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Start > > -> Seltsamer Arbeitsvertrag - bitte Eure Einschätzung

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Alt 11.08.2012, 10:38   #1
Arbeitssuchend
Gast
 
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Standard Seltsamer Arbeitsvertrag - bitte Eure Einschätzung

Hallo,

mir wurde ein Entwurf zu einem Arbeitsvertrag vorgelegt.
Einiges darin finde ich seltsam und bitte Euch deshalb um Eure Einschätzung ggf. auch - soweit möglich - Rechtsgrundlagen.
Meine Meinung dazu schreibe ich unter das jeweilige Zitat.

Ich gehe davon aus, dass der AG den potenziellen AN gar nicht haben will - jedoch müsste der AG, wenn er den AN nicht einstellt, Schadenersatz zahlen, was der AG natürlich vermeiden will.

Ich zitiere einige Passagen.
Zitat:
1. Die Einstellung erfolgt unter der Voraussetzung fachlicher und gesundheitlicher Eignung für die vorgesehene Aufgabe
Das ist doch eigentlich selbstverständlich. Könnte der AG dann nicht nach einem Tag Arbeit argumentieren, dass der AN weder gesundheitlich noch fachlich geeignet ist, und sofort kündigen?
Zitat:
2. Die Firma ist berechtigt, an jedem beliebigen Werktag Überstunden anzuordnen.
3. Mit der Zahlung der vereinbarten Bezüge sind Überstunden im Umfang bis zu 5 Stunden im Monat abgegolten. Für darüber hinaus geleistete Überstunden erhält der MA nach Wahl der Fa. entweder entsprechende zusätzliche Vergütung oder Freizeitausgleich.
Zu 2.
Ich weiß zwar, dass so etwas möglich ist - jedoch handelt es sich bei der Stelle um eine simple Bürogehilfin - von daher finde ich das ungewöhnlich. Außerdem drückt das den Stundenlohn. Es ist davon auszugehen, dass die Fa. auf jeden Fall diese 5 Überstunden im Monat (bei einer TZ-Tätigkeit!) ableisten lassen wird.
Zu 3.
die "entsprechende zusätzliche Vergütüng" finde ich zu unbestimmt. Heißt das, es gibt Überstundenzuschläge? Wie wird dieses "entsprechend" definiert?
Zitat:
4. Die Vergütung ist jeweils zum 10. des Folgemonats zu zahlen.
Das BGB sagt was anderes (zum Monatsende des lfd. Monats), und es besteht auch kein sachlicher Grund, der eine verspätete Zahlung rechtfertigen würde.
Zitat:
5. Der MA verpflichtet sich, Gehaltsüberzahlungen ohne Rücksicht auf eine noch vorhandene Bereicherung zurückzuzahlen.
Das kapiere ich überhaupt nicht. Zum Einen ist es äußerst unwahrscheinlich, dass die Fa. mehr zahlt, und zum Anderen wäre eine Bereicherung des MA ja gar nicht mehr gegeben, wenn der MA Überzahlungen sofort zurück überweist.
Zitat:
6. Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit werden von der Geschäftsleitung festgelegt.
Das hieße ja, dass die Fa. auch Nachtarbeit oder ganz verrückte Arbeitszeiten fordern könnte ...
Zitat:
7. Die Fa. entscheidet jährlich über eine freiwillige Sonderzahlung an MA, die am 1.12. in einem ungekündigten und unbefristeten Arbeitsverhältnis stehen.
Ist das nicht Diskriminierung aller AN, die nur einen Zeitvertrag haben oder die gekündigt haben?
Zitat:
8. Die Urlaubsabgeltung entfällt, wenn der MA durch eigenes Verschulden entlassen wurde oder das Arbeitsverhältnis vorzeitig gelöst hat.
Ist m.E. rechtsmissbräuchlich. Urlaub hat nicht zu entfallen, und falls der Urlaub nicht mehr genommen werden konnte, muss dieser ausbezahlt werden!
Zitat:
9. Der MA erklärt, dass er an keiner ansteckenden Krankheit leidet, arbeitsfähig ist und auch keine sonstigen Umstände vorliegen, die ihm die vertraglich zu leistende Arbeit jetzt oder zukünftig erschweren oder unmöglich machen.
Der MA erklärt weiter, dass er den Bestimmungen des Schwerbehindertengesetzes zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses nicht unterliegt.
Ist m.E. Diskriminierung von Schwerbehinderten. Die Fa. sagt ja damit, dass sie keine Schwerbehinderten einstellen will.
Und bzgl. "Umständen, die die Arbeit erschweren" - da könnte die Fa. dem MA was anhängen. Z.B. MA hat gelegentlich Rückenprobleme, aber bisher nie so schlimm, dass es ihn an der Arbeit gehindert hat. Nun verschlimmern sich auf der Arbeit die Rückenprobleme. Dann sagt der AG: Das hast Du ja schon vorher gewusst, Du hast bei Vertragsabschluss gelogen ...
Zitat:
10. Auf Verlangen sind dem AG die Gründe einer Dienstverhinderung mitzuteilen.
Könnte man das so auslegen, dass dem AG bei Erkrankung auch die Diagnose mitgeteilt werden muss?
Zitat:
11. Nebentätigkeiten, egal ob entgeltlich oder unentgeltich ausgeübt, sind nicht gestattet.
Heißt das, der AN darf nicht mal mehr Freunden z.B. beim Umzug helfen oder mal auf die Kinder der Freunde aufpassen? (= unentgeltliche Nebentätigkeit ?)
Zitat:
12. Während der Dauer des Arbeitsverhältnisses ist jeder Wettbewerb mit der Firma des AG verboten.
Was bedeutet das genau?
Zitat:
13. Der MA haftet für jeden durch sein Arbeitsverhalten oder durch Pflichtverletzung seinerseits begründeten Schaden.
Damit ist Missbrauch durch den AG Tür und Tor geöffnet, wenn der AN aus Unkenntnis oder weil er mangelhaft eingearbeitet wurde, einen Fehler macht.
Zitat:
14. Das Arbeitsverhältnis wird zunächst für die Dauer von 6 Monaten als Probearbeitsverhältnis vereinbart.
Seltsam hier, dass nichts weiter dazu steht, ob oder dass das Arbeitsverhältnis danach in ein unbefristetes übergeht.
Das klingt fast so, als wolle der AG nur (weil er es denn muss - gem. gerichtl. Auflage) einen Vertrag auf 6 Monate schließen.
Zitat:
15. Die Anwendung der verlängerten Kündigungsfristen nach 2 Jahren Betriebszugehörigkeit gem. § 622 BGB wird für beide Seiten vereinbart.
Das heißt, der AN wird hier auch schlechter gestellt, als das BGB es eigentlich erlaubt.

