Erwerbslosen Forum Deutschland (ELO-Forum) QR-Code des ELO-Forum
Mach mit. klick mich....

Start > > -> Außergerichtlicher Schuldenvergleich oder Privatinsolvenz?


Schulden Diskussionen, Rat & Hilfe rund um Überschuldung - Privatinsolvenzthemen im eigenen Unterforum.

-> Achtung <-
In diesem Forenbereich können nur zugelassene Helfer in jedem Thread/Thema schreiben, Hilfesuchende nur im jeweils eigenen Thema/Thread!
Schuldnerberater, Anwälte und ähnlich in diesem Bereich qualifizierte Helfer wenden sich bitte, bei Interesse für erweiterte Schreibrechte, per Kontaktformular an die Redaktion.


:  4
Antwort

 

Themen-Optionen Ansicht
Alt 23.03.2017, 23:12   #1
Netzer
Elo-User/in
 
Registriert seit: 17.08.2015
Beiträge: 7
Netzer
Standard Außergerichtlicher Schuldenvergleich oder Privatinsolvenz?

Hallo,

da mein Schuldenberater gerade derzeit im Urlaub ist, versuche ich mich im Internet schlau zu lesen. Vielleicht kann mir ja einer einen unverbindlichen Rat geben. Meine Situation ist folgende:

25 Jahre alt, Schulden i.H.v. 57.000€ bei 21 Gläubigern, ungelernt. Mein derzeitiges Einkommen liegt bei ca.1600€ Netto. Die Schulden wurden hauptsächlich in den Jahren 2012 und 2013 gemacht. Da ich eine neue berufliche Perspektive bekomme habe, die mir a: so ein Netto Gehalt ermöglicht und b: mich glücklich macht versuche ich diesen lange wie möglich zu halten. Der Gang in die Privatinsolvenz wird der wahrscheinliche Verlust meines Jobs bedeuten.

Mein Schuldenberater hat nun einen außergerichtlichen Vergleich angeboten, in dem ich 5 Jahre lang 350€ zahle. Er ist sich sicher dass dieser nicht angenommen wird (GEZ wird mit knapp 300€ streiken). Er hat noch was von einem gerichtlichen Vergleich erzählt, aber da weiß er nicht wie die Chancen stehen. Den Grundgedanken der Zustimmungsersetzung plus Kopf- und Summenmehrheit ebenfalls. Ist meine Summe einfach zu hoch, um die Inso abwenden zu können? Ich hätte eine Job Sicherheit für die nächsten Jahre, auch wenn meine Firma pleite gehen würde, würde ich alles daran setzen um die 350€ weiter zu zahlen.

Gibt es generelle Chancen, oder kann ich die Sache abhaken? Die Schulden setzen sich so zusammen, dass 65 % von einem gescheiterten Studium stammen (Bafög + kfW).
Netzer ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.03.2017, 06:28   #2
TazD
Foren-Moderator/in
 
Registriert seit: 12.03.2015
Beiträge: 3.195
TazD TazD TazD TazD TazD TazD TazD TazD TazD TazD TazD
Standard AW: Außergerichtlicher Schuldenvergleich oder Privatinsolvenz?

Einer Privatinsolvenz geht immer der Versuch einer außergerichtlichen Schuldenbereinigung vor. Wenn also dieser scheitert, geht es in die PI. Das wäre dann ein gerichtliches Verfahren, hat aber nichts mit einem gerichtlichen Vergleich zu tun. Keine Ahnung, was dein Schuldnerberater damit meint. Ggf. meint er damit den Insolvenzplan, aber dafür müsste ja auch Masse zum verteilen da sein.

Ich frage mich vielmehr, warum du deinen Job bei der PI wieder verlieren solltest? Es gibt viele Arbeitnehmer, die trotz PI eine feste Anstellung haben und monatlich damit ihre Verbindlichkeiten bedienen.
__

audiatur et altera pars [lat.: Man höre auch die andere Seite. ]
fiat iustitia [lat.: Es möge Gerechtigkeit geschehen. ]
TazD ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 24.03.2017, 07:55   #3
axellino
Foren-Moderator/in
 
Benutzerbild von axellino
 
Registriert seit: 30.07.2013
Ort: Celle
Beiträge: 1.819
axellino axellino axellino axellino axellino axellino axellino axellino axellino axellino axellino
Standard AW: Außergerichtlicher Schuldenvergleich oder Privatinsolvenz?

