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Alt 24.03.2009, 14:01   #1
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Standard Berliner Rede 2009

Hier die heute vom Buprä Köhler gehaltene Rede. Ich finde, sie ist schon beachtenswert:

Zitat:
Berliner Rede 2009 von Bundespräsident Horst Köhler

24.03.2009
Berlin

- Änderungen vorbehalten. Es gilt das gesprochene Wort. -
Ich will Ihnen eine Geschichte meines Scheiterns berichten.
Es war in Prag, im September 2000. Ich war neu im Amt als Geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds. Mein Ziel war es, den IWF zum Exzellenzzentrum für die Stabilität des internationalen Finanzsystems zu machen.
Die Entwicklung auf den Finanzmärkten bereitete mir Sorgen. Ich konnte die gigantischen Finanzierungsvolumen und überkomplexen Finanzprodukte nicht mehr einordnen. Ich begann, kapitalmarktpolitische Expertise im IWF aufzubauen. Das sahen nicht alle gern. Und ich wunderte mich, dass sich die G7-Staaten nur zögerlich einer Überprüfung ihrer Finanzsektoren unterziehen wollten; solche Überprüfungen waren von den Mitgliedstaaten des Internationalen Währungsfonds 1999 als Lehre aus der Asienkrise beschlossen worden.
Viele, die sich auskannten, warnten vor dem wachsenden Risiko einer Systemkrise. Doch in den Hauptstädten der Industriestaaten wurden die Warnungen nicht aufgegriffen: Es fehlte der Wille, das Primat der Politik über die Finanzmärkte durchzusetzen.
Jetzt sind die großen Räder gebrochen, und wir erleben eine Krise, deren Ausgang das 21. Jahrhundert prägen kann. Ich meine: zum Guten, wenn wir aus Schaden klug werden.
Noch aber entfaltet die Rezession sich weiter. Jeder Kontinent ist erfasst. Die Finanzkrise hat blitzschnell durchgeschlagen auf die reale Wirtschaft. Gestern war Deutschland noch Exportweltmeister. Ein stolzer Titel fällt uns heute vor die Füße. Aufträge brechen weg, mit nie dagewesener Geschwindigkeit.
Es ist ein gutes Zeichen, dass die meisten Unternehmen in Deutschland versuchen, Entlassungen zu vermeiden. Sie wissen, dass sie ihre hoch motivierten und gut qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dringend brauchen, wenn sie die Krise überwinden wollen. Wir müssen aber auch ehrlich sein: Viele Unternehmen werden ihr Überleben und damit zugleich Arbeitsplätze nur sichern können, wenn sie sich auch von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern trennen. Wir müssen uns darauf einstellen: Die Arbeitslosigkeit in Deutschland wird sich wieder deutlich erhöhen.
Manche fragen: Können wir nicht einfach aussteigen aus der Globalisierung? Aber eine Volkswirtschaft, in der vom Brot bis zum Hemd, vom Computer bis zum Auto alles im eigenen Land hergestellt werden müsste, ist nicht mehr denkbar. Der Ausstieg aus den Weltmärkten würde unseren Wohlstand in kürzester Zeit vernichten.
Stellen wir uns also der Verantwortung. Sie deckt sich mit unserem Interesse. Wir verkaufen die Hälfte unserer Wirtschaftsleistung ins Ausland. Die Weltwirtschaft ist unser Schicksal. Deshalb müssen wir unser Gewicht jetzt aktiv und konstruktiv in die internationale Zusammenarbeit zur Überwindung der Krise einbringen.
Die große Chance der Krise besteht darin, dass jetzt alle erkennen können: Keiner kann mehr dauerhaft Vorteil nur für sich schaffen. Die Menschheit sitzt in einem Boot. Und die in einem Boot sitzen, sollen sich helfen. Eigennutz im 21. Jahrhundert heißt: sich umeinander kümmern.
Vor allem wir im Norden müssen umdenken. Auf unserer Erde leben derzeit etwa 6 1/2 Milliarden Menschen. Nur rund 15 Prozent von ihnen leben in Umständen wie wir. Weit über zwei Milliarden Menschen müssen mit zwei Dollar pro Tag auskommen, eine Milliarde sogar nur mit einem Dollar. Wir sollten uns nicht länger einreden, das sei gerecht so. Sicherheit, Wohlstand und Frieden wird es auch in den Industrieländern dauerhaft nur geben, wenn mehr Gerechtigkeit in die Welt kommt. Wir brauchen eine Entwicklungspolitik für den ganzen Planeten. Das heißt: Die Industrieländer - auch Deutschland - müssen sich fragen, was sich auch bei ihnen verändern muss, um der Welt eine gute Zukunft zu sichern.
Bundesregierung und Bundestag haben in den vergangenen Monaten Handlungsfähigkeit bewiesen und kurzatmigen Aktionismus vermieden. Ihr Wort hat Gewicht auch im europäischen und internationalen Krisenmanagement.
In Deutschland steht unsere Regierung vor schwierigsten Abwägungen und Entscheidungen. Sie betreffen das Wohl und Wehe vieler Menschen. Niemand hat fertige Rezepte. Wir können über unsere konkreten Schritte und die Schwierigkeiten, auf die wir stoßen, keine Sicherheit haben. Aber wir können darauf vertrauen: Die eingeschlagene Richtung stimmt.
Jeder ernsthafte Vorschlag muss ernsthaft gewogen werden. Das Ringen um die beste Lösung gehört zur Demokratie. Auch im Vorfeld einer Bundestagswahl gibt es aber keine Beurlaubung von der Regierungsverantwortung. Die Bevölkerung hat gerade in der Krise den Anspruch darauf, dass ihre Regierung geschlossen handelt und Lösungen entwickelt, die auch übermorgen noch tragfähig sind. Die Krise ist keine Kulisse für Schaukämpfe. Sie ist eine Bewährungsprobe für die Demokratie insgesamt.
Viele Bürgerinnen und Bürger sind verunsichert. Sie fragen, was uns bevorsteht und was nun getan werden soll. Sie sehen die Einkommen der Banker, die Verluste der Anleger, die Krise vieler Betriebe und die riesigen Hilfsprogramme der Staaten. Und viele beginnen, am Wert und am Fortbestand des marktwirtschaftlichen Systems zu zweifeln.
Die Menschen brauchen mehr Information und Erklärung über das, was abläuft. Sie wollen wissen, wie sie sich selbst einbringen können, mit ihren eigenen Ideen und Vorstellungen. Parlamente und Regierungen im Bund und in den Ländern sind bei der Bewältigung der Krise auf die Unterstützung und Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger angewiesen. Es geht darum, gemeinsam neue Wege zu finden.
Am Anfang steht die Frage: Wie konnte es zu dieser Krise kommen?
Noch kennen wir nicht alle Ursachen. Aber vieles ist inzwischen klar. Zu viele Leute mit viel zu wenig eigenem Geld konnten riesige Finanzhebel in Bewegung setzen. Viele Jahre lang gelang es, den Menschen weiszumachen, Schulden seien schon für sich genommen ein Wert; man müsse sie nur handelbar machen. Die Banken kauften und verkauften immer mehr Papiere, deren Wirkung sie selbst nicht mehr verstanden.
Im Vordergrund stand die kurzfristige Maximierung der Rendite.