Abgesehen davon, dass die Vergütung auch nicht dem entspricht, was vorher eigentlich angesprochen wurde, finde ich die obigen Formulierungen wirklich sehr seltsam und zum Teil grenzwertig.

Was meint Ihr?
Wie sollte man dem AG gegenüber auftreten?

Danke und viele Grüße
Arbeitssuchend
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Alt 11.08.2012, 10:43   #2
überflüssig44
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Standard AW: Seltsamer Arbeitsvertrag - bitte Eure Einschätzung

In die Tonne damit! Da würde ich nicht anfangen. 5 Stunden umsonst arbeiten??Die Arbeitszeit wird angeordnet. Haben die vorher bei der Stasi gearbeitet. Was ist das für eine Sprache ?? Hilfe.. Fang da bloß nicht an.
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Alt 11.08.2012, 10:47   #3
überflüssig44
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Standard AW: Seltsamer Arbeitsvertrag - bitte Eure Einschätzung

Das kann sich bei dem Arbeitsvertrag doch nur um eine Öffentliche Institution handeln, oder??
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Alt 11.08.2012, 11:03   #4
Arbeitssuchend
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Standard AW: Seltsamer Arbeitsvertrag - bitte Eure Einschätzung

Nein, keine öffentliche Institution - ein mittelständiger Betrieb.

Aber ich glaube, der AG will den AN sowieso nicht einstellen
und probiert durch die Vertragsvorlage nur, sich um eine Schadenersatzzahlung zu drücken. Hinterher, falls der AN nun ablehnt, kann er ja dann sagen: Er habe seinen guten Willen gezeigt ....

Wir brauchen jetzt noch Argumentationsgrundlagen -
möglichst auch die Rechtsgrundlagen dazu.

