Erwerbslosen Forum Deutschland (ELO-Forum) QR-Code des ELO-Forum
Mach mit. klick mich....
Impressum Stichwortsuche Spenden Strafanzeigen Verfahrensrecht Registrieren Hilfe Interessengemeinschaften Kalender Suchen Alle Foren als gelesen markieren

Start > > > > -> Die Grünen: Die Sehnsucht, gut zu sein


 

 

Themen-Optionen Ansicht
Alt 29.11.2012, 12:46   #1
wolliohne
Forumnutzer/in
 
Registriert seit: 19.08.2005
Ort: Bonndeshauptstadt
Beiträge: 14.823
wolliohne Möchte sein Renommee nicht öffentlich anzeigen...
Du darfst nicht voten!
0
Du darfst nicht voten!

Standard Die Grünen: Die Sehnsucht, gut zu sein

Die Grünen haben eine neues Zauberwort gefunden: “bürgerlich”. Ist “bürgerlich” ein unverfängliches Wort? Es hat im Deutschen mindestens zwei Bedeutungen. Es kann den Staatsbürger meinen, also in einem egalitären Sinne bedeuten, dass sich die Grünen als Partei aller verstehen und stets das Gemeinwohl im Sinn haben. Allerdings ist “bürgerlich” auch eine Klassenbezeichnung und wäre somit eine Geste der Distinktion, die die Grünen als Partei einer Gruppe inszeniert, die sich über einen bestimmten Habitus definiert. Die Grünen werden von gut verdienenden Beamten und Selbstständigen gewählt, Niedrigverdiener gibt es in der Partei kaum. Nur die FDP ist sozial so exklusiv wie die Grünen. Als vor zehn Jahren in den Feuilletons und Soziologieseminaren das Neubürgerliche entdeckt wurde, ging dies nicht zufällig mit der Debatte über die Unterschicht einher. Die Hartz-IV-Klientel, so das Bild, zeigte sich resistent gegen alle pädagogischen Aufforderungen, sich aus dem Fernsehsessel zu erheben und Aufstiegswillen zu demonstrieren. Der leicht angeekelte Blick des Neobürgertums auf das RTL2 -Publikum war auch ein Abwehrreflex: die Selbstversicherung einer verunsicherten Mittelschicht, die ahnt, dass es auf der Rutsche Richtung Hartz IV ganz schnell gehen kann. Die grüne Bürgerlichkeit meint Werte und Gemeinwohl. Doch dabei schwingt etwas anderes mit: der Wunsch, Distanz zum sozialen Unten zu markieren. Die Frage ist, ob die Grünen in der Lage sind, über ihre eigenen Schichteninteressen hinaus für die Interessen der “Unterklasse” einzutreten. Kann die Partei ihre eigene Interessenlage transzendieren? “Ideen”, schrieb Karl Marx, “blamieren sich stets vor Interessen”. – Die Grünen treten mit einem moderaten Umverteilungsprogramm an: Sie wollen den Spitzensteuersatz auf 49 Prozent heben und eine zeitlich begrenzte Vermögensabgabe für sehr Reiche einführen; dafür soll Hartz IV auf 420 Euro steigen. Diese Forderungen belasten zielgenau die eigene Klientel: die obere Mittelschicht. Werden die Grünen an der Regierung dem ökoorientierten Hochschullehrer und der grünen Rechtsanwältin wirklich ein paar tausend Euro im Jahr abknöpfen?
Quelle: taz Anmerkung Orlando Pascheit: Nein, die Grünen brauchen den Realitätstest nicht zu fürchten. Natürlich hat die Idee einer moderaten Umverteilung schon längst das Kalkül der Interessen durchlaufen. Auf dem Grünenparteitag vor einem Jahr beantragte die Grünen Jugend, den Spitzensteuer-Satz auf 53 Prozent anzuheben. Der Parteitag nahm sich dann aber doch die Mahnung des grünen Ministerpräsidenten Kretschmann zu Herzen: “Wer jetzt zu viele mögliche Wähler verschreckt, kann seine Vorstellungen nämlich nachher nicht umsetzen” und beschloss 49 Prozent. Wie auch die SPD, bewegen sich die Grünen voll im Einklang mit der Werbepsychologie bei der Preisgestaltung, die da sagt: Normalerweise wirkt ein Produkt/eine Dienstleistung für 49 Euro einfach preiswerter als für 50,00 Euro. Die psychologische Differenz zwischen den Preisen ist wesentlich größer als die reale Differenz von gerade mal einem Euro. Der Spitzensteuersatz also zum Schnäppchenpreis. Im Übrigen wissen die Grünen, dass sie nur als Koalitionspartner zum Zuge kommen werden und dann bei Nichteinhaltung ihres Programms auf den jeweiligen Koalitionspartner verweisen können. Mit der CDU/CSU dürfte der grüne Spitzensteuersatz nicht zu halten sein. A und O einer Anhebung ist die Frage, ab welcher Einkommensgrenze der Spitzensteuersatz gilt. Die SPD plant die Erhöhung des Spitzensteuersatzes erst ab einem Jahreseinkommen von 100.000 Euro (Grüne: 80.000) für Ledige und 200.000 Euro für Verheiratete. Damit dürften auch die grünen Ökoprofessoren aus dem Schneider sein, die über dem Grundgehalt einer W 3-Professur liegen. Die SZ betitelt solche Pläne, die die obersten 5 Prozent der Steuerzahler betreffen würde, mit: “Auf die Reichen mit Gebrüll”. Zum Vergleich die Lebenswirklichkeit: Der durchschnittliche Bruttojahresverdienst von vollzeitbeschäftigten ArbeitnehmerInnen betrug 2011 knapp 44. 000 Euro. Der präzisere, für den typischen Bürger repräsentativere Wert, der Median, dürfte etwa bei 38.000 Euro liegen. Nein, der Spitzensteuersatz der Grünen wie auch der SPD dient schon längst der Interessenslage der Parteien, denn er verprellt keineswegs ihre Wählerklientel. Und er hat gleichzeitig mit seiner Aufwärtsbewegung den Charme der Idee einer Umverteilung – für Vergessliche. Denn unter der rot-grünen Regierung, die 1998 ins Amt kam, war die Steuersenkungspolitik erst richtig in Fahrt gekommen. – Man kann, wenn man bei obigem Marxzitat[*] weiterliest, lesen, wie sich die Masse oft nicht von ihrem wirklichen Interesse leiten lässt, sondern sich allein von der Idee enthusiasmieren lässt. Also fragt Euch, welcher Steuersatz ab welchem Einkommen unseren wirklichen Interessen entsprechen kann. Dabei gilt es nicht nur die Ungleichheit, sondern sehr wohl auch die finanziellen Problemen unseres Landes anzugehen.
__

