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Start > > -> Der Inside-Jobcenter-Thread. Oder: Frage doch einen SB/pAp

Allgemeine Fragen Nur Fragen zu Themen die nicht in bereits vorhandene Hilfeforen passen.


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Alt 18.11.2012, 21:15   #101
josef71->Emailproblem
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josef71
Standard AW: Der Inside-Jobcenter-Thread. Oder: Frage doch einen SB/pAp

Zitat von BurnsTorn Beitrag anzeigen
...

Maßnahmen dienen fast immer nur der Statistik-Bereinigung...
Das glaube ich gern, habe erfahren das z.B. eine sogenannte "Aktivierungs- und Orientierungsmaßnahme" mit Dauer 4 Wochen in diesem Fall aus Mitteln des ESF (Europäischer Strukturfond) finanziert der Träger wohl tatsächlich für diese 4 Wochen 0815-Blablabla um die 3.800 Euro pro Teilnahmer bekommt.

Konnte diese hohe Summe anfangs gar nicht glauben. Kannst du dies so bestätigen ?
josef71 ist offline  
Alt 18.11.2012, 21:17   #102
BurnsTorn
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Standard AW: Der Inside-Jobcenter-Thread. Oder: Frage doch einen SB/pAp

Zitat von silka Beitrag anzeigen
das kann dir doch jeder Kunde beantworten. Jeder soll seine Hilfebedürftigkeit verringern, besser noch, ganz beseitigen. Deswegen werden auch Aufstocker noch gedrängt und durchlaufen die Mühle. logo. Was die machen sollen?Die Frage beantwortet sich doch von selbst. die Mutter soll sicher ihren Stundenlohn versuchen zu erhöhen. Was meinst du mit Quälen? Die Mutter soll ihre Hilfebedürftigkeit verringern.
Aber was nicht geht, geht eben nicht. Aus mit Quälerei.Warum man die Leute nicht in Ruhe läßt? du hast das pervertierte Prinzip von Fordern und Fördern nicht verstanden. Sorry. Möglichst wenig staatliche Unterstützung zahlen---wie soll denn das erreicht werden? Durch " in Ruhe lassen" wird das nicht erreicht.
Genau so ist es. Mehr kann ich dazu auch nicht wirklich sagen. Die Worte "Lass den Kunden einfach in Ruhe" sollen im Wörterbuch eines Jobcenter-Mitarbeiters eigentlich nicht vorkommen. Kunden in Ruhe zu lassen, dass ist - geht es nach der offiziellen Weisung - sozusagen die Ursünde schlechthin. Das zu tun kommt gar einer Arbeitsverweigerung gleich, weil das neoliberale Dogma eben keine Ruhe kennt, sondern im Gegenteil nur den allseits flexiblen Menschen, der stets in Bewegung ist, der springt und kuscht und einen Buckel macht, wenn man es ihm unter Sanktionsandrohung befiehlt. In Ruhe lassen heißt Stillstand - und den darf es nie geben.

Der Kunde muss dauerflexibel sein, muss stets belegen, dass er immer und überall aktiv ist, ein Arbeitsnomade par excellence. Ferner gilt: Es gibt eine iterne Quote hinsichtlich EGV-Versorgung. Danach müssen 80% aller Jobcenter-Kunden mir einer gültigen EGV "versorgt" sein. Um diese 80% Quote zu erreichen, schließt man EGVs eben auch mit solchen Kunden ab, von denen man weiß, dass die eigentlich bereits im Rahmen ihrer Möglichkeiten integriert sind und demzufolge auch nicht weiter "eingegliedert" werden können.

Aber das ist insofern auch egal, als es beim Abschluss einer EGV ja gar nicht um Eingliederung, sondern um Kontrolle und um die Schaffung einer Sanktionsgrundlage geht. Eine EGV hat drüber hinaus keinen tieferen Sinn. Sie hat keinen integrativen Zweck und befördert die Integration nicht. Wie und warum sollte eine EGV auch die Integration befördern? Wer Arbeit sucht, sucht Arbeit, ob mit oder ohne EGV. Punkt! Und wer keine Arbeit sucht, der kommt auch nicht in Arbeit, ob mit oder ohne EGV. Soviel dazu.

Nebenbei möchte ich an dieser Stelle nun anmerken, dass sich der Thread leider nicht ganz so entwickelt hat, wie erhofft, da ich davon ausgehen, dass einige pAps und SBs nun in Folge der teilweise ergangenen Beschimpfungen und Nazi-Vergleiche eher wenig geneigt sind, hier ihre Sicht der Dinge zu schildern. Das aber wollte ich ja eigentlich erreichen: Dass auch andere heutige und ehemalige Amtsmitarbeiter sich hier äußern, nicht nur ich. Ich werde mich nun also die nächsten Tage hier erstmal zurückhalten und schauen, ob da vielleicht noch etwas kommt und der Thread sich doch noch zu der Informationsquelle entwickelt, als die er eigentlich gedacht war.
 
Alt 18.11.2012, 21:23   #103
HolgerKanns
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Standard AW: Der Inside-Jobcenter-Thread. Oder: Frage doch einen SB/pAp

Zitat von BurnsTorn Beitrag anzeigen
Genau so ist es. Mehr kann ich dazu auch nicht wirklich sagen. Die Worte "Lass den Kunden einfach in Ruhe" sollen im Wörterbuch eines Jobcenter-Mitarbeiters eigentlich nicht vorkommen. Kunden in Ruhe zu lassen, dass ist - geht es nach der offiziellen Weisung - sozusagen die Ursünde schlechthin. Das zu tun kommt gar einer Arbeitsverweigerung gleich, weil das neoliberale Dogma eben keine Ruhe kennt, sondern im Gegenteil nur den allseits flexiblen Menschen, der stets in Bewegung ist, der springt und kuscht und einen Buckel macht, wenn man es ihm unter Sanktionsandrohung befiehlt. In Ruhe lassen heißt Stillstand - und den darf es nie geben.

