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Ein Euro Job / Mini Job Alles zum Thema Arbeit und Arbeitsgelegenheiten. Erfahrungen, Probleme, Maßnahmen


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Alt 25.02.2007, 01:12   #1
münchnerkindl->Emailproblem
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Registriert seit: 05.11.2006
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münchnerkindl münchnerkindl münchnerkindl
Unglücklich Was ist "zusätzlich", wie lange, Anfahrtszeiten etc

Liebe Leute,

es werden ja nun viele Arbeiten von Ein-Euro-Job Leuten verrichtet... und ich hab da ein paar Fragen dazu:



Ich werde nun auch einen Ein-Euro-Job machen, ich hatte freundlicherweise die Auswahl und hab mir eine Stelle im Münchner Zoo ausdrucken lassen wo ich nun meine vom ärztlichen Attest erlaubten 3 Stunden arbeiten werde.

Beschreibung Obst und Gemüse vorbereiten, und den Futterhof sauberhalten.

Ich bin eigentlich immer davon ausgegangen daß ein Ein-Euro-Job für ein halbes Jahr begrenzt ist. Nur hat mit der Sachbearbeiter gesagt, ja, nach einem halben Jahr wird dann auf anderthalb Jahre verlängert und wenn ich dann noch immer keinen festen Job gefunden habe dann bekomme ich einen anderen Ein-Euro-Job.

Mich beschleicht der Verdacht daß auf diesem Wege sich öffentliche Einrichtungen unter den schwervermittelbaren Arbeitslosen kostenlose Arbeitskräfte auf Dauer sichern wollen/können/sollen.
Daß sozusagen diese Personengruppe auf Dauer, völlig ohne Rechte für billiges Geld die Arbeiten machen soll für die man keine Lust hat jemanden fest anzustellen...

Ich habe lange garnicht gearbeitet und ich lasse es mir durchaus eingehen daß ich als Wiedereinstieg ins Arbeitsleben eine befristete Zeit so einen Ein-Euro-Job mache.
Aber als Dauerzustand? Das ist doch nicht legal, oder

Und wie ist das, eine Bücherei und ein Tierpark, das sind doch eigentlich keine zusätzlichen Arbeiten, die würden doch so oder so anfallen und müssten (sonst von angestelltem Personal) erledigt werden. Weil die Zootiere haben vor Ein-Euro-Job nciht gehungert und die Büchereien waren auch ohne Ein-Euro-Job in Schuss.
Zusätzlich, da stelle ich mir sowas wie vorlesen und begleiten von alten Menschen im Altenheim. Begleiten von Behinderten Menschen, Hausaufgabenhilfe für ausländische Schüler. Eben etwas das wirklich nicht passiert wenn es die Ein-Euro-Job nicht gäbe. Alles andere nimmt Menschen einen bezahlten Arbeitsplatz weg. Aber so werden die ganzen Hiwi Tätigkeiten die die festangestellten eh hassen auf Dauer auf Ein-Euro-Jobler abgewälzt.

Und dann noch eine Frage, bei einer Arbeitszeit von 3 Stunden wie lange ist da der zumutbare Weg zur Arbeit? Ich meine bei bis zu 6 Stunden ist es 2 mal eine Stunde, okay,aber bei 3 Stunden ist bei 2 Stunden Fahrtweg nochmal 2/3 der Arbeitszeit fahrtweg... Ich bin psychisch krank, langes fahren mit Öffentlichen ist für mich anstrengend.. Wir wären da immerhin schon bei 5 Stunden Belastung, nciht 3..
Wie sieht das aus (ich bin durch meinen Wohnort zu den Meisten Orten in der Stadt auf jeden Fall gut über eine halbe Stunde unterwegs weil ich meist öfters umsteigen muss..)

Ach ja und was ich noch wissen wollte, bei 3 Stunden täglciher Arbeitszeit beträgt die Mehraufwandsentschädigung dann bei 1 € die Stunde 60 Euro im Monat. Die Monatskarte kostet aber schon knapp 50. Bekommt man die Fahrtkosten vom Arbeitgeber oder wie läuft das, ich hab den Sachbearbeiter danach gefragt, aber der hat keine klare Auskunft gegeben wie das rechtlich aussieht ( nebenbei gesagt, der Mann hatte von der ganzen Materie dort in dem Amt noch weniger Ahnung als ich, ich finde es das absolut letzte daß man als Reha-Fall und chronisch krank von einem absolut unqualifizierten Sachbearbeiter betreut wird!)

