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Alt 06.08.2011, 17:41   #1
ethos07
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Standard "Wir nennen es nicht Armut"

Zitat:
jungle-world.com - Archiv - 31/2011 - Dschungel - Spricht mit Katja Kullmann über ihr Buch »Echtleben« und ihr echtes Leben

Nina Scholz: Spricht mit Katja Kullmann über ihr Buch »Echtleben« und
ihr echtes Leben

Jungle World Nr. 31, 4. August 2011dschungel
Wir nennen es nicht Armut

Die Journalistin Katja Kullmann erzählt in ihrem autobiographischen Buch
»Echtleben« von ihrer eigenen prekären Existenz als Kulturschaffende.

von Nina Scholz

...

Doch von vorne: In ihrem Buch »Echtleben« erzählt die Autorin entlang
ihrer eigenen Biographie von einem Jahrzehnt verschärfter
Flexibilisierung. 2002 erschien ihr erstes Buch. »Generation Ally. Warum
es heute so kompliziert ist, eine Frau zu sein« war so etwas wie die
feministische Version von »Generation Golf«. Es wurde ein Bestseller und
brachte der damals 30jäh*rigen genug Geld ein, um all die Träume, die
sie im Buch beschrieben hatte, verwirklichen zu können. Sie kündigte
ihren Job als Redakteurin beim Magazin Prinz in Frankfurt am Main und
zog nach Berlin, um dort als freie Autorin zu arbeiten.
...

An einem Tag im Winter 2007 ? im Buch nennt sie ihn den Tag X ? musste
sie sich der Realität stellen: »Zwei große Aufträge waren geplatzt, und
mein finanzielles Polster war aufgebraucht. Es war Anfang des Monats,
und es kam kein Geld mehr aus dem Automaten. Ich war 37 Jahre alt, es
war kurz vor Weihnachten, ich war pleite und dachte: Kullmann, das
hättest du doch sehen müssen.«
...
Pleite darf jeder schon mal sein, arm aber nicht. »Armut« ist ein
Tabuwort unter den Jungen, Hippen, Klugen und Gebildeten. Arm sind
andere. »Es muss eine neues Solidaritätsverständnis erreicht werden«,
meint Katja Kullmann. »Durch meine Bildung bin ich eine Gewinnerin, aber
realistisch gesehen habe ich ökonomisch mehr mit der Putzfrau in den
Redaktionsräumen gemeinsam als mit dem *Herausgeber, der mir in seinem
Büro einen Auftrag erteilt.«
...

Katja Kullmann: Echtleben. Warum es heute so kompliziert ist, eine
Haltung zu haben. Eichborn, Frankfurt am Main 2011, 256 Seiten, 17,95 Euro
>>> Ganzer Beitrag lesenwert!
__

Viele Grüße aus Berlin
----------------------------------------------------------

  • 10 Euro Mindestlohn (brutto + lohnsteuerfrei)!
    500 Euro ALG II (Regelsatz) plus volle KdU!
  • Sanktionen zerbröseln!

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N.B. Meine Beiträge sind meine persönlichen Meinungen und keine Rechtsberatung.
ethos07 ist offline  
Alt 07.08.2011, 08:00   #2
Regelsatzkämpfer
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Standard AW: "Wir nennen es nicht Armut"

Zuerst ist es Selbstausbeutung und dann schließlich offene Ausbeutung. An dem Punkt merken die Betroffenen dann, dass sie in eine Falle geraten sind.

Ich kenne einige Journalisten und Autoren und ähnliches wird überall berichtet. Wobei es in Deutschland schlimm, aber z.B. noch nicht so schlimm ist wie im berlusconisierten Italien. Dort kann es einem Journalisten passieren (und das nicht selten), dass er für einen Zeitungsartikel gerade einmal 2-3 Euro bekommt. Und weigert sich jemand, es gibt immer irgendwelche Dummen, die es sogar noch billiger machen.

Arbeitgeber lachen sich ins Fäustchen, denn die Ausgebeuteten haben ihre Macht vergessen. Sie haben verlernt zusammenzustehen und den Bossen zu zeigen, dass keiner von denen auch nur den Dreck unter dem Fingernagel wert ist, wenn er keine Mitarbeiter hat.