Der Kunde muss dauerflexibel sein, muss stets belegen, dass er immer und überall aktiv ist, ein Arbeitsnomade par excellence. Ferner gilt: Es gibt eine iterne Quote hinsichtlich EGV-Versorgung. Danach müssen 80% aller Jobcenter-Kunden mir einer gültigen EGV "versorgt" sein. Um diese 80% Quote zu erreichen, schließt man EGVs eben auch mit solchen Kunden ab, von denen man weiß, dass die eigentlich bereits im Rahmen ihrer Möglichkeiten integriert sind und demzufolge auch nicht weiter "eingegliedert" werden können.

Aber das ist insofern auch egal, als es beim Abschluss einer EGV ja gar nicht um Eingliederung, sondern um Kontrolle und um die Schaffung einer Sanktionsgrundlage geht. Eine EGV hat drüber hinaus keinen tieferen Sinn. Sie hat keinen integrativen Zweck und befördert die Integration nicht. Wie und warum sollte eine EGV auch die Integration befördern? Wer Arbeit sucht, sucht Arbeit, ob mit oder ohne EGV. Punkt! Und wer keine Arbeit sucht, der kommt auch nicht in Arbeit, ob mit oder ohne EGV. Soviel dazu.

Nebenbei möchte ich an dieser Stelle nun anmerken, dass sich der Thread leider nicht ganz so entwickelt hat, wie erhofft, da ich davon ausgehen, dass einige pAps und SBs nun in Folge der teilweise ergangenen Beschimpfungen und Nazi-Vergleiche eher wenig geneigt sind, hier ihre Sicht der Dinge zu schildern. Das aber wollte ich ja eigentlich erreichen: Dass auch andere heutige und ehemalige Amtsmitarbeiter sich hier äußern, nicht nur ich. Ich werde mich nun also die nächsten Tage hier erstmal zurückhalten und schauen, ob da vielleicht noch etwas kommt und der Thread sich doch noch zu der Informationsquelle entwickelt, als die er eigentlich gedacht war.
Na, da schießt Du über das Ziel hinaus. Die (tatsächliche) Vorgabe beträgt 65%
HolgerKanns ist offline  
Alt 18.11.2012, 21:25   #104
BurnsTorn
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Standard AW: Der Inside-Jobcenter-Thread. Oder: Frage doch einen SB/pAp

Zitat von josef71 Beitrag anzeigen
Das glaube ich gern, habe erfahren das z.B. eine sogenannte "Aktivierungs- und Orientierungsmaßnahme" mit Dauer 4 Wochen in diesem Fall aus Mitteln des ESF (Europäischer Strukturfond) finanziert der Träger wohl tatsächlich für diese 4 Wochen 0815-Blablabla um die 3.800 Euro pro Teilnahmer bekommt.

Konnte diese hohe Summe anfangs gar nicht glauben. Kannst du dies so bestätigen ?
Ich will es nicht zu 100% ausschließen, aber ich halte diese Kostenangabe für deutlich zu hoch. 1/4 davon hielte ich für glaubwürdig, selbst bei 1500 € pro Monat würde ich noch sagen, dass das denkbar ist, aber 3800 € pro Teilnehmer pro Monat, das kann ich nicht glauben, insbesondere nicht für eine O&A-Maßnahme, die tendenziell eher kostengünstig ist, weil es für diese kaum kostenintensives Unterrichtsmaterial braucht. Bei einem Schweißerlehrgang zum Beispiel oder einer Schulung, die mit IHK-Prüfung abschließt, könnte ich mir Kosten in ähnlicher Höhe vorstellen, aber bei einer 0815-O&A, die praktisch jeder Träger im Angebot hat, glaube ich das nicht.
 
Alt 18.11.2012, 21:59   #105
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Piccolo EnagagiertPiccolo EnagagiertPiccolo EnagagiertPiccolo EnagagiertPiccolo EnagagiertPiccolo EnagagiertPiccolo EnagagiertPiccolo EnagagiertPiccolo EnagagiertPiccolo Enagagiert
Standard AW: Der Inside-Jobcenter-Thread. Oder: Frage doch einen SB/pAp

Zitat von silka Beitrag anzeigen

Warum man die Leute nicht in Ruhe läßt?
du hast das pervertierte Prinzip von Fordern und Fördern nicht verstanden.
Sorry.

Möglichst wenig staatliche Unterstützung zahlen---wie soll denn das erreicht werden?
Durch " in Ruhe lassen" wird das nicht erreicht.
oh doch. ich weiss mehr als mir lieb ist. aber zwischen 'verstanden' und etwas bestätigt zu bekommen liegt ein himmelweiter unterschied.

ich wollte deswegen auch eine bestätigung für die oft rüde behandlung von behinderten und kranken, den [ironie] erklärten lieblingen der sb's. denn da ist ist es ja so dass wirklich nichts mehr geht, so sehr man sich auch bemüht.
ich habe schon einmal hinter vorgehaltener hand zugesteckt bekommen was man von diesen menschen erwartet.
das möchte ich auch einmal schwarz auf weiss lesen.
__

ich distanziere mich hiermit ausdrücklich von herrn ralph boes, seinem ansinnen, seinem auftreten und seinem verhalten in den öffentlichen medien und foren.


"das grass wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. "
(afrikanisches sprichwort)

Piccolo ist offline  
Alt 18.11.2012, 23:20   #106
deepsleeper
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Standard AW: Der Inside-Jobcenter-Thread. Oder: Frage doch einen SB/pAp

Ah, Du meinst : Die Behinderten und Kranken sollen sich gefälligst aus dem System verabschieden oder/und von der Brücke springen. Weg ist weg. Hauptsache.
deepsleeper ist offline  
Alt 18.11.2012, 23:44   #107
derBayer
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Standard AW: Der Inside-Jobcenter-Thread. Oder: Frage doch einen SB/pAp

Ich bin der Meinung dass Roter Block bereits auf der ersten Seite des Threads in seinen Beiträgen so ziemlich alles zum Thema gesagt hat, was zu sagen ist.

