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Alt 16.06.2007, 06:15   #1
morpheus7771
Gast
 
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Standard Psychologische Aspekte eines garantierten Einkommens

Erich Fromm

Psychologische Aspekte
zur Frage eines garantierten Einkommens für alle
(1966c)

Erstveröffentlichung unter dem Titel The Psychological Aspects of the Guarenteed Income in: R. Theobald (Hrsg.), The Guaranteed Income. Next Step in Economic Evolution?, New York 1966, S. 175-184 (Doubleday & Co.); erste deutsche Über-setzung erschien in: Erich Fromm Gesamtausgabe in zwölf Bänden, München (Deutsche Verlags-Anstalt und Deutscher Taschenbuch Verlag) 1999, Band V, S. 309-316. – Die Zahlen in {geschweiften Klammern} geben die Seitenwechsel der Erstveröffentlichung wieder; die Zahlen in [eckigen Klammern] geben die Seiten-wechsel in der Erich Fromm Gesamtausgabe in zwölf Bänden wieder. - Copyright © 1966 und 1981 by Erich Fromm; Copyright © 2005 by The Literary Estate of Erich Fromm, Ursrainer Ring 24, D-72076 Tuebingen, Germany; E-Mail: fromm-funk@aol.com. – Übersetzung aus dem Amerikanischen von Liselotte und Ernst Mickel.