Guten Morgen,

Zitat:
Der Gang in die Privatinsolvenz wird der wahrscheinliche Verlust meines Jobs bedeuten.
Geht mich nix an und antworten brauchst Du natürlich auch nicht, aber warum ??
Auch mit Eintreffen von Pfändungen von seiten einer deiner ganzen Gläubiger beim neuen Arbeitgeber, ist und war ja jederzeit zurechnen.
Also so oder so, wäre ihm ggfls. deine Schuldenproblematik bekannt geworden, ob ggfls. mit Inso oder auch ohne. Vielleicht wäre hierzu ein vertrauliches Gespräch mit deinen Chef angebracht, so denn deine Aussage ggfls. überhaupt zutreffend wäre und auch der Gang in die Inso nicht abzuwenden wäre.

Zitat:
Er hat noch was von einem gerichtlichen Vergleich erzählt, aber da weiß er nicht wie die Chancen stehen. Den Grundgedanken der Zustimmungsersetzung plus Kopf- und Summenmehrheit ebenfalls. Ist meine Summe einfach zu hoch, um die Inso abwenden zu können?
Dazu ist mir bekannt, das ein gerichtlicher Vergleich nur vom Gericht angenommen wird, wenn eine sogenannte „Kopf- und Summenmehrheit“ und keine Schlechterstellung der Gläubiger vorliegt. (§ 309 Insolvenzordnung)

Das bedeutet, das nur noch die Mehrheit der Gläubiger zustimmen muss, also z.B.. bei 10 Gläubigern mindestens 6 und das der Schuldner dieser Kopf-Mehrheit auch mehr als 50 % der Gesamtschuldensumme schuldet. Beispielsweise liegt keine Summenmehrheit vor, wenn den 6 Gläubigern aus dem Beispiel nur insgesamt 40 % der Gesamtschuldensumme geschuldet werden.

Zitat:
Schulden i.H.v. 57.000€ bei 21 Gläubigern,
Zitat:
5 Jahre lang 350€ zahle
Somit kannst Du dir die Chancen hierauf, ja selbst ausmalen.

Zitat:
auch wenn meine Firma pleite gehen würde,
So denn von deiner seite ggfls. Zweifel an der Liquidität deines neuen Arbeitgebers bestehen, wäre das eingehen eines, auch langjährigen Vergleichs, von deiner seite vorab genau zu überdenken gewesen.

Zitat:
Gibt es generelle Chancen, oder kann ich die Sache abhaken?
Leider kann ich in dieser Hinsicht nicht in die Glaskugel schauhen, aber wünschen tue ich es Dir natürlich, das sich die Insolvenz ggfls. noch abwenden lässt.

VG
axellino
__

Wer Rechtschreibfehler findet,darf sie gerne behalten !!!!
axellino ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 24.03.2017, 08:05   #4
TazD
Foren-Moderator/in
 
Registriert seit: 12.03.2015
Beiträge: 3.195
TazD TazD TazD TazD TazD TazD TazD TazD TazD TazD TazD
Standard AW: Außergerichtlicher Schuldenvergleich oder Privatinsolvenz?

Zitat von axellino Beitrag anzeigen
Dazu ist mir bekannt, das ein gerichtlicher Vergleich nur vom Gericht angenommen wird, wenn eine sogenannte „Kopf- und Summenmehrheit“ und keine Schlechterstellung der Gläubiger vorliegt. (§ 309 Insolvenzordnung)
Danke, jetzt weiß ich auch, was mit dem gerichtlichen Vergleich gemeint sein soll. Ich verstehe unter einem gerichtlichen Vergleich halt was anderes, war da aber vielleicht auch gedanklich zu sehr im Zivilrecht.
__

audiatur et altera pars [lat.: Man höre auch die andere Seite. ]
fiat iustitia [lat.: Es möge Gerechtigkeit geschehen. ]
TazD ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 24.03.2017, 08:46   #5
Netzer
Elo-User/in
Threadstarter/in Threadstarter/in
 
Registriert seit: 17.08.2015
Beiträge: 7
Netzer
Standard AW: Außergerichtlicher Schuldenvergleich oder Privatinsolvenz?

