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Start > > -> Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

Allgemeine Fragen Nur Fragen zu Themen die nicht in bereits vorhandene Hilfeforen passen.


Umfrageergebnis anzeigen: Wurde dir mindestens einmal eine attraktive Arbeitsstelle vermittelt?

Ja, durch die Arbeitsagentur 2 1,72%
Ja, durch das Jobcenter 4 3,45%
Nein, keine 110 94,83%
Teilnehmer: 116. Nur registrierte Benutzer dürfen bei dieser Umfrage abstimmen

Antwort

 

Themen-Optionen Ansicht
Alt 05.09.2012, 13:52   #1
gurkenaugust
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

Hallo,

mich interessieren konkrete Zahlen dazu, ob die Arbeitsvermittlung durch Arbeitsagentur oder Jobcenter heute überhaupt noch imstande ist, gute Stellen zu vermitteln - also sozialversicherungspflichtige, fair bezahlte und auf Dauer angelegte Arbeitsverhältnisse direkt bei der beschäftigenden Firma (kein Arbeitnehmerverleih), so wie dies früher allgemein üblich war.

Wer hat eine entsprechende Stelle schon einmal durch Arbeitsagentur oder Jobcenter nachgewiesen oder vermittelt bekommen?

Nicht gemeint ist dabei die allgemeine Unterstützung bei der Arbeitssuche durch finanzielle Zuwendungen (also Eingliederungszuschüsse, Beihilfen für Bewerbungskosten, Reisen zu Vorstellungsgesprächen oder sonstige Leistungen aus dem Vermittlungsbudget), sondern die wirkliche Vermittlungstätigkeit, sprich der Nachweis von entsprechenden Stellen.

Dazu habe ich eine kleine Umfrage erstellt.

Ich hoffe, daß das Thema hier richtig ist - falls nicht, dann bitte verschieben.

Vielen Dank fürs Mitmachen!
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Alt 06.09.2012, 16:40   #2
PetraW
Elo-User/in
 
Registriert seit: 02.11.2008
Beiträge: 170
PetraW
Standard AW: Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

ich bekam gerade heute wieder VV-e von PAP Frau L. des JC Erkners. In dem Anschreiben dazu schreibt die Gute:........,die iÍhrem Bewerberprofil entsprechen.......

Da ist ein VV mit verhandlungsicherem russisch - ich kann gar kein russisch - Wie qualifiziert sind die Mitarbeiter in diesem JC eigentlich, wenn sie nicht einmal in der Lage sind, Lebensläufe und Zeugnisse zu lesen? Aber dann verlangen sie "ernshafte Bewerbungsanschreiben". Und wehe wenn nicht, dann streicht man eben die Bewerbungskostenpauschale. Die anderen VV sehen nicht besser aus. Aber was soll´s, Bewerbungen werden geschrieben und fertig. Davon darf sich keiner kaputt spielen lassen.

Dürfen die JC überhaupt in nicht sozialversicherungspflichtige Jobs vermitteln?
__

Abraham Lincoln "Man kann einige Menschen die ganze Zeit zum Narren halten und alle Menschen einige Zeit, aber man kann nicht alle Menschen die ganze Zeit zum Narren halten."
Kant "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!"
PetraW ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.09.2012, 16:49   #3
Mr.Mo
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard AW: Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

10-0-0

Keine Vermittlung.....

Das wird auch so bleiben.... ich bekomme nur ZAF und PAV VV´s.

Auf das Jobcenter braucht keiner zu hoffen.... da wurde die Vermittlung schon lange abgegeben.
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Alt 06.09.2012, 16:53   #4
Ebberat
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard AW: Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

Gerade arbeitslos, und nur Zeitarbeitsfirmen.
Und das für den Beruf, in dem ich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann, und weswegen ich auch arbeitslos geworden bin.
Aber so lange ich noch nicht vom ärztlichen Dienst begutachtet worden bin (ich warte auf einen Termin ), so lange interessiert sie es wohl auch nicht.
Von Qualität kann also keine Rede sein.
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Alt 06.09.2012, 17:09   #5
alpha
Forumnutzer/in
 
Registriert seit: 04.06.2006
Ort: NRW
Beiträge: 1.031
alpha Möchte sein Renommee nicht öffentlich anzeigen...
Standard AW: Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

Der Teil "Vermittlung" der JC könnte komplett gestrichen werden und dadurch ne Menge Geld eingespart werden. Ich habe da noch nix sinnvolles von mitbekommen (also eine sog. "Vermittlung" in normale Stellen).

Aber: Wer will schon noch sparen heute, der Staat sicher nicht, nur neue Schulden bringen auch neues Geld hervor.... und da die Banken das sagen haben, wird auch nicht gespart (bzw. es wird nur beim kleinen Mann gespart)...
__

- Meine Beiträge im Forum stellen lediglich meine pers. Meinung dar und sind nicht als Rechsberatung oder Fakten ...etc. anzusehen
alpha ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.09.2012, 17:26   #6
Tarps
Elo-User/in
 
Registriert seit: 26.04.2008
Beiträge: 720
Tarps Möchte sein Renommee nicht öffentlich anzeigen...
Standard AW: Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

Bei einem Bewerbungstraining wurde uns ein nettes Video gezeigt, wie engagiert ein SB (Schauspieler?) vom JC arbeitet.

Als ich meinen SB darauf angesprochen habe, warum er nicht auch Firmen abklappert (wie im Video gezeigt), auf der Suche nach vernünftigen Jobs, bekam ich die Antwort: "Dafür habe ich keine Zeit".

Noch Fragen?
Tarps ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.09.2012, 17:28   #7
HimbeerTony->Emailproblem
Emailadresse berichtigen!
 