Von daher spare ich mir das Quoten etc., kommt eh nix ausser gegenseitigem Gebashe bei rum.

BurnsTom will ich allerdings auch nicht ausbremsen. Es ist ja sein gutes Recht und durchaus ein wichtiges Anliegen.

Nur wird eine Aufklärung im Sinne von warum weshalb wieso ein willfähriger Erfüllungsgehilfe einer menschenverachtenden Institution so handelt wie er handelt, nix Elementares an eben diesen ändern.

Und "Kunden", die stigmatisiert, kriminalisiert, entmündigt und deren bloße Existenz viel zu oft auch mit Mitteln des bewussten oder unbewussten Rechtsbruchs zerstört wird, werden da ebensowenig Verständnis für aufbringen.
 
Alt 19.11.2012, 00:10   #108
semper fi->Emailproblem
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semper fi
Standard AW: Der Inside-Jobcenter-Thread. Oder: Frage doch einen SB/pAp

vielen dank für den thread. niemand wird gezwungen, diesen positiv auzunehmen, geschweige denn sich hier konstruktiv einzubringen. warum einzelne jedoch einen kz- und nazivergleich nach dem anderen hervorzaubern und damit den interessierten elos diese möglichkeit nehmen wollen, erschließt sich mir nicht. davon unabhängig ist es menschlich gesehen unterste schublade, jemanden aufgrund seines ehemaligen berufs auf eine stufe mit menschen zu stellen, die der halben welt den krieg erklärt, ganze lanstriche ausradiert und so viele unschuldige ins gas geschickt haben. tut mir leid, aber dafür fehlt mir jedwedes verständnis!

@burnstorn, du hast zuletzt auf die quote der abzuliefernden egv verwiesen. schließt diese auch den ersatz der egv per va mit ein oder anders gefragt, macht es für die bilanz des sb einen unterschied, wie und auf welchem wege letztlich die vereinbarung durchgedrückt wird?

daran anschließend würde mich interessieren, ob das bestreiten des rechtswegs durch den elo über widersprüche, klagen etc. in irgendeiner form auf den sb zurückfällt? kann es passieren, dass er bei einer übermäßig hohen quote intern probleme bekommt und angehalten wird, diese in irgendeiner form zu senken?

ich hatte vor kurzem eine diskussion mit einem freund, in welcher wir darüber gesprochen haben, wie und ob überhaupt sich die mehrzahl der elos im rahmen ihrer rechtlichen möglichkeiten wehren bzw. wie weit es um dieses wissen bestellt ist. in diesem forum trifft man vielfach auf geballtes fachwissen, meine persönlichen erfahrungen und beobachtungen im jobcenter lassen mich für die masse jedoch zu einem anderen schluss kommen, zumindestens nach dem was man so bspw. auf den fluren oder an den empfangsschaltern mitbekommt.

falls du lust und zeit hast, würde ich mich sehr freuen, wenn du aus persönlicher sicht einmal die elos grob einordnen würdest, auch was die jeweilige größenordnung angeht. vielleicht kannst du gleichzeitig auch angeben, welche dir am liebesten waren (aus arbeitstechnischer und/oder privater sicht) und ob du entsprechend auch deine vorgehensweise angepasst hast, bspw. mit mehr vorsicht oder auch mehr druck. einige stichpunkte, die mir zur unterteilung spontan in den sinn kommen, will ich einfach mal nennen:

- wie ist es um den allgemeinen wissenstand hinsichtlich der rechte und pflichten der elos bestellt? wieviele elos verstehen schlicht keine bescheide oder gesetzestexte?
- wieviele elos lassen einfach alles mit sich mit machen (unterschrift egv, abschieben in maßnahmen usw.)? wie hoch ist der anteil derjenigen, die gegen alles und jeden widerspruch einlegen, klagen, beschwerden einreichen etc.?
- wieviele elos werden sehr emotional und sind bspw. mit privaten dingen viel zu offen gegenüber dem sb?
- gibt es bei all diesen sachen signifikante unterschiede bspw. zwischen männern und frauen, jung und alt, mit und ohne migrationshintergund?

wie gesagt, das soweit nur als gedankenanstoß für eine mögliche kategorisierung. ich bin sehr gespannt, wie die elos aus deiner sicht so abschneiden und bedanke mich auf jeden fall schon einmal vorab für deine antworten!

liebe grüße
semper fi
semper fi ist offline  
Alt 19.11.2012, 00:38   #109
derBayer
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Standard AW: Der Inside-Jobcenter-Thread. Oder: Frage doch einen SB/pAp

Zitat von semper fi Beitrag anzeigen
warum einzelne jedoch einen kz- und nazivergleich nach dem anderen hervorzaubern und damit den interessierten elos diese möglichkeit nehmen wollen, erschließt sich mir nicht.
Dieses Mittel wird gerne angewandt, wenn einem die Argumente ausgehen und/oder man andere diskreditieren will.

Mach dir nix draus.
 
Alt 19.11.2012, 07:26   #110
Purzelina
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Standard AW: Der Inside-Jobcenter-Thread. Oder: Frage doch einen SB/pAp

Zitat:
- wie ist es um den allgemeinen wissenstand hinsichtlich der rechte und pflichten der elos bestellt? wieviele elos verstehen schlicht keine bescheide oder gesetzestexte?
Ich hab mal von 80 Prozent gehört, die ihre Bescheide nicht richtig lesen und verstehen können, durchschnittlich. Manche Bescheide versteht manchmal selbst ein erfahrener Fachmann nicht.
Purzelina ist offline  
Alt 19.11.2012, 07:35   #111
Domino
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Standard AW: Der Inside-Jobcenter-Thread. Oder: Frage doch einen SB/pAp

Zitat von Purzelina Beitrag anzeigen
Ich hab mal von 80 Prozent gehört, die ihre Bescheide nicht richtig lesen und verstehen können, durchschnittlich. Manche Bescheide versteht manchmal selbst ein erfahrener Fachmann nicht.
Ja, dass tolle Beamtendeutsch.
Scheint wohl so gewollt zu sein, dass man diese Sprache nicht richtig versteht.
Anders kann ich mir solche Beamtensätze mit gefühlten 356 Wörtern nicht erklären.
Domino ist gerade online  
Alt 19.11.2012, 08:41   #112
Purzelina
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Wobei die Zahlen in einem ALG2-Bescheid überwiegen.

