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Start > > -> Psychische Erkrankung: weg vom Jobcenter—wie?


Schwerbehinderte / Gesundheit / Rente / Pflege Rat & Hilfe speziell für schwerbehindertenspezifische Probleme,/ Rente und Pflege im Zusammenhang mit Hartz IV


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Alt 23.04.2017, 17:09   #1
pjaresch
Elo-User/in
 
Registriert seit: 23.04.2017
Beiträge: 3
pjaresch
Standard Psychische Erkrankung: weg vom Jobcenter—wie?

Hallo liebe Forums-Menschen,

ich verfolge das elo-forum schon eine ganze Zeit und habe einige wichtige Informationen daraus gewinnen können. Aus aktuellem Anlass verdichten sich aber zu Zeit die Ereignisse und ich habe mich daher angemeldet um mal aktiv (wenn auch zunächst fragend) teilzunehmen.

Zunächst meine Vorgeschichte (1), dann die aktuelle Situation (2) und zuletzt meine konkreten Fragen (3).

(1)

Ich bin 43 Jahre alt und leide seit etwa 20 Jahren unter zunehmenden Depressionen, bin seit 2003 in psychiatrischer Behandlung und habe seitdem schon zwei Psychotherapien gemacht. Ein wesentlicher Erfolg hat sich nicht eingestellt—erst als ich 2006 einmal kurz stationär untergebracht war und seitdem Citalopram (Antidepressivum) nehme, hat mein Leben ein wenig Qualität bekommen, weil die grossen Paniknummern seltener wurden und flacher verliefen.

Seit 2000 bin ich keiner wirklich festen beruflichen Tätigkeit mehr nachgegangen, weil für mich typische berufliche Anforderungen zunehmend schwerer zu bewältigen waren, trotz Medikation.

Der Psychiater, bei dem ich seit 2003 in Betreuung bin, hat immer nur 3-Minuten-Termine anzubieten, in denen ich es kaum schaffe, ihm das Nötigste zu erzählen und ggf. Fragen zu stellen. Also bekomme ich neue Pillen, Genesungswünsche und gehe wieder nach hause.

(2)

Seit 2000 bin ich beim Jobcenter als arbeitssuchend gemeldet. Man hat mich dort bis auf 2006 weitenstgehend in Ruhe gelassen. Ich habe bei den Gesprächsterminen erzählt, dass ich dauerhaft durchhänge, dass ich zwar immer noch gern in meinem Job oder anderswo tätig werden würde, ich es aber nicht hinbekomme, weil mir schon bei Angelegenheiten, die über meine alltäglichen Verrichtungen hinausgehen, meine psychischen Probleme in die Quere kommen.

Nun habe ich aber eine neue Sachbearbeiterin bekommen und die geht einen anderen Weg. Ich soll zu einer wöchentlich 16-Stündigen psychologisch begleiteten Eingliederungsmassnahme, die 6 Monate läuft. Allein das letzte Gespräch mit der Mitarbeiterin hat mir buchstäblich den Boden unter den Füssen weggezogen. Ich weiss, dass ich auch in so einem recht sicheren und behüteten Rahmen Probleme bekommen werde, meine Neurosen und Ängste in den Griff zu bekommen. Es kam bei dem Gespräch dann zu einer Nervenzusammenbruch meinerseits und ich begab mich in der darauffolgenden Nacht ins Krankenhaus, weil nichts mehr ging. Am Tag darauf dann schrieb mich mein Psychiater für 4 Wochen krank.

(3)

Zusätzlich ging ich noch zum Sozialpsychiatrischen Dienst des örtlichen Gesundheitsamtes und habe dort von einer sehr netten Mitarbeiterin ein paar Anregungen bekommen, die zum einen natürlich in die Richtung gingen, dass ich mich therapeutisch noch einmal behandeln lassen sollte, aber es kamen auch einige rechtliche bzw. organisatorische Ideen dazu. Zu letzteren habe ich einige ganz konkrete Fragen. Ich würde mich freuen, wenn jemand dazu was beitragen könnte.

1. Die Dame riet mir dazu, mit dem Jobcenter nicht weiter medizinische Diskussionen zu führen oder zu philosophieren (ich neige naturgemäss dazu), sondern denen einfach in ihrer Sprache zu antworten. Das heisst: ich werde zu einer Massnahme gebeten, ich gehe hin und schaue mir das unvoreingenommen an. Wenn es nicht geht, mache ich eine Ansage und gehe zum Arzt. Sie sagte, dass eine Massnahme dann üblicherweise als fehlgeschlagen gilt, zumindest solange die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (in meinem Falle) sich auf meine psychische Diagnose bezog. Ausserdem meinte Sie, dass das Jobcenter, wenn das „4 oder 5-mal in Folge“ so läuft mich irgendwann absägt und als nicht vermittelbar einstuft.

Ist das wirklich so? Wer hat da konkrete Erfahrungen oder kennt da die Interna beim Jobcenter?

