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Alt 27.12.2009, 01:48   #1
Sancho
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Standard Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Facharbeit

Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Facharbeitermangel“ selbst!


Es ist wieder Weihnachten, fromme Wünsche allüberall und das Jahr 2009 geht zu Ende. Was hat sich in diesem Jahr für viele Menschen in Deutschland getan? Genau betrachtet nichts. Sie sind dort, wo sie auch in den Jahren zuvor bereits waren. Stimmt nicht? Richtig, stimmt nicht. Sie sind eher noch etwas tiefer gerutscht.

Deutschland wird als eines der reichsten Länder der Welt gesehen. Umso schlimmer, wenn man bei genauem Hinsehen in diesem reichen Land erkennen muss, dass die Armut seit Jahren immer weiter wächst.

Politiker versprechen Besserung und gaukeln diese doch nur vor, indem sie die Bevölkerung bewußt täuschen. Zum Beispiel durch Statistiktricks, wie die Anpassung der Armutsrisikogrenze.

Im 3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung von 2008 lag diese Grenze bei 781 €/Monat, während es 2005 noch 938 € waren - und das trotz gestiegener Preise für elementare Lebenshaltungskosten wie Lebensmittel, Gas, Wasser oder Strom. Wirkungsvoll sind auch die Tricksereien bei den Erwerbslosenstatistiken: Menschen in Maßnahmen, voll Sanktionierte und Kranke beispielsweise zählen dort nicht mit. Oder schlicht durch einfaches Schönreden der bitteren Realität in diesem Lande.

Kaum jemandem fällt die Diskrepanz zwischen Erfolgsmeldungen von gesunkenen Erwerbslosenzahlen einerseits und dennoch steigenden Sozialkosten auf der anderen Seite auf.

Das deutsche Volk ist mit diesen „Erfolgsmeldungen“ zufrieden und denkt darüber nicht weiter nach.

Wenn es das täte, würde es merken, dass die vermeldeten Erfolge Tricks, Täuschungen und Lügen sind.

Deutlich wird das an „Maßnahmen zur Aktivierung Erwerbsloser“, wie z. B. die eher sinnlosen Bewerbungstrainings für Langzeiterwerbslose. Man lernt, wie man Bewerbungen schreibt und Bewerbungsmappen erstellt, ungeachtet der Tatsache, daß eine „tolle Bewerbung“ allein noch nicht zu einem Arbeitsplatz verhilft. Um einen der wenigen begehrten Jobs zu bekommen, genügt die schöne Präsentation auf 100-g-Papier nicht. In den allermeisten Fällen fehlt es den Bewerbern an der Qualifikation, oder sie haben oftmals zu viel an Lebensjahren. Wer einige Jahre nicht mehr im erlernten Beruf tätig war, hat viele Veränderungen nicht mitbekommen. Einige Neuerungen können sich die Erwerbslosen zwar durch eigenständige Weiterbildung selbst beibringen, ohne Zertifikat oder staatlichen Abschluss wird das hinzuerworbene Wissen aber nicht anerkannt.

Die Politik setzt trotzdem auf Bewerbungstrainings statt auf effektive Weiterbildung bzw. Ausbildung bzw. Umschulung von noch ungelernten Erwerbslosen. Lieber werden massenhaft Erwerbslose durch die „Erweiterung der Marktchancen“, also Ein-Euro-Jobs und andere Maßnahmen in berufsfremden Bereichen zum Hilfsarbeiter „gebildet“. Daß es hier in Deutschland bereits Millionen von ungelernten Hilfsarbeitern gibt, stört weder die Politiker noch Bürger.

Hinzu kommen die für Erwerbslose nutzlosen Arbeitsgelegenheiten, welche vor allem für die Betriebe gewinnbringend sind. Diese besetzen frei werdende Stellen durch Ein-Euro-Jobber, statt ehemals reguläre Arbeitsplätze an sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer zu vergeben.

Laut Gesetz dürfen keine Arbeitsplätze durch Ein-Euro-Jobs vernichtet werden. Die ARGEn, Betriebe und Politiker setzen sich jedoch über diese Gesetze hinweg, denn nur ihr eigener Erfolg zählt: die Arbeitslosenquote geht scheinbar zurück, die Kommunen sparen erst mal Geld und die Politiker sonnen sich in ihrem angeblichen Erfolg.

Auch die Träger dieser Maßnahmen profitieren. Für ihren „Kunden“ erhalten sie zwischen 200 und 350 € monatlich und mehr, nachdem sie ein wenig Verwaltungsarbeit in die Vermittlung investiert haben. Häufig hören und sehen die „Kunden“ anschließend von diesen Trägern nichts mehr, es sei denn, sie beschweren sich über die schlechten Arbeitsbedingungen, die keineswegs „zusätzlichen“ Arbeiten - nur solche sind ja erlaubt - oder die teils verachtende Behandlung durch Kollegen und Vorgesetzte auf der Arbeitsstelle.

Nach Absolvierung solcher Arbeitsgelegenheiten bekommt man in der Regel ein „Zertifikat“, in dem das (angeblich) Erlernte aufgelistet wird. Dieses kann man einfach abheften, sich in der Toilette an die Wand nageln oder als Nachweis einer Beschäftigung in seine Bewerbungsmappe legen. Völlig gleichgültig, denn weder als Berufserfahrung noch als Weiterbildung mit Abschluss wird es anerkannt. Es gelten für eine erfolgreiche Bewerbung eben nur staatlich anerkannte Abschlüsse, alles andere ist Makulatur. So lässt sich dann auch in etwa die „Bildungsferne“ erklären. Der oder die Erwerbslose kann zwar viel, hat auch in vielen Bereichen gearbeitet, aber ohne Abschlusszeugnis ist man in der heutigen Gesellschaft dumm bzw. neudeutsch „bildungsfern“.

Zugleich verringern sich durch solche „Maßnahmen“ die Chancen in dem bereits erlernten Beruf wieder Fuß zu fassen, weil man durch das Lernen in anderen Bereichen immer weiter heraus gedrängt wird. Auf diese Weise wird systematisch aus einem Facharbeiter durch die „Maßnahmen des SGB II und III zur Erweiterung der Kenntnisse“ ein Hilfsarbeiter generiert - ohne wirkliche Aussicht auf einen ausreichend bezahlten Arbeitsplatz.
Insbesondere Wirtschaft und Politik tragen hierfür die Verantwortung. Die Wirtschaft, vertreten durch diverse Arbeitgeberverbände in der „Hartz-IV-Gesetzgebungskommission“, hat maßgeblich dazu beigetragen, dass sie sich ihren Facharbeitermangel selbst geschaffen hat. Gerade für diese Verbände stand in erster Linie der Gewinn im Vordergrund, den man durch diese Maßnahmen erreichen kann. Hilfsarbeiter kosten weniger Lohn, Ein-Euro-Jobber incl. Berufsabschluß sogar gar keinen Lohn. Und die Politiker mit ihren wohl platzierten Arbeitgebervertretern jubeln, weil dadurch die Erwerbslosenzahl zumindest vordergründig weiter sinkt.

Das Volk ist wiederum zufrieden und denkt nicht weiter darüber nach!

Doch das alles scheint noch lange nicht zu genügen. Mit Einführung der Arbeitsmarktreformen wurden auch Niedriglohn, befristete Arbeitsverhältnisse (z. B. auch Zeitarbeit), und somit die Erpressbarkeit der Arbeitnehmer eingeführt. „Hartz IV“ wurde deutschlandweit zum Synonym für Lohndumping, Angst, Verzweiflung, Perspektiv- und Chancenlosigkeit, Drangsalierung und Erpressung. Wer es „wagte“ mehr Lohn zu fordern oder sich gegen „von oben“ verordnete Lohnkürzungen zur Wehr setzen wollte, wurde schnell mit der Tatsache konfrontiert, daß ihm dann gekündigt wird und er nach einem Jahr in Hartz IV ist.

Die reale Horror, was einem Hartz-IV-Bezieher alles zugemutet werden kann, sei es durch Sinnlosmaßnahmen, Sanktionen oder unsoziale Unterstellungen man sei zu faul, Schmarotzer oder Betrüger taten ihr Übriges und schon war manch einer lieber still. Nur eine Arbeitsstelle scheint noch ein lebenswertes Leben möglich zu machen, egal wie schlecht oder schlecht bezahlt sie ist.

Durch den offensichtlich zu niedrig bemessenen Regelsatz konnten Arbeitgeber im Sinne des Lohnabstandsgebotes die Löhne sogar so weit senken, dass die untersten Einkommen nur knapp oberhalb, der „Hartz IV Regelsätze“ lagen. Der Effekt dieses zu niedrigen Regelsatzes hatte weit reichende Folgen. Erwerbslose können sich kaum noch ausreichend und gesund ernähren, eine Teilhabe an der Gesellschaft ist kaum bis gar nicht mehr möglich, da viele Aktivitäten Geld kosten. „Tafeln“ und andere Hilfsmöglichkeiten wurden in fast jeder Stadt gegründet oder ausgebaut. Manche eher aus Profitgründen, andere, kleinere Vereine und Organisationen versuchten die mittlerweile entstandene Not mit kurzfristigen Hilfen und Spenden einfach nur etwas zu lindern.

Dazu kamen und kommen jetzt die Beschäftigten, die in so genannten „prekären Beschäftigungen“ arbeiten, also im Niedrigstlohnbereich oder mit niedrig bezahlten Zeitverträgen. Die Wirtschaft unterstützte dies, hatte anfangs durch diese „Einsparungen“ noch höhere Gewinne, doch schon nach einiger Zeit begannen viele Unternehmer wieder zu jammern. „Die Umsätze sind eingebrochen, viele kleinere Unternehmen müssen schließen, weil keiner mehr die Waren und Dienstleistungen kauft“.

Warum wohl?

Die unbegrenzte Profitgier hatte - vorausschauend schon mal auf staatliche Unterstützung bauend? - eines außer Acht gelassen. Mit sinkenden Löhnen, zu niedrigen Sozialleistungen und Steuererhöhungen hatte man die Kaufkraft der Bevölkerung, also das, wovon alle Betriebe und Unternehmen leben, nachdrücklich geschwächt.

Plötzlich wuchsen Kochbücher für Arme förmlich wie Pilze aus dem Boden. Laut Zutatenliste der Rezepte in diesen Büchern sollte man „zwei Bockwürstchen für 20 Cent, 100 g Dieses für 30 Cent und 150 g von Jenem für 25 Cent“ einkaufen, um dann für einen Tag eine ausgewogene Mahlzeit zubereiten zu können. Am nächsten Tag gab es dann ein neues, nahrhaftes Gericht. Hätte man diese Minimengen besorgen wollen, hätte man wohl nur ungläubiges Kopfschütteln erhalten. Diese Minimengen sind so nicht zu erhalten, man hätte größere Packungen kaufen und den Rest dann wegwerfen, einfrieren oder irgendwie anders verwerten müssen, denn sonst wäre es ja keine abwechslungsreiche Ernährung gewesen.

Neue Kochbücher kamen dann fast wöchentlich auf dem Markt, mit so sinnvollen Ratschlägen wie: Vergleichen Sie die Preise in möglichst vielen Geschäften und nehmen Sie dann das günstigste Angebot, bei gleicher Qualität“. Dass man aber dazu meist ein Auto oder den ÖPNV braucht, der dann zusätzliche Kosten verursacht und im Endeffekt ein Einkauf „im Laden um die Ecke“ aufs Gleiche heraus kommen würde, wurde nicht bedacht.

