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Allgemeine Fragen Nur Fragen zu Themen die nicht in bereits vorhandene Hilfeforen passen.


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Alt 03.07.2014, 17:42   #26
sixthsense
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Standard AW: Lesen SB s und Co mit???

Zitat:
Lesen SB s und Co mit???

Definitiv: Ja.

Und sicher nicht nur die SBer...
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Alt 03.07.2014, 17:45   #27
Existenzminimum
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Standard AW: Lesen SB s und Co mit???

Zitat von BurnsTorn Beitrag anzeigen
...Wobei ich auch hervorheben will: "Kunden" haben gerade mit den Mitarbeitern, denen alles egal oft, oft sogar das große Los gezogen.
Sehe ich auch so, leider hatte ich meistens die anderen. Insbesondere übrigens im ALG I-Bereich.


Zitat:
...In Anbetracht des Frauenüberhangs im JC ist anzunehmen, dass im Brigitte- und gofeminin-Forum mehr JC-Gewächse unterwegs sind.
Das war jetzt "pöse", könnte aber zutreffen

Btw.: grade bei Behörden erleb(t)e ich, wie die gerne und oft unterstellte "höhere Sozial- und Kommunikationskompetenz von Frauen" nicht selten zu "zynischen Lachnummer" verkommt.
Das scheint auch weitgehend altersunabhägig zu sein, aber mit Tendenz zu "Je jünger desto ätzender".

Könnte sicher auch mit Vertragsstatus zu tun haben. Hab ich aber auch bei jungen Beamtinnen erlebt, von daher... .
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Alt 03.07.2014, 17:54   #28
Existenzminimum
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Standard AW: Lesen SB s und Co mit???

Zitat von BurnsTorn Beitrag anzeigen
Ja, das kann passieren. Das variiert aber von JC zu JC. In meinem letzten JC gab es die Vereinbarung, dass die Service-Center keine Termine vergeben, sondern dem SB/pAp eine Wiedervorlage in VerBIS setzen, damit der sich den Termin buchen kann, wie er will. ....
Hm , dann hat man da wohl was geändert. Ich hörte die eine oder andere immer stöhnen, von wegen, CC haut denen den Laden voll, bis auf wenige Stunden.
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Alt 03.07.2014, 17:59   #29
sixthsense
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Standard AW: Lesen SB s und Co mit???

Was mir gerade bei weiblichen JC-Mitarbeiterinnen am Empfang tierisch auf den Zeiger geht und ging.. wenn die damit anfangen Fragen zu stellen die über ihren Kompetenzbereich hinausgehen. Mit anderen Worten: Sich nach Dingen zu erkundigen, die sie im Grunde gar nichts angehen und div. Unhöflichkeiten wie z. B. Plauderstündchen mit 'nem Kollegen halten und mich zeitgleich "bedienen"...

Bei den älteren sind das nach meinen Erfahrungen bislang immer diese faltengesichtigen Kratzbürsten und bei den jüngeren eher diese aufgestylten und zugleich eingebildeten Trullas.
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Alt 03.07.2014, 18:12   #30
BurnsTorn
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Standard AW: Lesen SB s und Co mit???

Zitat von Existenzminimum Beitrag anzeigen

Das war jetzt "pöse", könnte aber zutreffen
"Pöse" passt ja - wie wir wissen - ins Jobcenter .

Zitat von Existenzminimum Beitrag anzeigen
Btw.: grade bei Behörden erleb(t)e ich, wie die gerne und oft unterstellte "höhere Sozial- und Kommunikationskompetenz von Frauen" nicht selten zu "zynischen Lachnummer" verkommt.
Ich glaube ganz ehrlich, dass Sozialkompetenz eher wenig mit dem Geschlecht zu tun hat. Ich kenne Sozialpädagoginnen, die sind zynisch, arrogant und einfach unmöglich. Genauso kenne ich BWLerinnen, die sehr liebenwürdig, mitfühlend und sozial engagiert sind. Gleiches gilt vice versa für Männer.

Es kommt denke ich auf die richtige Einstellung und die eigenen Interessen und Erfahrungen an, ob man gut mit Menschen kann, empathisch ist und emotionale Intelligenz besitzt. Es gibt Männer wie Frauen, die das können, aber auch solche, die grandios scheitern. Ein "super" Beispiel für fehlende Sozialkompetenz im Jobcenter findet sich in diesem lesenswerten Artikel.

Zitat von Existenzminimum Beitrag anzeigen
Das scheint auch weitgehend altersunabhägig zu sein, aber mit Tendenz zu "Je jünger desto ätzender". Könnte sicher auch mit Vertragsstatus zu tun haben. Hab ich aber auch bei jungen Beamtinnen erlebt, von daher... .
Ich denke auch, dass gerade bei jüngeren Mitarbeitern im JC die soziale Kompetenz nicht immer so ausgeprägt ist. Das ist - in der Tendenz! - durch empirische Bunde so auch schon bestätigt worden. Es liegt vermutlich daran, dass jüngere Mitarbeiter in der Regel wenig Berufserfahrung mitbringen und sie im Jobcenter daher leichter berufssozialisiert werden bzw. sich leichter fügen.

