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Alt 19.05.2014, 11:19   #1
ethos07
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Standard Die Ausbeutung der Zimmermädchen in den Berliner Hotels

Zitat:

Die Ausbeutung der Zimmermädchen in den Berliner Hotels

Gerhard Piper 18.05.2014

Für die 10 Millionen Touristen schuften Tausende von Bediensteten in den Hotels und Pensionen

Mit 3,4 Millionen Einwohnern ist Berlin die einzige wahre Metropole in Deutschland und daher ein internationaler Tourismusmagnet. Die lokalen Marketingexperten preisen die Stadt als Ort der Jungen und Kreativen - zugleich "hip" und "cool".

...

Um die Touristenmassen unterzubringen, gibt es in Berlin 790 Beherbergungsbetriebe, darunter 535 Hotels und 98 Pensionen, die über rund 132.000 Betten verfügen. ... Der Personalbestand im Hotel- und Gaststättengewerbe beträgt schätzungsweise rund 275.000 Mitarbeiter, die jährlich einen Umsatz von über 10 Milliarden Euro erwirtschaften[2].

...
Aber wie sieht das reale Arbeitsleben hinter den mondänen Kulissen des weltläufigen Tourismus aus?

Das Hotelpersonal
...

Die schöne, schnöde Hotelwelt ist nur eine vorgegaukelte Fassade. Die Gesetze des rationalen Wirtschaftens haben auch das Hotel- und Gaststättengewerbe voll durchdrungen: Die Preise werden scharf kalkuliert, der Kostendruck wird soweit wie möglich gesenkt. Längst haben die Hotelketten einen Teil ihrer Arbeitsleistung an Subunternehmen "outgesourct". So haben viele Hotels die Reinigung ihrer Gästezimmer an ein oder mehrere Gebäudereinigungsfirmen übergeben. Insgesamt sind 118 Unternehmen Mitglieder der Gebäudereiniger-Innung Berlin[3], wie viele davon auch im Hotelbereich arbeiten, ist nicht bekannt. Die Zimmerreinigung in den Hotels betreiben u. a. Alex Clean, Alfa 24, Clean Garant, GRG Services Hotel, Proculogis, Putzteufel, Putz-Zeit-Gebäudeservice und 3B Berlin Premium Hotelservice der Familie Benthin.

Diese Fremdfirmen konkurrieren um die Hotelaufträge, indem sie ihre Dienstleistung möglichst preiswert anbieten. Die Hotelgäste erfahren von dieser Arbeitsteilung nichts, schließlich laufen alle Hotelbediensteten in der jeweils gleichen Arbeitskluft herum und kein Hotelführer klärt über die realen Verhältnisse auf.

Das Funktionieren des Hotelbetriebs geschieht auf Kosten der Beschäftigten in der Küche und im Housekeeping: Ganz unten in der Personalhierarchie stehen die Zimmermädchen bzw. Roomboys.
...

Laut Tarifvertrag erhielten alle Zimmermädchen bisher einen Stundenlohn von 9,00 Euro, nur die Tellerwäscher bekamen mit 8,68 Euro noch weniger. Gemäß einer Vereinbarung vom 20. Juni 2013 wurde der Stundenlohn ab Januar 2014 in der untersten Tarifgruppe 1 - der gleichzeitig der Mindestlohn in der Innenreinigung ist - auf 9,31 Euro (nur Tarifgebiet West incl. Berlin) angehoben[6]. In einer zweiten Stufe wird das Gehalt ab dem 1. Januar 2015 auf letztendlich 9,55 Euro steigen. Während der Tarif für die Hotelbediensteten (Rezeption, Küche, Bar, etc.) zwischen dem Berliner Hotel- und Gaststättenverband (HOGA) und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ausgehandelt wird, gilt dies nicht für die Reinigungskräfte. "Tarifpartner" sind hier der Bundesinnungsverbandes des Gebäudereiniger-Handwerks[7] (BIV) und die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mit ihrer Fachgruppe Gebäudereinigung.

