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Alt 01.06.2008, 12:09   #1
Emily
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Armut, Alleinerziehen und die Tabus Selektion und Stigmatisierung

Alarmierender Unicef-Bericht: Arme Kinder werden ausgegrenzt, vernachlässigt, ignoriert - Panorama - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten

Zitat:
ALARMIERENDER UNICEF-BERICHT

Arme Kinder werden ausgegrenzt, vernachlässigt, ignoriert

Von Barbara Hans
Schlechte Chancen für Kinder von Alleinerziehenden, Ausländern, Hartz-IV-Empfängern: Der neue Unicef-Report prangert Deutschlands Umgang mit dem Nachwuchs an. Während Kinder reicher Eltern gepäppelt werden, weichen Politik und Staat den Problemen mit jenen aus, die es schwerer haben.
Da heisst es u.a.
Zitat:
Bildung - nicht für alle
Der Bericht bezieht sich auf die Ergebnisse der Pisa-Studie, betont aber die Bedeutung außerschulischer Faktoren für das Abschneiden der Mädchen und Jungen. Kinder aus bildungsfernen Haushalten haben es schwerer als Kinder aus Akademikerfamilien, ausländische Kinder haben es schwerer als deutsche und Jungen schwerer als Mädchen.
Zitat:
Förderung schon in der Vorschule nötig
Lehmanns Fazit: Durch eine Überwindung der Schulstruktur ließen sich diese Probleme nicht lösen. Vielmehr müsse man die Qualität der Förderung einzelner Schüler verbessern, die Klassengrößen verringern, ihre Zusammensetzung und die Zusammenarbeit von Kindergärten und Schulen mit den Eltern verbessern.
Die Förderung muss dem Bericht zufolge im Vorschulalter beginnen. Schon bei den Kleinsten zeigt sich die Kluft, die im Laufe des Lebens kaum überbrückt werden kann: "Insbesondere bei jüngeren Kindern beeinflusst die Herkunft die Nutzung von Betreuungsangeboten. Jüngere Kinder aus einkommensschwächeren Familien und Kinder, deren Mütter einen geringeren Bildungsabschluss haben, nutzen mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit Kindertageseinrichtungen als weniger benachteiligte Altersgenossen", heißt es. Dabei profitierten gerade diese Kinder von einer frühen Betreuung.
Was hier wieder ganz ausser acht gelassen wird, weil niemand darüber sprechen mag: In der Tat werden Kinder von "stigmatisierten" sozialen Gruppen besonderem Druck ausgesetzt durch ein System, welches sie zuverlässig aussortiert. Eine Untersuchung dieser auslesenden Mechanismen, welche nämlich ganz und gar nicht das Kind in seiner Entwicklung betrachten sondern deren Fokus darauf liegt, "alles was anders ist" nach unten zu selektieren, wird immer noch nicht ausreichend wahrgenommen und benannt. Intelligenz, Bildung im Elternhaus, stabile ethische Werte als Grundlagen werden schlicht ausgeblendet, wenn es darum geht zu beweisen was man beweisen möchte.