Aber die Politik fand es gut und unterstützte das.

Das Volk war wieder zufrieden und dachte nicht weiter nach.

Ein weiteres Beispiel dieses politisch-wirtschaftlichen Irrsinns ist die so genannte „Armutsindustrie“. Da wird in gemeinnützigen GmbHs durch Erwerbslose mit Mehraufwandsentschädigung kaputtes Spielzeug und alte Fahrräder sowie andere Dinge im Sinne einer zweifelhaften Wohltätigkeit aufgearbeitet und an „bedürftige Menschen“ für wenig Geld verkauft. Lebensmittel, die kurz vor dem Ablauf stehen, werden über die „Tafeln“ oder andere Organisationen für einen Euro abgegeben.

Für diejenigen, die mittlerweile auf solche Einkaufsmöglichkeiten angewiesen sein müssen, mag das erst mal positiv sein. Tatsächlich ist es ein weiterer Beweis dafür, dass Arbeitgeberverbände und Politiker - absichtlich oder durch Verkennen wirtschaftlicher Zusammenhänge - die deutsche Wirtschaft zugrunde richten. Es ist ja ein Phänomen, daß Politiker von ihren Ressorts keine Ahnung haben müssen. Doch auch ohne tiefgreifende wirtschaftliche Kenntnisse ist doch eines klar: Wer gebrauchte und reparierte Sachen kauft, aussortierte Lebensmittel, die kurz vor Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen oder Dienstleistungen „gemeinnütziger“ Betriebe in Anspruch nimmt, schadet gleichzeitig der deutschen Binnenwirtschaft. Gerade dadurch wird den kleinen und mittelständischen Unternehmen, die eben vom Umsatz und dem Verkauf von Neuwaren bzw. Anbieten von Dienstleistungen aller Art leben, die Existenzgrundlage mit jeder Neugründung solcher Armutsindustriebetriebe entzogen.

Dies ist keinesfalls eine Verurteilung derjenigen, die auf diese Gebrauchtwaren und Lebensmittel angewiesen sind, sondern ausschließlich gegen die Politik und den
„öffentlich geförderten“ Betreibern dieser Armutsindustrie gerichtet.

Der Irrsinn besteht also darin, dass man auf der einen Seite mit solchen Maßnahmen die Bevölkerung vorsätzlich täuscht, indem man ihr vorgaukelt, dass die Arbeitslosenzahlen weiterhin gesunken sind. Erwerbslose in solchen Betrieben werden nicht in der offiziellen und von den Medien verbreiteten Statistik mitgezählt. Somit vernichtet man entgegen dem Versprechen, den Mittelstand zu unterstützen, diesen damit immer weiter. Anschließend wird wieder über gestiegene Kosten im Sozialbereich gejammert. Was jetzt ja auch keinen mehr wundern kann, denn ein Ein-Euro-Jobber bekommt im Höchstfall ca. 160 € Mehraufwandsentschädigung, die Betriebe, die sie beschäftigen, pro Erwerbslosen das Doppelte oder mehr.

Wie man mit diesen Steuergeldern und den Erlösen aus den Verkäufen noch „gemeinnützig“ bleiben kann, scheint ein Rätsel zu bleiben, denn gemeinnützig ist man nur, wenn man keine Gewinne erzielt.

Das Volk denkt aber darüber nicht nach und ist weiterhin zufrieden.

Der nächste politisch gewollte Irrsinn ist die Steuerpolitik, die bei näherer Betrachtung erkennen läßt, woher dieser Reformwind weht. Da werden Steuererleichterungen versprochen und in Form von Senkungen einiger Beitragssätze der lohnabhängigen Sozialversicherungen umgesetzt.

Dass auch dies nur Täuschungen sind, merken nur wenige. Wer mal nachrechnet, wer mehr von diesen Beitragssenkungen hat - diejenigen mit einem Verdienst von 1.500 € Brutto im Monat oder die mit 6.000 oder mehr - wird sehen, dass es einen großen Unterschied gibt. Die Gutverdienenden schneiden besser ab. Für manche scheint aber allein die Aussicht auf irgendwelche Erleichterungen zu genügen, um nicht weiter darüber nachdenken zu müssen.

Betrachtet man dazu die Forderungen von Politik und Arbeitgebern nach einer Ausweitung des Niedriglohnsektors, fällt auf, was eigentlich bezweckt wird. Den Sozialstaat, wie er eigentlich laut Grundgesetz seit Jahrzehnten besteht, zu zerstören, große Teile der Gesellschaft in Armut zu stürzen und die Kluft bei den Einkommen zu vergrößern.

Im Niedriglohnsektor sind die Einkommen meist so niedrig, dass keine oder nur sehr geringe Sozialversicherungsabgaben geleistet werden. Trotzdem soll dieser erweitert werden, um „mehr Menschen in Arbeit zu bringen“. Nimmt man jetzt diese Abgaben zur Sozialversicherung wird klar, dass durch keine oder nur sehr geringe Abgaben immer mehr Gelder in diesen Kassen fehlen und gleichzeitig die Renten gerade dieser Arbeitnehmergruppe nur ein Minimum an Überlebensfähigkeit garantieren. Manchmal nicht mal das und sehr viele Menschen sind auch als Rentner noch gezwungen, auf Staatshilfen angewiesen zu sein.

Diejenigen, die sich eine private Rentenversicherung leisten können, weil ihr Verdienst über der Pflichtgrenze liegt oder die Politiker, die ihre Gehälter aus Steuern beziehen, gleichzeitig aber auch beteuern, dass auch sie in die Rentenversicherung einzahlen (wo ist eigentlich der Unterschied, denn wenn sie Gehälter aus Steuergeldern beziehen und die Rentenversicherung auch mit diesen Steuergeldern bezahlen, bleiben es trotzdem Steuergelder) und sie auch noch selbst durch Mehrheitsbeschluss die Höhe der (weiterhin steuerfinanzierten) Renten selbst festlegen können, haben gerade diese Menschen kaum etwas zu befürchten. Dazu kommen noch Beamte, die Vorstände der staatlichen Betriebe, wie die Rentenversicherungen, die Agentur für Arbeit usw., die allerdings nicht ihre Höhe selbst festlegen können. Bei den Staatshilfen ist es ebenso. Geringe Löhne ergeben auch geringe Steuereinnahmen, durch die Lohnabgaben und durch die Einnahmen, z. B. durch die Mehrwertsteuer.

Diese „Geschenke“ an die Bevölkerung müssen aber finanziert werden. Da die Steuereinnahmen aber auch durch die bereits genannten Tricks (Armutsindustrie inkl. Ein-Euro-Jobs, Tafeln, Spielsachenverwertung, Niedriglohnsektor etc.) weiterhin sinken, muss das Geld irgendwo her kommen. Also denken die „Experten“ der Regierung nicht lange nach und wissen auch schon genau woher. Man erhöht einfach andere Steuern um die Steuersenkungen zu finanzieren. Im Gespräch sind schon seit längerem die Erhöhung der Mehrwertsteuer, entweder allgemein oder bei den ermäßigten Steuern von 7%, die Wiederanhebung der Arbeitslosenversicherung oder andere Abgaben und Steuern.

Wenn man aber Steuersenkungen durch die Erhöhung anderer Steuern finanzieren muss, um diese zu finanzieren, betrügt man das Volk wiederum. Hätte man es gleich gelassen, wäre es vielleicht sogar besser gewesen.

Was nützt es einem Arbeitnehmer in den unteren Einkommensklassen, wenn er bzw. sie dann durch diese Steuersenkung ein paar Cent mehr am Monatsende hat, wenn gleichzeitig andere Steuern, wie z. B. die Mehrwertsteuer, angehoben werden, und er dann ein paar Euro mehr für die gleichen Lebensmittel bezahlen muss? Was nützt es den Niedriglöhnern, den Erwerbslosen, Rentnern und anderen Beziehern von Sozialleistungen, wenn sie nichts von den Steuersenkungen haben, dafür aber mehr Geld für die gleichen Einkäufe hinlegen müssen, nur damit einige Gut-, Besser- und Bestverdienende am Ende des Monats bis zu hundert oder mehr Euro auf ihrem Konto haben und dieses Mehr dann vielleicht auch noch im Ausland verpulvern?

Das Volk lässt sich aber gerne verschaukeln, weil es nicht nachdenkt.

Über Kinder gäbe es wahrscheinlich auch eine Menge zu schreiben, da ich/wir aber keine haben, könnten ich/wir nur spekulieren. Wer mag, kann hierzu selbst etwas verfassen



In Zusammenarbeit mit fritzi (gekürzte Fassung)
 
Alt 27.12.2009, 11:25   #2
wolliohne
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Standard AW: Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Fachar

die Quelle wäre nicht verkehrt.
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"10 Jahre Unrechtsregime Bundesrepublik
Deutschland"
Im Namen der BRD-Verbrechen gegen die Menschlichkeit mit Nebenwirkung Tot

Alle von mir gemachten Aussagen und Antworten auf Fragen entsprechen lediglich meiner persönlichen Meinung und stellen keinerlei Rechtsberatung dar.
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Alt 27.12.2009, 13:15   #3
Sancho
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Standard AW: Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Fachar

Zitat von wolliohne Beitrag anzeigen
die Quelle wäre nicht verkehrt.
steht ganz unten.

In Zusammenarbeit mit fritzi
 
Alt 27.12.2009, 18:17   #4
cordelbb
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cordelbb
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Standard AW: Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Fachar

Wozu eine "Quelle"?
"Augen und Ohren auf, SELBER denken.." das sollte reichen!

Mir reichen da auch meine eigenen Erfahrungen!

Sancho hat ja sooo Recht!
Das einzige was mich bei seinem Beitrag stört, was fehlt.. was kann JEDER tun, damit es sich ändert????

Und zum Thema "Kinder"..
Im Sinne des neuen "Wachstumsbeschleunigungsgesetzes" wird das Kindergeld zum 1.1.2010 erhöht, nur für wen?
Bzw. für wen mal wieder NICHT?
Ein Kind eines HartzIV-Empfängers hat davon NICHTS! Nicht einen Cent!
Einmal wird die KG-Erhöhung beim Unterhalt oder UVG berücksichtigt, und dann wird das komplette KG noch als Einkommen berücksichtigt.
Die sog. "Erhöhung" wird also praktisch 2x berücksichtigt und in Abzug gebracht!
Aber das merkt anscheinend keiner..
Also wenn es hier Betroffene gibt, die sich auch dagegen wehren wollen, her mit Euren Ideen!
Ich werde auf jeden Fall Widerspruch einlegen!

In diesem Sinne.. allen Usern ein gutes und erfolgreiches 2010!!
cordelbb ist offline  
Alt 27.12.2009, 23:27   #5
Sancho
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Standard AW: Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Fachar

Zitat von cordelbb Beitrag anzeigen
Wozu eine "Quelle"?
"Augen und Ohren auf, SELBER denken.." das sollte reichen!

Mir reichen da auch meine eigenen Erfahrungen!

Sancho hat ja sooo Recht!
Das einzige was mich bei seinem Beitrag stört, was fehlt.. was kann JEDER tun, damit es sich ändert????