Auch angesehene deutsche Bankinstitute haben beim Umgang mit Risiko zunehmend Durchblick und Weitsicht verloren. Das konnte nur geschehen, weil sie den Bezug zu ihrer eigenen Kultur aufgaben: zu dem, was diese Häuser überhaupt erst zu Größe und Bedeutung geführt hatte - Sinn für Geldwertstabilität, Respekt vor dem Sparer und langfristiges Denken. Auch Banken können nur dauerhaft Wertschöpfung erbringen, wenn sie sich als Teil der ganzen Gesellschaft sehen und von ihr getragen werden. Wenn sie den Grundsatz unserer Verfassung achten: Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll auch dem Allgemeinwohl dienen.
Doch das Auftürmen von Finanzpyramiden wurde für viele zum Selbstzweck, insbesondere für sogenannte Investmentbanken. Damit haben sie sich nicht nur von der Realwirtschaft abgekoppelt, sondern von der Gesellschaft insgesamt. Dabei geht es auch um Fragen der Verantwortung und des Anstands. Was vielen abhanden gekommen ist, das ist die Haltung: So etwas tut man nicht. Bis heute warten wir auf eine angemessene Selbstkritik der Verantwortlichen. Von einer angemessenen Selbstbeteiligung für den angerichteten Schaden ganz zu schweigen.
Derweil stockt das Blut in den Adern des internationalen Finanzwesens. Das hat überall Folgen, auch bei uns: Für Investitionen brauchen Unternehmen Kredite, und dafür müssen die Banken zusammenarbeiten. Aber sie misstrauen einander immer noch. Sie halten ihr restliches Geld fest. Die Finanzkrise stiftet Unsicherheit und lähmt weltweit den Unternehmungsgeist.
Wir erleben das Ergebnis fehlender Transparenz, Laxheit, unzureichender Aufsicht und von Risikoentscheidungen ohne persönliche Haftung. Wir erleben das Ergebnis von Freiheit ohne Verantwortung.
Aber Schuldzuweisungen und kurzfristige Reparaturen reichen nicht aus, wenn wir die tiefere Lehre aus der Krise ziehen wollen. Denn es gibt einen Punkt, der geht uns alle an. Obwohl der Wohlstand in der westlichen Welt, in Europa und auch in Deutschland seit den 70er Jahren beständig zunahm, ist auch die Staatsverschuldung kontinuierlich angestiegen. Man stellte Wechsel auf die Zukunft aus und versprach, sie einzulösen. Das ist bis heute nicht geschehen. Denn wir scheuten uns vor den Anstrengungen, die mit jedem Schuldenabbau verbunden sind. Wir haben die Wechsel an unsere Kinder und Enkel weitergereicht und uns damit beruhigt, das Wirtschaftswachstum werde ihnen die Einlösung dieser Wechsel erleichtern. Jetzt führt uns die Krise vor Augen: Wir haben alle über unsere Verhältnisse gelebt.
Die Krise ging von den Industriestaaten aus - von denen, die sich bislang am stärksten fühlten. Und sie wirft ein Schlaglicht auf die Widersprüche, in die sich die industrialisierte Welt in den vergangenen Jahrzehnten verstrickt hat. Wir haben diese Welt selbst mitgestaltet. Aber wir finden uns immer weniger darin zurecht. So wuchs die Kluft zwischen den neuen Anforderungen der Wirklichkeit und unserem Anspruch, alles möge beim Alten bleiben.
Und wir haben uns eingeredet, es gebe einen Königsweg, diese Widersprüche aufzulösen: Wir haben uns eingeredet, permanentes Wirtschaftswachstum sei die Antwort auf alle Fragen. Solange das Bruttoinlandsprodukt wächst, so die Logik, können wir alle Ansprüche finanzieren, die uns so sehr ans Herz gewachsen sind - und zugleich die Kosten dafür aufbringen, dass wir uns auf eine neue Welt einstellen müssen.
Die Finanzmärkte waren Wachstumsmaschinen. Sie liefen lange gut. Deshalb haben wir sie in Ruhe gelassen. Das Ergebnis waren Entgrenzung und Bindungslosigkeit. Jetzt erleben wir, dass es der Markt allein nicht richtet. Es braucht einen starken Staat, der dem Markt Regeln setzt und für ihre Durchsetzung sorgt. Denn Marktwirtschaft lebt vom Wettbewerb und von der Begrenzung wirtschaftlicher Macht. Sie lebt von Verantwortung und persönlicher Haftung für das eigene Tun; sie braucht Transparenz und Rechtstreue. Auf all das müssen die Menschen vertrauen können.
Dieses Vertrauen ist jetzt erschüttert. Den Finanzmärkten fehlte eine ordnende Kraft. Sie haben sich den Staaten entzogen. Die Krise zeigt uns: Schrankenlose Freiheit birgt Zerstörung. Der Markt braucht Regeln und Moral.
Und noch etwas müssen wir wissen: Freiheit ist ein Gut, das stark macht. Aber es darf nicht zum Recht des Stärkeren werden. Denn das ist der Haken an der Freiheit: Sie kann in denjenigen, die durch sie satt und stark geworden sind, den Keim der Selbstüberhebung legen. Und die Vorstellung, Freiheit sei auch ohne Verantwortung zu haben.
Freiheit ist kein Vorrecht, die besten Plätze für sich selbst zu reservieren. Wir wollen lernen, Freiheit nicht nur für uns zu nehmen, sondern sie auch anderen zu ermöglichen. Die Glaubwürdigkeit der Freiheit ist messbar: in unserer Fähigkeit, Chancen zu teilen. Nach innen. Und nach außen. Und in unserer Bereitschaft zur Verantwortung für den Nächsten und das Wohl des Ganzen. Wenn wir das schaffen, dann holen wir das Beste aus uns Menschen heraus, was in uns steckt.
Deshalb: Gerade die Krise bestätigt den Wert der Sozialen Marktwirtschaft. Sie ist mehr als eine Wirtschaftsordnung. Sie ist eine Werteordnung. Sie vereinigt Freiheit und Verantwortung zum Nutzen aller. Gegen diese Kultur wurde verstoßen. Lassen Sie uns die kulturelle Leistung der Sozialen Marktwirtschaft neu entdecken. Es steht allen, insbesondere den Akteuren auf den Finanzmärkten, gut an, daraus auch Bescheidenheit abzuleiten und zu lernen.
Die Krise entfaltet aber auch schon ihr Gutes: Was zum Beispiel Barack Obama für die Wirtschaft und Gesellschaft der Vereinigten Staaten anstrebt, das ähnelt in Grundzügen unserem Modell der Sozialen Marktwirtschaft. Das zeigt auch: Die Deutschen haben etwas anzubieten beim Aufarbeiten der Krise.
Unsere Regierung und unsere Parlamentarier stehen vor einer immensen Herausforderung. Sie müssen eine doppelte Gestaltungsaufgabe bewältigen: Zum einen geht es darum, eine sich selbst verstärkende Spirale nach unten zu verhindern. Und gleichzeitig müssen sie die Grundlagen für Stabilität und Wohlstand in einer Welt schaffen, die einen tiefgreifenden Wandel durchmacht.
Unmittelbar gilt es, den Geldkreislauf wieder in Gang zu bringen. Wir sprechen von der Lebensader der Wirtschaft. Sie muss versorgt sein, damit Menschen, die hart arbeiten und sich an die Regeln halten, auch morgen noch Arbeit haben. Es geht zugleich darum, einer länger anhaltenden, weltweiten Rezession entgegenzuwirken. Und die internationalen Finanzmärkte brauchen eine neue Ordnung durch bessere Regeln, effektive Aufsicht und wirksame Haftung.
An allen drei Aufgaben wird gearbeitet. Die Politik hat schnell und entschlossen reagiert. Die Banken werden mit Kapital und Garantien versorgt, damit der Geldkreislauf nicht völlig zum Stehen kommt. Die Konjunkturprogramme schaffen Nachfrage und helfen den Betrieben, durch die Krise zu kommen. Die staatlichen Hilfen für Banken und Betriebe kosten viel Geld. Dafür muss jetzt auch eine höhere Staatsverschuldung in Kauf genommen werden. Aber sie ist nur zu rechtfertigen, wenn das Geld klug eingesetzt wird. Für uns in Deutschland bedeutet kluger Einsatz:
  • Wir sind uns bewusst, die globale Krise verlangt eine globale Antwort. Das verlangt eine neue Qualität der internationalen Zusammenarbeit. Deutschland als größter Volkswirtschaft in der Europäischen Union kommt eine Führungsrolle zu. Es geht darum, der Krise die volle Wucht einer gemeinsamen Kraftanstrengung von 500 Millionen Menschen entgegenzusetzen. Nutzen wir die Krise, um der Einheit Europas ein neues Momentum zu geben.
  • Wir wirken mit Nachdruck darauf hin, den internationalen Finanzmärkten eine neue Ordnung zu geben. Grundsätzliche Orientierungen hierfür sollten sein: Die Banken müssen mit einem deutlich höheren Anteil an Eigenkapital arbeiten. Das schärft ihr Risikobewusstsein. Der Finanzmarkt braucht mehr Verbraucherschutz. Banker sollten nicht für Umsatz bezahlt werden. Sondern für Kundenzufriedenheit über den Tag hinaus. Es darf keine unregulierten Finanzräume, Finanzinstitute und Finanzprodukte mehr geben. Und: Die großen Finanzinstitute werden international unter eine einheitliche Aufsicht gestellt.
  • Wir verschenken das Geld nicht an die Banken. Wir fordern Gegenleistungen in Gestalt von Mitsprache, Zinsen und Mitarbeit bei der Krisenbewältigung. Die Steuerzahler haften mit gewaltigen Summen. Der Staat steht deshalb in der Verantwortung. Auch vorübergehende staatliche Beteiligungen können nicht ausgeschlossen werden. Der Schutz des Privateigentums, das konstitutiv ist für Freiheit und Wohlstand, wird dadurch nicht berührt.
  • Bei alledem gilt: Die Finanzkraft des Staates hat Grenzen. Auch Staaten können ihre Kreditwürdigkeit verlieren. Das dürfen wir nicht riskieren. Darum verpflichten wir uns schon jetzt verbindlich, die Staatsschulden wieder zurückzuführen, sobald die Krise überstanden ist. Denn wir dürfen die Frage der Generationengerechtigkeit nicht auf die lange Bank schieben. Wir stehen vor einem Glaubwürdigkeitstest für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.