D.h. sie übernehmen das, was Vorgesetzte ihnen sagen, wie sie die "Kunden" zu behandeln haben. Sie internalisieren das als Norm. Das gelingt natürlich umso leichter, wenn man aufgrund der geringen Berufserfahrung keine Kontrastfläche hat. Ein JC-Mitarbeiter, der vorher 20 Jahre im Sozialamt tätig war, lässt sich durch Weisungen und Direktiven nach dem Motto "Wir steuern den Kunden" oft weniger beeindrucken als jüngere Kollegen.

Hinzu kommt natürlich, dass die Jüngeren oft prekär beschäftigt sind bzw. Aufstiegsambitionen haben. Und aufsteigen tun im öffentlichen Dienst in den unteren Rängen der/die, der/die tut, was man ihm/ihr sagt! Also wird gekuscht und nach unten getreten. Ein normales, für die Person selbst sinnvolles Verhalten (ich habe das auch an den Tag gelegt - und bin dann ja auch aufgestiegen).
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Alt 03.07.2014, 18:15   #31
BurnsTorn
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Standard AW: Lesen SB s und Co mit???

Zitat von Existenzminimum Beitrag anzeigen
Hm , dann hat man da wohl was geändert. Ich hörte die eine oder andere immer stöhnen, von wegen, CC haut denen den Laden voll, bis auf wenige Stunden.
Vielleicht sind die auch einfach zu dumm, sich den Kalender zu blocken. Ganz ehrlich: Solche Sätze wie "Hilfe, VerBIS ist weg", "Wie krieg ich das Bild in die E-mail" oder "Oh Gott, ich habe das Internet gelöscht" hört man im Jobcenter nicht selten.
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Alt 03.07.2014, 22:15   #32
swavolt
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Standard AW: Lesen SB s und Co mit???

Ich kenn bisher nur ein Beschluss wo ein Richter sich aufs ELO-Forum bezieht:
http://www.elo-forum.org/schwerbehin...andlungen.html
Seite 7
Zitat:
(in diesem Sinne auch SG Braunschweig, Beschluss v. 11.09.2006, S 21 AS 962/06 ER, zit. nach Erwerbslosen Forum Deutschland (Forum) - Powered by vBulletin)
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Alt 07.07.2014, 12:37   #33
LoreS
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LoreS LoreS
Standard AW: Lesen SB s und Co mit???

Zitat von pferdchen81 Beitrag anzeigen
Wenn ich jemanden vor mir habe, der offensichtlich unter seiner Situation sehr leidet und sich immer vernünftig und korrekt aufführt, dann muss ich demjenigen nicht um mich selbst gesund zu stoßen an den Kragen.
Ich glaube, daß die überwiegende Mehrheit der Deutschen dieser Aussage zustimmen würde. Trotzdem hat Burnstorn recht, wenn er sagt:
Zitat von BurnsTorn Beitrag anzeigen
Es gibt in diesem Land deutlich mehr Menschen, die Aussagen zustimmen, wonach Hartz IV Empfänger viel härter, länger und öfter sanktioniert werden müssten, als dass es Menschen gibt, die gegen Sanktionen sind.
M. E. ist dieser scheinbare Widerspruch dadurch zu erklären, daß die Medien übereinstimmend vermitteln, daß Hartz-IV-Bezieher entweder krank/süchtig, unterdurchschnittlich intelligent (=unfähig) oder faul und asozial/kriminell (=unwillig) seien (oder alles zusammen). Je nach Ausrichtung des Mediums tendiert es mehr in Richtung unfähig (SPD, Sozialverbände etc.) oder unwillig (konservative, Boulevard). Doch was – ob nun „unabsichtlich“, weil man vor dieser Wahrheit instinktiv zurückschreckt, solange man selbst noch Arbeit hat, oder „absichtlich“ mit dem bewußten Ziel, Solidarisierung zu verhindern, sei dahingestellt – hartnäckig verschwiegen wird, ist, daß HartzIV heutzutage potentiell so ziemlich jeden Erwerbstätigen treffen kann (vielleicht nicht zu jeder Zeit in seinem Leben, aber spätestens, wenn er mit Mitte 50 wegen einer Firmenpleite o. ä. arbeitslos wird).

