Erwerbslosen Forum Deutschland (ELO-Forum) QR-Code des ELO-Forum
Mach mit. klick mich....
Impressum Stichwortsuche Spenden Strafanzeigen Verfahrensrecht Registrieren Hilfe Interessengemeinschaften Kalender Suchen Alle Foren als gelesen markieren

Start > > > > -> Zweiklassengesellschaft im Jobcenter


 

 

Themen-Optionen Ansicht
Alt 08.10.2009, 23:46   #26
Patrik
Gast
 
Beiträge: n/a
Du darfst nicht voten!
0
Du darfst nicht voten!

Standard AW: Zweiklassengesellschaft im Jobcenter

Zitat von VerBisUser Beitrag anzeigen
So! Butter bei die Fische!
Ich kenne einige Kollegen, die die hier geforderte sachliche Menschlichkeit (hat Mensch nicht auch mit Emotion zu tun, naja....) jeden Tag aufwenden und den Job auch tatsächlich gern machen.
Achtung und Respekt vor dem Individuum ist ein Grundrecht.
SB´s/pAp`s/FM´s, die diese Überzeugung nicht vorweisen, haben bei der ARGE oder der AfA nichts zu suchen.
Willkür ist menschenverachtend und durch nichts - NICHTS!!!!!!!!!!! - zu entschuldigen.

Der Mensch sollte individuell angenommen werden. Und das System soll sich an dem Menschen anpassen und nicht der Mensch am System.

Zu diesen menschenverachtenden Mitarbeitern die keinerlei skrupel haben: Das sind die, die sich dann auf irgendwie rauswinden mit irgendeiner lapidaren Ausrede. Und werden dann auch noch gedeckt und dürfen ihrem herrenmenschlichen Treiben weiter frönen.

Und: Ich kenne einige Sadisten bei verschiedenen ARGEN, so auch im Kollegenkreis.

Und denen gehört der Gar ausgemacht und nicht noch irgendwo anders hin versetzt werden.

Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede (auch in der Organisationsform) zwischen Großstadt und ländlichem Raum.

Organisatorisch ist bei euch überall seit Einführung der Hartz4 Gesetze der Wurm drin. Resultate kannste dir ja hier im Forum rauspieken.

Für Fragen zur Vermittlung stehe ich gerne zur Verfügung.

Vermittlung? Stellenangebote sind doch nur noch von Zaf´s vorhanden. Und die suchen nicht, sondern frischen nur ihre Bewerberpoole auf. Die Stellen die die anpreisen sind nicht existenz. es gibt keine Kunden. alles nur Lug und Trug.

Und Bildungsmassnahmen? 1 Euro Jobs? wo einem ja wieder beigebracht werden soll aufzustehen vor 12 Uhr mittags und das man an arbeit wieder "rangeführt" werden muss? Alles nur Show. Und man buttert das Geld in die Träger rein die dann die faulen Elos mal zur Arbeit peitscht.

Bei darüber hinausgehenden Fragen kann ich nur Tipps geben.



Ein Kollege aus Köln hat sich vor 14 Tagen das Leben genommen, weil durch seine (Fehl-)Entscheidung einer Elo die Existenzgrundlage genommen wurde.

Ja ist immer bedauerlich wenn es so endet. Noch ein Grund warum diese Sanktionspraxis abgeschafft werden muss.

Eine kritische Haltung, Abwägung UND Ausübung des pflichtgemäßen Ermessens erfordert eine charakterliche Eignung.

Seid kritisch, fragt nach und lasst Behördenentscheidungen durch Fachleute prüfen.
Eine für den Menschen im positiven Sinne ausgeübte Ermessungsentscheidung kann niemals verkehrt sein. Das heisst auch den unzulässigen Sanktionparagraphen auszublenden und den Menschen nicht sein Existenzminimum zu kürzen bzw. streichen.

Man kann viel Ärger, Leid, Kummer, Schmerz und Wut mit einer einzigen vorgezogenen Entscheidung ausschließen.

Und so eine Tourture mit Anwälten, Richtern, Gerichten, Arge Mitarbeitern ist nichts was seelisch gut daherkommt.
 
Alt 09.10.2009, 00:20   #27
staubzucker->Emailproblem
Emailadresse berichtigen!
 
Registriert seit: 07.10.2009
Beiträge: 14
staubzucker
Du darfst nicht voten!
0
Du darfst nicht voten!

Standard AW: Zweiklassengesellschaft im Jobcenter

Zitat von Patrik Beitrag anzeigen
Manche Arge Mitarbeiter sind noch sauer von dem zuvor und lassen den Frust beim nächsten auch noch ab.
Das machen Sie aber nur bei denen, die sich das bieten lassen.
Ich habe ein mal einen ausländischen Mitbürger erlebt, der das "Behandlungszimmer" seinen wünschen angepasst und den Ämtler ordentlich verprügelt hat. Ich bin dann nachhause und habe auf einen neuen Termin gewartet!
Mitleid hatte ich zu meinem erstaunen auch nicht!
staubzucker ist offline  
Alt 09.10.2009, 05:33   #28
DieFrettchen
Gast
 
Beiträge: n/a
Du darfst nicht voten!
0
Du darfst nicht voten!

Standard AW: Zweiklassengesellschaft im Jobcenter

hallole,

grad das stößt mir so übel auf:

lasst euch von fachleuten beraten, seid kritisch, alles klar: dasselbe wie immer.
Anwalt, EA, gericht, ich hab schon bei der arge pfänden lassen nach gerichtsbeschluss. blablabla.

vor hartz4 aufstockung war der RA noch nicht mein bester freund.......
oder hab ich alle 4 wochen einen schrieb in 7 facher ausfertigung ans gericht geschickt.......

liebe grüße von barbara
 
Alt 09.10.2009, 06:03   #29
Hilfskraft->Emailproblem
Emailadresse berichtigen!
 