Dazu ein Bericht, der mir zwar selbst bei manchen Zahlen den Kopf verwirrt, aber einige relevante Fakten zusammenfasst:
http://ec.europa.eu/employment_socia...ar07002_de.pdf
Zitat:
Der EU Sozialschutz und soziale
Eingliederung Prozess
Armut und soziale Ausgrenzung
von alleinerziehenden Eltern
Zitat:
Die Bedeutung dieses Themas hat zur Vergabe einer Studie über die Armut und die soziale Ausgrenzung alleinerziehender
Eltern geführt. Ziel der Studie war:
• die Analyse der Gründe, warum die Armutsrisiken in Haushalten von Alleinerziehenden größer sind;
• die Analyse der Hindernisse, die sie beim Zugang zu Beschäftigung und anderen Maßnahmen der sozialen
Eingliederung überwinden müssen;
• die Untersuchung, wie die Mitgliedstaaten versucht haben, das Problem anzugehen, insbesondere indem sie
alleinerziehende Eltern aus der Abhängigkeit von Sozialhilfe herausgenommen und ihnen Arbeitsmöglichkeiten
angeboten haben;
• die Untersuchung, wie die Mitgliedstaaten versucht haben, die bestmöglichen Praktiken von den Maßnahmen,
die untersucht wurden, zu identifizieren und zu verbreiten.
Zitat:
Fast überall befinden sich alleinerziehende Mütter in der ungünstigsten Situation. Eine Ausnahme bilden die Niederlande (5), wo es eine große Gruppe reifer unverheirateter Mütter gibt, die sich bewusst für die
Alleinerziehung entschieden haben.
Zitat:
Nationale Fürsorgesysteme sind zurzeit mit ganz anderen
Anforderungen als in den vergangenen Jahrzehnten
konfrontiert. Früher waren nahezu alle Mitglieder der
Gesellschaft gegen die „alten sozialen Risiken“ wie
Arbeitslosigkeit, Krankheit, Behinderung und altersbedingte
Abhängigkeit abgesichert, weil die Kriterien für
Sozialversicherungsansprüche mit der vorherrschenden
Familienstruktur übereinstimmten. Bei den
„neuen sozialen Risiken“ hingegen wie Niedriglohnjobs
und schlechte Jobs, Alleinverdienerhaushalte, Langzeitarbeitslosigkeit
von gering qualifizierten Arbeitskräften,
Schwierigkeiten von Frauen und jungen Menschen
beim Zugang zum Arbeitsmarkt und Arbeitslosigkeit,
die zunehmend mehr Erwachsene im erwerbsfähigen
Alter betrifft, werden immer mehr spezifische soziale
Gruppen in bestimmten Lebenspha sen ohne jeglichen
Schutz gelassen.
Zitat:
Ein weiteres ausschlaggebendes Element ist
das zunehmende Bewusstsein gegenüber der Tatsache,
dass jedes bei nur einem Elternteil lebende Kind mit
denselben Risiken wie ein Waisenkind konfrontiert ist,
auch wenn der andere Elternteil noch lebt. Folglich
sollte dieses Kind dieselben Ansprüche auf soziale
Unterstützung haben. Ein drittes Element bezieht sich
auf die Tatsache, dass die Folgen von Trennung, Scheidung und Verlassen nicht länger als private individuelle Risiken betrachtet, sondern aus der Privatsphäre herauslöst und dem Schutz der Gesellschaft unterstellt werden.
Zitat:
In Ländern, die
eine schwache oder gar keine Familienpolitik haben,
haben alleinerziehende Eltern zwar Zugang zu
Arbeitsplätzen; diese aber sind in erster Linie
schlecht bezahlt und unbefriedigend. Das Problem
besteht also darin, den Zugang zu Arbeitsplätzen zu
fördern, die eine bessere Vereinbarkeit von Arbeits- und
Familienleben und bessere Lebensqualität für die
Kinder ermöglichen.
Was meines Erachtens allzu gerne übersehen wird ist die Tatsache, dass ein Land wie D gar kein weitergehendes Interesse daran hat, die Tatsache des Alleinerziehens überhaupt nur anzuerkennen - am Liebsten hätten sie es gerne wie es bei Mami und Papi damals war, die Mutti mit dem nagelneuen Staubsauger zuhause, der Papi im Büro oder wo auch immer. D.h. meines Erachtens ist die Tatsache der sich wandelnden Familien- und Gesellschaftsstrukturen noch nicht "bei der Masse angekommen", und daher werden sie von dieser auch mit allen Mitteln bekämpft. Es ist nicht nur so, dass den Kindern "Armer" und Alleinerziehender die vielzitierten Bücher zuhause fehlen - es ist vielmehr so, dass diese von einer Mehrheit der Gesellschaft nicht gewollt sind, bedeuten sie doch die Manifestation von veränderung, und Veränderung birgt immer Risiken.