Zitat von axellino Beitrag anzeigen
Guten Morgen,
.....
Ich kann meine Chancen ja nicht ausrechnen. Wenn ich 5 Jahre monatlich 350€ zahle, werde ich in dieser Zeit knapp 35% der Schuldsumme zahlen. Die Gläubiger wären nicht schlechter gestellt als in einer Insolvenz. Kann ich diesen Plan vergessen, und meine nächsten Schritte überlegen?

Geändert von TazD (24.03.2017 um 08:51 Uhr) Grund: Bitte keine unnötigen Vollzitate
Netzer ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.03.2017, 09:14   #6
axellino
Foren-Moderator/in
 
Benutzerbild von axellino
 
Registriert seit: 30.07.2013
Ort: Celle
Beiträge: 1.819
axellino axellino axellino axellino axellino axellino axellino axellino axellino axellino axellino
Standard AW: Außergerichtlicher Schuldenvergleich oder Privatinsolvenz?

Zitat:
Ich kann meine Chancen ja nicht ausrechnen
Zum aussergerichtlichen Vergleich hat Dir doch dein Schuldnerberater etwas über die Chance der Annahme dessen, etwas gesagt, was sollen wir dann von aussen da noch rein spekulieren.
Das Problem hierbei ist in der Praxis, das zwar die meisten, aber eben nicht alle Gläubiger zustimmen.
In diesem Falle gilt der Vergleich rechtlich, trotz der Zustimmung der Mehrheit der Gläubiger, als gescheitert.

Zitat:
Mein Schuldenberater hat nun einen außergerichtlichen Vergleich angeboten, in dem ich 5 Jahre lang 350€ zahle. Er ist sich sicher dass dieser nicht angenommen wird
Zum gerichtlichen Vergleich habe ich Dir etwas geschrieben und die Rechtsgrundlage dazu benannt, somit siehst Du die Chancen darauf auch selber.

Zitat:
Die Gläubiger wären nicht schlechter gestellt als in einer Insolvenz.
Und welche Rechtsgrundlage soll es bitte geben, um ihnen einen aussgerichtlichen Vergleich aufzuzwingen, wo sie auf teile ihrer Forderung zu verzichten haben, das geht nur über ein gerichtlichen und dazu wurde was geschrieben.

Zitat:
Kann ich diesen Plan vergessen,
Das brauchst Du uns doch nicht fragen, dazu werden sich dann deine Gläubiger zu äussern.
Warte doch ab, wie geschrieben, für ein gerichtlichen wird ggfls. die Quote nicht ausreichend sein.
__

Wer Rechtschreibfehler findet,darf sie gerne behalten !!!!

Geändert von axellino (24.03.2017 um 11:14 Uhr) Grund: Nachtrag
axellino ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 24.03.2017, 09:37   #7
Netzer
Elo-User/in
Threadstarter/in Threadstarter/in
 
Registriert seit: 17.08.2015
Beiträge: 7
Netzer
Standard AW: Außergerichtlicher Schuldenvergleich oder Privatinsolvenz?

Vielen Dank für die Hilfe. Könntest du mir kurz erklären, was du mit "für ein gerichtlichen wird die Quote nicht ausreichend sein" meinst?

Sprich es besteht nur eine geringe Chance, dass ein Gerichtlicher Schuldenvergleich bei ca. 35% der Schuldsumme angenommen wird?
Netzer ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.03.2017, 10:09   #8
axellino
Foren-Moderator/in
 
Benutzerbild von axellino
 
Registriert seit: 30.07.2013
Ort: Celle
Beiträge: 1.819
axellino axellino axellino axellino axellino axellino axellino axellino axellino axellino axellino
Standard AW: Außergerichtlicher Schuldenvergleich oder Privatinsolvenz?

Sollte der aussergerichtliche Vergleich scheitern, so fertigst Du unter Mithilfe deines Schuldnerberaters, ggfls. ein geänderten Schuldenbereinigungsplan an, der dem Gericht für einen gerichtlichen Vergleich vorgelegt wird. Der dann entworfene Schuldenbereinigungsplan muss nicht genau mit dem ursprünglichen Vergleichsangebot übereinstimmen, er kann auch ein verändertes Vergleichsangebot enthalten und insofern vom alten Plan abweichen. Ggfls. könntest Du dein Vergleichsnangebot erhöhen, wenn ebend finanziell möglich, um somit die Chancen auf einen gerichtlichen Vergleich zu erhöhen.

