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Start > > > > -> Eine Studie zeigt: Unter Hartz IV wurden die Arbeits- zur Gesinnungskontrollbehörde


 

 

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Alt 06.04.2009, 01:12   #1
druide65
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Standard Eine Studie zeigt: Unter Hartz IV wurden die Arbeits- zur Gesinnungskontrollbehörde

Zitat:
Wie sich unter dem Einfluss von Hartz IV die Einstellung von Arbeitsvermittlern gegenüber ihren "Kunden" verändert hat, darüber gibt eine Studie der Universität Bielefeld Auskunft [1]. Dabei wurden 107 Arbeitsvermittler in Arbeitsagenturen nach der Einstellung zu ihrer Tätigkeit befragt. Das Ergebnis: Unter Hartz IV wird der Umgang mit Arbeitslosen in den Arbeitsverwaltungen zu einer neuen Form sozialen Kontrolle. Bestraft werden nicht nur Verstöße gegen die gesetzlichen Regelungen (wie bisher schon), sondern bestraft wird mittlerweile vielmehr die innere Haltung, die Meinung. Mit "die Gedanken sind frei" ist es unter Hartz IV jedenfalls für Arbeitslose vorbei, jetzt steht die rechte Gesinnung auf dem Prüfstand.
Quelle
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Der Sozialismus muß eine Sache der Menschheit sein und darf nicht zur Sache einer Klasse herabgewürdigt werden.
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Alt 06.04.2009, 14:39   #2
Paolo_Pinkel
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Standard Armut und Demut

Zitat:
Eine Studie zeigt: Unter Hartz IV wurden die Arbeits- zur Gesinnungskontrollbehörde

Der jüngste Hartz IV-Sündenfall, bei dem in Göttingen ein Mitarbeiter der Arbeitsagentur einem bettelnden Langzeitarbeitslosen die Bezüge kürzte, lässt die Frage nach der sozialpolitischen Einstellung der Arbeitsvermittler aufkommen. Denn um einen Bettelnden - wohlgemerkt in der Freizeit - längere Zeit zu beobachten, seine Bettel-Einkünfte zu schätzen, dies als Einkommen mit den Hartz IV-Groschen zu verrechnen und den Bettelnden so zu bestrafen, dies bedarf schon einer gewissen Blockwartmentalität, die anscheinend den Fürsorgegedanken der früheren Sozialhilfe ersetzt hat.


