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Start > > > > -> Netzwerk Grundeinkommen spricht von einem neuen Hartz IV-Todesopfer


 

 

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Alt 25.11.2009, 14:45   #1
Martin Behrsing
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Standard Netzwerk Grundeinkommen spricht von einem neuen Hartz IV-Todesopfer

Aichach – Wie am vorgestrigen Totensonntag bekannt wurde, hat sich der 30-jährige Fabian Rappel aus Aichach am 31. Oktober das Leben genommen. Der als sensibel geltende junge Mann war nach einem Maschinenbaustudium arbeitslos geworden und zunehmend an dieser Situation verzweifelt. Er übte kurz vor seinem Tod heftige Kritik an der Sanktionspraxis bei Hartz IV, unterzeichnete eine Petition zu ihrer Abschaffung und sprach sich statt dessen für ein Grundeinkommen aus, dessen Einführung er aber aufgrund mangelnder Einsicht der Menschen in weiter Ferne sah.

Hartz IV fordert erneut Todesopfer Netzwerk Grundeinkommen
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Gruß aus dem Rheinland

Martin

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Alt 25.11.2009, 15:18   #2
Patrik
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Standard AW: Netzwerk Grundeinkommen spricht von einem neuen Hartz IV-Todesopfer

Sowas ist traurig.

Und wo bleiben RTL und Konsorten jetzt?

Wenn ein Fussballpromi sich das Leben nimmt trauert die ganze Nation. Aber wenn jemand von einem System hier in Deutschland dermassen fertig gemacht wird kommt nichts.

An diesem jungen Menschen sieht man mal das irgendwo eine Belastungsgrenze ist.

Mein Beileid den Eltern und Angehörigen des Verstorbenen.
 
Alt 25.11.2009, 15:21   #3
Silvia V
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Standard AW: Netzwerk Grundeinkommen spricht von einem neuen Hartz IV-Todesopfer

Zitat:
Nach Auskunft seiner Eltern haben sie seine Aufzeichnungen und Vorwürfe an die zuständige Arbeitsagentur weitergeleitet, aber bislang keine Reaktion darauf erhalten.
Es wird auch keine Stellungnahme von der Arbeitsagentur kommen,denn dafür ist man nicht mehr zuständig...."Tote stehen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung".
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"Die Ausschaltung der Schwachen ist der Tod der Gemeinschaft. "

Dietrich Bonhoeffer(1906-1945)
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Alt 25.11.2009, 16:07   #4
Sparks
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Standard AW: Netzwerk Grundeinkommen spricht von einem neuen Hartz IV-Todesopfer

Zitat von Patrik Beitrag anzeigen
Wenn ein Fussballpromi sich das Leben nimmt trauert die ganze Nation. Aber wenn jemand von einem System hier in Deutschland dermassen fertig gemacht wird kommt nichts.
Warum sollte da was kommen? Wenn es nach dieser Gesellschaft geht, handelt es sich doch nur um einen Schmarotzer.
 
Alt 25.11.2009, 16:09   #5
Drueckebergerin
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Drueckebergerin
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Standard AW: Netzwerk Grundeinkommen spricht von einem neuen Hartz IV-Todesopfer

Gibt es eigentlich Leute oder Organisationen, die solche "Fälle" sammeln?
__

Grüße aus Bärlin
500 - 30 - 10 netto....... Hartz IV muß weg !

Die Reichen sind so unersättlich, die wollen alles besitzen, sogar die Armut!
Don`t dream it - be it !
Der beste Weg, einen schlechten Vorschlag vom Tisch zu fegen, besteht darin, einen Besseren zu machen !
Hier gibt`s nur Erfahrungsaustausch, keine Rechtsberatung !
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Alt 25.11.2009, 16:23   #6
robbi->Emailproblem
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robbi
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Standard AW: Netzwerk Grundeinkommen spricht von einem neuen Hartz IV-Todesopfer

Das ist einfach nur traurig. Dieser Mann starb besser verzweifelte an
den Mechanismen dieser Gesellschaft.
Hier ist kein Platz für sensible Menschen.

Das Menschen, die gezwungen sind Hartz IV in Ansoruch zu nehmen
als Schmarotze bezeinet werden, ist ein Zeichen dieser korupten,menschenverachtenden Gesellschaft.
Viele Leute scheinen sich nicht bewußt zu sein,wie sie manipuliert werden und morgen selbst vor dem Abgrund stehen können.

Kann man nicht hier im Forum eine Art Trauerkarte mit Unterschriften
reinstellen ?
robbi ist offline  
Alt 25.11.2009, 16:29   #7
Sparks
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Standard AW: Netzwerk Grundeinkommen spricht von einem neuen Hartz IV-Todesopfer

Zitat von Drueckebergerin Beitrag anzeigen
Gibt es eigentlich Leute oder Organisationen, die solche "Fälle" sammeln?
Das ist eine Frage, deren Beantwortung mich auch interessiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass HartzIV keine weiteren Suizide verursacht hat.