Als Land in der Mitte Europas und als Exportnation sind wir auf freien Handel und möglichst viele Nationen angewiesen, die daran teilnehmen. Daraus ergibt sich für uns ein weiterer Handlungsauftrag:
Wir Deutsche sollten besonders engagiert eintreten für den raschen Abschluss der laufenden Verhandlungen über entwicklungsfreundliche Handelserleichterungen. Der Generaldirektor der Welthandelsorganisation, Pascal Lamy, hat mir berichtet: 80 Prozent der Streitfragen sind ausgeräumt. Es braucht eine letzte Anstrengung, Vernunft und politischen Entscheidungswillen, damit der Welthandel und so die weltweite Vertrauensbildung einen Schub bekommen. Die Europäische Union sollte Flagge zeigen. Auch ihre Zukunft hängt von offenen Weltmärkten ab. Und wir müssen auch im europäischen Binnenmarkt energisch allen protektionistischen Tendenzen entgegentreten.
Wir erleben Spannungen in der Eurozone. Und einige unserer Partner in Mittel- und Osteuropa stecken in der Klemme. Hier rächen sich Wachstumseuphorie und Reformversäumnisse. Dennoch sollte die Europäische Union zu Hilfe bereit sein. Aber sie muss auf der Bereitschaft unserer Partner zu Disziplin und Eigenverantwortung aufbauen können.
Auch in Asien, Lateinamerika und Afrika geraten immer mehr Länder in Schwierigkeiten. Und wir stellen fest: Die Weltwirtschaft ist deutlich unterversichert; die Mittel für solche Notlagen, für die vor Jahrzehnten Institutionen wie der Internationale Währungsfonds und die Weltbank gegründet wurden, sind nicht ausreichend. Es scheint sich ein Konsens zu entwickeln, die Finanzierungsmittel des IWF zu verdoppeln. Das ist gut. Mehr wäre besser.
Ich bleibe bei meinem Vorschlag, ein Bretton Woods II unter dem Dach der Vereinten Nationen zu organisieren, um eine grundsätzliche Reform der internationalen Wirtschafts- und Finanzordnung voranzutreiben. Wir brauchen ein neues, durchdachtes Weltwährungssystem und ein politisches Verfahren für den Umgang mit globalen Ungleichgewichten.
Die Europäische Union kann einen großen Anstoß zur Reform der internationalen Finanzinstitutionen geben, wenn sich die Mitgliedstaaten darauf einigen, ihre Interessen im Internationalen Währungsfonds und in der Weltbank in einem Sitz zu bündeln. Schon mit dem Euro hat Europa mehr Kraft und Schutz gewonnen. Freiheit gewinnen durch Bündelung von Souveränität: Die Europäische Union sollte die Chance nutzen, dieses Friedensprinzip in eine neue Ära der kooperativen Weltpolitik einzubringen. Wir wollen dabei aber weiter sorgsam darauf achten: Was die Menschen vor Ort selbst besser entscheiden können, das bleibt ihnen auch in Zukunft überlassen.
Es ist eine Zeit gekommen, in der wir uns auf gemeinsame Menschheitsaufgaben verständigen und uns an sie binden können. Jetzt erkennen alle: Wir brauchen Ordnung in der Globalisierung, anerkannte Regeln und effektive Institutionen. Diese Ordnung muss dafür sorgen, dass globale öffentliche Güter wie internationale Finanzstabilität, Begrenzung der Erderwärmung und die Gewährleistung freien, fairen Handels gemeinsam definiert und bereitgestellt werden.
Es geht um unsere Verantwortung für globale Solidarität. Es geht um die unveräußerliche Würde aller Menschen. Es geht um eine Weltwirtschaft, in der Kapital den Menschen dient und nicht Herrscher über die Menschen werden kann.
Begreifen wir den Kampf gegen Armut und Klimawandel als strategische Aufgaben für alle. Die Industriestaaten tragen als Hauptverursacher des Klimawandels die Verantwortung dafür, dass die Menschen in den Entwicklungsländern am härtesten davon getroffen sind. Der Kampf gegen die Armut und der Kampf gegen den Klimawandel müssen gemeinsam gekämpft werden.
Heute stellt die Welt uns die Globale Soziale Frage. Es ist unsere Pflicht, darauf Antworten zu finden. Es ist auch unsere große Chance. Zeigen wir: Der Norden lässt den Süden nicht im Stich. Die nötige Veränderung muss von überall her kommen.
Wir brauchen als Weltgemeinschaft ein gemeinsames, verbindendes Ethos. Wir müssen uns auf Werte verständigen, die wir alle teilen und deren Missachtung die Gemeinschaft nicht dulden wird. Das Grundprinzip lautet: Wir wollen andere in Zukunft nur so behandeln, wie wir selbst behandelt werden wollen.
Deshalb müssen wir künftig auch Doppelstandards schärfer ins Visier nehmen. Das tut unserer Glaubwürdigkeit gut.
Ein Beispiel: Mit jahrzehntelangem, industriellem Fischfang hat auch die Europäische Union dazu beigetragen, dass die Küsten vor Westafrika inzwischen stark überfischt sind. Die Fischer Westafrikas können mit ihren Booten vom Fischfang heute immer schlechter leben. Da darf es uns nicht wundern, dass die Fischerboote immer mehr dazu benutzt werden, Flüchtlinge nach Europa zu transportieren. Wie viel effektiver, nachhaltiger und auch billiger wäre es doch gewesen, frühzeitig eine echte Partnerschaft mit den westafrikanischen Ländern einzugehen; gemeinsam Überwachungsmechanismen gegen Überfischung zu schaffen; gemeinsam dazu beizutragen, dass der Reichtum ihrer Fischgründe vor allem den westafrikanischen Ländern und Völkern selbst zugute kommt.
Ich stehe dazu: Für mich entscheidet sich die Menschlichkeit unserer Welt am Schicksal Afrikas.
Und wir wissen heute: Es wäre ein geringeres Risiko gewesen, eine Eisenbahnlinie quer durch Afrika zu bauen, als in eine angesehene New Yorker Investmentbank zu investieren.
Machen wir was aus unseren neu gewonnenen Erkenntnissen. Überprüfen wir unsere alten Gewissheiten und überwinden wir unsere Angst vor dem Unbekannten. Dann können wir die Freude entdecken, die in der schöpferischen Aufgabe liegt, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Mir ist nicht bange darum, dass wir es schaffen.
Denn wir haben damit schon lange angefangen. Mir macht es Mut zu sehen, wie immer mehr Menschen in Deutschland erkennen: Wenn die ganze Menschheit schon heute so leben wollte wie wir, dann bräuchten wir schon jetzt mehr als eine Erde. Aber wir haben nur die eine. Sie ist uns anvertraut. Immer mehr ziehen daraus persönliche Schlussfolgerungen und ändern ihre Lebensgewohnheiten. Sie haben erkannt: Jeder kann etwas beitragen.
Der Klimawandel zeigt: Die Erde wird ungeduldig. Wir brauchen eine neue Balance zwischen unseren Wünschen und dem, was der Planet bereit ist zu geben. Das geht auch die Staatengemeinschaft an. Denn dazu müssen die armen und die reichen Nationen aufeinander zustreben. Die reichen, indem sie Energie und Ressourcen einsparen und die Technik dafür liefern. Die armen, indem sie von vornherein ihr Wirtschaften auf das Prinzip der Nachhaltigkeit ausrichten und unsere Fehler vermeiden. Es geht um ein Wohlstandsmodell, das Gerechtigkeit überall möglich macht.
Wir wollen gemeinsam beschließen, nicht mehr auf Kosten anderer zu leben.
Die Klimaforscher sagen mir: Die Erde braucht ein weltweites System zum Handel mit Verschmutzungsrechten. Und sie sagen mir auch: Das gelingt umso besser, je mehr die Regeln der Marktwirtschaft zur Anwendung kommen. Durch Märkte und Regeln kann die Vergiftung der Umwelt überall und so schnell wie möglich zurückgeführt werden. Genauso wichtig ist es, in den Preis einer jeden Sache und Dienstleistung einzurechnen, was sie die Allgemeinheit kosten - an sauberer Luft, an endlichen Rohstoffen, an Abfall, an Lärm und Staus.
Ich bin überzeugt: Kostentransparenz und das Bemühen um möglichst umweltschonendes Wirtschaften werden ein Wettrennen in Forschung und Wissenschaft auslösen. Da bieten sich gerade uns Deutschen große Chancen. Wir sind schon jetzt weltweit führend in Umweltwirtschaft und Umwelttechnik. Fast zwei Millionen Menschen arbeiten da schon, Tendenz steigend.
Ernst Ulrich von Weizsäcker, der Träger des Deutschen Umweltpreises, hat schon vor Jahren die Vision von "Faktor 4" beschrieben. Das bedeutet die Verdoppelung des Wohlstands bei halbem Naturverbrauch. Machen wir uns klar, welcher Quantensprung bei Energie- und Ressourcenproduktivität möglich ist.
Nehmen wir uns deshalb die nächste industrielle Revolution bewusst vor: diesmal die ökologische industrielle Revolution. Dafür gute Voraussetzungen zu schaffen, verlangt ein intelligentes Zusammenwirken von Markt und Staat. Und die Verbraucher können wach und kritisch sein. Wir brauchen ein gesellschaftliches Klima der Innovationsfreude und ein starkes ökologisches Bewusstsein.
Das ist nicht nur eine Aufgabe der Wirtschaft. Es ist eine kulturelle Herausforderung. Der Mensch lebt nicht vom Brot alleine. So sah es auch Ludwig Erhard. Wohlstand war für ihn nicht Selbstzweck. Wohlstand war und ist auch heute Grundlage für ein Leben, das darüber hinausweist.
Machen wir aus Erhards Erkenntnis eine Frage an uns selbst: Wie viel ist genug? In der Welt nach der Krise wird es auch um Antworten auf diese Frage gehen. Wir haben allen Anlass, dankbar dafür zu sein, dass wir uns in freier Selbstbestimmung auf die Suche danach machen können. Dabei sollten wir wissen: Wir können uns nicht mehr hauptsächlich auf wirtschaftliches Wachstum als Problemlöser und Friedensstifter in unseren Gesellschaften verlassen.