Registriert seit: 23.09.2009
Beiträge: 107
Hilfskraft
Du darfst nicht voten!
0
Du darfst nicht voten!

Standard AW: Zweiklassengesellschaft im Jobcenter

Zitat von ichhabefertig Beitrag anzeigen
Wenn Du so weiter machst ist das letztendlich Dein Problem! Wir, die Du nicht kennst, machen so nicht weiter.
Ach ja, sehr interessant! Was machst Du denn ?

Hier posten ?

Ich habe hier in dieser und auch in anderen Städten, in denen ich verkehre noch nichts gesehen von "wir anderen, die Du nicht kennst, die machen was"

Vielleicht klärst Du uns mal auf, damit wir mitmachen können?
Hilfskraft ist offline  
Alt 09.10.2009, 06:15   #30
Hilfskraft->Emailproblem
Emailadresse berichtigen!
 
Registriert seit: 23.09.2009
Beiträge: 107
Hilfskraft
Du darfst nicht voten!
0
Du darfst nicht voten!

Standard AW: Zweiklassengesellschaft im Jobcenter

Zitat von VerBisUser Beitrag anzeigen
So! Butter bei die Fische!
Ich kenne einige Kollegen, die die hier geforderte sachliche Menschlichkeit (hat Mensch nicht auch mit Emotion zu tun, naja....) jeden Tag aufwenden und den Job auch tatsächlich gern machen.
Und: Ich kenne einige Sadisten bei verschiedenen ARGEN, so auch im Kollegenkreis.

Ein Kollege aus Köln hat sich vor 14 Tagen das Leben genommen, weil durch seine (Fehl-)Entscheidung einer Elo die Existenzgrundlage genommen wurde.
Der Unterschied ist der.Ich könnte dort gar nicht arbeiten, weil ich weiß, das das ganze System menschen verachtend und falsch ist.
Ich könnte auch nicht als Soldat in Afghanistan oder sonstwo arbeiten. Auch nicht als Personenschützer für Frau Merkel oder Herrn Westerwelle, weil ich der Meinung bin: Wer so mit der Menschenwürde anderer umgeht, ist zu Recht dem Risiko ausgesetzt, das Mal ein Opfer Ihrer Politik durchdreht.
Nein, würden alle rechtschaffenen die Menschenwürde achtenden Menschen eben nicht mitmachen, gebe es keine ARGEn und keine Kriege, weil niemand mitmachen würde.
Hilfskraft ist offline  
Alt 09.10.2009, 06:25   #31
Hilfskraft->Emailproblem
Emailadresse berichtigen!
 
Registriert seit: 23.09.2009
Beiträge: 107
Hilfskraft
Du darfst nicht voten!
0
Du darfst nicht voten!

Standard AW: Zweiklassengesellschaft im Jobcenter

Und die Frage ist doch: Was würden hier in Deutschland gewisse Menschen noch alles mitmachen?
Wie weit würden sie gehen, um selbst noch in Brot und Arbeit zu stehen?
Wo ist die Grenze, das ein Staatsdiener seine Dienste verweigert?
Hilfskraft ist offline  
Alt 09.10.2009, 07:14   #32
DieFrettchen
Gast
 
Beiträge: n/a
Du darfst nicht voten!
0
Du darfst nicht voten!

Standard AW: Zweiklassengesellschaft im Jobcenter

hallole,

also was soll das gejammer über die zweiklassengesellschaft jetzt? jeder der dort arbeitet hat ja seinen beitrag geleistet um diese so zu manifestieren, zeitarbeit, teilzeit, mini job, aushilfe, befristet. mit jedem bescheid einer behörde wurd es immer fester zementiert, und bingo! auf einmal ist man selbst teil davon, für meine heutige sichtweise: pech gehabt. quote erfüllt, kostest blos geld, kannst gehen. bekommst vielleicht eine maßnahme, ein eurojob, oder was im callzenter. und legst dir neue "hobbys" zu, anträge stellen, fahrtkosten geltend machen, kitaplatz..... etc.
überlegst dir wie bei der heizung zu sparen ist usw. ach aber man ist ja vom fach.

die tatsache, das ich beim termin zwar freundlich "bedient" werde, macht aber immer noch nicht die tatsache wett, das ich nach wie vor belogen werde, und weiterhin fröhlichst klagen darf.



hallo hilfskraft,

die von dir angesprochene grenze gibt es nicht. egal wo du hinschaust:
deutschland wird auf immer und ewig mit dem nationalsozialismus leben müssen, genauso wie mit der stasi.

die liste kann lang werden, mosat in israel, die hamas für palästina.
der KGB für die sowjetunion, genauso wie ihre nachfolgeorganisationen,
die securitate in rumänien etc.

alle haben mitgemacht um sich einen persönlichen vorteil zu sichern.
hinterher heißt es immer, ach das war alt so, was hätt ich denn machen können?

ein paar ausnahmen gab es immer, aber flächendeckend ist doch dasselbe gedankengut nach wie vor vorhanden.

wer dort arbeitet, über die mach ich mir keine illusionen mehr. früher vor 2005 war ich auch anders heut bin ich mißtrauisch, launisch, zynisch.

früher schrieb ich in meiner knappen freizeit gedichte und malte, oder reparierte alte motorräder. heut schreib ich widersprüche, suche gesetzestexte, lese und schreibe ELO und geh als beistand mit.

da bleibt man als mensch auch schon mal auf der strecke: no surrender.

liebe grüße von barbara
 
Alt 09.10.2009, 09:59   #33
Bestagers->Emailproblem
Emailadresse berichtigen!
 