Jeden einzelnen Fall sollte man dann der Gesellschaft, vor allem aber der Politik vor das Gesicht halten.
 
Alt 25.11.2009, 16:40   #8
yola->Emailproblem
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yola
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Standard AW: Netzwerk Grundeinkommen spricht von einem neuen Hartz IV-Todesopfer

Zitat:
. . . „Ich wurde zu keinem Zeitpunkt beraten, ich wurde belogen, ich wurde gegängelt, mir wurde bei Anfrage Beratung verweigert, ich wurde abgewimmelt, ich wurde zu keinem Zeitpunkt ernst genommen, ich wurde bedroht, mir wurden Anträge vorenthalten, ich wurde bevormundet … Ich werde das nicht noch einmal durchmachen.“ . . .
schrieb Florian Rappel . . . und - seine eigenen Worte - er traute sich nicht mehr unter Menschen, fühlte sich ausgestoßen.
Ich denke dass man hier die Klage an diese Gesellschaft richten müsste, eine Gesellschaft, die einfach nicht mehr in der Lage oder willens ist, das Leid des Mitmenschen zu sehen. Das Amt ist da nur ein Mosaiksteinchen.

Ich habe wirklich viel erlebt in meinem Leben, bin auch noch 20 Jahre älter als dieser junge Mann, der sein Leben nicht mehr für lebenswert gehalten hatte, ich hielt mich für - eben wegen meiner reichhaltigen Vorerfahrungen - für gewappnet mit der Agenturumzugehen.
Nach dem Ersttermin, zusammen mit meinem unheilbar an Krebs erkrankten Mann [!] hatte ich nur noch ein Gefühl:
BEVORMUNDET & ENTMÜNDIGT & AUSGELIEFERT !
Wie war das noch . . . irgendwo in unserem Grundgesetz . . . von der Menschenwürde und der Unantastbarkeit derselben ???

Und damit kann nun mal nicht jeder gut umgehen, ich zeitweise auch nicht, aber mein Leben werde ich einem solchen Idiotenhaufen bestimmt nicht opfern. Und ich kann nur jeden hier dazu auffordern, diese Herausforderung anzunehmen und zu kämpfen.

Grüße
yola
yola ist offline  
Alt 25.11.2009, 16:41   #9
Martin Behrsing
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Standard AW: Netzwerk Grundeinkommen spricht von einem neuen Hartz IV-Todesopfer

Es gibt bisher keine Stelle, die so etwas sammelt. Vielfach bekommt man die Sachen ja auch gar nicht mit, weil es nicht veröffetnlicht wird

Es ist auch schwer zu sagen, Hartz IV war schuld. Ein Suizid hat immer eine länger vorgeschichte. Gesichert ist, dass Arbeitslosigkeit Depressionen und psychosomatische Beschwerden und Suchtproblme verstärkt.

Ich möchte aber einen Suizid nicht nur als etwas tragisches beschrieben werden. Tragisch ist er für die Angehörigen. Für die Menschen selbst ist es eine wohldurchdachte Möglichkeit und wahrscheinlich auch eine Befreiung.

Es ist auch nicht gut, zwischen Promis und Nicht-Promis zu unterscheiden. Beim Tod stehen solche Sachen bestimmt nicht mehr an.

Deshalb an Euch alle: Schafft Euch soziale Netzwerke und redet über Eure Probleme. Sich selbst wertlos zu fühlen ist nichts schlimmes und Mitmenschen sind auch dazu da, Euch wieder aufzubauen.
Zitat von Sparks Beitrag anzeigen
Das ist eine Frage, deren Beantwortung mich auch interessiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass HartzIV keine weiteren Suizide verursacht hat.

Jeden einzelnen Fall sollte man dann der Gesellschaft, vor allem aber der Politik vor das Gesicht halten.
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Martin

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Alt 25.11.2009, 16:48   #10
Mario Nette
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Standard AW: Netzwerk Grundeinkommen spricht von einem neuen Hartz IV-Todesopfer

"Bildung soll sich wieder lohnen." - vor wenigen Monaten hieß es, es werden unbedingt Maschinenbauer benötigt. Auf einmal studierten das viele -> typischer Schweinezyklus. Nein, Bildung allein ist kein Garant für die Karriere, für das "gute Leben" mehr. Leute mit wie Leute ohne Bildung werden nicht benötigt - der Optimierungsprozess des Kapitalismus arbeitet diesbezüglich planmäßig. Und fatalerweise tut er das ungeachtet derartiger Tragödien weiterhin. Auf die Sensibilität würde ich das nicht zurückführen wollen. Oder seid ihr alle aus Stein?

@Drueckebergerin
Es gab mal eine Stelle. Soweit ich sehen konnte führen die Verweise aber mittlerweile ins Leere.

@Sparks
Jene, die durch Krummschuften-Müssen sich selbst den Garaus machen, sind genauso zu betrauern.

Mario Nette
__

Im Süden, im Osten, im Norden, im Westen, es sind überall dieselben, die uns verpesten.