Dieser Beitrag befasst sich ausschließlich mit den psychologischen Aspekten ei-nes garantierten Einkommens, mit dessen Wert, seinen Risiken und mit den menschlichen Problemen, die dabei entstehen können. Für ein garantiertes Ein-kommen für alle spricht in erster Linie, dass die Freiheit des einzelnen auf diese Weise entschieden erweitert werden könnte.
(Vgl. hierzu auch meine Ausführun-gen zu einem garantierten Existenzminimum in The Sane Society,1955a, GA IV, S. 234-236.)
Bisher war der Mensch während seiner gesamten Geschichte durch zwei Faktoren in seiner Handlungsfreiheit eingeschränkt: durch die Anwendung von Gewalt von seiten der Herrschenden
(besonders dadurch, dass diese in der Lage waren, Abweichler umzubringen)
und - was noch wesentlicher war - da-durch, dass alle vom Hungertod bedroht waren, die nicht bereit waren, die ihnen auferlegten Bedingungen in bezug auf ihre Arbeit und ihre soziale Existenz zu akzeptieren.
Jeder, der nicht bereit war, diese Bedingungen anzunehmen, sah sich der Gefahr, verhungern zu müssen, ausgesetzt, und zwar sogar dann, wenn keine anderen Gewaltmaßnahmen gegen ihn angewandt wurden. Das während des größten Teils der vergangenen und der gegenwärtigen Menschheitsgeschichte vorherrschende Prinzip lautet (im Kapitalismus genau wie in der Sowjetunion): „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“ Diese Drohung zwang den Menschen, nicht nur so zu handeln, wie von ihm verlangt wurde, sondern auch so zu denken und zu fühlen, dass er nicht einmal in Versuchung geriet, sich an-ders zu verhalten.
Dass die Geschichte auf dem Prinzip der Angst beruht, verhungern zu müs-sen, hat seine Ursache letzten Endes darin, dass der Mensch - von bestimmten primitiven Gesellschaften abgesehen - auf einem wirtschaftlich wie psycholo-gisch niedrigen Existenzniveau lebte. Es waren niemals ausreichend materielle Güter vorhanden, mit denen man die Bedürfnisse aller hätte befriedigen können. Gewöhnlich war es so, dass eine kleine Führungsschicht alles an sich nahm, was ihr Herz begehrte, und dass man den vielen, die sich nicht an einen ge-deckten Tisch setzen konnten, sagte, es sei Gottes Wille oder das Gesetz der Natur. Hierzu ist allerdings zu bemerken, dass das {176} Ausschlaggebende da-bei nicht die Habgier der „Regierenden“, sondern das niedrige Niveau der mate-riellen Produktivität war. [310]
Ein garantiertes Einkommen, das im Zeitalter des wirtschaftlichen Überflus-ses möglich wird, könnte zum erstenmal den Menschen von der Drohung des Hungertods befreien und ihn auf diese Weise von wirtschaftlicher Bedrohung wahrhaft frei und unabhängig machen. Niemand müsste sich mehr nur deshalb auf bestimmte Arbeitsbedingungen einlassen, weil er sonst befürchten müsste, er würde verhungern. Begabte oder ehrgeizige Männer und Frauen könnten die Ausbildung wechseln, um sich damit auf einen anderen Beruf vorzubereiten; eine Frau könnte ihren Ehemann, ein Jugendlicher seine Familie verlassen. Die Men-schen hätten keine Angst mehr, wenn sie den Hunger nicht mehr zu befürchten brauchten. (Dies trifft natürlich nur dann zu, wenn keine politischen Drohungen den Menschen am freien Denken, Reden und Handeln hindern.)
Das garantierte Einkommen würde nicht nur aus dem Schlagwort „Freiheit“ eine Realität machen, es würde auch ein tief in der religiösen und humanisti-schen Tradition des Westens verwurzeltes Prinzip bestätigen, dass der Mensch unter allen Umständen das Recht hat zu leben. Dieses Recht auf Leben, Nah-rung und Unterkunft, auf medizinische Versorgung, Bildung usw. ist ein dem Menschen angeborenes Recht, das unter keinen Umständen eingeschränkt wer-den darf, nicht einmal im Hinblick darauf, ob der Betreffende für die Gesellschaft „von Nutzen ist“.
Der Übergang von einer Psychologie des Mangels zu einer des Über-flusses bedeutet einen der wichtigsten Schritte in der menschlichen Ent-wicklung. Eine Psychologie des Mangels erzeugt Angst, Neid und Egoismus (was man auf der ganzen Welt am intensivsten in Bauernkulturen beobachten kann). Eine Psychologie des Überflusses erzeugt Initiative, Glauben an das Le-ben und Solidarität. Tatsache ist jedoch, dass die meisten Menschen psycholo-gisch immer noch in den ökonomischen Bedingungen des Mangels befangen sind, während die industrialisierte Welt im Begriff ist, in ein neues Zeitalter des ökonomischen Überflusses einzutreten. Aber wegen dieser psychologischen „Phasenverschiebung“ sind viele Menschen nicht einmal imstande, neue Ideen wie die eines garantierten Einkommens zu begreifen, denn traditionelle Ideen werden gewöhnlich von Gefühlen bestimmt, die ihren Ursprung in früheren Ge-sellschaftsformen haben.
Eine weitere Auswirkung des garantierten Einkommens in Verbindung mit einer wesentlich {177} verkürzten Arbeitszeit für alle wäre sicher, dass die geisti-gen und religiösen Probleme des menschlichen Daseins real und bestimmend würden. Bisher war der Mensch mit seiner Arbeit zu sehr beschäftigt (oder er war nach der Arbeit zu müde), um sich ernsthaft mit den Problemen abzugeben: „Was ist der Sinn des Lebens?“, „Woran glaube ich?“, „Welche Werte vertrete ich?“, „Wer bin ich?“ usw. Wenn er nicht mehr ausschließlich von seiner Arbeit in Anspruch genommen ist, wird es ihm entweder freistehen, sich ernsthaft mit die-sen Problemen auseinanderzusetzen, oder er wird aus unmittelbarer oder kom-pensierter Langeweile halb verrückt werden. Prinzipiell kann der wirtschaftliche Überfluss die Befreiung von der Angst vor dem Hungertod, den Übergang von einer vormenschlichen zu einer wahrhaft menschlichen Gesellschaft kennzeich-nen. [311]
