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Alt 29.03.2009, 15:55   #1
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Beiträge: 6
crashinc
Standard Die Krise des Kapitalismus aus marxistischer Sicht

Die negativ Meldungen überschlagen sich ja jeden Tag.
Allerdings beschränkt sich die öffentliche Debatte auf Schlagwörter wie "Die USA haben über ihre Verhältnisse gelebt", "Der Staat hat falsch oder zu wenig reguliert", "Dieviele Mrd darf der Staat in die Wirtschaft pumpen?" etc.
Dass Marx das alles schon vor über 100Jahren prognostizierte interessiert niemanden mehr.

Die Jagd der Kapitalisten nach immer produktiveren Herstellungsmethoden und neuen Automatisierungen ist gleichzeitig ihr Untergang, denn dadurch wird das variable Kapital(Arbeitskraft bzw. Lohnkosten) zunehmend aus dem Produktionsprozess verdrängt und somit sinkt auf Dauer die Profitrate (Verhältnis von Gewinn zu Kapitaleinsatz), da nur die menschliche Arbeitskraft die Eigenschaft hat, mehr Wert zu erschaffen als sie wert ist (Mehrwert).
Das führt zum tendenziellen Fall der Profitrate:

1850 lag die Profitrate sogar noch bei ~45%!

Dadurch dass bis Anfang der 70er Jahre trotz gewisser Rationalisierungen absolut immer mehr Arbeit verwertet werden konnte und neue Absatzmärkte erschlossen wurden, konnte das allerdings kompensiert werden.
Die mikroelektronische Revolution führte nun zu solch enormen Automatisierungen, dass jede Vorstellung von einem Zurück zum Nachkriegsboom nur noch als illusionär bezeichnet werden kann.
Durch Robotertechnik, Spracherkennung uvm. wird die Vollautomatisierung auch immer stärker die Dienstleistungen ergreifen.
Die Explosion der Arbeitslosenzahlen wird also weitergehen, allen Beschönigungsversuchen zum trotz:


"Selbst wenn die deutschen Hersteller die Verkäufe ihrer Fahrzeuge konstant halten können, wächst mit jedem neuen Modell der Druck auf die Arbeitsplätze. Die Produktivität beim Wechsel vom Golf V auf den neuen Golf VI sei in Wolfsburg um mehr als zehn Prozent und in Zwickau sogar um mehr als fünfzehn Prozent gestiegen, verriet ein stolzer VW-Chef Winterkorn bei der Präsentation der Neuauflage des wichtigsten Konzernfahrzeugs. Das bedeutet, dass für die Montage der gleichen Zahl von Autos fünfzehn Prozent weniger Leute nötig sind. Wenn also vom Golf VI nicht entsprechend mehr abgesetzt wird, sind Jobs in Gefahr." [1]

Etwa um 1980 herum begann eine neue Taktik des Kapitals... und zwar die fallende Profitrate durch Erhöhung der Mehrwertrate auszugleichen d.h. durch Lohnsenkung, Verlängerung der Arbeitszeit etc.
Das sieht man u.a. an dem sensationellen Fall der Lohnquote:

Dies kann durchaus den Trend umkehren, aber eben nur zeitweise, da durch die Verarmung der Bevölkerung auch wieder die Absatzmöglichkeiten zurückgehen.

Durch den immer höheren Kapitalanteil ist auch die Rolle der Kredite auf dem kapitalistischen Markt wichtiger geworden, was wiederum die großen Konzerne begünstigt hat.
Die immer geringeren Möglichkeiten der Kapitalverwertung wurde nun vorallem jedoch durch den Boom der Finanzmärkte ausgeglichen d.h. genauer: Die Realwirtschaft lebt seit mehr als 20 Jahren von erwarteten Gewinnen in der Zukunft. Diese Zukunft rückt in immer weitere Ferne und irgendwann platzt auch für den letzten die Illusion, dass diese Erwartungen noch in Erfüllung gehen.
Die "Abkopplung der Finanzwirtschaft" ist also Unsinn, auch wenn eine gewisse Eigendynamik natürlich vorhanden ist.
Ohne den Boom der Finanzmärkte wäre allerdings die Weltwirtschaft schon viel eher eingebrochen.

