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Alt 08.05.2009, 22:26   #1
Sancho
Gast
 
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Standard Der New Deal

Ist zwar aus dem Jahr 2005, aber wer richtig liest, findet trotzdem einige Paralellen.

Zitat:
Millionen sind ohne Arbeit. Da verspricht US-Präsident Roosevelt 1933 einen Ausweg aus der Not: Der Staat macht Schulden und verteilt dafür Jobs. Könnte das heute auch funktionieren?

In Oklahoma City fordert die Stadtverwaltung Restaurant-Besitzer auf, Essensreste von den Tellern zu kratzen und sie an Arbeitslose zu verteilen. In Minneapolis wüten hungernde Arbeiter: Krawalle sind an der Tagesordnung. Jedes fünfte Kind in New York ist unterernährt. Fensterputzer („ledge dancers“), häufig Männer jenseits der 60, reißen sich um hoffnungslos unterbezahlte und riskante Reinigungsjobs an den Fassaden der Wolkenkratzer. Endlos stehen Menschen vor den Suppenküchen Schlange, und riesige Slums an den Rändern der Großstädte prägen das Bild der USA der frühen 30er Jahre.

Nach dem spektakulären Börsencrash am 24. Oktober 1929, der als „black thursday“ (und mit einem Tag Verspätung aufgrund der Zeitverschiebung in Europa als „Schwarzer Freitag“) in die Geschichte einging, hatte sich der amerikanische Traum des niemals versiegenden Wachstums als Illusion erwiesen. Die USA stürzten in die schwerste Wirtschaftskrise ihrer Geschichte. Und in Anlehnung an den amtierenden republikanischen Präsidenten Herbert Hoover (1929-1933) nannte man die aus Pappkarton und Wellblech zusammenmontierten Armutsbezirke, die die Zentren der amerikanischen Metropolen umsäumten, „Hoovervilles“.

Hoovers Gegenspieler Franklin Delano Roosevelt hatte bereits Anfang 1929 geahnt, dass die Depression bevorstand, und er glaubte, sie würde seine Demokratische Partei beflügeln: „Solange die Börsenkurse in den Himmel steigen, ist man mit der republikanischen Regierung zufrieden. Das Problem für die Republikaner besteht aber darin, dass die gegenwärtig herrschenden Verhältnisse früher oder später ein Ende finden müssen. Wenn es soweit ist, will ich, dass die Demokratische Partei eine gesunde Radikalität besitzt, die ihr die Enttäuschten zuführt und sie dadurch wieder an die Macht bringt.“

Roosevelt sollte Recht behalten. Mit einem Vorsprung von sieben Millionen Wählerstimmen wurde er zum 32. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Am 4. März 1933 konnte er offiziell seine erste Amtszeit antreten, – und hielt sogleich eine denkwürdige Rede. Der von einer späten Kinderlähmung Heimgesuchte humpelte mühsam, die Beine in mächtige Eisenschienen gezwängt, zum Podest vor dem Kapitol. Ein Präsident, der sich kaum auf den Beinen halten konnte, und sich doch mit eisernem Willen ans Rednerpult heftete, schien ein ideales Sinnbild für die krisengeplagte Republik: „Lassen Sie uns den gemeinsamen Schwierigkeiten gemeinsam entgegentreten“, rief er der Menge zu – wie mühsam die Schritte auch sein mögen, ist man versucht zu ergänzen. „Es handelt sich“, fuhr er in Anspielung auf die Massenarbeitslosigkeit fort, „Gott sei Dank, nur um materielle Dinge.“ Und als sei seine Lähmung lediglich eine vorübergehende Begleiterscheinung, behauptete er, „dass wir nichts zu fürchten haben, außer der namenlosen, unvernünftigen Furcht, die uns lähmt und daran hindert, den Rückzug in einen Vormarsch zu verwandeln“.

......

Die Auseinandersetzung hat heute ihre Parallelen – auch wenn sie anders geführt wird. Zum derzeitigen Grundtenor des wirtschaftspolitischen Diskurses gehört – auch in den sozialdemokratisch regierten Ländern Deutschland und Großbritannien – die Behauptung, ökonomische Krisen würden am effektivsten bekämpft durch eine Politik der Deregulierung, der Privatisierung von Staatsbetrieben, Lohnzurückhaltung und der Eindämmung der Sozialausgaben. Nichts scheint derzeit anachronistischer als eine Keynesianische Wirtschaftspolitik à la Lafontaine, die den Staat als mächtigen, wirtschaftspolitischen Handlungsträger mit eigenem ökonomischen Gestaltungsraum proklamiert; auf die Gefahr hin, dass er sich zunächst maßlos verschuldet, um Investitionen in Gang zu setzen.

.....

Die Relief-Maßnahmen der Demokraten waren groß angelegte und mitunter kostspielige Arbeitsbeschaffungsprogramme, für die eigens neue Organisationen gegründet wurden wie die Nationale Aufbau-Behörde NRA. Die ABM-Maßnahmen sollten den Konsum der Bevölkerung anheizen und so die Wirtschaft, die auf ihrer Überproduktion sitzen geblieben war, wieder in Gang bringen. „Full speed ahead“ prangte über einem bekannten Plakat der Zeit: Ein wildentschlossener Zugführer gibt in seiner Lok Vollgas, sein schlohweißes Haar flattert jugendlich im Wind. „Now“ – so lautet die Unterzeile – „is the time to buy“ – „jetzt ist die Zeit zu kaufen“, denn Sparen, diese Überzeugung teilten die New Dealer mit dem Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes, führe in die Stagnation.
Der New Deal

Heute scheint sich die Geschichte zu Wiederholen.
 
 

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