Wie sich unter dem Einfluss von Hartz IV die Einstellung von Arbeitsvermittlern gegenüber ihren "Kunden" verändert hat, darüber gibt eine Studie der Universität Bielefeld Auskunft [1]. Dabei wurden 107 Arbeitsvermittler in Arbeitsagenturen nach der Einstellung zu ihrer Tätigkeit befragt. Das Ergebnis: Unter Hartz IV wird der Umgang mit Arbeitslosen in den Arbeitsverwaltungen zu einer neuen Form sozialen Kontrolle. Bestraft werden nicht nur Verstöße gegen die gesetzlichen Regelungen (wie bisher schon), sondern bestraft wird mittlerweile vielmehr die innere Haltung, die Meinung. Mit "die Gedanken sind frei" ist es unter Hartz IV jedenfalls für Arbeitslose vorbei, jetzt steht die rechte Gesinnung auf dem Prüfstand.
So konstatiert die Studie, dass zwar die Arbeitsvermittlung die zentrale Aufgabe der Arbeitsverwaltung sei, dies aber in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit in den "Hintergrund" trete (weil, wo keine Jobs, auch keine Vermittlung). Was aber machen dann die Angestellten der Arbeitsverwaltung? Die einfache aber weitreichende Antwort, so die Sozialforscher, lautet: Aktivieren. Und dabei kommt es, so die fundamentale Einsicht eines Arbeitsvermittlers, auf die "Haltung" der "Kunden" an:
Also wenn ich nicht selbst in mir den Willen habe, hier von uns weg zu kommen, zu sagen: ‚Also am liebsten möchte ich mit denen hier nicht zu tun zu haben', wenn das nicht in mir ist, dann wird das einfach nicht klappen...
Arbeitsvermittler in Süddeutschland
In derartigen Einstellungen wird Beschäftigung zu einer vom Willen des Arbeitslosen abhängigen Leistung. Das Arbeitsamt kann nur die Rahmenbedingungen setzen (Stellenangebote, Mobilitätshilfe, Zuschüsse) und dann liegt es an den Arbeitslosen selbst, etwas aus sich zu machen. Schaffen sie es nicht, war vermutlich der Wille nicht groß genug. Die Studie kommentiert diese Einstellung so: "Was bis hierher als Binsenweisheit der ökonomischen Eigenständigkeit daherkommt, gibt sich nur bei genauer Lektüre als etwas ganz anderes zu erkennen. Denn die objektive Situation auf dem Arbeitsmarkt spielt hier keine Rolle mehr: Arbeit zu finden wird subjektiviert." Und diese Einstellung ist in den Arbeitsämtern die Regel, denn "Vergleichbare Aussagen finden wir in fast allen Interviews mit Arbeitsvermittlern."
Wie eine "falsche" Einstellung von Arbeitslosen von Seiten der Arbeitsvermittler bestraft wird, zeigt das Beispiel eines Kraftfahrers, der eine "Trainingmaßnahme" bei einem möglichen künftigen Arbeitgeber ablehnt:
… und der sollte eine Trainingsmaßnahme machen und wäre danach eingestellt worden, und dann har er dem Arbeitgeber gesagt: "er wäre doch nicht bescheuert und würde doch nicht zwei Wochen für nichts arbeiten"...
Arbeitsvermittlerin
Der an sich ja nicht unbegründete Einwand ihres "Kunden" weckt aber Zweifel an der Arbeitswilligkeit bei der Arbeitsvermittlerin und wird dann so beantwortet: "Fazit: als Nächstes bekommt der jetzt eine Gemeinwohlarbeit zugewiesen..."
Die Studie macht an diesem Beispiel klar, was sich unter Hartz IV geändert hat: Entscheidungen von Arbeitslosen werden nicht einfach mehr als Handlungen von autonomen Bürgern hingenommen, die bei Verstoß gegen das Gesetzt zum Beispiel durch Leistungsentzug bestraft werden. "Darum geht es heute nicht mehr: Es geht vielmehr um Einsicht und Kooperation."
Der Arbeitslose ist in diesen Sichtweisen kein autonomer Bürger mehr und der Staat kein Organ der Volkssouveränität. Der Staat, so die Studie, wird hier zur formalen Organisation, die mit dem Arbeitslosen eine Tauschbeziehung eingeht: Er kriegt Hartz IV, aber dafür soll er arbeiten, auch wenn es nur für ein paar Euro ist. Die politische Verbindung zwischen Bürger, Volkssouverän und Herrschaftsinstitution, also die demokratische Verfasstheit, wird so aufgelöst in das einfache Modell eines "Tausches" zwischen dem "Staat" und dem "Kunden".
Auch hier ist wieder anzumerken, dies ist keine Einzelmeinung, sondern: "Diese Denkweise wird von der Mehrheit der befragten Arbeitsvermittler innerlich geteilt." Nur eine Minderheit weist mittlerweile noch dieses Prinzip des Subjektivierens zurück und hält an der Vor-Hartz IV-Sicht der Dinge fest, dass nicht der eigene Wille, sondern die Lage am Arbeitsmarkt entscheidend ist:
Jetzt, was soll ich denn da für ein härteres Regiment führen, wenn die Leut' nichts finden? Was soll ich denn da machen, soll ich sie erschießen?
Arbeitsvermittlerin aus dem Südwesten
"Aktivieren als soziale Kontrolle", so die Studie, zielt heute primär direkt auf die Einstellung und Haltung. Und was bedeutet dies für den Arbeitslosen? Wer mit derartigen Zumutungen kein Problem hat und auch bereit ist, den sozialen Abstieg hinzu nehmen, könnte – freilich je nach Arbeitsmarktlage – von der Aktivierung profitieren: Sie würden bei der "richtigen" Arbeitssuche (also die Bereitschaft, auch die schlechtbezahlteste und schmutzigste Arbeit anzunehmen) unterstützt. Wer sich allerdings weigert, dieses massive soziale Deklassierungs- und Ausbeutungsprogramm zu akzeptieren und zum Beispiel auf seiner Berufsidentität beharrt, denen – so die Studie – ergeht es schlecht: "Sie laufen Gefahr, in das Visier der Arbeitsvermittler zu geraten" und "bekommen dann als Abweichler zusätzliche Probleme, da gerade bei ihnen die Haltung und nicht die Vermittlung in Arbeit in den Fokus des Arbeitsvermittlers gerät".
Man muss sich deutlich vor Augen führen, was dieses – im soziologischen Fachjargon "nachsolidarische" – Denken und Tun der Arbeitsbehörde bedeutet: Sie mutierte unter Hartz IV offensichtlich zu einer Kontroll- und Bestrafungsbehörde nicht nur des Handelns, sondern des Denkens, der Einstellung, der Gesinnung. Nicht nur die Zurückweisung einer Arbeit wird sanktioniert, sondern allein schon die nicht Hartz IV-kompatible Einstellung, mit einem erlernten Beruf ausreichend Geld zum eigenen Unterhalt zu verdienen und so ein normales Leben führen zu wollen. Die Arbeitsbehörden werden so praktisch zur Schule der Armut und Demut – die Armen- und Arbeitshäuser des 19. Jahrhunderts lassen ideologisch grüßen.
TP: Armut und Demut

Gruss

Paolo
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Alt 06.04.2009, 15:10   #3
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fritzi
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Standard AW: Armut und Demut

Zitat:
Das Ergebnis: Unter Hartz IV wird der Umgang mit Arbeitslosen in den Arbeitsverwaltungen zu einer neuen Form sozialen Kontrolle.
Ach was ??? Gut, daß es solche Studien gibt .
fritzi ist offline  
Alt 06.04.2009, 15:15   #4
canigou
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Standard AW: Armut und Demut

Doppelt gemoppelt:

http://www.elo-forum.org/news-diskus...beh%F6rde.html
 
Alt 06.04.2009, 15:23   #5
Fleet
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Standard AW: Eine Studie zeigt: Unter Hartz IV wurden die Arbeits- zur Gesinnungskontrollbehör

Interessante Studie, die ich inhaltlich in vollem Umfang bestätigen kann.
Mein SB erklärte mir nämlich anläßlich des ortsüblichen Termines u.a. in einer Diskussion über Sinn und Unsinn einer "beruflichen Eingliederung" und der damit verbundenen Maßnahmen zum jetzigen Zeitpunkt, das das Hauptziel einer Anstellung mit ausreichener Entlohnung überhaupt keine Relevanz mehr habe. Was zähle, seien nunmehr Teilziele und somit die Prüfung, ob ich überhaupt noch eine entsprechende Einstellung zur Arbeit habe.
Eine Maßnahme sei in jedem Fall notwendig, um mich für die Reintregation, wann auch immer (!) diese sein soll, fit zu halten.