Zitat:
Sprich es besteht nur eine geringe Chance, dass ein Gerichtlicher Schuldenvergleich bei ca. 35% der Schuldsumme angenommen wird?
§ 309 InsO

Zitat:
(1) Hat dem Schuldenbereinigungsplan mehr als die Hälfte der benannten Gläubiger zugestimmt und beträgt die Summe der Ansprüche der zustimmenden Gläubiger mehr als die Hälfte der Summe der Ansprüche der benannten Gläubiger, so ersetzt das Insolvenzgericht auf Antrag eines Gläubigers oder des Schuldners die Einwendungen eines Gläubigers gegen den Schuldenbereinigungsplan durch eine Zustimmung.
Dazu dann,

Zitat:
Schulden i.H.v. 57.000€ bei 21 Gläubigern
5 Jahre lang 350€ zahle
Ich möchte jetzt aber nicht gleich alles schwarz malen, betreffend eines gerichtlichen Vergleichs.
Es kann ja auch passieren das so mancher Gläubiger nicht darauf reagiert.
Wenn also weder eine Zustimmung noch eine Ablehnung durch den Gläubiger darauf fristgerecht erfolgt, wertet das Gericht dies ebenfalls als Zusage.
Nach § 307 Absatz 2 der Insolvenzordnung gilt nämlich beim gerichtlichen Vergleich, anders als beim außergerichtlichen Vergleich, eine Nichtreaktion als Zustimmung.

Für dich ist aber hierzu wichtig, aufgrund dessen Aussage,

Zitat:
Der Gang in die Privatinsolvenz wird der wahrscheinliche Verlust meines Jobs bedeuten.
der gerichtliche Zwangsvergleich beinhaltet immer ein gewisses Risiko und sollte nur beantragt werden, wenn eine Privatinsolvenz bei Nichtzustandekommen des Vergleichs in Kauf genommen wird, denn dieser ist mit dessen Eröffnung verbunden.
Denn für den Fall, das der gerichtliche Vergleich scheitert, kann die Beantragung nicht zurückgezogen werden, das Insolvenzverfahren wird dann zwangsläufig eingeleitet, denn das Gericht nimmt von Amts wegen, also auch ohne Antrag, das während des gerichtlichen Vergleichs ruhende Insolvenzverfahren wieder auf, §§ 306, 311 InsO, wenn der gerichtliche Vergleich nicht erfolgreich verlaufen ist.

Hoffe drücke mich verständlich aus, wenn nicht, tut es mir leid, gerade ein wenig Stress hier zuhause mit den Handwerkern
__

Wer Rechtschreibfehler findet,darf sie gerne behalten !!!!

Geändert von axellino (24.03.2017 um 11:57 Uhr) Grund: Genauer Bezug
axellino ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 24.03.2017, 11:55   #9
Netzer
Elo-User/in
Threadstarter/in Threadstarter/in
 
Registriert seit: 17.08.2015
Beiträge: 7
Netzer
Standard AW: Außergerichtlicher Schuldenvergleich oder Privatinsolvenz?

Das ist tatsächlich ein Hinweis den ich noch nicht bedacht habe, vielen Dank.

Kann man denn vom außergerichtlichen Schuldenplan schon raus erkennen, in wie fern die Chancen bei einem gerichtlichen Schuldenplan stehen. Wer also da zugesagt hat, wird auch beim Gericht zusagen? Oder reagieren die Gläubiger vorm Gericht anders?
Netzer ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.03.2017, 16:22   #10
axellino
Foren-Moderator/in
 
Benutzerbild von axellino
 
Registriert seit: 30.07.2013
Ort: Celle
Beiträge: 1.819
axellino axellino axellino axellino axellino axellino axellino axellino axellino axellino axellino
Standard AW: Außergerichtlicher Schuldenvergleich oder Privatinsolvenz?

Zitat von Netzer Beitrag anzeigen
Kann man denn vom außergerichtlichen Schuldenplan schon raus erkennen
Nun warte doch erstmal ab, wie die Glaeubiger darauf reagieren, bleibt Dir doch sowieso erstmal nix anderes übrig und dann wird weiter gesehen, auch unter Mithilfe deines Schuldnerberaters.