Registriert seit: 25.08.2009
Ort: Hessen
Beiträge: 127
Bestagers
Du darfst nicht voten!
0
Du darfst nicht voten!

Standard AW: Zweiklassengesellschaft im Jobcenter

@VeriBisUser

die hier geforderte "Menschlichkeit" war nicht auf die Arge-Mitarbeiter bezogen!
Bestagers ist offline  
Alt 09.10.2009, 10:25   #34
DieFrettchen
Gast
 
Beiträge: n/a
Du darfst nicht voten!
0
Du darfst nicht voten!

Standard AW: Zweiklassengesellschaft im Jobcenter

hallole,

nochmals zur "zweiklassengesellschaft".

berufsmäßig hab ich es auch immer wieder mit der arge zu tun. in unserem klinikum sind eben auch überproportienonal deren kunden vertreten, ich ja auch immer wieder.

der arzt soll die intimsten akten rausrücken, ohne jegliche rechtliche grundlage. wir stellen die seltsamsten atteste aus, wir haben die allerblödesten rückfragen von KKs und Pks zu nichtnachvollziehbaren entscheidungen von SBs und Fallmanagern. hanebüchene gutachten zu denen ein gegengutachten erstellt werden soll von amtsärzten.

kleiner auszug: ob es dem Ast. wohl zu zumuten wäre trotz rollstuhl 4 treppenstufen zu gehen? ja gehts noch gut? das hat nchts mit amtsermittlung zu tun, aber viel mit schickane.

wenn mal wieder so ein armer kranker tropf rumdruckst: ja er bräuchte dies und das bitte bescheinigt, fragt sich inzwischen bei uns jeder arzt und jeder betreuer, ob die wohl bescheuert sind oder mit "atta" gewaschen. O. ton eines aok- mitarbeiters: Da sitzen doch die letzten kanalien, die sie nicht mehr gebraucht haben.

also der rest der republik wo noch nicht auf hartz4 niveau gesunken ist, muß auch erst mal arge tauglich geschult werden, um die komischen anfragen beantworten zu können, oder gar zu wollen, geschweige denn verstehen und auch noch bescheinigen.

soll doch mal so mancher argemitarbeiter doch auch die abwegigsten bescheinigungen, atteste oder so vom chefchen ausfüllen lassen. die schamgrenze scheint ja im falle von hilfsbedürftigen grenzenlos zu sein.

liebe grüße von barbara
 
Alt 10.10.2009, 22:04   #35
VerBisUser
Elo-User/in
 
Registriert seit: 18.09.2009
Ort: Peking
Beiträge: 227
VerBisUser
Du darfst nicht voten!
0
Du darfst nicht voten!

Standard AW: Zweiklassengesellschaft im Jobcenter

Zitat von ashna Beitrag anzeigen
Das ist im Grundsatz richtig.
Aber wie können sich die SB ereifern, das sei unfair?, wenn die Elos sogar von der Allgemeinheit stigmatisiert und als Schmarotzer betitelt werden, ebenso auch mittlerweile von den Politikern? Da gehen die SBs auch nicht her und Brüllen :"Unfair." Wo bleibt hier die Fairness? Hier sind die Pauschalurteile nicht unfair?

Geh heueln...
Und Du bestimmst also, wer die Allgemeinheit ist?
Guckst Du in Bildzeitung, da wirst Du geblödet!
Wer Bild liest,wird Dummheit als Programm wählen.
Und wer Bild als Meinungsmacher akzeptiert, hat sich auf das Bildniveau herabgegeben.

Wie wäre es mit einer differenzierten Meinungsbildung und entsprechendem Posting?


Ganz ehrlich: Solche Äußerungen werden es selbst kritischen ARGE-Mitarbeitern leichter machen, ungerecht zu werden.

Und wer erwartet, zum Opfer gemacht zu werden, wir Opfer (in der Psychologie heisst das "die sich selbst erfüllende Prophezeiung)
__

"Freiheit ist immer auch Freiheit des anders Denkenden."
Rosa Luxemburg


Wachsamkeit ist Grundlage für die Kritik der reinen Vernunft.

Verschont mich bitte vor Pauschalverurteilungen.
Alle "ARGE-Mitarbeiter" sind inkompetent und unmenschlich ist genau so falsch wie die Behauptung: Alle Elo´s sind arbeitsscheue Schmarotzer.
VerBisUser ist offline  
Alt 11.10.2009, 07:24   #36
Heinzi1
Gast
 
Beiträge: n/a
Du darfst nicht voten!
0
Du darfst nicht voten!

Standard AW: Zweiklassengesellschaft im Jobcenter

Zitat von Rapid Eye Movement Beitrag anzeigen
Klasse, dann ist Eichmann ja rehabilitiert ... war ja sein Job und so ... und Gehalt hat er bestimmt auch bekommen.

Wir sprechen hier nicht über einen Firmenvertreter, der aus Loyalität sein Produkt schönredet. Es geht um einen Behördermoloch, der unter Berufung auf perverse Gesetze Menschen schindet und in vorauseilendem Gehorsam sogar noch so einiges draufpackt. Wie sind sonst die große Anzahl der von Betroffenen gewonnenen Klagen im Dunstkreis von Hartz IV zu erklären?

Das Problem ist, dass es Leute gibt, die sich einer solchen Maschinerie gegen Entgelt zur Verfügung stellen. Wer da "aus Versehen" hineingerät, also einen argen Job annimmt, dem unterstelle ich zunächst nichts negatives. Aber wer dann von innen sieht, was diese Behörde mit Menschen macht ... und sich nicht klar distanziert, wird mitschuldig. In Frankreich haben das nicht wenige Arbeitsamtsmitarbeiter übrigens schon erkannt und sich für Menschenwürde, gegen das ihnen brötchengebende inhumane System ausgesprochen und sich verweigert.