Also werden sie selektiert, ausgesiebt, ausgefiltert. Ein Mechanismus, über den nur hinter vorgehaltener Hand, in einem Zwischengespräch einigermaßen bewusster Eltern am Spielplatz, gesprochen wird. Betroffene sind auch viel zu eingespannt, als dass sie sich Lobby verschaffen könnten. Täglich mit dem Überleben, seelisch und existenziell, der Kinder.

Stellt sich die Frage: Soll das so sein? Ist das vielleicht auch so, voll beabsichtigt? Sollen wir wieder einmal "nicht merken", wie eine Schweizer Psychologin es nennt?

Diesem füge ich die Entwicklung einer Schullaufbahn der ersten und zweiten Klasse Grundschule hinzu, und zwar nur in Auszügen, das gesamte Protokoll umfasst 5 Seiten welche sehr schön präsentieren, wie generalstabsmäßig vorgegangen wird:
Zitat:
·Ca. Mitte der ersten Klasse wird die Mutter von der Lehrkraft angerufen und panikartig danach befragt, ob das Kind Computerspiele spielte, da es solches geäußert hatte (vermutlich um vor den Konsolenbesitzern unter den Kindern nicht schlechter dazustehen, da es so etwas nicht besitzt). Die Mutter versucht darzulegen, dass sie Umgang mit PC schon aus ihrem Berufsfeld heraus als selbstverständlich erachte, die Kinder ebenfalls selbstverständlich lernten mit dem Computer umzugehen, jedoch dass die Benutzung von PCs an sich nicht gefährlich sei sondern es auf die Programme ankomme (die Kinder spielen ausschl. Lern-Computerspiele), dies gelingt ihr jedoch offensichtlich nicht
in einer Konfliktsituation Ende der ersten Klasse wird dem Kind untersagt, seine Sicht des Hergangs zu schildern, indem es seitens der Lehrerin separiert und bei Hervorbringen seiner Sicht mit den Worten „Lüg nicht“ psychisch bearbeitet wird bis es nicht mehr wagt, den Hergang aus seiner Sicht zu schildern. Bei dem anschließenden Gespräch vor der Rektorin und des Kindes weiteren Versuchen, seine Seite dann vor der Rektorin darzulegen, hatte die Lehrerin bereits darauf geachtet vorab ihre Version angebracht zu haben, und die Worte des betroffenen Kindes wurden mit scharf hevorgebrachten Sätzen „Lüg nicht“ und „Lüg ja nicht“ von der Lehrkraft unterdrückt. Die Rektorin liess sich ohne weiteres Hinterfragen so dazu hinreissen, dem Kind „Sag mal spinnst du!?“ entgegenzuschleudern, ohne dass das Kind bis dahin fertigsprechen durfte
·in Gesprächsversuchen mit der Lehrkraft seit der ersten Klasse, lehnt diese objektive Betrachtungsversuche durchwegs ab und versucht, die Mutter als Bestraferin des Kindes - ohne das Kind selbst nach seiner Sicht des Sachverhaltes fragen zu dürfen - zu Hause einzuspannen, was diese wiederum ablehnte. Nach Willen der Lehrkraft solle die Mutter dem Kind Fernsehentzug erteilen und andere Entzüge (was an sich schon witzlos ist da das Kind sowieso sehr wenig fernsieht), weiterhin eine eigene Meinung des Kindes unterbinden, was entwickelten Vorstellungen von Menschenwürde widerspricht
·nach jedem der regelmäßigen Gesprächsversuche der Mutter mit der Lehrkraft wird das Kind die nachfolgenden Tage vor der Klasse (!) drangsaliert, es würde seine Mutter zuhause „ganz schön anlügen“, wodurch erkannt werden muss dass Gespräche mit der Lehrerin dem Kind nachhaltig schaden und die Mutter diese einstellen muss
·dem Kind werden verstärkt bei vermeintlichen Verfehlungen, selbst bei dem „angemessenem“ Vergessen von Heften oder Unterschriften, durchwegs Absicht und Hinterhältigkeit unterstellt
·trotz erheblicher Besserung des Kindes beim Vergessen unterbindet die Lehrerin ca. seit den Weihnachtsferien jegliche Lernzielkontrolle und damit Unterstützung seitens der Mutter, indem sie dem Kind Proben nicht nach Hause mitgibt
·seit der zweiten Klasse wird das Kind verstärkt von der Lehrkraft, insbesondere auch vor der Klasse, ohne jeglichen Hintergrund psychisch schikaniert („gell, deine Mutter hat wenig Zeit für dich“, „hat dich deine Mutter geschimpft“ wobei sie nur zufrieden ist wenn das Kind dies bejaht etc.)
·offensichtlich bessert sich die von der Lehrerin bemängelte Situation der mangelnden Unterwürfigkeit des Kindes durch alle diese „Maßnahmen“ nicht, daher werden alle Mitschüler in einem Gesprächskreis - bei dem das Kind ausgeschlossen wird, da es erst in einer anderen Klasse Schreibarbeiten fertigstellen muss und dann nicht in die eigene Klasse zurückgelassen sondern vor die Tür des Klassenzimmers gestellt wird – aufgefordert zu diskutieren, wie lange die gesamte Klasse nicht mehr mit ihm sprechen solle. Die Kinder kommen dabei übrigens auf Zeiträume zwischen 3 Tagen und zwei Wochen – man muss sich schlichtweg einmal drastisch vorstellen, zu welchen anti-sozialen Verhaltensweisen die Lehrerin die ihrer Macht ausgelieferten 7-8jährigen Kinder hier offen auffordert. Auf Ansprache dieses Vorgehens als nicht angemessen durch die Mutter bezeichnet die Lehrkraft dies als „pädagogische Maßnahme“ die sie ihr „überlassen müsse“
Und so weiter und so fort. Liegt es also wirklich daran, dass den Eltern der Kinder oder gar den Kindern Hintergrund fehlt - oder wird hier schlichtweg, vielleicht unterbewusst (vielleicht auch nicht?) aber dennoch ergebnisorientiert, selektiert?