Der Argumentation, dass es derzeit wohl eher unwahrscheinlich sei, beruflich Fuß zu fassen, wurde seitens des SB so ausgelegt, als höre er hier deutlich heraus, dass ich nicht Willens sei und somit kein Fall mehr für die ArGe. Ich stünde damit dem Arbeitsmarkt rein von der Einstellung nicht mehr zur Verfügung. Dabei sei ein Bewerbungstraining ein erster Schritt.

Anm.: lachhaft, da ich freiberuflich bin und tagein und tagaus fortlaufend Bewerbungen ( bisher äußerst erfolgreich) für neue Projekte durchführe.

Das Teilziel sei damit meine Bereitschaft zur Aufnahme einer Tätigkeit auf dem Laufenden zu halten.

Weiter drohte er damit, er könne durchaus auch andere Maßnahmen heranziehen. Bisher hätte man mich entsprechend eingeschätzt, aber es sei auch durchaus denkbar, mich im "Grünen Bereich" einzusetzen.
 
Alt 06.04.2009, 15:30   #6
Kaleika
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Standard AW: Eine Studie zeigt: Unter Hartz IV wurden die Arbeits- zur Gesinnungskontrollbehör

Ich habe es mal zusammengeführt.

Kaleika
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Alle meine Beiträge und Antworten entspringen meiner persönlichen Meinung und meinen Erfahrungen, stellen daher keinerlei Rechtsberatung dar!




Lieber Gruß von Kaleika
Kaleika ist offline  
Alt 06.04.2009, 16:29   #7
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Standard AW: Eine Studie zeigt: Unter Hartz IV wurden die Arbeits- zur Gesinnungskontrollbehör

Zitat von Kaleika Beitrag anzeigen
Ich habe es mal zusammengeführt.

Kaleika
Danke
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Alt 06.04.2009, 20:34   #8
Heinzi1
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Standard AW: Eine Studie zeigt: Unter Hartz IV wurden die Arbeits- zur Gesinnungskontrollbehör

Der Heise-Artikel ist sehr, sehr gut. Sollte vervielfältigt und unter die Leute gebracht werden.

Hier aus einem Kommentar bei Heise dazu:

Zitat:
6. April 2009 17:21
Zwangsarbeiter im 3. Reich (Editiert vom Verfasser am 06.04.09 um 17:25)

counselor_troi, counselor_troi@web.de (121 Beiträge seit 27.05.04)
meine gehört zu haben, dass die Sabotage der Zwangsarbeiter in der
Rüstungsindustrie im 3. Reich, was natürlich in keinster Weise irgend
etwas mit dem Thema zu tun hat, nicht unerheblich zu dessen Ende
beigetragen haben.

Was die Argen versuchen ist doch: Vorwände zu finden, um Geld, das
immer knapper wird zu sparen. Was aus den ihnen anvertrauten
Arbeitsuchenden wird ist denen erstmal vollkommen Schnuppe. Es kommt
also darauf an, ihnen diese Vorwände nicht zu liefern- also erst mal
auf alles einzugehen, was sie verlangen. Der subersive Akt, der Akt
des Aufbegehrens, der Akt des zivilen Ungehorsams ist m.E. viel
besser in der anschliessenden Phase des unmittelbaren
Eingebundenseins im System der Ausbeutung und Unterdrückung
aufgehoben. Sein Ding zu machen, es aber so aussehen zu lassen, als
wäre es ihr Ding, ist die Kunst die wir lernen sollten. Sicher wieder
mal leichter gesagt als getan. Aber im schweykschen Sinne das System
von innen her zu unterhöhlen ist doch die Waffe die jedem zur
Verfügung steht, der sonst nichts mehr hat. Sich dumm zu stellen,
dümmer als die Polizei, oder in diesem Fall die Arge erlaubt-
Aufträge schlechter als schlecht ausführen, immer mit einem gewissen
Schalk und Spaß in den Augen und im Sinn. Die Clows-Army verlässt die
Geborgenheit der genehmigten Demo-Routen und geht in die Betriebe.
Man kann das ja auch, je nach Sinnhaftigkeit der Arbeit und eigenem
Gusto frei modulieren. Über allem sollte stehen: was auch immer du
tust, nie darfst du so tief sinken, von dem Kakau durch den man dich
zieht.... u.s.w
Die Idee finde ich gut. Auf zu den Holzschuhen ...
 
Alt 07.04.2009, 08:58   #9
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klaus1233
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Standard Hartz IV wurden die Arbeits- zur Gesinnungskontrollbehörde

Der jüngste Hartz IV-Sündenfall, bei dem in Göttingen ein Mitarbeiter der Arbeitsagentur einem bettelnden Langzeitarbeitslosen die Bezüge kürzte, lässt die Frage nach der sozialpolitischen Einstellung der Arbeitsvermittler aufkommen. Denn um einen Bettelnden - wohlgemerkt in der Freizeit - längere Zeit zu beobachten, seine Bettel-Einkünfte zu schätzen, dies als Einkommen mit den Hartz IV-Groschen zu verrechnen und den Bettelnden so zu bestrafen, dies bedarf schon einer gewissen Blockwartmentalität, die anscheinend den Fürsorgegedanken der früheren Sozialhilfe ersetzt hat.

Wie sich unter dem Einfluss von Hartz IV die Einstellung von Arbeitsvermittlern gegenüber ihren "Kunden" verändert hat, darüber gibt eine Studie der Universität Bielefeld Auskunft ...

TP: Armut und Demut

Toll, die Studie kostet 29 €, soll wohl nicht von H4 gelesen werden.