"Das Volumen der von europäischen Banken gehaltenen problematischen Wertpapiere beläuft sich einem geheimen EU-Dokument zufolge auf rund 16,3 Billionen britische Pfund (rund 18,2 Billionen Euro). 44 Prozent der Vermögenswerte europäischer Banken seien derzeit "faul"." [2]

Theoretisch kann man das alles natürlich auf die Staatsschulden übertragen, aber bei diesen Größenordnungen wird selbst das schwierig und auch wenn es gelingen sollte ist das problem der mangelnden Kapitalverwertung nicht gelöst. Es müssten gleichzeitig astronomische Konjunkturprogramme aufgelegt werden. Der einzige Ausweg um diese ganzen Blasen & Schulden wieder loszuwerden den ich derzeit sehe ist eine Hyperinflation mit anschließender Währungsreform. Was das für die Menschen bedeutet kann sich jeder selbst ausmalen.
Robert Kurz hat das recht treffend formuliert: "Simbabwe ist das Land der Zukunft." [3]

"Die Profitrate, d.h. der verhältnismäßige Kapitalzuwachs ist vor allem wichtig für alle neuen, sich selbständig gruppierenden Kapitalableger. Und sobald die Kapitalbildung ausschließlich in die Hände einiger wenigen, fertigen Großkapitale fiele, für die die Masse des Profits die Rate aufwiegt, wäre überhaupt das belebende Feuer der Produktion erloschen... Sie würde einschlummern." (Marx) [4]
"Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen. […] Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolutionen ein." (Marx) [5]

Uns geht die Arbeit aus? Objektiv gesehen eine feine Sache, nur im Kapitalismus nicht.
Angesichts der kommenden Proteste ist es umso wichtiger nicht auf verkürzte bis reaktionäre Kapitalismuskritik & entsprechende Lösungen hereinzufallen. (Freiwirtschaft & co)
Ziel kann es nur sein, dass endlich der Mensch Zweck allen wirtschaftlichen Geschehens wird anstatt pures Mittel zur Geldvermehrung der Kapitalbesitzer als Selbstzweck.
Dem Chaos des Marktes mit seinen Krisen muss die bewusste basisdemokratische Produzentenplanung entgegengesetzt werden.
In diesem Sinne... her mit dem schönen Leben!
Für den libertären Kommunismus!

Mehr Infos und Quellen:
www.streifzuege.org
www.exit-online.org
www.krisis.org
www.marktende.de
Vortrag von Robert Kurz:
Teil 1
Teil 2
Vortrag von Norbert Trenkle:
Teil 1
Teil 2 (Diskussion)
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Alt 29.03.2009, 16:50   #2
Atlantis
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Atlantis Atlantis Atlantis
Standard AW: Die Krise des Kapitalismus aus marxistischer Sicht

Na ja deine Protuktiv Steigerung hat einen kleinen Schönheitsfehler. Von der 28 stunden Woche im VW-Konzern zurück zu 38 stunde Woche bringt allein schon ein Steigerung der Produktion.
Deine Produktiv Steigerung ist hier nicht mit Abbau der Belegschaft verbunden,
auch ist darauf zu schauen wie wird die Steigerung erreicht mit der Arbeitskraft, Roboter oder mit optimieren von Arbeitsabläufen.
Im VW-Konzern wurden durch Steigerung von 15 % keine 15 % aus der Belegschaft entlassen.
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Alt 29.03.2009, 23:40   #3
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crashinc
Standard AW: Die Krise des Kapitalismus aus marxistischer Sicht

Zitat von Atlantis Beitrag anzeigen
Von der 28 stunden Woche im VW-Konzern zurück zu 38 stunde Woche bringt allein schon ein Steigerung der Produktion.
Das würd ich zur Erhöhung der Mehrwertrate zählen.
Ist ja im Grund nichts anderes als Lohnsenkung.

Zitat von Atlantis Beitrag anzeigen
auch ist darauf zu schauen wie wird die Steigerung erreicht mit der Arbeitskraft, Roboter oder mit optimieren von Arbeitsabläufen.
Naja letztendlich führen auch Optimierungen der Arbeitsabläufe dazu, dass weniger Arbeit benötigt wird d.h. die organische Zusammensetzung des Kapitals steigt.