Will sagen: wenn die Mehrheit der Deutschen wüßte, daß der Widerstand vieler Erwerbsloser (oder sogar Aufstocker, die in der Regel eh unter den Tisch fallen) gegen die Maßnahmen des Jobcenters gar nicht daher kommt, daß diese nicht arbeiten wollen, sondern weil sie sich dagegen wehren, ihren Minijob aufgeben zu müssen, um in einer Sinnlosmaßnahme Schiffe versenken zu spielen (um es mal etwas überspitzt, aber im wesentlichen korrekt zusammenzufassen, ich setze voraus, daß hier eh alle wissen, was ich meine), dann hätten sie deutlich mehr Sympathie, da bin ich mir sicher. Wenn eine alleinerziehende Mutter berichtet (wie neulich mal bei „Hart aber fair“), daß das Jobcenter ihre hochintelligente Tochter unter Druck setzt, nach der mittleren Reife die Schule zu verlassen und arbeiten zu gehen, stößt sie ja tatsächlich auf allgemeines Entsetzen (allerdings leider, aber nicht überraschenderweise auch auf entschiedene Ungläubigkeit).

Ein deutlicher Beleg ist m. E. auch darin zu finden, daß sich in Sozialforen wie diesem ständig Leute melden, die total schockiert darüber sind, wie die Jobcenter mit ihnen umgehen. Sie, das wissen sie, sind ja „gute“ Arbeitslose, sind engagiert und motiviert, deswegen kann ihnen das doch nicht passieren. Das glauben sie so lange, bis es sie selbst trifft (und oft sogar noch deutlich länger... )

Die Deutschen sind deswegen einverstanden mit dem Sanktionssystem, weil sie denken, sie könnte es nicht treffen. Würde sie jemand wirksam darüber aufklären, daß das nicht der Fall ist, würde sich das schnell ändern. Allerdings gebe ich zu, daß eine solche Aufklärung nicht nur politisch unerwünscht, sondern auch vor allem deshalb sehr schwierig ist, weil der Lieblingsaberglaube der Deutschen traditionell darin besteht zu meinen, daß ihnen, wenn sie nur brav und gehorsam sind, nichts Böses geschehen kann. Seltsam, daß spätestens die Erfahrung nach 1933 bzw. nach 1945 sie keines Besseren belehrt hat. Aber so ist es nun mal.
LoreS ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.07.2014, 13:13   #34
Mega400
 
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Mega400
Standard AW: Lesen SB s und Co mit???

Achtung !!!!!

Es gibt immer wieder Leute die ihre PDF ( zb. aus der Jobbörse) zwar anonymisieren jedoche vergessen die Dokumenteigenschaften ebenfalls zu bearbeiten. So kann ich als Dritter durch speichern des Dokuments und Klickt auf die Eigenschaften alles nötige erfahren zb. um welches JC es sich handelt oder aber die NummerBG und den Namen des Sachbearbeiters usw.

Also niemals PDF 1:1 einstellen - Besser noch, ausdrucken und abfotografieren und anschl. mit GIMP anonymisieren.

Ist mir nur mal so aufgefallen.......
Mega400 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.07.2014, 14:59   #35
BurnsTorn
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Standard AW: Lesen SB s und Co mit???

Zitat von LoreS Beitrag anzeigen
M. E. ist dieser scheinbare Widerspruch dadurch zu erklären, daß die Medien übereinstimmend vermitteln, daß Hartz-IV-Bezieher entweder krank/süchtig, unterdurchschnittlich intelligent (=unfähig) oder faul und asozial/kriminell (=unwillig) seien (oder alles zusammen). Je nach Ausrichtung des Mediums tendiert es mehr in Richtung unfähig (SPD, Sozialverbände etc.) oder unwillig (konservative, Boulevard).
Ich denke, das ist eine mögliche Erklärung. Eine andere mögliche Erklärung lieferst du unausgesprochen gleich mit, wenn du - wie ich finde zurecht - anmerkst, dass HartzIV heutzutage potentiell so ziemlich jeden Erwerbstätigen treffen kann. Denn gerade weil es - zumindest gefühlt - jeden treffen kann, ist die Angst hoch. HartzIV macht Angst. Es diszipliniert nicht nur die HartzIV-Empfänger, sondern alle abhängig Beschäftigten (Spitzenverdiener und Beamte mal außen vor). Jedem Arbeiter und Angestellten wird in der Presse täglich vor Augen geführt, wohin die Reise 12 Monate nach einem etwaigen Arbeitsplatzverlust geht.

Die Angst davor, selbst einmal zu denen zu gehören, die uns die Medien - und viele Politiker - ständig als degeneriert, unmoralisch, asozial und faul vorführen, erzeugt in unserer marktwirtschaftlich organisierten, durch Konkurrenz geprägten Gesellschaft oft keine Solidarität, sondern ein hohes Bedürfnis, sich nach unten abzugrenzen. Plakativ gesagt: Kein Mensch will "asozial" sein. Also schreit man selbst laut mit, wenn es gilt, die "Asozialen" abzuwerten, die sich auf Staatskosten ein vermeintlich paradiesisches Leben machen. Denn dadurch, dass man seiner Verachtung dieser Un-Personen so lautstark Ausdruck verleiht, zeigt man, dass man selbst ganz sicher nicht dazu gehört.