Der Kampf gegen Arbeitslosigkeit/Arbeitslose wird ausgedehnt auf die Gesinnung wie aus der Studie hervorgeht. Kohle gibt es nur noch für Mainstreambejaher und Wähler der großen Koalition, nur für diejenigen, die den Status als Bürger 3. Klasse willig akzeptieren, sich einfügen und brav alles aushalten, scheint das Zukunftsprogramm zu sein.
klaus1233 ist offline  
Alt 07.04.2009, 13:16   #10
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Dora
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Standard AW: Hartz IV wurden die Arbeits- zur Gesinnungskontrollbehörde

Macht hat was damit zu tun, ob andere etwas mit sich machen lassen und so den anderen Macht geben über sich.

Meine Gesinnung lass ich nicht kontrollieren und auch ein Existenzminimum lass ich mir nicht kürzen - auch nicht durch Sanktionen. Und verfassungsungs- und rechtswidrige Eingliederungsvereinbarungen unterschreiben wir auch nicht. Auch werde ich nur eine hinreichend bezahlte Arbeit annehmen, die mich aus dem Leistungsbezug bringt. Wir haben das vom ersten Tag an klargestellt, also unsere Gesinnung zum Thema Unrechtsgesetz Hartz IV offensiv vorgetragen.

Bis heute wurde ich nicht ein einziges Mal sanktioniert und eine Eingliederungsvereinbarung hat man mir auch nie wieder angetragen und auch niemand dem ich Beistand leistete, musste eine solche unterschreiben.

Wenn ich hier im Forum so lese was zum Thema Eingliederungsvereinbarung alles empfohlen und geschrieben wird, wie z. B. eine "Gegen-EGV" oder beim Thema Beistand lese, dass aus Angst vor möglichen Nachteilen Bedenken bestehen, den Namen zu nennen, dann frage ich mich, ob damit den ARGEn und ihren Mitarbeitern nicht zu viel Macht eingeräumt, gelassen wird.

Es fehlt vielen offensichtlich an Mut, an Logik und Strategie. Unrecht ist Unrecht und bleibt Unrecht und Hartz IV ist Unrecht! Und Unrecht lass ich nicht mit mir machen und muss das auch nicht! Punkt!
.
Dora ist offline  
Alt 07.04.2009, 13:20   #11
Gavroche
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Standard AW: Hartz IV wurden die Arbeits- zur Gesinnungskontrollbehörde

Zitat von Dora Beitrag anzeigen
Macht hat was damit zu tun, ob andere etwas mit sich machen lassen und so den anderen Macht geben über sich...
Darüber könnte man ewig philosophieren. Es sind schon ganz andere, gestandene Menschen gebrochen worden...
 
Alt 07.04.2009, 14:27   #12
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Standard AW: Hartz IV wurden die Arbeits- zur Gesinnungskontrollbehörde

Zitat von Gavroche Beitrag anzeigen
Darüber könnte man ewig philosophieren. Es sind schon ganz andere, gestandene Menschen gebrochen worden...
Huuuaahhh! Mir schlottern die Knie!!!
.
Dora ist offline  
Alt 07.04.2009, 14:32   #13
druide65
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Standard AW: Eine Studie zeigt: Unter Hartz IV wurden die Arbeits- zur Gesinnungskontrollbehör

Zitat:
Macht hat was damit zu tun, ob andere etwas mit sich machen lassen und so den anderen Macht geben über sich.
So sollte es im Idealfall sein.Aber ich kann verstehen wenn Menschen irgendwann die Puste ausgeht und sie einfach keine Kraft mehr haben.

Das Konstrukt der ARGEN ist eine Behörde der Angst.

Die einen haben Angst vor Elend,Armut und Sanktionen und die Mitarbeiter haben Angst um ihren Arbeitsplatz weil sie dann die Gewissheit haben schnell auf der anderen Seite des Schreibtisches zu sein.
Angst erzeugt Diskriminierung und falsches Handeln.


So wird der Druck von der Politik konsequent nach unten weitergegeben und wir sind das letze Glied in der Kette.
__

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druide65 ist offline  
Alt 07.04.2009, 22:54   #14
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fritzi
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Standard AW: Hartz IV wurden die Arbeits- zur Gesinnungskontrollbehörde

Zitat von klaus1233 Beitrag anzeigen
Toll, die Studie kostet 29 €, soll wohl nicht von H4 gelesen werden.
Nein, Frau Sondermann braucht sie für ihre Promotion. Wenn Du aber gerne mehr lesen möchtest, schaust du hier.
fritzi ist offline  
Alt 08.04.2009, 11:17   #15
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Standard AW: Eine Studie zeigt: Unter Hartz IV wurden die Arbeits- zur Gesinnungskontrollbehör

Zitat von druide65 Beitrag anzeigen
So sollte es im Idealfall sein.
Ob das der "Idealfall" ist weiß ich nicht. Für mich ist es die Realität. Da hilft mir auch kein philosophieren.
Auch wenn ich keine Familie hätte: Die Entscheidung von vornherein (Klage Ende 2004) gegen dieses Unrechtsgesetz vorzugehen, war von Anfang an klar. Und fest stand auch, dass von Anfang an darzulegen und ggf. weitere rechtliche Schritte bis zur höchsten Instanz zu unternehmen.

Zitat von druide65 Beitrag anzeigen
Aber ich kann verstehen wenn Menschen irgendwann die Puste ausgeht und sie einfach keine Kraft mehr haben.
Das kann ich auch verstehen. Deswegen ist Solidarität ja so wichtig.

Zitat von druide65 Beitrag anzeigen
Das Konstrukt der ARGEN ist eine Behörde der Angst.