In Sachen Zivilcourage haben wir in Deutschland noch eine Menge zu lernen. Aber vielleicht liegt sowas ja auch gar nicht in unseren germanischen Genen.
Bravo!
 
Alt 11.10.2009, 07:29   #37
Heinzi1
Gast
 
Beiträge: n/a
Du darfst nicht voten!
0
Du darfst nicht voten!

Standard AW: Zweiklassengesellschaft im Jobcenter

Zitat von Rapid Eye Movement Beitrag anzeigen
Oder etwas später, wenn es zu den absehbaren sozialen Unruhen kommt. Dann wird sicher nicht mehr akribisch differenziert werden, wer als Büttel des Systems Täter, Mitläufer oder "nur" Zuschauer war.
Ganz genau. Und wir sollten uns - für die Zeit nach Hartz IV - ihre Namen merken.
 
Alt 11.10.2009, 09:50   #38
ashna
Gast
 
Beiträge: n/a
Du darfst nicht voten!
0
Du darfst nicht voten!

Standard AW: Zweiklassengesellschaft im Jobcenter

VerbisUser, mit deinem Post #35 hast du dich für mich disqualifiziert.
Jammer weiter, du Opfer.
 
Alt 11.10.2009, 13:06   #39
gast_
Elo-User/in
 
Registriert seit: 12.10.2008
Beiträge: 22.606
gast_ Investor/ingast_ Investor/ingast_ Investor/ingast_ Investor/ingast_ Investor/ingast_ Investor/ingast_ Investor/ingast_ Investor/ingast_ Investor/ingast_ Investor/ingast_ Investor/in
Du darfst nicht voten!
0
Du darfst nicht voten!

Standard AW: Zweiklassengesellschaft im Jobcenter

Zitat von ashna Beitrag anzeigen
VerbisUser, mit deinem Post #35 hast du dich für mich disqualifiziert.
Er hat recht mit Post 35!
gast_ ist offline  
Alt 11.10.2009, 13:47   #40
Hilfskraft->Emailproblem
Emailadresse berichtigen!
 
Registriert seit: 23.09.2009
Beiträge: 107
Hilfskraft
Du darfst nicht voten!
0
Du darfst nicht voten!

Standard AW: Zweiklassengesellschaft im Jobcenter

Zitat von Heinzi1 Beitrag anzeigen
Ganz genau. Und wir sollten uns - für die Zeit nach Hartz IV - ihre Namen merken.
Da kannst du dir Ihre Namen merken, so viel Du willst.

Selbst, wenn es ein "danach" gebe (was es aber nicht geben wird) würde das nicht bedeuten, das die dann Regierenden
mit den "Straftätern" (Die sie aber nicht sind) abrechnen würden.
Das haben sie weder mit den Nazis, deren Handlangern oder deren Mitläufern gemacht, noch mit den Gleichen aus der DDR.

Wenn Du mit jemanden abrechnen willst , dann musst du es schon jetzt selber tun!
Hilfskraft ist offline  
Alt 11.10.2009, 18:41   #41
DieFrettchen
Gast
 
Beiträge: n/a
Du darfst nicht voten!
0
Du darfst nicht voten!

Standard AW: Zweiklassengesellschaft im Jobcenter

hallole,

kleiner exkurs zur denke von SBs und argemitarbeitern.

1990-1994 hat mein mann einen delikaten job erledigt. er überprüfte soldaten der ehem. NVA die eventuell zur bundeswehr übernommen weden sollten auf stasiaktivitäten. er wurde sehr oft fündig. früher konnte und durfte er nicht mit mir darüber reden, heute tut er es.

die motivation, andere aus zu spionieren, zu überwachen oder gar deren existenz zu zerstören ist oftmals dermaßen gering gewesen. "ich wollt einen wartburg, zimlich schnell." eine größere datscha für die tochter, einen reibungsloseren dienstbeförderungsweg, urlaub auf der krim und nicht in ungarn.... den konnt ich eh nicht leiden, der hat so mit seiner 3raum wohnung geprahlt....." von unrechtsbewustsein oft keine spur oder reue. es war eben so, standardspruch.

so sahen viele der geschichten aus, oftmals zogen diese art der ermittlungen auch eine konsequenz hinter sich her. z.B. der komlett verlust der pension, strafverfahren, bußgelder, natürlich wurden solche subjekte auch nicht in den bundeswehrdienst übernommen.

wir waren ja schon oft in eigener angelegenheit oder als beistand mit. mein mann sieht durchaus die parallelen zwischen "seinen stasis" und denen die uns auf der arge gegenübersitzen. er meint dann immer nur: "ich habe gelernt solche subjekte zu erkennen, und entsprechend zu begegnen" und mich hat er auch gelehrt mein gegenüber genaustens einzuschätzen, es ist durchaus hilfreich. auch im umgang mit anderen, die man nicht kennt.

hat schon was feines wenn man eine lüge nach dem zweiten satz als solche erkennt. leider stehen solche "schulungen nicht jedem zur verfügung, aber es erleichtert den umgang ab und zu ungemein, wenn man selbst einen gewissen eigenschutz gegen behördenwillkür bitter nötig hat.

liebe grüße von barbara
 
Alt 11.10.2009, 18:47   #42
Heinzi1
Gast
 
Beiträge: n/a
Du darfst nicht voten!
0
Du darfst nicht voten!