Das zynische Credo lautet in etwa so: „Ich bin gut – und wer arm ist, ist schlecht. Denn wäre der Arme gut, wäre er nicht arm. Und wer schlecht ist, der darf beschimpft werden. Ergo ist es richtig, arme zu Beschimpfen!“ Das ist natürlich arg pauschal, aber es zeigt die Grundzüge dessen, wie die Abwertung von HartzIV-Empfängern legitimiert wird. Sie erfolgt mittels Kontrastierung. Um die Kontrastierung a la "Ich bin gut - Hartzer sind asozial" vornehmen zu können, wird zu einem Abwehrmechanismus gegriffen, der sich als Subjektivierung von Armut beschreiben lässt. Das heißt, Armut und Arbeitslosigkeit werden auf rein individuelle, von der Person selbst beeinflussbare Faktoren zurückführt. Das eigene Selbstwertgefühl als gut, fleißig und gebildet kann derjenige, der HartzIV-Empfänger abwertet, aufrechterhalten, indem er den Leistungsempfängern per se unterstellt, dass alles nicht zu sein.

So kann er seine Angst und Verachtung auf diese projizieren. Typische Aussagen von Leuten, die so verkürzt denken, sind Sprüche wie "Jeder ist seines Glückes Schmied". Nur leider: Das stimmt so pauschal nicht. Denn dies impliziert, dass all jene, die auf HartzIV sind, eben schlecht geschmiedet hätten. HartzIV-Empfänger seien, so die Logik, einfach zu unfähig, zu faul oder zu dumm, einen Job zu finden. Sie seien daher selbst schuld, dass sie versagen. Andere mögliche Erklärungen für Arbeitslosigkeit, wie etwa das Elternhaus, die Sozialisation und der damit einhergehende Habitus, verfügbares Start- und Bildungskapital, die Konjunktur, Glück, Krankheiten etc. werden systematisch ausgeblendet. Sie müssen aus Sicht derer, die HartzIV-Empfänger abwerten (wollen), auch ausgeblendet werden, denn würde man sich eingestehen, dass viele Faktoren Arbeitslosigkeit verursachen können, könnte man HartzIV-Empfänger nicht mehr so ohne weiteres verachten!

Da man diese Verachtung aber gerne zur Schau stellt, man sie überspitz formuliert braucht, um sich selbst positiv zu erleben, werden die Hartz IV Empfänger weiterhin gerne als Boxsack benutzt. Sie werden für ihre Armut verachtet. Denn dem, der verachtende Aussagen tätigt, verspricht es mehr Selbstachtung. Wer seinem Ärger (und oft auch seiner Abstiegsangst) Luft macht, indem er sagt, "Dieses dreckige, faule HartzIV-Gesocks ist doch selbst schuld, die wollen ja nicht", der kann dadurch eine Selbstwertstärkung erfahren, dass er gleichsam den Satz fortführt mit Worten wie "...aber zum Glück bin ich nicht so ein widerlicher, asozialer Schmarotzer, denn ich gehe ja arbeiten!" Man kann sich durch diese Subjektivierung selbst in vermeintlicher Sicherheit wiegen.

Solange man glaubt, HartzIV-Empfänger seien in erster Linie selbst verantwortlich für ihr Scheitern, empfindet man es als legitim, sie zu beschimpfen. Und es ist psychologisch gesehen sinnvoll, diesen Irrglauben nicht aufzugeben, denn in einer durch Unsicherheit geprägten Welt erzeugt die Abwertung anderer aufgrund ihrer vermeintlichen Unfähigkeit ein Gefühl von Kontrolle. Das Motto lautet: „Ich bin gebildet, ich bin motiviert, ich kann was – ich werde nie arbeitslos!“ Bei der gefühlten Sicherheit, die durch solche Überzeugungen erzeugt wird, handelt es sich freilich um eine illusionäre Scheinsicherheit. Aber der Mechanismus wirkt dennoch.

Hochgradig bedenklich ist nun aber, dass diese Subjektivierung nicht nur völlig verkürzte, monokausale Vorstellung von Arbeitslosigkeitsursachen erzeugt, sondern dass sie auch den Nährboden für Menschenfeindlichkeit bereitet. Sie erzeigt ein Klima, in dem es immer mehr zum guten Ton gehört, Langzeitarbeitslose aufgrund ihrer angeblichen Leistungsverweigerung abzuwerten. Es wird ihnen per se ein individuelles Versagen unterstellt. Sie seien, so wird behauptet, eben zu faul, zu ungebildet, zu degeneriert und schlechterdings zu asozial, weshalb es geradezu geboten sei, sie zu beschimpfen. Denn immerhin lebten wir, so die Kritik an den Armen, in einer Leistungsgesellschaft. Und die Armen grenzen sich - so die "Logik" - davon aus.