Ca' canny!

Ich bin durch Kaufhof gegangen - und das war für mich wie ein Museumsbesuch. (Frank Schwalm)
Fehlende Tagesstruktur? Quatsch! Ich lebe in Gleitzeit.

Bescheiß das Elend!
Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten.
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Alt 25.11.2009, 17:15   #11
Argekritiker->Emailproblem
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Argekritiker
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Standard AW: Netzwerk Grundeinkommen spricht von einem neuen Hartz IV-Todesopfer

Das ist schon traurig. Insbesondere, wenn es zu viele Studierte auf zu wenige Stellen als Ingenieur gibt, weil es zu stark boomt. Denn wenn sie arbeitslos sind, sind sie seit 4 Jahren "ganz unten".
Natürlich mag die Arbeitslosigkeit und die damit verbundene Armut die Depressionen verstärkt haben, so dass sie zum Selbstmord führten. Aber auch andere bereits bestehende Faktoren, als dieser Mann noch einen Beruf hatte, haben diese Depressionen ausgelöst.

Und ich finde, bevor man auch seelisch ganz unten angelangt, sollte man sich anderen Menschen anschließen. Am besten im "Real Life" und nicht virtuell. Was denkt ihr: Wie viele Menschen, nicht nur DIESES Forum, finden sich damit ab, dass sie mal 80%, mal den vollen Satz, mal 40%, mal gar nichts an ALG-II Monat für Monat verdienen und teilweise sogar Mieten von gut 250 Euro zahlen sollen? Und die wollen leben, um wieder aus diesen Sumpf raus zu kommen.
__

Zur Klarstellung:

Die Arge finanziert weder Banken, noch Kriege und noch nicht einmal die, die sie zu finanzieren hat. NUR SICH SELBST!
Argekritiker ist offline  
Alt 25.11.2009, 17:44   #12
Volker
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Standard AW: Netzwerk Grundeinkommen spricht von einem neuen Hartz IV-Todesopfer

Am ehesten käme Amnesty in Frage.

Volker
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Alt 25.11.2009, 17:56   #13
uljanov->Emailproblem
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uljanov
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Standard AW: Netzwerk Grundeinkommen spricht von einem neuen Hartz IV-Todesopfer

hier wird nicht nur eine Akte geschlossen, sonder auch ein Mensch zu grabe getragen. Ich finde soetwas sehr traurig. Doch in unserer, immer gefühlskälter werdenden Gesellschaft, so mein Empfinden, muss mit Suizid gerechnet werden, so tragisch dies auch sein mag.
__

Vertrauen ist der Anfang vom Ende !!
eine Lebenserfahrung von mir

Hinter jeder Lüge versteckt sich ein wenig Wahrheit !!
Walter Ulbricht, auf einer internationalen Pressekonferenz in Ost-Berlin am 15. Juni 1961. Zitat: Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten.
Mauerbaubeginn vom 12. auf den 13. August 1961.
uljanov ist offline  
Alt 25.11.2009, 18:35   #14
pinguin
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Daumen hoch AW: Netzwerk Grundeinkommen spricht von einem neuen Hartz IV-Todesopfer

Zitat von Patrik Beitrag anzeigen
An diesem jungen Menschen sieht man mal das irgendwo eine Belastungsgrenze ist.
Jeder hat eine Belastungsgrenze, die ist nur bei jedem anders. In den einen Fällen zerbrechen die Betroffenen selbst daran, in den anderen, zynisch formuliert, jene Leute, die es bedauern, daß man als Betroffener nicht zerbricht.
__

Wer mich zum Sparen auffordert, wird selbst der Erste sein, den ich mir einspare; sage er hinterher nicht, er hätte es so nicht gemeint.
Es ist respektlos, Dinge zu predigen, die man nicht selber lebt.
pinguin ist offline  
Alt 25.11.2009, 18:41   #15
Gavroche
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Standard AW: Netzwerk Grundeinkommen spricht von einem neuen Hartz IV-Todesopfer

Zitat von Argekritiker Beitrag anzeigen
...zu viele Studierte auf zu wenige Stellen als Ingenieur gibt, weil es zu stark boomt. Denn wenn sie arbeitslos sind, sind sie seit 4 Jahren "ganz unten".
25.11.2009

Zitat:
Noch nie haben in Deutschland so viele junge Menschen ein Studium begonnen wie in diesem Jahr: Insgesamt schrieben sich 423 400 Frauen und Männer erstmals für ein Studium an einer Hochschule ein. Das sind knapp sieben Prozent mehr als 2008, meldete das Statistische Bundesamt...
Rekordzahlen bei Studienanfängern und Studenten (25.11.2009) | Wissenschaft | News | General-Anzeiger Online - Bonn

Hoffentlich boomt die Wirtschaft bald.
 