Um ein ausgeglichenes Bild zu bieten, sollte man aber auch einige Einwän-de gegen diese Vorstellung von einem garantierten Einkommen für alle und kriti-sche Fragen nicht außer acht lassen. Die nächstliegende Frage lautet, ob ein ga-rantiertes Einkommen nicht die Arbeitsmotivation beeinträchtigen würde.
Ganz abgesehen davon, dass bereits heute für einen ständig wachsenden Teil unserer Bevölkerung überhaupt keine Arbeit vorhanden ist und dass daher die Frage der Arbeitsmotivation für diese Menschen nicht relevant ist, sollte man diesen Einwand trotzdem ernst nehmen. Meines Erachtens kann man zeigen, dass der materielle Anreiz keineswegs das einzige Motiv ist, um zu arbeiten und sich anzustrengen. Erstens gibt es auch noch andere Motive - wie z. B. Stolz, soziale Anerkennung, Freude an der Arbeit selbst usw. An Beispielen hierfür fehlt es nicht. Am deutlichsten sieht man es an der Arbeit des Wissenschaftlers, des Künstlers usw., deren hervorragende Leistungen nicht vom finanziellen Ge-winn, sondern von verschiedenen Faktoren motiviert sind: vor allem vom Interes-se an seiner Arbeit, vom Stolz auf die eigene Leistung und dem Streben nach Anerkennung. Aber so augenfällig diese Beispiele auch sein mögen, so sind sie doch nicht völlig überzeugend, weil man sagen könnte, diese Ausnahmemen-schen seien zu solchen außergewöhnlichen Anstrengungen eben deshalb fähig, weil sie so außergewöhnlich begabt seien, und sie seien deshalb keine typischen Beispiele für die Reaktion des Durchschnittsmenschen. Mir scheint dieser Ein-wand jedoch nicht stichhaltig, wenn wir uns die Antriebe zur Aktivität bei Men-schen näher ansehen, welche diese Eigenschaften des außergewöhnlichen, kreativen Menschen nicht besitzen. Welche Anstrengungen werden im Bereich des Sports und vieler Hobbys aufgeboten, wo keinerlei materielle Anreize gege-ben sind. In welchem Ausmaß {178} das Interesse am Arbeitsprozess selbst ein Antrieb zur Arbeit sein kann, hat zuerst Professor Mayo in seiner klassischen Untersuchung in den Chicagoer Hawthorne-Werken der „Western Electric Com-pany“ nachgewiesen (E. Mayo, 1933). Allein die Tatsache, dass man ungelernte Arbeiterinnen bei dem Experiment, das ihre Arbeitsproduktivität betraf, selbst heranzog und sie durch ihre Beteiligung zu interessierten, aktiven Teilnehmern wurden, führte zu einer höheren Produktivität, ja sogar zu einem besseren Ge-sundheitszustand.
Das Problem wird noch deutlicher, wenn wir uns ältere Gesellschaftsformen einmal genauer ansehen. Die Tüchtigkeit und Unbestechlichkeit der traditionellen preußischen Beamten war berühmt, obwohl sie sehr schlecht bezahlt wurden; in diesem Fall waren Begriffe wie Ehre, Treue und Pflichterfüllung die entscheiden-den Antriebe zu guten Arbeitsleistungen. Betrachten wir vorindustrielle Gesell-schaften (wie zum Beispiel die mittelalterliche europäische Gesellschaft oder die halbfeudalen Gesellschaften zu Anfang unseres Jahrhunderts in Lateinamerika), so taucht noch ein anderer Faktor auf. In diesen Gesellschaften wollte beispiels-weise ein Zimmermann nur so viel verdienen, dass er sich das leisten konnte, was zu seinem traditionellen Lebensstandard gehörte. Er hätte sich geweigert, mehr zu arbeiten und zu verdienen, als er brauchte.
Ein zweites Argument dafür, dass der Mensch nicht nur aus materiellem An-reiz arbeiten und sich anstrengen will, ergibt sich aus der Tatsache, dass der Mensch unter den Folgen von Untätigkeit leidet und eben gerade nicht von Natur aus träge ist. Sicher [312] würden viele Leute gerne für ein oder zwei Monate nicht arbeiten. Die allermeisten würden aber dringend darum bitten, arbeiten zu dürfen, selbst wenn sie nichts dafür bezahlt bekämen. Erkenntnisse über die kindliche Entwicklung und über Geisteskrankheiten liefern eine Fülle Daten hierfür. Es sollte unbedingt eine systematische Untersuchung gemacht werden, bei der alle verfügbaren Daten unter dem Aspekt „Trägheit als Krankheit“ analy-siert würden.
Wenn nun Geld nicht der Hauptanreiz ist, müsste doch die Arbeit in ihren technischen oder gesellschaftlichen Aspekten so attraktiv und interessant sein, dass man sie eher in Kauf nehmen würde als Untätigkeit. Der moderne, ent-fremdete Mensch ist (meist {179} unbewusst) apathisch und sehnt sich daher mehr nach Nichtstun als nach Betätigung. Diese Sehnsucht ist jedoch ein Sym-ptom unserer „Pathologie der Normalität“. Vermutlich würde der Missbrauch des garantierten Einkommens nach kurzer Zeit wieder verschwinden, genauso wie auch die Leute, wenn sie für Süßigkeiten nichts zu bezahlen brauchten, sich nach ein paar Wochen nicht mehr daran überfressen würden.