Zur Diskussion.




LG
Emily
 
Alt 01.06.2008, 12:49   #2
Susann->Emailproblem
Emailadresse berichtigen!
 
Registriert seit: 04.01.2008
Beiträge: 392
Susann
Standard AW: Armut, Alleinerziehen und die Tabus Selektion und Stigmatisierung

Hallo Emily,

wir sollen "nicht merken", so sehe ich es. Die Selektion im Schulwesen ist abenteuerlich und brutal, wer es nicht schafft wird ausgesondert. Wenn eine alleinerziehende Mutter, wie ich, versucht ihr Kind zum Abitur zu bringen, wo auf dem Aufbaugymnasium 50 Prozent der Kids wörtlich: versagen. Also ihr Abi nicht schaffen.

Es werden nur die Kinder in den Förderunterricht aufgenommen, die ausreichende Leistungen bringen. Wer schlechter ist, darf nicht teilnehmen.

Diese Mentalität ist überall zu finden. Wer alleinerziehend ist, hat versagt, da die Beziehung nicht hielt. Wer alleinerziehend ist und nicht in Vollzeit arbeitet, ist zu faul. Wer keinen glatten Lebenslauf hat, muss ja zu unfähig sein, wer später höhere Abschlüsse nachholen möchte, wird dies unmöglich gemacht. Auf dem Job muss man froh sein, überhaupt etwas bekommen zu haben etc. So wird es vermittelt, manchmal offen ausgesprochen, meist subtil vermittelt.