Registriert seit: 25.04.2010
Beiträge: 902
HimbeerTony HimbeerTony HimbeerTony HimbeerTony HimbeerTony HimbeerTony
Standard AW: Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

Ja, tatsächlich 1x allerdings noch zu Arbeitsamtzeiten
Das dürfte verjährt sein !

Ich denke mal, Du meinst mit "heute", seit Einführung der Hartz-Gesetze? Da kann ich nur bestätigen, es findet de facto keine Vermittlung statt!
HimbeerTony ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.09.2012, 17:52   #8
Wutbuerger
Forumnutzer/in
 
Registriert seit: 20.08.2012
Beiträge: 4.816
Wutbuerger Möchte sein Renommee nicht öffentlich anzeigen...
Standard AW: Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

In der Umfrage fehlt eine Antwortmöglichkeit ..hat das Jocenter dir schon mal eine Arbeitsgelegenheit versaut .
Zb wenn die Leute einen Minijob haben aber dennoch irgendein "Training" absolvieren sollen .Oder wie in meinem Fall ... ich hab mir selbst was gesucht , meine SB im Jobcenter hat wegen fehlender Unterlagen / Mitarbeit meinen Antrag auf ALG2 abgelehnt .
Und heute ruft mich mein Hoffentlich bald Arbeitgeber an das er vom Arbeitsamt die Info bekommen hat ich wäre da nicht mehr gemeldet .Weiteres in "Antrag abgelehnt"
Wutbuerger ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.09.2012, 18:23   #9
Goldie44
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Beiträge: 64
Goldie44
Standard AW: Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

Mein Spezi sucht meist Angebote aus der örtlichen Tageszeitung raus, kopiert diese, und schickt mir die als VV. Meist kenne ich die eh schon(hab´die Zeitung aboniert) und würde mich wegen der meist nicht vorhandenen aber vom AG verlangten Qualifikationen (wie z.B verhandlungssicheres Englisch oder SAP Kenntnisse, x-Jahre Berufserfahrung etc.) dort nie selbst bewerben. Kam auch schon vor, daß ich mich aufgrund der selbst gelesenen Zeitungsannonce beim AG telef. nach meinen Chancen ohne diese Qualifikationen erkundigt hatte, der Personaler diese als sehr gering einschätzte und ich ´ne Woche später selbige Annonce als VV bekam.
Wenn ich nur daran denke wieviel Steuergelder (mein SB verbringt wohl einen Großteil seiner Arbeitszeit mit Zeitunglesen) und wieviel Arbeitszeit in Personalabteilungen (wegen dem vielen chancenlosen Bewerbungsmüll) vergeudet wird....
Bisher hatte ich allerdings keine ZA-VV und nur wenige Consulting-VV.
Habe im ganzen Jahr bisher etwa 10VV erhalten.
Goldie44 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.09.2012, 19:11   #10
Jessy61
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard AW: Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

Zitat:
verhandlungssicheres Englisch oder SAP Kenntnisse
Willkommen im Club

Das sind auch Kriterien, wo es bei mir hakt - so gehen bei mir viele Stellen flöten
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Alt 07.09.2012, 06:14   #11
Ranja
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard AW: Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

Ja so ist es.
Antrag auf Englischkurs wurde abgelehnt.

Trotzdem erhalten ich VV ZAF, in denen verhandlungssicheres Englisch verlangt wird.
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Alt 07.09.2012, 06:18   #12
hass4
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Registriert seit: 10.08.2012
Beiträge: 1.693
hass4 Möchte sein Renommee nicht öffentlich anzeigen...
Standard AW: Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

Zitat von PetraW Beitrag anzeigen
ich bekam gerade heute wieder VV-e von PAP Frau L. des JC Erkners. In dem Anschreiben dazu schreibt die Gute:........,die iÍhrem Bewerberprofil entsprechen.......

Da ist ein VV mit verhandlungsicherem russisch - ich kann gar kein russisch - Wie qualifiziert sind die Mitarbeiter in diesem JC eigentlich, wenn sie nicht einmal in der Lage sind, Lebensläufe und Zeugnisse zu lesen? Aber dann verlangen sie "ernshafte Bewerbungsanschreiben". Und wehe wenn nicht, dann streicht man eben die Bewerbungskostenpauschale. Die anderen VV sehen nicht besser aus. Aber was soll´s, Bewerbungen werden geschrieben und fertig. Davon darf sich keiner kaputt spielen lassen.

Dürfen die JC überhaupt in nicht sozialversicherungspflichtige Jobs vermitteln?
scheinbar ist die noch aus dem honecker regime und lebt in dem glauben, alle die in der ddr leben können auch russisch. bei manchen bleibt die zeit auch stehen!!
hass4 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.09.2012, 07:53   #13
BurnsTorn
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard AW: Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

Als ehemaliger Jobcenter-Arbeitsvermittler (andere Bezeichnungen lauten persönlicher Ansprechpartner oder auch Integrationsfachkraft, wobei ich fairerweise sagen muss, dass ich kaum jemals wen integriert habe und eigentlich auch kein echter Ansprechpartner war, zumal ich zu den meisten primär leistungsrechtlichen Fragen, die an mich herangetragen wurden, aufgrund meiner gerade mal 3 Tage dauernden Leistungsrecht-Schulung nichts sagen konnte) will ich das hier mal aus AV-Perspektive kommentieren.