Standard AW: Zweiklassengesellschaft im Jobcenter

Zitat von DieFrettchen Beitrag anzeigen
mein mann sieht durchaus die parallelen zwischen "seinen stasis" und denen die uns auf der arge gegenübersitzen. er meint dann immer nur: "ich habe gelernt solche subjekte zu erkennen, und entsprechend zu begegnen" und mich hat er auch gelehrt mein gegenüber genaustens einzuschätzen, es ist durchaus hilfreich. auch im umgang mit anderen, die man nicht kennt.
Hallo Barbara,

ich glaube, davon könnten viele profitieren. Kann man solche Infos (ich meine, ´wie erkennt man solche Subjekte´?) nicht irgendwie so aufbereiten, dass alle, die es brauchen, was davon haben?

Solche Informationen haben doch alle Hartz-IV-Geschädigten bitter nötig.
 
Alt 11.10.2009, 19:14   #43
DieFrettchen
Gast
 
Beiträge: n/a
Du darfst nicht voten!
0
Du darfst nicht voten!

Standard AW: Zweiklassengesellschaft im Jobcenter

hallo heinz1,

eine gute idee, wir werden mal versuchen einiges zusammenzustellen, oftmals ist es aber sehr subtil weil sehr individuell, dasselbe bei frage und antwortstellungen, wie man jemand in widersprüche verwickelt. oder einen kleinen aber ungewollten hinweis entlockst.

mir persönlich gefielen immer die gespräche, die der SB abbrach und wir freundlichst weiterschwafeln wollten. ab diesem moment wußten wir immer jetzt erfolgt eine sehr subtile schriftliche reaktion, die so kopflos ist, das man damit garantiert bei RA und SG was erreichen kann. (siehe: ordnungswidrigkeitsverfahren wegen zu spät gemeldetem nebenkostenguthaben).

liebe grüße von barbara
 
Alt 11.10.2009, 20:29   #44
Mario Nette
Elo-User/in
 
Benutzerbild von Mario Nette
 
Registriert seit: 13.12.2007
Beiträge: 12.346
Mario Nette EnagagiertMario Nette EnagagiertMario Nette EnagagiertMario Nette EnagagiertMario Nette EnagagiertMario Nette EnagagiertMario Nette EnagagiertMario Nette EnagagiertMario Nette EnagagiertMario Nette EnagagiertMario Nette Enagagiert
Du darfst nicht voten!
0
Du darfst nicht voten!

Standard AW: Zweiklassengesellschaft im Jobcenter

Ein sehr einfacher Weg, um dafür einen Anfang zu finden: Höre auf deinen Bauch und schreibe es auf. Ergänze und lies es in regelmäßigen Abständen.

Mario Nette
__

Im Süden, im Osten, im Norden, im Westen, es sind überall dieselben, die uns verpesten.

Ca' canny!

Ich bin durch Kaufhof gegangen - und das war für mich wie ein Museumsbesuch. (Frank Schwalm)
Fehlende Tagesstruktur? Quatsch! Ich lebe in Gleitzeit.

Bescheiß das Elend!
Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten.
Mario Nette ist offline  
Alt 11.10.2009, 20:36   #45
VerBisUser
Elo-User/in
 
Registriert seit: 18.09.2009
Ort: Peking
Beiträge: 227
VerBisUser
Du darfst nicht voten!
0
Du darfst nicht voten!

Daumen runter AW: Zweiklassengesellschaft im Jobcenter

Nur mal so am Rande: Das SGB II mit dem braunen oder roten Terror gleich zusetzen verhöhnt die Opfer, die gequält, ausgrenzt und getötet wurden - egal ob Juden, Behinderte, Homosexuelle, politisch anders denkende, Sinti/ Roma etc.

Übrigens: Politiker kann jeder werden.
Da braucht mann/frau nicht mal ne Ausbildung.

Sorry, aber das Niveau der Auseinandersetzung dient nicht sicherlich der Verbesserung im Hartz4-Bereich.
__

"Freiheit ist immer auch Freiheit des anders Denkenden."
Rosa Luxemburg


Wachsamkeit ist Grundlage für die Kritik der reinen Vernunft.

Verschont mich bitte vor Pauschalverurteilungen.
Alle "ARGE-Mitarbeiter" sind inkompetent und unmenschlich ist genau so falsch wie die Behauptung: Alle Elo´s sind arbeitsscheue Schmarotzer.
VerBisUser ist offline  
Alt 11.10.2009, 21:55   #46
DieFrettchen
Gast
 
Beiträge: n/a
Du darfst nicht voten!
0
Du darfst nicht voten!

Standard AW: Zweiklassengesellschaft im Jobcenter

sorry VerBisUser,

so hat es 1929 auch begonnen, das ist keine verhöhnung, sondern gezielte gegenwehr, in der jeder seine möglichkeiten nutzen soll wenn er sein existenzminimum haben will.

hallole zusammen,

ich überlege mir einen kleinen leitfaden den ich dann hier einstellen werde.
irgendwie hab ich "angst" gelesen.

liebe grüße von barbara
 
Alt 11.10.2009, 22:05   #47
alvis123
Forumnutzer/in
 
Benutzerbild von alvis123
 
Registriert seit: 23.08.2009
Ort: 66424 Homburg/Saar
Beiträge: 2.009
alvis123 alvis123 alvis123 alvis123 alvis123 alvis123
Du darfst nicht voten!
0
Du darfst nicht voten!

Standard AW: Zweiklassengesellschaft im Jobcenter

Naja ...gleichsetzen wohl (noch) nicht, aber die Anfänge sind gemacht.
Wann soll sich unsereiner wehren, wenn nicht jetzt? Irgendein russischer Staatsmann hatte ja mal gesagt: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben". Netter Mann; schade dass seine Frau gestorben ist.
MfG
alvis123 ist offline  
Alt 12.10.2009, 23:55   #48
Rapid Eye Movement
Gast
 
Beiträge: n/a
Du darfst nicht voten!
0
Du darfst nicht voten!