Das Nichtverstehenkönnen/wollen liegt doch auch an den Betroffenen selbst. Der Bewilligungsbescheid trudelt ein.....Freude über die schnelle Bewilligung ohne weitere Belege anzufordern.......kurzer Blick auf den Auszahlungsbetrag......könnte passen.....weg das Teil und Monate später........bei genauerer Betrachtungsweise könnte vielleicht doch was falsch sein am Bescheid.

Mit unangenehmen Dingen beschäftigt man sich halt nicht so gern.
Purzelina ist offline  
Alt 19.11.2012, 09:02   #113
elo237
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Standard AW: Der Inside-Jobcenter-Thread. Oder: Frage doch einen SB/pAp

Ich schätze ja auf jeden Fall das Insider Wissen von BurnsTorn

nur finde ich diese geballte Ladung in einem Thread völlig unübersichtlich,
und es kommen ja noch die Streitereien dazu

wäre es nicht für alle von Vorteil wenn BurnsTorn pro Thema einen neuen Thread aufmacht
ist für Suchende total hilfreich
__

Ich bin eine fleißige Arbeitermaus und warte auf die Mäuse!
elo237 ist offline  
Alt 19.11.2012, 10:21   #114
Steamhammer
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Zitat von gila Beitrag anzeigen
Zitat BurnsTOrn:

Das sehe ich einfach anders. Die pAps/SBs sollten nicht die Gegner sein. Das sind nur die ausführenden Organe ganz unten in der Hierarchie. Die SBs/pAps haben sich die Gesetze nicht ausgedacht, die müssen - unter den Bedingungen, die ich teilweise schon angedeutet habe - lediglich das umsetzten, was ihnen befohlen wird.

Oh Gott ... DAS hatten wir allerdings auch schon mal ...
Aber es wird wenigstens mal offen dargelegt.
Steamhammer ist offline  
Alt 19.11.2012, 10:32   #115
Anna B.
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Hallo,

was mich auch mal interessieren würde...

aus welchen Gründen laden JC - mitarbeiter ihre kunden mit dem Grund: Frau X möchte mit Ihnen über ihren gesundheitlichen zustand sprechen...

das geht den SB doch gar nichts an....darf er doch auch gar nicht...

das nächste:

aus welchen Gründen sagen einem die JC-Mitarbeiter: hier, unterschreib mal eben den Gesundhetisfragebogen und die Schweigepflichtentbindungen..

oder noch schlimmer:

reichen Sie mir !! (SB) die beigefügten Unterlagen bis zum xxx zurück...

kein Wort zur Freiwilligkeit, kein Wort, dass der SB die Unterlagen nicht zu bekommen hat...nichts, obwohl im SGB und im Datenschutzgesetz vorgesehen ist, dass der Kunde über die Verwendung der Daten, über den Grund ansonsten über die Freiwilligkeit informiert werden muss.

es welchem Grund gibt es immer wieder die EGV oder VA's in denen gesundheitliche Themen mit aufgenommen werden...
obwohl doch jeder SB inzwischen wissen müßte, dass diese Daten nicht in einen VA oder eGV mit aufgenommen werden dürfen..

in meinen Augen müßte doch inzwischen jede einzelne kleine Behörde, JC, Afa, darüber ihre Mitarbeiter informiert haben: Leute das darf nicht, macht das nicht...
aber ich habe den Eindruck, dass statt dessen die Aussagen und Angaben immer häufiger rechtswidrig gefordert werden...

da gib mir doch mal bitte die Info...
__

Gruß
Anna

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Anna B. ist offline  
Alt 19.11.2012, 10:53   #116
Berenike1810
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Hallo Burns Torn,

zu Deinem Eingangspost:

bei mir ist ein ganzer Vorgang "verschollen", also Schriftverkehr, welcher innert ca. 5 Wochen stattfand.

Im Einzelenen handelt es sich um 3 Mail's und 2 postalischen Schriftstücken, meinereiner. Darunter ein Ü-Einschreiben mit positiver Sendeverfolgung. Ich besitze alle Kopieen.

Dies stellte ich bei einer AE fest.

Sämtliche Post beinhaltete eine gemeinsame (unbequeme) Frage.

Ich reklamierte "ganz oben".

3 Wochen danach erhielt ich einen Anruf, Abends, nach 18:00 Uhr; von einer gut bezahlten Dame des JC. Das Telefonat dauerte 9 Minuten-ungrad.

Sie war ausserordentlich freundlich "Licht in's Dunkel" brachte das Gespräch nicht.

Auf mein Bitten hin, versprach sie mir, das eben Gesagte schriftlich zu liefern.

Es vergingen erneut 3 Wochen, - und ich reklamierte, per Mail.

Daraufhin schrieb mir der GF und entschuldigte sich, für etwas, was er selbst nicht nachvollziehen kann. - Die Unterlagen sind bei denen wech......

- Da ist doch eine 300 % - Sanktion fällig, meine ich.

Berenike
.
Berenike1810 ist gerade online  
Alt 19.11.2012, 10:57   #117
lagune1
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Zitat:
Zitat von elo237
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Nur das Grundgesetz, und die Urteile aus Karlsruhe,sind da hilfreich.

Zitat:
Zitat von arbeitslos in holland
das forum hat als gemeinsames ziel: die abschaffung von hartz4.
Und aus diesem Grund, zur Durchsetzung seiner Rechte notfalls bis zum EuGH klagen.

mfg
 
Alt 19.11.2012, 11:01   #118
kerosin
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Hallo BurnsTorn,

was kannst du zu der Behauptung/Vermutung, SB bekämen "Provisionen" für z.B. verhängte Sanktionen, sagen?

mfg,
kerosin
kerosin ist offline  
Alt 19.11.2012, 11:23   #119
silka
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Hallo, Piccolo
sorry, da wirst du lange warten, eine Bestätigung lesen zu können über das, was sich manche SB denken oder hinter vorgehaltener Hand irgendwem flüstern.

