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ALG I Rund ums Thema Arbeitslosengeld I


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Alt 15.10.2012, 16:43   #1
Omnia85->Emailproblem
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Registriert seit: 15.10.2012
Beiträge: 8
Omnia85
Standard Kündigung wegen Krankheit - ALG Anspruch?

Hallo zusammen,

ich brauche dringend Rat... Ich habe momentan eine ganz brisante Situation auf der Arbeit.

Ich war dieses Jahr recht häufig krank, was allerdings immer was mit Erkältung zu tun hatte, bis auf ein Mal.
Jetzt soll ich Montag zum Betriebsarzt und mir geht total die Muffe.

Auf der Arbeit ist bekannt, dass ich psychische Probleme habe. Nun hat mich heute der Betriebsleiter angesprochen, ob meine Fehlzeiten auf psychosomatische Probleme zurückzuführen sind. Ich hab natürlich nein gesagt... Ich muss ganz ehrlich sagen, ich weiß es aber selbst nicht genau. Seit ich mir letztes Jahr eine Erkältung verschleppt habe, bin ich ständig krank. Immunsystem im Eimer... Ich hab oft viel Stress und Druck auf der Arbeit. Manchmal zieht mich das alles da ganz schön runter. Auf der anderen Seite brauche ich meine Arbeit aber. Erstens würde ich verrückt, wenn ich arbeitslos wäre und daheim sitzen würde auf der anderen Seite wäre ich finanziell ruiniert, ich komm ja so schon nur gerade so eben hin mit meinem Geld....

Ach und jedes Mal, wenn ich krank war, wurde ich von meinem Chef gedrängt trotzdem wenigstens stundenweise zu kommen, was ich auch gemacht habe, weil er mich so unter Druck gesetzt hat. Ich denke, ich hab mir so alles immer mehr verschleppt und mich halt nie richtig auskuriert... Davon will der Betriebsleiter allerdings nichts wissen, da ist er gar nicht drauf eingegangen, als ich das heute erzählt hab....

Mein Problem ist, dass ich vor ein paar Wochen tatsächlich eine Woche krank war wegen der Psyche. Mir ging es total dreckig, ich hab tagelang geheult.... Und das wird der Betriebsarzt ja auch erfahren, weil ich ihm entsprechende Unterlagen vorlegen muss.

Ich hab so Angst davor, dass ich jetzt gekündigt werde....

Mich würde mich interessieren, wenn die Firma mich wegen Krankheit kündigt, bzw der Betriebsarzt sagt, ich könnte die Tätigkeit nicht weiter ausführen, was passiert dann beim Arbeitsamt??? Kriege ich dann 3 Monate Geldsperre wegen Selbstverschulden?

Ich wäre für jeglichen Tipp und Hilfe dankbar!

LG
Omnia85 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.10.2012, 17:26   #2
gurkenaugust
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard AW: Kündigung wegen Krankheit - ALG Anspruch?

Zunächst das vielleicht Wichtigste vorab: Einzelheiten deiner Erkrankung, wie beispielsweise die Diagnose, gehen deinen Arbeitgeber nichts an. Du bist nicht verpflichtet, dazu Auskunft zu erteilen. Auch der Betriebsarzt darf dem Arbeitgeber dazu keine Auskunft erteilen, sondern ihm nur mitteilen, ob und inwieweit du bestimmte Tätigkeiten ausüben kannst. Paß auf, daß du dort nicht irgendwelche weitergehenden Schweigepflichtsentbindungen abgibst.

Laß dich bitte auch nicht unter Druck setzen, "halbkrank" zur Arbeit zu kommen. Eine verschleppte Erkrankung ist letztlich viel hartnäckiger und am Ende mit noch mehr Fehlzeiten verbunden als eine gründlich auskurierte. Das sollte auch dem Arbeitgeber bewußt sein.

Eine Sperrzeit bei der Arbeitsagentur wegen einer eventuellen krankheitsbedingten Kündigung ist ohnehin ausgeschlossen, da diese nicht auf ein arbeitsvertragswidriges Verhalten deinerseits zurückzuführen ist.