Ein weiterer Einwand lautet: Wird es den Menschen wirklich freier machen, wenn er keine Angst vor dem Verhungern mehr zu haben braucht, wenn man bedenkt, dass Menschen mit einem guten Einkommen vermutlich genausoviel Angst haben, ihre Stelle zu verlieren, die ihnen im Jahr 15 000 Dollar einbringt, wie die, welche hungern müssten, wenn sie ihren Job verlieren würden. Wenn dieser Eindruck richtig ist, würde das garantierte Einkommen die Freiheit der Mehrheit, jedoch nicht die Freiheit der oberen Schichten vergrößern.
Um diesen Einwand ganz zu begreifen, müssen wir bedenken, von welchem Geist unsere heutige Industriegesellschaft erfüllt ist. Der Mensch hat sich in ei-nen homo consumens verwandelt. Er ist unersättlich und passiv und versucht seine innere Leere mit einem ständigen, stets wachsenden Konsum zu kom-pensieren. Es gibt viele klinische Beispiele für diesen Mechanismus, bei dem übermäßiges Essen, Kaufen und Trinken eine Reaktion auf Depression und Angst ist. Konsumiert werden Zigaretten, Schnaps, Sex, Filme, Reisen, Bil-dungsgüter wie Bücher, Vorlesungen, Kunst. Der Mensch macht den Eindruck, als sei er aktiv und höchst angeregt, in seinem tiefsten Innern ist er jedoch er-füllt von Angst, ist er einsam, deprimiert und gelangweilt. (Langeweile kann als jene Art chronischer Depression begriffen werden, die man erfolgreich mit Konsum kompensieren kann.) Die Industriegesellschaft des zwanzigsten Jahr-hunderts hat diesen neuen psychologischen Typ, den homo consumens, in er-ster Linie aus wirtschaftlichen Gründen geschaffen, d. h. um des notwendigen Massenkonsums willen, der durch die Werbung stimuliert und manipuliert wird. Aber der einmal geschaffene Charaktertyp beeinflusst seinerseits wieder die Wirtschaft und lässt das Prinzip der ständig zunehmenden Befriedigung vernünf-tig und realistisch erscheinen. Das Problem wird dadurch noch komplizierter, dass mindestens zwanzig Prozent der amerikanischen Bevölkerung in unzurei-chenden Verhältnissen leben, dass einige Länder Europas, vor allem die soziali-stischen, noch keinen befriedigenden Lebensstandard erreicht haben und dass der größte Teil der Menschheit in Lateinamerika, Afrika und Asien kaum über dem Hungerniveau existiert. Jedes Argument, das sich für einen geringeren Konsum einsetzt, wird mit dem Gegenargument [313] beantwortet, dass in den meisten Teilen der Welt der Konsum noch gesteigert werden müsse. Dies ist richtig; doch besteht die Gefahr, dass selbst in den heute noch armen Ländern das Ideal des maximalen Konsums richtungweisend für alle Anstren-gungen wird, dass es den Geist der Menschen formen und daher auch weiterhin wirksam sein wird, wenn das optimale Konsumniveau bereits erreicht ist.
Der heutige Mensch hat einen grenzenlosen Hunger nach immer mehr Kon-sum. Das hat folgende Konsequenzen: Da die Gier nach Konsum keine Grenzen mehr kennt, und da in absehbarer Zukunft keine Wirtschaft genug produzieren kann, um einem jeden einen unbegrenzten Konsum zu ermöglichen, kann es (psychologisch gesehen) {180} niemals einen echten Überfluss geben, solange die Charakterstruktur des homo consumens vorherrschend ist. Der Gierige wird immer Mangel leiden, da er nie genug bekommt, ganz gleich, wieviel er hat. Au-ßerdem möchte er alles, was die andern haben, auch besitzen und sieht in ihnen seine Konkurrenten. Daher ist er im Grunde isoliert und voller Angst. Er kann Kunst und andere kulturelle Anregungen nie wirklich genießen, weil er immer mehr haben möchte. Das bedeutet aber, dass die, welche auf dem Niveau des garantierten Einkommens leben würden, sich frustriert und minderwertig fühlten und dass die, welche mehr verdienen, Gefangene der Umstände bleiben würden, weil sie Angst hätten, die Möglichkeit zu einem maximalen Konsum einzubüßen. Aus diesen Gründen glaube ich, dass das garantierte Einkommen nur gewisse (wirtschaftliche und soziale) Probleme lösen würde, dass es aber nicht die er-wünschte radikale Wirkung hätte, wenn wir nicht gleichzeitig das Prinzip des ma-ximalen Konsums aufgeben.
Was muss also geschehen, wenn wir das garantierte Einkommen einführen wollen? Allgemein gesagt, müssen wir unser System des maximalen Konsums in ein System des optimalen Konsums verwandeln. Das bedeutet:
Man müsste in der Industrie weitgehend von der Produktion von Gütern für den individuellen Verbrauch zur Produktion von Gütern für den öffentlichen Ver-brauch übergehen - zum Beispiel Schulen, Theater, Bibliotheken, Parks, Kran-kenhäuser, öffentliche Verkehrsmittel und Wohnungsbau fördern. Anders gesagt sollte man den Nachdruck auf die Produktion von Dingen legen, die der Entfal-tung der inneren Produktivität und Aktivität des einzelnen dienen. Man kann nachweisen, dass die Gier des homo consumens sich hauptsächlich auf den in-dividuellen Konsum von Dingen bezieht, die er ißt (sich einverleibt), während die Benutzung kostenloser öffentlicher Einrichtungen, die dem einzelnen die Mög-lichkeit bieten, sich seines Lebens zu freuen, keine Gier und Unersättlichkeit er-zeugt. Ein solcher Übergang vom maximalen zum optimalen Konsum würde dra-stische Veränderungen in den Produktionsmustern und außerdem eine radikale Verminderung der Werbung, die mittels Gehirnwäsche unsere Gier immer weiter treibt, erforderlich machen. (Eine solche Einschränkung der Werbung und vor allem die Steigerung der Produktion für den öffentlichen Bereich sind meines Er-achtens kaum ohne staatliche Intervention denkbar.) Außerdem müssten kultu-relle Veränderungen geschehen: Es müsste zu {181} einer Renaissance der hu-manistischen Werte des Lebens, der Produktivität, des Individualismus usw. kommen, die den Materialismus des Organisationsmenschen, der so manipuliert wird, dass er wie ein Ameisenhaufen funktioniert, überwindet. [314]