Aber diese Lohnvereinbarung wird nur pro forma eingehalten, der tatsächliche Lohn ist i. d. R. wesentlich geringer. Der bekannte Journalist Günter Wallraff berichtete[8] 2013 über seine Recherchen in Berliner Nobelhotels:

Wir fanden unhaltbare Arbeitsverhältnisse vor. Wo eine luxuriöse Übernachtung oft 300 und mehr als 1000 Euro kostet, verdient eine Reinigungskraft kaum drei Euro pro Zimmer. Mit Stücklohn und mittels Subunternehmen unterlaufen die Hotels den Mindestlohn der Reinigungsbranche, der neun Euro pro Stunde beträgt. Oft brauchen die Frauen für ein Zimmer mehr als eine Stunde, der Zeitdruck ist enorm. Die Frauen, viele aus Osteuropa, werden schikaniert und respektlos behandelt. Kaum ein Gast ahnt, was hinter den Kulissen passiert. (…)

Hotels sind wie ein Symbol für die Gesellschaft der Gegenwart: Oben leben die Reichen im Luxus, im Keller schuftet unsichtbar die Kaste der Unberührbaren, unsere Parias. Da viele vom Hungerlohn nicht leben können, müssen sie aufstocken - auf dem Umweg finanziert der Steuerzahler den Luxushotels die Reinigung."

Die Methode zur Lohndrückung ist recht einfach:
...
[Anm. ethos07: bitte im link weiterlesen - echt gute Detailbeschreibung!]

...
Neue Lohnsklaven mit Migrationshintergrund oder Hartz-IV

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Unter den Hartz-IV-Empfängern haben sich die realen Arbeitsbedingungen in der Hotelreinigungsbranche längst herumgesprochen und die Leute sind gewarnt, was wiederum zu Arbeitskräftemangel führt und die bestehenden Verhältnisse zementiert. Als die Reinigungsfirma GRG Services Group im Jahre 2010 100 Stellen für Zimmermädchen bzw. Roomboys ausschrieb, empfahl das Jobcenter in Berlin-Reinickendorf 130 Arbeitslose, von denen nur 30 zu Vorstellungsgesprächen erschienen, und nur 5 Personen wollten den Job tatsächlich machen. Am Ende hielt nur eine einzige Frau längere Zeit durch, beklagte[13] sich der amtierende GRG-Geschäftsführer Stephan Schwarz, der zugleich Präsident der Berliner Handwerkskammer ist.

Obwohl in der Branche ein ständiger Personalmangel herrscht, sind die Reinigungskräfte der verschiedenen Unternehmen und Hotels zu isoliert und eingeschüchtert, um ihre Interessen gemeinsam durchsetzen zu können, um eine angemessene Bezahlung für die geleisteten Arbeitsstunden und humane Arbeitsbedingungen zu erreichen.
...


Fehlende Behördenaufsicht

So herrschen auf dem Berliner Arbeitsmarkt Zustände wie in Wildwest, obwohl gleich mehrere Behörden in die Überwachung und Bekämpfung der verschiedenen Formen von Wirtschaftskriminalität eingebunden[14] sind.

...
Dabei ist Berlin kein Einzelfall, ähnliche Zustände werden aus Hamburg[17] bis München[18] gemeldet.

....
Copyright © Telepolis, Heise Zeitschriften Verlag
Bitte ganzer Artikel weiterlesen! Er ist lang, aber gut recherchiert und aus dem wahren Leben gegriffen..
Weiterlesen: Die Ausbeutung der Zimmermädchen in den Berliner Hotels | Telepolis (Print)
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Viele Grüße aus Berlin
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  • 10 Euro Mindestlohn (brutto + lohnsteuerfrei)!
    500 Euro ALG II (Regelsatz) plus volle KdU!
  • Sanktionen zerbröseln!

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N.B. Meine Beiträge sind meine persönlichen Meinungen und keine Rechtsberatung.
ethos07 ist offline  
 

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ausbeutung, berliner, hotels, zimmermädchen

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