Vom "Ende der Arbeit" redet u.a. auch der US-Ökonom Jeremy Rifkin:
"Schauen Sie in die Vergangenheit. Zehntausend Jahre haben sich Menschen andere Menschen als Sklaven gehalten. Nun reden wir uns gern ein, dass die Sklaverei abgeschafft wurde, weil wir so human geworden sind. Aber die Wahrheit ist: Durch die industrielle Revolution ist die Sklaverei überflüssig geworden. Ab einem bestimmten Zeitpunkt war es billiger, den Ofen eines Kohleofens zu füllen, als den Mund eines Sklaven.
Wir sind mitten in einer Umwälzung, die die industrielle Revolution noch übertrifft."
"Der technische Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. Ich sehe zwei Alternativen für unsere Zukunft. Die eine ist eine Welt mit Massenarmut und Chaos. Die andere ist eine Gesellschaft, in der sich die von der Arbeit befreiten Menschen individuell entfalten können. Das Ende der Arbeit kann für die Menschheit einen großen Sprung nach vorn bedeuten. Wir müssen ihn aber auch wagen."
Interview: Langfristig wird die Arbeit verschwinden - Stuttgarter Zeitung online
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Alt 09.04.2009, 00:59   #4
Selbstdenker
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Cool AW: Die Krise des Kapitalismus aus marxistischer Sicht

Das Problem ist die Logik. Menschen sind nicht bereit, sie zu akzeptieren.
Daher wird die Karre erst gegen die Wand fahren müssen.

Die Sache mit dem Großhirn ist eben so, daß es keiner benutzt. Tatsächlich befindet sich die Menschheit noch auf einem sehr niedrgen Entwicklungsstand; komplett SINNentleert und von Schwesterwelles ins Gehirn geschissen.

Dank an Crashinc für seine Ausführungen. Meine Kurzthese zur Krise:

Der Kapitalkreiskreislauf wird durch das Ansammeln von Geldvermögen ausgeblutet; es laufen zwangsläufig Schulden auf, da sonst die Einkäufe nur um das entnommene Kapital vermindert erfolgen könnten. Vermögen stellen also eine Störung des Kapitalsystems dar. Überschreiten die Vermögen (und die gleich großen Schulden!) eine akzeptable Relation zur Summe der Waren und Dienstleistungen, wird das System instabil, da die Vermögen nicht mehr durch die Kapitalkraft der Bevölkerung garantiert werden.

Ich denke, das ist momentan der Fall. Aus meiner Sicht findet das Kapitalsystem ein natürliches Ende, wenn, wie oben beschreiben, die Gier nach Geldvermögen jedes Maß überschreitet und besesssen von unten nach oben umverteilt wird.
 
Alt 09.04.2009, 20:27   #5
M.aus.B
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M.aus.B
Böse AW: Die Krise des Kapitalismus aus marxistischer Sicht

Glück Auf,
Zitat von Selbstdenker Beitrag anzeigen
Die Sache mit dem Großhirn ist eben so, daß es keiner benutzt. Tatsächlich befindet sich die Menschheit noch auf einem sehr niedrgen Entwicklungsstand; komplett SINNentleert und von Schwesterwelles ins Gehirn geschissen.
Ja, und da stellt sich die Frage: IST DER MENSCH WIRKLICH INTELLIGENT ???
Denn der große alte Karl hat bis heute recht: “Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.”

und diesem huldigt der sinnentleerte Mensch bis zu seinem Untergang. Welcher mickrige Regen- oder Sonstwaswurm würde sich um seines Vorteils willen, in den Untergang begeben. KEINER - denn er hat nicht die Inte... ( -was für Zeugs ???) dazu.

Vielleicht ist es aber auch besser, wenn der Mensch verschwindet - die Natur hat seit ca. 4 Mdr. Jahren Leben hervorgebracht - und es entwickelte sich prächtig - OHNE den "Intelligenten" Affen.
__

Das Land Deutschland ist selber schuld, wenn es von einer machtGIERigen und asozialen Verbrecherbande reGIERt und von einer arschkriechenden Lumpenbande verwaltet wird.
Es laufen viel zu viele Leute rum, aber leider nicht genug Menschen.
Das Leben ist eine sexuell übertragbare Krankheit, die zu 100% tödlich endet.
M.aus.B ist offline  
Alt 09.04.2009, 22:48   #6
druide65
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druide65 druide65 druide65 druide65 druide65
Standard AW: Die Krise des Kapitalismus aus marxistischer Sicht

Karl Marx kannte aber die Informationsgesellschaft nicht.

Er war geprägt von den Strukturen der Industriegesellschaft.

Diese verabschiedet sich aber immer mehr.
Das Maschinen uns die Arbeit abnehmen ist erst mal gut.
Es kommt darauf an das wir neue Wege der Arbeit finden.
Eine Informations/Wissens/Dienstleistungsgesellschaft.