Diese Erwägungen führen hin zu anderen Problemen, die ebenfalls zu un-tersuchen sind: Gibt es objektiv gültige Kriterien, nach denen man zwischen ra-tionalen und irrationalen, zwischen guten und schlechten Bedürfnissen unter-scheiden kann, oder hat jedes subjektiv empfundene Bedürfnis den gleichen Wert? (Als „gut“ werden hier Bedürfnisse definiert, die der Lebendigkeit, der Wachheit, der Produktivität und Sensitivität des Menschen förderlich sind; als „schlecht“ alle jene Bedürfnisse, die diese menschlichen Möglichkeiten schwä-chen oder lähmen.) Es ist daran zu erinnern, dass wir alle diesen Unterschied bei Drogenabhängigkeit, Fettsucht und Alkoholismus bereits machen. Die Beschäfti-gung mit diesen Problemen würde zu folgenden praktischen Erwägungen führen: Wo liegt die untere Grenze der legitimen Bedürfnisse eines Menschen? (Man denke etwa an Bedürfnisse nach einem eigenen Zimmer für jeden, nach Klei-dung, einer bestimmten Kalorienmenge, nach kulturellen Gebrauchsgütern wie Radio, Bücher usw.) In einer relativ wohlhabenden Gesellschaft wie in der der Vereinigten Staaten dürfte es nicht schwer fallen festzusetzen, wieviel ein ange-messener Lebensunterhalt kosten würde und welche Grenze maximaler Konsum haben soll. Es ließe sich eine progressive Besteuerung des Konsums jenseits ei-nes bestimmten Schwellenwertes denken. Auf alle Fälle müssten Lebensbedin-gungen wie in den Slums vermieden werden. All das bedeutete, dass wir Prinzi-pien eines garantierten Einkommens mit der Orientierung unserer Gesellschaft vom maximalen zum optimalen Konsum kombinieren müssten, und dass es zu einer drastischen Verschiebung von der Produktion für individuelle Bedürfnisse zu einer Produktion für öffentliche Bedürfnisse kommen sollte.
Es ist sehr wichtig, dass man außer der Idee eines garantierten Einkom-mens noch einen anderen Gedanken untersucht: den des kostenlosen Konsums gewisser Gebrauchswaren. Dazu würden zum Beispiel Brot, Milch und Gemüse gehören. Nehmen wir für einen Augenblick an, jeder könnte in irgendeine Bäcke-rei gehen und sich soviel Brot nehmen, wie er wollte. (Der Staat würde der Bäk-kerei alles von ihr hergestellte Brot bezahlen.) Wie bereits erwähnt, würde der Gierige dann zunächst mehr nehmen, als er gebrauchen könnte, aber nach kur-zer Zeit würde dieser „Konsum aus Gier“ sich ausgleichen, und die Leute würden sich nur soviel nehmen, wie sie wirklich brauchen. Ein solcher kostenloser Kon-sum würde meiner Meinung nach eine neue {182} Dimension im menschlichen Leben schaffen (sofern wir darin keine Wiederholung - wenn auch auf höherer Ebene - von Konsumgebräuchen in primitiven Gesellschaften sehen). Der Mensch würde sich dann von dem Grundsatz befreit fühlen: „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“ Sogar schon Anfänge dieses freien Konsums könnten ein ganz neues Erlebnis- der Freiheit bedeuten. Selbst wer kein Wirt-schaftswissenschaftler ist, wird leicht einsehen, dass die kostenlose Versorgung aller mit Brot leicht vom Staat bezahlt werden könnte, der diese Ausgabe mit ei-ner entsprechenden Steuer decken würde. Aber wir können noch einen Schritt weiter gehen. Es könnten nicht nur alle minimalen Bedürfnisse nach Nahrung mit Brot, Milch, Gemüse und Obst befriedigt werden, sondern auch die minimalen Bedürfnisse an Kleidung (nach irgendeinem System könnte jeder ohne Bezah-lung etwa einen Anzug, drei Hemden, sechs Paar Socken usw. jährlich erhalten), und die Verkehrsmittel könnten kostenlos benutzt werden, was natürlich stark verbesserte Einrichtungen von [315] öffentlichen Verkehrsmitteln voraussetzen würde, während Privatwagen teurer würden. Schließlich könnte man sich vor-stellen, dass auch das Wohnungsproblem auf ähnliche Weise gelöst würde, et-wa dass große Wohnungsbauprojekte mit Schlafsälen für die Jungen, einem kleinen Raum für ältere oder verheiratete Paare gebaut würden, die. jedermann nach Belieben kostenlos benutzen könnte. Das bringt mich auf die Idee, dass man das Problem des garantierten Einkommens auch so lösen könnte, dass man alles zum Leben Notwendige - im Sinne eines festgelegten Minimums - ko-stenlos bekäme, anstatt es bar zahlen zu müssen. Die Herstellung dieser für das Existenzminimum notwendigen Dinge würde die Produktion ebenso in Gang halten wie bei dem Vorschlag eines bezahlten garantierten Einkommens für je-den.
Es lässt sich einwenden, dass diese Methode radikaler und daher weniger akzeptabel wäre als die von anderen Autoren vorgeschlagene. Dies trifft wohl zu. Doch man sollte andererseits nicht vergessen, dass diese Methode der kosten-losen minimalen Dienstleistungen theoretisch innerhalb unseres gegenwärtigen Systems durchzuführen wäre, während die Idee des garantierten Einkommens für viele nicht annehmbar sein wird - und nicht etwa, weil sie nicht durchführbar wäre, sondern wegen des psychologischen Widerstandes gegen die Abschaf-fung des Prinzips: „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“