Für das Kündigungsrisiko müßte man zwei Dinge wissen:
1) Bist du jetzt länger als sechs Monate bei der Firma beschäftigt?
2) Hat die Firma (vereinfachend dargestellt) mehr als 10 Vollzeitbeschäftigte?

Falls beides mit "ja" zu beantworten ist, hast du Kündigungsschutz, kannst also nur bei Vorliegen eines gesetzlich zugelassenen Grundes, den der Arbeitgeber nennen und beweisen müßte, gekündigt werden.

Achte bitte bei einer Erkrankung unbedingt darauf, daß dem Arbeitgeber die AU-Bescheinigungen rechtzeitig und vor allem nachweislich vorliegen. Es könnte sonst versucht werden, einen Kündigungsgrund (nicht rechtzeitige Vorlage von AU-Bescheinigungen) zu konstruieren.
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Alt 19.10.2012, 11:51   #3
Omnia85->Emailproblem
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Registriert seit: 15.10.2012
Beiträge: 8
Omnia85
Standard AW: Kündigung wegen Krankheit - ALG Anspruch?

Ja aber ich gehe doch zum Betriebsarzt. Und wenn der sagt, ich kann den Job nicht mehr machen, weil zu viel Stress/Druck, dann können die mich kündigen. Und ich gehe momentan stark davon aus, dass das passieren wird...

Ist die Frage, ob ich dann auch Kündigungsschutzklage einreichen kann, weil finanziell bin ich bei einer Kündigung im Eimer.... Da wäre eine Abfindung nicht schlecht...

Ach ja, ich bin seit 5 Jahren bei der Firma und wir haben auch mehr als 10 Angestellte, sind aber trotzdem ein kleines Team hier in der Abteilung. Und ich fürchte, selbst, wenn der Arzt mich nicht kaputt schreibt, wollen die mich raus haben und drehen es dann so, dass meine Fehlzeiten unzumutbar sind für das Unternehmen... Hier ist momentan ne ganz komische Stimmung. Irgendwas ist da im Busch... Selbst eine Kollegin, auf die wir wirklich angewiesen sind, kriegt ihren Vertrag nicht verlängert, bzw. wird nicht übernommen....
Omnia85 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.10.2012, 16:01   #4
gurkenaugust
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard AW: Kündigung wegen Krankheit - ALG Anspruch?

Es kommt beim Kündigungsschutz nicht darauf an, wie groß die Abteilung ist, in der du arbeitest, sondern wieviel Beschäftigte die Firma hat. Nach deinen Angaben hast du den gesetzlichen Kündigungsschutz, kannst also nur beim Vorliegen triftiger Gründe gekündigt werden.

Zum Thema "krankheitsbedingte (personenbedingte) Kündigung" habe ich dir hier was rausgesucht: Kündigung - Kündigung wegen Krankheit - Hensche Rechtsanwälte

Das alles ist für den Arbeitgeber nicht so einfach. Es könnte deswegen versucht werden, verhaltensbedingte Gründe für eine Kündigung zu konstruieren. Deshalb würde ich dir raten, künftig peinlich genau auf die Einhaltung der Regeln des Arbeitsvertrages zu achten und auch sorgfältig entsprechende Beweise dafür zu sichern. Beispielsweise Krankmeldungen am Tag der Krankschreibung vorab per Fax an die Firma senden (nicht nur einfach anrufen) und dann die Bescheinigung umgehend per Einschreiben nachreichen. Auch sonstige Arbeitsregeln, die in der Vergangenheit vielleicht etwas lockerer praktiziert worden sind (beispielsweise Einhaltung der Arbeitszeiten oder private Nutzung des Internetanschlusses der Firma), solltest du jetzt genauestens einhalten.