Aus deinem Wunsch/Forderung lese ich wieder:
Nix hast du verstanden.
Sorry.

Was Kranke und behinderte betrifft:
Die wandern, wenn sie erwerbsunfähig sind, zum SGB XII.
Die Erwerbsunfähigkeits-Feststellung dauert mal länger, mal weniger lang.
Manche wollen erwerbsunfähig gestempelt werden, manche gerade nicht. Die können nicht mehr.
Jeder Mensch ist anders. Also auch jede Bezieheung zum JC-SB.

Vielleicht hilfts dir im Einzelfall, wenn du konkretes angibst???
Solch pauschale Streuungen wie von dir hier werden wohl leider nie *aufgelöst* werden können.
silka ist offline  
Alt 19.11.2012, 11:29   #120
silka
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Hallo, deepslepper.
und wenn es so wäre:
@Piccolo erwartet/verlangt für solche *Gedanken* eine schriftliche Bestätigung.
Vielleicht sogar von dem, der so denkt oder flüstert.

Vollkommen daneben.
silka ist offline  
Alt 19.11.2012, 11:35   #121
silka
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Hallo, Domino,
verstehst du dein Finanzamt oder den Steuerbescheid?
verstehst du das, was deine KK dir manchmal schreibt?
Was in der Renteninfo der DRV so alles steht?
Oder was von anderen Behörden?
verstehst du denn anderes --Behördisch-- besser als das von der AfA oder dem JC?

Dann sage ich dir:
Laß dir das JC-Behördisch übersetzen.
Es gibt ausreichend Leute, die das können. Die können auch so übersetzen, daß du erfährst, was du NICHT machen mußt, selbst, wenns nicht deutlich drinsteht.
Du bist ja schon im passenden Forum.

Ein *Bescheiderklärer*, der vom JC beauftragt wird, Bescheide zu erklären---ja, der Witz ist wohl inzwischen über die Wupper, oder?
silka ist offline  
Alt 19.11.2012, 11:45   #122
BurnsTorn
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Zitat von semper fi Beitrag anzeigen
@burnstorn, du hast zuletzt auf die quote der abzuliefernden egv verwiesen. schließt diese auch den ersatz der egv per va mit ein oder anders gefragt, macht es für die bilanz des sb einen unterschied, wie und auf welchem wege letztlich die vereinbarung durchgedrückt wird?
Es macht für die Quote und damit für die Statistik überhaupt keinen Unterschied, ob eine EGV verhandelt oder per VA erlassen wird. Gelegentlich passiert es daher auch, dass ein EGV-VA erlassen wird, ohne dass der Kunde das überhaupt mitbekommt. Es wird dann einfach in VerBIS ein EGV-VA hochgeladen/gespeichert, in dem vom Kunden nichts gefordert und er auch nicht gefördert wird. Da steht dann einfach nur so etwas drin wie:

Ziel: "Hilfebedürftigkeit überwinden"
Leistungen des JC: "Wir bieten Ihnen Besprechungstermine an"
Pflichten des Kunden: "Sie zeigen Veränderungen Ihrer Situation an"

So ein Statistik EGV-VAergeht vor allem dann, wenn Kunden lange Zeit krankgeschrieben sind, wenn sie in Elternzeit sind oder aus anderen Gründen (Pflege von Angehörigen, baldige Arbeits- oder Ausbildungsaufnahme) eigentlich nicht zu aktivieren sind (Profillage: Zuordnung nicht erforderlich). Da wird dann, obwohl laut Weisung hier keine EGV geschlossen werden müsste, dennoch eine geschlossen, um eben die 80% Quote der EGV-versorgten Kunden zu erreichen. So zeigt sich, dass der Zwang, EGVs abschließen zu müssen, die ursprünglich damit einhergehende Intention, den Eingliederungsprozess individualisiert schriftlich in gemeinesamer Vereinbarung festzuhalten, ad absurdum geführt wird. Hauptsache, eine EGV ist vorhanden. Was drin steht, ist meist völlig egal, das wird kaum je kontrolliert.

Zitat von semper fi Beitrag anzeigen
daran anschließend würde mich interessieren, ob das bestreiten des rechtswegs durch den elo über widersprüche, klagen etc. in irgendeiner form auf den sb zurückfällt? kann es passieren, dass er bei einer übermäßig hohen quote intern probleme bekommt und angehalten wird, diese in irgendeiner form zu senken?
Das kommt drauf an, wie es letztlich ausgeht. Wenn die Widerspruchsstelle ständig die Entscheidungen des pAps aufhebt, ihm damit ja also zu verstehen gibt, dass er - sei es aus formalen oder rechtlichen Gründen - falsch gehandelt hat, fällt das irgendwann negativ auf den SB zurück. Da kommen seitens der TL dann schon mal Anmerkungen, wie man zukünftig anders handeln sollte. Beschwerden vom Kunden an den TL oder ans Kundenreaktionsmanagement nach der Art "Mein pAp ist so inkompetent, frech und bescheuert" oder "Mein pAp verstößt mit seiner Sanktion gegen das Grundgesetz" oder "Ich verlange, dass sie meinen pAp zur Rechenschaft ziehen", fallen aber so gut wie nie negativ auf den pAp zurück. Solche Kundenbeschwerden nimmt im JC eigentlich niemand ernst, weder der pAp, noch der TL, noch der BL, noch der GF.