Ein weiteres philosophisches, politisches und psychologisches Problem ist noch zu untersuchen: das der Freiheit. Unser westlicher Begriff von Freiheit gründete sich weitgehend auf die Freiheit zu Privateigentum und seine Nutzung, solange nicht {183} legitime Interessen anderer davon bedroht waren. Heute ist dieser Grundsatz in den westlichen Industriegesellschaften in vieler Hinsicht durch die Besteuerung durchbrochen, die eine Form der Enteignung ist, sowie durch Ein-griffe des Staates in Landwirtschaft, Handel und Industrie. Gleichzeitig tritt an die Stelle des Privatbesitzes an Produktionsmitteln immer mehr ein halb-öffentlicher Besitz, wie er für große Konzerne typisch ist. Das Prinzip des garantierten Ein-kommens würde zwar einige zusätzliche staatliche Reglementierungen bedeu-ten, doch sollte man bedenken, dass der Begriff der Freiheit für den Durch-schnittsmenschen heute nicht sosehr gleichbedeutend mit der Freiheit ist, etwas zu besitzen und seinen Besitz (sein Kapital) nutzbringend anzulegen, als mit der Freiheit, alles, was das Herz begehrt, zu konsumieren. Viele sehen es heute als einen Eingriff in ihre Freiheit an, wenn der unbegrenzte Konsum eingeschränkt wird, obgleich nur die ganz Reichen wirklich frei wählen können, was sie haben möchten. Der Konkurrenzkampf zwischen den verschiedenen Marken der glei-chen Gebrauchswaren und den verschiedenen Arten von Gebrauchswaren er-zeugt die Illusion persönlicher Freiheit, während der einzelne in Wirklichkeit das haben will, worauf er konditioniert wurde. (Auch hier bietet die totale Bürokratisie-rung des Verbrauchs in den sozialistischen Staaten ein schlechtes Beispiel für eine Konsumregulierung.) Eine neue Sicht des Problems der Freiheit ist notwen-dig. Nur mit der Umwandlung des homo consumens in eine produktiv-tätige Per-sönlichkeit wird der Mensch Freiheit als echte Unabhängigkeit erleben und nicht als unbegrenzte Möglichkeit, unter den Konsumgütern zu wählen.
Eine volle Wirksamkeit des Prinzips eines garantierten Einkommens für alle ist nur [316] zu erwarten, wenn es gleichzeitig gekoppelt ist an (1.) eine Ände-rung unserer Konsumgewohnheiten, das heißt der Umwandlung des homo con-sumens in einen produktivtätigen Menschen (im Sinne Spinozas); (2.) die Her-ausbildung einer neuen geistigen Haltung des Humanismus (in theistischer oder nicht-theistischer Form) und (3.) eine Renaissance echter Demokratie (etwa in einem neuen Unterhaus, in dem die Entscheidung durch Integration der Be-schlüsse von Hunderttausenden von kleinen Gruppen [face-to-face groups] zu-stande kommen, durch die aktive Beteiligung sämtlicher Mitarbeiter in allen Un-ternehmen und in jeder Art von Management usw. - vgl. meine Vorschläge am Ende von The Sane Society,1955a, GA IV, S. 224-239). Der Gefahr, dass ein Staat, der alle ernährt, zu einer Muttergottheit mit diktatorischen Eigenschaften werden könnte, kann nur durch eine gleichzeitig Wirksame Vermehrung demo-kratischer Verfahren in allen gesellschaftlichen Bereichen begegnet {184} wer-den. (In Wirklichkeit verfügt ja heute der Staat bereits über außerordentliche Macht, ohne diese Möglichkeiten einzuräumen.)
Mit den ökonomisch orientierten Forschungsarbeiten auf dem Gebiet des garan-tierten Einkommens für alle müssen auch noch andere Forschungen betrieben werden: psychologische, philosophische, religiöse und erziehungswissenschaftli-che. Der große Schritt zu einem garantierten Einkommen wird meiner Meinung nach nur Erfolg haben, wenn Veränderungen in anderen Bereichen mit ihm Hand in Hand gehen. Wir dürfen nicht vergessen, dass das garantierte Einkommen nur zustande kommen kann, wenn wir aufhören, zehn Prozent unseres Gesamt-einkommens für die wirtschaftlich nutzlose und gefährliche Rüstung auszugeben, wenn wir der Ausbreitung sinnloser Gewalttätigkeiten dadurch Einhalt gebieten, dass wir die unterentwickelten Länder systematisch unterstützen, und wenn wir Mittel und Wege finden, der Bevölkerungsexplosion Einhalt zu gebieten. Ohne diese Wandlungen wird kein Plan für die Zukunft gelingen, weil es keine Zukunft geben wird.


