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Alt 14.03.2009, 14:07   #1
Sancho
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Hochmut kommt vor dem Phall

Zitat:
Die Wirtschaftskrise ist vor allem eine Krise der Männer. Im Ernst: Wäre Frauen der ganze Mist passiert?

Das Schlimmste an der Krise ist, dass sie so langweilig ist. Immer noch sieht man in den Nachrichten lauter Männer in knitterfreien Anzügen, die unbeirrt knitterfreie Textbausteine vortragen. Marktbereinigung, wird schon wieder, blablabla.

Vielleicht ist das ja die Botschaft, die einem beigebogen werden soll: Es wird sich nie etwas ändern. Immer werden die ganz großen Jungs mit unserem Geld spielen. Und niemand wird sie aus dem Spiel nehmen, auch wenn ihnen niemand mehr vertraut. Was die großen Jungs übrigens nicht stört. Sie sind überzeugt von sich. Selbst wenn sie gerade die Weltwirtschaft in den Abgrund gerissen haben.

Dabei könnte man sich durchaus die Frage stellen, wozu man sie überhaupt braucht. Im Boom tragen sie einem bloß penetrant vor, worauf man alles verzichten müsse, damit der Boom anhält (Gehalts-erhöhungen, Sozialleistungen, Freizeit, Kündigungsschutz). Dennoch kommt der Crash, den sie nie vorhersehen, obwohl sie Wirtschaftsweise sind, und die Einzigen, die nicht unter ihm leiden müssen, sind sie, die großen Jungs mit ihren todsicheren Anlagetipps.

Während viele die Krise bei Hartz IV aussitzen müssen, bekommen sie (von uns) ein paar Milliarden, um ihre Läden wieder flottzumachen, damit sie uns für die nächste Runde eventuell wieder einstellen, zu deutlich schlechteren Bedingungen. Falls einer von ihnen doch seinen Job verliert, macht er mit seiner Abfindung ein Weingut auf und gibt Interviews über sein Glück, gerade noch rechtzeitig im Leben die wahren Werte entdeckt zu haben.

Das würden wir auch gern, aber die wahren Werte können wir uns nicht leisten, weil die Big Player mal wieder ihr Spiel verloren haben. Wenn es sie nicht gegeben hätte, ahnen wir, säßen wir wenigstens immer noch in Feinripp-Unterhosen vor Märklin-Eisenbahnen, aber die haben sie uns auch genommen. Jetzt haben wir nur noch Abwrackprämien und ihre Sprüche.
Süddeutsche Zeitung Magazin - Wirtschaft/Finanzen: Hochmut kommt vor dem Phall

Naja, ob Frauen es besser machen würden, glaube ich nicht, aber der Artikel ist trotzdem gut.
 
Alt 14.03.2009, 14:40   #2
Drueckebergerin
Forumnutzer/in
 
Benutzerbild von Drueckebergerin
 
Registriert seit: 11.03.2008
Ort: Berlin
Beiträge: 2.218
Drueckebergerin
Standard AW: Hochmut kommt vor dem Phall

Klasse Artikel !

Zitat:
Die paar Ausnahmen, die es schaffen, sich auf dem Parkett zu behaupten, müssen sich an die Spielregeln halten, die sie vorfinden.
Nun, die könnte frau/ man ändern, wenn sich mehr kompetente Frauen einfänden.

Was "Quotenfrauen" anrichten können, erleben wir ja gerade.
__

Grüße aus Bärlin
500 - 30 - 10 netto....... Hartz IV muß weg !

Die Reichen sind so unersättlich, die wollen alles besitzen, sogar die Armut!
Don`t dream it - be it !
Der beste Weg, einen schlechten Vorschlag vom Tisch zu fegen, besteht darin, einen Besseren zu machen !
Hier gibt`s nur Erfahrungsaustausch, keine Rechtsberatung !
Drueckebergerin ist offline  
Alt 14.03.2009, 17:23   #3
Sancho
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard AW: Hochmut kommt vor dem Phall

so, nochwas, was zur Überschrift passt.

Zitat:
Die Renaissance der Apanage. Ein Krisenidyll.

Hatte sie bisher ihre wenig bejubelten Auftritte nur als vermögenfressendes Untier in den Depots der Eltern meiner Freunde, so debütiert die Krise gerade in der Rolle als Vollstrecker, und hat nun auch ein reales Opfer gesucht und gefunden. Das Opfer ist Mitte Dreißig, weiblich, gerade wieder alleinstehend, sehr adrett und gepflegt, wurde jäh und unerwartet zu Fall gebracht, und hat es noch gar nicht so richtig verstanden, wie ihr da geschah. Ihr Beruf galt als sicherster aller sicheren Bankberufe, fast schon Beamtentum, deutsches Beamtentum, nur besser bezahlt und Kunst an den Bürowänden. Ich habe nie verstanden, was genau sie da getan hat, außer auf die Pensionierung zu warten und hin und wieder eine Praktikantin zu halten. Sie störte nicht und wurde erst entdeckt, als ein Konzernumbau tiefe Schneisen in die Firmenstruktur riss.

....


Das ist im Übrigen etwas, das ich allenthalben höre: Eltern, die früher Sprüche wie "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen" predigten, oder "meinst Du, ich hau mir wegen Dir das Maul ans Tischeck hin" sagten, oder auch beklagten, sie kämen wegen des Nachwuchses "von Federn auf Stroh", all diese gnadenlosen Vertreter eines liberalen Arbeitsmarktes und des Leistungsprinzips haben im Moment nichts anderes im Sinn, als ihre beruflich gefährdeten Kinder über den Stand der Finanzmittel in Kenntnis zu setzen. Es sei genug da, sie müssten keine Angst haben, es reiche für alle, Arbeit sei nicht so wichtig. Eine neue Phase der Großzügigkeit hat das Westviertel erreicht, alte Strenge verschwindet, Familien rücken zusammen und überhaupt macht es den Anschein, als könnte auch der schlimmste Niedergang niemanden wirklich treffen.
Ich, der ich das alles von Frau L. Senior gehört habe, weiß natürlich um den Sozialneid, der auf solche Eröffnungen zwangsläufig folgt: Die einen werden sanft von der Familie abgefedert, widmen sich ein, zwei Jahre der Kunst oder familiären Aufgaben, und werden beizeiten wieder für den Arbeitsmarkt reaktiviert, während andere diretissime in den Orkus deutscher Unsozialgesetze rauschen und dort in hässlichen Ämtern demütige Fragen über sich ergehen lassen müssen. Die einen werden später sagen können, sie hätten sich später eine Auszeit genommen, die anderen werden weniger angenehme Geschichten vortragen, und natürlich ist es ungerecht, weil jeder Personaler lieber das blühende, in der Provence entspannte Leben nimmt, als jene, die vom Überlebenskampf gebeutelt sind. Nach der Krise wird man keine Krise mehr sehen wollen, und da ist die Apanage und ein angenehmes Leben mehr als nur ein kleiner Startvorteil.
F.A.Z.-Community
 
 

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