Danke und viele Grüße
Arbeitssuchend
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Alt 11.08.2012, 11:42   #5
Rounddancer
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Standard AW: Seltsamer Arbeitsvertrag - bitte Eure Einschätzung

Der wird sich gesagt haben: "Wart, dem Prozeßhansel geb ichs!",-
wenn der DAS ablehnt, kann er nimmer prozessieren, weil dann hat ja er abgelehnt und nicht ich."

"Und wenn er annimmt, und alle Regeln einhält, dann isser Gott...".
"wenn er annimmt, und Regeln bricht, wird er auf Knien ankommen und drum betteln, daß nicht ich ihn verklage."

Ich hätte die Altersdiskriminierungsprozessiererei gar nicht erst angefangen. Sondern mir gesagt: Wenn der statt eines reifen Qualitätsprodukts (=ich) lieber einen unreifen Schnösel will,- bitte, soll er..


Wie Du da wieder rauskommst? Ehrlich, ich weiß es nicht.
Rounddancer ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.08.2012, 11:43   #6
Seepferdchen
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Seepferdchen Möchte sein Renommee nicht öffentlich anzeigen...
Standard AW: Seltsamer Arbeitsvertrag - bitte Eure Einschätzung

Hallo Arbeitssuchend,

was lässt dich zu dieser Annahme kommen Schadenersatzzahlung zu drücken????

Den Vertrag so unterschreiben nein, aber wenn du oder eine Bekannte dagegen
angehen willst, würde ich mal diesen Punkt Schadenersatz näher beschreiben,
da muß doch ein fester Punkt sein?

Und wenn möglich lege das mal einen RA vor mit samt der Vorgeschichte dazu.

Gruß
__

  1. mein Beitrag ist keine Rechtsberatung
Seepferdchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.08.2012, 11:56   #7
Arbeitssuchend
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Standard AW: Seltsamer Arbeitsvertrag - bitte Eure Einschätzung

Hallo,

es geht um eine Schadensersatzforderung wegen Altersdiskriminierung.
Die Gegenseite lässt sich durch einen RA vertreten,
ich habe mich bisher selbst vertreten.

Warum prozessieren?
Damit eben die AGs mal merken, dass sie nicht Gott sind
und sich nicht alles erlauben können.
Und damit sie die Regeln einhalten.
Es ist ja auch ein gesellschaftliches Problem,
und ich will Zeichen setzen.

Tja, da wieder rauszukommen ...
dafür braucht es eben rechtssichere Informationen.

Meiner Meinung nach sind im Arbeitsvertrag zwei weitere Diskriminierungen enthalten:
Das mit den Sonderzahlungen
und die vertragliche Bestätigung, man falle nicht unter das Schwerbehindertengesetz.
Vielleicht wäre das ein Ansatzpunkt?

Grüße
Arbeitssuchend
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Alt 11.08.2012, 12:02   #8
Lilastern
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Standard AW: Seltsamer Arbeitsvertrag - bitte Eure Einschätzung

Überstunden sind extra abzugelten entweder durch Bezahlung oder Freizeitausgleich.
Lilastern ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.08.2012, 12:05   #9
Lilastern
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Standard AW: Seltsamer Arbeitsvertrag - bitte Eure Einschätzung

Leg doch diesen Vertrag einem Anwalt vor.
Lilastern ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.08.2012, 12:10   #10
ela1953
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Standard AW: Seltsamer Arbeitsvertrag - bitte Eure Einschätzung

Zitat von Lilastern Beitrag anzeigen
Überstunden sind extra abzugelten entweder durch Bezahlung oder Freizeitausgleich.

Das wird ja gemacht - allerdings behält sich der AG vor, ob er zahlt oder Freizeitausgleich gibt

Zitat:
Für darüber hinaus geleistete Überstunden erhält der MA nach Wahl der Fa. entweder entsprechende zusätzliche Vergütung oder Freizeitausgleich.
ela1953 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.08.2012, 12:20   #11
Seepferdchen
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Seepferdchen Möchte sein Renommee nicht öffentlich anzeigen...
Standard AW: Seltsamer Arbeitsvertrag - bitte Eure Einschätzung

@Arbeitssuchend, ich kann dich verstehen, nun ich würde es dir dringend ans Herzen
legen, lass dich bitte vom RA beraten.

Wenn du schreibst wegen Altersdiskriminierung brauchst du Fakten!!!!!!!!!!!!!