Alt 25.11.2009, 20:33   #16
Die Antwort
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Standard AW: Netzwerk Grundeinkommen spricht von einem neuen Hartz IV-Todesopfer

Zitat von Drueckebergerin Beitrag anzeigen
Gibt es eigentlich Leute oder Organisationen, die solche "Fälle" sammeln?
prekarier.infopartner.net sammelt derartige Fälle...
Die Antwort ist offline  
Alt 25.11.2009, 20:34   #17
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Standard AW: Netzwerk Grundeinkommen spricht von einem neuen Hartz IV-Todesopfer

prekarier.infopartner.net sammelt alle Fälle, die irgendwie bekannt werden.

Mit anderen darüber reden, das kann übel in die Hose gehen. Es gibt genug Menschen, die selbst unter Mitleidenden die Gelegenheit nutzen einen vermeindlich schwächeren nieder zu machen. Derartiges konnte man auch hier im Forum schon oft genug erleben.

Zitat von Martin Behrsing Beitrag anzeigen
Es gibt bisher keine Stelle, die so etwas sammelt. Vielfach bekommt man die Sachen ja auch gar nicht mit, weil es nicht veröffetnlicht wird

Es ist auch schwer zu sagen, Hartz IV war schuld. Ein Suizid hat immer eine länger vorgeschichte. Gesichert ist, dass Arbeitslosigkeit Depressionen und psychosomatische Beschwerden und Suchtproblme verstärkt.

Ich möchte aber einen Suizid nicht nur als etwas tragisches beschrieben werden. Tragisch ist er für die Angehörigen. Für die Menschen selbst ist es eine wohldurchdachte Möglichkeit und wahrscheinlich auch eine Befreiung.

Es ist auch nicht gut, zwischen Promis und Nicht-Promis zu unterscheiden. Beim Tod stehen solche Sachen bestimmt nicht mehr an.

Deshalb an Euch alle: Schafft Euch soziale Netzwerke und redet über Eure Probleme. Sich selbst wertlos zu fühlen ist nichts schlimmes und Mitmenschen sind auch dazu da, Euch wieder aufzubauen.
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Alt 25.11.2009, 21:07   #18
roterhusar
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Standard AW: Netzwerk Grundeinkommen spricht von einem neuen Hartz IV-Todesopfer

Traurig-

In der Depression und Panik befindend, noch ein Erklärung abgegeben, die Sanktionspraxis bei Hartz IV betreffend. Trotz der Vergeblichkeit seiner Tat, sich auf die Seite der Streiter für ein Grundeinkommen gestellt.

Beachtlich!




Warum lassen sich so viele so viel bieten?
roterhusar ist offline  
Alt 25.11.2009, 21:58   #19
mo->Emailproblem
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mo
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Standard AW: Netzwerk Grundeinkommen spricht von einem neuen Hartz IV-Todesopfer

Zitat von Drueckebergerin Beitrag anzeigen
Gibt es eigentlich Leute oder Organisationen, die solche "Fälle" sammeln?
ist schon ca. zwei jahre her, da habe ich mal die bis dato bekannt gewordenen suizide und sonstigen todesfälle im weiteren "hartz-IV"-umfeld recherchiert - scheint zeit für weitere updates zu sein...

als-ob-leben ? : notiz: sehr unvollständige liste bekanntgewordener todesfälle im zusammenhang mit antisozialer politik: es gibt viele arten, um einen menschen zu töten...(update)
__

"Wenn es ein Phänomen wie das absolut Böse überhaupt gibt, dann besteht es darin, einen Menschen wie ein Ding zu behandeln."

(John Brunner, Der Schockwellenreiter)
mo ist offline  
Alt 25.11.2009, 22:22   #20
WillyV
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Standard AW: Netzwerk Grundeinkommen spricht von einem neuen Hartz IV-Todesopfer

Jeder der sich mit Soziologie schon mal beschäftigt hat oder beschäftigen will, trifft unweigerlich auf den Klassiker der empirischen Untersuchung von Massenarbeitslosigkeit und deren Auswirkungen sowohl unter ökonomischen, als auch unter psychologischen Gesichtspunkten, der Marienthalstudie.
Die Forschungsgruppe von Marie Jahoda, Paul F. Lazarsfeld und Hans Zeisel versuchten mit modernen Erhebungsmethoden die Wirkungen langandauernder Arbeitslosigkeit zu untersuchen. Das war in den 30er Jahren (1933) des vergangenen Jahrhunderts nach der Weltwirtschaftskrise.

Diese Studie "diagnostizierte" unter "psychologischer Dimension" vier verschiedene affektive Haltungen als Reaktion auf die hohe Arbeitslosigkeit.
Die „ungebrochene“ Familie, die „resigniert“ Familie, die „verzweifelte“ Familie und die „apathische“ Familie.

Keinerlei Hoffnungen, in hohem Masse depressiv, Gefühl der Sinnlosigkeit des Handels sowie den allgemeinen Verfall widerstandslos hinnehmend, alles das war zu finden.

Jetzt muss man nur noch mit dem Heute vergleichen...
 