Und zum Thema "Kinder"..
Im Sinne des neuen "Wachstumsbeschleunigungsgesetzes" wird das Kindergeld zum 1.1.2010 erhöht, nur für wen?
Bzw. für wen mal wieder NICHT?
Ein Kind eines HartzIV-Empfängers hat davon NICHTS! Nicht einen Cent!
Einmal wird die KG-Erhöhung beim Unterhalt oder UVG berücksichtigt, und dann wird das komplette KG noch als Einkommen berücksichtigt.
Die sog. "Erhöhung" wird also praktisch 2x berücksichtigt und in Abzug gebracht!
Aber das merkt anscheinend keiner..
Also wenn es hier Betroffene gibt, die sich auch dagegen wehren wollen, her mit Euren Ideen!
Ich werde auf jeden Fall Widerspruch einlegen!

In diesem Sinne.. allen Usern ein gutes und erfolgreiches 2010!!
Was jeder machen kann?

Sich mal Gedanken darüber zu machen und es dann mit eigenen Worten weiter erzählen, evtl. auf den Eingangspost zur Unterstützung verweisen.

Es geht auch nicht nur um die Erwerbslosen, sondern es werden sehr viel mehr Menschen belogen und betrogen und es zeigt, das die Politik gerade durch das Beibehalten von Niedriglohn, Ein-Euro-Jobs und die (hinterlistigen) Versprechungen von Steuersenkungen, die immer nur den Gut-, Besser- und Bestverdienenden den größten Vorteil bringen, sich selbst Bankrott macht.

Ansonsten:

Zitat:
"Augen und Ohren auf, SELBER denken.." das sollte reichen!

-------------------------------

Zu den Kindern wurde deshalb nichts geschrieben, weil jede Mutter/jeder Vater aus eigener Erfahrung besser argumentieren kann, als ein "Kinderlose(r)" und es auch besser "beweisen" kann.

 
Alt 28.12.2009, 18:38   #6
Jesaja
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Jesaja
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Standard AW: Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Fachar

Darf man das Ganze auch als offenen Brief verschicken ? Der Aufsatz fasst die wesentliche gesellschaftliche Problematik von Hartz IV zusammen !
Jesaja ist offline  
Alt 28.12.2009, 19:00   #7
DieFrettchen
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Standard AW: Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Fachar

hallole ihr lieben,

dank an sancho und fritzi. der aufsatz ist mitunter eine der besten zusammenfassungen zu unserer derzeitigen gesellschaftlichen miesere.

hab ihn mir gespeichert für die unbelehrbaren und schlicht "vorbeisehenden".

(ich war im vorteil, ich hab das teil vor veröffentlichung gelesen, dann aber erst mal keine zeit gefunden mich damit näher zu beschäftigen)

liebe grüße von barbara
 
Alt 28.12.2009, 20:10   #8
Sancho
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Zitat von Jesaja Beitrag anzeigen
Darf man das Ganze auch als offenen Brief verschicken ? Der Aufsatz fasst die wesentliche gesellschaftliche Problematik von Hartz IV zusammen !
Bin eigentlich noch nicht fertig, Teil 3 ist noch in der Arbeit und einige Dinge fehlen noch, aber wer will, kann ja auch einen Link hierher einfügen.
 
Alt 28.12.2009, 21:52   #9
Donauwelle
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Donauwelle Donauwelle
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Standard AW: Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Fachar

Der Titel trifft es schon. Ich gehöre auch zu denjenigen, die eigentlich weit weg vom Begriff "bildungsfern" sind und eine gute Ausbildung, ein halbes Studium, Weiterbildungen und sehr gute Zeugnisse besitzt - nun ja, momentan bin ich für die ARGE jemand, den der Amtsarzt für unfähig für einfache körperliche Arbeiten erklärt hat...
Donauwelle ist offline  
Alt 28.12.2009, 21:55   #10
Martin Behrsing
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Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Facharbeitermangel“ selbst!


Es ist wieder Weihnachten, fromme Wünsche allüberall und das Jahr 2009 geht zu Ende. Was hat sich in diesem Jahr für viele Menschen in Deutschland getan? Genau betrachtet nichts. Sie sind dort, wo sie auch in den Jahren zuvor bereits waren. Stimmt nicht? Richtig, stimmt nicht. Sie sind eher noch etwas tiefer gerutscht.

Deutschland wird als eines der reichsten Länder der Welt gesehen. Umso schlimmer, wenn man bei genauem Hinsehen in diesem reichen Land erkennen muss, dass die Armut seit Jahren immer weiter wächst.

Politiker versprechen Besserung und gaukeln diese doch nur vor, indem sie die Bevölkerung bewußt täuschen. Zum Beispiel durch Statistiktricks, wie die Anpassung der Armutsrisikogrenze.

Im 3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung von 2008 lag diese Grenze bei 781 €/Monat, während es 2005 noch 938 € waren - und das trotz gestiegener Preise für elementare Lebenshaltungskosten wie Lebensmittel, Gas, Wasser oder Strom. Wirkungsvoll sind auch die Tricksereien bei den Erwerbslosenstatistiken: Menschen in Maßnahmen, voll Sanktionierte und Kranke beispielsweise zählen dort nicht mit. Oder schlicht durch einfaches Schönreden der bitteren Realität in diesem Lande.

Kaum jemandem fällt die Diskrepanz zwischen Erfolgsmeldungen von gesunkenen Erwerbslosenzahlen einerseits und dennoch steigenden Sozialkosten auf der anderen Seite auf.

Das deutsche Volk ist mit diesen „Erfolgsmeldungen“ zufrieden und denkt darüber nicht weiter nach.

Wenn es das täte, würde es merken, dass die vermeldeten Erfolge Tricks, Täuschungen und Lügen sind.

Deutlich wird das an „Maßnahmen zur Aktivierung Erwerbsloser“, wie z. B. die eher sinnlosen Bewerbungstrainings für Langzeiterwerbslose. Man lernt, wie man Bewerbungen schreibt und Bewerbungsmappen erstellt, ungeachtet der Tatsache, daß eine „tolle Bewerbung“ allein noch nicht zu einem Arbeitsplatz verhilft. Um einen der wenigen begehrten Jobs zu bekommen, genügt die schöne Präsentation auf 100-g-Papier nicht. In den allermeisten Fällen fehlt es den Bewerbern an der Qualifikation, oder sie haben oftmals zu viel an Lebensjahren. Wer einige Jahre nicht mehr im erlernten Beruf tätig war, hat viele Veränderungen nicht mitbekommen. Einige Neuerungen können sich die Erwerbslosen zwar durch eigenständige Weiterbildung selbst beibringen, ohne Zertifikat oder staatlichen Abschluss wird das hinzuerworbene Wissen aber nicht anerkannt.

Die Politik setzt trotzdem auf Bewerbungstrainings statt auf effektive Weiterbildung bzw. Ausbildung bzw. Umschulung von noch ungelernten Erwerbslosen. Lieber werden massenhaft Erwerbslose durch die „Erweiterung der Marktchancen“, also Ein-Euro-Jobs und andere Maßnahmen in berufsfremden Bereichen zum Hilfsarbeiter „gebildet“. Daß es hier in Deutschland bereits Millionen von ungelernten Hilfsarbeitern gibt, stört weder die Politiker noch Bürger.

Hinzu kommen die für Erwerbslose nutzlosen Arbeitsgelegenheiten, welche vor allem für die Betriebe gewinnbringend sind. Diese besetzen frei werdende Stellen durch Ein-Euro-Jobber, statt ehemals reguläre Arbeitsplätze an sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer zu vergeben.

Laut Gesetz dürfen keine Arbeitsplätze durch Ein-Euro-Jobs vernichtet werden. Die ARGEn, Betriebe und Politiker setzen sich jedoch über diese Gesetze hinweg, denn nur ihr eigener Erfolg zählt: die Arbeitslosenquote geht scheinbar zurück, die Kommunen sparen erst mal Geld und die Politiker sonnen sich in ihrem angeblichen Erfolg.

Auch die Träger dieser Maßnahmen profitieren. Für ihren „Kunden“ erhalten sie zwischen 200 und 350 € monatlich und mehr, nachdem sie ein wenig Verwaltungsarbeit in die Vermittlung investiert haben. Häufig hören und sehen die „Kunden“ anschließend von diesen Trägern nichts mehr, es sei denn, sie beschweren sich über die schlechten Arbeitsbedingungen, die keineswegs „zusätzlichen“ Arbeiten - nur solche sind ja erlaubt - oder die teils verachtende Behandlung durch Kollegen und Vorgesetzte auf der Arbeitsstelle.

Nach Absolvierung solcher Arbeitsgelegenheiten bekommt man in der Regel ein „Zertifikat“, in dem das (angeblich) Erlernte aufgelistet wird. Dieses kann man einfach abheften, sich in der Toilette an die Wand nageln oder als Nachweis einer Beschäftigung in seine Bewerbungsmappe legen. Völlig gleichgültig, denn weder als Berufserfahrung noch als Weiterbildung mit Abschluss wird es anerkannt. Es gelten für eine erfolgreiche Bewerbung eben nur staatlich anerkannte Abschlüsse, alles andere ist Makulatur. So lässt sich dann auch in etwa die „Bildungsferne“ erklären. Der oder die Erwerbslose kann zwar viel, hat auch in vielen Bereichen gearbeitet, aber ohne Abschlusszeugnis ist man in der heutigen Gesellschaft dumm bzw. neudeutsch „bildungsfern“.

Zugleich verringern sich durch solche „Maßnahmen“ die Chancen in dem bereits erlernten Beruf wieder Fuß zu fassen, weil man durch das Lernen in anderen Bereichen immer weiter heraus gedrängt wird. Auf diese Weise wird systematisch aus einem Facharbeiter durch die „Maßnahmen des SGB II und III zur Erweiterung der Kenntnisse“ ein Hilfsarbeiter generiert - ohne wirkliche Aussicht auf einen ausreichend bezahlten Arbeitsplatz.
Insbesondere Wirtschaft und Politik tragen hierfür die Verantwortung. Die Wirtschaft, vertreten durch diverse Arbeitgeberverbände in der „Hartz-IV-Gesetzgebungskommission“, hat maßgeblich dazu beigetragen, dass sie sich ihren Facharbeitermangel selbst geschaffen hat. Gerade für diese Verbände stand in erster Linie der Gewinn im Vordergrund, den man durch diese Maßnahmen erreichen kann. Hilfsarbeiter kosten weniger Lohn, Ein-Euro-Jobber incl. Berufsabschluß sogar gar keinen Lohn. Und die Politiker mit ihren wohl platzierten Arbeitgebervertretern jubeln, weil dadurch die Erwerbslosenzahl zumindest vordergründig weiter sinkt.

Das Volk ist wiederum zufrieden und denkt nicht weiter darüber nach!

Doch das alles scheint noch lange nicht zu genügen. Mit Einführung der Arbeitsmarktreformen wurden auch Niedriglohn, befristete Arbeitsverhältnisse (z. B. auch Zeitarbeit), und somit die Erpressbarkeit der Arbeitnehmer eingeführt. „Hartz IV“ wurde deutschlandweit zum Synonym für Lohndumping, Angst, Verzweiflung, Perspektiv- und Chancenlosigkeit, Drangsalierung und Erpressung. Wer es „wagte“ mehr Lohn zu fordern oder sich gegen „von oben“ verordnete Lohnkürzungen zur Wehr setzen wollte, wurde schnell mit der Tatsache konfrontiert, daß ihm dann gekündigt wird und er nach einem Jahr in Hartz IV ist.