Für jedliche fundierte Meinungen wäre ich dankbar,

Petra
münchnerkindl ist offline  
Alt 25.02.2007, 01:24   #2
Kaleika
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Hallo Münchnerkindl,
Folgendes habe ich von unserer Montagsdemoseite kopiert
www.bremer-montagsdemo.de
Ein-Euro-Jobs

Durch Eigeninitiative der Ein-Euro-Mitarbeiter kann aus der Beschäftigungsmöglichkeit ein reguläres und unbefristetes Arbeitsverhältnis werden: Immer wenn die Arbeit nicht zusätzlich ist, kann ein normales Arbeitsverhältnis entstanden sein, es muss nur noch eingefordert werden! Die Besonderheiten müssen wir persönlich besprechen. Außerdem lässt sich das Hauptziel dieser Maßnahmen, ein strukturierter Tag, mit Freunden viel besser erreichen!

500 Ein-Euro-Jobs für junge Bremer hat die Bagis bereitgestellt. Zur Zielgruppe gehören 6.200 Bremer und Bremerhavener unter 25 Jahren, davon 4.500 Langzeitarbeitslose. Warum eigentlich sind so viele junge Menschen ohne Arbeit? Bereits vor Hartz IV hatte das Arbeitsamt einen besonderen Vermittlungsauftrag für sie. Hat also die Behörde versagt, oder besteht tatsächlich auch bei intensiver Stellensuche in Bremen nur wenig Aussicht auf Erfolg, insbesondere bei Blindbewerbungen?

Über www.BremerArbeit.de oder www.Lernportal.Bremen.de kann jeder das Ein-Euro-Angebot bei „INA online“ erreichen, sich eine Maßnahme aussuchen und seinen Fallmanager darauf ansprechen. Viele Angebote klingen sehr interessant. Leider gibt es dabei nahtlose Übergänge von bisher bestehenden Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen.

Wenn diese Arbeit nicht freiwillig angenommen wird, legt Widerspruch ein, aber tretet den Job an, denn die Leistungen können gekürzt oder vollständig gestrichen werden. Ein Eilverfahren mag geboten sein!

Führt immer ein detailliertes Tagebuch und vergleicht die Woche mit dem Inhalt der Ausschreibung, denn oft ist in Wirklichkeit reguläre Arbeit auszuüben. Und immer, wenn der schmale Pfad der Sonderregelung des Ein-Euro-Jobs verlassen, also ganz normale Arbeit geleistet wird, ist die Tätigkeit nach den Regeln des Arbeitsrechts zu beurteilen! Die künftigen Ein-Euro-Jobber sollten sich also nicht unterkriegen lassen, sondern geduldig den Nachweis vorbereiten, dass ihre Arbeit mehr wert ist!

Die Hamburger Arge vergibt Ein-Euro-Jobs per Brief, ohne Vorabgespräch. Damit wird der rechtlich vorgeschriebene Weg verlassen, denn diese Jobs sollen nachrangige Maßnahmen sein, also das letzte Mittel. Der Pressesprecher sagt zu dieser Rechtsmissachtung, wer nicht einverstanden sei, könne ja klagen! Es wird nicht einmal der Versuch gemacht, die Praxis den gesetzlichen Regelungen anzupassen.

Wer gegen die Zuweisung klagt, muss trotzdem den Job antreten, um nicht eine sofortige Mittelkürzung von 30 Prozent zu riskieren. Wer unter 25 Jahre alt ist, kann sogar überhaupt keinen Regelsatz mehr erhalten und nur auf Anforderung Lebensmittelgutscheine. Der stellvertretende Leiter der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt, hat in Bremen gesagt, niemand unter 25 Jahren solle von seiner Behörde Geld bekommen ohne Gegenleistung. Ist das ein Versprechen oder eine Drohung?

Herr Alt hat die Bagis für ihre gute Arbeit gelobt, die gemäß Herrn Schneider 800 von 3.000 Arbeitssuchende unter 25 Jahren „aktiv in Marsch gesetzt“ habe. Weitere Maßnahmen sind geplant. Bundesweit sollen dafür 7 Milliarden Euro ausgegeben werden, fast das Doppelte des Bremer Haushalts. Weitere 2.700 Arbeitssuchende unter 25 Jahren werden in Bremen von der Bundesagentur für Arbeit betreut.