2. Ich habe selbst Schwierigkeiten damit, dem Jobcenter quasi in jedem Antrag zu suggerieren, dass ich mich selbst als fit für den Arbeitsmarkt vorstelle, dann aber bei jedem Termin sage: „bei mir geht nichts mehr“. Das Jobcenter ist halt für Leute da, bei denen noch was geht und ich habe inzwischen ehrlich gesagt einfach mal das Bedürfnis zu sagen: „Nein, ich kann nicht mehr! Ich brauche einfach mal die Ruhe und Gewissheit, dass man mich als krank anerkennt und mich aus diesem irren Jobcenter-System rauslässt“ Soll heissen: ich würde gern irgendwo einen entsprechenden Antrag stellen.

Wie und wo kann ich sowas machen? Rente bekomme ich ganze €96, mehr kam bei mir nicht zusammen. Ich werde also ohnehin irgendwann beim Sozialamt landen. Kann ich dort hingehen und sagen: ich will das Jobcenter nicht länger nerven mit diesem Spagat zwischen „ich kann“ und „ich kann nicht“?

3. Was kann ich tun, wenn ich zu 6 Monaten Massnahme eingeteilt worden bin und es nicht geht? Ich bin nun ja schon krank gemeldet bis zum 10. Juni und die Massnahme beginnt am 24. April. Ich schlafe schon jetzt nachts kaum noch, weil mein neurotisches Gehirn nachts auf Autopilotflug geht. Was ist, wenn ich am 11. Juni bei der Massnahme aufkreuze und es schon wieder nicht geht? Nochmal zum Arzt? Und: wie lange soll das gehen? Kein Arzt macht das 6 Monate lang mit, wenn ich das richtig einschätze. Was wären in dem Fall, dass ich dort in der Massnahme einfach nicht klarkomme meine Optionen?

—————

Ich möchte das erst mal so als Auftakt stehen lassen und schauen, was für Antworten kommen. Ich will weder zu viel auf einmal schreiben, noch zu weit vorgreifen. Also.. wer hat eine Idee?

Gruss,

pjaresch
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Alt 23.04.2017, 17:41   #2
liesa
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Beiträge: 678
liesa liesa liesa liesa liesa
Standard AW: Psychische Erkrankung: weg vom Jobcenter—wie?

Warum stellst du keinen Antrag auf EM-Rente? Deine Krankheit besteht nach deiner Schilderung ja schon eine ganze Weile und war/ist dem JC bekannt. Da hätte man seitens des JC schon mal eher auf die Idee kommen können deine Erwerbsfähigkeit als solche in Frage zu stellen und den ÄD einzuschalten.

Wenn du AU geschrieben bist brauchst du zu keiner Maßnahme antreten. Dein Arzt kann dich durchaus für längere Zeit AU schreiben. Ich war auch bis zur Bewilligung meiner EM-Rente durchgehend etwa 3 Jahre AU geschrieben.

Mit einem EM Rentenantrag erübrigen sich auch alle anderen Versuche seitens des JC deine Erwerbsfähigkeit zu überprüfen zB. durch den ÄD denn das übernimmt dann die DRV.


liesa
__

Keine Rechtsberatung! Gebe nur eigene Erfahrungen weiter!
liesa ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.04.2017, 20:08   #3
pjaresch
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Beiträge: 3
pjaresch
Standard AW: Psychische Erkrankung: weg vom Jobcenter—wie?

Ich gebe zu: ich wusste nicht, dass das geht. Ich bin immer davon ausgegangen, dass das Jobcenter sowas von sich aus einleitet, wenn die glauben, das ich nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt einsetzbar bin.
Ich vermute aber mal, dass die Rentenversicherung auch einiges daran setzen wird, nicht für mich bezahlen zu müssen, auch wenn ich sicher bin, dass mein Rentenanspruch nicht mehr als €120 beträgt.
Und wer würde dann den den Rest zum Existenzminimum übernehmen? Das wäre doch dann auch wieder das Jobcenter—oder macht das dann das Sozialamt?
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Alt 24.04.2017, 05:04   #4
schlaraffenland
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Standard AW: Psychische Erkrankung: weg vom Jobcenter—wie?

Hi pjaresch,

Zitat von pjaresch Beitrag anzeigen
Und wer würde dann den den Rest zum Existenzminimum übernehmen? Das wäre doch dann auch wieder das Jobcenter—oder macht das dann das Sozialamt?
im Rahmen eines Antrags auf Erwerbsminderungsrente stuft die Rentenversicherung den Antragsteller in eine der drei Stufen ein:

a) unter 3 h täglich erwerbsfähig (volle Erwerbsminderung): Falls die EM-Rente geringer ist als die Leistungen, die das Jobcenter für den Lebensunterhalt bisher geleistet hat, können beim Sozialamt nach dem SGB XII aufstockende Leistungen bezogen werden. Die Höhe dieser Art der Grundsicherung + die EM-Rente entspricht vom Prinzip her der Höhe der Grundsicherung für Bezieher von ALG II.

b) zwischen 3 und unter 6 h täglich erwerbsfähig (teilweise Erwerbsminderung): Falls die EM-Rente geringer ist als die Leistungen, die das Jobcenter für den Lebensunterhalt bisher geleistet hat, können beim Jobcenter nach dem SGB II aufstockende Leistungen bezogen werden. Hierdurch erhält der Rentenbezieher insgesamt die gleiche Höhe an Sozialleistungen für die Bestreitung seines Lebensunterhalts wie vor der Bewilligung der EM-Rente.

c) mindestens 6 h erwerbsfähig: Der Antragsteller ist der Rentenversicherung zu Folge nicht erwerbsgemindert. Er hat Anspruch auf Leistungen durchs Jobcenter.

