Erwerbslosen Forum Deutschland (ELO-Forum) QR-Code des ELO-Forum
Mach mit. klick mich....
Impressum Stichwortsuche Spenden Strafanzeigen Verfahrensrecht Registrieren Hilfe Interessengemeinschaften Kalender Suchen Alle Foren als gelesen markieren

Start > > -> Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

Allgemeine Fragen Nur Fragen zu Themen die nicht in bereits vorhandene Hilfeforen passen.


Umfrageergebnis anzeigen: Wurde dir mindestens einmal eine attraktive Arbeitsstelle vermittelt?

Ja, durch die Arbeitsagentur 2 1,72%
Ja, durch das Jobcenter 4 3,45%
Nein, keine 110 94,83%
Teilnehmer: 116. Nur registrierte Benutzer dürfen bei dieser Umfrage abstimmen

Antwort

 

Themen-Optionen Ansicht
Alt 15.10.2012, 18:47   #151
hass4
Elo-User/in
 
Registriert seit: 10.08.2012
Beiträge: 1.693
hass4 Möchte sein Renommee nicht öffentlich anzeigen...
Standard AW: Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

Zitat von BurnsTorn Beitrag anzeigen
Ich brauche auch kein Mitleid. Ich kann sehr gut mit mir leben. Ich habe nichts getan, was ich nicht vor mir verantworten konnte und auch nichts, wass ich nicht wieder so tun würde. Ich finde es einfach weltfemd, wenn Leute sich als bessere Menschen stilisieren und sich befugt fühlen, eine fiktive Moralkeule zu schwingen, von der sie nur mutmaßen können, wie sie in der Realität tatsächliche schwingen würden. Fakt ist: Ist war einige Zeit auf ALG II, bevor mir die Stelle im JC angeboten wurde. Ich habe sie damals angenommen und ich würde, wäre ich heute wieder in der gleichen Situation, sofort wieder so handeln, denn zwischen 780 € ALG 2 und 2800 € Gehalt als PAP lagen doch Welten. Dazu wird es aber nicht kommen, zumal ich mittlerweile unbefristet und besser bezahlt in anderer Position im öffentlichen Dienst arbeite.



Als Arbeitsloser sagt sich das immer leichter als jemand, der gerade nicht wieder zum Arbeitslosen werden will. Auf dem Papier (bzw. in einem Forum) eine hohe Moral zu haben und diese anderen zu predigen, ist immer leicht. Besagte Moral aber auch unter Realbedingungen umzusetzen, d.h. zu überlegen und mit sich zu ringen, wo man bereit ist, ggfs. Abstriche zu machen, was man hingegen nicht zu tun willens ist, um die eigenen Werte nicht zu unterminieren, ist die Kunst des praktisch Machbaren. Und darum geht es bei der Arbeit immer!

Und was den Kampf wider das System angeht: Manche Ausprägungsformen des aktivierenden Sozialstaates bekämpfe ich als überzeugter Linker und ebensolches Parteimitglied durchaus. Ich bin aber kein fundamentaloppostioneller Ideologe, der stets nur immer das Schlechteste sieht. Ich trete als politisch aktiver Sozialist wie auch als Beistand zwecks JC-Begleitungen in meiner Freizeit für eine Veränderung des Systems ein. Und für eine solche Veränderung habe ich - zugegebenermaßen mit Einschränkungen - auch während meiner Vermittler-Tätigkeit eingestanden, ohne je einen Hehl daraus gemacht zu haben. Ein gewisses Maß an Arrangement ist dafür aber eben unabdingbar, weil man seinen Job sonst ganz schnell wieder los ist.



Gut, dass du mich daran erinnerst. Wäre ich selbst gar nicht drauf gekommen, dass ich es mit Menschen zu tun hatte. Ich ging immer davon aus, ich prozessierte Topfpflanzen...