Die einen haben Angst vor Elend,Armut und Sanktionen und die Mitarbeiter haben Angst um ihren Arbeitsplatz weil sie dann die Gewissheit haben schnell auf der anderen Seite des Schreibtisches zu sein.
Die Angst ist auf beiden Seiten. Wenn wir Mitarbeiter der ARGEn darauf ansprechen, dass wir - und mit dem "wir" sind auch die Mitarbeiter der ARGEn bis zur Geschäftleitung gemeint - als Demokraten nach der geltenden Verfassung das Recht, ja sogar die Pflicht haben uns dagegen zu wehren, kommen Reaktionen der Verlegenheit. Der Blickkontakt wird unterbrochen, künstliches, verkrampftes Lachen, usw. Die haben halt noch ein bißchen mehr Angst, weil auch noch der Job und das Gehalt dran hängen könnte. Mehr Angst braucht mehr Mut.

Zitat von druide65 Beitrag anzeigen
Angst erzeugt Diskriminierung und falsches Handeln.
Angst erzeugt vieles und Angst ist oft irreal. Aber der Verstand braucht sie zur Rechtfertigung für unser Verhalten, zum "Recht haben". Darunter leidet dann das, was gern "Seele" genannt wird. Wie hieß ein Film so schön? Angst essen Seele auf?

Zitat von druide65 Beitrag anzeigen
So wird der Druck von der Politik konsequent nach unten weitergegeben und wir sind das letze Glied in der Kette.
Angst ist die Peitsche der Macht? Also umso wichtiger, zu erkennen was Angst ist bzw. dass Angst oft irreal ist. Denn Macht hat nur der über dich, dem du sie lässt.
.
Dora ist offline  
Alt 10.04.2009, 19:49   #16
Heinzi1
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Standard AW: Hartz IV wurden die Arbeits- zur Gesinnungskontrollbehörde

Zitat von Dora Beitrag anzeigen
Meine Gesinnung lass ich nicht kontrollieren und auch ein Existenzminimum lass ich mir nicht kürzen - auch nicht durch Sanktionen. Und verfassungsungs- und rechtswidrige Eingliederungsvereinbarungen unterschreiben wir auch nicht. Auch werde ich nur eine hinreichend bezahlte Arbeit annehmen, die mich aus dem Leistungsbezug bringt. Wir haben das vom ersten Tag an klargestellt, also unsere Gesinnung zum Thema Unrechtsgesetz Hartz IV offensiv vorgetragen.

Bis heute wurde ich nicht ein einziges Mal sanktioniert und eine Eingliederungsvereinbarung hat man mir auch nie wieder angetragen und auch niemand dem ich Beistand leistete, musste eine solche unterschreiben.
Dann bist Du entweder Rechtsanwältin oder naiv. Denn: hast Du mal drüber nachgedacht, dass Du vielleicht nur Glück gehabt hast, einen nicht oder nicht ganz so gehirngewaschenen SB zu haben? Komm Du mal mit einem Fascho zurecht.

Das, was Du hier so ohne Mitgefühl für ohnmächtig Gemachte von Dir gibst, lässt die Menschen, die haufenweise von den SB schikaniert werden, so dastehen, als ob sie Schuld daran seien, wenn sie so behandelt werden. Das sind sie aber nicht.

Dieses System ist menschenverachtend. Und nicht alle haben das Glück, einen noch-menschlichen SB vor sich zu haben.
 
Alt 10.04.2009, 21:47   #17
Hamburgeryn
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Zitat:
Zitat von Heinzi1 Beitrag anzeigen
Dann bist Du entweder Rechtsanwältin oder naiv. Denn: hast Du mal drüber nachgedacht, dass Du vielleicht nur Glück gehabt hast, einen nicht oder nicht ganz so gehirngewaschenen SB zu haben? Komm Du mal mit einem Fascho zurecht.
Das, was Du hier so ohne Mitgefühl für ohnmächtig Gemachte von Dir gibst, lässt die Menschen, die haufenweise von den SB schikaniert werden, so dastehen, als ob sie Schuld daran seien, wenn sie so behandelt werden. Das sind sie aber nicht.
Dieses System ist menschenverachtend. Und nicht alle haben das Glück, einen noch-menschlichen SB vor sich zu haben.
Ich kann dir nur beipflichten, Heinzi. Im Falle meiner Tochter haben mir weder das damalige Forum, noch die Ini, noch mein Kenntnisse im SGB II, Beistand und SG helfen können. Der SB ist und war ein Sadist, er hat uns Fallen gestellt, Fallstricke gelegt und uns immer wieder ins offene Messer laufen lassen. Der Typ lebte für Hartz! Er war vollkommen überzeugt, dass es gut und richtig ist, was er tut, und dass Menschen nicht nur so behandelt werden müssen, sondern wollen. Er hatte einen Heidenspaß daran Menschen fertig zu machen. Sie seine Macht spüren zu lassen. Er ist ein Teufel in Menschengestalt.
Das galt für die gesamte Abteilung. Weder der TL, noch AL, noch GS haben sich auch nur annähernd die Mühe gemacht, unsereins auch nur zuzuhören.
Wir fühlten uns diesem Mann völlig ausgeliefert. Wir hatten das Gefühl, weder gesetzlichen Schutz, noch Hilfe zu bekommen. Wir empfanden Angst! Jeden Tag! Bei jedem Gang zum Briefkasten. Bei jedem Brief. Bei jeder Aufforderung. Krankmachende, verzweifelte Angst!
Wir hatten uns am Ende derart in den Fallstricken der Arge verheddert, dass es 100%ige Sanktionen hagelte, damals dann ohne KV, ohne Perspektive. Ohne familiäre Geldspenden wäre es nicht gegangen..... Meine Tochter und ich waren am Ende. Sie depressiv, ich schwer krank......