Die Armen bewiesen, so das Mantra, durch ihre Armut, dass sie kein Teil dieser Leistungsgesellschaft sein wollen. Ergo sind sie dieser Denkweise gemäß nicht nur nutzlos, sondern es ist geradezu ein Gebot, sie als asozial und parasitär zu beschimpfen. Ihr Leistungsbezug wird nicht als strukturelles Versagen gewertet, sondern zu einer individuellen Provokation umgedeutet. Dass eine solche, schlechterdings sozialdarwinistische Denkweise zu nichts gutem führt, ist hinlänglich bekannt. Eine Perspektivenänderung ist auf absehbare Zeit aber leider kaum zu erwarten, denn (a) ist sie politisch nicht gewollt, (b) sind große Teile der (privaten) Medien und der wirtschaftlichen Interessenverbände nicht an einer differenzierten Berichterstattung dieser Thematik interessiert, und (c) ist der zivilgesellschaftliche Druck, dem es bedarf, damit sich etwas ändert, kaum existent.
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Alt 07.07.2014, 15:47   #36
Paolo_Pinkel
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Standard AW: Lesen SB s und Co mit???

Zitat von Homer450 Beitrag anzeigen
Nein habe Homer450 nicht in meinen Personalausweis. Auch wenn meine Frau immer sagt, du siehst so aus wie Homer
Aber ich bewege mich auch auf Facebook und anderen Sozialen Seiten, und da mit meinen richtigen Namen, trotzdem schreibe ich dort was ich denke.
Hier im Board bin ich nun mal der Homer450
Warum diese Differenzierung, wenn du hier schreibst
Zitat von Homer450
Mir ist es egal ob hier das JC, FBI,NSA oder andere mitlesen.
Ich schreibe meine Meinung, ob jetzt hier oder bei Facebook unter meinen richtigen Namen. Ich bin hier in Deutschland hier herrscht offizielle Demokratie, wo jeder seine Meinung sagen kann.
Wenn Mietarbeiter hier mitlesen, dann hoffe ich das sie merken das viele Leistungsempfänger mehr Ahnung von Demokratie haben, als sie in ihren ganzen Berufsjahren.
Und die NSA,BND und anderen James Bond verschnitte, für die werde ich mich extra Verrenken (Trotz meiner Krankheiten) nur damit mein Hintern vor der Laptop kommt, und so das bestmögliche Bild für euch im Kasten ist. Den Effenberg Finger den bekommen ihr gratis
? Irgendwie inkonsequent, oder? Warum hast du plötzlich Probleme deinen Namen zu nennen, wenn du ihn auf NSA-Book und sonst wo nennst?
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Alt 07.07.2014, 16:09   #37
IsabellaM
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Zitat von Dark Vampire Beitrag anzeigen
und man kann soviel anonymisieren wie man will ne Ortsangabe oder welches Jobcenter das ist wissen die das schon und können auch diejenigen erkennen.
Also Entschuldigung, aber das halte ich für reine Panikmache. Bei ungefähr 346 Jobcentern insgesamt in Deutschland und etwa 5346 Mitarbeitern will man durch eine Ortsangabe und ein einziges Dokument darauf schließen können wollen, wer das gepostet hat? das geht nicht...

und selbst wenn es möglich wäre, wir haben ja hier "nix zu verbergen", nicht wahr? Wir sagen nur, wie es wirklich ist... und kritikfähig sollte man schließlich auch als Jobcenter sein
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Alt 07.07.2014, 16:14   #38
Texter50
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Zitat von IsabellaM Beitrag anzeigen
Also Entschuldigung, aber das halte ich für reine Panikmache. Bei ungefähr 346 Jobcentern insgesamt in Deutschland und etwa 5346 Mitarbeitern will man durch eine Ortsangabe und ein einziges Dokument darauf schließen können wollen, wer das gepostet hat? das geht nicht...
In Einzelfällen sicherlich. Ich kann davon ausgehen, dass man - so man es wollte - in Esslingen / INGA schon erkennen konnte, wer das geschrieben hat. Das sollte man auch...