Das zeigt doch, dass du von interen Abläufen im JC wirklich keine Ahnung hast. Und genau daran will ich doch etwas ändern, indem ich hier die Sicht eines Ehemaligen wiedergebe. Was soll an dieser Aufklärungsarbeit falsch sein. Ich will nichts relativieren, sondern schlicht informieren. Und dann kann sich jeder seine Meinung bilden. Klassicher Diskurs eben, einen anderen Anspruch erhebe ich nicht. Und die Feststellung, dass du offenbar keine Ahnung von den Abläufen im JC hast, ist auch nicht als Kritik gemeint. Woher solltest du darüber auch bescheid wissen, wenn du nie da gearbeitet hast? Genau deshalb aber verweise ich doch darauf! Hättest du mal im JC gearbeitet, wüsstest du beispielsweise auch, dass es durchaus massive Klagen gegen dieses System seitens der Mitarbeiter und Personalräte gab und gibt, dass es auch in den Rechtsabteilungen der JCs rechtliche Bedenken gegen bestimmte Verfahrensvorgaben und Handlungsempfehlungen gibt, dass ein mieses Arbeitsklima auch deshalb herrscht, weil Mitarbeiter unzufrieden sind mit dem, was sie da tun müssen. Es wurde und wird viel Druck gemacht.

Aber nochmal: Gleichsam muss man, so man seinen Job behalten will, die Balance wahren und wissen, dass man, so man dies auf die Spitze treibt, dann eben irgendwann die Wahl hat: Schnauze halten oder gehen. Die meisten wählen dann erstere Option. Die meisten hier im Forum würden, davon bin ich überzeugt, es vermutlich auch tun, so sie in der gleichen Situation wären. Hier brüstet man sich, so scheint es, gelegentlich aber eben gerne mit der eigenen moralischen Erhabenheit, derzufolge das Amt alles Schlechte und Böse der Welt auf sich vereint und die Leistungsberechtigten durch die Bank nur Gutmenschen sind, die durch allesamt sadistische PAPs unterdrückt und ihrer Rechte beraubt werden. Gegen dieses pauschale Zerrbild wehrere ich mich bei aller berechtigten Kritik, die ich am System HARTZ IV teile.



Die Verantwortung dafür liegt aber nicht bei den Mitarbeitern, sondern bei der Politik. Würde, was ich sehr begrüßen würde, der ALG II Regelsatz von einem Tag auf den anderen auf 500 € angehoben und entfielen jedwede Sanktionen, so würden diejenigen Mitarbeiter in den Jobcenter, die dort jetzt bereits arbeiten, die neuen Vorgaben genauso strikt umsetzen wie sie es jetzt größtenteils bereits tun. Man macht eben nicht nur im Jobcenter, sonder praktisch in jeder Organisation, in der man fremdbestimmt tätig ist und seine Arbeitskraft verkauft, das, was einem gesagt wird, solange es nicht massiv gegen das eigene Rechtsempfinden verstößt. Das nennt sich "Indifferenz-Zone" und es ist unabdingbar für das Funktionieren moderner arbeitsteiliger Gesellschaften.



Falsch. Wer sich offen weigert, fliegt eben einfach raus. Es ist meiner Meinung nach völlig fehl am Platz, hier als Außenstehender zu meinen, wohlweise Ratschläge geben zu können, wie man sich am besten doch verhalten sollte.



Wieder falsch. Gerade Deutschland war schon immer mehr oder weniger durch sein Untertanentum geprägt, was Heinrich Mann bekantermaßen schon 1918 persiflierte. Und auch Immanuel Kant schrieb bereits, dass der Deutsch sich unter allen zivilisierten Völkern am leichtesten und dauerhaftesten der Regierung füge. Es gibt aber auch dutzende sozialpsychologische Untersuchungen, die zeigen, dass dies ein Phänomen ist, dass nicht so sehr am ethisch-kulturellen Charakter eines Volkes festzumachen ist, als vielmehr dem Bedürfnis nach Konformität, Gruppenzugehörigkeit, Führung und Anweisung geschuldet ist. Im Klartext: Die meisten Menschen haben es lieber, dass jemand ihnen sagt, was sie tun sollen, als selbst eigenverantwortlich zu denken, zu entscheiden und zu handeln. Das ist manchmal bitter und es kann mitunter fatale Folgen haben, aber nichts desto trotz ist es zutreffen. Wie sagte schon Dietrich Dörner: "Führer befiehl, wir folgen dir - das ist die Devise der Dummen." Indes: Es ist leider auch die Devise der Mehrzahl der Menschen.