Die reale Horror, was einem Hartz-IV-Bezieher alles zugemutet werden kann, sei es durch Sinnlosmaßnahmen, Sanktionen oder unsoziale Unterstellungen man sei zu faul, Schmarotzer oder Betrüger taten ihr Übriges und schon war manch einer lieber still. Nur eine Arbeitsstelle scheint noch ein lebenswertes Leben möglich zu machen, egal wie schlecht oder schlecht bezahlt sie ist.

Durch den offensichtlich zu niedrig bemessenen Regelsatz konnten Arbeitgeber im Sinne des Lohnabstandsgebotes die Löhne sogar so weit senken, dass die untersten Einkommen nur knapp oberhalb, der „Hartz IV Regelsätze“ lagen. Der Effekt dieses zu niedrigen Regelsatzes hatte weit reichende Folgen. Erwerbslose können sich kaum noch ausreichend und gesund ernähren, eine Teilhabe an der Gesellschaft ist kaum bis gar nicht mehr möglich, da viele Aktivitäten Geld kosten. „Tafeln“ und andere Hilfsmöglichkeiten wurden in fast jeder Stadt gegründet oder ausgebaut. Manche eher aus Profitgründen, andere, kleinere Vereine und Organisationen versuchten die mittlerweile entstandene Not mit kurzfristigen Hilfen und Spenden einfach nur etwas zu lindern.

Dazu kamen und kommen jetzt die Beschäftigten, die in so genannten „prekären Beschäftigungen“ arbeiten, also im Niedrigstlohnbereich oder mit niedrig bezahlten Zeitverträgen. Die Wirtschaft unterstützte dies, hatte anfangs durch diese „Einsparungen“ noch höhere Gewinne, doch schon nach einiger Zeit begannen viele Unternehmer wieder zu jammern. „Die Umsätze sind eingebrochen, viele kleinere Unternehmen müssen schließen, weil keiner mehr die Waren und Dienstleistungen kauft“.

Warum wohl?

Die unbegrenzte Profitgier hatte - vorausschauend schon mal auf staatliche Unterstützung bauend? - eines außer Acht gelassen. Mit sinkenden Löhnen, zu niedrigen Sozialleistungen und Steuererhöhungen hatte man die Kaufkraft der Bevölkerung, also das, wovon alle Betriebe und Unternehmen leben, nachdrücklich geschwächt.

Plötzlich wuchsen Kochbücher für Arme förmlich wie Pilze aus dem Boden. Laut Zutatenliste der Rezepte in diesen Büchern sollte man „zwei Bockwürstchen für 20 Cent, 100 g Dieses für 30 Cent und 150 g von Jenem für 25 Cent“ einkaufen, um dann für einen Tag eine ausgewogene Mahlzeit zubereiten zu können. Am nächsten Tag gab es dann ein neues, nahrhaftes Gericht. Hätte man diese Minimengen besorgen wollen, hätte man wohl nur ungläubiges Kopfschütteln erhalten. Diese Minimengen sind so nicht zu erhalten, man hätte größere Packungen kaufen und den Rest dann wegwerfen, einfrieren oder irgendwie anders verwerten müssen, denn sonst wäre es ja keine abwechslungsreiche Ernährung gewesen.

Neue Kochbücher kamen dann fast wöchentlich auf dem Markt, mit so sinnvollen Ratschlägen wie: Vergleichen Sie die Preise in möglichst vielen Geschäften und nehmen Sie dann das günstigste Angebot, bei gleicher Qualität“. Dass man aber dazu meist ein Auto oder den ÖPNV braucht, der dann zusätzliche Kosten verursacht und im Endeffekt ein Einkauf „im Laden um die Ecke“ aufs Gleiche heraus kommen würde, wurde nicht bedacht.

Aber die Politik fand es gut und unterstützte das.

Das Volk war wieder zufrieden und dachte nicht weiter nach.

Ein weiteres Beispiel dieses politisch-wirtschaftlichen Irrsinns ist die so genannte „Armutsindustrie“. Da wird in gemeinnützigen GmbHs durch Erwerbslose mit Mehraufwandsentschädigung kaputtes Spielzeug und alte Fahrräder sowie andere Dinge im Sinne einer zweifelhaften Wohltätigkeit aufgearbeitet und an „bedürftige Menschen“ für wenig Geld verkauft. Lebensmittel, die kurz vor dem Ablauf stehen, werden über die „Tafeln“ oder andere Organisationen für einen Euro abgegeben.

Für diejenigen, die mittlerweile auf solche Einkaufsmöglichkeiten angewiesen sein müssen, mag das erst mal positiv sein. Tatsächlich ist es ein weiterer Beweis dafür, dass Arbeitgeberverbände und Politiker - absichtlich oder durch Verkennen wirtschaftlicher Zusammenhänge - die deutsche Wirtschaft zugrunde richten. Es ist ja ein Phänomen, daß Politiker von ihren Ressorts keine Ahnung haben müssen. Doch auch ohne tiefgreifende wirtschaftliche Kenntnisse ist doch eines klar: Wer gebrauchte und reparierte Sachen kauft, aussortierte Lebensmittel, die kurz vor Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen oder Dienstleistungen „gemeinnütziger“ Betriebe in Anspruch nimmt, schadet gleichzeitig der deutschen Binnenwirtschaft. Gerade dadurch wird den kleinen und mittelständischen Unternehmen, die eben vom Umsatz und dem Verkauf von Neuwaren bzw. Anbieten von Dienstleistungen aller Art leben, die Existenzgrundlage mit jeder Neugründung solcher Armutsindustriebetriebe entzogen.

Dies ist keinesfalls eine Verurteilung derjenigen, die auf diese Gebrauchtwaren und Lebensmittel angewiesen sind, sondern ausschließlich gegen die Politik und den
„öffentlich geförderten“ Betreibern dieser Armutsindustrie gerichtet.

Der Irrsinn besteht also darin, dass man auf der einen Seite mit solchen Maßnahmen die Bevölkerung vorsätzlich täuscht, indem man ihr vorgaukelt, dass die Arbeitslosenzahlen weiterhin gesunken sind. Erwerbslose in solchen Betrieben werden nicht in der offiziellen und von den Medien verbreiteten Statistik mitgezählt. Somit vernichtet man entgegen dem Versprechen, den Mittelstand zu unterstützen, diesen damit immer weiter. Anschließend wird wieder über gestiegene Kosten im Sozialbereich gejammert. Was jetzt ja auch keinen mehr wundern kann, denn ein Ein-Euro-Jobber bekommt im Höchstfall ca. 160 € Mehraufwandsentschädigung, die Betriebe, die sie beschäftigen, pro Erwerbslosen das Doppelte oder mehr.

Wie man mit diesen Steuergeldern und den Erlösen aus den Verkäufen noch „gemeinnützig“ bleiben kann, scheint ein Rätsel zu bleiben, denn gemeinnützig ist man nur, wenn man keine Gewinne erzielt.

Das Volk denkt aber darüber nicht nach und ist weiterhin zufrieden.

Der nächste politisch gewollte Irrsinn ist die Steuerpolitik, die bei näherer Betrachtung erkennen läßt, woher dieser Reformwind weht. Da werden Steuererleichterungen versprochen und in Form von Senkungen einiger Beitragssätze der lohnabhängigen Sozialversicherungen umgesetzt.

Dass auch dies nur Täuschungen sind, merken nur wenige. Wer mal nachrechnet, wer mehr von diesen Beitragssenkungen hat - diejenigen mit einem Verdienst von 1.500 € Brutto im Monat oder die mit 6.000 oder mehr - wird sehen, dass es einen großen Unterschied gibt. Die Gutverdienenden schneiden besser ab. Für manche scheint aber allein die Aussicht auf irgendwelche Erleichterungen zu genügen, um nicht weiter darüber nachdenken zu müssen.

Betrachtet man dazu die Forderungen von Politik und Arbeitgebern nach einer Ausweitung des Niedriglohnsektors, fällt auf, was eigentlich bezweckt wird. Den Sozialstaat, wie er eigentlich laut Grundgesetz seit Jahrzehnten besteht, zu zerstören, große Teile der Gesellschaft in Armut zu stürzen und die Kluft bei den Einkommen zu vergrößern.

Im Niedriglohnsektor sind die Einkommen meist so niedrig, dass keine oder nur sehr geringe Sozialversicherungsabgaben geleistet werden. Trotzdem soll dieser erweitert werden, um „mehr Menschen in Arbeit zu bringen“. Nimmt man jetzt diese Abgaben zur Sozialversicherung wird klar, dass durch keine oder nur sehr geringe Abgaben immer mehr Gelder in diesen Kassen fehlen und gleichzeitig die Renten gerade dieser Arbeitnehmergruppe nur ein Minimum an Überlebensfähigkeit garantieren. Manchmal nicht mal das und sehr viele Menschen sind auch als Rentner noch gezwungen, auf Staatshilfen angewiesen zu sein.

Diejenigen, die sich eine private Rentenversicherung leisten können, weil ihr Verdienst über der Pflichtgrenze liegt oder die Politiker, die ihre Gehälter aus Steuern beziehen, gleichzeitig aber auch beteuern, dass auch sie in die Rentenversicherung einzahlen (wo ist eigentlich der Unterschied, denn wenn sie Gehälter aus Steuergeldern beziehen und die Rentenversicherung auch mit diesen Steuergeldern bezahlen, bleiben es trotzdem Steuergelder) und sie auch noch selbst durch Mehrheitsbeschluss die Höhe der (weiterhin steuerfinanzierten) Renten selbst festlegen können, haben gerade diese Menschen kaum etwas zu befürchten. Dazu kommen noch Beamte, die Vorstände der staatlichen Betriebe, wie die Rentenversicherungen, die Agentur für Arbeit usw., die allerdings nicht ihre Höhe selbst festlegen können. Bei den Staatshilfen ist es ebenso. Geringe Löhne ergeben auch geringe Steuereinnahmen, durch die Lohnabgaben und durch die Einnahmen, z. B. durch die Mehrwertsteuer.

Diese „Geschenke“ an die Bevölkerung müssen aber finanziert werden. Da die Steuereinnahmen aber auch durch die bereits genannten Tricks (Armutsindustrie inkl. Ein-Euro-Jobs, Tafeln, Spielsachenverwertung, Niedriglohnsektor etc.) weiterhin sinken, muss das Geld irgendwo her kommen. Also denken die „Experten“ der Regierung nicht lange nach und wissen auch schon genau woher. Man erhöht einfach andere Steuern um die Steuersenkungen zu finanzieren. Im Gespräch sind schon seit längerem die Erhöhung der Mehrwertsteuer, entweder allgemein oder bei den ermäßigten Steuern von 7%, die Wiederanhebung der Arbeitslosenversicherung oder andere Abgaben und Steuern.

Wenn man aber Steuersenkungen durch die Erhöhung anderer Steuern finanzieren muss, um diese zu finanzieren, betrügt man das Volk wiederum. Hätte man es gleich gelassen, wäre es vielleicht sogar besser gewesen.

Was nützt es einem Arbeitnehmer in den unteren Einkommensklassen, wenn er bzw. sie dann durch diese Steuersenkung ein paar Cent mehr am Monatsende hat, wenn gleichzeitig andere Steuern, wie z. B. die Mehrwertsteuer, angehoben werden, und er dann ein paar Euro mehr für die gleichen Lebensmittel bezahlen muss? Was nützt es den Niedriglöhnern, den Erwerbslosen, Rentnern und anderen Beziehern von Sozialleistungen, wenn sie nichts von den Steuersenkungen haben, dafür aber mehr Geld für die gleichen Einkäufe hinlegen müssen, nur damit einige Gut-, Besser- und Bestverdienende am Ende des Monats bis zu hundert oder mehr Euro auf ihrem Konto haben und dieses Mehr dann vielleicht auch noch im Ausland verpulvern?