Zitat:
und selbst wenn es möglich wäre, wir haben ja hier "nix zu verbergen", nicht wahr? Wir sagen nur, wie es wirklich ist... und kritikfähig sollte man schließlich auch als Jobcenter sein.
Ob die kritikfähig sind, das weiß ich nicht.
Ich gehe allerdings davon aus, dass ich mir das Recht auf freie Meinungsäußerung nicht nehmen lassen muss, nur weil ich irgend eine Leistung beziehe / bezogen habe.
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Unterbrich niemals Deinen Gegner im JC, wenn er gerade einen Fehler begeht.
Frei nach Sunzi


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Alt 07.07.2014, 16:17   #39
Paolo_Pinkel
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Zitat von IsabellaM Beitrag anzeigen
Also Entschuldigung, aber das halte ich für reine Panikmache. Bei ungefähr 346 Jobcentern insgesamt in Deutschland und etwa 5346 Mitarbeitern will man durch eine Ortsangabe und ein einziges Dokument darauf schließen können wollen, wer das gepostet hat? das geht nicht...

und selbst wenn es möglich wäre, wir haben ja hier "nix zu verbergen", nicht wahr? Wir sagen nur, wie es wirklich ist... und kritikfähig sollte man schließlich auch als Jobcenter sein
Das passiert, wenn man die Wahrheit sagt. So viel zum Thema Kritikfähigkeit einer Terrorbehörde
==> http://www.elo-forum.org/mitteilunge...sgenommen.html

==> http://www.elo-forum.org/archiv-news...erhetzung.html
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Alt 07.07.2014, 16:18   #40
n2ame22
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Zitat von BurnsTorn Beitrag anzeigen
Andere mögliche Erklärungen für Arbeitslosigkeit, wie etwa das Elternhaus, die Sozialisation und der damit einhergehende Habitus, verfügbares Start- und Bildungskapital, die Konjunktur, Glück, Krankheiten etc. werden systematisch ausgeblendet. Sie müssen aus Sicht derer, die HartzIV-Empfänger abwerten (wollen), auch ausgeblendet werden, denn würde man sich eingestehen, dass viele Faktoren Arbeitslosigkeit verursachen können, könnte man HartzIV-Empfänger nicht mehr so ohne weiteres verachten!
Es soll einfach von den grundsätzlichen Problemen der freien Marktwirtschaft ablenken. Der Arbeitslose ist selbst an seiner Arbeitslosigkeit schuld und nicht das System an sich.

- Globalisierung und damit die Verlagerung der Arbeitsplätze nach Bangladesch/China usw. Große Konzerne machen ihre Buden direkt im Ausland auf, statt in Deutschland, deswegen bemerkt man die Verlagerung nicht.
- Technologischer Fortschritt macht viele Menschen überflüssig. Wird die nächsten Jahre/Jahrzehnte noch deutlicher. z. B. selbstscan Kassen und überflüssige Kassierer. Selbstfahrende Autos und damit arbeitlose LKW/PKW/Taxi und Busfahrer. Das sind die nächsten Millionen, die ihre Jobs verlieren werden. Und nein, es werden nicht einfach alle einen anderen Job bekommen, so wie es früher der Fall war. siehe: Das_Ende_der_Arbeit. Es gibt weltweit immer weniger Jobs ganz unabhängig von Wirtschaftskrisen. Wird zwar länger dauern als von "Jeremy Rifkin" prognostiziert aber es tritt ein.
- Die Besitzer der Massenmedien und die Autoren sind in der Regel Besserverdiener und mögen ihr ergaunertes Geld nur ungerne teilen bzw. Steuern zahlen.
- Grundsätzliche Probleme der freien Marktwirtschaft. Trial-Error Prinzip / Versuch und Irrtum, dass regelmäßig zusammenbricht und nur Pi mal Daumen funktioniert.

Aber hey. Wir haben den Schuldigen entdeckt: Es ist der faule ELO und nicht das System an sich. Gewünschter Effekt der Berichterstattung: Es hält die Steuersätze, die Löhne im unteren Bereich und die Sozialleistungen niedrig
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Alt 07.07.2014, 18:54   #41
qwertz31
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@BurnsTorn @Kommentar17

Meinst du so denken und agieren die Menschen auch einige Stufen höher der "Nahrungskette"?
Glaubst du die Politiker, Bänker u.Ä. sehen sich Ihrer Sache so verpflichtet und die "Unteren" haben ihrem "Urteil" zu gehorchen?
Tja die Demokratie gehorcht dem Willen der Mehrheit oder nicht!??
Kann man hier auch die "these antithese und synthese" Geschichte anwenden, oder bedarf es einer Frage des "Überlebens" bevor die Soziologen wie Du zur Vernunft kommen?
Meinst du es bedarf einiger "Experten" die das Für und Kontra des bspw. "Waterbording" diskutieren?
Wollen wir fortfahren mit den Sachen, die die Eliten für "nötig" und "gerechtfertigt" halten... Krieg (Pro/Kontra), vielleicht?