Ein-Euro-Jobs, Zusatzjobs oder Arbeitsgelegenheiten sind verschiedene Worte für eine Maßnahme. Aber gibt es überhaupt einen Euro pro Stunde? Nicht bezahlt werden Qualifizierung oder Krankheit. Gut bezahlt wird der Träger, sprich Arbeitgeber: Er erhält mehr als einen Euro für jeden Ein-Euro-Jobber. Die Presse schreibt von bis zu 1.000 Euro je Mitarbeiter. Wenn man berücksichtigt, dass dieser auch noch etwas leistet, ist das ein gutes Geschäft für den Träger: Der neue Mitarbeiter bringt Geld mit!

Die Bagis hat gar keine andere Chance, vordergründig die Zahl der Arbeitssuchenden zu verringern, und bei den Trägern schwindet die Hemmschwelle: Es ist ja bisher alles gut gelaufen. Wer eine Ein-Euro-Arbeitsgelegenheit annimmt, hat seine Gründe dafür. Er hat den Anspruch darauf, wie alle anderen Mitarbeiter behandelt zu werden, oft auch darauf, wie diese bezahlt zu werden und in dem Betrieb zu bleiben, also alles, was ein Arbeitsverhältnis auszeichnet. Dies ist immer der Fall, wenn die Arbeit nicht zusätzlich ist.

Der Ein-Euro-Mitarbeiter hat sicher kein Interesse an der Vernichtung von Arbeitsplätzen, selbst wenn er sich den Ein-Euro-Job selbst gesucht hat, durch den Druck der Verhältnisse, oft mit der Drohung der Bagis im Rücken: Eingliederungsvereinbarung und los! Wie kann der Arbeitssuchende sich wehren? Eigentlich gar nicht. Die Eingliederungsvereinbarung kann unter Vorbehalt unterschrieben werden, eine Verweigerung führt zur Leistungskürzung. Also erst machen, dann Klage erheben und Eilbedürftigkeit geltend machen, aber bis zur Entscheidung den Ein-Euro-Job antreten.

Dieses Thema ist sehr differenziert zu sehen, daher lasst uns darüber persönlich sprechen. Die beste Lösung wäre die Abschaffung dieser Ein-Euro-Arbeitsgelegenheiten. Eine indirekte Abschaffung wäre die Risikoerhöhung für den Arbeitgeber; dazu müssen Ein-Euro-Mitarbeiter ein normales Arbeitsverhältnis geltend machen, mit Vorbereitung und Hilfestellung durch uns.

Eine indirekte Abschaffung wäre auch eine vermehrte gerichtliche Über*prüfung der Eingliederungsvereinbarungen und der zugewiesenen Ein-Euro-Jobs, mit entsprechender Vorbereitung und Hilfestellung durch uns. Dabei wäre auch zu klären, warum nicht die Qualifizierung durch ABM oder durch Ein-Euro-Arbeitsgelegenheiten mit normalem sozialversicherungspflichtigem Lohn oder Gehalt möglich ist.

In diesen Fällen wäre es ein normales sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis, und der Arbeitssuchende würde den direkten Erfolg seiner Arbeit ernten. All diese Maßnahmen sind im Gesetz vorgesehen, sie werden sogar als vordringlich genannt. Die Ein-Euro-Arbeitsgelegenheiten sollen nur die letzte Möglichkeit sein und nicht wie jetzt der Regelfall. Dies ist aber nur mit der Unterstützung des Gerichts zu ändern.

Ein normaler Ausstieg aus dem Ein-Euro-Job, weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen, schadet dem System nicht. Man muss sich das einmal vorstellen: Ein Arbeitgeber verdient mit den Ein-Euro-Mitarbeitern doppelt. Er verdient auch noch Geld, wenn die Leute bloß rumstehen, und die Bundesagentur für Arbeit ist auch zufrieden: Wieder einen Kopf aus der Statistik entfernt! –

Das Sozialgericht Gelsenkirchen (S11 AS 7/05 ER) befasste sich mit einem ALG-II-Empfänger, der einen Ein-Euro-Job nicht weiter ausgeführt hatte und vom Amt mit Sanktionen belegt wurde. Die vorgenommene Rechtsbelehrung des Amtes wurde vom Gericht für nicht ausreichend erklärt, daher sind die Sanktionen unwirksam. Obwohl auf die Leistungseinstellung für dieses Verhalten hingewiesen wurde, erhält er weiterhin sein Geld. Auf die anderen Probleme des Ein-Euro-Jobs wurde hier nicht eingegangen. –