Ich habe mal hoffendlich für dich zur Hilfe mal zwei Sachen rausgesucht!

In dem Link wird erklärt, das ein Vertrag ......


Zitat

Sind einzelnen Klauseln von der Unwirksamkeit betroffen, bedeutet dies jedoch nicht, dass der Vertrag damit ungültig ist. Lediglich die unwirksamen Klauseln sind bedeutungslos und der Arbeitgeber kann sich auf diese nicht berufen. An ihre Stelle treten automatisch rechtswirksame Regeln oder sie entfallen komplett. Zitat Ende

Frage der Woche: Was gehört in einen Arbeitsvertrag, was nicht? - Redaktion Die Ratgeber

Arbeitsvertrag Teil 2 | anwalt.de-Ratgeber Recht, Rechtsratgeber

Gruß
__

  1. mein Beitrag ist keine Rechtsberatung
Seepferdchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.08.2012, 12:53   #12
Jessy61
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Standard AW: Seltsamer Arbeitsvertrag - bitte Eure Einschätzung

Vielleicht findest du was im Teilzeit-und Befristungsgesetz

http://www.gesetze-im-internet.de/bu...bfg/gesamt.pdf

Mir fehlt momentan die Lust, das Ganze durchzulesen.

Nebentätigkeit:

ver.di

Urlaub:

ver.di

ver.di
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Alt 11.08.2012, 15:37   #13
Malus
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Standard AW: Seltsamer Arbeitsvertrag - bitte Eure Einschätzung

zu Punkt 7 (Die Fa. entscheidet jährlich über eine freiwillige Sonderzahlung an MA, die am 1.12. in einem ungekündigten und unbefristeten Arbeitsverhältnis stehen.):

Die Sonderzahlung kann man als "Weihnachtsgratifikation" betrachten. Diese darf laut BAG durchaus davon abhängig gemacht werden, ob ein Arbeitsverhältnis gekündigt ist oder nicht.

Zitat:
Voraussetzung ist, dass nicht die Vergütung von Arbeitsleistungen bezweckt ist.
Meines Wissens ist diese Handhabung auch üblich. Im BAT war es z. B. früher sogar so, daß man das Weihnachtsgeld zurückzahlen mußte, wenn man vor dem 31.03. des Folgejahres kündigte.

zu Punkt 12 (Während der Dauer des Arbeitsverhältnisses ist jeder Wettbewerb mit der Firma des AG verboten. ):

Angenommen, die Firma verkauft Strickpullover. Dann darf der Angestellte nicht in seiner Freizeit Pullover stricken und diese als Konkurrenz-Produkt zu den Waren seiner Firma am Markt anbieten.

Der Angestellte darf auch nicht in einem Nebenjob / Zweitjob bei einer Konkurrenzfirma aus der bleichen Branche arbeiten.

Durchaus üblich.


zu 14 / 15:

Warum muß bei Punkt 14 unbedingt stehen, daß nach Ablauf der Probezeit ein unbefristetes Arbeitsverhältnis beginnt? Immerhin betrachtet Punkt 15 dann das Arbeitsverhältnis nach 2 Jahren.
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Alt 11.08.2012, 16:19   #14
Rounddancer
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Idee AW: Seltsamer Arbeitsvertrag - bitte Eure Einschätzung

Zitat von Arbeitssuchend Beitrag anzeigen
Warum prozessieren?
Damit eben die AGs mal merken, dass sie nicht Gott sind
und sich nicht alles erlauben können.
Und damit sie die Regeln einhalten.
Es ist ja auch ein gesellschaftliches Problem,
und ich will Zeichen setzen.
Oh je.
Du weißt, ich bin auf beiden Seiten. Glaub mir, die Arbeitgeber wissen das längst, sie haben Schulungen, Lose-Blatt-Werke, Artikel in den Verbands- und Wirtschaftszeitungen über das AGG, und wie man Klagen, Ärger und damit die Zahlung von bis zu drei Monatsgehältern an sich diskriminiert fühlende Kläger vermeidet.