Standard AW: Zweiklassengesellschaft im Jobcenter

Ich möchte an dieser Stelle, weil es schon wieder erschreckend gut passt, einen Artikel des von mir sehr geschätzten Roberto De Lapuente (erschienen am 4. August 09 bei ad sinistram ) einstreuen.

Es lohnt sich in Ruhe zu lesen und nachzudenken.

Zitat:
Im Glaskasten

Gelegentlich komme ich auf Adolf Eichmann zu sprechen. Nämlich meist dann, wenn es um
stupide, nur an Gesetze und Regeln angelehnte Charaktere geht, die sich ihres oft unmenschlichen
und kühlen Handelns damit zu entschuldigen versuchen, alles auf ihre Dienstvorschriften
abzuwälzen, gerade so, als hätten sie keinen eigenen Kopf, der sie des Denkens befähigt, so als
litten sie an einem sozialen Mangel, an einer Art Sozialphobie, die sie zu solch entmenschlichten
Werkzeugen werden läßt. Für diesen gewagten Vergleich wurde ich neulich gerügt. Es sei
übertrieben mit Eichmann gleichsetzen zu wollen. Ich hätte es nicht nötig, mich zu solch
drastischen Vergleichen hinreißen zu lassen. Dazu bezog ich Stellung und werde es nun mit
folgenden Zeilen erneut tun. Zu diesem Zweck werde ich Auszüge der Stellungnahme, die per
elektronischer Post abgegeben wurde, zitieren.

Wer weiß, wie es mit Eichmann seinen Anfang nahm, nämlich nicht damit, Menschen in
Bahnwaggons stecken zu lassen, sie in den Tod zu schicken, sondern sie zu schikanieren, sie
auszuweisen, zum Verlassen des Landes zu drängeln etc., der weiß also auch, wo die eichmännische
Vorstufe beginnt. Aber darum geht es mir nicht. Eichmann und Tibbets, jener unselige Pilot, der die
Atombombe auf Hiroshima abwarf und nachher sein Leben lang verkündete, dies sei richtig
gewesen, stehen für mich als Beispiele des kritiklosen Gehorsams. Wer unbedacht und im Namen
einer angeblich höheren Idee (der Nation beispielsweise) agiert, und zwar so agiert, dabei
Menschen zu Schaden zu bringen, der begibt sich auf Pfade, die jene beiden Herrn im 20.
Jahrhundert furchtlos beschritten haben. Ich habe einmal geschrieben, dass Eichmann und Tibbets
explizite Gestalten des 20. Jahrhunderts sind, denn vormals wäre ein gewissenloses Handeln wie
jenes, kaum denkbar gewesen - der Mut des Neinsagens hatte mit den großen Ideologien und
Nationalideen - oder beides zusammen - aufgehört zu existieren. Ethische Instanzen waren
abgestellt, hatten aufgehört zu wirken, weil man die einzige Moralität in der Ideologie begründet
und verankert wußte - jedenfalls glaubte man das zu wissen.

Ich ängstige mich, dass dieser Typus Mensch, der im 20. Jahrhundert seine Kontur annahm (nicht
umsonst schrieben große Visionäre des 20. Jahrhunderts ihre Dystopien - Huxley und Orwell
beispielsweise), mit ins 21. Jahrhundert rübergeschwappt ist. Wir sollten meinen, dass uns die
Geschichte solche Mahnmäler wie Eichmann und Tibbets dafür gegeben hat, um daraus zu lernen,
um von diesen Kerlen durch deren Negativbeispiel zu erfahren, was Zivilcourage eigentlich heißen
soll, wie wichtig es wäre, Nein zu sagen. Ich ahne aber, dass wir die Eichmänner erst noch erleben
werden. Lassen wir die Krise doch in unseren Gedanken einmal weiterlaufen, Kassen werden leer
sein, Sozialausgaben gekürzt. Ein Blick in die Tageszeitungen ersetzt uns Phantasterei, dort können
wir fein säuberlich, als Berichterstattung getarnt lesen, was uns blühen wird. Ich frage mich dann,
wer aus dem Heer der Büttel aufstehen, wer von denen Nein sagen wird. Sie werden ohne
Hinterfragen Hunger verordnen, Tod austeilen, Siechtum verschenken; sie werden alle ihren Dienst
tun, sie werden auf das Gesetz deuten und ihre Unschuld beteuern, werden darlegen, dass sie so
handeln mußten, werden damit ganz ähnlich wie jener, zum armseligen Hanswursten im Glaskasten.
An dieser Stelle zitiere ich gerne Thoreau, eine Passage aus seiner "Pflicht zum Ungehorsam
gegenüber dem Staat": "Das Gesetz hat die Menschen nicht um ein Jota gerechter gemacht; gerade
durch ihren Respekt vor ihm werden auch die Wohlgesinnten jeden Tag zu Handlangern des
Unrechts."