Es ist dein gutes Recht, das so zu sehen. Ich sehe es anders. Ich empfinde meine Erklärungen nicht als mitleidserzeugen. Warum auch? Mitleid habe ich als gut verdienender Sozialreferent wahrlich nicht nötig. Ich verstehe obige Ausführungen schlicht als emotionslose Sachstandsschilderungen, eben als Erläuterung dafür, warum etwas meiner subjektiven, durch Erfahrungswissen geprägten, Einschätzung nach geschieht. Wer das nicht zur Kenntnis nehmen will und meint, darin eine Schnade erkennen zu können, meinetwegen. Ich empfinde und empfand es jedenfalls immer als eine Bereicherung und Horizonterweiterung, wenn mir Leute Einblicke ermöglichten bzw. sie mir neue Blickwinkel auf einen mich interessierenden Sachverhalt gewährten. Genau das versuche ich auch, wenn ich mal in der Postition bin...

Berlin 50 hat doch recht! alle die zuvor in den arbeitsämtern gearbeitet hatten wurden rausgemobbt und durch billige hilfskräfte ersetzt die sich gefügig machen lassen haben und wie tiere auf die arbeitslosen gejagd wurden. es wird noch schlimmer, verlasst euch drauf, wenn spd und grüne mit der fdp das land politisch verseuchen nach der nächsten bundestagswahl!!!!!
hass4 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.10.2012, 19:46   #152
BurnsTorn
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard AW: Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

Zitat von BiancaBerlin Beitrag anzeigen
Werden über die Gründe wie "Angst vor dem Kunden" hinaus nicht auch gern Leistungsberechtigte an einen anderen pAp abgegeben, weil sie zu arbeitsintensiv (Widersprüche, Bearbeitung von Sanktionsanhörungen etc.) geworden sind?
Ich kann mir schon vrostellen, dass das versucht wird, glaube aber nicht, dass dass allzu oft funktioniert. Ich habe damit aber auch keine persönliche Erfahrung gemacht, mir ist kein solcher Fall bekannt. Ich kann insofern nicht glauben, das dasklappt, da man dem Kollegen ja schildern muss, warum man den Kunden XYZ an ihn abgeben will. Und sagt man da dann sowas wie "Der macht zu viel Arbeit", so wird sich der Kollege wohl hüten, den anzunehmen. Klar, man würde das so direkt sicher nicht sagen und wohl eher irgendeine Geschichte erfinden. Aber sollte sich im Nachhinein dann rausstellen, dass man getäuscht wurde und der neue Kunde viel mehr Arbeit macht als gedacht, ist es durchaus möglich, dass man den Kunden als pAp spüren lässt, dass man sich mit ihm nicht länger als absolut nötig befassen will. Das ist für den Kunden dann bitter, aber aus Sicht des neuen pAp wohl nachvollziehbar.
  Mit Zitat antworten
Antwort

Stichwortsuche
arbeitsvermittlung, qualität, umfrage

Themen-Optionen
Ansicht


Ähnliche Themen

Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Qualität der Arbeitsvermittlung? Joggele Allgemeine Fragen 20 27.03.2014 10:36
[Umfrage] Qualität der Arbeitsvermittlung gurkenaugust Allgemeine Fragen 1 05.09.2012 13:46
Respekt und Qualität einer Maßnahme einfordern! Dagegen72 Weiterbildung/Umschulung/Sinnlose Maßnahmen 2 29.11.2011 06:39
Qualität von Profilingmaßnahmen helmes63 Weiterbildung/Umschulung/Sinnlose Maßnahmen 0 11.06.2010 11:47
Neue Qualität finanzpolitischer Trickserei edy Archiv - Finanzkrise 2008 News, Kommentare, Aktionen 0 22.10.2009 15:34


Es ist jetzt 09:25 Uhr.


Powered by vBulletin® (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2017, Jelsoft Enterprises Ltd.
Search Engine Optimisation provided by DragonByte SEO (Pro) - vBulletin Mods & Addons Copyright © 2017 DragonByte Technologies Ltd.
Feedback Buttons provided by Advanced Post Thanks / Like (Pro) - vBulletin Mods & Addons Copyright © 2017 DragonByte Technologies Ltd.
ELO-Forum by Erwerbslosenforum Deutschland