Wenn noch Fragen sind, die nicht auf das wilde spekulieren hinaus sind und dessen Antworten dich dann ggfls. noch weiter verunsichern werden, dann gerne her damit.

Gruss
axellino
__

Wer Rechtschreibfehler findet,darf sie gerne behalten !!!!

Geändert von axellino (24.03.2017 um 16:40 Uhr)
axellino ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 24.03.2017, 17:10   #11
Netzer
Elo-User/in
Threadstarter/in Threadstarter/in
 
Registriert seit: 17.08.2015
Beiträge: 7
Netzer
Standard AW: Außergerichtlicher Schuldenvergleich oder Privatinsolvenz?

Tatsächlich hätte ich noch eine Frage: Wie sieht es mit einem Dienstwagen mit einer 1% Regelung bei Insolvenz aus? ANgenommen mit folgenden Zahlen: Geldwerter Vorteil von 600€, und einem Brutto Lohn von 2370€.

Sind meine Rechnungen richtig, dass dann ca. 900€ als tatsächlicher Lohn ausgezahlt werden?
Netzer ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 24.03.2017, 19:01   #12
Doppeloma
Foren-Moderator/in
 
Registriert seit: 30.11.2009
Beiträge: 9.203
Doppeloma Doppeloma Doppeloma Doppeloma Doppeloma Doppeloma Doppeloma Doppeloma Doppeloma Doppeloma Doppeloma
Ausrufezeichen AW: Außergerichtlicher Schuldenvergleich oder Privatinsolvenz?

Hallo Netzer,

nehme mir noch mel deinen ersten Beitrag vor, die rechtlichen Einzelheiten wurden dir ja schon soweit erklärt, ich mache das jetzt einfach mal aus meiner persönlichen Sicht, NACH der erfolgreichen Restschuldbefreiung.

Dabei sehe ich durchaus, dass meine Ausgangssituation um einiges "einfacher" war, denn ich hatte nur EINEN Gläubiger, Kreditschulden bei einer Bank, die ich wegen langer Krankheit irgendwann nicht mehr bedienen konnte.

"Normale" Kleinschulden (offene Versandhausrechnungen z.B.) habe ich vor dem Gang zur Schuldnerberatung noch aus aufgelösten Versicherungs-Verträgen bezahlt, die wären ohnehin der PI "zum Opfer" gefallen, so konnte ich noch selbst bestimmen, was mit dem Geld geschehen soll.

Zitat:
25 Jahre alt, Schulden i.H.v. 57.000€ bei 21 Gläubigern, ungelernt. Mein derzeitiges Einkommen liegt bei ca.1600€ Netto.
21 Gläubiger sind da schon eine "ganz andere Hausnummer", die werden per Schuldenbereinigungsplan eher nicht unter einen Hut zu bringen sein, um eine PI zu vermeiden.

Zitat:
Der Gang in die Privatinsolvenz wird der wahrscheinliche Verlust meines Jobs bedeuten.
Dazu wurde dir schon geschrieben, dass es (wahrscheinlicher) nicht der Fall sein wird, wenn du darüber offen mit deinem AG sprechen kannst wie sich deine Finanzlage aktuell darstellt und welchen Weg du gehen wirst, um das "aus der Welt zu schaffen".

Ich war auch noch fest angestellt in einem großen Weltkonzern und man hat nie vor gehabt mich deswegen zu entlassen, der AG bekam dann den Beschluss vom TH (als das PI-Verfahren schon im Gange war) und hatte dafür zu sorgen Einkommens-Beträge über dem Pfändungs-Freibetrag an den TH direkt abzuführen.

Das darf offiziell nicht mal ein Kündigungsgrund sein, es wird eher Probleme geben wenn deine Gläubiger jetzt bald oder später beginnen wollen "ihre Schäfchen ins Trockene" zu bringen, denn aktuell kann noch JEDER einzelne Gläubiger da seine Versuche starten (von Mahnbescheiden über EV bis Konto-Pfändungen), das ist bei eröffneter PI NICHT mehr möglich.

Da bekommt dann kein Gläubiger mehr den notwendigen Pfändungsbeschluss, weil die PI bereits läuft und Forderungen NUR noch direkt an TH und das Inso-Gericht zu richten sind, somit läuft das (für diese 5 Jahre) auch bei einem AG alles relativ ruhig, übersichtlich und geordnet ab.