Was ist das: Glück? Ich finde, wir sollten uns neue Ziele setzen auf unserer Suche nach Erfüllung. Ja, unser Lebensstil wird berührt werden. Und, meine Damen und Herren: Unsere Lebensqualität kann steigen. Sparsamkeit soll ein Ausdruck von Anstand werden - nicht aus Pfennigfuchserei, sondern aus Achtsamkeit für unsere Mitmenschen und für die Welt, in der wir leben. Demokratie ist mehr als die Sicherstellung materieller Zuwächse. Wir wollen nicht nur gute Demokraten sein, solange sichergestellt wird, dass wir reich genug dafür sind.
Wir wollen Zufriedenheit und Zusammenhalt in unserer Gesellschaft nicht länger nur von einem quantitativen "Immer Mehr" abhängig machen. Was in unserem Land wachsen muss, sind vor allem das Wissen und die Intelligenz, mit der wir unser Leben besser gestalten können.

Wir bauen die besten Autos der Welt. Das reicht aber nicht. Wir müssen die besten Autos der Zukunft der Welt bauen. Der Verband der Automobilhersteller sagt, das Null-Emissions-Auto kommt in 15 Jahren. Ich denke, das kann sogar schneller gehen. Ich habe großes Vertrauen in die Ingenieurskunst unserer Autobauer. Da gibt es zurzeit einen deutschen Hersteller, der in besonderen Schwierigkeiten steckt. Auch seine Ingenieure sind gut. Mir wird gesagt, sie haben weit in die Zukunft gearbeitet. Darin möchte ich Hoffnung für Opel sehen. Und in der Bereitschaft von Arbeitnehmern und Vorstand zum vertrauensvollen Miteinander jenseits aller Schablonen auch.
Das nötige Wachstum an Wissen und Können macht uns auch wach für unsere Versäumnisse bei Bildung und Integration. Wir können es uns nicht leisten, junge Menschen verloren zu geben. Jeder Einzelne von den rund 70.000 wird gebraucht, die Jahr für Jahr in Deutschland die Schule ohne einen Abschluss verlassen. Wir müssen mehr tun für die Durchlässigkeit unserer Gesellschaft. Das ist nicht nur gut für die Durchgelassenen. Das stärkt die Dynamik und Kreativität der Gemeinschaft insgesamt. Dünkel macht uns lahm. Genau wie das Verharren in Lebensumständen, in die wir hineingeboren werden.
Wir wollen auch den Wert und die Würde der Arbeit neu entdecken, die Menschen für Menschen leisten. Denn machen wir uns nichts vor: Unsere Fabriken werden sich weiter von Menschen entleeren. Die Maschine übernimmt weiter, was sie besser kann als wir. Aber das, was uns ausmacht als Menschen, das übernimmt sie nicht. Was ist der Wert der Arbeit einer Krankenschwester, die nachts einem Patienten in Not hilft und ihm Mitmenschlichkeit schenkt? Warum haben wir die Pflege alter Menschen zu Hause oder die Versorgung kleiner Kinder so lange in die Schwarzarbeit gedrängt? Ich bin sicher: In der Arbeitswelt der Zukunft werden Menschen wieder mehr mit Menschen zu tun haben. Denn da sind wir unersetzlich.
Schaffen wir mehr Aufmerksamkeit, Mitgefühl, Zuwendung füreinander in diese Welt. In unsere eigene und in die der anderen. Wir haben alles Recht und allen Grund, uns stärker einzubringen. Denn wir tragen Mitverantwortung. Ich bin sicher: Sie zu schultern, das bringt uns neue Chancen und neue Antworten auf die Frage nach Sinn.
Wir können werben für die Art, mit der wir durch die vergangenen 60 Jahre unserer Geschichte gegangen sind. Wir sind froh über unser seit 20 Jahren wiedervereinigtes Deutschland. Die Deutschen haben sich die Fähigkeit zur Selbstkritik bewahrt. Wir sind als Nation bescheiden geblieben, auch als wir stärker wurden. Wir blicken ohne Zynismus, mit Offenheit und dem Angebot zur Partnerschaft auf die anderen. Wir bilden eine Gemeinschaft, die mit Friedfertigkeit auf ihre Nachbarn zugeht und dabei trotzdem zielstrebig ist. Helmut Schmidt hat recht: Wir sollten uns nicht größer machen, als wir sind.
Aber eben auch nicht kleiner.