Literatur

Fromm, E., 1955a: The Sane Society, New York 1955 (Rinehart and Winston, Inc.); Der moderne Mensch und seine Zukunft. Eine sozialpsychologische Untersuchung, Frankfurt/Köln 1960 (Europäische Verlagsanstalt); Wege aus einer kranken Gesell-schaft, GA IV.
Mayo, E., 1933: The Human Problems of an Industrial Civilization, New York 1933 (The Macmillan Co.).


Copyright © 1966 und 1981 by Erich Fromm
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Alt 16.06.2007, 06:18   #2
morpheus7771
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Standard

Für diesen Beitrag danke ich
Dr. Rainer Funk
(literarischer Nachlassverwalter von Erich Fromm)
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Alt 16.06.2007, 19:47   #3
Hartzer Knaller->Emailproblem
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Beiträge: 216
Hartzer Knaller
Standard

Ja, guter Beitrag.
So stell ich mir etwa eine Demokratie, den Kommunismus oder eine soziale Marktwirtschaft vor oder wie immer man diese Gesellschaftsordnung auch nennen mag.
Diese Gedanken sind ja nun schon vor längerer Zeit niedergeschrieben worden; und anderes in dem Zusammenhang noch ein paar Jahrhunderte früher.
Nur in der Praxis haperts ein wenig damit. :-(
__

Meinungsfreiheit ist ein eigen Ding. An jedem Schlagbaum versteht man etwas anderes darunter.
Heil Zensur und Demokratie!
Hartzer Knaller ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.10.2007, 16:18   #4
morpheus7771
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“

Vielleicht ist der Text ein wenig zu lang, sonst würden sich manche Fragen erübrigen...

Das während des größten Teils der vergangenen und der gegenwärtigen Menschheitsgeschichte vorherrschende Prinzip lautet

(im Kapitalismus genau wie in der Sowjetunion):

„Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“

Diese Drohung zwang den Menschen, nicht nur so zu handeln, wie von ihm verlangt wurde,
sondern auch so
zu denken
und
zu fühlen
,
daß er nicht einmal in Versuchung geriet, sich anders zu verhalten.


Es ist sehr wichtig, daß man außer der Idee eines garantierten Einkommens noch einen anderen Gedanken untersucht:

den des kostenlosen Konsums gewisser Gebrauchswaren.

Dazu würden zum Beispiel Brot, Milch und Gemüse gehören.
Nehmen wir für einen Augenblick an, jeder könnte in irgendeine Bäckerei gehen und sich soviel Brot nehmen, wie er wollte.

(Der Staat würde der Bäckerei alles von ihr hergestellte Brot bezahlen.)
Wie bereits erwähnt, würde der Gierige dann zunächst mehr nehmen, als er gebrauchen könnte,
aber nach kurzer Zeit würde dieser „Konsum aus Gier“ sich ausgleichen,
und die Leute würden sich nur soviel nehmen, wie sie wirklich brauchen.
Ein solcher kostenloser Konsum würde meiner Meinung nach eine neue Dimension im menschlichen Leben schaffen
(sofern wir darin keine Wiederholung - wenn auch auf höherer Ebene - von Konsumgebräuchen in primitiven Gesellschaften sehen).
Der Mensch würde sich dann von dem Grundsatz befreit fühlen:

„Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“


Es läßt sich einwenden, daß diese Methode radikaler und daher weniger akzeptabel wäre als die von anderen Autoren vorgeschlagene.
Dies trifft wohl zu. Doch man sollte andererseits nicht vergessen, daß diese Methode der kostenlosen minimalen Dienstleistungen theoretisch innerhalb unseres gegenwärtigen Systems durchzuführen wäre, während die Idee des garantierten Einkommens für viele nicht annehmbar sein wird - und nicht etwa, weil sie nicht durchführbar wäre, sondern wegen des psychologischen Widerstandes gegen die Abschaffung des Prinzips:

„Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“

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Alt 12.10.2007, 18:33   #5
jane doe
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jane doe
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ein himmelreich für ein bischen layout ... also keine trennstriche und ein paar mehr leerzeilen.

zum inhalt:

ich glaube nicht, daß die freiheit, zb brot unentgeltlich in unbegrenzter menge zu nehmen, zu einem sättigungseffekt führen würde. ich denke dabei wird ein phänomen, wie zb auf kreuzfahrtschiffen deutlich, wo buffets zwar abgeräumt, aber nicht aufgegessen werden.

also wäre eine bestimmte begrenzung notwendig. und damit landet man dann automatisch wieder bei geld.
jane doe ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.10.2007, 18:59   #6
morpheus7771
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Beiträge: n/a
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Zitat von jane doe Beitrag anzeigen
ein himmelreich für ein bischen layout ... also keine trennstriche und ein paar mehr leerzeilen.

zum inhalt:

ich glaube nicht, daß die freiheit, zb brot unentgeltlich in unbegrenzter menge zu nehmen, zu einem sättigungseffekt führen würde. ich denke dabei wird ein phänomen, wie zb auf kreuzfahrtschiffen deutlich, wo buffets zwar abgeräumt, aber nicht aufgegessen werden.

also wäre eine bestimmte begrenzung notwendig. und damit landet man dann automatisch wieder bei geld.
Hallo jane,

schönes Argument, aber man bedenke bei ner Kreuzfahrt ist die Dauer ja bekanntlich begrenzt. Da nimmt man nach heutigem Verständnis eben "was man kriegen kann".
Wie geschrieben steht, nutzten sich Mitnahme Effecte schnell ab.

Frag mal Menschen die in ner Imbissbude, bei McDonald oder ähnlichem arbeiten...

morph
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Alt 12.10.2007, 23:42   #7
Hartzbeat->Emailproblem
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Beiträge: 671
Hartzbeat
Frage Grundeinkommen: Was haben wir zu verlieren?

Am Überzeugendsten für mich:

Zitat:
Erich Fromm: Das hat folgende Konsequenzen: Da die Gier nach Konsum keine Grenzen mehr kennt, und da in absehbarer Zukunft keine Wirtschaft genug produzieren kann, um einem jeden einen unbegrenzten Konsum zu ermöglichen, kann es (psychologisch gesehen) niemals einen echten Überfluss geben, solange die Charakterstruktur des homo consumens vorherrschend ist.[...]wenn man bedenkt, dass Menschen mit einem guten Einkommen vermutlich genausoviel Angst haben, ihre Stelle zu verlieren, die ihnen im Jahr 15 000 Dollar einbringt, wie die, welche hungern müssten, wenn sie ihren Job verlieren würden.
Also, wozu so weitermachen wie bisher?

fragt sich
Hrtzbeat
Hartzbeat ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.10.2007, 18:52   #8
Papa Bär->Emailproblem
Emailadresse berichtigen!
 
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Ort: Pianosa
Beiträge: 273
Papa Bär
Standard

Und das kostenlose Brot wird dann vom Bauern in Massen ans Getier verfüttert, weils einfach bequemer ist, als Futter aufzubereiten.

Ja, Ja... hatten wir alles schonmal. Selbst bei Beibehaltung von eher symbolischen Preisen... Brot für etwas über 90 Pfennig und Brötchen für 5 derer Alu-chips, wanderte nicht wenig ins Borstenvieh.

Diese hübsch zu lesende Utopie leidet am gleichen Problem an dem der real existierende Sozialismus zu grunde ging... dem inneren Schweinehund des einzelnen Individuums.

Gaaaaaaaaaaaaanz früher lehrte man uns, dass der Kommunismus als erstrebenswerte Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens, im Gegensatz zu dem, zum Imperialismus aufstrebenden Kapitalismus eben nicht an antargonistischen Widersprüchen leidet.
Ein verhängnisvoller Fehler...
Die soziale Sicherheit, welche im übrigen ein bedingungsloses Grundeinkommen ebenso erzeugen würde, hat unumkehrbar zur Folge, dass sich der Einzelne beginnt, keine Sorge mehr um den Erhalt der selbigen zu machen. Es gäbe in der Gesellschaft keine immanente Triebkraft weiterer gesellschaftlicher Entwicklung.
Und glaubt mir, einen an "Gutmenschen" orientierten Wettstreit um größere gesellschaftliche Anerkennung (Selbstverwirklichung etc.) funktioniert auch nicht. Das hatten wir nämlich auch schon erkannt und im Wissen um den Mangel an gesellschaftlichen Triebkräften einen Wettstreit ausprobiert. Das nannte sich "sozialistischer Wettbewerb" und hat allenfalls zu sinnentleerten Schlagzeilen im ND getaugt.

Grüße vom Papa Bär
__

Friede den Hütten! Krieg den Palästen!
Georg Büchner, Hessischer Landbote 1834
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