Es ist nämlich einfach Alltag im JC, dass sich ständig Kunden beschweren. Es ist alltag, dass man bedroht und beschimpft wird, dass Kunden rumschreien, Papierkörbe umtreten, auf den Schreibtisch schlagen usw. Da muss man mit klarkommen, das gehört dazu. Es gilt daher - zumindest war es bei mir im JC so - inoffiziell auch die Prämisse, dass derjenige, über den sich Kunden nie beschweren, einfach irgendwas falsch machen muss. Denn wenn man Menschen bedrängt, bestraft oder ihnen sonst wie für sie negative Informationen übermittelt (Darlehen wird abgelehnt, Umzug wird nicht genehmigt, Umschulung wird nicht genehmigt, Fahrtkosten gibt es nicht, Einstiegsgeld gibt es nicht, Leistungen werden wegen eingestellt), ist klar, dass da dann mitunter die Emotionen hochkochen. Mein Chef hat mir mal wörtlich gesagt: "Wir sind hier nicht bei wünsch dir was, wir sind bei: Geh arbeiten! Unsere Kunden meckern sowieso den ganzen Tag über alles. Da hilft nur: Ruhig bleiben, hier rein, da raus..."

Wenn ein pAp/SB z.B. 20 Widersprüche gegen seine Entscheidungen laufen hat und alle werden von der Widerspruchsstelle und dann vom SG als haltlos gekippt, hat das definitiv keine negativen Konsequenzen für den pAp/SB. Wenn schon, dann hat es eher positive. Denn der pAp/SB kann dadurch ja beweisen, dass er sozusagen ein "harter Hund" ist, der bedingungslos umsetzt, was ihm durch Vorgesetzte, durch Weisungen und das SGB befohlen wird. Das kommt bei den Vorgesetzten dann eher gut an. Daher sind die Mitarbeiter, die ausbrennen, frustriert werden und dem System skeptisch gegenüber stehen, auch diejenigen, die nicht allzu lange im Jobcenter bleiben. Die suchen sich schnell was Besseres oder lassen sich versetzen. In Konsequenz bleiben längerfristig im Jobcenter eben jene Mitarbeiter zurück, die a) einfach nichts anderes finden (so einer war ich lange Zeit), oder die b) sich im System eingerichtet haben und teils auch wirklich dort wohl fühlen. Aber wie ich schon vorher sagte: Wie viele pAps/SBs jetzt welcher Kategorie nach der Art a) den Kunden freundlich und verständnisvoll gesonnen, oder b) eher fordernd und verständnislos zuzuordnen sind, kann ich nicht verlässlich abschätzen. Man kann in die Köpfe der Leute ja nicht reingucken. Und größtenteils ist man ja nur alleine im eigenen Büro.

Zitat von semper fi Beitrag anzeigen
ich hatte vor kurzem eine diskussion mit einem freund, in welcher wir darüber gesprochen haben, wie und ob überhaupt sich die mehrzahl der elos im rahmen ihrer rechtlichen möglichkeiten wehren bzw. wie weit es um dieses wissen bestellt ist. in diesem forum trifft man vielfach auf geballtes fachwissen, meine persönlichen erfahrungen und beobachtungen im jobcenter lassen mich für die masse jedoch zu einem anderen schluss kommen, zumindestens nach dem was man so bspw. auf den fluren oder an den empfangsschaltern mitbekommt.
Meiner Erfahrung nach hat ein Großteil der Kunden (70% meiner damaligen Kunden würde ich schätzen) keinerlei oder kaum Kenntnis der eigenen Rechte. Dass es wirklich mal kritische Nachfragen oder gar Diskussionen hinsichtlich OAW, EGV, Sanktionen, Kostenerstattungen usw. gegeben hätte, daran kann ich mich kaum erinnern. Das war vielleicht bei 1% meiner Kunden der Fall. Es hatten auch - wenn überhaupt - maximal 3% meiner Kunden jemals einen Beistand dabei. Das ist ja auch einer der Gründe, weshalb ich oft darauf verweise, dass hier im Forum eine massive Realitätsverzerrung stattfindet. Es wird hier oft davon ausgegangen, dass die Kunden an der Thematik ALG II interessiert wären und dass sie Unterstützung einforderten. Aber die Realität zeigt leider: Die meisten Kunden kommen ins Büro, legen schweigend die Eigenbemühungen vor, beantworten die ihnen gestellten Fragen, unterschreiben die EGV und verlassen dann nach 5-10 Minuten wieder das Büro. Von Kritik am System, Weigerung oder sonstigem ist mir kaum je etwas untergekommen. Klar gab es oft Wutausbrüche und Beschimpfungen, aber echte Weigerung oder ein Argumentieren mittels Verweis auf Gesetze, das gab es kaum.

Diese weit verbreitete Uninformiertheit bzw. auch Uniteressiertheit ist übrigens - so mein Eindruck - erstaunlicherweise nichts, was sich irgendwie am formalen Bildungsabschluss oder an der beruflichen Qualifikation festmachen ließe. Ich hatte promovierte Menschen genauso vor mir sitzen wie Analphabeten, Langzeitarbeitslose ebenso wie „Jung-Hartzer“. Und ich konnte da kein echtes Muster erkennen, dass etwa die besser gebildeten/qualifizierten informierter gewesen wären. Nein, zumindest haben sie das mir gegenüber nicht gezeigt. Die meisten der Akademiker und Leute mit abgeschlossener Ausbildung zeigten sich ebenso uninformiert und desinteressiert wie jene ohne jede Formalqualifikation.

Zitat von semper fi Beitrag anzeigen
falls du lust und zeit hast, würde ich mich sehr freuen, wenn du aus persönlicher sicht einmal die elos grob einordnen würdest
Das kann ich nicht wirklich. Ich habe für mich selbst mal versucht, so ein Kategoriesystem aufzustellen. Genau bei dem Versuch bin ich aber gescheitert. Sicher könnte ich (wenn ich jetzt noch VerBIS Zugang auf meinen Kundenstamm hätte), prozentual exakt angeben, wie viele Kunden keinen Schulabschluss haben, wie viele der Kunden Akademiker sind, wie viele also formal hochgebildet oder gering qualifiziert sind. Aber das war/ist eben kein kausauler Faktor dafür oder dagegen, informiert zu sein.