Die Soziale Marktwirtschaft hat uns gezeigt: Solidarität ist nicht Mitleid. Solidarität ist Selbsthilfe. Wenn das Band zwischen Oben und Unten Halt gibt, dann kommt Kraft in eine Gesellschaft. Und mit ihr die Fähigkeit, auch scheinbar unlösbare Aufgaben zu bewältigen. Das ist die Lehre aus unserer Geschichte. Arbeit, Kapital und Nachhaltigkeit gehören zusammen. Bei uns. Und überall.
Wir dürfen uns nichts vormachen: Die kommenden Monate werden sehr hart. Auch für uns in Deutschland. Wir werden geprüft werden. Wir werden weiter Namen hören und uns wünschen, der Zusammenhang wäre ein anderer: Märklin, Schiesser, Rosenthal.
Wir werden Ohnmacht empfinden, und Hilflosigkeit und Zorn. Aber es gab auch noch nie eine Zeit, in der unser Schicksal so sehr in unseren eigenen Händen lag wie heute. Wir haben die Chance, Freiheit und Verantwortung in unserer Zeit nachhaltig aneinander zu binden. Die Verantwortung ist groß. Das liegt daran, dass unsere Freiheit so groß ist. Gehen wir sorgsam mit ihr um. Zeigen wir Demut vor der Freiheit. Vor unserer. Und vor der der anderen.
Meine Damen und Herren, schauen Sie sich um in dieser Kirche. Sie spricht zu uns bis heute über das Werk der Zerstörung, das Menschen anrichten können. Aber sie sagt auch: Wir können immer einen neuen Anfang schaffen. Es liegt an uns. Vielen Dank.
www.bundespraesident.de: Der Bundespräsident / Berliner Rede 2009 von Bundespräsident Horst Köhler
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Wacht auf! Verdammte dieser Erde. Die stets man noch zum Hungern zwingt. Das Recht, wie Glut im Kraterherde, Nun mit Macht zum Durchbruch dringt!
Reinen Tisch macht mit dem Bedränger, Heer der Sklaven wache auf! Ein Nichts zu sein, tragt es nicht länger! Alles zu werden strömt zu Hauf!
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Alt 24.03.2009, 17:59   #2
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Standard AW: Berliner Rede 2009

Hier noch ein Kommentar von Bleskin dazu.

Zitat:
Dienstag, 24. März 2009
Zwischenruf
Das Machtwort des Machtlosen

Von Manfred Bleskin

Ein Ruck solle durch Deutschland gehen, hatte Roman Herzog 1997 in der ersten "Berliner Rede" gefordert. Damals stand Helmut Kohl einer Koalition aus CDU/CSU und FDP vor. Was folgte, war höchstens ein Zucken. Wenn Herzogs Nachfolger Horst Köhler seine in 2000 ausgesprochenen Warnungen vor dem ungebändigten Finanzkapital als "Geschichte des Scheiterns" bezeichnet, versetzt er dem damals regierenden Bündnis aus Sozialdemokraten und Grünen eine Ohrfeige. Nachdem das Paar Schröder-Lafontaine geschieden war, setzte die damalige Bundesregierung den unter Kohl begonnenen Kurs der Liberalisierung der Finanzmärkte fort. Die sozialen, wirtschafts- und finanzpolitischen Folgen sind bekannt.

Nun sitzen wir in der Tinte. Horst Köhler spricht Wahrheiten aus, für die ihn manch einer noch vor Jahresfrist in die dunkelrote Ecke gestellt hätte: Wir brauchen einen starken Staat, um "Entgrenzung und Bindungslosigkeit" der Märkte zu verhindern. Der aber ziert sich wie die Jungfrau beim ersten Mal. Die Bürger unseres Landes wünschen sich, dass jene, denen sie ihre Stimme gegeben haben, auch zu ihrer Stimme werden. Was fälschlicherweise als Politikverdrossenheit bezeichnet wird, ist der Verdruss über die Kapitulation des Staates vor dem Kapital.

Die vielleicht letzte Gelegenheit

Ob der Staat nun "schnell und entschlossen reagiert" hat, wie Horst Köhler sagt, sei dahingestellt. Zu rasch sind offensichtlich die regierungsamtlichen Beschwichtigungsversuche vom Vorjahresherbst dem Vergessen anheim gefallen. Zwar werden die Banken mit Kapital und Garantien versorgt, doch der verzichtet auf Mechanismen, welche die Kreditinstitute zum Ausreichen von Krediten zwingen. Immer noch machen gerade kleine und mittelständische Betriebe trotz voller Auftragsbücher dicht und/oder entlassen Personal, weil ihnen keine Darlehen gewährt werden. Die Arbeitslosenzahl soll auf vier Millionen steigen. Da reichen weder verlängertes Kurzarbeitergeld noch Ministerappelle.

Nur allzu berechtigt ist die Forderung des Staatsoberhauptes, die großen Finanzinstitute unter eine einheitliche Aufsicht zu stellen. Nicht nur international, wie Horst Köhler meint, sondern auch national. Gegenleistungen in Gestalt von Mitsprache, Zinsen und Mitarbeit bei der Krisenbewältigung sind das Mindeste, was wir erwarten können. Und das auch, wenn der Brand gelöscht ist.

