

Weil man so dem Fachpersonal den Anlaß liefert, aus der CDU/CSU, FDP, SPD und BündnisGrünen geführten Verbrecher-BRD in andere EU-Mitgliedsländer zu flüchten.

siehe zur Flucht von Fachpersonal ins Ausland die MDR-Reportage:

MDR, Exakt - die Story vom 06.02.2013, 20:45 Uhr : Jung, flexibel, billig - Job-Phänomen Wanderarbeiter

Der Prof. Sell - Experte für Arbeitsmarktfragen an der Fachhochschule Koblenz, erteilt der Prekarjobpolitik unserer Gaunerparteien ein vernichtendes Urtei und kritisiert die asoziale Politik von Arbeitsagenturen und Jobcenter in diesem Sendebeitrag.

Zulässig wäre ein bezahltes, sv-pflichtversichertes Probearbeitsverhältnis von mindestens einem halben Jahr, aber kein sogenannter Schnuppertag mit anschließendem Kostenlos-Firmenpraktika.
 

jockel

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edit: Ist wohl Usus in diesem Call-Center die Leute erst nach 2 Wochen Probearbeit einzustellen.

Das ist absolut kriminelles, sozialrassistisches Unternehmerverhalten - aber immer wieder gern mit aktiver Unterstützung von Arbeitsagenturen und Jobcenter gefördert.

Man kann ja den Job probeweise antreten, um die Namen und Adressen aller aktiv Beteiligten inklusive des Sachbearbeiters zu erfahren und hinterher zur Anzeige vorm Staatsanwalt zu bringen.

Wenn Du mündlich diese Aufforderung erhalten hast, hast Du ein Problem, diese amtlich organisierte Straftat zu beweisen. Laß Dir solche Arbeitsvermittlungen immer achriftlich geben oder nehme grundsätzlich als Zeugen eine Begleitperson mit, damit man den Sachbearbeiter juristisch dingfest machen kann.

Wer unentgeltlich arbeitet, ist auch nicht kranken-, unfall- und rentenversichert. Er arbeitet für einen warmen Händedruck oder für "Gottes Lohn".

Der untentgeltlich Arbeitetende trägt allle arbeits- und sozialversicheungsrechtlichen Ausfallrisiken und der Unternehmer wälzt so seine zu tragenden Betriebsrisiken einer nicht geeigneten Person während der Probezeit auf den Jobsuchenden ab.

Er trägt nur an einer Last sehr schwer - den einzunehmenden Gewinn aus der Arbeit dieses Mitarbeiters.
 

jockel

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Das ist wiedermal ein "Klassiker" der schön aufzeigt, dass eine EGV ein reines potentielles Sanktionsmittel darstellt, und sonst null komma überhauptnix anderes.

Die Eingliederungsvereinbarungen sind nur ein Erpressungsmittel gegen Arbeitslose, um die Zahlung von Alg I und Alg II durch provokativ herbeigeführte und künstlich zusammenkonstruierte Tatbestände verweigern zu können. Sie sind kein vertragliches Mittel zur besseren Förderung.

Es geht nur ums Abpressen der Unterschriften und einer juristischen Handhabe zum Einsparen von Regelleistungen, die man sonst zu zahlen hätte. Dafür erhalten Sachbearbeiter und Beamten Ziel- und Erfolgsprämien.
 
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ExitUser

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2 Wochen für Null-Euro arbeiten zu sollen - ist pure Ausbeutung, das amtliche Fördern von unternehmerischer Schwarzarbeit, Steuer- und SV-Beitragshinterziehung.
Ich stimme dir voll und ganz zu .
Aber was macht man wenn die "Probearbeit" vom JC als Maßnahme zur Integrierung in den Arbeitsmarkt serviert wird ?
Ich hab das schon so oft gehabt das der AG sich mit dem JC kurzschließt und die Probearbeit dann für mich unausweichlich wurde da sie dann eine Maßnahme war.
 

nichtgut

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Bist du dir sicher, dass das keine MAG(Maßnahme bei einem Arbeitgeber) werden soll? Wenn es eine werden soll und du nicht mitspielst, dann ist dies sanktionsfähig. Praktikum und MAG sind nicht das gleiche! Und normalerweise läuft es beim Jobcenter immer über eine MAG.
 
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