Zum Thema Computerspiele: ich wurde vor zweieinhalb Jahren zur Schulleitung zitiert, weil mein Kind sog. Maps im Unterricht zeichnete. Sie gestaltete eigene Spielelevel, die sie dann zuhause in 3D umsetzte. Eine anspruchsvolle Aufgabe übrigens.

Mir wurde vorgehalten, mein Kind könne Amok laufen (sie wurde nachweislich geschlagen und gemobbt, die Lehrer sahen zu), da sie Computerspiele spielt. So wurde auf perfide und perverse Weise die Verantwortung seitens der Schule für sozialen Umgang innerhalb der Klassengemeinschaft, die nicht vorhanden war, mir zugeschoben.

Ich konnte mich dank eines guten Kinderarztes durchsetzen, die Täter, Jungs aus ihrer Klasse die sie im Unterricht prügelten (was der KL angeblich nicht sah), mit einem Schulverweis belegt.

Das ist ein weiteres Beispiel für Ausgrenzung von Alleinerziehenden.

Gruß
Susann
Susann ist offline  
Alt 01.06.2008, 13:34   #3
angel6364
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard AW: Armut, Alleinerziehen und die Tabus Selektion und Stigmatisierung

Menschen, die in unglücklichen Beziehungen leben, entwickeln Neid auf die vermeintliche Freiheit der Alleinstehenden.

Andere haben beispielsweise Angst, eine alleinerziehende Mutter könne ihnen ihren Mann "wegschnappen". Der Wunsch nach Sicherheit, die Angst vor dem Verlassenwerden wird auf die anderen projeziert [hab ich das jetzt richtig geschrieben? sieht komisch aus].

Allein die Tatsache, daß auch andere Lebensformen als die althergebrachte "normale" existieren, ruft Ängste und Ablehnung hervor. Man will die eigene Lebensform nicht hinterfragen - fände man doch möglicherweise Kehrricht, den man lieber unterm Teppich liesse...

Eltern übertragen diese Ablehnung gerne auf ihre Kinder, die dann ihrerseits die "Ein-Elter-Kinder" ablehnen. So ein Sündenbock ist doch immer hochwillkommen, lenkt er doch von eigenem Fehlverhalten ab.

Der Druck auf die Kinder Alleinerziehender, die ständige kritische Beobachtung institutioneller und gesellschaftlicher Art, wirkt sich unmittelbar auf den schulischen Erfolg aus, der ja bekanntermassen sehr wenig mit der Intelligenz zu tun hat.
Also: je höher die Schule, desto seltener sind die Kinder Alleinerziehender zu finden - und desto leichter sind sie in die Schublade "anders" zu stecken.

Mich erinnert das immer an die Gleichberechtigung der Frauen: wenn eine Frau das Gleiche erreichen will wie ein Mann, muss sie das Doppelte dafür leisten. Genauso geht es den Kindern Alleinerziehender.

Es ist mörderisch, immer aufs Neue aus diesem Teufelskreis ausbrechen zu müssen.

Viele Grüße,
angel
 
Alt 01.06.2008, 14:19   #4
Emma13
Forumnutzer/in
 
Benutzerbild von Emma13
 
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Beiträge: 1.489
Emma13 Emma13 Emma13
Standard AW: Armut, Alleinerziehen und die Tabus Selektion und Stigmatisierung

Zitat von angel6364 Beitrag anzeigen
Menschen, die in unglücklichen Beziehungen leben, entwickeln Neid auf die vermeintliche Freiheit der Alleinstehenden.

Andere haben beispielsweise Angst, eine alleinerziehende Mutter könne ihnen ihren Mann "wegschnappen". Der Wunsch nach Sicherheit, die Angst vor dem Verlassenwerden wird auf die anderen projeziert [hab ich das jetzt richtig geschrieben? sieht komisch aus].