Nachgerade beschwörend sind die Worte des Bundespräsidenten über die Gefahren für die Demokratie. Die Krise ist eben "keine Kulisse für Schaukämpfe", sondern vielleicht die letzte Gelegenheit für einen Ruck quer durch die Republik. Horst Köhler hat ein Machtwort gesprochen. Es ist bedauerlich, dass ihm sein Amt keine Macht verleiht.
Zwischenruf - Das Machtwort des Machtlosen - n-tv.de
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Wacht auf! Verdammte dieser Erde. Die stets man noch zum Hungern zwingt. Das Recht, wie Glut im Kraterherde, Nun mit Macht zum Durchbruch dringt!
Reinen Tisch macht mit dem Bedränger, Heer der Sklaven wache auf! Ein Nichts zu sein, tragt es nicht länger! Alles zu werden strömt zu Hauf!
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Alt 24.03.2009, 23:52   #3
Volker
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Volker Möchte sein Renommee nicht öffentlich anzeigen...
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Standard AW: Berliner Rede 2009

zitat:
...
Am Anfang steht die Frage: Wie konnte es zu dieser Krise kommen?
Noch kennen wir nicht alle Ursachen. Aber vieles ist inzwischen klar. Zu viele Leute mit viel zu wenig eigenem Geld konnten riesige Finanzhebel in Bewegung setzen...

Ich kann ins Köhlers Rede nicht wirklich neues und wichtiges erkennen. Köhler schwaffelt eher um den heissen Brei und verwischt die Tatsachen, verdunkelt das Wahre geschehen. Gibt überhaupt keine Lösungen. Und verwischt die Hintergründe. Er redet schöne Worte.

All das was in dieser Krise passiert gab es schon mehrmals, real.
Das wurde schon beschrieben und analysiert. Damit war es bekannt, dass das passiert und es war bekannt warum, weshalb und wieso.
Im übrigen, der erste (Börsen)Wirtschaftzusammenbruch erlebte die Welt ausgerechnet mit Tulpen...

Zur Zeit lese ich "Wahnsinn mit Methode (aktualsierte Neuauflage)", von S. Wagenknecht. Das ist empfehlenswerte Lektüre.
Auch für Köhler und unsereins.

Volker



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Alt 25.03.2009, 00:30   #4
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Standard AW: Berliner Rede 2009

Zitat von Volker Beitrag anzeigen
zitat:
...
Am Anfang steht die Frage: Wie konnte es zu dieser Krise kommen?
Noch kennen wir nicht alle Ursachen. Aber vieles ist inzwischen klar. Zu viele Leute mit viel zu wenig eigenem Geld konnten riesige Finanzhebel in Bewegung setzen...

Ich kann ins Köhlers Rede nicht wirklich neues und wichtiges erkennen. Köhler schwaffelt eher um den heissen Brei und verwischt die Tatsachen, verdunkelt das Wahre geschehen. Gibt überhaupt keine Lösungen. Und verwischt die Hintergründe. Er redet schöne Worte.

All das was in dieser Krise passiert gab es schon mehrmals, real.
Das wurde schon beschrieben und analysiert. Damit war es bekannt, dass das passiert und es war bekannt warum, weshalb und wieso.
Im übrigen, der erste (Börsen)Wirtschaftzusammenbruch erlebte die Welt ausgerechnet mit Tulpen...

Zur Zeit lese ich "Wahnsinn mit Methode (aktualsierte Neuauflage)", von S. Wagenknecht. Das ist empfehlenswerte Lektüre.
Auch für Köhler und unsereins.

Volker
Nicht ganz. Es gibt noch frühere Zusammenbrüche. Aber das ist auch nichts Neues. Ich habe das Buch zwar nicht gelesen und werde das wahrscheinlich auch nicht tun, weil die Wirklichkeit für mich spannender ist und ich im Moment genug im Internet recherchiere und lese.

Ich finde schon, dass Köhler ziemlich deutlich gesagt hat, was Ambach ist.
Denn darum geht es ja auch. Weder die Koalition, noch Parteien, noch die Bundeskanzlerin haben es so deutlich gesagt. Und er hat auch gewarnt, dass die Akteure den Bogen nicht überspannen und im Grunde auch zur Revolution bzw. Widerstand aufgerufen. Das kann ich zumindest herauslesen.
Zitat:
Wir werden Ohnmacht empfinden, und Hilflosigkeit und Zorn. Aber es gab auch noch nie eine Zeit, in der unser Schicksal so sehr in unseren eigenen Händen lag wie heute.
__

Wacht auf! Verdammte dieser Erde. Die stets man noch zum Hungern zwingt. Das Recht, wie Glut im Kraterherde, Nun mit Macht zum Durchbruch dringt!
Reinen Tisch macht mit dem Bedränger, Heer der Sklaven wache auf! Ein Nichts zu sein, tragt es nicht länger! Alles zu werden strömt zu Hauf!
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Alt 25.03.2009, 01:39   #5
Hamburgeryn
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Standard AW: Berliner Rede 2009

Zitat:
Zitat:
destina
Wir werden Ohnmacht empfinden, und Hilflosigkeit und Zorn. Aber es gab auch noch nie eine Zeit, in der unser Schicksal so sehr in unseren eigenen Händen lag wie heute.
Und er hat auch gewarnt, dass die Akteure den Bogen nicht überspannen und im Grunde auch zur Revolution bzw. Widerstand aufgerufen. Das kann ich zumindest herauslesen.
Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, wenn Politiker "wir" meinen, dann meinen sie ihn Wahrheit "uns" als Wahlvieh.
Ich interpretiere von daher diesen Satz so, dass jeder einzelne von uns (Wahlvieh, usw.), Ohnmacht, Hilflosigkeit und Zorn empfinden wird.
Und dass es unser Schicksal sein wird, zuzusehen, wie wir mit dem Elend klarkommen, dem wir dann überlassen werden.....
Einen Aufruf zum Widerstand oder gar zu einer Revolution kann ich in diesem Satz leider nicht erkennen.

LG
 
Alt 25.03.2009, 01:53   #6
Sancho
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Standard AW: Berliner Rede 2009

@ Hamburgeryn

sehe ich auch so, besonders wenn die Ohnmacht eine Weiterführung von Schwarz- Rot wird.


Zitat:
Jetzt sind die großen Räder gebrochen, und wir erleben eine Krise, deren Ausgang das 21. Jahrhundert prägen kann. Ich meine: zum Guten, wenn wir aus Schaden klug werden.
Seit wann lernt die Politik? (bestes Beipiel: Hartz IV. So viele Urteile und die pfuschen trotzdem weiter, es wurde sogar noch schlimmer)

Zitat:
Gestern war Deutschland noch Exportweltmeister. Ein stolzer Titel fällt uns heute vor die Füße. Aufträge brechen weg, mit nie dagewesener Geschwindigkeit.
Selbst Schuld, wenn man dadurch immer mehr den Binnenmarkt vernachlässigte.

Zitat:
Viele Unternehmen werden ihr Überleben und damit zugleich Arbeitsplätze nur sichern können, wenn sie sich auch von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern trennen. Wir müssen uns darauf einstellen: Die Arbeitslosigkeit in Deutschland wird sich wieder deutlich erhöhen.
Schnellmerker, aber nichts desto trotz wollen FDP und die Christlichen den "Hire and Fire" Größenwahn einführen.