Zunächst mal: Es stimmt in der Tat, dass seitens des JC kaum eine echte Vermittlung zu anderen Arbeitgebern als Zeitarbeitsfirmen zu erwarten ist. Das liegt aber, so muss fairerweise gesagt werden, nicht nur an der mangelnden Qualifikation der Arbeitsvermittler, sondern schlicht auch daran, dass in der Jobbörse gerade im Handwerk, in der Produktion und im serviceorientierten Helferbereich größtenteils Zeitarbeitsfirmen inserieren. Und das sind die drei Primärbereiche der Vermittlung. Man vermittelt halt auf Stellen, die da sind. Des Weiteren ist die hier teilweise sicher zu Recht beklagte geringe Qualität der Arbeitsvermittlung aber auch strukturellen Gegebenheiten und prozessualen Vorgaben geschuldet, auf die man als PAP selbst keinen Einfluss hat. Suma sumarum lässt sich die mangelnde Vermittlung in "richtige" Arbeit fern von Zeitarbeit meiner Einschätzung nach im Wesentlichen an folgenden Faktoren festmachen:

Die Datenqualität ist schlecht: Vermittlungsvorschläge sollen einem erwerbsfähiger Leistungsberechtigten, neudeutsch "Kunde", eigentlich nur dann zugehen, wenn eine hohe Übereinstimmung von Kundenqualifikation und stellenspezifischer Anforderung zu konstatieren ist. Im durch Anglizismen durchsetzten Neusprech-BA-Deutsch nennt sich das eine hohe Matching-Quote. Nun stellt sich die Frage, wie man eine solche erreicht. Die Antwort lautet: Sie wird computerisiert errechnet aufgrund der im Profiling gemachten Angaben. Die Crux dabei ist, dass im Profiling oft kaum Angaben gemacht werden. Ursprünglich geplant war bei der Konzeption des Vier-Phasen-Modells, dass der PAP bei einem Betreuungsschlüssel von 1:150 im Zuge eines Erstgespräches die Stärken und Schwächen, gesundheitliche Einschränkungen, Rahmenbedingungen, Qualifikationen, Zertifikate, Führerscheine, Fremdsprachenkenntnisse, Entwicklungsziele und qualifikationsübergreifenden besonderen Fähigkeiten des Kunden erfassen und diese bei den dann folgenden Kundengesprächen regelmäßig aktualisieren sollte.

Zeit und Kenntnis für qualitative Vermittlung fehlen: Das oben geschilderte funktioniert nicht, weil ein Profiling viel Zeit in Anspruch nimmt, die man als PAP nicht hat. Die Hautaufgabe des PAP ist nicht die Vermittlung, sondern die Verwaltung! Und man hat eben keine 150 Kunden, sondern im Schnitt mehr als 300 zu verwalten. Ich hatte zuletzt über 400 Kunden. Hinzu kommen Tagesdienste und Krankheitsvertretungen aufgrund des stets hohen Krankenstandes. Man muss also immer alles ganz schnell erledigen, wahnsinnig schnell, so dass viele Fehler gemacht werden und vieles, was ins Profiling theoretisch aufgenommen werden könnte und zwecks des Erreichens einer hohen Matching-Quote aufgenommen werden müsste, nicht angegeben wird. Außerdem haben die meisten PAPs - mich eingeschlossen - überhaupt kein berufskundliches Wissen. Es wird von einem erwartet, dass man sich in hunderten Berufsfeldern auskennt, dabei gab es bei mir gerade mal eine dreistündige Berufskunde-Schulung! Das heißt, viele PAPs können mit ganz vielen Qualifikationen, Zertifikaten und Anforderungen, insbesondere im technischen Bereich, gar nichts anfangen. Nichts desto trotz sollen sie passende Vermittlungsvorschläge machen. Wie soll das funktionieren? Diese Unkenntnis gepaart mit Zeitknappheit wirkt dann mitunter fatal und erzeugt das hier monierte Missmatching. Klassisches Beispiel eines solchen wäre, dass Führerscheinklassen ausgewählt werden, die nicht vorhanden sind, Stellengesuchprofile erstellt werden, die nie mit dem Kunden abgesprochen wurde, oder ihm irgendwelche Sprachkenntnisse und beruflichen Fähigkeiten angedichtet - oder ihm abgesprochen - werden, obgleich nie ein Gespräch darüber mit dem Kunden erfolgt ist.

Der Kunde, das unbekannte Wesen: Manchmal wird ein Profiling auch einfach nach Aktenlage erstellt. Das heißt, es passiert tatsächlich, dass profiled wird, ohne den Kunden je gesehen zu haben, teils sogar, ohne je irgendwelche Unterlagen von ihm gesichtet zu haben. Wie das sein kann? Ganz einfach: Es sind sogenannte Mindeststandards einzuhalten, das heißt z.B., dass spätestens drei Wochen nach ALG 2 Antragstellung ein an das Profiling anschließender Beratungsvermerk zur Standortbestimmung in der Verbis-Kundenhistorie verfasst sein muss. Schafft man das nicht, weil der Kunde bis dahin nicht bei einem vorm Schreibtisch saß, bekommt man Ärger. Man muss also kreativ werden und verfasst dann eben ein Profiling, ohne den Kunden je gesehen zu haben. Motto: Russischer Name? - Na, der wird wohl fließend russisch sprechen! Kein Schulabschluss? - Na, dann will der sicher Lagerarbeiter werden! Führerschein? - Hat der als armer Hartzer sicher nicht! Sonstige Fähigkeiten? - Keine, sonst wär er ja nicht hier... Und dann klickt man, skaliert nach Grundkenntnissen, erweiterten Kenntnissen und Expertenkenntnissen noch diverse berufliche Kenntnisse an, die der fiktive Lagerarbeiter, der vielleicht noch nie im Leben im Lager gearbeitet hat, besitzt. Dass dabei dann teils abenteuerliche Fähigkeitsprofile rauskommen, ist offenkundig.