Hier noch ein Link zum Unterschied zwischen voller und teilweiser Erwerbsminderungsrente:

Volle und teilweise Erwerbsminderungsrente | bpb
__

Ich bin kein Rechtsanwalt. Für meine rechtlichen Hinweise und Tipps übernehme ich keine Verantwortung.
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Alt 24.04.2017, 11:53   #5
flandry
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flandry flandry flandry
Standard AW: Psychische Erkrankung: weg vom Jobcenter—wie?

Depressionen und dein Wunsch, arbeiten zu gehen, stehen sich als 2 Pole gegenüber.
Der eine schließt den anderen allerdings nicht aus!!!

Erste Frage: Was würdest du tun, wenn du keine Depressionen hättest?
Zweite Frage: Gibt es so etwas in abgemilderter Form z. B. in einer Behindertenwerkstatt oder als Teilzeit?
Dritte Frage: Fallen dir Alternativen zu deinem Arbeitswunsch ein?

Wenn du Antworten auf die Fragen hast kannst du anfangen, nach Arbeit zu suchen. Und frage bloß nicht das JC. Selbst wenn die wollten: die haben keine Zeit, stundenlang und individuell auf deine Bedürfnisse einzugehen. Und zu 99 % auch nicht die notwendigen Kenntnisse.

Viel Glück.
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Alt 24.04.2017, 16:28   #6
el viejo
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Beiträge: 29
el viejo
Standard AW: Psychische Erkrankung: weg vom Jobcenter—wie?

Bleib weiterhin AU oder lass Dich von deinem Arzt AU schreiben. Desweiteren würde ich mir erst einmal um meine Gesundheit kümmern.
Mit Depressionen Arbeit suchen oder gar arbeiten zu gehen, würde ich Dir nicht empfehlen.
Nach einer gewissen Zeit wird sich das JC sowieso bei Dir melden und Dich zum ÄD schicken.
Je nach Gutachten und weiterer AU deinerseits, werden sie Dich auffordern einen Rentenantrag zu stellen.
Es kann auch noch passieren das die DRV, Dich zur Reha schickt.
Dem JC teilt man über seine Krankheiten nichts mit und so lange Du Dich in diesem Prozess befindest hast Du deine Ruhe vor denen.
Diese ganze Prozedur, kann und wird wahrscheinlich auch sehr lange dauern.
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Alt 25.04.2017, 00:37   #7
Momo1968
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Beiträge: 12
Momo1968 Möchte sein Renommee nicht öffentlich anzeigen...
Standard AW: Psychische Erkrankung: weg vom Jobcenter—wie?

Wenn ich das richtig lese, hast Du seit etwa 2000 Depressionen und wirkliche psychische Probleme!
Auch ich würde an Deiner Stelle erstmal einen Antrag auf EMR- Rente stellen! Und mich durchgehend AU schreiben lassen.

Ich selbst war durchgänging arbeiten, trotz meiner psychischen Probleme nach einem schweren Autounfall mit schwerem Schädelhirntrauma und etlichen anderen körperlichen Einschränkungen.
Trotz jahrelanger Psychotherapie wurden meine Probleme immer schlimmer und ich s*essive auch körperlich kranker! Also blieb mir am Ende allein der Weg in die Rente.

Mir scheint, dass diese Angebote des Jobcenters Deine Ängste eher verschlimmern und Deinen Gesamtzustand dauerhaft eher verschlechtern.

Also Reha halte ich nach 17 Jahren "abrbeitsunfähig" für eine wahre Farce und kann mir kaum vorstellen, dass Du rehafähig bist! Das meine ich völlig ehrlich und aufrichtig!
Ich selbst hab nach kurzer Zeit eine Tagesklinik wieder velassen müssen, weil ich völlig reizüberflutet war, weder Menschen, Geräusche noch Gerüche ertragen konnte. Ein wahrer Albtraum. Reha stelle ich mir noch viel grauenvoller vor! Besonders bei meiner Klaustophobie!

Insofern Du noch keinen guten Psychiater hast, suche Dir bitte einen und lass Dich AU schreiben!

Ähm 96 Euro pro Monat zahlen ist für die Rentenkasse sicher nicht die Hölle! Den Rest Deines Unterhaltes müsstest Du über die Grundsicherung aufstocken! Die pisacken allerdings auch gerne. Informier Dich bitte eingehend darüber!

Mich wollten die trotz zugesicherter Rente tatsächlich einen Monat lang aus meiner Wohnung werfen, obgleich meine Rente höher liegt, als Ihre hochheiligen Zahlungen. Vorsicht Falle, eventuell auch für Deine Eltern!

