14 Jahre arbeitslos: „Die Psyche wird breit getreten“ (1 Betrachter)

Betrachter - Thema (Registriert: 0, Gäste: 1)

Status
Für weitere Antworten geschlossen.

Paolo_Pinkel

Super-Moderation
Startbeitrag
Mitglied seit
2 Juli 2008
Beiträge
12.837
Bewertungen
6.313
Alfons Leise ist frustriert, verbittert und resigniert. Der 52-jährige Überlinger ist seit 14 Jahren arbeitslos. 1996 wollte er sich mit der Selbstständigkeit, dem Vertrieb von Mattensystemen, aus der Arbeitslosigkeit retten. Doch das ging schief, aus gesundheitlichen Gründen musste Alfons Leise seine Selbstständigkeit wenige Monate später wieder aufgeben. Zwischenzeitlich bekam er die Erwerbsunfähigkeit anerkannt, doch Leise versuchte erneut, wieder ins Berufsleben einzusteigen. Diesmal als Geschäftsführer bei einer Firma für Logistik und Verkehrstechnik – doch nach zwei Monaten scheiterte er erneut. Alfons Leise versuchte es 2005 noch mit einem Lkw-Führerschein, aber auch daraus wurde aus gesundheitlichen Gründen nichts. Zwischenzeitlich empfängt er Hartz IV und beklagt, davon nicht leben zu können. „Das Leben ist teuer“, sagt er...

suedkurier.de | ?Die Psyche wird breit getreten?

Gruss

Paolo
 
B

B. Trueger

Gast
Und genau das ist es was Menschen total kaputt macht :icon_sad:

Das allerdings würde ich etwas selektieren. Psychische Probleme nach langjähriger Arbeitslosigkeit wird wohl nur dem widerfahren, der sein Leben ausschließlich über seinen Beruf definiert und dahingehend seinen täglichen Tagesablauf auch gar nicht anders strukturieren kann. Sei es aus Mangel an Kreativität oder sonst etwas.

Hier muss man ja bald davon ausgehen, dass diese Leute ihre Existenz nur darin begründen, sich über 40 Jahre lang sich für jemand anderen krumm zu machen, um dann im entsprechenden Alter ins Heim abgeschoben zu werden. Wenn sie das unter Lebenssinn verstehen....
 

Curt The Cat

Redaktion
Mitglied seit
18 Juni 2005
Beiträge
7.225
Bewertungen
6.625
... Psychische Probleme nach langjähriger Arbeitslosigkeit wird wohl nur dem widerfahren, der sein Leben ausschließlich über seinen Beruf definiert und dahingehend seinen täglichen Tagesablauf auch gar nicht anders strukturieren kann. Sei es aus Mangel an Kreativität oder sonst etwas.

Hier muss man ja bald davon ausgehen, dass diese Leute ihre Existenz nur darin begründen, sich über 40 Jahre lang sich für jemand anderen krumm zu machen, um dann im entsprechenden Alter ins Heim abgeschoben zu werden. Wenn sie das unter Lebenssinn verstehen....
Gut herausgearbeitet B. ... und haste 'nen Vorschlag, wie man diesen Menschen, nach u.U. jahrzehntelanger Gehirnwäsche, aus ihrer Misere raushelfen kann...?


:icon_wink:

 
B

B. Trueger

Gast
Gut herausgearbeitet B. ... und haste 'nen Vorschlag, wie man diesen Menschen, nach u.U. jahrzehntelanger Gehirnwäsche, aus ihrer Misere raushelfen kann...?


:icon_wink:



Nun Cat, ich bin sicherlich nicht für die Anfälligkeit von Manipulationen der Menschen verantwortlich. Sicher habe ich keinen Vorschlag, woher soll ich den auch nehmen? Selbst wenn man diesen Menschen mit der puren Wahrheit gegenübertritt, so wird es meist eh nicht geglaubt. Ich denke, das kennst du selber. Selbst heute glaubt man ja noch nicht mal, dass es in Deutschland Armut gibt. Eigenständiges kritisches Denken und hinterfragen gehört wohl zu den grundlegensten Pflichten eines jeden mündigen Bürgers.