Ein Job ist ein Job ist ein Job: Ein weiteres Problem ist, dass das Profiling oftmals eine reine Augenwischerei, ein Marketing-Gag, ist, zumal der Kunde nach § 2 des SGB II ja ohnehin gezwungen ist, alles in seiner Macht stehende zu tun, um den Leistungsbezug zu überwinden. Zwar sagt man dem Kunden üblicherweise: „Herr XYZ, wir machen dieses Profiling, damit wir Ihnen passende Vermittlungsvorschläge zukommen lassen und Sie baldmöglichst in eine sv-pflichtige Arbeit integrieren können, die Ihren Kenntnissen und Vorstellungen entspricht“. Aber in der Realität hat der Kunde keinerlei rechtliche Handhabe zu sagen: „Moment mal, das passt doch hinten und vorne nicht, das hatten wir doch ganz anders abgesprochen“. Er muss jeden nicht sittenwidrigen Job annehmen, egal, wie mies das Matching auch sein mag. In Verbis wird die Matching-Quote übrigens durch 5 Balken visualisiert dargestellt. 5 Balken = perfektes Match, 4 Balken = hohes Match, 0 Balken = völlig unpassendes Stelle. Dabei ist es so, dass man natürlich zunächst mal bemüht ist, die 5 Balken-Matches auszuwählen und an den Kunden zu schicken. Aber wenn es keine solchen gibt, greift man eben auf die weniger passenden zurück. Und wie erwähnt: Selbst die hochgradig "passenden" Stellen sind oft unpassend, wenn die Eingangs-Datenqualität schon schlecht ist. Aber das ist dann eben auch egal, denn der Kunde muss ja eh alles machen...

Viele Köche verderben den Brei: Erschwerend kommt hinzu, dass ganz unterschiedliche „Arbeitsvermittler“ dem Kunden Vermittlungsvorschläge zukommen lassen, nämlich der PAP, der BOV (Bewerberorientierter Vermittler) und der AGS-AV (Vermittler des Arbeitgeberservice). Und alle dieses Vermittlungsvorschläge ergehen üblicherweise im Namen des zuständigen PAP, obwohl der die vielleicht gar nichts rausgeschickt hat. Dies ist deshalb nicht immer glücklich, weil der PAP ja – auch bei 400 Kunden – in der Regel bei manchen Kunden doch weiß, dass die bestimmte Sachen nicht machen können, obwohl das Profiling vielleicht was anderes aussagt. Der PAP würde dem Kunden einen bestimmten Vermittlungsvorschlag also vielleicht nicht rausschicken, ein AGS-AV macht es aber im Namen des PAP dennoch. Dann kommt alsbald ein wütender Kunde ins Büro und beschwert sich: „Was soll der Scheiß? Sie wissen doch, dass ich das nicht machen kann. Haben wir doch besprochen.“ PAP: „Wovon reden Sie? Ich habe Ihnen nix geschickt!“ Kunde: „Klar haben Sie. Hier, steht doch Ihr Name drauf!“ PAP: „Ne, das ist nicht von mir. Das kommt vom AGS. Die schreiben das nur in meinem Namen…“ Klar, dass sowas völlig inkompetent wirkt auf den Kunden. Es ist aber bisweilen Realität.

Wer nicht untersucht wurde, ist gesund: Hochproblematisch sind auch die diversen Mismatches, die sich im Kontext gesundheitlicher Einschränkungen ergeben. Dazu sei angemerkt, dass der PAP angehalten ist, immer dann ein ärztliches Gutachten durch den ärztlichen Dienst des JC einzuleiten, wenn ein Kunde angibt, unter gesundheitlichen Einschränkungen mit Einfluss auf die Vermittlung zu leiden. Das Problem ist nur, dass die Einschaltung des ÄD kontingentiert ist. Das heißt, jeder PAP kann pro Monat nur wenige Einschaltungen tätigen. Alle weiteren Einschaltungen müssen entweder auf die Folgemonate verschoben werden, oder die Beschwerden des Kunden werden missachtet. Denn was soll man machen? Man kann den ÄD nicht einschalten, wenn keine Einschaltung frei ist. Also schreibt man ins Profiling: „Keine gesundheitlichen Einschränkungen!“ Und selbst wenn Einschränkungen offensichtlich sind, der ÄD aber erst in 7 Wochen oder später eingeschaltet werden kann, wird der Kunde als voll arbeitsfähig gewertet, weil das Gegenteil ja erst durch den ÄD festgestellt werden muss! Also ergehen mitunter Vermittlungsvorschläge auf Stellen, von denen man als PAP weiß, dass der Kunde sie nicht ausüben kann, man aber keine Handhabe hat, das zu unterbinden, weil das Profiling, aufgrund dessen der AGS Vermittlungsvorschläge rausschickt, aussagt, der Kunde habe keine Einschränkungen.

Die Angst macht gefügig: Ein weiteres Problem ist, dass seitens der Teamleitung oft nachgehalten wird, wie viele Vermittlungsvorschläge man raushaut. Auf den Punkt gebracht: Viele Vermittlungsvorschläge = gute Arbeit, wenige Vermittlungsvorschläge = schlechte Arbeit. Also ist man, befristeter Vertrag und das Elend HARTZ IV täglich vorm Schreibtisch habend sei Dank, natürlich bestrebt, alles zu tun, um eine gute Arbeitsbewertung zu bekommen und sich so die Chance auf eine Vertragsverlängerung zu erhalten. Denn man hat natürlich existenzielle Angst, selbst in HARTZ IV zu landen, weil man tagtäglich sieht, wie schnell das gehen kann. Man haut also Vermittlungsvorschläge raus, was das Zeug hält, sanktioniert, wo immer es geht, weist Kunden in Maßnahmen zu, sobald die Teamleitung sagt, Maßnahme XYZ muss gefüllt werden, und tut überhaupt alles, was von einem verlangt wird, wie immer man selbst dazu auch stehen mag. Der hohe Krankenstand, bisweilen auch der Zynismus und der abgestumpfte Dienst nach Vorschrift in vielen JC sprechen diesbezüglich ja Bände. Ich verweise in diesem Kontext auch mal auf diesen Thread hier.