Zitat von semper fi Beitrag anzeigen
vielleicht kannst du gleichzeitig auch angeben, welche dir am liebesten waren (aus arbeitstechnischer und/oder privater sicht)
Am liebsten waren mir die Kunden, die gar nicht erst zum Termin erschienen, weil die mir am wenigsten Arbeit gemacht haben. Da ruft man dann an, schreibt einen Beratungsvermerk (tel. Kontakt gehabt) und fertig, für 5 Monate Ruhe. Am zweitliebsten waren mir die Kunden, die kamen, nichts wollen, von denen auch ich nichts wollte und die dann nach 5 Minuten wieder das Büro verließen, nachdem ich festgestellt hatte, dass sie noch lebten und sie ihre drei Kreuze unter die von mir bereits ausgedruckte EGV gesetzt hatten. Am „unbliebsten“ waren mir die Kunden, die irgendwas schnell haben wollten, etwa einen Bildungsgutschein, eine Fahrtkostenerstattung (am besten noch in bar), einen Vermittlungsgutschein oder die Genehmigung einer MAG. Das ist einfach mit viel Rumgeklicke, mit Schreib- und Papierkram verbunden.

Die absoluten Horrortermine waren aber freilich jene, die ich mit Kunden hatte, die wirklich eine große Sache finanziert bekommen wollten, etwa eine betriebliche Umschulung. Das deshalb, weil keine Maßnahme einem so dermaßen viel Arbeit macht wie die Bewilligung und Bearbeitung von Umschulungen. Das ist ein absoluter Krampf, da sind dutzende Dokumente auszufüllen, mehrere EGVs aufzusetzen, es ist eine Schadenersatzforderung bei Abbruch der Umschulung unteR einbeziehung der Fahrt- und Kinderbetreuungskosten auszurechnen, es ist der Umschulungsbetrieb anzuschreiben, der PD einzuschalten und so weiter. Dass die Genehmigung und Abrechnung betrieblicher Umschulungen so aufwändig ist, ist dabei insofern absolut tragisch, als eine betriebliche Umschulung eigentlich dasjenige Förderinstrument ist, welches wirklich geeignet ist, einen Kunden nachhaltig, also dauerhaft (wieder) in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Es sollte eigentlich also gefördert werden, es sollte (!) mehr Umschulungen geben. Leider sind Umschulungen aber eben dasjenige Instrument, das mit Abstand am meisten Arbeit macht und am meisten kostet. Daher verwundert es auch nicht, dass Umschulungen, zumal betriebliche, so selten durch das JC finanziert werden. Dies fasst kein pAp gerne an, da heißt es dann immer schnell: „Dafür kommen Sie nicht in Frage.“ Das ist eigentlich total widersinnig, aber es ist so!

Zitat von semper fi Beitrag anzeigen
und ob du entsprechend auch deine vorgehensweise angepasst hast, bspw. mit mehr vorsicht oder auch mehr druck.
Klar variiert das eigen Vorgehen je nach Kunde. Bei manchen wusste ich, dass ich mehr Druck machen musste (weil das von Vorgesetzten erwartet wurde, weil der Kunde im Amt "bekannt" war), bei anderen konnte ich netter und weniger fordernd auftreten. Grundsätzlich würde ich sagen: Bei den gut qualifizierten Kunden und bei den ganz schlecht qualifizierten Kunden war ich eher nett (weil erstere auch ohne mich in Arbeit kamen und ich von letzteren wusste, dass sie eh nie in Arbeit kommen), bei den Kunden mit mittlerer Qualifikation war ich eher fordernd (weil das auch von Vorgesetzten so gewollt war). Das waren nämlich diejenigen, an denen ZAF interessiert sind. Die mussten immer gescheucht und gefordert werden, die mussten springen, da musste man Druck machen, mit denen mussten Maßnahmen bestückt werden, denen mussten reichlich Vermittlungsvorschläge zugehen.

Zitat von semper fi Beitrag anzeigen
- wie ist es um den allgemeinen wissenstand hinsichtlich der rechte und pflichten der elos bestellt? wieviele elos verstehen schlicht keine bescheide oder gesetzestexte?
Die wenigsten verstehen vollends ihre Bescheid. Das würde ich aber übrigens nicht auf die ELOs beschränken. Ich habe so manchen Leistungsbescheid auch nicht verstanden. Das sind teils dermaßen viele Seiten mit Zu- und Abrechnungen und Anmerkungen in merkwürdig verfasstem Deutsch, dass das nicht ungewöhnlich ist. Und je mehr sich das Amt bemüht, eine einfachere Sprache zu verwenden, desto komplizierter wird es. Jede Reform macht es nur noch schlimmer…

Zitat von semper fi Beitrag anzeigen
- wieviele elos lassen einfach alles mit sich mit machen (unterschrift egv, abschieben in maßnahmen usw.)? wie hoch ist der anteil derjenigen, die gegen alles und jeden widerspruch einlegen, klagen, beschwerden einreichen etc.?
Die allermeisten sind verhältnismäßig ruhig. Das heißt, sie geben schon zu verstehen, dass sie einem nicht unbedingt freundlich gesonnen sind, sie regen sich mal auf, werden laut oder teilweise aggressiv, aber sie machen einem als pAp selten echte Probleme. Diejenigen, die gegen alles in Widerspruch gegen und massiv klagen, würde ich im Promille-Bereich ansiedeln. Von meinen Kunden waren das unter 1%. Diejenigen, die wirklich handgreiflich werden, liegen sogar noch weit darunter.

Zitat von semper fi Beitrag anzeigen
- wieviele elos werden sehr emotional und sind bspw. mit privaten dingen viel zu offen gegenüber dem sb?
Kommt auf die Situation an. Wirklich viel Privates habe ich selten erfahren, da ich danach aber auch selten gefragt habe. Grundsätzlich waren Frauen tendenziell auskunftsbereiter als Männer.
Zitat von semper fi Beitrag anzeigen
- gibt es bei all diesen sachen signifikante unterschiede bspw. zwischen männern und frauen, jung und alt, mit und ohne migrationshintergund?
Die Älteren (ab etwa 58 Jahren) waren meist eher freundlicher und redseliger. Das dürfte aber auch damit zusammen gehangen haben, dass ich von denen nie was wollte, weil es sich meist um „gute Arbeitslose“, also „statistisch nicht Relevante“ handelte. (Siehe dazu § 53a SGB II). Die Migranten, insbesondere jene, die kein deutsch sprachen, waren eher weniger redselig, wobei man sich den Grund dafür wohl denken kann.