Allein die Tatsache, daß auch andere Lebensformen als die althergebrachte "normale" existieren, ruft Ängste und Ablehnung hervor. Man will die eigene Lebensform nicht hinterfragen - fände man doch möglicherweise Kehrricht, den man lieber unterm Teppich liesse...

Eltern übertragen diese Ablehnung gerne auf ihre Kinder, die dann ihrerseits die "Ein-Elter-Kinder" ablehnen. So ein Sündenbock ist doch immer hochwillkommen, lenkt er doch von eigenem Fehlverhalten ab.

Der Druck auf die Kinder Alleinerziehender, die ständige kritische Beobachtung institutioneller und gesellschaftlicher Art, wirkt sich unmittelbar auf den schulischen Erfolg aus, der ja bekanntermassen sehr wenig mit der Intelligenz zu tun hat.
Also: je höher die Schule, desto seltener sind die Kinder Alleinerziehender zu finden - und desto leichter sind sie in die Schublade "anders" zu stecken.

Mich erinnert das immer an die Gleichberechtigung der Frauen: wenn eine Frau das Gleiche erreichen will wie ein Mann, muss sie das Doppelte dafür leisten. Genauso geht es den Kindern Alleinerziehender.

Es ist mörderisch, immer aufs Neue aus diesem Teufelskreis ausbrechen zu müssen.

Viele Grüße,
angel
Sehr gut definiert, Angel - ich kann mich noch gut erinnern, wieviel Kraft es mich gekostet hat, als Alleinerziehende diese Zeit ohne finanzielle und psychische Hilfe zu überstehen und noch den Anfeindungen dieser verlogenen Gesellschaft (und ich nenne hier besonders unsere Geschlechtsgenossinen !!) ausgesetzt zu sein und dagegen anzukämpfen.

Grüße - Emma
Emma13 ist offline  
Alt 02.06.2008, 09:46   #5
andine
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard AW: Armut, Alleinerziehen und die Tabus Selektion und Stigmatisierung

Zitat von angel6364 Beitrag anzeigen
Menschen, die in unglücklichen Beziehungen leben, entwickeln Neid auf die vermeintliche Freiheit der Alleinstehenden.

Andere haben beispielsweise Angst, eine alleinerziehende Mutter könne ihnen ihren Mann "wegschnappen". Der Wunsch nach Sicherheit, die Angst vor dem Verlassenwerden wird auf die anderen projeziert [hab ich das jetzt richtig geschrieben? sieht komisch aus].
Du hast das sehr richtig geschrieben. Allerdings möchte ich hinzufügen, dass die Alleinerziehende schon vorher diesem ausgesetzt ist und zwar, wenn sie alleinstehend und deshalb Single ist und keine Beziehung hat. Deshalb denke ich, ist das nur eine Fortsetzung und da muss ich auch mal mit uns Frauen ins Gericht gehen. Männer haben mit alleinstehenden Frauen (ob mit oder ohne Kind) kein Problem. Von ihnen wurde ich auch nie blöd angemacht. Es waren immer die Frauen selbst. Ob diese jetzt Lehrerinnen oder Spielplatzfrauen sind, völlig egal. Ich bemerke auch oft, dass diese plötzlich nicht mehr reden, wenn ihr Freund oder Mann dabei ist. Seltsam. Ich dachte immer, deutsche Frauen sind nicht unterwürfig. Scheinbar aber doch. Fehlt nur noch der Schleier ...Letztens verkündete eine Frau am Spielplatz voller Stolz. "Ich hatte immer einen Freund, zu jeder Zeit". Ich sehe, es hat sich nichts geändert. Viele Frauen definieren sich ausschließlich darüber, dass sie einen Freund oder Mann vorzuweisen haben.
Was denken die sich eigentlich? Das wir alleinstehenden und/oder alleinerziehenden Frauen scharf auf ihre "gebrauchten" Männer sind? Ich finde das einfach beschämend, dass sie etwas unterstellen, was sie vielleicht selbst tun würden.
 
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