Für mich gibt es ein klares NEIN zu dieser SÜLZE!!!
qwertz31 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.07.2014, 19:13   #42
ThisIsTheEnd
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Zitat von BurnsTorn Beitrag anzeigen
Ich denke auch, dass gerade bei jüngeren Mitarbeitern im JC die soziale Kompetenz nicht immer so ausgeprägt ist. Das ist - in der Tendenz! - durch empirische Bunde so auch schon bestätigt worden. Es liegt vermutlich daran, dass jüngere Mitarbeiter in der Regel wenig Berufserfahrung mitbringen und sie im Jobcenter daher leichter berufssozialisiert werden bzw. sich leichter fügen.
Warum nur fällt mir bei der Beschreibung ein gewisser User mit L. ein.
ThisIsTheEnd ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.07.2014, 19:17   #43
Paolo_Pinkel
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Zitat von ThisIsTheEnd Beitrag anzeigen
Warum nur fällt mir bei der Beschreibung ein gewisser User mit L. ein.
Im englischen sagt man dazu auch: Same shit, diffrent a§hole
__

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Paolo_Pinkel ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.07.2014, 19:22   #44
Lecarior
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Warum nur fällt mir bei der Beschreibung ein gewisser User mit L. ein.
Ich kann es ja nicht sein, da ich nicht in einem Jobcenter arbeite. Aber wen meinst du dann?
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Alt 07.07.2014, 19:45   #45
ThisIsTheEnd
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ThisIsTheEnd Möchte sein Renommee nicht öffentlich anzeigen...
Standard AW: Lesen SB s und Co mit???

Den Li-La-Launebär.
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Alt 07.07.2014, 19:53   #46
Lecarior
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Standard AW: Lesen SB s und Co mit???

Ach so, dann ist ja gut.
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Alt 07.07.2014, 19:55   #47
LoreS
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Standard AW: Lesen SB s und Co mit???

Zitat von BurnsTorn Beitrag anzeigen
HartzIV macht Angst. Es diszipliniert nicht nur die HartzIV-Empfänger, sondern alle abhängig Beschäftigten (Spitzenverdiener und Beamte mal außen vor). Jedem Arbeiter und Angestellten wird in der Presse täglich vor Augen geführt, wohin die Reise 12 Monate nach einem etwaigen Arbeitsplatzverlust geht.

Die Angst davor, selbst einmal zu denen zu gehören, die uns die Medien - und viele Politiker - ständig als degeneriert, unmoralisch, asozial und faul vorführen, erzeugt in unserer marktwirtschaftlich organisierten, durch Konkurrenz geprägten Gesellschaft oft keine Solidarität, sondern ein hohes Bedürfnis, sich nach unten abzugrenzen. [...]
Ich stimme Dir vollkommen zu, hätte nur noch zwei Anmerkungen:

1. Selbst Spitzenverdiener bekommen etwas von dem Druck ab. Ich habe eine Weile im Bankbereich gearbeitet, und auch wenn da die finanziellen Anreize natürlich ganz andere sind als bei HartzIV (auch schon bei den „normalen“ Mitarbeitern), so ist doch der Druck (mutatis mutandis selbstverständlich) vergleichbar: entweder du tust, was angesagt ist – egal ob das mit deinem Gewissen, deiner Gesundheit, mit dem, was du für (gerade noch so) sinnvoll und vertretbar hältst, übereinstimmt oder nicht – oder du bist raus! Natürlich ist das bei Spitzenverdienern (zu denen ich nie auch nur im Ansatz gezählt habe) Jammern auf recht hohem Niveau. Doch jemand, der – aus welchen Gründen auch immer – irgendwann beschließt, daß er das nicht mehr mitmachen kann oder will, hat keine Gewissheit, wie tief er vielleicht fallen wird. Darauf, daß, wer einen gewissen Bildungsstandard einmal erreicht hat, damit jederzeit auch in der Lage sein wird, auf die eine oder andere Weise ein zumindest mittleres Einkommen zu erwirtschaften, kann sich heute niemand mehr verlassen.

Das ist auch etwas, was man bedenken sollte, wenn man (zu Recht!!!!) kritisiert, mit welch atemberaubender Gewissenlosigkeit Entscheidungen auf höchstem wirtschaftlichem oder politischen Niveau hin und wieder mal getroffen werden: wer immer auf diesem höchsten Niveau Entscheidungen trifft und so privilegiert erscheint (und auch ist - solange es dauert...), kann auch ganz schnell mal weg vom Fenster sein, wenn er sich bei den falschen Leuten unbeliebt macht oder sich weigert, sich als bedingungslos loyales Mitglied seiner Kaste zu verhalten.