Zitat von semper fi Beitrag anzeigen
ich bin sehr gespannt, wie die elos aus deiner sicht so abschneiden
Die ELOS schneiden aus meiner Sicht weder besser noch schlechter ab als andere Menschen auch. Dass man versucht, solche Kategorisierungen vorzunehmen, ist ja ein universales Phänomen, das ist nicht auf Erwerbslose im Jobcenter beschränkt, das machen Marketing-Agenturen und Forschungsinstitute ja genauso. Und dass die Kunden im Jobcenter tendenziell wohl unzufriedener mit der erbrachten Leistung sind als etwa die Mitglieder eines privaten Golf-Clubs, wunder auch nicht wirklich. Insofern sage ich: Eigentlich sind sehr viele der Reaktionen, die Kunden und Mitarbeiter im JC zeigen, aus organisationspsychologischer Sicht durchaus erklärbar. Das Jobcenter ist keineswegs ein unergründlicher Mikrokosmos mit sieben Sigeln. Trotz allem kann ich ganz klar festhalten: Ich bin sehr froh, nicht mehr im Jobcenter zu arbeiten. Auf Dauer hätte ich diese Arbeit nicht ausgehalten, denn vor allem ist das Jobcenter für mich eines: Ein sehr trostloser Ort. Wer sich dorthin begibt, kann langfristig meiner Auffassung nach nicht wirklich glücklich und zufrieden sein, egal es sich dabei um einen Kunden oder Mitarbeiter handelt.
 
Alt 19.11.2012, 11:54   #123
silka
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Standard AW: Der Inside-Jobcenter-Thread. Oder: Frage doch einen SB/pAp

Hallo, Anna B.
Deine erste Frage hat mich auch lange interessiert.

Inzwischen meine ich:
Textbausteine sind eine üble Krücke, der man nicht noch überragende Bedeutung beimessen braucht.
Es geht entweder um *berufliche Eingliederung* (dann steht Bewerberangebot und berufliche Situation im Betreff)
oder
um Prüfung der Erwerbsfähigkeit (dann gesundheitlicher Zustand)
Richtig, der gesundheitliche Zustand ist zu prüfen---nämlich: kannste noch malochen oder gehste besser zum SGB XII.
DAS ist doch der Hintergrund und nicht dein spezielles Wehwehchen.

Beide Begriffe sind deshalb übel bis falsch und nichtssagend, nur verwirrend.

Ich habe daraus mitgenommen:
Im Termin beim Gespräch ergibt sich, was der dort will.
Je mehr ich vorher weiß, um so gelassener wird der Termin---

Freiwilligkeit?
Warum sollte ein SB dich darauf extra noch hinweisen, was eine EGV eigentlich ist? Oder was er gar noch im Ärmel hat, wenn du die EGV nicht akzeptierst?
Soll der dir verwaltungsdeutsch und das BGB und seine Rechtsmittel erklären?
Das ist nicht seine Aufgabe, selbst nicht, wenn er es könnte.
Du müßtest ihn erst um --Auskunft-- bitten---dann muß er Farbe bekennen, oder meist blöde Ausreden finden.

Wer aber nicht weiß, was er fragen kann wegen --Auskunft--, der kann nicht oder nicht zielgerichtet fragen.
Das ist der Knackpunkt, meine ich.

Man muß sich schlau machen, um nicht zermahlen zu werden.
Man muß wissen, wie weit man sich etwas gefallen läßt.
Schließlich will ich das Alg2 möglichst freiwillig und sanktionslos---wenn ich es schon unbedingt benötige.

Nach 8 Jahren Hartz 4 und Alg2 und den vielen Infos und Warnungen seit vielen Jahren ist es fast nicht mehr vorstellbar, daß immer noch täglich Menschen vollkommen ahnungslos hineinfallen--- in dieses System.
Geheim isses ja nicht!!
silka ist offline  
Alt 19.11.2012, 11:56   #124
BurnsTorn
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Standard AW: Der Inside-Jobcenter-Thread. Oder: Frage doch einen SB/pAp

Zitat von kerosin Beitrag anzeigen
Hallo BurnsTorn,

was kannst du zu der Behauptung/Vermutung, SB bekämen "Provisionen" für z.B. verhängte Sanktionen, sagen?
Es gibt keine Provisionen. Es kann schon sein, dass ein SB eifriger Sanktionen verhängt als ein anderer, nur tut er das nicht für einen direkten finanziellen Vorteil im Zuge einer Provision, sondern allenfalls deshalb, weil er a) das richtig findet, was er da tut, oder b) durch die vielen Sanktionen seinen Teamleiter glücklich machen will, in der Hoffnung, dass der ihm dafür dann eine Vertragsverlängerung spendiert (wenn er befristet ist).
 
Alt 19.11.2012, 11:59   #125
BurnsTorn
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Standard AW: Der Inside-Jobcenter-Thread. Oder: Frage doch einen SB/pAp

Zitat von elo237 Beitrag anzeigen
wäre es nicht für alle von Vorteil wenn BurnsTorn pro Thema einen neuen Thread aufmacht ist für Suchende total hilfreich
Wäre sicher sinnvoll, aber dazu habe ich keine Lust und keine Zeit, zumal ich die nächsten Tage dann auch wieder beruflich eingespannt bin (habe heute noch Urlaub). Also bitte nicht wundern, wenn ich ab morgen hier für ein paar Tage nicht in den Thread schaue. Ich bin dann nicht vergrault, sondern nur bei der Arbeit.
 
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