Alt 25.11.2009, 22:39   #21
galigula
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galigula galigula
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Flucht in den Selbstmord
Nur ein toter Hartzler ist ein guter Hartzler.
Statistische Erfassung unnötig.Das kehren wir unter den Teppich.
galigula ist offline  
Alt 25.11.2009, 23:15   #22
TheShyGuy
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Standard AW: Netzwerk Grundeinkommen spricht von einem neuen Hartz IV-Todesopfer

Zitat von Die Antwort Beitrag anzeigen
prekarier.infopartner.net sammelt derartige Fälle...
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Alt 26.11.2009, 00:04   #23
Mario Nette
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Standard AW: Netzwerk Grundeinkommen spricht von einem neuen Hartz IV-Todesopfer

Zur Marienthalstudie gibt es auch eine TV-Dokumentation. Einen entsprechenden Link anzubieten verbieten mir jedoch die Forumregeln. Vor wenigen Tagen hatten wir eine - mittlerweile entfernte - Umfrage im Gebiet Glücksforschung. Schon dort fiel mir die Studie ein, weil die Wirkung das Aufrufs der Teilnahme an der Umfrage auf mich einfach absurd war (und weil ich das Lesen der Studie wenige Tage vorher beendet hatte). Eine Studie analog zur damaligen hätte vielleicht in Ansätzen vor wenigen Jahren in Dassow stattfinden können. Denn die Schließung des dortigen CD-Werks hat sicherlich einige beklemmende Entwicklungen ausgelöst. - Wobei: Was will uns eine neue Studie schon erzählen, was wir nicht längst wissen ...

Tragödien wie die hier besprochene müssen dazu führen, dass wir nach Lösungen suchen, die Derartiges vermeiden helfen. Es ist eine unmissverständliche Warnung an uns alle. Vielleicht für einige interessant: Fritz Reheis - "Die Kreativität der Langsamkeit - Neuer Wohlstand durch Entschleunigung"

Mario Nette
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Mario Nette ist offline  
Alt 27.11.2009, 00:16   #24
TheShyGuy
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mit freundlicher Genehmigung des Autors:

Zitat:
Lebst Du noch, oder „hartzt“ Du schon?

Eine Meinungsäußerung von H. J. Graf zum jüngsten Suizid (siehe vorherigen Artikel) im Zusammenhang mit Hartz IV und allen bisherigen Geschehnissen dieser Art.


Nürnberg, den 25. November 2009

Wie lange soll in diesem Land noch „sozialverträglich“ gestorben werden?
Viele Menschen in unserem Land, besonders unter den Betroffenen, denken dass durch die Einführung des Arbeitslosengeldes II (Hartz IV), eine neue Armut etabliert wurde. Das ist nur bedingt so. Ganz sicher hat sie dies soweit, als das nun auch erwerbstätige Menschen von der „Hilfe des Staates“ abhängig werden können.

Ja, es ist möglich in unserem Land einer vollschichtigen Erwerbstätigkeit nachzugehen und trotzdem Leistungen des Staates nötig zu haben um sich selbst und seine Familie grade mal so ernähren zu können. Besonders hart trifft es aber diejenigen, die bereits nicht mehr in der Lage sind zu arbeiten und ganz von solch einer Leistung abhängig sind oder
diese brauchen um ihre Rente aufzubessern, die bereits schon durch zahlreiche Finanzmitteltransfers aus der Rentenkasse, drastisch unterhalb eines Minimums zum Führen eines würdigen Lebens liegen.

Menschen, die diese Leistungen beantragen, erleben zum großen Teil eine herabwürdigende, ausgrenzende und menschenverachtende Behandlung bei den Ämtern die dafür zuständig sind. Sie müssen sich bis auf's Hemd ausziehen und wenn nötig sich auch noch wohin fassen lassen, um es mal bildlich auszudrücken, damit auch ja gesichert ist dass sie keinerlei unerlaubte Geldmengen irgendwo gebunkert haben. Sie erleben Schikane pur, die durch eine perfide Methodik, besonders wirksam ist. Bei den ARGEn und Sozialämtern werden die Sachbearbeiter in einem unregelmäßigen Rhythmus gewechselt, hinzu kommt dann noch dass die übernehmenden Kollegen wahrscheinlich bewußt oder unbewußt nicht alle Informationen erhalten und dann, wenn sie Infos brauchen, den Weg zur Akte im Schrank oder Archiv scheuen und diese dann lieber wieder beim Hilfebedürftigen anfordern. Denn der hat ja schließlich eine Mitwirkungspflicht. Die Mitwirkungspflicht, die einen hilfesuchenden Bürger zum Laufburschen der Ämter macht.