Das ist die Wurzel meines Denkens, meines Schaffens. Ich übertreibe, wenn ich es denn tue, nicht
willentlich; ich denke, dass nicht das fehlende Gesetz uns zu Bestien macht, sondern das
bestehende. In dem Kammerspiel "Ein ganz gewöhnlicher Jude", ein Monolog eines Juden, der sich
an seinem Jüdischsein abarbeitet, findet sich eine Passage, die sinngemäß so lautet: Wenn er - der
Jude - auf ein deutsches Amt geht, dem dortigen Beamten begegnet, der naturgemäß unfreundlich
ist, dann erinnert er sich an jene Zeit, in der er zwar selbst noch gar nicht gelebt habe, an die er sich
dennoch erinnern könne. Es gäbe eben Orte und Zeiten, an und in denen man nie war und trotzdem
könne man sie sofort wiedererkennen. Freilich, beschwichtigt er, es sei ungerecht, den Beamten mit
einem von damals zu vergleichen. Aber es sei eben genauso ungerecht, dass er sich an damalige
Zeiten erinnert fühle, wenn er die Amtsstube aufsuchen müsse. Was uns wiederum an Adorno
erinnern läßt, an seinem Ausspruch, dass es nach Auschwitz nicht mehr möglich wäre, Gedichte zu
schreiben, der verknappt nichts anderes sagen wollte als: nichts kann mehr so betrachtet werden wie
vorher.

Bürokratie gab es vorher, vor dem Dritten Reich auch schon, aber seit jener Zeit bedeutet sie etwas
anderes. Man ist sensibilisiert, nimmt nicht mehr alles so hin, wie man es dem Bittsteller vor die
Füße wirft. Sieht man eine Polizeistreife, die einen Passanten bittet, seine Taschen zu leeren, sich
mit gespreizten Beinen an eine Wand zu lehnen, kann man ähnliche Maßnahmen bürokratischer
Pflichtversessenheit, die damals stattfanden, gar nicht mehr ausblenden. Sie kommen einem
unwillkürlich in den Sinn. Ist das nicht ungerecht? So ungerecht, wie wenn man einem braven
Büttel heute unterstellen würde, er sei eichmännisch inspiriert? Es gibt demnach ein Leben vor
Eichmann und Tibbets, wie es eines danach gibt. Man kann sich unsere heutige Form des
Totalitarismus, der scheinbar ein freiwilliger ist, ein freiheitlicher, nicht mehr ohne Eichmann
vorstellen. Der heutige Totalitarismus ist ein Kind Eichmanns, weil das eichmännische Treiben des
freiheitlich wirkenden Totalitarismus dringend solche Bürokratie-Automaten benötigt, dringender
als eine Diktatur, die Gehorsam mit militärischer Waffengewalt erzwingt.

All diese Hintergründe, die mein Denken rege beeinflussen, müssen berücksichtigt sein, wenn ich
den Eichmann hervorhole. Denn ich könnte genauso gut den Tibbets hervorholen, nur dann würde
man wieder mit Fragen zu ringen haben, wer denn dieser Tibbets eigentlich sei. Und dann gäbe es ja
noch genug solcher Sorte, genug Eichmänner und Tibbets mit anderem Namen. Vielleicht muß ich
es anders erklären: Der Eichmann, der ab und an als Begriff in meinen Texten auftaucht, ist weniger
die historische Person, er ist vielmehr die Inkarnation des kritiklosen Beamtentums, der devoten
Buckelei vor der Macht. Mich interessiert Eichmann selbst wenig, Arendt versuchte über ihn zu
schreiben, aber er war ihr so banal, dass zur Person selbst, nur wenig Interessantes herauskam. Aber
Eichmann als Sinnbild des Paragraphenreiters, des sich in Unschuld waschenden Pflichterfüllers der
Massengesellschaft, muß erlaubt sein - so wie Machiavelli für politische Hinterlist und
Verschlagenheit oder Ludwig XIV. für Dekadenz und Prahlerei oder Wallraff für engagierten
Journalismus (im Schwedischen existiert ja sogar das Wort "wallraffa", das diesen investigativen
Recherchestil bezeichnen soll) stehen.
Arendt fand ja, dass es schockierend war, wie das Böse so banal und stupide vor sich hinbrabbelte.
Sie hatte wohl, wie viele ihrer Zeitgenossen auch, erwartet, dass da ein speicheltropfender Fiesling
säße, der sich pausenlos hämisch die Hände reiben würde, wenn er die Bilder toter Juden sähe.
Dabei war es diesem gefühlskalten Idioten einerlei, ob man ihn mit Bildern toter Menschen, mit
Kadavern und menschlicher Leidenserfahrung traktierte oder mit Fotos von Käsekuchen,
Kastanienbäumen oder Geschirrtücher. All das waren für ihn Gegenstände; Menschen wie Dinge,
alles tote Materie, die er am Schreibtisch sitzend durch Europa hetzte. Es war nur Pflicht! Derart
behandeln sehr viele Beamte und Beamtenähnliche heute auch noch ihre sogenannten Kunden. In
dieser Weise treten auch beispielsweise Bahnschaffner auf, die Kinder aus dem Zug werfen, weil
diese keine Karte gelöst hatten. Sogar die abendliche Dunkelheit konnte den Vorschriftsjünger nicht
zur Menschlichkeit drängen - wir wissen ja, Regeln und so, Vorschriften, man muß ja so handeln,
gibt keine Ausflucht, Vorschrift ist Vorschrift ist Vorschrift.

Immer wenn ich das höre, sehe ich den Glaskasten vor mir. Das geht manchmal so weit, dass ich
selbst bei Familienmitgliedern, die mit diesen flotten Sprüchen ihrer Unschuldsbeteuerung
daherkommen, das blanke Grausen kriege. Ja, da weiß ich dann, der Glaskasten kann uns alle
ereilen. Und je kälter und unmenschlicher diese Gesellschaft wird, desto eher enden wir in einem
solchen Kasten. Dann bleibt den letzten, die sich weigern mitzumarschieren nach stupiden Plan,
nach Regeln und Gesetzen, die Wahl, eine finale Wahl, die diesen Namen gar nicht verdient:
entweder Glaskasten und Einrücken ins Glied der Mitmacher und Jasager - oder Holzkasten und
Abdanken, hinunter ins kalte Grab. Das kalte Grab darf man nervösen Gewissens metaphorisch
nehmen, man muß nicht tot sein, kaltgemacht werden, um kaltgestellt zu sein. Auf irgendeine
geschickte Weise, auf demokratische Legitimität bauend, eine Demokratie eichmännischer
Reglementierter, wird man dafür sorgen, dass das Unangepaßte verschwindet. Nicht mit Gas oder
solchen Schweinereien - das geht heute kultivierter, man hat ja Zeit, man sperrt Bezüge,
verunglimpft, macht einem das Leben widerlich, animiert ihn dazu, sich ein Seil um den Hals zu
legen.