Der Fehler liegt im System: Das oben geschilderte soll nun keineswegs als Entschuldigung für respektloses oder rechtswidriges Verhalten den Bürgern gegenüber aufgefasst werden. Ich wollte lediglich aus meiner persönlichen Sicht als ehemaliger JC-Mitarbeiter eine Erklärung dafür geben, wie es zu solchen Zuständen kommen kann. Wie sagte schon Brecht: „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“ Auf mich traf das als PAP ohne Zweifel zu. Und viele hier im Forum wären erstaunt, wie vielen meiner EX-Kollegen es ähnlich ging. Und ich bin sicher: Viele hier wären ebenso erstaunt, wie sehr und wie schnell sie sich ins BA-System einfügen würden, wären sie dort plötzlich als Mitarbeiter und nicht länger als „Kunden“ in Beschäftigung.
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Alt 07.09.2012, 08:45   #14
Bethany
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Standard AW: Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

Bisher nur Müll, der kam:

Callcenter Outbound
ZAFen
über einen Dritten Angebot in einer Klinik am Empfang (bin keine Arzthelferin)
in meinem erlernten Beruf bei AG, die perfektes Türkisch verlangt haben (kann nicht mal 1 Satz türkisch)
in meinem erlernten Beruf bei einer AG, die aus 40 h laut Vertrag 60 gemacht hat und am letzten Tag der Probezeit: Bye bye
Angebote, die gegen das ArbZG verstoßen haben (10 h 6 Tage die Woche und Doppelschichten, wenn nötig)
...
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Alt 07.09.2012, 09:24   #15
verona
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verona verona verona verona verona verona
Standard AW: Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

Sei drei Jahren nichts. Auch auf meine Anfrage hin, durchsuchte die SB lediglich die Jobangebote auf deren Internetseite. Wobei mir die Angebote bekannt waren. Kam nichts in Frage.
Dies und alles andere nur, wenn ich eine EGV unterschreiben würde.
__

L.G. Verona

Was die Menschen am besten können, ist, neue Informationen so zu filtern, dass bestehende Auffassungen intakt
bleiben.

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Alt 07.09.2012, 09:28   #16
hartz5
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hartz5 Enagagierthartz5 Enagagierthartz5 Enagagierthartz5 Enagagierthartz5 Enagagierthartz5 Enagagierthartz5 Enagagierthartz5 Enagagierthartz5 Enagagierthartz5 Enagagierthartz5 Enagagiert
Standard AW: Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

Burnstorn....danke für die Ausführungen....

Arbeitsvermittlung der JC ist leider als Sanktionsmittel unverzichtbar und wird, meiner Meinung nach, durch Fakes und mindere Qualität der Jobbörse zielgerecht eingesetzt....Um Arbeitsvermittlung geht es schon lange nicht mehr.....
__



Der menschliche Horizont ist der Abstand zwischen Kopf und Brett









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Alt 07.09.2012, 11:00   #17
Berlin50
 
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Berlin50 Möchte sein Renommee nicht öffentlich anzeigen...
Standard AW: Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

Also echt, @BurnsTorn

Ich habe kein Mitlied mit Deiner Rechtfertigung, warum man so handelt, weil .... unzählige Ausreden.

Dieses System muß man bekämpfen als Mitarbeiter und darf sich nicht unter die Juchtel von Vorgesetzten vereinnahmen lassen. Schon gar nicht darf man die Zustände hinnehmen. Du hast es mit Menschen zu tun, die meist unschuldig in diese Situation gekommen sind. Das wird immer vergessen, ausgeblendet und politisch nicht beim Namen genannt.
Die Würde des Menschen muß geachtet werden.

Ehrlich, Hartz IV ist erst durch Euch Mitarbeiter so ausgeartet, weil Ihr Euch von Anfang an habt unterbuttern lassen, hörig wart und nicht Beschwerde/Druck an höchsten Stellen ausgeübt habt. Ihr seit Feiglinge vor dem Herrn. Und das hätte nichts mit Verlust des Arbeitsplatzes zu tun gehabt. Sondern wäre eine verdammte Pflicht als verantwortungsvollen Bürger/Amtsperson gewesen.

Durch Eure Feigheit habt Ihr das Gesetz erst verschärft und zugelassen, daß die Deutschen in die Knie gezwungen wurden. In Deutschland gab es noch nie so viele Existenz-Ängste und Unterwürfigkeit gegenüber anderen Personen, wie in Zeiten von Hartz IV.

Wenn Ihr Euch in Massen geweigert hättet, unter diesen würdelosen Gesetzmäßigkeiten tätig zu werden, Sanktionen auszuüben, weil Arbeitslose ein Grundrecht auf sozialer Absicherung haben, wären im Laufe der Zeit keine Verschärfungen möglich gewesen.

Die Diskussion wäre neu entfacht und hätte positivere Auswirkungen gehabt und Diskrimierungen verhindert. Unsere gesamte Gesellschaft wäre nie ein Haufen von Untertanen geworden.

Den Schuh als untätigen ehemaligen Mitarbeiter würde ich mir anziehen. Es ist eine Schande, sich hier zu erklären und noch Mitleid/Verständnis zu erzeugen.

LG
__

Kenn die Gesetze nicht, aber viele Tricks.
Berlin50 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.09.2012, 12:13   #18
BurnsTorn
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard AW: Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

Zitat von Berlin50 Beitrag anzeigen
Also echt, @BurnsTorn

Ich habe kein Mitlied mit Deiner Rechtfertigung, warum man so handelt, weil .... unzählige Ausreden.
Ich brauche auch kein Mitleid. Ich kann sehr gut mit mir leben. Ich habe nichts getan, was ich nicht vor mir verantworten konnte und auch nichts, wass ich nicht wieder so tun würde. Ich finde es einfach weltfemd, wenn Leute sich als bessere Menschen stilisieren und sich befugt fühlen, eine fiktive Moralkeule zu schwingen, von der sie nur mutmaßen können, wie sie in der Realität tatsächliche schwingen würden. Fakt ist: Ist war einige Zeit auf ALG II, bevor mir die Stelle im JC angeboten wurde. Ich habe sie damals angenommen und ich würde, wäre ich heute wieder in der gleichen Situation, sofort wieder so handeln, denn zwischen 780 € ALG 2 und 2800 € Gehalt als PAP lagen doch Welten. Dazu wird es aber nicht kommen, zumal ich mittlerweile unbefristet und besser bezahlt in anderer Position im öffentlichen Dienst arbeite.