Informieren ist hier die Pandorra- Schatulle


lg
Momo

Geändert von Momo1968 (25.04.2017 um 01:07 Uhr)
Momo1968 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 25.04.2017, 16:31   #8
Doppeloma
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Frage AW: Psychische Erkrankung: weg vom Jobcenter—wie?

Hallo pjaresch,

einige Infos hast du ja schon bekommen, trotzdem nehme ich mir noch mal deinen ersten Beitrag vor, denn manche Angaben darin sind mir nicht ganz schlüssig.

Zitat:
ich verfolge das elo-forum schon eine ganze Zeit und habe einige wichtige Informationen daraus gewinnen können.
Das wirklich Wichtige hast du aber offenbar nicht verstanden, denn man redet mit SB / Arbeitsvermittlern NICHT über seine gesundheitlichen Probleme, schon gar nicht wenn es Psychische sind.

Dafür sind NUR Ärzte zuständig und die arbeiten nicht im Vermittlerbüro vom JC.

Zitat:
Ich bin 43 Jahre alt und leide seit etwa 20 Jahren unter zunehmenden Depressionen, bin seit 2003 in psychiatrischer Behandlung und habe seitdem schon zwei Psychotherapien gemacht. Ein wesentlicher Erfolg hat sich nicht eingestellt—erst als ich 2006 einmal kurz stationär untergebracht war und seitdem Citalopram (Antidepressivum) nehme, hat mein Leben ein wenig Qualität bekommen, weil die grossen Paniknummern seltener wurden und flacher verliefen.
Offenbar hast du da aber auch noch nicht die richtigen Ärzte gefunden, wenn dein Leidensweg schon so lang ist und es immer noch keine berechtigten Aussichten auf Besserung gibt.

Allerdings kann ich nicht verstehen, dass du vom Arzt nicht AU geschrieben wirst, wenn du für Arbeitsvermittlung gar nicht fitt genug bist, welche Vorstellungen hat denn dein behandelnder Arzt zu den Aufgaben des JC ???

Zitat:
Seit 2000 bin ich keiner wirklich festen beruflichen Tätigkeit mehr nachgegangen, weil für mich typische berufliche Anforderungen zunehmend schwerer zu bewältigen waren, trotz Medikation.
Hiermit komme ich nicht ganz klar, denn damals gab es noch kein Hartz 4 und keine JobCenter, das kam erst 2005, da kannst du also nur in der früheren Sozial-HILFE gewesen sein, wenn du da schon nicht mehr arbeiten konntest.

In diesen ganzen Jahren (schreibst du) haben diese Sozial-Behörden also niemals medizinische Prüfungen veranlasst, um zu klären WARUM du nicht arbeiten gehen kannst ... die waren doch noch nie bereit, ohne besondere (nachgewiesene) Gründe zu zahlen ...

Zitat:
Der Psychiater, bei dem ich seit 2003 in Betreuung bin, hat immer nur 3-Minuten-Termine anzubieten, in denen ich es kaum schaffe, ihm das Nötigste zu erzählen und ggf. Fragen zu stellen. Also bekomme ich neue Pillen, Genesungswünsche und gehe wieder nach hause.
Der muss ja dann auch schon bald in Rente gehen, wenn du da schon so lange in (wenig erfolgreicher) Behandlung bist, vielleicht solltest du dich mal aufraffen dir einen anderen behandelnden Arzt zu suchen, wenn der dich noch nicht mal dauerhaft AU schreibt ...

Denn anders kannst du vor den Forderungen des JC NICHT geschützt werden, natürlich wären auch mal zusätzlich neue medizinische Wege und Ideen notwendig, damit es dir tatsächlich mal besser gehen könnte ...

Welche Therapien hat man denn in den Kliniken gemacht und für danach als sinnvoll gehalten, so ganz kann ich das alles über so lange Zeit nicht nachvollziehen.

Zitat:
Seit 2000 bin ich beim Jobcenter als arbeitssuchend gemeldet. Man hat mich dort bis auf 2006 weitenstgehend in Ruhe gelassen.
2000 gab es also noch gar keine JobCenter (die gibt es mit der Bezeichnung erst seit 2011) und beim Sozial-AMT (vor 2005) konnte man nicht "arbeitsuchend" gemeldet sein ...

Wann also hast du zuletzt was gearbeitet, warst du danach längere Zeit AU geschrieben und dann beim Arbeits-AMT und erst danach in Sozial-Hilfe bis es 2005 dann ALG II gegeben hat ... ???

Und WARUM hat KEINE dieser Behörden jemals verlangt, dass deine Erwerbsfähigkeit generell geprüft wird, wenn du schon so offen (an der falschen Stelle) über deine Probleme gesprochen hast ... ???

Woher kennst du deine Ansprüche auf EM-Rente, hast du dazu mal Informationen von der DRV bekommen und WANN ist das gewesen ... als man dir einen solchen Anspruch noch bescheinigt hat ?