Der Faschismus neuer Prägung hat etwas, was der alte nie hatte: Massenmedien, die scheinbar
unabhängig daherkommen. Massenmedien, die nicht mehr dazu da sind, Eichmänner zu kaschieren,
sondern für sie zu berichten. Es lebe die Pressefreiheit! Bevor wir uns nochmals mißverstehen:
Faschismus! Fasces, das Bündel. Denn darauf läuft es hinaus, auf eine Bündelung jeglichen
Partikularinteresses, -meinungen, -vorhaben, um so zu tun, als gäbe es eine Gesellschaft der
Klassengegensätze nicht, als würden wir alle an einem gemeinsamen Seil ziehen, einem Ziel
entgegen. Dazu muß jeder mitziehen, jeder eigentlich Arbeitsunfähige irgendeinen Rest an
verwertbarer Arbeit tun, jeder Halbblinde auf seinen Blindenstock verzichten, jede arme Sau das
essen, was beim Reichen von der "Tafel" fällt. Und für wen das alles? Für Nation, für unsere
Kinder, für eine bessere Zukunft? Ja, sicherlich, das sagt man, manches kann zufällig sogar
zutreffen - aber "für die Dividende" wäre ehrlicher. Solange wir alle irgendwo mitziehen, gibt es
keine bessere Welt. Wie ich kürzlich ja schrieb: Die Liberalen lehren uns seit Ewigkeiten, dass
liberal zu sein bedeutet, alles so zu belassen wie es ist.

Abschließend: Ich halte es indes für gefährlich, wenn man bei Vergleichen mit der NS-Zeit glaubt,
man müsse da ganz zaghaft zu Werke gehen, um keine Gefühle zu verletzen. Eben nicht! Die
Geschichte gibt uns die Möglichkeit, dieses Extrem heranzuziehen, um die Gegenwart vor einem
Abgleiten in neue Barbareien zu bewahren, wenigstens um sie davor zu warnen. Darüber schrieb
ich auch vor einigen Monaten, wenn ich mich recht entsinne. Es ist nicht unsachlich, den Zeitgeist
bei den Hörnern zu packen, um seine Schnauze ins Geschichtsbuch zu drücken. Es ist notwendig
und sinnvoll. Möge sich ein Soldat, dem ich eichmännische Pflichtversessenheit unterstelle,
verunglimpft fühlen, dann sei das gut so. Dies soll ihn zum Nachdenken anregen, denn drastische
Worte betätigen drastische Denkvorgänge. Ob es zu kühn ist, dort Denkvorgänge zu erhoffen,
möchte ich nicht bewerten. Wer aus Geldgründen in Kriegsgebiet ausschwärmt, wer zu seinem
finanziellen Vorteil Menschen abknallt, bei dem dürfte jede philosophische Schule chancenlos sein.
Was nicht heißt, wie ich kürzlich auch erfahren durfte, als mich ein Soldat anschrieb, dass jeder
Soldat zum Strohkopf verdammt ist.
(Danke an Roberto für die Erlaubnis, den Artikel im Volltext zu posten!)
 
Alt 22.01.2010, 23:16   #49
2Sam->Emailproblem
Emailadresse berichtigen!
 
Registriert seit: 10.09.2009
Beiträge: 232
2Sam 2Sam
Du darfst nicht voten!
0
Du darfst nicht voten!

Standard AW: Zweiklassengesellschaft im Jobcenter

Zitat von VerBisUser Beitrag anzeigen
Nur mal so am Rande: Das SGB II mit dem braunen oder roten Terror gleich zusetzen verhöhnt die Opfer, die gequält, ausgrenzt und getötet wurden - egal ob Juden, Behinderte, Homosexuelle, politisch anders denkende, Sinti/ Roma etc.
Erklär mir den Unterschied.
2Sam ist offline  
 

Stichwortsuche
jobcenter, zweiklassengesellschaft

Themen-Optionen
Ansicht


Ähnliche Themen

Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Weg vom Jobcenter sevi U 25 7 27.10.2008 16:41
Vermittlungsvorschlag vom Jobcenter Sommer 06 Job - Netzwerk 1 20.09.2008 21:43
Neuordnung der Jobcenter sogehtsnich Archiv - News Diskussionen Tagespresse 3 13.02.2008 16:12
Jobcenter speeter Allgemeine Fragen 3 06.08.2007 12:09
Jobcenter speeter Allgemeine Fragen 1 03.08.2007 12:08


Es ist jetzt 02:27 Uhr.


Powered by vBulletin® (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2018, Jelsoft Enterprises Ltd.
Template-Modifikationen durch TMS
Search Engine Optimisation provided by DragonByte SEO (Pro) - vBulletin Mods & Addons Copyright © 2018 DragonByte Technologies Ltd.
Feedback Buttons provided by Advanced Post Thanks / Like (Pro) - vBulletin Mods & Addons Copyright © 2018 DragonByte Technologies Ltd.
ELO-Forum by Erwerbslosenforum Deutschland