Unter dem Druck von Sanktionen bis zum gänzlichen Leistungsentzug werden die Menschen gezwungen, auch über die Grenzen der gesetzlichen Mitwirkungspflicht hinaus, ihre Informationen, Unterlagen und vieles mehr offen zu legen. Sind die „Kunden“ aber ein wenig störrisch oder möchten nicht so gerne alles offen legen, was sie sollen, dann ist nicht nur der vollständige Leistungsentzug mit all seinen Folgen wie Wohnungsverlust, Arbeitsverlust, vollständige Obdachlosigkeit, das Mittel der Wahl. Nein, es gibt durchaus noch andere Methoden. Man schickt dem Hilfebedürftigen ein paar Ermittler ins Haus, die sich, wenn sich der Hilfebedürftige nicht zu wehren weiß, eine Übersicht bis in die Unterhosen hinein verschaffen. In verschiedenen Foren im Internet berichten Betroffene darüber, wie sie unter Druck gesetzt wurden und manchmal sogar bedroht, um dieses Ziel zu erreichen. Etwas einfachere und dadurch scheinbar beliebtere Methoden sind solche, wie der Verlust von Antragsformularen oder Schreiben der Betroffenen. Dann ebenso die Unerreichbarkeit am Telefon. Grundsätzlich werden, so scheint es hier an meinem Ort üblich, keine Eingangsbestätigungen versandt.

Es gibt sicherlich noch weitere, am Kunden spezifisch orientierte, Methoden um diesen unter Druck zu setzen oder zu schikanieren. Hier sollte sich der geneigte Leser einmal in den Foren der Betroffenen kundig machen und er wird so manches Lesenswertes finden. Diese Methodik ist jedoch nicht neu. Sie gab es schon zu Zeiten des Sozialamtes, ohne die ARGEn. Auch dort wurden die Betroffenen schon schikaniert und rechtlos gestellt. Rechtlos insofern, als dass sie nicht über ihre Rechte aufgeklärt wurden und nur das bekamen, was sie von sich aus beantragten und worüber sie sich selbst Kenntnis verschafften. Als das neue System des Arbeitslosengeldes II eingeführt wurde, wurden noch weitere Methodiken der breiten Masse offenbar, die bereits zwar in kleinerer Zahl aber ebenso wirkungsvoll, vorher von Sozialbehörden genutzt wurden. Eine sehr beliebte Methode, besonders bei den ARGEn und Job-Centern, ist die der rigorosen Ablehnung von Anträgen und Widersprüchen mit oft genau übereinstimmenden Ablehnungstexten gleicher Art, bis hin zum Verfahren vor den Sozialgerichten.

Es erscheint einem hier so, als soll diese Methodik breit angewandt werden, da die Hoffnung dabei besteht, dass nicht sehr viele wirklich den Weg zu den Gerichten suchen. Auch hier wurde den Verwaltungsinstrumenten für ALG II der Weg durch den Gesetzgeber geebnet, der die Voraussetzungen dafür schuf, dass diese Institutionen keine Kosten beim Sozialgericht tragen müssen. Bereits bei der Rekrutierung von Mitarbeitern wurde, so berichteten einige Seiten im Internet und Dokumentationen bei Sendungen wie Monitor usw., kein großer Wert auf Qualifikation für diesen Job gelegt. Qualifizierte Personen scheinen zu viel mitzudenken. Es wurden wohl diejenigen gesucht, die ihr Denken in der Arbeit soweit beschränken können, dass sie in der Lage sind weitgehend automatisiert ihr Werk zu verrichten. Diese Mitarbeiter dann noch in weitgehender Unwissenheit gelassen mit internen Dienstanweisungen, die ihnen zwar ihr Vorgehen in den leistungsrelevanten Akten vorgeben, aber sich nicht unbedingt an der Gesetzeslage „orientieren“ müssen, verrichten ihr Werk der Ausgrenzung, Benachteiligung und Verachtung in exzellenter Weise.

Ein Berg von Papierkram, Mitarbeiter die nur ihre Anweisungen umsetzen, rigide Einsparpolitik und keinerlei Achtung vor der menschlichen Existenz sind, so meine Meinung, die heutigen Voraussetzungen für einen sozialdarwinistischen Prozess unter den Menschen, die lediglich in einer verfahrenen Lebenssituation Hilfe von dem Staat suchen, in dem sie leben und der für sie Verantwortung trägt. Doch die will er nicht mehr tragen, denn die Verantwortung ist finanzintensiv. Und die Finanzen haben in unserem Staat schon die Banken und die etablierten Wirtschaftsgiganten gepachtet.

Nun kommt ein Mensch aus dem Arbeitsmarkt, auf dem er bereits schon seit Jahren ausgebeutet, ebenfalls schikaniert und immer wieder mit der Drohung um den Verlust des Arbeitsplatzes zu Mehrarbeit, Urlaubsverzicht und Sonderleistungsverzicht gezwungen wird, in diese Maschinerie hinein. Bereits geschädigt durch den wachsenden Druck, die Schikanen auf dem Arbeitsmarkt oder heute ja auch bereits in den höheren Schuljahrgängen, erhofft er sich nun in seiner prekären Situation Hilfe. Nein, die bekommt er dort in den wenigsten Fällen. Dort wird fortgesetzt, was die Unternehmens- und Bildungswelt begonnen und noch nicht vollendet hat. In diesem System, das viele Betroffenen bereits so kennen lernen durften, kann nur ein Starker überleben. Einer, der vielleicht kerngesund oder mehr gefestigt als andere, hier hinein kommt. Doch wer ist das von diesen Menschen denn noch? Nur wenige. Die anderen werden irgendwann auf der Strecke bleiben, je länger sie in diesem System der Auslese verbleiben.