Zitat:
Ich habe bei den Gesprächsterminen erzählt, dass ich dauerhaft durchhänge, dass ich zwar immer noch gern in meinem Job oder anderswo tätig werden würde, ich es aber nicht hinbekomme, weil mir schon bei Angelegenheiten, die über meine alltäglichen Verrichtungen hinausgehen, meine psychischen Probleme in die Quere kommen.
So spricht man mit einem Arzt oder in der Klinik aber nicht bei einer Behörde, die dich in Arbeit bringen soll, damit keine Leistungen vom Staat mehr für dich gezahlt werden müssen ...

Zitat:
Nun habe ich aber eine neue Sachbearbeiterin bekommen und die geht einen anderen Weg. Ich soll zu einer wöchentlich 16-Stündigen psychologisch begleiteten Eingliederungsmassnahme, die 6 Monate läuft. Allein das letzte Gespräch mit der Mitarbeiterin hat mir buchstäblich den Boden unter den Füssen weggezogen.
Und woher nimmt sie die umfassenden medizinischen / psychiatrischen Kenntnisse das beurteilen zu können ???
Für medizinische und therapeutische Maßnahmen sind bisher immer noch die KK und richtige Ärzte / Therapeuten zuständig und nicht irgendwelche "windigen" Maßnahmeträger ... wo du nicht mal weißt was diese "Therapeuten" wirklich mal gelernt haben ...

Zitat:
Ich weiss, dass ich auch in so einem recht sicheren und behüteten Rahmen Probleme bekommen werde, meine Neurosen und Ängste in den Griff zu bekommen. Es kam bei dem Gespräch dann zu einer Nervenzusammenbruch meinerseits und ich begab mich in der darauffolgenden Nacht ins Krankenhaus, weil nichts mehr ging. Am Tag darauf dann schrieb mich mein Psychiater für 4 Wochen krank.
Und da frage ich mich gerade wieder, warum du nicht generell und durchgehend vom Arzt AU geschrieben bist und wenn dem das so egal ist zu welchen "Quacksalbern" das JC dich in "Psycho-Maßnahmen" stecken will, dann solltest du dich wirklich endlich von ihm trennen.

Dir hilft aktuell eigentlich NIEMAND wirklich mit den richtigen Mitteln, jeder der dir was erzählt verfolgt dabei nur seinen eigenen Ziele aber nicht deine Interessen und Notwendigkeiten ...

Dazu musst du dir allerdings erst mal selber darüber klar werden, was du wirklich willst ... den Rest deines Lebens weiter so vor dich hin vegetieren oder mal mit guten Ärzten versuchen einen Weg zu finden, der für dich (mit der Zeit) machbar wäre.

Da kann ich auch den Hinweisen nur zustimmen, dass man nicht unbedingt völlig Erwerbsunfähig sein muss, weil man mit Depressionen / Angst- und Panik-Zuständen zu kämpfen hat ... vielleicht sollten auch mal andere Tabletten (kontrolliert in der Klinik) ausprobiert werden, denn den "Durchbruch" gibt es ja damit auch nicht.

Zudem kann es durchaus sein, dass dir eine andere Sorte besser hilft, die Wirkung des "Gewohnten" kann auch mal nachlassen oder die Dosis muss "angepasst" werden, das ist ja alles "kein Selbstläufer", nur weil es dir Anfangs mal Erleichterung zum Zustand davor gebracht hat.

Nein, ich bin auch kein Arzt, habe aber eigene Erfahrungen mit psychischen Problemen und weiß wie schwer es sein kann die richtigen Ärzte und die richtige Behandlung zu finden, davon scheinst du mir nach so langer Zeit immer noch sehr weit entfernt zu sein ...

Und du suchst die Hilfe immer wieder an der falschen Stelle ...

Zitat:
Zusätzlich ging ich noch zum Sozialpsychiatrischen Dienst des örtlichen Gesundheitsamtes und habe dort von einer sehr netten Mitarbeiterin ein paar Anregungen bekommen, die zum einen natürlich in die Richtung gingen, dass ich mich therapeutisch noch einmal behandeln lassen sollte, aber es kamen auch einige rechtliche bzw. organisatorische Ideen dazu. Zu letzteren habe ich einige ganz konkrete Fragen. Ich würde mich freuen, wenn jemand dazu was beitragen könnte.
Aber DIREKTE Unterstützung hat man dir auch NICHT angeboten ... z.B. durch eine Art "Alltagsbegleiter" der dich mal irgendwo bei Behördengängen unterstützen würde, es ist nur so eine Idee, darüber solltest du vielleicht mal mit deiner Krankenkasse reden.

Zitat:
1. Die Dame riet mir dazu, mit dem Jobcenter nicht weiter medizinische Diskussionen zu führen oder zu philosophieren (ich neige naturgemäss dazu), sondern denen einfach in ihrer Sprache zu antworten.
Für diesen Ratschlag dürfte es ja inzwischen deutlich zu spät sein und es zeigt sich auch wieder, dass sie keine Ahnung von den notwendigen Vorgängen beim JC hat.