Lange gewartet habe ich auf die ersten Klagen von Ein-Euro-Mitarbeitern. Sie sind anhängig vor dem Arbeitsgericht in Weiden (Quelle: „Tacheles“). Beim Gütetermin hat der Anbieter des Ein-Euro-Jobs beantragt, das Arbeitsgericht für unzuständig zu erklären und diese Klage am Sozial- oder Verwaltungsgericht verhandeln zu lassen. Dies wurde abgelehnt. Mitte Juli kommt es zur Verhandlung.

Der Ein-Euro-Mitarbeiter, 52 Jahre jung, ist von Beruf Kraftfahrer. Er hat für den Malteser Hilfsdienst Behinderte in Weiden transportiert. Hierfür gab es seit Jahren Tourenpläne. Diese Faktoren reichen: Es war reguläre Arbeit! Zusätzlich war in diesem Fall noch nachzuweisen, dass das Malteser Hilfswerk für diese Fahrten ein Entgelt von den Sozialversicherungen erhält.

Leider hat der Kläger die Arbeit aufgegeben, somit wird diese Verhandlung vor dem Arbeitsgericht nur einen allerdings wesentlichen Teilbereich des Themas klären, es sei denn, der Anwalt greift das Mobbing nach der Klageerhebung ebenfalls auf; in diesem Fall ist sicherlich vom Fortbestand des Arbeitsverhältnisses auszugehen. Leider wird nur der Lohnanspruch von 1.153,20 Euro gemeldet, die Möglichkeiten bleiben also unausgeschöpft.

In Weiden gibt es inzwischen drei Feststellungsklagen, ob es sich um Ein-Euro-Jobs oder Arbeitsverhältnisse handelt. Betreut werden diese Kläger vom Verdi-Arbeitskreis Erwerbslose. Fazit dieser Angelegenheit: Es geht! Gesucht werden Betroffene, die Klage erheben wollen. –

Noch ein weiteres Beispiel für Arbeitsplatzvernichtung durch Ein-Euro-Jobs in Weiden, diesmal bei der Diakonie, die einen Werkhof als Beschäftigungsprojekt betreibt. Sie hat Ein-Euro-Mitarbeiter an die Postbaugesellschaft geschickt; diese haben Fußböden herausgerissen. Die Postbaugesellschaft hat für diesen Einsatz acht Euro pro Stunde bezahlt. Das ist reguläre Arbeit für wenig Geld: Wo ist es möglich, Handwerksleistungen für acht Euro die Stunde zu erhalten, ohne weitere Nebenkosten?

Das Geld, die acht Euro, haben nicht die Ein-Euro-Mitarbeiter erhalten, sondern die Diakonie, die von der Behörde zusätzlich noch eine Verwaltungspauschale für jeden Mitarbeiter erhält, zusätzlich zu dem tatsächlich ausgezahlten Ein-Euro-Stundenlohn. Auch dies reicht für die Feststellung eines regulären Arbeitsverhältnisses aus! –

Dreimal ist Bremer Recht, auch in Weiden: Ausgerechnet die Beratungsstelle für Beschäftigungsinitiativen hat Ein-Euro-Mitarbeiter an ein Altenheim ausgeliehen. Dort haben diese Frauen normale Tätigkeiten ausgeführt. Man hat sie „gebeten“ zu bescheinigen, dass nur zusätzliche Arbeiten ausgeführt würden; als Druckmittel wurde der Verlust der Arbeitsgelegenheit und die Kürzungsmöglichkeiten beim ALG II benutzt.

Die Frauen haben unterschrieben. Sie konnten es auch beruhigt tun, denn diese Unterschriften sind nicht das Papier wert, auf dem sie stehen. Falls diese Frauen sich wehren wollen: Es geht, per Feststellungsklage vor dem Arbeitsgericht!

Im Bericht fällt ein Satz, den ich nicht so stehen lassen kann: Ein-Euro-Mitarbeiter könnten sich meistens nicht wehren. Dieser Satz ist nicht richtig! Jeder kann sich wehren, er muss es nur selber tun. Er kann sich vorher beraten lassen und Verbündete suchen: Personalrat, Arbeitskollegen, Partner, Freunde und ebenfalls Betroffene. Er kann für das Verfahren Vollmacht erteilen, aber die Entscheidung muss er selber treffen und die außergerichtliche Vorarbeit zur Beweisführung leisten. Ein solches Verfahren belastet, aber es befreit auch. Ein solcher Schritt ist notwendig zur Abschaffung der Ein-Euro-Jobs!