Zitat von Berlin50 Beitrag anzeigen
Also echt, @BurnsTorn
Dieses System muß man bekämpfen als Mitarbeiter und darf sich nicht unter die Juchtel von Vorgesetzten vereinnahmen lassen.
Als Arbeitsloser sagt sich das immer leichter als jemand, der gerade nicht wieder zum Arbeitslosen werden will. Auf dem Papier (bzw. in einem Forum) eine hohe Moral zu haben und diese anderen zu predigen, ist immer leicht. Besagte Moral aber auch unter Realbedingungen umzusetzen, d.h. zu überlegen und mit sich zu ringen, wo man bereit ist, ggfs. Abstriche zu machen, was man hingegen nicht zu tun willens ist, um die eigenen Werte nicht zu unterminieren, ist die Kunst des praktisch Machbaren. Und darum geht es bei der Arbeit immer!

Und was den Kampf wider das System angeht: Manche Ausprägungsformen des aktivierenden Sozialstaates bekämpfe ich als überzeugter Linker und ebensolches Parteimitglied durchaus. Ich bin aber kein fundamentaloppostioneller Ideologe, der stets nur immer das Schlechteste sieht. Ich trete als politisch aktiver Sozialist wie auch als Beistand zwecks JC-Begleitungen in meiner Freizeit für eine Veränderung des Systems ein. Und für eine solche Veränderung habe ich - zugegebenermaßen mit Einschränkungen - auch während meiner Vermittler-Tätigkeit eingestanden, ohne je einen Hehl daraus gemacht zu haben. Ein gewisses Maß an Arrangement ist dafür aber eben unabdingbar, weil man seinen Job sonst ganz schnell wieder los ist.

Zitat von Berlin50 Beitrag anzeigen
Schon gar nicht darf man die Zustände hinnehmen. Du hast es mit Menschen zu tun, die meist unschuldig in diese Situation gekommen sind.
Gut, dass du mich daran erinnerst. Wäre ich selbst gar nicht drauf gekommen, dass ich es mit Menschen zu tun hatte. Ich ging immer davon aus, ich prozessierte Topfpflanzen...

Zitat von Berlin50 Beitrag anzeigen
Ehrlich, Hartz IV ist erst durch Euch Mitarbeiter so ausgeartet, weil Ihr Euch von Anfang an habt unterbuttern lassen, hörig wart und nicht Beschwerde/Druck an höchsten Stellen ausgeübt habt. Ihr seit Feiglinge vor dem Herrn. Und das hätte nichts mit Verlust des Arbeitsplatzes zu tun gehabt. Sondern wäre eine verdammte Pflicht als verantwortungsvollen Bürger/Amtsperson gewesen.
Das zeigt doch, dass du von interen Abläufen im JC wirklich keine Ahnung hast. Und genau daran will ich doch etwas ändern, indem ich hier die Sicht eines Ehemaligen wiedergebe. Was soll an dieser Aufklärungsarbeit falsch sein. Ich will nichts relativieren, sondern schlicht informieren. Und dann kann sich jeder seine Meinung bilden. Klassicher Diskurs eben, einen anderen Anspruch erhebe ich nicht. Und die Feststellung, dass du offenbar keine Ahnung von den Abläufen im JC hast, ist auch nicht als Kritik gemeint. Woher solltest du darüber auch bescheid wissen, wenn du nie da gearbeitet hast? Genau deshalb aber verweise ich doch darauf! Hättest du mal im JC gearbeitet, wüsstest du beispielsweise auch, dass es durchaus massive Klagen gegen dieses System seitens der Mitarbeiter und Personalräte gab und gibt, dass es auch in den Rechtsabteilungen der JCs rechtliche Bedenken gegen bestimmte Verfahrensvorgaben und Handlungsempfehlungen gibt, dass ein mieses Arbeitsklima auch deshalb herrscht, weil Mitarbeiter unzufrieden sind mit dem, was sie da tun müssen. Es wurde und wird viel Druck gemacht.

Aber nochmal: Gleichsam muss man, so man seinen Job behalten will, die Balance wahren und wissen, dass man, so man dies auf die Spitze treibt, dann eben irgendwann die Wahl hat: Schnauze halten oder gehen. Die meisten wählen dann erstere Option. Die meisten hier im Forum würden, davon bin ich überzeugt, es vermutlich auch tun, so sie in der gleichen Situation wären. Hier brüstet man sich, so scheint es, gelegentlich aber eben gerne mit der eigenen moralischen Erhabenheit, derzufolge das Amt alles Schlechte und Böse der Welt auf sich vereint und die Leistungsberechtigten durch die Bank nur Gutmenschen sind, die durch allesamt sadistische PAPs unterdrückt und ihrer Rechte beraubt werden. Gegen dieses pauschale Zerrbild wehrere ich mich bei aller berechtigten Kritik, die ich am System HARTZ IV teile.