Bereits 2007 wurden einige Geschehnisse bekannt, die von Menschen handelten die an diesem System zugrunde gingen. Die sich das Leben nahmen oder durch chronische Erkrankungen und Stress ihr Leben ließen. Immer wieder wird in Medien davon berichtet, dass Menschen sich selbst das Leben nehmen weil sie diesem Druck nicht mehr standhalten konnten. Weil sie sich wegen Leistungskürzungen oder -entzug keine Medikamente mehr besorgen konnten oder nicht mehr ausreichend zu essen hatten. Das Gros der Gesellschaft unseres Landes scheint darüber hinweg zu sehen. Was sind das schon für Typen? Sind doch eh meist Versager oder Gescheiterte oder Kranke, die uns nur auf der Tasche liegen. Einer mehr oder weniger, was macht's? So habe ich selbst schon Menschen in den Straßenbahnen, S-Bahnen und Bussen reden hören wenn wieder einmal ein solcher Fall durch die Medien ging. Als Betroffener haben mich diese Aussagen äußerst hart getroffen. Wie muss es dann einen Menschen treffen, der noch mehr Jahre als ich gearbeitet hat, noch mehr Überstunden geleistet hat, noch mehr Nachtarbeit und noch viel mehr auf Urlaub und Feiertag verzichtete?

Es ist eine Schande wie so mancher Mensch hier über den andern denkt ohne auch nur eine einzige Sekunde dessen Leben wirklich gekannt zu haben. Noch ist keiner Schuld an seiner Situation wenn er erkrankt und das vielleicht sogar an chronischen Krankheiten, denn Krankheit sucht sich den Menschen aus und nicht der Mensch die Krankheit. Welcher Mensch ist definitiv schuld an seiner Behinderung? Sie meinen möglicherweise einer der betrunken Auto fuhr und verunglückte oder einer der rauchte oder einer der seine Sicherheitsanweisungen am Arbeitsplatz missachtete? Was macht Sie so sicher, dass er dies wirklich mit voller Absicht tat? Was macht Sie so sicher, dass der Alkoholiker noch Herr über seine Entscheidungen ist? Was macht sie so sicher, dass nicht der Arbeiter, der die Sicherheitstafeln am Arbeitsplatz nicht beachtete, vielleicht einer der vielen Menschen war, die über viele Jahre hinweg ihren Analphabetismus kaschieren konnten?

Sie sehen, nur wenn man das Leben desjenigen wirklich genau kennt, kann man möglicherweise aussagekräftige Schlüsse darüber ziehen. In den allermeisten Fällen, in denen ich über das Leben und die Entscheidungen anderer Menschen die nicht zu meinem engsten Kreis gehören, her ziehe, richte ich nur und verletze, setze seelische Wunden. Und von dem was ich behaupte oder weitersage trifft meist nichts zu. Nun gibt es eben einige Menschen, die halten die verletzende und verachtende Sozialpolitik unseres Staates und eine populäre Geisteshaltung wie eben beschrieben nicht mehr aus. Sie nehmen sich das Leben, sie entscheiden sich für den Tod.

Diese Menschen riefen vorher um Hilfe, nur wir hörten sie nicht oder sie durften nicht gehört werden. Sie wollten Hilfe und wir gaben sie ihnen nicht. Sie lagen im Dreck und wir traten noch drauf. Sie wurden schikaniert und andere sahen dabei zu. Ihnen wurde die Lebensgrundlage entzogen und viele nickten nur zustimmend. Diese Menschen, die sich das Leben nahmen und die aus anderen „sozialen Selektierungsgründen“ starben, sind ein gesammelter Hilferuf dieser Gesellschaft, dieser Kultur. Einer Gesellschaft, die selbst kurz vor dem Exitus (=Tod) steht. Solange wir in unseren Köpfen und Herzen nicht einen Weg zueinander über alle gesellschaftlichen Grenzen hinweg finden, solange werden machtgierige Politiker und finanzgeile Wirtschaftsbosse, als auch die spielsüchtigen Banker am Willen des Volkes vorbei, mit einem kalten Lächeln auf den Lippen, regieren und handeln. Sie werden weiter Arbeitsplätze abbauen und die, die noch arbeiten in heillose Überstunden und Mehrarbeit jagen, sie werden immer jüngere Arbeitnehmer bis über ihre Grenzen hinweg verheizen. Sie werden ihnen immer mehr Rechte nehmen bis keine mehr da sind und sie werden sie weiter in Armut, Hunger und Obdachlosigkeit treiben. Und sie werden den Älteren das Leben schwerer und schwerer machen.