Zu den Ein-Euro- Arbeitsgelegenheiten gibt es weitere Gerichtsentscheidungen (Quelle: Tacheles). Das Sozialgericht Hamburg hat am 30. November 2005 die Zuweisung eines Langzeitarbeitslosen in einen Ein-Euro-Job ohne individuell passendes Eingliederungskonzept behandelt. Der Betroffene hat gegen die ARGE geklagt. Er ist Diplom-Sozialökonom und sollte zur beruflichen Erwachsenenbildung beitragen. Die 53. Kammer hat kein Urteil gefällt, weil die ARGE die Zuweisung in den Ein-Euro-Job zurückgezogen hat. Der Betroffenen hat dem zugestimmt, somit war die Sache erledigt. –

Es gibt Missbrauch von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen: Das Sozialgericht Magdeburg hob am 29. November 2005 die Zuweisung einer Arbeitsgelegenheit auf (AZ S22 AS 635/05). Die Betroffene sollte mit 21 weiteren die Bibliotheken an drei Magdeburger Schulen aufbauen und verbessern. Diese Tätigkeit war auf neun Monate befristet. Die Schulen hatten aber keine Bibliotheken, die diesen Arbeitseinsatz rechtfertigen. Die Unterbeschäftigung wäre voraussehbar. Die Kosten betragen circa 1.698 Euro monatlich, nur um eine Anwesenheit festzustellen. Bei 22 Betroffenen hätte der Steuerzahler in neun Monaten 336.020 Euro zu tragen! Das Gericht erklärte die ABM für unrechtmäßig und hob die Leistungssperre gegenüber der Betroffenen auf. –

Im Kommentar von B. Albrecht sind noch weitere Beispiele für die Vernichtung von Steuergeldern aufgeführt. 38 Millionen Euro stehen allein für Magdeburg zur Verbrennung an: Steuergeld! Diese Gegenwehr zur Arbeitsbeschaffungsmaßnahme beziehungsweise Ein-Euro-Arbeitsgelegenheit war erfolgreich: Die Tätigkeit musste nicht ausgeführt werden. Wer eine Arbeitsgelegenheit hat, die er gerne ausführt, kann sich mit einer Feststellungsklage vor dem Arbeitsgericht einklagen oder auch nur den Tariflohn für die Arbeitsgelegenheit einfordern. Bereits nach diesem Gesichtspunkt kann frau/man sich den Job aussuchen!

Die ARGE Magdeburg hat eine Betroffene für 3,47 Euro brutto als Verkäuferin vermittelt, auf dem ersten Arbeitsmarkt. Eine Verkäuferin verdient in Magdeburg gemäß Gewerkschaft 8,69 Euro, somit liegt das Lohnangebot um 60 Prozent unter dem ortsüblichen Stundenlohn. Eine neue Variante! Die Gegenwehr ist klar: Wenn diese Arbeit sonst in Ordnung ist, vor dem Arbeitsgericht den ortsüblichen Lohn einklagen und am Arbeitsplatz festhalten und zwischenzeitlich den Antrag auf ergänzendes ALG II stellen oder Wohngeld, Kinderzuschlag und so weiter beantragen oder prüfen. Ansonsten gegenüber der ARGE die Sittenwidrigkeit geltend machen und die Arbeit ablehnen. Dies ist aber die schlechtere Lösung! –

Ein Ein-Euro-Mitarbeiter, der Unstimmigkeiten mit seinem Auftraggeber hat, kann das Arbeitsgericht zu Hilfe rufen (Arbeitsgericht Berlin, 75 Ca 10146/05, Quelle: Tacheles). Grundsätzlich kann dabei auch die Frage geklärt werden, ob alle Rahmenbedingungen für eine Ein-Euro-Tätigkeit erfüllt wurden, oder ob es sich doch um ein reguläres Arbeitsverhältnis handelt. Auch das Arbeitsgericht in Bremen ist da überzeugungsfähig! –

Die Ein-Euro-Arbeitsgelegenheit ist ein Arbeitsverhältnis, meint „Quer“ (März 2006, Seite 34). Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf (AZ 9 Sa 1843/04) hatte am 25. Februar 2005 über eine Tätigkeit nach BSHG zu entscheiden, vergleichbar mit dem SGB II, denn auch dort ist die Zusätzlichkeit Voraussetzung. Dem Kläger wurde Tarifgehalt für die Zeit der Tätigkeit zugesprochen! Mehr hatte er nicht eingeklagt.