Zitat von Berlin50 Beitrag anzeigen
Durch Eure Feigheit habt Ihr das Gesetz erst verschärft und zugelassen, daß die Deutschen in die Knie gezwungen wurden. In Deutschland gab es noch nie so viele Existenz-Ängste und Unterwürfigkeit gegenüber anderen Personen, wie in Zeiten von Hartz IV.
Die Verantwortung dafür liegt aber nicht bei den Mitarbeitern, sondern bei der Politik. Würde, was ich sehr begrüßen würde, der ALG II Regelsatz von einem Tag auf den anderen auf 500 € angehoben und entfielen jedwede Sanktionen, so würden diejenigen Mitarbeiter in den Jobcenter, die dort jetzt bereits arbeiten, die neuen Vorgaben genauso strikt umsetzen wie sie es jetzt größtenteils bereits tun. Man macht eben nicht nur im Jobcenter, sonder praktisch in jeder Organisation, in der man fremdbestimmt tätig ist und seine Arbeitskraft verkauft, das, was einem gesagt wird, solange es nicht massiv gegen das eigene Rechtsempfinden verstößt. Das nennt sich "Indifferenz-Zone" und es ist unabdingbar für das Funktionieren moderner arbeitsteiliger Gesellschaften.

Zitat von Berlin50 Beitrag anzeigen
Wenn Ihr Euch in Massen geweigert hättet, unter diesen würdelosen Gesetzmäßigkeiten nicht tätig zu werden, Sanktionen auszuüben, weil Arbeitslose ein Grundrecht auf sozialer Absicherung haben, wären im Laufe der Zeit keine Verschärfungen möglich gewesen.
Falsch. Wer sich offen weigert, fliegt eben einfach raus. Es ist meiner Meinung nach völlig fehl am Platz, hier als Außenstehender zu meinen, wohlweise Ratschläge geben zu können, wie man sich am besten doch verhalten sollte.

Zitat von Berlin50 Beitrag anzeigen
Die Diskussion wäre neu entfacht und hätte positivere Auswirkungen gehabt und Diskrimierungen verhindert. Unsere gesamte Gesellschaft wäre nie ein Haufen von Untertanen geworden.
Wieder falsch. Gerade Deutschland war schon immer mehr oder weniger durch sein Untertanentum geprägt, was Heinrich Mann bekantermaßen schon 1918 persiflierte. Und auch Immanuel Kant schrieb bereits, dass der Deutsch sich unter allen zivilisierten Völkern am leichtesten und dauerhaftesten der Regierung füge. Es gibt aber auch dutzende sozialpsychologische Untersuchungen, die zeigen, dass dies ein Phänomen ist, dass nicht so sehr am ethisch-kulturellen Charakter eines Volkes festzumachen ist, als vielmehr dem Bedürfnis nach Konformität, Gruppenzugehörigkeit, Führung und Anweisung geschuldet ist. Im Klartext: Die meisten Menschen haben es lieber, dass jemand ihnen sagt, was sie tun sollen, als selbst eigenverantwortlich zu denken, zu entscheiden und zu handeln. Das ist manchmal bitter und es kann mitunter fatale Folgen haben, aber nichts desto trotz ist es zutreffen. Wie sagte schon Dietrich Dörner: "Führer befiehl, wir folgen dir - das ist die Devise der Dummen." Indes: Es ist leider auch die Devise der Mehrzahl der Menschen.

Zitat von Berlin50 Beitrag anzeigen
Den Schuh als untätigen ehemaligen Mitarbeiter würde ich mir anziehen. Es ist eine Schande, sich hier zu erklären und noch Mitleid/Verständnis zu erzeugen.
Es ist dein gutes Recht, das so zu sehen. Ich sehe es anders. Ich empfinde meine Erklärungen nicht als mitleidserzeugen. Warum auch? Mitleid habe ich als gut verdienender Sozialreferent wahrlich nicht nötig. Ich verstehe obige Ausführungen schlicht als emotionslose Sachstandsschilderungen, eben als Erläuterung dafür, warum etwas meiner subjektiven, durch Erfahrungswissen geprägten, Einschätzung nach geschieht. Wer das nicht zur Kenntnis nehmen will und meint, darin eine Schnade erkennen zu können, meinetwegen. Ich empfinde und empfand es jedenfalls immer als eine Bereicherung und Horizonterweiterung, wenn mir Leute Einblicke ermöglichten bzw. sie mir neue Blickwinkel auf einen mich interessierenden Sachverhalt gewährten. Genau das versuche ich auch, wenn ich mal in der Postition bin...
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Alt 07.09.2012, 12:53   #19
Knorke->Emailproblem
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Knorke
Standard AW: Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

Zitat von Ranja Beitrag anzeigen
Ja so ist es.
Antrag auf Englischkurs wurde abgelehnt.

Trotzdem erhalten ich VV ZAF, in denen verhandlungssicheres Englisch verlangt wird.

Genau dasselbe ist bei mir ebenfalls der Fall!
Das einzigste was mir dann "bewilligt" wurde bzw. wo ich dann hineingezwungen wurde nach dem Antrag, war irgendeine Sinnlos Maßnahme die als Ziel nur Beschäftigungstherapie hat.
Wenn man etwas vom Amt haben möchte was einen weiter bringt im Job so scheint mir lehnen die es rigoros ab.
__

Ihr gießt nur weiter Öl ins Feuer,
Instinkte werden wach in mir
Diagnose Paranoia.
Die Türe schließt sich hinter mir,
ich liege hier total fixiert,
doch völlig wehrlos bin ich nicht.
Zweifellos bin ich in Freiheit
denn meine Seele brecht ihr nicht.
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Alt 07.09.2012, 12:55   #20
michel73
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michel73 michel73
Standard AW: Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

Zitat von BurnsTorn Beitrag anzeigen
Wie sagte schon Dietrich Dörner: "Führer befiehl, wir folgen dir - das ist die Devise der Dummen." Indes: Es ist leider auch die Devise der Mehrzahl der Menschen.
Jobcenter lässt grüßen
michel73 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.09.2012, 13:53   #21
Berlin50
 
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Standard AW: Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

@BurnsTorn

Na ja, was hätte ich auch anderes erwarten können, als so einen Mist zu lesen.