Die Auswirkungen sehen wir als Bewerber:

  • Stellenangebote, Arbeitsplatzbeschreibungen werden immer einheitlicher, nichtssagender.
  • Bei jedem Stellengebot stapeln sich die Bewerbungen, und nicht selten wären 80 Prozent dieser Bewerbungen nicht geschrieben worden, wenn in den Stellenbeschreibungen drinstehen dürfte, wen der Arbeitgeber wirklich sucht. Dadurch hat sich die Auswahl seitens der Arbeitgeber auf die Recherche über die Bewerber beispielsweise im Internet, auf Daten, Nachfragen, etc. , auf zur Vorauswahl genutzte Vermittler und Personalberater, etc. und natürlich auf Vorstellungsgespräche verschoben.
  • Und dann die Absagen, die wir als Bewerber bekommen,- sie sind, eben als Auswirkung des AGG nichtssagend. Dies, obwohl wir gerne wissen würden, warum jemand anderes bevorzugt wurde. Besonders bei Stellen, die wir gerne gehabt hätten und vielleicht gar im Vorstellungsgespräch waren.
  • Wenn ich als Vermittler nach einer vom Kunden getroffenen Vorauswahl zwei Bewerber ins Vorstellungsgespräch beim Personalchef des Kunden einladen durfte,- dann darf ich der Siegerin gratulieren, und sagen, daß die in der Firma dort ganz begeistert von ihr waren, und daß sie sich alle herzlich auf sie freuen. Aber der Zweiten,- von der ich hörte, sie sei im VG "eine Katastrophe" gewesen, darf ich dies nicht sagen,- zumal mir selbst nicht gesagt wurde, warum.
Wenn wirklich noch ein Stellenangebot hinausgeht, in dem steht, wen der AG wirklich haben will,- dann hat da einer geschlafen und kein anderer Korrektur gelesen. Aber generell sind Arbeitgeber darauf eingestellt, nicht mehr in die Fallen des AGG zu tappen.


Trotzdem: Auch wir Älteren, wir Behinderten sollten uns nicht von Bewerbungen abhalten lassen,- auf Stellen, die wir zu mind. 70 Prozent ausfüllen könnten. Wir sollten unseren Hut in den Ring werfen dort,- mit kurzer, auf das Unternehmen und die dort zu lösende Aufgabe eingehenden Bewerbung, und nicht schon vorher zurückschrecken, weil wir befürchten, "eh bloß" wieder eine Absage zu kriegen, weil wir zu alt, zu behindert, zu jung, unter-, oder überqualifiziert seien. Einfach bewerben,- und sei es per Kurzbewerbung.


Aber zum TO: Ich würde da bei meiner Gewerkschaft fragen, wie ich da ohne weitere Kosten rauskäme. Und ich würde den aus lauter Fllen gebackenen Arbeitsvertrag nicht unterschreiben, da ich nicht zusichern kann, daß ich nicht schwerbehindert bin.
Oder, das wäre eine Alternative, ich würde alle Klauseln des Vertrages, mit denen ich nicht einverstanden bin, streichen und als "gestrichen" mit meinem Namenskürzel bestätigen.


(Hab ich persönlich auch kürzlich gemacht, als ich in einem Vertrag für mich unzumutbare Klauseln fand. Dann unterschrieben und eingeschickt,- irgendwann kam meine Kopie zurück, ohne Unterschrift des Chefs. Kommentarlos. Hätte ich dann zu arbeiten begonnen, hätte ja dafür wohl das BGB gegolten.



Mittlerweile bin ich bei eine anderen Firma, die bodenständig und seriös arbeitet, und trotzdem innovativ ist. Es geht immer irgendwie weiter.
Rounddancer ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.08.2012, 16:49   #15
Arbeitssuchend
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Standard AW: Seltsamer Arbeitsvertrag - bitte Eure Einschätzung

Zitat von Rounddancer Beitrag anzeigen
(Hab ich persönlich auch kürzlich gemacht, als ich in einem Vertrag für mich unzumutbare Klauseln fand. Dann unterschrieben und eingeschickt,- irgendwann kam meine Kopie zurück, ohne Unterschrift des Chefs. Kommentarlos. Hätte ich dann zu arbeiten begonnen, hätte ja dafür wohl das BGB gegolten.
Das ist gut! Bloß dass dann im mir vorgelegten Vertrag fast nichts mehr stehen bleibt ...

*hm*, wenn Du trotzdem am ersten Arbeitstag dort aufgeschlagen wärest, hätten die Dich wieder heimschicken müssen. Dann wäre kein Arbeitsvertrag zustande gekommen. Bloß wenn sie Dich hätten arbeiten lassen, dann wären die gesetzlichen Vorschriften gültig geworden.