Zitat:
Das Ende der Arbeit kann für die Menschheit einen großen Sprung nach vorn bedeuten. Wir müssen ihn aber auch wagen."
Den kann man aber nicht mit Karl Marx und seinen Theorien wagen.
Seine Theorien beziehen sich auf eine ganz andere Gesellschaftsform.

Davon abgesehen...Diktatur bleibt Diktatur...ob sie jetzt vom sogenannten Proletariat kommt oder sonst woher.....
__

Der Sozialismus muß eine Sache der Menschheit sein und darf nicht zur Sache einer Klasse herabgewürdigt werden.
druide65 ist offline  
Alt 10.04.2009, 11:38   #7
Linchen0307->Emailproblem
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Linchen0307 Linchen0307 Linchen0307
Standard AW: Die Krise des Kapitalismus aus marxistischer Sicht

Im Grunde ist das alles ganz leicht zu verstehen.
Die ganz reichen konsumieren zwar, aber nicht in dem Maße wie es eine ganze Bevölkerung könnte.
Da aber das Vermögen immer weiter von unten nach oben verteilt wurde, blieb dem "gewöhnlichen" Volk kaum etwas um zu konsumieren.
Aber, ohne Konsum steht die Produktion, denn wenn nicht mehr konsumiert wird, wird nichts von dem Produzierten an den Mann gebracht und so entdteht zwangsläufig Arbeitslosigkeit.
Begriffen haben das einige Wenige, aber nicht genug. Somit geht es immer weiter bergab, denn wenn Mensch kein Geld hat, gibt es auch keinen Konsum. Das ist ein Kreislauf, den Mädchen und Jungen spätestens in der 4. Klasse begreifen, nur Wirtschaft und Politik sind zu dämlich.
__

Hartzer Linchen
Zitat:
Wertestellung: abgewrackte Autos 2500 Euro

..................................Kinder 100 Euro
Bitte beachten
Linchen0307 ist offline  
Alt 10.04.2009, 12:26   #8
elgoki
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elgoki
Standard AW: Die Krise des Kapitalismus aus marxistischer Sicht

Zitat von druide65 Beitrag anzeigen


Den kann man aber nicht mit Karl Marx und seinen Theorien wagen.
Seine Theorien beziehen sich auf eine ganz andere Gesellschaftsform.

Die Gesellschaftsform auf die sich Marx bezieht heißt KAPITALISMUS und ich glaube in der leben wir - leider - noch.

Davon abgesehen...Diktatur bleibt Diktatur...ob sie jetzt vom sogenannten Proletariat kommt oder sonst woher.....

Diktatur des Proletariats – Wikipedia

Lesen bildet!
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Alt 10.04.2009, 12:34   #9
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Standard AW: Die Krise des Kapitalismus aus marxistischer Sicht

Zitat von elgoki Beitrag anzeigen

Ja und?

Es wird von Herrschaft ausgegangen.Also wird das ganze umgedreht.
Wer vorher getreten hat ...wird jetzt getreten.
Nichts anderes sagt es aus.

Im übrigen habe ich die Schriften von Marx zuhause.Und auch gelesen.
Sie sind geprägt vom damaligen Elend der industriellen Arbeiterklasse.
__

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Alt 10.04.2009, 13:39   #10
elgoki
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elgoki
Standard AW: Die Krise des Kapitalismus aus marxistischer Sicht

Zitat von druide65 Beitrag anzeigen
Ja und?

Es wird von Herrschaft ausgegangen.Also wird das ganze umgedreht.
Wer vorher getreten hat ...wird jetzt getreten.
Nichts anderes sagt es aus.

Im übrigen habe ich die Schriften von Marx zuhause.Und auch gelesen.
Sie sind geprägt vom damaligen Elend der industriellen Arbeiterklasse.
Liest sich aber ziemlich aktuell:

Zitat:
Die wirklichen, vom ökonomischen Optimismus travestierten Tatsachen sind diese: Die von der Maschinerie verdrängten Arbeiter werden aus der Werkstatt hinaus auf den Arbeitsmarkt geworfen und vermehren dort die Zahl der schon für kapitalistische Ausbeutung disponiblen Arbeitskräfte. Im siebenten Abschnitt wird sich zeigen, daß diese Wirkung der Maschinerie, die uns hier als eine Kompensation für die Arbeiterklasse dargestellt wird, den Arbeiter im Gegenteil als furchtbarste Geißel trifft. Hier nur dies: Die aus einem Industriezweig hinausgeworfnen Arbeiter können allerdings in irgendeinem andern Beschäftigung suchen. Finden sie solche, und knüpft sich damit das Band zwischen ihnen und den mit ihnen freigesetzten Lebensmitteln wieder, so geschieht dies vermittelst eines neuen, zuschüssigen Kapitals, das nach Anlage drängt, keineswegs aber vermittelst des schon früher funktionierenden und jetzt in Maschinerie verwandelten Kapitals. Und selbst dann, wie geringe Aussicht haben sie! Verkrüppelt durch die Teilung der Arbeit, sind diese armen Teufel außerhalb ihres alten Arbeitskreises so wenig wert, daß nur in wenigen niedrigen und daher beständig überfüllten und unterbezahlten Arbeitszweigen Zugang finden.(215) Ferner attrahiert jeder Industriezweig jährlich einen neuen Menschenstrom, der ihm sein Kontingent zum regelmäßigen Ersatz und Wachstum liefert. Sobald die Maschinerie einen Teil der bisher in einem bestimmten Industriezweig beschäftigten Arbeiter freisetzt, wird auch die Ersatzmannschaft neu verteilt und in andern Arbeitszweigen absorbiert, während die ursprünglichen Opfer in der Übergangszeit großenteils verkommen und verkümmern.
Quelle:Die Produktion des relativen Mehrwerts - 13. Maschinerie und große Industrie
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elgoki ist offline  
Alt 10.04.2009, 18:41   #11
Heinzi1
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Standard AW: Die Krise des Kapitalismus aus marxistischer Sicht

Zitat von Linchen0307 Beitrag anzeigen
Aber, ohne Konsum steht die Produktion, denn wenn nicht mehr konsumiert wird, wird nichts von dem Produzierten an den Mann gebracht und so entdteht zwangsläufig Arbeitslosigkeit.
Linchen, genau das ist ja das Perverse, der Kern des Kapitalismus: unsere Existenz (also, ob wir überleben) hängt über unseren Lohn davon ab, dass wir und andere konsumieren, und zwar immer mehr.

Man müsste daran gehen, unser Überleben, unsere Existenz (über den Lohn) davon abzukoppeln, dass wir darauf angewiesen sind, dass irgend jemand die Produkte kauft, die wir herstellen.

Quasi Existenzgeld. Lebensberechtigung, ohne dass unser Leben davon abhängt, dass wir und andere konsumieren.
 
Alt 11.04.2009, 12:43   #12
Selbstdenker
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Cool AW: Die Krise des Kapitalismus aus marxistischer Sicht

Wir haben ein Verteilungsproblem, auch wenn z. B. Kurt Beck dies vor einigen Jahren verneinte. Vor ca. 18 Jahren wurde bei der SPD die Maschinensteuer diskutiert. Mittlerweile gilt die Devise: bloß nicht mehr darüber reden. Die Linke greift die Diskussion um das Verteilungsproblem momentan von der Argumentation her auch zu wenig auf. Aber daran kann man arbeiten.

Das Perverse der jetzigen Situation ist doch, daß Waren aufgrund hoher Arbeitsproduktivtät faktisch unbegrenzt produziert werden können/könnten, diese aber aus Geldmangel nicht gekauft werden können. Das ist das Paradoxe am System. Der Staatskommunismus produzierte ineffektiv wenig Güter zum Verteilen; der Kapitalsmus produziert, verteilt aber die Güter aufgrund des mangelhaften und zunehmend gestörten Kapitalsystems nicht ausreichend an alle.

Ich meine damit nicht einen ungehemmten Konsum, sondern eher, daß Menschen so viel Geld haben sollten, hochwertige Güter zu kaufen, die eine längere Lebensdauer hätten. Dies würde auch einen Beitrag zum Umweltschutz darstellen. Auf Plunder könnte verzichtet werden.

Wie in oberen Beiträgen schon gesagt: Menschen - vor allen Dingen unsere Führer - sind dumm. Wir sollten den Lügen und Einflüsterungen dieser professionellen Idioten und ihrer Lautsprecher widerstehen, unseren Verstand gebrauchen, selbst denken und entscheiden.
 
Alt 12.04.2009, 11:46   #13
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crashinc
Standard AW: Die Krise des Kapitalismus aus marxistischer Sicht

Die "Dienstleistungsgesellschaft" wird den Kapitalismus nicht retten, da diese Dienstleistungen großteils unproduktive Arbeit darstellen d.h. nicht verwertbar sind und wie schon erwähnt auch dort immer mehr rationalisert wird. Wenn sich die Verlierer des Systems gegenseitig die Schuhe oder nasen putzen rettet es das System nicht.