Die Zeit, auf politische Erlöser zu hoffen, ist, so denke ich, vorbei. Wo sollten sie her kommen? Welche Partei in der heutigen politischen Landschaft hat denn wirklich ein überzeugende Programm, das sie auch nach der Übernahme politischer Verantwortung wirklich durchsetzt? Eher zeigten sich gerade die, die sich so gerne als die „sozialen Retter“ darstellen, in politischer Verantwortung als diejenigen die ihr „Ja“ zur Abschaffung von Erleichterungen für sozial schwächere Menschen gaben. Wo sind die Hoffnungsträger parteipolitischer Herkunft? Mir fällt keiner ein. Soll Ausgrenzung in breitestem Ausmaß, Benachteiligung statt Inklusion, Schikane und Verachtung unser täglich Brot werden und bleiben? Sollen Wenige tatsächlich solch eine Macht über Viele haben? Sehe und höre ich die Gespräche in den öffentlichen Verkehrsmitteln, im Cafe oder auf der Straße, dann habe ich wenig Hoffnung. Wenig Hoffnung auf eine Veränderung hin zu einem Land, in dem tatsächlich eine Existenz gesichert wird, wenn der- oder diejenige es nicht mehr aus eigenen Kräften schafft. Wenig Hoffnung auf eine Rückkehr zu einem Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer das auf Vertrauen zueinander aufbaut, auf gegenseitiger Achtung und Verantwortung. Wenig Hoffnung auf einen ruhigen und freudvollen Lebensabend für die, die ihre Arbeit in diesem Land getan haben und allemal ein Recht auf einen gesicherten Lebensabend haben.

Nur ein Umdenken kann dieser Gesellschaft noch helfen. Ein Denken, das auch denen eine Chance gibt, die sich heute töten weil sie vermeintlich schwach zu sein scheinen. Doch sie sind nicht schwach, sie wurden geschwächt, und das immer wieder, bis sie es nicht mehr aushielten. Jeder Mensch ist ein Teil unserer Gesellschaft und er ist ein wertvoller Teil, egal wie behindert, krank oder sonderbar er ist. Und er ist wichtig für die Gesellschaft, denn der eine lernt vom anderen. Der Gesunde vom Kranken, der Junge vom Alten, der Alte vom Jungen, das Kind von den Eltern, die Eltern vom Kind, der Nichtbehinderte vom Behinderten, der Aktive vom Depressiven usw. Diese Gesellschaft wurde erbaut als ein Schmuckkästchen und jeder von uns ist ein Edelstein darin. Lassen wir keinen davon mehr aus dem Kästchen fallen. Bitte!
 
Alt 27.11.2009, 01:33   #25
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Standard AW: Netzwerk Grundeinkommen spricht von einem neuen Hartz IV-Todesopfer

lieber Martin,

ich will, gerade in diesem Zusammenhang nicht rechten und bitte daher Dich und alle, meine Bemerkungen nur als Ergänzungen zu sehen, zumal ich sicher bin, dass Du es auch so meinst.

Zitat von Martin Behrsing Beitrag anzeigen
Es gibt bisher keine Stelle, die so etwas sammelt. Vielfach bekommt man die Sachen ja auch gar nicht mit, weil es nicht veröffetnlicht wird

Es ist auch schwer zu sagen, Hartz IV war schuld. Ein Suizid hat immer eine länger vorgeschichte.

ich denke das

Zitat:
Es gibt deutliche Hinweise dafür, dass Rappel ohne die von ihm als demütigend empfundene Behandlung durch die Sozialbürokratie noch am Leben sein könnte.
sollten wir so stehen lassen

Gesichert ist, dass Arbeitslosigkeit Depressionen und psychosomatische Beschwerden und Suchtproblme verstärkt...oder auch erst hervorruft

Ich möchte aber einen Suizid nicht nur als etwas tragisches beschrieben werden. Tragisch ist er für die Angehörigen. Für die Menschen selbst ist es eine wohldurchdachte Möglichkeit und wahrscheinlich auch eine Befreiung.

Es ist auch nicht gut, zwischen Promis und Nicht-Promis zu unterscheiden. Beim Tod stehen solche Sachen bestimmt nicht mehr an.

Deshalb an Euch alle: Schafft Euch soziale Netzwerke und redet über Eure Probleme. Sich selbst wertlos zu fühlen ist nichts schlimmes...

es ist das Schlimmste, was einem bewußt widerfahren kann und meiner Vermutung nach auch die (eine wesentliche) Triebfeder für Selbsttötungen*

...und Mitmenschen sind auch dazu da, Euch wieder aufzubauen.

Solange das Gefühl der Wertlosigkeit diesen noch eine Chance dazu lässt
Zitat:
Jetzt bin ich ausgestoßen, traue mich seit einer Ewigkeit nicht mehr unter Menschen, meide jeden vermeidbaren Kontakt und bin hier gelandet.“
*auch im Zusammenhang mit "Amokläufen".
Zumindest deuten Parallelen wie Einsamkeit, geringes Selbstwertgefühl bzw. sein Gegenüber Übermachtgefühl ("...ich zeige es euch allen...") darauf hin.


Horst
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