Zitat:
Keiner kann mehr dauerhaft Vorteil nur für sich schaffen. Die Menschheit sitzt in einem Boot. Und die in einem Boot sitzen, sollen sich helfen. Eigennutz im 21. Jahrhundert heißt: sich umeinander kümmern.
jo, die Reichen kümmern sich untereinander, um den Rest "wird sich gekümmert"

Leere Worte, die nichts bringen, deshalb auch wertlos sind, den die Politik macht weiter so.
 
Alt 25.03.2009, 02:01   #7
Hamburgeryn
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Standard AW: Berliner Rede 2009

[quote]
Zitat von Sancho Beitrag anzeigen
@ Hamburgeryn
sehe ich auch so, besonders wenn die Ohnmacht eine Weiterführung von Schwarz- Rot wird.
Ich befürchte dass wir ab Herbst eine schwarz-gelbe ReGIERung haben werden. Und das bereitet mir arge Kopfschmerzen....

LG
 
Alt 25.03.2009, 02:12   #8
Sancho
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Standard AW: Berliner Rede 2009

[quote=Hamburgeryn;390855]
Zitat:
Ich befürchte dass wir ab Herbst eine schwarz-gelbe ReGIERung haben werden. Und das bereitet mir arge Kopfschmerzen....

LG
eine von beiden Möglichkeiten ganz bestimmt.
 
Alt 25.03.2009, 02:43   #9
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destina
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Standard AW: Berliner Rede 2009

Ok, jeder interpretiert das sicherlich anders. Aber als Ossi mußte ich immer zwischen den Zeilen lesen.

Er sagt ja im Grunde, dass es schlimm werden wird. Also Betonung auf die Zukunft! Wenn ich mir überlege, dass ich jetzt schon all diese Dinge empfinde, wie Zorn, Hilflosigkeit und Ohnmacht, und weiß, was noch kommen wird, dann steigert sich das dementsprechend. Und er sagt weiter, dass wir unser Schicksal in die eigene Hand nehmen sollen. Und das die Zeit dafür genau jetzt ist!
__

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Alt 25.03.2009, 03:11   #10
Hamburgeryn
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Standard AW: Berliner Rede 2009

[quote]
Zitat von destina Beitrag anzeigen
Er sagt ja im Grunde, dass es schlimm werden wird. Also Betonung auf die Zukunft!
Hotte Köhler sagt gar nichts. Er erzählt nur viel. Er ist ein Dampfplauderer im Westentaschenformat, der sich seine Kaste gewogen halten möchte.
Und mit den vielen Wörtern, mit denen er uns nun zumüllt, möchte er uns, dem lieben Wahlvieh, dass ja schließlich im Herbst sein Kreuzchen bei der cDU/fdp* machen soll, das Gefühl geben, man verstünde unsere Sorgen und wäre fest an unserer Seite.
*(die haben ihn ja schließlich auch zu Amt und Würden verholfen)
Zitat:
Wenn ich mir überlege, dass ich jetzt schon all diese Dinge empfinde, wie Zorn, Hilflosigkeit und Ohnmacht,
Die Verantwortlichen für diese Wirtschaftskrise wissen um diese Gefühle. Deshalb sprechen sie diese ja auch an. Wir sollen uns verstanden fühlen, abgenommen, ernst genommen.... und gleichzeitig soll uns Köhler das Gefühl vermitteln, dass man jetzt die Probleme anpacken wird, dass es aufwärts gehen wird...wenn wir die cDU wählen. Die Wirtschaftspartei.
Da werden Sie geholfen! Wahlkampf eben.
Zitat:
und weiß, was noch kommen wird, dann steigert sich das dementsprechend. Und er sagt weiter, dass wir unser Schicksal in die eigene Hand nehmen sollen. Und das die Zeit dafür genau jetzt ist!
Was noch kommen wird? Ich befürchte es kommen schwere, dunkle Zeiten, das Gemurksel wird weitergehen, diesmal an der Seite von Schwesterwelle, der sein Comeback wohin auch immer gar nicht mehr erwarten kann; Massenarbeitslosigkeit, die nicht mehr mit Statistikfälschung frisiert werden kann; (Hyper)Inflation; Unruhen.... gallopierende Armut, Suppenküchen, Obdachlosigkeit,.....
Also mir macht die zu befürchtende Entwicklung Angst....
Große Angst!

LG
 
Alt 25.03.2009, 03:20   #11
Sancho
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Standard AW: Berliner Rede 2009

Ich habe mal zu einem Bekannten gesagt:

"Ersetze das Gerede der Ansprachen egal vom Bundeskanzler (war vor Merkel) oder Bundespräsidenten durch Rhabarber oder Blubb, kommt es aufs gleiche raus. Das, was Du gerade fühlst, siehst und selbst erlebst ist die Wirklichkeit und das was die sagen ist eine Scheinwirklichkeit"


Passt eigentlich immer noch.

 
Alt 25.03.2009, 11:32   #12
galigula
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Standard AW: Berliner Rede 2009

Eine lächerliche Wischi Waschi Rede,bla,bla.
Auf die innenpolitischen Missstände geht er nicht ein,es wäre gut gewesen,wenn er eine Umkehr der Dumpinglohnpolitik gefordert hätte.
Er spricht von ungerechtem globalen Nord-Süd-gefälle,von Kinder-und Altersarmmut bei uns hat er nichts gesagt.
Der Bundestag hat Handlungsfähigkeit bewiesen,ha,ha,ha.
Dann redet er noch von Begrenzung der wirtschaftlichen Macht,wieso redet er nicht von Korruption und Lobbyismus in BRD?
Warum prangert er die bekannten Missstände nicht an?
Bürokratieabbau,Steuergesetzvereinfachung,Reichtum-Armutsscheere.
Wieso setzt er sich nicht energisch gegen Zwangsarbeit ein?
Er sagt,Sparsamkeit soll ein Ausdruck von Anstand werden,wieso verzichtet er dann nicht freiwillig auf einen Teil seines Gehaltes?Das soll wohl wieder nur für den einfachen Bürger gelten.
Für mich ist der Mann unglaubwürdig und ich kann mich nicht erinnern,daß er je was positives für mich getan hat.
galigula ist offline  
Alt 25.03.2009, 11:54   #13
Hamburgeryn
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Zitat:
Zitat von galigula Beitrag anzeigen
Eine lächerliche Wischi Waschi Rede,bla,bla.
Auf die innenpolitischen Missstände geht er nicht ein,es wäre gut gewesen,wenn er eine Umkehr der Dumpinglohnpolitik gefordert hätte.
Er spricht von ungerechtem globalen Nord-Süd-gefälle,von Kinder-und Altersarmmut bei uns hat er nichts gesagt.
Der Bundestag hat Handlungsfähigkeit bewiesen,ha,ha,ha.
Dann redet er noch von Begrenzung der wirtschaftlichen Macht,wieso redet er nicht von Korruption und Lobbyismus in BRD?
Warum prangert er die bekannten Missstände nicht an?
Bürokratieabbau,Steuergesetzvereinfachung,Reichtum-Armutsscheere.
Wieso setzt er sich nicht energisch gegen Zwangsarbeit ein?
Er sagt,Sparsamkeit soll ein Ausdruck von Anstand werden,wieso verzichtet er dann nicht freiwillig auf einen Teil seines Gehaltes?Das soll wohl wieder nur für den einfachen Bürger gelten.
Für mich ist der Mann unglaubwürdig und ich kann mich nicht erinnern,daß er je was positives für mich getan hat.
!!! Chapeau!