Das Volk lässt sich aber gerne verschaukeln, weil es nicht nachdenkt.

Über Kinder gäbe es wahrscheinlich auch eine Menge zu schreiben, da ich/wir aber keine haben, könnten ich/wir nur spekulieren. Wer mag, kann hierzu selbst etwas verfassen



In Zusammenarbeit mit fritzi (gekürzte Fassung)
__

Gruß aus dem Rheinland

Martin

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Martin Behrsing ist offline  
Alt 30.12.2009, 22:58   #11
Sancho
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Standard AW: Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Fachar

Die Rohfassung von Teil 3 wäre zwar fertig, aber angesichts des allgemeinen Desinteresses, hätte ich mir auch die Arbeit für später aufheben können bzw. sparen können.

 
Alt 31.12.2009, 10:28   #12
DieFrettchen
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Standard AW: Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Fachar

hallole ihr lieben,

ich finde es eigentlich schade das hier eine steilvorlage zum disskutieren im moment etwas untergeht. also geb ich euch mal ein wenig background dazu, so kann sich jeder mal etwas seine gedanken sortieren, wenn man etwas umfassender in unsere allgemeine gesellschaftliche ordnung und die art und weise wie sie in "unordnung" kommt geben.

wie die faust aufs auge zwei artikel von dem soziologen hans jürgen krysmanski über die globalen macht-und funktionseliten und über die identität der gläubiger, des "schuldners staat" über die nie gesprochen wird.

TP: "Über die Identität der Gläubiger des Schuldners Staat wird nie gesprochen"

TP: Wer die Fäden zieht

also lasst uns reden und mit spannung den dritten teil von sancho und fritzi erwarten. ich tu es!

liebe grüße von barbara
 
Alt 31.12.2009, 14:36   #13
Jesaja
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Jesaja
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Standard AW: Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Fachar

Also mich würde der dritte Teil auch sehr interessieren. Ich hätte Interesse daran, den Artikel als offenen Brief über meinen Verteiler zu schicken, ich habe nämlich ein relativ großes Netzwerk.
Für mich gibt es im Moment erst mal gar nichts zu diskutieren, weil der Artikel die wesentliche Problematik von Hartz IV - Geschädigten auf den Punkt bringt. Ich denke, dass Sanchos Aufsatz gleichzeitig sachlich aber auch persönlich gehalten ist, und daher sicherlich auch viele Nichtbetroffene nachdenklich stimmen würde.
Jesaja ist offline  
Alt 02.01.2010, 14:07   #14
Sancho
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Standard AW: Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Fachar

nächster Teil:

Der meines Erachtens größte Unsinn liegt in der Export- und Binnenwirtschaft.
Politik und Medien feiern Deutschland fast jährlich als „Export-Weltmeister“ und das seit Schröder eingeführte Totschlagargument der Globalisierung scheint ein Freibrief für fast alles zu sein. Auch das von Gerhard Schröder angestrebte Bündnis für Arbeit orientierte sich an diesem Vorbild und sollte mehr Jobs im Tausch gegen Lohnverzicht schaffen.

Was war aber vor der „Globalisierung“? Deutschland lieferte seine Waren schon seit Gründung der „Bundesrepublik Deutschland“ in alle Welt, auch nach Indien und China. Wo ist also ein Unterschied zu erkennen?

Also wurde durch Schröders „Agenda 2010“ die Globalisierung eben neu erfunden, bekräftigt durch die Aussage von Politik und Wirtschaft „Wir müssen konkurrenzfähig werden“. Die Arbeitnehmer verzichteten erst auf Teile des Lohnes, auf ihr Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld usw. verzichten mussten, um ihre Arbeitsplätze durch den angeblichen Druck der Globalisierung zu erhalten. Beim Export mag das vielleicht noch sein, aber auch beim Binnenmarkt?

Kennen Sie noch den Slogan „Made in Germany“? Das stand mal für Qualität Bis ca. Mitte der 80er Jahre hieß es immerhin noch „Qualität hat ihren Preis“ inzwischen sind wir zu „Geiz ist Geil“ verkommen und das vor allem bei den Löhnen.

Dadurch wurde auch dem Lohndumping, dem Niedriglohnsektor und der stetig wachsenden Armut Tür und Tor geöffnet.

Für die Käufer aus dem Ausland wurden die Preise gesenkt, während sie in Deutschland lange Zeit stabil blieben, anscheinend um die Verluste im Export wieder etwas auszugleichen.

Dennoch setzte und setzt die Politik weiter auf den Export und vernachlässigt den Binnenmarkt fast sträflich, denn die „Konkurrenzfähigkeit“ für den Export hat sehr negative Folgen für die innerdeutsche Wirtschaft.

Durch den anfangs noch freiwilligen verzicht der Arbeitnehmer auf angemessene Löhnerhöhungen sank die Kaufkraft in Deutschland. Die Einführung des Niedriglohnsektors (ebenfalls durch die „Agenda 2010“) und die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 19% trugen ihr Übriges dazu bei.

Dies führte dazu, dass die Umsätze beim „Mittelstand“, die Steuereinnahmen der Regierungen, der Lebensstandard großer Teile der Bevölkerung und die Einnahmen der Sozialversicherungskassen sanken.

Gleichzeitig stieg die Zahl der Hilfebedürftigen immer weiter, Rentnerinnen und Rentner mussten durch mehrere Nullrunden hinnehmen und weitere sind bereits jetzt schon angekündigt.

Die Regierung(en) erkannte das anscheinend und startete mehrere „Kampagnen“, die zum Einen der arbeitenden Bevölkerung einredete, das man anscheinend nur durch eine Arbeit „zur Gesellschaft“ gehörte und zum Anderen lieferte sie gleich dazu auch noch die passenden „Sündenböcke“, die „saufenden, rauchenden, faulen und auf dem Sofa liegenden Erwerblosen“, der sich „lieber Flatscreen TV’s kauften und kästenweise Bier konsumieren, aber nicht arbeiten wollen“, dazu noch ein paar „Beispiele“ und immer wieder das herunterbeten von „20% Leistungsmissbrauch“, das aber nie bewiesen wurde.

Dies schien das Volk wieder zu beruhigen und hinderte sie erneut daran, nachzudenken, denn gleichzeitig erklärten viele Politiker in Interviews und „Talkshows“, das „die Kosten für Soziales enorm gestiegen sind“.

Wie aber sind diese Sozialkosten zusammengesetzt?.

Aus dem Etat des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales werden nicht nur die „Hartz IV – Kosten“ bestritten, wie es vielleicht mancher Volksvertreter meint, sondern auch noch andere Bereiche, wie die Gehälter des Ministers und seiner Angestellten, die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, das Bundesarbeitsgericht, das Bundessozialgericht, das Bundesversicherungsamt, die Kriegsopferversorgung und –fürsorge, Sozialversicherungen und die Gehälter bzw. Bezüge der Beamten und Angestellten dieser Einrichtungen, die Gelder für das Arbeitslosengeld 1, selbst der Bundeswahlbeauftragte bekommt sein Gehalt aus dem Budget des BMAS. Der Anteil der Hartz IV Regelsätze macht vielleicht 1/4 oder 1/5 davon aus (Quelle: Haushaltsplan für 2009. Die Zahlen mögen sich zwar geändert haben, die Empfänger aber nicht).
Nicht zu vergessen das Geld, das Maßnahmeträger und gemeinnützigen Einrichtungen, für die Beschäftigung von Ein-Euro-Jobbern einstreichen.

Den Bürgern wird allerdings suggeriert, dass die Ausgaben des BMAS vor allem für „Hartz IV“ verwendet werden.

Selbst aus der Opposition kam bisher keine genauere Erklärung über die Zusammensetzung.

Die immer wiederkehrenden Forderungen von Instituten, Professoren und Wirtschaftsweisen nach einer Absenkung der Regelsätze des Arbeitslosengeldes II, da die Sozialleistungen zu hoch und somit kein Anreiz, eine Arbeit auch im Niedriglohnsektor anzunehmen bestehe, unterstützen auch nur die Taktik von Politik und Medien das Volk zu beruhigen, damit es nicht nachdenkt.

Es waren auch meist die selben Institute und Professoren die in den letzten Jahren fast freudestrahlend einen Aufschwung für Wirtschaft und Arbeitsmarkt voraussagten. Wo dieser Aufschwung ankam, weiß man nicht, zumindest nicht beim einfachen Volk, dafür wurde es aber fast regelmäßig zum Monatsende beruhigt, indem man verkündete, dass die Arbeitslosigkeit wieder gesunken sei. Ebenso regelmäßig wurde verschwiegen, Was nicht erwähnt wurde, dass gleichzeitig immer mehr Menschen durch ihre Teilnahme an ausgewählten Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik, Kranke, Vollsanktionierte (zu 100%) usw. durch die neue Zählmethode nicht mehr in den Statistiken auftauchen.

Was also hat Deutschland die Politik der letzten Jahre bis Jahrzehnte gebracht?

Die Arbeitslosigkeit stieg schon seit den 80er Jahren an, mit Einführung der „Agenda 2010“ wurden Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zusammen geführt, wodurch die erwerbsfähigen Sozialhilfebezieher anschließend auch in den Statistiken auftauchten und dadurch die Zahl aller Erwerbslosen auf über 5 Millionen anstieg. Gleichzeitig wurde durch die „Agenda 2010“ eine Lohnspirale nach unten durch den Niedriglohnsektor, die Zeitarbeit, befristete Verträge und den (bewusst) niedrigen Regelsatz von „Hartz IV“ eingeführt. Das Neuerfinden der Globalisierung beschleunigte zusammen mit den Arbeitsmarktreformen das..
Das so genannte Lohnabstandsgebot, indem eher vorgeschlagen wird, das zwischen den Leistungen eines allein stehenden Sozialleistungsbeziehers und dem untersten Lohn eines Arbeiters ein gewisser Abstand bestehen sollte, ließ Möglichkeiten entstehen, die Spirale nach Unten im Sinne der weltweiten Konkurrenz zu nutzen.

Durch das Absenken der Löhne wurden und werden immer weniger Beiträge in die Sozialversicherungskassen eingezahlt, die Kaufkraft wurde dadurch gesenkt, was den Mittelstand immer mehr in Bedrängnis brachte und bringt. Dadurch ist gerade dieser gezwungen, seine Preise zu senken, was sich wiederum auf die Gehälter der Angestellten auswirkt. Sinkende Umsätze durch sinkende Preise erlauben kaum ein Beibehalten der Höhe der Löhne, da diese Kosten logischerweise die Gewinne des Mittelstandes auffressen. Selbiges gilt auch für die Hersteller von Waren.

Die Finanzkrise spielt für den Binnenmarkt eigentlich eher eine Nebenrolle, auch wenn sie offiziell für vieles herhalten muss. Schließlich betraf diese eher die Spekulanten der diversen Banken und einige Großanleger. Allerdings auch Kleinanleger, die z. B. für ihre Rente, Kinder oder Enkelkinder Geld anlegen wollten, damit es ihnen dann zumindest später etwas besser geht. Die gingen dann eher leer aus und wurde mit einem einfachen Brief informiert, dass ihre Einlagen weg wären.