Deswegen bin ich auch immer vorsichtig im Ratschläge geben. Die Sanktionen muss am Ende jeder selbst tragen. Und ein Rat der bei X gut war - wo der SB am Ende nachgab, kann bei Y zur Katastrophe werden - weil dessen SB ein Bluthund ist. Und Gesetze, Paragraphen, die kann man so und so auslegen. Oder so....je nach dem wie man es braucht. Manche werden durch andere ergänzt oder wieder aufgehoben..... oder haben diese oder jene Bedeutung.
SGs sind weit weg, und auch wenn man Recht hat, heißt es noch lange nicht, dass man es auch bekommt......

LG
 
Alt 10.04.2009, 21:57   #18
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Arania Arania Arania Arania Arania Arania
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sehr gut geschrieben
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Alt 11.04.2009, 09:21   #19
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Zitat von Heinzi1 Beitrag anzeigen
Dann bist Du entweder Rechtsanwältin oder naiv. Denn: hast Du mal drüber nachgedacht, dass Du vielleicht nur Glück gehabt hast, einen nicht oder nicht ganz so gehirngewaschenen SB zu haben? Komm Du mal mit einem Fascho zurecht.
....
Weder bin ich Rechtsanwalt oder -in noch habe ich nur nette SB's gehabt. Naiv bin ich allerdings auch nicht. Und gerade weil ich mit Leuten zu tun hatte, die alles andere als nett waren, sondern krank - und Faschos sind krank! - hab ich hinsichtlich des Umgangs mit solchen Menschen dazugelernt oder anders formuliert: Wir haben - nicht ich allein - gelernt, das Spielchen "Guter Onkel, böser Onkel" zu beherrschen. Davor hab ich mich lange und erfolgreich allein durchgeschlagen. Wenn ich mal böse werde dann richtig! Auch das kann ich noch heute, bin aber froh, dass ich dank der erworbenen Sachkenntnis und meines "gute Rufes" wegen nicht mehr brauche.

Zitat von Heinzi1 Beitrag anzeigen
Das, was Du hier so ohne Mitgefühl für ohnmächtig Gemachte von Dir gibst, lässt die Menschen, die haufenweise von den SB schikaniert werden, so dastehen, als ob sie Schuld daran seien, wenn sie so behandelt werden. Das sind sie aber nicht.
Wenn du mit Mitgefühl Mitleid meinst - wem soll das helfen? Und was willst du mit der dämlichen Schuldfrage? Es geht nicht um Schuld.
Es geht darum, sich zu behaupten und durchzusetzen. Und das können viele Menschen nicht.
Aber jeder Mensch kann das lernen.
Und auch Sachkunde kann mensch sich aneignen!


Zitat von Heinzi1 Beitrag anzeigen
Dieses System ist menschenverachtend. Und nicht alle haben das Glück, einen noch-menschlichen SB vor sich zu haben.
Das System ist menschenverachtend? Das System hat schuld? Du bist das unschuldige Opfer?
Wenn du das möchtest - bitte! Das steht jedem frei.

Mir ist das "System" da erst mal völlig schnurz. Aber ich weiß wie es funktioniert und habe gelernt damit umzugehen. Meine SB's und pAp haben schon oft gewechselt. Das mit der menschlichen SB kannst du vergessen!
An Menschlichkeit in der ARGE glaube ich nicht und du solltest das auch nicht. Es geht dort nicht um Menschlichkeit!

Es geht um machen oder es wird etwas mit dir gemacht - wenn du es zulässt. Und zum Thema Gegenwehr gibt es genug hier im Forum. Schon lange. Aber leider machen nur wenige sich die Mühe, sich das Handwerkzeug anzueignen.
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Dora ist offline  
Alt 12.04.2009, 10:35   #20
Heinzi1
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Standard AW: Eine Studie zeigt: Unter Hartz IV wurden die Arbeits- zur Gesinnungskontrollbehör

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Wenn du mit Mitgefühl Mitleid meinst - wem soll das helfen? Und was willst du mit der dämlichen Schuldfrage? Es geht nicht um Schuld.
Es geht darum, sich zu behaupten und durchzusetzen. Und das können viele Menschen nicht.
Aber jeder Mensch kann das lernen.
Und auch Sachkunde kann mensch sich aneignen!
Mann, Dora, Du hast wirklich keine Ahnung, wie man von einem Fascho zutiefst entmenschlicht werden kann, wenn man nicht ganz so toll drauf ist, wie Du Dich hier darstellst.

Du gehst tatsächlich davon aus, dass jeder Mensch mal eben so lernen kann, sich durchzusetzen und zu behaupten. Vielleicht auch noch allein dadurch, dass er/sie sich Sachkenntnis aneignet?

Menschen werden durch dieses Hartz-IV-Unrechtssystem (in dem Menschen rechtlich legitimiert Unrecht ausüben) demoralisiert. Und das vor allem dann, wenn sie bisher - in ihrem Vorleben, vor Hartz IV - nicht gelernt haben, dass und wie man sich wehren und durchsetzen kann. Also vor allem die, die in Krisen depressiv werden und die, die durch Erziehung und Gesellschaft hilflos gemacht wurden. Das geht Dir mit Deiner Kampfeinstellung sicherlich ab, aber das gibt es tatsächlich.

... Mal eben so schnell lernen, wie man sich durchsetzen kann, ist da nicht. Man muss erst mal wieder Mut (gemacht) und gezeigt bekommen, wie man sich effektiv wehren kann. Aber nicht nach Deinem Motto "Wer´s nicht lernt, kann selbst was dafür oder ist zu dumm!". So ist nämlich Dein Ton, ziemlich von oben herab. Das demoralisiert zusätzlich.
 