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Alt 25.03.2009, 11:59   #14
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Standard AW: Berliner Rede 2009

Hi,

seine Rede erinnert mich an seine, mit Worthülsen gespickte, Rede zu Ende des letzten Jahres. Oder war es die der sprechenden Knofleiste? Die ähneln sich ja so, dass man nicht weiss wer von wem abgeschrieben hat.

Warum kritisiert der feine Herr nicht die Zustände im eigenen Land? Warum kritisiert er nicht seine ehemaligen Bankster-Kollegen? Vielleicht darum?

Zitat:
Horst Köhler (* 22. Februar 1943 in Skierbieszów, Polen) ist seit dem 1. Juli 2004 Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Er war bis zum 4. März 2004 Geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF).
Mehr dazu hier:

Horst Köhler – Wikipedia

In diesem Sinne. Gut

Gruss

Paolo
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Alt 25.03.2009, 12:12   #15
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Standard AW: Berliner Rede 2009

Zitat:
"Die Menschheit sitzt in einem Boot"

Peter Nowak 25.03.2009
Die Berliner Rede von Bundespräsident Köhler umwirbt Globalisierungskritiker, die auf dem Boden der sozialen Marktwirtschaft stehen

Wenn jemand seine Rede mit dem Eingeständnis eines persönlichen Scheiterns beginnt, hat er in der Regel schon die Sympathie seiner Zuhörer auf seiner Seite. Daher war es eine geschickte Einleitung, die Bundespräsident Horst Köhler für den Beginn seiner Berliner Rede wählte. Zumal im Kontext der Rede deutlich wurde, dass Köhler deutlich machen wollte, schon im September 2000 als Direktor des Internationalen Währungsfonds für eine Regulierung der Märkte eingetreten zu sein...
TP: "Die Menschheit sitzt in einem Boot"

Sowie:

Zitat:
Köhler: „Wir haben alle über unsere Verhältnisse gelebt“

Verantwortlich: Wolfgang Lieb | Druckversion | Beitrag versenden | < zurück Das ist für unseren Bundespräsident „die tiefere Lehre aus der Krise“. Das erklärte er jedenfalls in seiner vierten Berliner Rede in der Elisabethkirche. Wir haben uns letztlich also selbst die hunderte von Milliarden eingebrockt, für die wir jetzt als Steuerzahler zur Stabilisierung der Finanzkrise geradestehen müssen, und deswegen müssen wir in Zukunft auch dafür bluten. Deshalb muss nach Köhler künftig „Sparsamkeit…ein Ausdruck von Anstand werden“. Zufriedenheit und Zusammenhalt sollen nicht länger „nur von einem quantitativen „Immer Mehr“ abhängig“ gemacht werden.
Da haben Banker mit kriminellen Mitteln Billionen verzockt und eingesackt, und jetzt sind „wir alle“ der „tiefere Grund“ für die Krise. Wo blieb Köhlers Vorschlag, wie diejenigen, die das Geld eingesackt haben, zur Verantwortung gezogen werden könnten?
War es vor der Krise die Wettbewerbsfähigkeit, so ist es nun die Krise, mit der begründet wird, warum die Bevölkerung den Gürtel enger schnallen soll. Die Zielrichtung bleibt immer die gleiche, nur die Begründung änderte sich. Wolfgang Lieb
NachDenkSeiten - Die kritische Website » Köhler: „Wir haben alle über unsere Verhältnisse gelebt“

Gruss

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Alt 26.03.2009, 15:55   #16
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Standard AW: Berliner Rede 2009

Zitat:
Nachtrag: Der Bundespräsident täte gut daran, sich zu entschuldigen.

Verantwortlich: Albrecht Müller | Druckversion | Beitrag versenden | < zurück Eine Leserin der NachDenkSeiten, Gewerkschafterin und frühere Betriebsrätin bei Siemens, Karin Hujer, hat sich in einem Brief an den Bundespräsidenten darüber beklagt, dass Horst Köhler in seiner Berliner Rede - Kommentar siehe hier - wie selbstverständlich davon ausgeht, dass wir alle „über unsere Verhältnisse gelebt“ hätten. Sie spricht über eine Kränkung durch den Bundespräsidenten, die jene Menschen, die arbeitslos sind oder wenig verdienen, jedenfalls seit Jahren wirtschaftliche Sorgen haben, noch mehr empfinden müssen als sie selbst. Deshalb stellen wir Ihren Brief - mit kleinen Auslassungen - ins Netz.
Geben Sie den Brief mit dieser Einführung bitte weiter. Vielleicht können Sie ihn auch bei der Demo am Samstag verteilen. Darauf machen wir nochmals aufmerksam. Albrecht Müller
NachDenkSeiten - Die kritische Website » Nachtrag: Der Bundespräsident täte gut daran, sich zu entschuldigen.

Gruss

Paolo
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Alt 26.03.2009, 16:08   #17
Kleeblatt
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Standard AW: Berliner Rede 2009

Das dieser Bundespräsident so schnell als nur möglich in der Versenkung verschwinden sollte, zeichnete sich doch bereits seit Jahren ab.
Spätestens als man sich ansehen durfte welche Gesetze er gegenzeichnete.

"Lustig" fand ich wieder einmal die Bemerkungen und Kommentare dazu hinterher in den Gleichgeschalteten.
Vor allem der Kommentator Ulrich Deppendorf hat wieder im Schleimen brilliert.
Aber das der sich darin gefällt stetig das Mietmaul zu spielen, dürfte inzwischen schon den Meisten aufgefallen sein.

Damit befindet er sich allerdings immer ganz genau auf dem weißen Strich, den die Herrschenden und Mächtigen den Journalisten vorgegeben haben.

Dieses ganze System ist derartig verlogen und verfault , - mal abwarten wann es entweder abstirbt oder auf den Müll wandert.
Natürlich inklusive der handelnden und schwätzenden Personen.
Kleeblatt ist offline  
Alt 29.03.2009, 15:45   #18
Caroline
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Caroline
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Standard AW: Berliner Rede 2009

Zitat:
Wenn er gesagt hätte: "Es stimmt, das Gezocke wurde von oben vorgeben oder zumindest angedient, aber machen wir uns nichts vor, der ordentlich verdienende Mittelstand hat kräftig mitgezockt, 2/3 dieser Gesellschaft haben geglaubt, sie gehörten verdienterweise zu den "Siegern" und könnten ihr Geld "arbeiten" lassen; wir, der Mittelstand, der höhere Mittelstand und die oberen 10 % haben vergessen, dass Geld eben nicht arbeiten kann, sondern dass andere das verdrießliche Geschäft für uns zu übernehmen haben. Wir haben "die im Dunklen" vergessen, die man, wie Brecht sagt, "nicht sieht", und wenn uns diese Krise irgend etwas zu sagen hat, dann dies: Holen wir die im Dunklen ans Licht..." - wenn Köhler das so gesagt hätte, würde ich eine Unterschriftenliste für seine Wiederwahl organisieren.

Hat er aber nicht. Er sprach von "uns allen". Und das ist schäbiger, schmutziger, ekelhafter als alles billige und unwahre Geschimpfe auf "die wenigen Zocker von der Ostküste, die uns unschuldiges Opfer-Kollektiv das alles eingebrockt haben".
Warum Köhler sich nicht zu entschuldigen, sondern zu verschwinden hat
__

Viele Grüße
Caro


Caroline ist offline  
 

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