Ich schrieb von der Zeit ab 2005 und was in der Zwischenzeit durch Existenzängste in der Gesellschaft durch die Mitschuld von Mitarbeitern in den JC so angerichtet wurde.

Die Zeiten in den 70iger, 80iger Jahren scheinst Du nicht erlebt zu haben. Da hieß es "Arbeiterverräter", wenn man nicht über Streiks/Demos Rechte eingefordert hätte. Und die Anstiftung von Vorgesetzten andere Menschen zu diskrimieren, hätte den Ausschluß im Kollektiv bedeutet.

Wieso können z.B. Bahnangestellte, Zug- und Flugbegleiter, BVG, Ärzte, Bauern u.a. streiken, demonstrieren, nur die Mitarbeiter in Jobcentern nicht? Sie alle wehren sich gegen Gesetze, Löhne und unzumutbare Arbeitsanweisungen/-verhältnisse. Wieso weigern sich Mitarbeiter in JC nicht, Sanktionen zu verhängen? Wer seit Ihr eigentlich, dies nicht zu tun? Ausübende Figuren im letzten Glied der Kette? Ihr könnt nichts dafür? Aber natürlich. Ihr und nur Ihr seit Schuld, daß ein Existenzminimum gekürzt wird. Politiker kürzen ja nicht.

Deine Rechtfertigung auf´s Geld zu schauen, ist so typisch in der heutigen Zeit, daß mir das K... kommt. Du unterscheidest Dich kein bißchen von denjenigen, die Dich unter Druck setzen. Ich bleibe dabei, Du bist ein Feigling und kapierst nichts.



LG
__

Kenn die Gesetze nicht, aber viele Tricks.
Berlin50 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.09.2012, 14:47   #22
BurnsTorn
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Standard AW: Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

Zitat von Berlin50 Beitrag anzeigen
@BurnsTorn

Wieso können z.B. Bahnangestellte, Zug- und Flugbegleiter, BVG, Ärzte, Bauern u.a. streiken, demonstrieren, nur die Mitarbeiter in Jobcentern nicht?
Können und tun sie doch, sofern es sich um Angestellte handelt. Siehe zwecks dessen z.B. dies, dies und dies hier. Damit im Kontext stehend siehe auch das, das und das hier. Es wäre wohl angebracht, du informiertest dich einfach mal, bevor du hier unhaltbare Behauptungen aufstellst. Aber sich Informationen einzuholen und Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen, sie mit eigenen Vorurteilen und Mutmaßungen zu kontrastieren und sie zu reflektieren, scheint dir nicht wirklich zu liegen.
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Alt 07.09.2012, 15:02   #23
BurnsTorn
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Standard AW: Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

Zitat von Berlin50 Beitrag anzeigen
@BurnsTorn

Ich bleibe dabei, Du bist ein Feigling und kapierst nichts.
Naja, wenn es feige ist, sich im Fall der Fälle für einen gut bezahlten Job und gegen Hartz IV zu entscheiden, bin ich gerne feige. Und wenn nichts zu kapieren bedeutet, ein gesichertes Auskommen bei 38,5 Std. pro Woche mit relativ freier Zeiteinteilung, 30 Tagen Urlaub im Jahr sowie Weihnachtsgeld (80% des monatlichen Entgeltes) und Zusatz-Altersversorgung durch den TVL zu haben, dann bin ich lieber begriffsstutzig, als stoisch arbeitslos und mit unverrückbarer moralischer Integrität "gesegnet" zu sein. Moralisches Belehren ist ja schön und gut, aber satt wird man davon nicht...
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Alt 07.09.2012, 15:10   #24
alpha
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Standard AW: Umfrage: Qualität der Arbeitsvermittlung

Naja, das ist deutsche Mentalität, ich würde dem ehem. MA des JC (Burnstorn) da nun nicht zu hart ins Gericht nehmen. Wie er schon schrieb, falls einer von uns da nen gut dotierten Vertrag bekäme, wären sicher ein Anteil von uns bereit unsere eigenen ex-"Kameraden" in den ***** zu treten (auf entsprechenden Druck der Vorgesetzten). Das wird natürlich nicht gern offen zugegeben, aber es ist menschlich (siehe auch Stanford Prison Experiment zB). Man sollte realistisch sein und nicht rumträumen........

Moral/Ethik wird ebenso oft von Gier verdrängt, das sieht man ja bestens bei Politikern, Bankstern und Managern.
__

- Meine Beiträge im Forum stellen lediglich meine pers. Meinung dar und sind nicht als Rechsberatung oder Fakten ...etc. anzusehen
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Alt 07.09.2012, 15:13   #25
Bethany
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Zitat von BurnsTorn Beitrag anzeigen
Naja, wenn es feige ist, sich im Fall der Fälle für einen gut bezahlten Job und gegen Hartz IV zu entscheiden, bin ich gerne feige. Und wenn nichts zu kapieren bedeutet, ein gesichertes Auskommen bei 38,5 Std. pro Woche mit relativ freier Zeiteinteilung, 30 Tagen Urlaub im Jahr sowie Weihnachtsgeld (80% des monatlichen Entgeltes) und Zusatz-Altersversorgung durch den TVL zu haben, dann bin ich lieber begriffsstutzig, als stoisch arbeitslos und mit unverrückbarer moralischer Integrität "gesegnet" zu sein. Moralisches Belehren ist ja schön und gut, aber satt wird man davon nicht...
Kannst du mit dir leben, wenn du andere Leute in die Obdachlosigkeit, ins Grab oder in die Kriminalität treibst?

Kannst du damit leben, dass Leute dank Sanktionen, die du ausgesprochen hast wegen Kleinigkeiten wie versäumter Termin die Lebensgrundlage entziehst?
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