In Nürnberg gab es Mitte der Neunziger ein vorbildliches Beispiel.

Ein Chef drangsalierte seine Mitarbeiter, es ging um ein Fachgeschäft für Sanitärbedarf. Die Mitarbeiter hatten schließlich genug, Gespräche mit dem Chef brachten nur neue Gehässigkeiten und Gemeinheiten. Also kam es zu einer fristlosen Simultankündigung. Da die Vorkommnisse exakt festgehalten worden waren und auch von allen bestätigt wurden, gab es keine Sperrzeigen.

Chef hatte nun ein böses Problem: Keine Mitarbeiter. Und schnell genug neue einstellen und einarbeiten funktionierte auch nicht. So kam es wie es kommen mußte: Big Boss hatte bald seinen ersten eigenen Termin beim (damals noch) Arbeitsamt und eine pleite gegangene Firma an der Backe.

Wer sitzt am längeren Hebel? Eben...

Wann begreifen es die Menschen endlich...

Es gehören immer zwei dazu: Einer der schikaniert und ausbeutet und einer, der es sich gefallen läßt.

Zwei andere Beispiele von Ausbeutung im Medienbereich:

"Plattenfirmen/Musikvermarkter": Früher wurden Studiokosten vom Verwerter getragen. Heute muß der Musiker seine Musik selber in den sogenannten Goldstatus bringen. Also entweder eigenes kleines Studio oder teuere Studiokosten. Goldstatus heißt, dass direkt von den angelieferten Daten der sogenannte Glasmaster erstellt werden kann, also die Pressvorlage für die CD.

Öffentlich-rechtliche Radiosender, hier BR: Riesen Probleme mit der Bezahlung für Freischaffende. Sie warten ewig auf ihr Geld. Und selbst bei bestehenden Verträgen wird bis zur letzten Sekunden immer noch versucht den Preis zu drücken z.B. über angebliche Qualitätsmängel. Auch hier das selbe Spiel: Die Aufnahmen müssen bereits sendefertig angeliefert werden. Teilweise werden auch Produktionen in Auftrag gegeben und dann kurz vor der Fertigstellung gestrichen, so dass der Freischaffende auf seinen Kosten sitzen bleibt.

Selbst bekannte Sprecher, wie Petra Nacke (Stimme der Scully aus Akte X - übrigens sehr nett) beklagen sich über die heruntergekommenen Sitten und die ständigen Versuche die Entlohnung zu reduzieren.
Regelsatzkämpfer ist offline  
Alt 07.08.2011, 09:04   #3
Hilfeopfer->Emailproblem
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Registriert seit: 05.08.2011
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Hilfeopfer
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Standard AW: "Wir nennen es nicht Armut"

"Es gab Momente, da habe ich 58 Euro für einen Kulturaufmacher von einer Tageszeitung bekommen, also habe ich mich immer wieder beim Jobcenter an- und abgemeldet."

Oh ja, das an- und abmelden. Nun, ich stamme nicht aus dem Medienbereich. Bin selbst im Bezug von Hartz4 und wurde diesbezüglich schon zu dem einen oder anderen 1 Euro-Job mit lustigen Qualifizierungsträgern geschickt. Als diese erkannten, dass ich selbst über Ausbilderqualifikationen verfüge, boten die mir doch glatt eine Mitarbeit als freischaffender Dozent an.
Ich könnte mich doch einfach für die Tage, an denen ich einen Lehrgang halte, beim Jobcenter an- und abmelden.
Hilfeopfer ist offline  
Alt 07.08.2011, 15:53   #4
hartz5
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Standard AW: "Wir nennen es nicht Armut"

Zitat von Regelsatzkämpfer Beitrag anzeigen

Selbst bekannte Sprecher, wie Petra Nacke (Stimme der Scully aus Akte X - übrigens sehr nett) beklagen sich über die heruntergekommenen Sitten und die ständigen Versuche die Entlohnung zu reduzieren.
Scully ist aber Franziska Pigulla....
Petra Nacke ist die Stimme von Navigon für deren Navigationsgeräte
__



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hartz5 ist offline  
 

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