Die Tatsache, daß du ärztlich bescheinigt häufiger krank bist, ist selbstverständlich kein Verstoß gegen den Arbeitsvertrag, berechtigt also zu keiner verhaltensbedingten (von dir selbst verschuldeten und daher vorwerfbaren) Kündigung.

Kündigungsschutzklage kannst du im Falle einer Kündigung immer einreichen. Hier mußt du aber unbedingt eine Frist von drei Wochen ab Zugang der Kündigung einhalten.

Sollte dir - auch das wäre möglich - der Arbeitgeber an Angebot zum Ausscheiden gegen Abfindung machen, solltest du dir zunächst Bedenkzeit ausbitten und alles Aspekte genau prüfen lassen - hinsichtlich Steuern, Arbeitslosengeld und allgemeiner Angemessenheit der Abfindung. Nichts spontan unterschreiben oder zusagen.

Was du aber auf gar keinen Fall tun solltest: deine Gesundheit vernachlässigen und halbkrank zur Arbeit gehen. Deine Gesundheit ist ein unschätzbares Gut und hat Vorrang vor allem anderen. Das muß dein Arbeitgeber schon kapieren. Also zögere nicht, dich krankschreiben zu lassen, wenn du dich tatsächlich krank fühlst.

Noch ein Nachtrag: wie schon erwähnt, unterliegt der Betriebsarzt auch gegenüber dem Arbeitgeber einer Schweigepflicht. Er darf diesem also im wesentlichen nur mitteilen, ob du für die Tätigkeit gesundheitlich (noch) geeignet bist oder unter welchen Bedingungen. Kann dich der Arbeitgeber auf deiner alten Stelle deshalb nicht mehr beschäftigen, darf er nicht einfach kündigen, sondern muß sich zunächst um die Zuweisung einer anderen, für dich gesundheitlich geeigneten und zumutbaren Tätigkeit im Betrieb bemühen. So schnell geht das mit der Kündigung also auch wieder nicht. Warte hier erst einmal ab. Unterschreibe beim Betriebsarzt keine Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht gegenüber dem Arbeitgeber, welche über die oben genannten allgemeinen Angaben hinausgeht.
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Alt 19.10.2012, 18:52   #5
Omnia85->Emailproblem
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Registriert seit: 15.10.2012
Beiträge: 8
Omnia85
Standard AW: Kündigung wegen Krankheit - ALG Anspruch?

Super, vielen lieben Dank für die ausführliche Antwort!

Ich achte schon die ganze Woche sehr genau auf das, was ich mache... eigentlich ist es mir ja mittlerweile schon fast egal, wenn die mich rausschmeißen, aber ich will nicht wegen Eigenverschulden gehen müssen...

Was du mir da rausgesucht hast...
Unter anderem steht da ja ...wenn der Betriebsfrieden durch die ständige Mehrbelastung von Arbeitskollegen gestört wird...

Ich habe mir einen Vorwurf vom Betriebsleiter anhören müssen, der genau darauf hinaus läuft...

Ich weiß nicht genau, wie viele Krankheitstage ich habe von diesem Jahr, ich schätze aber es werden nicht mehr als 20 sein... Dann ist das gesetzlich ja auch noch im Rahmen...
Omnia85 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.10.2012, 19:55   #6
gila
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gila Möchte sein Renommee nicht öffentlich anzeigen...
Standard AW: Kündigung wegen Krankheit - ALG Anspruch?

Schade, dass es hier nicht weiter geht ... das Thema ist sehr interressant ... inwieweit ÜBERHAUPT es zu den Aufgaben eines Betriebsarztes gehört, über die Befindlichkeiten der Angestellten zu "wachen" und derartige "Untersuchungen" zu führen.

Außer der Aufgaben für die arbeitsmedizinische Vorsorge erschließt sich das mir eigentlich NICHT.
__

Wer berühmt genug ist, muss nicht fürchten, zur Vernunft gebracht zu werden.
aus: "Altersglück" - Vom Segen der Vergesslichkeit
Autor: Dietmar Bittrich (Gummibärchenorakel)
gila ist offline   Mit Zitat antworten
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