Wie machen es andere Menschen, die nach jahrelanger Gehirnwäsche heute ganz anders denken und handeln? Das ist ja nicht anerzogen. Anerzogen ist das teilnahmslose abnicken und obrigkeitshörige Vertrauen in Regierung und anderen öffentlichen Institutionen. Ich denke, die Impulse müssen aus einem selbst kommen, wenn man mit offenen Augen durchs Leben geht.
 

destina

Priv. Nutzer*in
Mitglied seit
28 November 2008
Beiträge
1.100
Bewertungen
0
Menschen machen Menschen.
"Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr." Das wußten schon die Alten. Und sind wir doch mal ehrlich, wenn wir nicht am Rande der Gesellschaft wären, würden wir uns über Veränderungen Null Gedanken machen. Nur die, die sich eh' in kein Schema pressen lassen und ewige Revoluzzer sind;-)
 

destina

Priv. Nutzer*in
Mitglied seit
28 November 2008
Beiträge
1.100
Bewertungen
0
Abwarten und Tee trinken;-) Jeder Mensch hat seine Schmerzgrenze. In der DDR hat es genauso funktioniert. Als die Grundversorgung immer schlechter wurde, ging es dann ganz schnell. Das Problem ist nur, wir haben noch nicht einmal eine Vorhut und keinen wirklichen Plan, was und wie verändert werden soll. Klar, alle wissen, dass es so nicht weiter gehen kann. Und es wird wahrscheinlich schlimmer, als wir uns überhaupt vorstellen können. Angenommen, das Land steht ohne funktionierende Regierung, ohne Haushalt usw. da, was dann? Und in den Nachbarstaaten sieht es vielleicht genauso aus? Mag ich mir im Moment gar nicht vorstellen wollen.
 

Curt The Cat

Redaktion
Mitglied seit
18 Juni 2005
Beiträge
7.225
Bewertungen
6.625
Nun Cat, ich bin sicherlich nicht für die Anfälligkeit von Manipulationen der Menschen verantwortlich.
Well Trueger, das hab' ich Dir ja nun auch nicht unterstellt. Ich hab' ja lediglich eine Frage formuliert.

Wenn Du nun aber schon den Terminus "verantwortlich" ins Spiel bringst, gestatte mir eine weitere Frage oder auch mehrere Fragen. Wo fängt Deine Verantwortung an, wo hört sie auf? Was ist Deine Verantwortung?

Sicher habe ich keinen Vorschlag, woher soll ich den auch nehmen?
Schade...

Selbst wenn man diesen Menschen mit der puren Wahrheit gegenübertritt, so wird es meist eh nicht geglaubt. Ich denke, das kennst du selber.
Jo, das kenne ich zur Genüge, aber ich lasse nicht locker... und ich stelle über Monate, Jahre hinaus fest, daß ich die Menschen, mit denen ich es zu tun habe, für die Situation, die Lage hier in diesem Land, sensibilisiere...

Selbst heute glaubt man ja noch nicht mal, dass es in Deutschland Armut gibt.
Hm.. wer nicht hören will, muß fühlen, aaaber dennoch lasse ich auch bei solchen Kandidaten nicht locker. Steter Tropfen höhlt den Stein und manche Steine sind halt was dicker...

:icon_wink:

Eigenständiges kritisches Denken und hinterfragen gehört wohl zu den grundlegensten Pflichten eines jeden mündigen Bürgers.
Da haste wohl wahr, aber das fällt nicht vom Himmel... oder doch? Wie auch immer...

Wie machen es andere Menschen, die nach jahrelanger Gehirnwäsche heute ganz anders denken und handeln? Das ist ja nicht anerzogen. Anerzogen ist das teilnahmslose abnicken und obrigkeitshörige Vertrauen in Regierung und anderen öffentlichen Institutionen. Ich denke, die Impulse müssen aus einem selbst kommen, wenn man mit offenen Augen durchs Leben geht.
Wie es andere Menschen machen? Keine Ahnung... Ist auch nicht wirklich wichtig für mich. Hauptsache für mich ist, daß ich weiß, warum ich das mache ...

... und ich weiß das! Ich weiß das auch erst seit ein paar Jahren, aber ich hab ja immerhin noch die Kurve gekriegt. Diese Erfahrung wünsche ich auch anderen Menschen und da arbeite ich dran ...

Weißte B., Du hast hier in diesem Forum nun schon mehrere Male verlautbart, ich weiß nicht wie oft, aber ich habs nun schon etliche Male gelesen, daß Du nichts mehr unternehmen wirst. Schade eigentlich ...

So what...?


:icon_wink:
 
B

B. Trueger

Gast

Wenn Du nun aber schon den Terminus "verantwortlich" ins Spiel bringst, gestatte mir eine weitere Frage oder auch mehrere Fragen. Wo fängt Deine Verantwortung an, wo hört sie auf? Was ist Deine Verantwortung?

Nun, ich will hier mal ansetzen. Meine Verantwortung, sofern ich diese besitze läge sicherlich und durchaus darin, Spätzündern in der Sortierung ihrer, sagen wir mal Zündfolge etwas unter die Arme zu greifen.