Zitat:
Mein Schuldenberater hat nun einen außergerichtlichen Vergleich angeboten, in dem ich 5 Jahre lang 350€ zahle.
Dazu ist er verpflichtet, wie dir schon geschrieben wurde, erst nach "gescheiterter" außergerichtlicher Einigung wird der Antrag auf PI vom Gericht angenommen.
In meinem Falle wurde schon auf eine weitere gerichtliche Prüfung verzichtet und die PI dann direkt eröffnet.

Denn der Gläubiger war natürlich auch nicht damit einverstanden, nur 10 € im Monat zu bekommen (für damals noch 6 Jahre Laufzeit) und dann auf den Rest (über 20 000 €) verzichten zu müssen.

Ich hatte aber nur noch pfändungsfreies Einkommen (ohne Aussichten auf bessere finanzielle "Zeiten") und so war das schon ein absolut freiwilliges Angebot, um meinen Zahlungswillen zu dokumentieren und der gesetzlichen Forderung Genüge zu tun.

Letztlich hat die Bank gar nichts mehr bekommen, denn an den TH brauchte ich natürlich aus pfändungsfreien Einkommen (inzwischen EM-Rente) keinerlei Zahlungen mehr zu leisten.

Zitat:
Er ist sich sicher dass dieser nicht angenommen wird (GEZ wird mit knapp 300€ streiken).
Ich denke nicht, dass es "nur" die GEZ sein wird, die von den 21 Gläubigern auf ihre Forderungen größtenteils verzichten muss in einem solchen Schuldenbereinigungsplan.
Es wird also schon daraus für das Gericht ersichtlich werden, ob ein weiterer Versuch noch sinnvoll erscheint, denn die Gläubiger sind nicht unbedingt an ihre ersten Einverständnisse gebunden.

Vergleiche machen in der Regel nur Sinn, wenn man den einzelnen Gläubigern (direkt) eine Summe "X" anbieten kann und dann auf die Restforderung vom Gläubiger Verzicht erklärt wird.

Das ist ein völlig anderer Weg als die teilweise Schuldentilgung über einen Schuldenbereinigungsplan, der dann auch über diese 5 Jahre unbedingt einzuhalten wäre.
Da darf dann absolut NICHTS mehr dazwischen kommen, ganz gleich wo du diese 350 € im Monat dann hernehmen musst, sonst fällt diese gesamte Abmachung in sich zusammen.

ALLE aktuellen Schulden (bei allen 21 Gläubigern) leben in vollem Umfange wieder auf (abzüglich der bisher geleisteten Zahlungen natürlich) und werden SOFORT wieder fällig.

Stell dir das nicht so einfach vor, 5 Jahre können ganz schön lang werden, wenn man diese Konsequenz immer vor Augen haben muss, egal was finanziell / gesundheitlich oder sonst so dazwischen kommen könnte.

Zitat:
Er hat noch was von einem gerichtlichen Vergleich erzählt, aber da weiß er nicht wie die Chancen stehen.
Ich denke eher schlecht, denn dafür muss ja Geld vorhanden sein mit dem du "Vergleiche" anbieten könntest ... das wäre aber seine Aufgabe im Vorfeld.

Das Gericht schließt keine Vergleiche mehr, die bieten (sofern sinnvoll) den Schuldenbereinigungsplan erneut an (eventuell überarbeitet) und können eben (begrenzt) das Einverständnis einzelner Gläubiger "ersetzen", dann gibt es KEINE PI ... der vereinbarte Betrag ist über die erforderliche Zeit zu zahlen ... wie oben beschrieben.

Eine gerichtliche "Restschuldbefreiung" gibt es dann auch nicht, eventuell "vergessene" Gläubiger können also weiterhin versuchen ihre Forderungen auf allen rechtlichen Wegen einzutreiben bei dir.

Zitat:
Ist meine Summe einfach zu hoch, um die Inso abwenden zu können?
So rein menschlich betrachtet würde ich behaupten, dass dein Schuldenberg einfach zu hoch ist, man rechnet mit einer (vollen) Schuldentilgung über 5 - 6 Jahre um von einer PI (besser) Abstand zu nehmen, dafür müsstest du aber (nach aktuellem Stand) rund 800 € im Monat aufbringen können.