Die Tätigkeit, eine Beratung von Arbeitslosen in einem kirchlichem Verein, wurde als nicht zusätzlich bewertet: Eine Ermunterung für alle Ein-Euro-Mitarbeiter, sich den üblichen Lohn zu erstreiten, auch im nachhinein, wenn die Tätigkeit beendet wurde, oder erweitert, um bei Fortsetzung der Tätigkeit und bis zu sechs Monaten rückwirkend auch die übliche Bezahlung einzufordern. Eine Feststellungsklage beim Arbeitsgericht reicht zur Fristwahrung!

Die Schlussfolgerung von „Quer“ hinsichtlich der detaillierten Aufzeichnungen ist abschreckend, doch es geht auch ohne diese so genauen Aufzeichnungen: Das Gedächtnis reicht. Beweispflichtig ist der Arbeitgeber! –

In der Eingliederungsvereinbarung soll gemäß „Fortentwicklungsgesetz“ jetzt auch festgelegt werden, welche Leistungsansprüche gegenüber anderen Trägern der Betroffene zu beantragen hat. Bei einem Neuantrag soll ein sofortiges Angebot für die Eingliederung in Arbeit angeboten werden. „Neuantrag“ bedeutet: Wer in den letzten zwei Jahren weder ALG I noch ALG II erhalten hat. Erlaubt ist fast alles, auch die freie Wirtschaft kann absahnen.

Die Bagis muss alles zahlen, sogar die Einrichtung des Arbeitsplatzes! Aber wer eine solche Erprobung in der freien Wirtschaft erhält, die über wenige Wochen Praktikum hinausgeht, kann sich einklagen wie bei einem Ein-Euro-Arbeitsverhältnis. Es stehen großzügige Handlungsmöglichkeiten und viel Geld hinter dieser Regelung, nur leider nicht für den Betroffenen: Dieser soll beweisen, dass er arbeiten kann und will!

Eingliederung bedeutet auch tatsächliche Arbeitsaufnahme mit Unterstützung der Bagis. Damit das nicht zuviel wird, hat man § 16 geändert: Die Leistungen zur Eingliederung dürfen nicht aufgestockt werden! Das Wort „dazu“ wird ersetzt durch „zu den weiteren Leistungen“; diese Änderung soll wohl die restriktive Handhabe bei Schuldner- oder Suchtberatung begründen. Diese Unterstützungen erhält von der Bagis nur, wer einen Arbeitsplatz in Aussicht hat. Als würde nicht bereits die Stellensuche durch diese Probleme unmöglich gemacht! Die Bagis glaubt wohl selber nicht an vorhandene Arbeitsplätze und will sparen.

Maßnahmen zur Eingliederung wurden bei Entfallen der Hilfebedürftigkeit nur weiterbezahlt, wenn bisher zwei Drittel der Maßnahme durchgeführt wurden. Jetzt wird weitergezahlt, wenn dies „wirtschaftlich“ ist! Dies lässt sich auch auf andere Regelungen übertragen. –

Für Ein-Euro-Mitarbeiter gelten nach wie vor die Regelungen des Bundesurlaubsgesetzes, aber nicht mehr die Regelungen über das Urlaubsgeld. Das heißt im Umkehrschluss: Bisher haben alle Ein-Euro-Mitarbeiter einen Anspruch auf das zusätzliche Urlaubsgeld! Die gesetzliche Ausschlussfrist beträgt zwei Jahre zum Jahresende, weil kein Tarifvertrag zur Anwendung kam. Grundlage für die Berechnung des Urlaubsentgeltes ist trotzdem der Tarifvertrag beziehungsweise der ortsübliche Lohn. Dabei kann auch gleich der vollständige Arbeitslohn eingeklagt werden, allerdings nur innerhalb von sechs Monaten nach Ende des Ein-Euro-Jobs. Zuständig ist das Arbeitsgericht. Wichtig ist die Klage, bei der Ermittlung der Höhe hilft das Gericht.
Gruß von Kaleika
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