Als dann fast plötzlich und „über Nacht“ ein Bankenrettungspaket beschlossen wurde, dachte auch kaum jemand nach, woher die ca. 500 Mrd. € kamen, denn der Finanzminister hatte die wohl nicht zufällig in einer Schublade liegen.
Nein, denn um den Banken Kapital zum „überleben“ zu geben, musste das Geld erstmal von anderen Banken geliehen werden. Ob es nun zum normalen oder einem ermäßigten Zinssatz war, kann man nicht genau sagen. Die damalige schwarz-rote Regierung ließ sich aber trotzdem als „Held der Banken und Anleger“ feiern, munter unterstützt durch die Medien.

Die Kommunen, die jetzt über ihre Finanzkrise klagen, sind zum Teil selbst daran schuld und nehmen die jetzige Krise eher nur zum Vorwand, um Geld zu fordern, welches sie durch eigenes Handeln verloren haben.

Einige spekulierten selbst an der Börse, viele aber verkauften bzw. privatisierten stadt- bzw. gemeindeeigene Wohnungen und andere Einrichtungen, um damit dann einige Haushaltslöcher zu stopfen. Das schnelle Geld durch die Verkäufe wurde dann schnell aufgebraucht und die Einnahmen aus den Vermietungen der ehemals kommunalen Wohnungen fehlten. Hinzu kam dann der Einbruch der Einnahmen aus der Gewerbesteuer durch die steigenden Firmeninsolvenzen.

Die meisten dieser von Städten, Gemeinden und auch vom Staat privatisierten Gebäude wurden mit Steuergeldern gebaut. Von Ihrem Geld also, aber das wissen Sie ja, nicht wahr?

Um diese selbst verschuldete Finanzkrise einigermaßen heil zu überstehen, denken viele Politiker laut über Steuererhöhungen nach, die wahrscheinlich dann auch folgen werden. Dies hätte dann wiederum mehr negative als positive Auswirkungen auf die deutsche Binnenwirtschaft.

Die Preise würden steigen
-> die Bürger bekämen weniger Waren für ihr Geld.
-> die Umsätze würden fallen
-> der Mittelstand würde gezwungen werden, die Preise zu senken
->, was wiederum Einfluss auf die Löhne hätte.
-> sinkende Löhne führen zu geringeren Zahlungen in die Sozialkassen
-> gleichzeitig würde die Zahl derer steigen, die auf zusätzliche Sozialleistungen angewiesen sind um leben zu können
-> der Staat wäre wieder da, wo er Anfangs stand.

Dann wäre da noch die immer wieder diskutierte Möglichkeit der Kürzung von Sozialleistungen und/oder Renten. Der Effekt wäre der selbe.

Die Preise blieben anfänglich gleich
-> der Umsatz würde aber sinken, da man auch von den Einnahmen der geschätzten 25 bis 30 Millionen Menschen lebt, die Sozialleistungen bzw. Renten beziehen (Erwerbslose, „Aufstocker“ und RentnerInnen, auch die so wenig Rente bekommen, das sie mit Sozialhilfe aufstocken müssen, die von den „knappen“ Kommunen bezahlt werden)
-> Das würde dann die Wirtschaft wieder zwingen, die Preise zu senken
-> was wiederum Einfluss auf die Löhne hätte
-> Sinkende Löhne ergeben weniger Beiträge in den Sozialkassen
-> …. etc.

Statt also auf Steuererhöhungen zu setzen, sollte man lieber dafür sorgen, dass die Einkommen der Menschen in Deutschland wieder steigen, denn auch die versprochenen Steuererleichterungen werden nichts daran ändern, dass es mit der Binnenwirtschaft immer weiter nach unten geht, da die Profiteure dieser Steuersenkungen wie schon beschrieben eh nur die Gut- Besser- und Bestverdienenden sind und die Mehrzahl der Bürger kaum bis gar nichts davon hat.

Die Sozialleistungen müssten deutlich angehoben werden, der Niedriglohnsektor so schnell als möglich wieder abgeschafft und ein Mindestlohn für alle eingeführt werden. Wer mehr Geld für den Konsum hat, kann auch mehr ausgeben und es ist schon ein großer Unterschied, wenn nur ein paar Millionen Menschen oder alle mehr Geld ausgeben können.

Die Umsätze und die Löhne könnten wieder leistungsgerecht steigen, die Einnahmen der Sozialversicherungskassen würden wieder deutlich erhöht.
Denn nur wenn ALLE Menschen unabhängig von aufstockenden Sozialleistungen ihren Lebensunterhalt verdienen können, kann auch ein Aufschwung ins Rollen kommen. Nichtsdestotrotz kann eine Wirtschaft nicht unendlich wachsen
Daher ist ein stabiler und vom Export weitestgehend unabhängiger Binnenmarkt wichtig, da er eine weitere Krise im Auslandshandel etwas besser abfedern könnte.
Die Kaufkraft des Binnenmarktes wird nicht durch die weltweite Konkurrenz beeinträchtigt, sondern vom Verbrauch der Menschen dieses Landes, der schlicht von der Höhe des Verdienstes und natürlich auch der Lohnersatzleistungen abhängig ist.

Das ist zumindest für mich die beste Lösung, um aus dieser Krise etwas zu lernen.
Marktwirtschaft ist gar nicht so schwer, wie manche es gerne erzählen, man muss eigentlich nur die wirklichen Zusammenhänge erkennen.

Es liegt natürlich an Ihnen, ob sie sich das Denken weiterhin abnehmen lassen oder sich beruhigen lassen wollen!

Mit besten Grüßen und viel Glück für die Zukunft.


P. S.


Herzlichen Dank an fritzi für die Zusammenarbeit!
Immer wieder gerne.



P. P. S.


Wir haben die beiden Teile zusammen gefügt und mit einigen Bildern den Text etwas aufgelockert (immerhin 10 Seiten)

Angehängte Dateien
Dateityp: pdf Die Politik schafft sich ihre Armen-zusammen.pdf (375,2 KB, 380x aufgerufen)
 
Alt 02.01.2010, 22:01   #15
DieFrettchen
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Standard AW: Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Fachar

hallole ihr lieben,

ein paradebeispiel hierfür ist doch porsche: einst ein renomee betrieb und ein kleiner ableger von VW der die luxusspalte bediente.

in den letzten quartalen 2009 versuchte die einstige kleine VW tochter porsche ihr ehemaliges mutterschiff zu übernehmen. das ganze wird richtig pervers, wenn man sich die ganze show mal ansieht. porsche hatte seine geschäftsbilanz auschließlich mit aktienhandel so hochgepuscht und nicht mit dem absatz von luxuskarossen die auch noch in leipzig von leiharbeitern zusammengestöpselt wurden. diese bilanzen wurden doch mit dem senken der löhne und der enormen eisparungen der sozialleistungen erreicht. und wer soll die nobelkarossen kaufen? selbst ein besserverdienender deutscher kauft keinen, allenfalls gebraucht. hier ist das stichwort: gebraucht. und die chance die autos loszuwerden. rabatt für reiche!

was damit einhergeht ist das recht intressante phänomen "leasingwagen". es sind konzerne die die chayennes und boxter im großen stile ordern. nach 2 jahren werden die dinger mit entsprechendem preisnachlass verkauft. d. H. porsche weiß sehr wohl, das es um den absatz von nobelwagen schlecht bestellt ist. also werden diese art der geschäftemacherrei auch noch über die hauseigene bank abgewickelt. sonst wird die porschehalde noch größer. früher war das leasing ein minderes geschäft für butter-und brot autos für otto normalverbraucher. heut läuft das häschen den reichen nach. alles auf dem rücken der steuerzahler und arbeitnehmer zulasten der sozialkassen. es lohnt sich auch mal hinter die fassade der "used cars" zu schauen.

liebe grüße von barbara
 
Alt 02.01.2010, 23:03   #16
Clint
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Standard AW: Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Fachar

Zitat von Sancho Beitrag anzeigen
Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Facharbeitermangel“ selbst!


Es ist wieder Weihnachten, fromme Wünsche allüberall und das Jahr 2009 geht zu Ende. Was hat sich in diesem Jahr für viele Menschen in Deutschland getan? Genau betrachtet nichts. Sie sind dort, wo sie auch in den Jahren zuvor bereits waren. Stimmt nicht? Richtig, stimmt nicht. Sie sind eher noch etwas tiefer gerutscht.

Deutschland wird als eines der reichsten Länder der Welt gesehen. Umso schlimmer, wenn man bei genauem Hinsehen in diesem reichen Land erkennen muss, dass die Armut seit Jahren immer weiter wächst.

Politiker versprechen Besserung und gaukeln diese doch nur vor, indem sie die Bevölkerung bewußt täuschen. Zum Beispiel durch Statistiktricks, wie die Anpassung der Armutsrisikogrenze.
Im 3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung von 2008 lag diese Grenze bei 781 €/Monat, während es 2005 noch 938 € waren - und das trotz gestiegener Preise für elementare Lebenshaltungskosten wie Lebensmittel, Gas, Wasser oder Strom. Wirkungsvoll sind auch die Tricksereien bei den Erwerbslosenstatistiken: Menschen in Maßnahmen, voll Sanktionierte und Kranke beispielsweise zählen dort nicht mit. Oder schlicht durch einfaches Schönreden der bitteren Realität in diesem Lande.

Kaum jemandem fällt die Diskrepanz zwischen Erfolgsmeldungen von gesunkenen Erwerbslosenzahlen einerseits und dennoch steigenden Sozialkosten auf der anderen Seite auf.

Das deutsche Volk ist mit diesen „Erfolgsmeldungen“ zufrieden und denkt darüber nicht weiter nach.

Wenn es das täte, würde es merken, dass die vermeldeten Erfolge Tricks, Täuschungen und Lügen sind.

Deutlich wird das an „Maßnahmen zur Aktivierung Erwerbsloser“, wie z. B. die eher sinnlosen Bewerbungstrainings für Langzeiterwerbslose. Man lernt, wie man Bewerbungen schreibt und Bewerbungsmappen erstellt, ungeachtet der Tatsache, daß eine „tolle Bewerbung“ allein noch nicht zu einem Arbeitsplatz verhilft. Um einen der wenigen begehrten Jobs zu bekommen, genügt die schöne Präsentation auf 100-g-Papier nicht. In den allermeisten Fällen fehlt es den Bewerbern an der Qualifikation, oder sie haben oftmals zu viel an Lebensjahren. Wer einige Jahre nicht mehr im erlernten Beruf tätig war, hat viele Veränderungen nicht mitbekommen. Einige Neuerungen können sich die Erwerbslosen zwar durch eigenständige Weiterbildung selbst beibringen, ohne Zertifikat oder staatlichen Abschluss wird das hinzuerworbene Wissen aber nicht anerkannt.

Die Politik setzt trotzdem auf Bewerbungstrainings statt auf effektive Weiterbildung bzw. Ausbildung bzw. Umschulung von noch ungelernten Erwerbslosen. Lieber werden massenhaft Erwerbslose durch die „Erweiterung der Marktchancen“, also Ein-Euro-Jobs und andere Maßnahmen in berufsfremden Bereichen zum Hilfsarbeiter „gebildet“. Daß es hier in Deutschland bereits Millionen von ungelernten Hilfsarbeitern gibt, stört weder die Politiker noch Bürger.