Alt 12.04.2009, 17:30   #21
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Dora
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Standard AW: Eine Studie zeigt: Unter Hartz IV wurden die Arbeits- zur Gesinnungskontrollbehör

Moin Heinz,

ich seh schon: Mein posting war zu kurz und dadurch vielleicht auch mißverständlich. Leider hab ich wenig Zeit mich lange und viel im Internet aufzuhalten und die meiste Zeit davon geht für Recherche und Informieren drauf. Nun hoffe ich, es macht dir und den anderen Usern oder Lesern nichts aus, wenn ich etwas aushole bzw. das jetzt länger wird.

Was das
Zitat:
..ganz "so toll" drauf
sein angeht:
Sicher, jeder Mensch ist anders geprägt. Da ich beruflich (und hinreichend gut bezahlt) einige Jahre mit sogenannten "schwierigen" Jugendlichen und Erwachsenen und auch Kindern und auch sonst in viel verschiedenen Branchen gearbeitet habe, weiß ich das.

Unsere Ini gibt es seit 11 Jahren und die Selbsthilfegruppe Sozialhilfe seit Anfang der 90-er Jahre.
Selbst habe ich Diskriminierung und Ausgrenzung seit frühester Kindheit erfahren müssen, da ich als eines von vier Kindern von Flüchtlingen, die in einer heruntergekommenen, ärmlichen Holzbaracke am Stadtrand von einer kärglichen "Fürsorge" leben mussten, aufgewachsen bin. Hunger zu erleiden, frieren müssen, gehänselt, ausgegrenzt werden - sind auch für mich nicht nur Worte sondern leibhaftige Erfahrungen.
Mein Leben habe ich mit Jobs aller Art (Kellnern, Plakate ankleben, Druckerei, Textilfabrik usw.), mit Reisen, dem 2. Bildungsweg u. a. mehr verbracht. Das ist mein "background". Was ich damit sagen will:
Von Erniedrigungsversuchen hab ich nicht nur Ahnung, ich habe sie sogar selbst erlebt. In der Schule gab es auch mal einen Lehrer, der sich auf mich "eingeschossen" hatte. Aber das ist harmlos im Vergleich dazu, wenn ein Amtsleiter, Abeteilungsleiter und 1 SB versuchen dich nach allen Regeln der Kunst fertig zu machen. Das ist schon lange her, aber ich hab es nicht vergessen.

Zitat von Heinzi1 Beitrag anzeigen
Du gehst tatsächlich davon aus, dass jeder Mensch mal eben so lernen kann, sich durchzusetzen und zu behaupten. Vielleicht auch noch allein dadurch, dass er/sie sich Sachkenntnis aneignet?
Nein, dass jeder das "mal so eben" lernen kann, davon geh ich nicht aus. Wir leisten Betreuung, Beistand und Hilfe zur Selbsthilfe. Das zeigt schon, dass wir je nach den individuellen Erfordernissen Hilfe bieten. Betreuen meint das volle Programm: Hilfe bei Verständnisfragen, Formulierung von Schreiben, Erledigung von Aufgaben, Beistand bei Behörden, allgem. Lebensberatung, Angebot zu regelmäßigen Treffen zum Austausch, Angebot zu gemeinsamen Unternehmungen usw. usw.
Natürlich soll das alles auch das Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen aufbauen, stärken und die Angebote zur Info über den Umgang mit Behörden und die rechtlichen Grundlagen das Handwerkszeug an die Hand geben sich später ggf. auch selbst mal alleine wehren / helfen, Beistand leisten zu können und dieses Fähigkeiten weitergeben zu können.

Was das "mal soeben" angeht: Wie man sich gegen Behördenwillkür wehren kann das steht schon seit Früjahr 2007, also seit jetz 2 Jahren unter "Abwehr von Behördenwillkür" hier im Forum. Guckst du hier:

Information - Infos zur Abwehr von Behördenwillkür im Erwerbslosen Forum Deutschland

und hier als besonders erwähnenswerten Beitrag

http://www.elo-forum.org/infos-abweh...es-wissen.html

Zitat von Heinzi1 Beitrag anzeigen
Menschen werden durch dieses Hartz-IV-Unrechtssystem (in dem Menschen rechtlich legitimiert Unrecht ausüben) demoralisiert.
Genauso gut kann ich sagen, die Menschen lassen sich durch dieses Unrechtsgesetz Hartz IV demoralisieren, erniedrigen usw. Sie lassen zu, dass es etwas mit ihnen macht, etwas mit ihnen gemacht wird. Damit räumen sie anderen Macht über sich ein.
Wenn ich etwas zulasse, sollte ich dann nicht auch dazu stehen, dass ich das zulasse?

Hier im Forum war schon oft vom "deutschen Michel" zu lesen. Der schlafe, alles mit sich machen lasse. Stimmt, aber Veränderungen beginnen bei einem selbst.
Findest du es nicht widersprüchlich, nach Veränderungen der Gesellschaft, des Systems zu rufen, aber sich selbst auszusparen und in der Rolle als "Opfer" zu verharren?

