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ALG 1 - Sanktion, Kürzung, Sperrzeit Alles rund um Sanktionen/Sperrzeiten bei ALG 1


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Alt 07.12.2016, 21:14   #1
arbeitslooser
Elo-User/in
 
Registriert seit: 20.08.2012
Beiträge: 15
arbeitslooser Möchte sein Renommee nicht öffentlich anzeigen...
Standard Aufhebungsvertrag = automatisch Sperrzeit?!

hallo liebe mitstreiter,

zunächst einmal ein "DANKESCHÖN" für euer großes engagement. es ist auf jeden fall wichtig, dass man sich gegenseitig hilft, gerade wenn man - so wie wir - keine lobby hat und man als arbeitsloser gerne mal von den medien und politikern als "SÜNDENBOCK" dargestellt wird.

es geht heute nicht um ein eigenes anliegen (ich bin noch in einem prekären beschäftigungsverhältnis gehalten, aber es hat auch sein gutes, wenn man vom amt weg ist, hallelujah), sondern um das problem eines freundes von mir.


er hat eigentlich immer gearbeitet und hatte - im gegensatz zu mir - auch noch nie länger mit dem arbeitsamt respektive jobcenter zu tun. aber einmal ist ja bekanntlich immer das erste mal...
er ist ein fähiger kerl mit einigen talenten und er hat ca. die letzten 4 jahre in einem callcenter sozialversicherungspflichtig gearbeitet. nachdem dort wieder einmal umstrukturiert wurde und wirklich unhaltbare zustände herrschten, hat er sich kurzfristig etwas anderes gesucht im bereich einzelhandel. im callcenter sollte er nämlich von einer beratenden tätigkeit hin zu einer eindeutigen vertriebstätigkeit "gedrückt" werden, wo dann die kunden im endeffekt "erpresst" werden sollten. ein kunde, der zb. wegen technischer probleme anruft, bekommt nur dann hilfe, wenn er auch etwas kauft, um es mal leicht überspitzt zu sagen. aber im prinzip läuft es so, ansonsten soll man den kunden abwimmeln und das gespräch kurz halten.
dazu kommen noch die rahmenbedingungen des jobs, die sehr, sehr hart sind. massiver druck, wechselschichten, sehr schlechte entlohnung, hoher stresspegel, intellektuelle unterforderung usw...
all das hat ihn deprimiert und letztlich hat er auch depressionen bekommen.

natürlich war irgendwo absehbar, dass im einzelhandel kein anderer wind weht. aber er wollte halt unbedingt aus dem callcenter raus und hat es woanders probiert.
aufgrund seiner ursächlich noch unbehandelten (ärztlich diagnostizierten) depressionen konnte er aber den neuen job auch nicht lange machen und nun hat er sich blöderweise vom chef einen aufhebungsvertrag aufdrücken lassen und den unterschrieben. ich habe ihn im vorfeld mehr als einmal gewarnt, KEINEN aufhebungsvertrag o.ä. zu unterschreiben, eben wegen der 3-monatigen sperre. aber er hat sich da wohl unter druck setzen lassen, leider...

welche möglichkeiten gibt es, dass er noch um eine sperrfrist herumkommt? hat jemand damit vielleicht sogar erfahrung? das gesetz lässt nach meiner interpretation ja ausnahme zu, so wie es definiert ist.
aber es zählt ja nunmal nicht, was ich denke oder glaube und erst recht nicht, was moralisch vielleicht angemessen wäre (er geht ja nicht aus spaß an der freud in den bezug).

ich wäre über hilfe sehr dankbar und leite das an ihn weiter. zwar habe ich ihm das forum hier zwar auch schon selber empfohlen, aber er meint, dass er gerade keinen kopf für sowas hat.. und da ich sein freund bin und weiß wie mies es ihm gerade (nicht nur deshalb) geht, kümmere ich mich mal um die sache, damit er wieder boden unter den füßen kriegt...

ok, über eure antworten freuen wir uns.
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Alt 07.12.2016, 23:17   #2
Doppeloma
Foren-Moderator/in
 
Registriert seit: 30.11.2009
Beiträge: 9.207
Doppeloma Doppeloma Doppeloma Doppeloma Doppeloma Doppeloma Doppeloma Doppeloma Doppeloma Doppeloma Doppeloma
Frage AW: Aufhebungsvertrag = automatisch Sperrzeit?!