Hinzu kommen die für Erwerbslose nutzlosen Arbeitsgelegenheiten, welche vor allem für die Betriebe gewinnbringend sind. Diese besetzen frei werdende Stellen durch Ein-Euro-Jobber, statt ehemals reguläre Arbeitsplätze an sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer zu vergeben.

Laut Gesetz dürfen keine Arbeitsplätze durch Ein-Euro-Jobs vernichtet werden. Die ARGEn, Betriebe und Politiker setzen sich jedoch über diese Gesetze hinweg, denn nur ihr eigener Erfolg zählt: die Arbeitslosenquote geht scheinbar zurück, die Kommunen sparen erst mal Geld und die Politiker sonnen sich in ihrem angeblichen Erfolg.
Auch die Träger dieser Maßnahmen profitieren. Für ihren „Kunden“ erhalten sie zwischen 200 und 350 € monatlich und mehr, nachdem sie ein wenig Verwaltungsarbeit in die Vermittlung investiert haben. Häufig hören und sehen die „Kunden“ anschließend von diesen Trägern nichts mehr, es sei denn, sie beschweren sich über die schlechten Arbeitsbedingungen, die keineswegs „zusätzlichen“ Arbeiten - nur solche sind ja erlaubt - oder die teils verachtende Behandlung durch Kollegen und Vorgesetzte auf der Arbeitsstelle.

Nach Absolvierung solcher Arbeitsgelegenheiten bekommt man in der Regel ein „Zertifikat“, in dem das (angeblich) Erlernte aufgelistet wird. Dieses kann man einfach abheften, sich in der Toilette an die Wand nageln oder als Nachweis einer Beschäftigung in seine Bewerbungsmappe legen. Völlig gleichgültig, denn weder als Berufserfahrung noch als Weiterbildung mit Abschluss wird es anerkannt. Es gelten für eine erfolgreiche Bewerbung eben nur staatlich anerkannte Abschlüsse, alles andere ist Makulatur. So lässt sich dann auch in etwa die „Bildungsferne“ erklären. Der oder die Erwerbslose kann zwar viel, hat auch in vielen Bereichen gearbeitet, aber ohne Abschlusszeugnis ist man in der heutigen Gesellschaft dumm bzw. neudeutsch „bildungsfern“.
Zugleich verringern sich durch solche „Maßnahmen“ die Chancen in dem bereits erlernten Beruf wieder Fuß zu fassen, weil man durch das Lernen in anderen Bereichen immer weiter heraus gedrängt wird. Auf diese Weise wird systematisch aus einem Facharbeiter durch die „Maßnahmen des SGB II und III zur Erweiterung der Kenntnisse“ ein Hilfsarbeiter generiert - ohne wirkliche Aussicht auf einen ausreichend bezahlten Arbeitsplatz.
Insbesondere Wirtschaft und Politik tragen hierfür die Verantwortung. Die Wirtschaft, vertreten durch diverse Arbeitgeberverbände in der „Hartz-IV-Gesetzgebungskommission“, hat maßgeblich dazu beigetragen, dass sie sich ihren Facharbeitermangel selbst geschaffen hat. Gerade für diese Verbände stand in erster Linie der Gewinn im Vordergrund, den man durch diese Maßnahmen erreichen kann. Hilfsarbeiter kosten weniger Lohn, Ein-Euro-Jobber incl. Berufsabschluß sogar gar keinen Lohn. Und die Politiker mit ihren wohl platzierten Arbeitgebervertretern jubeln, weil dadurch die Erwerbslosenzahl zumindest vordergründig weiter sinkt.

Das Volk ist wiederum zufrieden und denkt nicht weiter darüber nach!

Doch das alles scheint noch lange nicht zu genügen. Mit Einführung der Arbeitsmarktreformen wurden auch Niedriglohn, befristete Arbeitsverhältnisse (z. B. auch Zeitarbeit), und somit die Erpressbarkeit der Arbeitnehmer eingeführt. „Hartz IV“ wurde deutschlandweit zum Synonym für Lohndumping, Angst, Verzweiflung, Perspektiv- und Chancenlosigkeit, Drangsalierung und Erpressung. Wer es „wagte“ mehr Lohn zu fordern oder sich gegen „von oben“ verordnete Lohnkürzungen zur Wehr setzen wollte, wurde schnell mit der Tatsache konfrontiert, daß ihm dann gekündigt wird und er nach einem Jahr in Hartz IV ist.

Die reale Horror, was einem Hartz-IV-Bezieher alles zugemutet werden kann, sei es durch Sinnlosmaßnahmen, Sanktionen oder unsoziale Unterstellungen man sei zu faul, Schmarotzer oder Betrüger taten ihr Übriges und schon war manch einer lieber still. Nur eine Arbeitsstelle scheint noch ein lebenswertes Leben möglich zu machen, egal wie schlecht oder schlecht bezahlt sie ist.

Durch den offensichtlich zu niedrig bemessenen Regelsatz konnten Arbeitgeber im Sinne des Lohnabstandsgebotes die Löhne sogar so weit senken, dass die untersten Einkommen nur knapp oberhalb, der „Hartz IV Regelsätze“ lagen. Der Effekt dieses zu niedrigen Regelsatzes hatte weit reichende Folgen. Erwerbslose können sich kaum noch ausreichend und gesund ernähren, eine Teilhabe an der Gesellschaft ist kaum bis gar nicht mehr möglich, da viele Aktivitäten Geld kosten. „Tafeln“ und andere Hilfsmöglichkeiten wurden in fast jeder Stadt gegründet oder ausgebaut. Manche eher aus Profitgründen, andere, kleinere Vereine und Organisationen versuchten die mittlerweile entstandene Not mit kurzfristigen Hilfen und Spenden einfach nur etwas zu lindern.

Dazu kamen und kommen jetzt die Beschäftigten, die in so genannten „prekären Beschäftigungen“ arbeiten, also im Niedrigstlohnbereich oder mit niedrig bezahlten Zeitverträgen. Die Wirtschaft unterstützte dies, hatte anfangs durch diese „Einsparungen“ noch höhere Gewinne, doch schon nach einiger Zeit begannen viele Unternehmer wieder zu jammern. „Die Umsätze sind eingebrochen, viele kleinere Unternehmen müssen schließen, weil keiner mehr die Waren und Dienstleistungen kauft“.

Warum wohl?

Die unbegrenzte Profitgier hatte - vorausschauend schon mal auf staatliche Unterstützung bauend? - eines außer Acht gelassen. Mit sinkenden Löhnen, zu niedrigen Sozialleistungen und Steuererhöhungen hatte man die Kaufkraft der Bevölkerung, also das, wovon alle Betriebe und Unternehmen leben, nachdrücklich geschwächt.

Plötzlich wuchsen Kochbücher für Arme förmlich wie Pilze aus dem Boden. Laut Zutatenliste der Rezepte in diesen Büchern sollte man „zwei Bockwürstchen für 20 Cent, 100 g Dieses für 30 Cent und 150 g von Jenem für 25 Cent“ einkaufen, um dann für einen Tag eine ausgewogene Mahlzeit zubereiten zu können. Am nächsten Tag gab es dann ein neues, nahrhaftes Gericht. Hätte man diese Minimengen besorgen wollen, hätte man wohl nur ungläubiges Kopfschütteln erhalten. Diese Minimengen sind so nicht zu erhalten, man hätte größere Packungen kaufen und den Rest dann wegwerfen, einfrieren oder irgendwie anders verwerten müssen, denn sonst wäre es ja keine abwechslungsreiche Ernährung gewesen.

Neue Kochbücher kamen dann fast wöchentlich auf dem Markt, mit so sinnvollen Ratschlägen wie: Vergleichen Sie die Preise in möglichst vielen Geschäften und nehmen Sie dann das günstigste Angebot, bei gleicher Qualität“. Dass man aber dazu meist ein Auto oder den ÖPNV braucht, der dann zusätzliche Kosten verursacht und im Endeffekt ein Einkauf „im Laden um die Ecke“ aufs Gleiche heraus kommen würde, wurde nicht bedacht.

Aber die Politik fand es gut und unterstützte das.

Das Volk war wieder zufrieden und dachte nicht weiter nach.

Ein weiteres Beispiel dieses politisch-wirtschaftlichen Irrsinns ist die so genannte „Armutsindustrie“. Da wird in gemeinnützigen GmbHs durch Erwerbslose mit Mehraufwandsentschädigung kaputtes Spielzeug und alte Fahrräder sowie andere Dinge im Sinne einer zweifelhaften Wohltätigkeit aufgearbeitet und an „bedürftige Menschen“ für wenig Geld verkauft. Lebensmittel, die kurz vor dem Ablauf stehen, werden über die „Tafeln“ oder andere Organisationen für einen Euro abgegeben.

Für diejenigen, die mittlerweile auf solche Einkaufsmöglichkeiten angewiesen sein müssen, mag das erst mal positiv sein. Tatsächlich ist es ein weiterer Beweis dafür, dass Arbeitgeberverbände und Politiker - absichtlich oder durch Verkennen wirtschaftlicher Zusammenhänge - die deutsche Wirtschaft zugrunde richten. Es ist ja ein Phänomen, daß Politiker von ihren Ressorts keine Ahnung haben müssen. Doch auch ohne tiefgreifende wirtschaftliche Kenntnisse ist doch eines klar: Wer gebrauchte und reparierte Sachen kauft, aussortierte Lebensmittel, die kurz vor Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen oder Dienstleistungen „gemeinnütziger“ Betriebe in Anspruch nimmt, schadet gleichzeitig der deutschen Binnenwirtschaft. Gerade dadurch wird den kleinen und mittelständischen Unternehmen, die eben vom Umsatz und dem Verkauf von Neuwaren bzw. Anbieten von Dienstleistungen aller Art leben, die Existenzgrundlage mit jeder Neugründung solcher Armutsindustriebetriebe entzogen.

Dies ist keinesfalls eine Verurteilung derjenigen, die auf diese Gebrauchtwaren und Lebensmittel angewiesen sind, sondern ausschließlich gegen die Politik und den „öffentlich geförderten“ Betreibern dieser Armutsindustrie gerichtet.

Der Irrsinn besteht also darin, dass man auf der einen Seite mit solchen Maßnahmen die Bevölkerung vorsätzlich täuscht, indem man ihr vorgaukelt, dass die Arbeitslosenzahlen weiterhin gesunken sind. Erwerbslose in solchen Betrieben werden nicht in der offiziellen und von den Medien verbreiteten Statistik mitgezählt. Somit vernichtet man entgegen dem Versprechen, den Mittelstand zu unterstützen, diesen damit immer weiter. Anschließend wird wieder über gestiegene Kosten im Sozialbereich gejammert. Was jetzt ja auch keinen mehr wundern kann, denn ein Ein-Euro-Jobber bekommt im Höchstfall ca. 160 € Mehraufwandsentschädigung, die Betriebe, die sie beschäftigen, pro Erwerbslosen das Doppelte oder mehr.

Wie man mit diesen Steuergeldern und den Erlösen aus den Verkäufen noch „gemeinnützig“ bleiben kann, scheint ein Rätsel zu bleiben, denn gemeinnützig ist man nur, wenn man keine Gewinne erzielt.

Das Volk denkt aber darüber nicht nach und ist weiterhin zufrieden.

Der nächste politisch gewollte Irrsinn ist die Steuerpolitik, die bei näherer Betrachtung erkennen läßt, woher dieser Reformwind weht. Da werden Steuererleichterungen versprochen und in Form von Senkungen einiger Beitragssätze der lohnabhängigen Sozialversicherungen umgesetzt.