Zitat:
Das heisst: ich werde zu einer Massnahme gebeten, ich gehe hin und schaue mir das unvoreingenommen an.
Ehe man dir irgendwelche "Gesundheits-Maßnahmen" beim JC "verordnen" könnte hat erst mal der ÄD zu prüfen, ob das überhaupt notwendig und sinnvoll für dich ist und dir zumutbar sein kann gesundheitlich.

Für medizinische Entscheidungen sind NICHT die SB zuständig und wenn du intensiv medizinisch betreut werden musst, dann ist dafür die Krankenkasse mit ordentlichen Therapien da und NICHT die "Maßnahmen" der JC ...

Wer behandlungsbedürftig KRANK ist der wird AU geschrieben (nicht nur mal 4 Wochen, sondern so lange wie es erforderlich ist) und dann sind Maßnahmen vom JC überhaupt NICHT zulässig, da braucht man auch nicht hingehen "und guten Willen zeigen" ... das wird dir noch mehr schaden aber bestimmt nicht wirklich HELFEN können.

Zitat:
Wenn es nicht geht, mache ich eine Ansage und gehe zum Arzt. Sie sagte, dass eine Massnahme dann üblicherweise als fehlgeschlagen gilt, zumindest solange die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (in meinem Falle) sich auf meine psychische Diagnose bezog.
Solche Maßnahmen sind völlig ungeeignet dir überhaupt was zu bringen, die sollen dich "Arbeitsfähig" machen und mit AU brauchst du da überhaupt nicht hin, um zu "beweisen" dass es nicht geht.

Dass zunächst mal ein Arzt zu entscheiden hätte beim JC ob das überhaupt was für dich sein kann scheint sie auch nicht zu wissen, dabei sollten die schon informiert sein, dass man "medizinische" Maßnahmen nicht als Arbeitsvermittler zu "verordnen hat" ...

Zitat:
Ausserdem meinte Sie, dass das Jobcenter, wenn das „4 oder 5-mal in Folge“ so läuft mich irgendwann absägt und als nicht vermittelbar einstuft.
Dass du nicht "vermittelbar bist" sollte man ja inzwischen auch so schon bemerkt haben, dafür brauchst du solche makaberen Spielchen mit deiner
Gesundheit ganz sicher nicht mehrfach über dich ergehen lassen.

Zitat:
Ist das wirklich so? Wer hat da konkrete Erfahrungen oder kennt da die Interna beim Jobcenter?
In der Regel ist das NICHT so, wer beim JC (allgemein gehalten) angibt gesundheitlich eingeschränkt zu sein, ist zum Med. Dienst zu schicken, dafür braucht man auch nicht seine ganze Krankengschichte dort bei einem SB auszubreiten, das geht den doch alles gar nichts an.

Der ÄD hat das dann medizinisch zu prüfen und wird dem SB (auch ohne konkrete Krankheiten zu benennen) mitteilen, ob und in welche Tätigkeiten der Betroffene vermittelt werden kann ODER auch, dass vorübergehend (bis 6 Monate) eine "Vermittlungssperre" besteht.

Eine offizielle Krankschreibung ist das allerdings NICHT, die bekommt man nur vom behandelnden Arzt, dafür ist der ÄD gar nicht zuständig.

Wer bereits mit laufender AU zum JC kommt und weiterhin AU geschrieben bleibt, wird in der Regel auch sehr bald (nach 6 - 12 Monaten spätestens) zum ÄD vom JC müssen, damit der das überprüft, denn ALGI ist kein Krankengeld, die Leute sollen irgendwann mal wieder arbeiten gehen.

Zitat:
2. Ich habe selbst Schwierigkeiten damit, dem Jobcenter quasi in jedem Antrag zu suggerieren, dass ich mich selbst als fit für den Arbeitsmarkt vorstelle, dann aber bei jedem Termin sage: „bei mir geht nichts mehr“.
Du "suggerierst" ja nichts, du behauptest, dass du für wenigstens 3 Stunden täglich "Erwerbsfähig" bist und das Gegenteil hat bisher noch Niemand ernsthaft festgestellt.

Zeitweise oder sogar sehr Langfristig "Arbeits-UNFÄHIG" kann man trotzdem sein, wie deine "Dauer-Arbeits-Unfähigkeit" ja klar erkennen lässt, du brauchst ja dafür bisher nicht mal eine (durchgehende) Bescheinigung vom behandelnden Arzt ... man sieht dich einfach mal so (ohne gründliche ärztliche Prüfung) als "unbrauchbar für den Arbeitsmarkt" an.

Eine (vielleicht) vorliegende Erwerbsminderung hätte letztlich die Rentenkasse zu prüfen und zu entscheiden ... ob die das dann auch so sehen möchten, ist eine ganz andere Frage ... die wollte ja in 20 Jahren offenbar noch keine Behörde wirklich geklärt haben.

Die möglichen Abstufungen (der Erwerbsfähigkeit) nach Rentenrecht wurden dir auch schon beschrieben aber so lange keine Behörde dazu von dir Anträge verlangt, das bei der DRV klären zu lassen bleibst du wenigstens für 3 Stunden täglich "Erwerbsfähig" ...