Nun aber werter Cat bin auch ich nur ein Mensch, mit begrenzten Fähigkeiten und Ressourcen. Dahingehend auch nur bis zu einem bestimmten Punkte belastbar. Wie wohl ein jeder.

Was ich damit sagen will: Menschen den Schubs in die richtige Richtung zu geben oder sie dabei zu unterstützen ist sicherlich völlig legitim. Nur aber stellt sie die Frage mit welchem Aufwand und unter Verwendung welcher Energien? Kann man einem Blinden die Farben erklären, wenn der Blinde sich auch noch bewusst taub stellt? Ist es nicht auch müssig, zu versuchen, "Spätzündern" ihr altes Weltbild in Frage zu stellen, von welchem sie partout aber nicht ablassen wollen, weil sie es für sich als die bequemste und störungsfreiste Variante entdeckten, in ihrem Leben und in der Gesellschaft ihre Platz meinen gefunden zu haben?

Denn, wo fängt dann die Verantwortung eines, wie soll man es nennen? - eines "Erklärers" an und wann beginnt die Eigenverantwortung des anderen, anzufangen, über den Tellerrand hinaus zu schauen und auch seine Verpflichtung als Mitglied in einer Solidargemeinschaft oder Familie, in einem Betrieb oder sonst wo Verantwortung zu übernehmen?

Ist nicht auch ein wenig eigenes, logisches Denkverhalten vorauszusetzen? Wo bleibt denn die Eigenverantwortung? Ist denn wirklich davon auszugehen, dass erwachsene Menschen in ihrer Wahrnehmung auf Grund von medialen Beeinflussungen soweit in einer irrationalen Welt leben, dass man sie neu erziehen muss? Wohl nicht, meiner Ansicht nach.

Ich habe das gemacht Cat, sehr oft und über einen ziemlich langen Zeitraum. Eigentlich schon seit 2003, mit Beginn von Hartz I, wo es schon mit der Einrichtung der PSA krieselte. Begonnen habe ich mich mit sozialen Belangen auseinander zu setzen noch im Jugendalter als Gruppenleiter einer CAJ-Jugendgruppe zur damaligen Zeit.

Es war eigentlich schon klar, dass weitere Hartz-Versionen folgen werden, denn sonst hätte man es bei Hartz belassen und nicht Hartz I genannt. Man labert sich förmlich fusselig, man macht sich regelrecht selbst zum Deppen der Nation, um den Menschen nur auf einen Umstand aufmerksam machen zu wollen, der mehrheitlich negiert wird. Ja heute sogar noch.

Ich für meinen Teil haben diesbezüglich resigniert. Ich hege daher keine Ambitionen mehr mich einzusetzen, meine Zeit immer und immer und immer wieder für andere einzusetzen, während eben diese alle Informationen, die man ihnen zukommen lassen möchte abwehren und versuchen damit nicht konfrontiert zu werden. Informationsressistente müssen halt die persönlichen Erfahrungen machen, finde ich. Andere Perspektiven sehe ich nicht, bzw. für mich nicht mehr.
 

Cosima

Elo-User*in
Mitglied seit
8 Februar 2006
Beiträge
256
Bewertungen
51
Ich habe viel mit älteren Menschen zu tun in meinem Mini Job und ehrlich gesagt die meisten sehen alles viel realistischer als manch junger Mensch.
Meine Omis sind in keinster weise mit der Politik einverstanden und würden sofort mit mir auf die Straße gehen um zu protestieren,aber leider die Gebrechen verhindern es,sonst hätte ich eine kleine Armee hinter mir.
Mein Umfeld,Arbeiter und Arbeitslose,jeder schimpft,aber zuhören will nicht wirklich jemand.
Persönlich habe ich erst vor einem halben Jahr angefangen mich mit dem Thema auseinanderzusetzen,davor hatte ich Ruhe vor der Arge.
Nach dem ersten Zusammentreffen mit meinem 2ten SB fiel ich in ein Loch und meine Psyche hat gelitten,doch seitdem ich jeden Tag hier mitlese gehts mir besser.Ich habe schon einiges erreicht und versuche andere mitzureißen.
Wenn es auch nicht die riesigen Erfolge sind,doch Kleinvieh macht auch Mist.
Und resignieren gilt nicht,ich fange erst an und mache weiter.
 
B

B. Trueger

Gast
Mein Umfeld,Arbeiter und Arbeitslose,jeder schimpft,aber zuhören will nicht wirklich jemand.