Dass auch dies nur Täuschungen sind, merken nur wenige. Wer mal nachrechnet, wer mehr von diesen Beitragssenkungen hat - diejenigen mit einem Verdienst von 1.500 € Brutto im Monat oder die mit 6.000 oder mehr - wird sehen, dass es einen großen Unterschied gibt. Die Gutverdienenden schneiden besser ab. Für manche scheint aber allein die Aussicht auf irgendwelche Erleichterungen zu genügen, um nicht weiter darüber nachdenken zu müssen.

Betrachtet man dazu die Forderungen von Politik und Arbeitgebern nach einer Ausweitung des Niedriglohnsektors, fällt auf, was eigentlich bezweckt wird. Den Sozialstaat, wie er eigentlich laut Grundgesetz seit Jahrzehnten besteht, zu zerstören, große Teile der Gesellschaft in Armut zu stürzen und die Kluft bei den Einkommen zu vergrößern.

Im Niedriglohnsektor sind die Einkommen meist so niedrig, dass keine oder nur sehr geringe Sozialversicherungsabgaben geleistet werden. Trotzdem soll dieser erweitert werden, um „mehr Menschen in Arbeit zu bringen“. Nimmt man jetzt diese Abgaben zur Sozialversicherung wird klar, dass durch keine oder nur sehr geringe Abgaben immer mehr Gelder in diesen Kassen fehlen und gleichzeitig die Renten gerade dieser Arbeitnehmergruppe nur ein Minimum an Überlebensfähigkeit garantieren. Manchmal nicht mal das und sehr viele Menschen sind auch als Rentner noch gezwungen, auf Staatshilfen angewiesen zu sein.

Diejenigen, die sich eine private Rentenversicherung leisten können, weil ihr Verdienst über der Pflichtgrenze liegt oder die Politiker, die ihre Gehälter aus Steuern beziehen, gleichzeitig aber auch beteuern, dass auch sie in die Rentenversicherung einzahlen (wo ist eigentlich der Unterschied, denn wenn sie Gehälter aus Steuergeldern beziehen und die Rentenversicherung auch mit diesen Steuergeldern bezahlen, bleiben es trotzdem Steuergelder) und sie auch noch selbst durch Mehrheitsbeschluss die Höhe der (weiterhin steuerfinanzierten) Renten selbst festlegen können, haben gerade diese Menschen kaum etwas zu befürchten. Dazu kommen noch Beamte, die Vorstände der staatlichen Betriebe, wie die Rentenversicherungen, die Agentur für Arbeit usw., die allerdings nicht ihre Höhe selbst festlegen können. Bei den Staatshilfen ist es ebenso. Geringe Löhne ergeben auch geringe Steuereinnahmen, durch die Lohnabgaben und durch die Einnahmen, z. B. durch die Mehrwertsteuer.

Diese „Geschenke“ an die Bevölkerung müssen aber finanziert werden. Da die Steuereinnahmen aber auch durch die bereits genannten Tricks (Armutsindustrie inkl. Ein-Euro-Jobs, Tafeln, Spielsachenverwertung, Niedriglohnsektor etc.) weiterhin sinken, muss das Geld irgendwo her kommen. Also denken die „Experten“ der Regierung nicht lange nach und wissen auch schon genau woher. Man erhöht einfach andere Steuern um die Steuersenkungen zu finanzieren. Im Gespräch sind schon seit längerem die Erhöhung der Mehrwertsteuer, entweder allgemein oder bei den ermäßigten Steuern von 7%, die Wiederanhebung der Arbeitslosenversicherung oder andere Abgaben und Steuern.

Wenn man aber Steuersenkungen durch die Erhöhung anderer Steuern finanzieren muss, um diese zu finanzieren, betrügt man das Volk wiederum. Hätte man es gleich gelassen, wäre es vielleicht sogar besser gewesen.

Was nützt es einem Arbeitnehmer in den unteren Einkommensklassen, wenn er bzw. sie dann durch diese Steuersenkung ein paar Cent mehr am Monatsende hat, wenn gleichzeitig andere Steuern, wie z. B. die Mehrwertsteuer, angehoben werden, und er dann ein paar Euro mehr für die gleichen Lebensmittel bezahlen muss? Was nützt es den Niedriglöhnern, den Erwerbslosen, Rentnern und anderen Beziehern von Sozialleistungen, wenn sie nichts von den Steuersenkungen haben, dafür aber mehr Geld für die gleichen Einkäufe hinlegen müssen, nur damit einige Gut-, Besser- und Bestverdienende am Ende des Monats bis zu hundert oder mehr Euro auf ihrem Konto haben und dieses Mehr dann vielleicht auch noch im Ausland verpulvern?

Das Volk lässt sich aber gerne verschaukeln, weil es nicht nachdenkt.

Über Kinder gäbe es wahrscheinlich auch eine Menge zu schreiben, da ich/wir aber keine haben, könnten ich/wir nur spekulieren. Wer mag, kann hierzu selbst etwas verfassen



In Zusammenarbeit mit fritzi (gekürzte Fassung)
dacor oder so kann nicht französisch schreiben.
Aber ansonsten hätte von mir sein können kann aber nicht so gut formulieren.

LG

Clint
Clint ist offline  
Alt 02.01.2010, 23:08   #17
Clint
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Standard AW: Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Fachar

Zitat von Sancho Beitrag anzeigen
Die Rohfassung von Teil 3 wäre zwar fertig, aber angesichts des allgemeinen Desinteresses, hätte ich mir auch die Arbeit für später aufheben können bzw. sparen können.

Wills nich diskutieren wird eh meine Meinung sein.
Schicks mir bitte per PN.

LG

Clint
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Alt 02.01.2010, 23:21   #18
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Standard AW: Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Fachar

Ich finde den Beitrag sehr interessant und umfassend. Danke.
Liberalen meinen oft, man soll zurückgehen, zum Stand von 19.Jahrhundert, um Riesenprofite zu gewinnen und die meiste Leute für sehr niedrige Löhne viel arbeiten zu zwingen.
Das ist aber in unsere Zeit nicht mehr machbar.
Es ist auch wichtig, die Zusammenhang zwischen Hartz-4 und niedrigen Löhnen zu sehen. Nur die schlimme Bedingungen von Arbeitslosigkeit machen es möglich, so niedrige Löhne zu halten.
JanaZ ist offline  
Alt 02.01.2010, 23:22   #19
DieFrettchen
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Standard AW: Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Fachar

hallole ihr lieben,

so wie sancho die realität des binnenmarktes und diese übersteigerte affinität zum export darstellt, trifft es voll und ganz. ich habmir bisher auch darüber keine gedanken gemacht, und hab mir auch alten wein in neuen schläuchen verkaufen lassen. wir haben schon lange vor der sog. globalisierung mit aller herren länder handel getrieben, nicht erst seit schröder! die erkenntniss ist mir noch nie so bewusst geworden.

ich frag mich aber warum wird der binnenmarkt so schäbig behandelt? es macht auf mich keinen sinn. wo nichts mehr produziert wird und nichts mehr konsummiert wird, ist doch die pleite vorauszusehen? oder? selbst bei mittleren einkommen ist doch inzwischen die tatsache angekommen das man mit monatlichem budget leben muß weil sonst am ende des geldes auch zuviel monat über ist. hier wird doch auch schon kräftig gestrichen, das dach lieber ausgebessert als neu gedeckt, auch wenn eine vollsanierung nötig wäre. oder größere anschaffungen verschoben, bis ein günstiges angebot kommt, weil es anders nicht möglich ist.

kleines beispiel: meine familie lebt ca. 200€ über dem regelsatz. wir haben ein haus, renovierungsbedürftig. ich kaufe im moment nur wenn ich ein sonderangebot ergattern kann. so kauf ich schon seit 5 oder 6 monaten allesmögliche was ich brauchen werde, von bodenbelägen, rohren, tapeten, gips, isomaterial etc. bis ich alles zusammenhab dauert noch vorneweg 4 monate, damit ich überhaupt erst mal was machen kann.

liebe grüße von barbara
 
Alt 03.01.2010, 00:06   #20
fritzi
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Standard AW: Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Fachar

Zitat von DieFrettchen Beitrag anzeigen
wo nichts mehr produziert wird und nichts mehr konsummiert wird, ist doch die pleite vorauszusehen?
Perfekt in einem Satz zusammengefaßt , genauso ist es doch. Wenn Du z. B. auf die Etiketten von Kleidungsstücken oder Warenverpackungen schaust, kannst Du eine Weltreise im Geiste starten, insbesondere wenn es sehr preiswerte Waren sind.

Ich meine, es ist doch klar: Wenn ich kein Geld habe, um etwas kaufen zu können, dann hat der Bäcker, Installateur, der Supermarkt oder Porzellanladen etc. eben weniger Einnahmen. Was für einen Sinn soll es haben, den Menschen geringe Löhne zu zahlen? Das ist doch kurzfristiges Denken, von dem nur einige wenige profitieren.

Wenn eine Backwarenverkäuferin 4,50 € in der Stunde verdient, was wird sie sich wohl davon kaufen? Kuchen und Brötchen? Nee, sie backt billiges Brot aus billigem Brotmehl vom Aldi oder kauft es dort gleich fertig (weil auch der Strom inzwischen zu teuer ist), von anderen Geringverdienern produziert, die sich ihr täglich Brot dann gleich von der Tafel holen, weil sie aufstocken müssen ... Das ist doch alles Irrsinn. Zumindest, wenn man keine Wirtschaftswissenschaften etc. studiert hat . Und was sich die Menschen z. B. von der Tafel holen, kaufen sie auch nicht mehr im Laden.

Es gibt inzwischen Textilfabrikanten in D, die nicht mehr einen einzigen Faden in diesem Land weben und nähen lassen. Wer soll die fertigen Klamotten denn dann hier kaufen?

Aber man kann diesen Satz dort oben sogar noch viel kürzer fassen, man nennt das einfach KRISE. Da ist es dann halt keiner gewesen, da kann ja keiner was dafür ...
fritzi ist offline  
Alt 03.01.2010, 00:12   #21
DieFrettchen
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Standard AW: Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Fachar

hallole liebe fritzi,

da du mitautorin bist, fühle ich mich geschmeichelt für dein lob.
mir würd es gefallen auch teil 3 auf der PR sozial zu lesen.

liebe grüße von barbara
 
Alt 03.01.2010, 00:28   #22
fritzi
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Standard AW: Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Fachar

Zitat von DieFrettchen Beitrag anzeigen
da du mitautorin bist, fühle ich mich geschmeichelt für dein lob.
Initiative und Hauptarbeit kamen von Sancho. Ich kam dann mit der Feile .
fritzi ist offline  
Alt 03.01.2010, 00:51   #23
Sancho
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Standard AW: Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Fachar

Zitat von fritzi Beitrag anzeigen
Initiative und Hauptarbeit kamen von Sancho. Ich kam dann mit der Feile .
und deswegen steht Du auch bei den Verfassern.
 
Alt 03.01.2010, 20:07   #24
Sancho
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Standard AW: Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Fachar

könnte man jetzt eigentlich schließen.
 
Alt 03.01.2010, 22:19   #25
Curt The Cat
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Standard AW: Die Politik schafft sich ihre Armen, „Bildungsfernen“ und den angeblichen „Fachar

Zitat von Sancho Beitrag anzeigen
könnte man jetzt eigentlich schließen.

Dann mach' ich das mal...




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