Zitat:
Das Jobcenter ist halt für Leute da, bei denen noch was geht und ich habe inzwischen ehrlich gesagt einfach mal das Bedürfnis zu sagen: „Nein, ich kann nicht mehr! Ich brauche einfach mal die Ruhe und Gewissheit, dass man mich als krank anerkennt und mich aus diesem irren Jobcenter-System rauslässt“ Soll heissen: ich würde gern irgendwo einen entsprechenden Antrag stellen.
Dazu hätte dir die nette Dame vom Gesundheits-Amt doch klar den Rat geben können einen Antrag auf EM-Rente bei der DRV zu stellen, das ist die komplett einzige Behörde die dazu rechtsverbindlich (für ALLE Anderen) entscheiden darf und wird.

Niemand kann dich hindern den Antrag jederzeit SELBER zu stellen und das nicht "irgendwo" sondern z.B. direkt in einer DRV-Beratungsstelle, die helfen dir dabei (nach Terminvergabe) und leiten das direkt weiter zur Bearbeitung.

Zitat:
Wie und wo kann ich sowas machen? Rente bekomme ich ganze €96, mehr kam bei mir nicht zusammen.
Dazu kannst du doch hier wirklich genug nachlesen wo und wie man das macht, das geht inzwischen sogar schon online, aber du solltest dir besser dabei helfen lassen, denn der Antrag ist ziemlich umfangreich ...

Wie hoch oder gering deine EM-Rente sein wird, ist der DRV bei der Entscheidung eher egal, die EM-Rente bekommt man nur aus rein gesundheitlichen Gründen und die werden dann nach der Antragstellung genau überprüft.

Durch (echte) Reha-Maßnahmen / Fachmedizinische Gutachten / Arztberichte / Klinikberichte, die Auskunft dazu geben können, was gesundheitlich mit dir so los ist, seit über 20 Jahren ...

Dann bekommst du einen Bescheid dazu und die anderen Behörden haben sich danach zu richten, DU allerdings auch wenn die DRV nicht meint, dass du erwerbsgemindert bist und die paar € Rente bekommen musst ... wenigstens für eine Zeit lang befristet.

Zitat:
Ich werde also ohnehin irgendwann beim Sozialamt landen. Kann ich dort hingehen und sagen: ich will das Jobcenter nicht länger nerven mit diesem Spagat zwischen „ich kann“ und „ich kann nicht“?
Woher du den Rest deines Lebensunterhaltes dann bekommen wirst, ist wiederum der DRV völlig egal, warum bitte "tut dir das JC leid", es gibt keinen "Spagat" den die nicht selbst durch die richtigen Vorgehensweisen (vielleicht) beenden könnten.

Richtige Reihenfolge bei (bescheinigter) Dauer-AU ist die Einladung zum ÄD vom JC und anschließend ein Bescheid, dass du EM-Rente beantragen sollst weil man dich nicht für Erwerbsfähig hält (was Bedingung für den Bezug von ALGII ist), bis dazu die DRV entschieden hat, muss das JC noch weiter zahlen.

Der Rest hängt dann davon ab ob die DRV dich auch als EM sieht oder nicht ... dieser Enscheidung hat sich dann auch das JC (vorerst) zu fügen, eine "JC-Psycho-Maßnahme" ist jedenfalls kein sinnvoller Weg daran was zu ändern.

Zitat:
Nochmal zum Arzt? Und: wie lange soll das gehen? Kein Arzt macht das 6 Monate lang mit, wenn ich das richtig einschätze.
Ein Arzt der deine gesundheitleichen Probleme erkennt und anerkennt wird niemals so verantwortungslos sein, dich überhaupt in eine solche JC-Maßnahme gehen zu lassen ... MIT einer weiter laufenden AU brauchst du da überhaupt NICHT hin ...

Ein Arzt KANN dich JAHRELANG AU schreiben wenn er das für nötig hält besonders auch, um dich vor solchem JC-Maßnahme-Unsinn zu bewahren, sollte er das auch machen ... das sind KEINE "echten" Gesundheits- oder Reha-Maßnahmen, solche medizinischen Leistungen bekommst du NUR über KK und Rentenkasse bewilligt und bezahlt.

Es sollten natürlich dazu auch mal Therapien / Behandlungen und Medikamenten-Einstellungen erfolgen, die eine Besserung deines Zustandes mal erwarten lassen, nur die Papierbescheinigung ausstellen lassen, macht dich auf die Dauer auch nicht gesünder und belastbarer.

Wer schon krank ist wird beim JC bestimmt nicht gesünder werden ... und HELFEN kannst du dir eigentlich nur SELBER, denn gezielte Behandlungen / Therapien musst du auch zulassen wollen ...

MfG Doppeloma
__

Ich gebe hier nur meine persönlichen Erfahrungen wieder und bitte diese nicht als Rechtsberatung aufzufassen!

Keine Einzelfall-Beratung per PN, alle Fragen bitte im Forum stellen !!!
Doppeloma ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 26.04.2017, 19:41   #9
pjaresch
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pjaresch
Standard AW: Psychische Erkrankung: weg vom Jobcenter—wie?

Ich möchte erst einmal allen danken, die auf meine Fragen geantwortet und noch darüber hinaus was zu dem Thema geschrieben haben.