Die Gläubiger müssten natürlich auch damit einverstanden sein (teilweise) so lange auf die endgültige Tilgung (auf Raten) zu warten, denn es sind gleichzeitig auch zu viele Gläubiger, die sehr bald Geld sehen wollen und die Schuldzinsen erhöhen das Ganze von Monat zu Monat ... auch wenn wir gerade im "Niedrig-Zins-Bereich" sind, steigen die Schulden ja immer weiter an.

Es wäre also auch günstig wenn man die Gläubiger im Schuldenbereinigungsplan, um Verzicht auf die weiteren Schuldzinsen bitten, sonst zahlst du und zahlst und es wird trotzdem immer mehr (weil die Raten nicht mal die Zinsen decken).

Zitat:
Ich hätte eine Job Sicherheit für die nächsten Jahre, auch wenn meine Firma pleite gehen würde, würde ich alles daran setzen um die 350€ weiter zu zahlen.
Das sind zwar gute Aussichten, die auch das Inso-Gericht und deinen TH zufrieden stellen werden aber im Prinzip "ist NICHTS" mehr wirklich sicher heutzutage, außer dann die Forderung der 350 € irgendwie IMMER decken zu können.

Aber ich sehe das auch nicht als Realistisch an da ohne PI heraus zu kommen, die "Vorteile" solltest du dabei auch nicht übersehen ... Einkommen über der Pfändungs-Grenze ist natürlich abzuführen, dazu brauchen wir gar nicht weiter diskutieren.

Wie deine geldwerten Vorteile dabei berücksichtigt werden wirst du dann konkret von deinem TH erfahren, denn deine Erwerbstätigkeit muss natürlich auch entsprechend finanziell immer abgesichert sein.

ABER wenn doch mal was dazwischen kommt (längere Krankheit kann man sich nicht "passend" aussuchen), geht trotzdem NUR laufendes pfändbares Einkommen an den TH und gibt es da mal vorübergehend NICHTS, dann bekommt der eben auch NICHTS für die Gläubiger.

Die PI läuft trotzdem weiter und wird nach 5 Jahren beendet sein, sofern du bis dahin alle Obliegenheiten erfüllt hast.
Dann bekommst du die gerichtliche Restschuldbefreiung, egal ob deine 21 Gläubiger noch viel oder wenig erhalten haben über diese 5 Jahre und nach 3 weiteren Jahren wird auch der Eintrag bei der Schufa gelöscht und du bist wieder "kreditwürdig" ...

Das mal so als Überblick von Einer die es durch hat ... bin jetzt im Rentenalter und froh mit meiner kleinen Rente wenigstens KEINE Schulden mehr bezahlen zu müssen.

MfG Doppeloma
__

Ich gebe hier nur meine persönlichen Erfahrungen wieder und bitte diese nicht als Rechtsberatung aufzufassen!

Keine Einzelfall-Beratung per PN, alle Fragen bitte im Forum stellen !!!
Doppeloma ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Themen-Optionen
Ansicht


Ähnliche Themen

Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Außergerichtlicher Vergleich - Inkasso BFS (amazon) BRINAT Schulden 0 22.01.2012 15:11
Außergerichtlicher Vergleich gescheitert an 2 Gläubigern :( Ulli66 Schulden 41 16.01.2012 11:16
Privatinsolvenz oder weiter abstottern? Cosinus Schulden 36 09.07.2011 11:41
Privatinsolvenz ja oder nein? MrsSmith Schulden 15 13.11.2007 17:00
L 13 B 5/05 SB Erstattung außergerichtlicher Kosten Lusjena ... Allgemeine Entscheidungen 0 02.12.2005 09:39


Es ist jetzt 09:21 Uhr.


Powered by vBulletin® (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2017, Jelsoft Enterprises Ltd.
Search Engine Optimisation provided by DragonByte SEO (Pro) - vBulletin Mods & Addons Copyright © 2017 DragonByte Technologies Ltd.
Feedback Buttons provided by Advanced Post Thanks / Like (Pro) - vBulletin Mods & Addons Copyright © 2017 DragonByte Technologies Ltd.
ELO-Forum by Erwerbslosenforum Deutschland