"10 Jahre Unrechtsregime Bundesrepublik
Deutschland"
Im Namen der BRD-Verbrechen gegen die Menschlichkeit mit Nebenwirkung Tot

Alle von mir gemachten Aussagen und Antworten auf Fragen entsprechen lediglich meiner persönlichen Meinung und stellen keinerlei Rechtsberatung dar.
wolliohne ist offline  
 

Stichwortsuche
grünen, sehnsucht

Themen-Optionen
Ansicht


Ähnliche Themen

Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Ich hatte schon Sehnsucht: Eine neue EGV erdokan Eingliederungsvereinbarung (EGV +VA) 16 11.08.2011 09:09
Bürgerarbeit: Endstation (Sehnsucht) für ALG-II-Bezieher Die Antwort Archiv - News Diskussionen Tagespresse 3 17.06.2010 17:24
Wahl des Bundespräsidenten: Sehnsucht nach Margot Käßmann Die Antwort Archiv - News Diskussionen Tagespresse 7 02.06.2010 19:13
STUDIE ZUR KINDERARMUT: Sehnsucht nach Liebe und Sicherheit Muci Soziale Politik / politisches Zeitgeschehen 18 05.04.2009 09:25
Arge Bochum,Sehnsucht nach dem Mutterhaus wolliohne Archiv - News Diskussionen Tagespresse 3 08.07.2008 08:33


Es ist jetzt 06:22 Uhr.


Powered by vBulletin® (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2017, Jelsoft Enterprises Ltd.
Template-Modifikationen durch TMS
Search Engine Optimisation provided by DragonByte SEO (Pro) - vBulletin Mods & Addons Copyright © 2017 DragonByte Technologies Ltd.
Feedback Buttons provided by Advanced Post Thanks / Like (Pro) - vBulletin Mods & Addons Copyright © 2017 DragonByte Technologies Ltd.
ELO-Forum by Erwerbslosenforum Deutschland