Das beispielsweise ist ja auch das, was mir so sauer aufstößt, was ich kritisiere. Hier im Forum kann ich meine Kritiken eigentlich nur noch auf die sarkastische, vielleicht hin und wieder auch zynische Tour rüberbringen. Denn auch hier glauben einige wahrlich noch an das Gute in einem Politiker oder vertrauen weiterhin vollends auf dieses System.

Genau das ist es nämlich. Maulen, jammern aber taub auf beiden Ohren, wenn ihnen mitgeteilt wird, worum es geht, was beabsichtigt ist, wie es zukünftig aussehen wird und was man eventuell dagegen unternehmen kann. Und wenn man mal wer zuhört, der glabt es einfach nicht, und wenn man noch so viele Fakten unterbreitet. Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Um auf den Mann in diesen Thread auch zurück zu kommen - ich meine, 14 Jahre Arbeitslosigkeit sind auch 14 Jahre Erfahrung nicht nur mit den Arbeitsämtern damals, den Argen danach, Rentenversicherungen und anderen Behörden und was weiß ich nicht noch alles. Dennoch belastet den Mann es eher, nicht mehr im Hamsterrad laufen zu können, was hier wohl krankheitsbedingt ist, als sich mitunter die Frage zu stellen, was läuft schief im Staate Dänemark? Aber ich möchte den Mann auch nicht analysieren oder Diagnosen stellen, dazu bin ich nicht kompetent genug. Es ist nur traurig, dass es für Menschen wie diesen Mann im Leben wohl nichts anderes als Betätigungsfeld gibt, als allmorgentlich brav mit Brotdose und Thermoskanne sich an der Stechuhr einzufinden und sich von seinem Treiber den Tag diktieren zu lassen. Ist zwar jetzt überspitzt aber so erweckt es den Eindruck.
 
E

ExitUser

Gast
Das beispielsweise ist ja auch das, was mir so sauer aufstößt, was ich kritisiere. Hier im Forum kann ich meine Kritiken eigentlich nur noch auf die sarkastische, vielleicht hin und wieder auch zynische Tour rüberbringen. Denn auch hier glauben einige wahrlich noch an das Gute in einem Politiker oder vertrauen weiterhin vollends auf dieses System...
Richtig! Den Eindruck habe ich auch. Sich streicheln lassen in seinem Elend, nach Mitleid und Verständnis hecheln - verändern tu's die andren...
 

Bambi_69

Priv. Nutzer*in
Mitglied seit
18 Dezember 2007
Beiträge
681
Bewertungen
43
(...)
Es ist nur traurig, dass es für Menschen wie diesen Mann im Leben wohl nichts anderes als Betätigungsfeld gibt, als allmorgentlich brav mit Brotdose und Thermoskanne sich an der Stechuhr einzufinden und sich von seinem Treiber den Tag diktieren zu lassen. Ist zwar jetzt überspitzt aber so erweckt es den Eindruck.
Er wurde so erzogen. Er denkt wohl, nur so ein Leben ist genau das richtige für ihn. Er denkt vermutlich: Nur so bin ich ein angesehener und wertvoller Mensch, der gebraucht wird und sich so sein Brot ver-dient.
Dieses Denken steckt in vornehmlich in gewissen Generationen ganz tief drin. Genauso wie die Ansicht, dass man ab einem bestimmten Alter "etwas aus sich gemacht haben muss" und wer dieses Ziel nicht erreicht hat, der ist ein Taugenichts und Faulenzer, wofür es weder eine Entschuldigung noch eine Ausrede gibt.
Aber auch viele Menschen jüngere Generationen geben dies vereinfacht gesagt in etwa so wieder:
Fleissig und/oder in Arbeit = gut, wertvoll, nützlich.
Untätig und/oder arbeitslos = schlecht, wertlos, überflüssig.
Man will etwas erreichen und "schaffen" im Leben. Und die Vorstellungen darüber definieren sich vornhemlich im Beruf (Aufstiegsmöglichkeiten, Erreichung einer bestimmten höheren Laufbahn) und möglicherweise noch in der Familiengründung (wofür man aber als erfolgreicher Mensch eine gut bezahlte Arbeit benötig).

Ich weiß nicht mehr wo ich es gehört habe, aber angeblich gibt es außerhalb unserer Landesgrenzen einen Satz: Der Deutsche ist zum Arbeiten geboren.
Scheint das also tatsächlich die Mentalität, der hier seit Generationen lebenden und aufgewachsenen Bürger zu sein, welche man "draußen" so gut erkannt hat?



Liebe Grüße
Bambi_69
 
Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Oben Unten