Ja, keine Sorge, ich bewerbe mich weiter.
Ein paar Sachen habe ich noch am Laufen,
außerdem zwei neue VVs von der AfA bekommen.
(Der eine ist eher unpassend, da ich bei diesem AG schon mal gearbeitet habe, und der andre kommt wegen der Entfernung nicht in Frage. Aber naja, der gute Wille zählt ...)
Es ist allerdings oft schwer, trotz allem den Mut zu behalten.

Weitere Ideen und Infos sind sehr willkommen!

Viele Grüße
Arbeitssuchend
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Alt 11.08.2012, 17:08   #16
twaini->Emailproblem
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twaini
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Ich persönlich würde diesen Arbeitsvertrag nicht unterschreiben
__

"Jede neue Wahrheit muß im allgemeinen als Ketzerei beginnen!"
twaini ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.08.2012, 18:43   #17
verona
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verona verona verona verona verona verona
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Das könnte evtl. hilfreich sein:
Vertragsstrafeklausel im Arbeitsvertrag - gültig oder ungültig | Flegl Rechtsanwälte Leonberg
__

L.G. Verona

Was die Menschen am besten können, ist, neue Informationen so zu filtern, dass bestehende Auffassungen intakt
bleiben.

verona ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.09.2012, 18:10   #18
Arbeitssuchend
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Standard AW: Seltsamer Arbeitsvertrag - bitte Eure Einschätzung

Update:
Ich habe dem AG geschrieben, dass ich den Arbeitsvertrag in dieser Form nicht unterschreiben kann, da er meiner Meinung nach gegen die guten Sitten verstößt.
Und dass ich alternativ bereit wäre, auf den vom Gericht in der Güteverhandlung vorgeschlagenen Vergleich einzugehen.

Also werden wir jetzt diesen Vergleich schließen
(eine bestimmte Geldsumme als Schadenersatz).

Ich denke, der Arbeitgeber hätte mich sowieso nicht gewollt und schnellstmöglich wieder gekündigt.
Wer mag schon Arbeitnehmer, die sich auskennen ....

Vielleicht klappt ja eine meiner anderen noch laufenden Bewerbungen. Ich hatte kürzlich wieder mehrere Vorstellungsgespräche.

Viele Grüße
Arbeitssuchend
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Alt 07.09.2012, 22:35   #19
Pünktchen->Emailproblem
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Pünktchen Pünktchen
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9. Der MA erklärt, dass er an keiner ansteckenden Krankheit leidet, arbeitsfähig ist und auch keine sonstigen Umstände vorliegen, die ihm die vertraglich zu leistende Arbeit jetzt oder zukünftig erschweren oder unmöglich machen.
Der MA erklärt weiter, dass er den Bestimmungen des Schwerbehindertengesetzes zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses nicht unterliegt.


Ein Arbeitsvertrag mit diesem Passus wurde mir auch schon einmal vorgelegt. Ich habe dann den Ersteller desselben mal sehr direkt darauf hingewiesen, daß auch die verklausulierte Frage nach einer Schwangerschaft nicht rechtens ist. Fand er wohl nicht so gut und hat sich ziemlich gewunden.

Vielleicht wäre das ja ein Angriffspunkt für Euch.
Pünktchen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.09.2012, 22:44   #20
Arbeitssuchend
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Standard AW: Seltsamer Arbeitsvertrag - bitte Eure Einschätzung

Dankeschön, Pünktchen,
der Käse ist jetzt schon gegessen.
Ich werde den Vergleich annehmen,
also das Geld nehmen und nicht dort arbeiten.
Dass ich die Firma (ein mittelständischer Handwerksbetrieb)
natürlich nicht weiterempfehlen werde, ist klar.

Da sind einige Punkte rechtswidrig.
Es wäre natürlich noch eine Möglichkeit,
die Handwerkskammer zu informieren,
damit diese ggf. nachprüft, ob die anderen Verträge
genauso rechtswidrige Passagen enthalten.

Ich bin aus der Nummer auf jeden Fall raus,
und der Arbeitgeber muss löhnen.

Hätte er sich mal anders verhalten ....
Ich denke, für die Zukunft sollte er etwas gelernt haben.

Grüße
Arbeitssuchend
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