2.
Zitat von BurnsTorn Beitrag anzeigen
Da man diese Verachtung aber gerne zur Schau stellt, man sie überspitzt formuliert braucht, um sich selbst positiv zu erleben, werden die Hartz IV Empfänger weiterhin gerne als Boxsack benutzt. Sie werden für ihre Armut verachtet. Denn dem, der verachtende Aussagen tätigt, verspricht es mehr Selbstachtung. Wer seinem Ärger (und oft auch seiner Abstiegsangst) Luft macht, indem er sagt, "Dieses dreckige, faule HartzIV-Gesocks ist doch selbst schuld, die wollen ja nicht", der kann dadurch eine Selbstwertstärkung erfahren, dass er gleichsam den Satz fortführt mit Worten wie "...aber zum Glück bin ich nicht so ein widerlicher, asozialer Schmarotzer, denn ich gehe ja arbeiten!" Man kann sich durch diese Subjektivierung selbst in vermeintlicher Sicherheit wiegen.
Aus meiner Sicht völlig richtig analysiert – ergänzen würde ich nur gerne noch, daß das leider auch bei Elos untereinander funktioniert... Da ist es dann eben "...aber zum Glück bin ich nicht so ein widerlicher, asozialer Schmarotzer, denn ich will ja eigentlich arbeiten (der da aber nicht)!" Das ist m. E. auch die Erklärung dafür, daß es in Sozialforen (auch hier) leider immer wieder die (ewig gleichen) Poster gibt, die sich auf Hilfesuchende stürzen und denen dann Fragen stellen á la: „Wieso willst du denn überhaupt diese Maßnahme nicht machen/Dich bei dieser ZAF nicht bewerben/hast du denn deinen SB auch höflich genug angesprochen? (immer gerne genommen an dieser Stelle: „Wie man in den Wald hineinruft...“) etc. und dem TE (häufig mit geringen oder auch gar keinen Belegen) mehr oder wenig explizit unterstellen, er sei eben eine faule, unhöfliche, unkooperative Sau. Dabei hat der TE gar nicht um eine moralische Bewertung seines Handelns gebeten, sondern schlicht um einen praktischen Ratschlag. Wer den nicht geben kann (oder meinetwegen aus moralischer Entrüstung nicht geben mag), könnte sich doch einfach raushalten, nicht wahr? - Nein, eben leider, leider nicht, denn, wie Du so treffend erläutert hast, wird der arme Ratsuchende eben von (manchen) Leidensgenossen außerordentlich dringend als „Boxsack“ und zur Selbstwertstärkung benötigt. Und da machste dann nichts dran...

Zitat von n2ame22 Beitrag anzeigen
Es soll einfach von den grundsätzlichen Problemen der freien Marktwirtschaft ablenken. Der Arbeitslose ist selbst an seiner Arbeitslosigkeit schuld und nicht das System an sich.
Tja, wir wollen es ja wohl um keinen Preis wahr haben, was ziemlich offensichtlich ist, nämlich daß Kapitalismus (im Sinne der Kurzdefinition: „Individueller Profit geht immer vor und nützt letztlich allen.“) und Demokratie eben leider grundsätzlich unvereinbar sind. Und jetzt kriegen wir es dann eben auf die harte Tour nahegebracht...
LoreS ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.07.2014, 20:03   #48
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Standard AW: Lesen SB s und Co mit???

Zitat von LoreS Beitrag anzeigen
[...]
Tja, wir wollen es ja wohl um keinen Preis wahr haben, was ziemlich offensichtlich ist, nämlich daß Kapitalismus (im Sinne der Kurzdefinition: „Individueller Profit geht immer vor und nützt letztlich allen.“) und Demokratie eben leider grundsätzlich unvereinbar sind. Und jetzt kriegen wir es dann eben auf die harte Tour nahegebracht...
Ergo? Man soll es einfach hinnehmen und das Maul halten?
==> Merkel: ?Marktkonforme Demokratie" (Kurzfassung) Tipp: NachDenkSeiten.de - YouTube

==> Merkel - wir haben keinen Rechtsanspruch auf Demokratie - YouTube

Sowie eine gute Analyse dieser Person und ihrem System

==> http://www.elo-forum.org/news-diskus...ml#post1691884
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Alt 07.07.2014, 20:08   #49
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@LoreS und BurnsTorn,
in aller Freundschaft und im guten Willen, so gut eure Beiträge auch SIND, so sind sie zu lang, zumindest für ein Forum. Bitte schreibt doch jeweils ein Buch und beglückt dadurch die Menschen ;-). Was ich sagen will: Bitte kommt auf den PUNKT!!!
Entschuldigt bitte, aber das musste sein!
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Alt 07.07.2014, 20:13   #50
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Standard AW: Lesen SB s und Co mit???

Wer den Leuten Honig um's Maul schmieren will, jedoch am eigentlichen System festhält und es streckenweise sogar verteidigt, der muss das in homöopathischen Dose langfristig in langen Texten "verabreichen". Vielleicht sollten sich die an den Lippen derer hängenden mal durch den gewaschen Kopf gehen lassen.
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