Ich habe noch nicht meine Akten hervorgekramt, aber ich glaube inzwischen, mich geirrt zu haben. Ich habe im Mai 2001 meinen Job auf Anraten meines damaligen Psychotherapeuten gekündigt. Ob da die Arge/das Jobcenter schon gab und ob und wie lange ich dann ALG I bekam, ist vielleicht auch nicht mehr wirklich wichtig.

Die Frage, ob ich mit den Vermittlern im Jobcenter überhaupt gesundheitliche Frage besprechen sollte, habe ich mir nie gestellt. Ausserdem hat es ja wie gesagt lange Phasen gegeben, in denen die mich einfach in Ruhe gelassen haben. Die Psychotherapie 2005/2006 hat aber ein recht unerfreuliches Ende gehabt—insofern dass ich mich in den letzten 3 Sitzungen mit der Therapeutin überwarf und so schräg draufkam, dass ich sicherheitshalber erst mal 3 Tage in der Psychiatrie war. Da kam dann wie gesagt das Citalopram ins Spiel.

2006 wurde (vor dem Krankenhausaufenthalt) ein Gutachten vom Chefpsychiater des Krankenhauses erstellt (der machte für die Arge wohl üblicherweise die Gutachten). Dabei heraus, dass ich nicht stressbelastbar bin, nicht an gefährliche Maschinen sollte, nicht nachts arbeiten darf. Die Krankheit sei chronifiziert und eine Besserung sei möglich, aber nur bedingt. Den genauen Wortlaut weiss ich nicht mehr—aber das ist das, was ich mal eben auf die schnelle rekonstruieren kann. Fakt ist, dass trotz dieses Gutachtens das Jobcenter regelmässig (mindestens 4 mal) neue „Gutachten“ in Auftrag gegeben hat, deren vom Vermittler vorgetragenes Resümee war „ Herr XX ist bei nicht zu stressigen Tätigkeiten voll (auch vollzeitig) einsatzfähig. Punkt“ Die Gutachten wurden auf den Aussagen gebastelt, die man vermutlich mittels der Schweigepflichtsentbindung von meinem Psychiater geholt hatte. Da der mich nicht weiter kennt, wunderte mich die Schlussfolgerung des Gutachtens auch nie. In jedem der Fälle habe ich gesagt „das Gutachten deckt sich mit meiner subjektiven Wahrnehmung meiner selbst nicht“ und dann war es das meist. Meist hat man zu Protokoll genommen, dass ich mich „weiter um Gesundung bemühe“, das kam dann in die EV und ich hatte wieder Ruhe. Bei dem ganzen bin ich wenig strategisch und geordnet vorgegangen—es war einfach das, was von 2001 (bis auf die Phase 2006) an immer funktioniert hat.

Fast alle von den Anregungen, Ideen und auch Kritikpunkten, die vor allem „Doppeloma“ eingebracht hat, sind fast alle Neuland für mich. Gar nicht mit der Arge über Gesundheitsfragen reden? Klar—nun sehe ich das ein, wo es schwarz auf weiss steht. Aber die letzten Jahre hatte ich das nie hinterfragt.

Das mit einer längerfristigen AU war bei mir bis vor ein paar Wochen halt auch noch nie Thema, weil die mich halt in Ruhe gelassen haben.

Ich werde über die ganzen Beiträge von Euch noch ein wenig nachdenken müssen. Gerade Doppelomas Text muss ich erst mal durcharbeiten. Aber ich danke an dieser Stelle allen!

pjaresch
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Alt 27.04.2017, 00:05   #10
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Standard AW: Psychische Erkrankung: weg vom Jobcenter—wie?

Zitat von pjaresch Beitrag anzeigen
Die Gutachten wurden auf den Aussagen gebastelt, die man vermutlich mittels der Schweigepflichtsentbindung von meinem Psychiater geholt hatte. Da der mich nicht weiter kennt, wunderte mich die Schlussfolgerung des Gutachtens auch nie.
Au weia.

Bei dem Krankheitsbild das du beschreibst solltest du einen Psychiater haben, der dich kennt. Natürlich kennt er dich nicht so gut wie dein Therapeut, aber er sollte schon wissen welche Beschwerden du hast und ob du arbeitsfähig bist etc. Offenes Gespräch über diese ganzen Behördenangelegenheiten ist unglaublich nützlich. Du solltest wissen bzw mit ihm absprechen, was er dem ärztlichen Dienst schreibt oder gar keine Schweigepflichtentbindung ausstellen sondern dir selbst vom Arzt die Befunde / Befundberichte geben lassen.

Wenn du nicht gut auf dich aufpasst, entscheiden andere hinter deinem Rücken über dich.

Ich weiß, dass Depressionen nicht immer (vollständig) heilbar sind, aber der Psychiater und ein Therapeut sollen sich doch bitte anstrengen, deinen Gesundheitszustand so weit wie möglich zu verbessern. Danach klingt deine Beschreibung wirklich nicht.

Ich wünsche viel Glück und Erfolg bei der Arztsuche!
__

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