Marx kannte die Informationsgesellschaft jedenfalls nicht persönlich, aber er hat nicht eine bestimmte Phase des Kapitalismus analysiert, sondern seinen "ideellen Durchschnitt". Er war somit seiner Zeit weit voraus, auch wenn zu einer umfassenden aktuellen Kapitalismuskritik natürlich mehr gehört als die Grundlagen.
Einen neuen Verwertungschub wird aber auch die Informationsgesellschaft nicht bringen. Im Gegenteil: Die "Ware" Wissen sprengt die engen Schranken des Kapitalismus fast von selbst, da Wissen nicht reproduziert werden muss. Es verschwindet nicht wenn jeder dazu Zugang hat.
Das Kapital versucht zwar irgendwie das Zeug doch noch zu verknappen durch Kopierschutz etc., blamiert sich damit aber eigentlich nur selbst.
Man denke nur an die Open-Source Bewegung, welche durchaus "kommunistische" Elemente hat.
Falls der Kapitalismus jemals eine historische Legitimität gehabt hätte, wäre nun auch diese vorbei.
Die Welt ist zu reich für den Kapitalismus!

Achja wer sich für moderne Lösungsansätze interessiert dem sei auf diese Werke hier verwiesen:
Michael Albert "Parecon: Life After Capitalism" [homepage]
Cockshott & Cottrell "Towards a New Socialism" [komplett online]
Die Bücher von Darwin Dante sind auch sehr interessant, speziell die "5 h Woche". [homepage; vieles online verfügbar]
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Alt 12.04.2009, 12:28   #14
druide65
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Standard AW: Die Krise des Kapitalismus aus marxistischer Sicht

Mit Marx Schriften ist es wie mit der Bibel....sie bieten Raum für zig unterschiedliche Interpretationen ohne letztendlich auf den Punkt zu kommen.

Und eine diese Interpretationen hat ja nun zu Diktatur geführt und Millionen von Menschenleben gekostet.


Zitat:
Die "Dienstleistungsgesellschaft" wird den Kapitalismus nicht retten, da diese Dienstleistungen großteils unproduktive Arbeit darstellen d.h. nicht verwertbar sind und wie schon erwähnt auch dort immer mehr rationalisert wird. Wenn sich die Verlierer des Systems gegenseitig die Schuhe oder nasen putzen rettet es das System nicht.
Es geht nicht darum das eine Gesellschaft die nächste rettet.
Sondern das neue Wege gefunden werden unabhängig von antiken Theorien.
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druide65 ist offline  
Alt 12.04.2009, 13:02   #15
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Standard AW: Die Krise des Kapitalismus aus marxistischer Sicht

Zitat von druide65
Sondern das neue Wege gefunden werden unabhängig von antiken Theorien.
Abseits des Kapitalismus? Gerne. Aber Symptombekämpfung hatten wir die letzen Jahre genug.

Marx hat in erster Linie eine Kritik des Kapitalismus abgeliefert und einige Andeutungen gemacht wie mans denn anders machen könnte.
Die Arbeiterbewegung hat das dann ziemlich vereinfacht und der Realsozialismus hat Marx Ideen dann komplett pervertiert.
Bspw. hat man sich auf eine Kritik des Mehrwerts beschränkt, was zu verheerenden Folgen führte. Denn die Verteilung kann auch ein "starker Mann"/Staat von oben regeln. Der Staat ist allerdings der "ideelle Gesamtkapitalist" und vom Markt nur die andere Seite der Medaille.
Aber der kapitalistische Reichtum ist nicht nur falsch verteilt, er ist falsch! Man sieht es den Waren & Maschinen durchaus an, dass sie nicht zur Bedürfnisbefriedigung produziert werden, sondern zur größmöglichen Ausnutzung der Bedürfnisse.

/edit: Selbst einige bürgerliche Ökonomen geben zu, dass es nur noch abwärts geht. Leider haben sie keine Ahnung von den tieferen Ursachen wodurch sie meinen das Problem wären die böse Kredite.
"...Auf den ersten Blick stellt sich daher die ganze Krise nur als Kreditkrise und Geldkrise dar" (Marx)
YouTube - Finanzkrise und der totale Kollaps - Plusminus 03.02.2009
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