Zitat von Heinzi1 Beitrag anzeigen
Und das vor allem dann, wenn sie bisher - in ihrem Vorleben, vor Hartz IV - nicht gelernt haben, dass und wie man sich wehren und durchsetzen kann. Also vor allem die, die in Krisen depressiv werden und die, die durch Erziehung und Gesellschaft hilflos gemacht wurden. Das geht Dir mit Deiner Kampfeinstellung sicherlich ab, aber das gibt es tatsächlich.
Gehn wir im Vorleben mal zurück bis an den Anfang. Wir alle hatten oder haben Eltern. Leibliche oder nicht. Natürlich können wir sie für alles mögliche verantwortlich machen. Sie waren diejenigen, die mit uns zusammen waren in unseren frühen Jahren. Können wir als Erwachsene immer noch hergehen und sagen, unsere Eltern sind "schuld", die haben damals was (mit mir) falsch gemacht?
Wann beginnt die Verantwortung für sich selbst, wann hört die der Eltern auf? Wie lange soll, kann und will jemand die Verantwortung für sich selbst den anderen, also Eltern, Lehrern, Gesellschaft, oder einem System etc. zuschieben? Ich sag es mal auf die Spitze getrieben und auf die Gefahr hin zu provozieren: Wir leben, haben "überlebt". Für mehr waren unsere Eltern nicht verantwortlich.

Zitat von Heinzi1 Beitrag anzeigen
... Mal eben so schnell lernen, wie man sich durchsetzen kann, ist da nicht. Man muss erst mal wieder Mut (gemacht) und gezeigt bekommen, wie man sich effektiv wehren kann. Aber nicht nach Deinem Motto "Wer´s nicht lernt, kann selbst was dafür oder ist zu dumm!". So ist nämlich Dein Ton, ziemlich von oben herab. Das demoralisiert zusätzlich.
Wir reden hier von Erwachsenen oder zumindest Volljährigen.
Erst einmal sollte klar sein, dass die "Schuldfrage", das Abschieben von Verantwortung und das Beibehalten der Opferrolle - dass das alles unnötiger Ballast ist. Dummes Zeug. Über Bord damit!
Und wie langsam soll es denn gehen? Statt 2 Jahre lieber 20 Jahre? Wie eilig haben wir es und wie viel Zeit bleibt uns?

Diese Fragen kann jeder für sich entscheiden oder (weiter) vor sich herschieben.

Gruß
Dora
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Alt 12.04.2009, 20:07   #22
Gavroche
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Standard AW: Eine Studie zeigt: Unter Hartz IV wurden die Arbeits- zur Gesinnungskontrollbehör

Hallo Dora,
Du (ver-)urteilst für mein Empfinden nicht wirklich fair.
Das Leben hat Dich hart gemacht und was Du schreibst, klingt ein wenig auch nach Verbitterung.

Die Grundhaltung, die Erfahrungswerte, die Mentalität eines Menschen verändern sich nicht in 3 Jahren mit H4. Hat jemand in seinem Leben gelernt, sich immer nur ducken zu müssen (und derer gibt es viele), kann man wohl kaum davon ausgehen, dass er sich während seiner 'Beschäftigung' mit diesem Forum (oder den von Dir aufgezählten Hilfestellungen) in einen selbstbewussten, offenen Widerstand leistenden und an Deiner Haltung sich aufrichtenden Menschen verwandelt.

Du erwartest von anderen Menschen die gleiche Leistung, die Du erbracht hast. Auf diese Weise MUSS man enttäuscht werden.
 
Alt 13.04.2009, 01:05   #23
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Dora
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Hallo Dora,
Du (ver-)urteilst für mein Empfinden nicht wirklich fair.
Das Leben hat Dich hart gemacht und was Du schreibst, klingt ein wenig auch nach Verbitterung.
was ist "wirklich fair" deiner Meinung nach? Was hättest du geschrieben?
Es klingt ein wenig nach Verbitterung? Hmm, hab noch mal so nachgedacht und kurz Revue passieren lassen. Was nicht so schwierig war, da ich siet Anfang der 60-er wenn auch phasenweise eher sporadisch - Tagebuchnotizen mache. Komm mir selbst nicht verbittert vor. Auch will ich mich nicht zum Vorbild oder so machen. Jeder kann nicht nur, er muss sich selbst entscheiden. Das kann und will ich niemandem abnehmen.

Zitat von Gavroche Beitrag anzeigen
Die Grundhaltung, die Erfahrungswerte, die Mentalität eines Menschen verändern sich nicht in 3 Jahren mit H4. Hat jemand in seinem Leben gelernt, sich immer nur ducken zu müssen (und derer gibt es viele), kann man wohl kaum davon ausgehen, dass er sich während seiner 'Beschäftigung' mit diesem Forum (oder den von Dir aufgezählten Hilfestellungen) in einen selbstbewussten, offenen Widerstand leistenden und an Deiner Haltung sich aufrichtenden Menschen verwandelt.

Du erwartest von anderen Menschen die gleiche Leistung, die Du erbracht hast. Auf diese Weise MUSS man enttäuscht werden.
Wartest du darauf, dass sich deine Grundhaltung, Erfahrungswerte von alleine (in 3 Jahren oder mehr) verändern?
Dass die Beschäftigung mit diesem Forum nicht der Weisheit letzter Schluss ist, da stimm ich dir zu. Meiner Meinung nach verbringen zu viel Menschen zu viel Zeit im Internet, beschäftigen sich zu sehr mit einer Flut von Infos über Gott und die Welt, lenken sich von ihren Aufgaben ab. Sie agieren zu wenig in ihrer eigenen Realität. Derartige Kopflastigkeit halt ich persönlich für ungesund. So werden dann andere Dinge möglicherweise zu Problemen.

Über die Grenzen der Wirkung von Geschriebenen (egal ob in Büchern oder z. B. diesem Forum) bin ich mir bewusst. Gerade, was die Gegenwehr gegen ein nun 4 Jahre existierendes Unrechtsgesetz angeht, ist die Unterstützung beim praktischen Handeln sicher wichtig. Das geht aber nicht in einem Forum. Da kann mensch nur schreiben und lesen. Und ob z. B. ein gutes Buch sein Leben beeinflusst, verändert oder nicht entscheidet auch jeder selbst.
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