Hallo arbeitslooser,

Zitat:
es geht heute nicht um ein eigenes anliegen (ich bin noch in einem prekären beschäftigungsverhältnis gehalten, aber es hat auch sein gutes, wenn man vom amt weg ist, hallelujah), sondern um das problem eines freundes von mir.
ist zwar irgendwo verständlich, dass du mit Job nicht viel Zeit über hast aber trotzdem kann man doch mal die "Suche" bemühen, du bist doch schon länger hier angemeldet und zu deiner Frage gibt es schon einige Antworten, denn die Probleme sind dabei immer wieder die Gleichen.

Zitat:
er hat eigentlich immer gearbeitet und hatte - im gegensatz zu mir - auch noch nie länger mit dem arbeitsamt respektive jobcenter zu tun. aber einmal ist ja bekanntlich immer das erste mal...
Dann hat er (vermutlich) aktuell Anspruch auf ALGI, ist dir bekannt ob er von seinem Einkommen "leben" konnte oder noch "aufstockend" ALGII bezogen hat ?

Zitat:
er ist ein fähiger kerl mit einigen talenten und er hat ca. die letzten 4 jahre in einem callcenter sozialversicherungspflichtig gearbeitet. nachdem dort wieder einmal umstrukturiert wurde und wirklich unhaltbare zustände herrschten, hat er sich kurzfristig etwas anderes gesucht im bereich einzelhandel. im callcenter sollte er nämlich von einer beratenden tätigkeit hin zu einer eindeutigen vertriebstätigkeit "gedrückt" werden, wo dann die kunden im endeffekt "erpresst" werden sollten. ein kunde, der zb. wegen technischer probleme anruft, bekommt nur dann hilfe, wenn er auch etwas kauft, um es mal leicht überspitzt zu sagen. aber im prinzip läuft es so, ansonsten soll man den kunden abwimmeln und das gespräch kurz halten.
Dieser Tätigkeitsbereich ist mir nicht ganz unbekannt, mich hat dieser Stress letztlich krank gemacht und über längere Kämpfe (bis zum Gericht) in die EM-Rente geführt, aber das nur nebenbei erwähnt ... seither versuche ich hier Manchen vor Fehlern zu bewahren, die ich teilweise selbst noch gemacht habe, ehe ich es "besser" wußte war es oft schon zu spät ...

Zitat:
natürlich war irgendwo absehbar, dass im einzelhandel kein anderer wind weht. aber er wollte halt unbedingt aus dem callcenter raus und hat es woanders probiert.
aufgrund seiner ursächlich noch unbehandelten (ärztlich diagnostizierten) depressionen konnte er aber den neuen job auch nicht lange machen und nun hat er sich blöderweise vom chef einen aufhebungsvertrag aufdrücken lassen und den unterschrieben. ich habe ihn im vorfeld mehr als einmal gewarnt, KEINEN aufhebungsvertrag o.ä. zu unterschreiben, eben wegen der 3-monatigen sperre. aber er hat sich da wohl unter druck setzen lassen, leider...
ER hätte besser den Arzt aufgesucht und sich AU schreiben lassen, um aus dieser psychischen Falle überhaupt wieder heraus kommen zu können, einen Stress-Job gegen den nächsten einzutauschen war schon keine gute Idee OHNE Behandlung seiner Probleme VOR diesem Schritt ...

Zudem hat er sich selbst damit nur finanziell sehr geschadet (er hätte aus beiden Jobs Anspruch auf Lohnfortzahlung, zumindest auf Krankengeld von der KK gehabt) und wenigstens "auf ärztlichen Rat" den Aufhebungsvertrag notfalls schließen können, obwohl auch das immer ein gewisses Risiko birgt.

Denn letztlich muss die AfA das als (medizinischen) Grund akzeptieren wollen, meist folgt dann noch eine "Begutachtung" durch den ÄD der AfA ... ist denn das Arbeitsverhältnis aktuell schon offiziell beendet ???

Zitat:
welche möglichkeiten gibt es, dass er noch um eine sperrfrist herumkommt? hat jemand damit vielleicht sogar erfahrung? das gesetz lässt nach meiner interpretation ja ausnahme zu, so wie es definiert ist.
Diese Ausnahmen gelten aber in der Regel NICHT wenn man sich selbst (sozusagen freiwillig) dazu entschließt ein Arbeitsverhältnis aufzuheben, weil man für sich selbst (ohne ärztliche Unterstützung) beschlossen hat, das so nicht mehr ertragen zu können.

Man sollte dann zumindest schon einen Arzt an der Seite haben, der das auch (aus bisheriger Behandlung) bestätigen kann und wird, wenn er noch gar nicht in Behandlung war / ist damit, dann dürfte es eher aussichztslos sein, eine solche Bestätigung zu bekommen (sozusagen rückwirkend wird sich da kein Arzt "in die Nesseln" setzen) ...

Zitat:
aber es zählt ja nunmal nicht, was ich denke oder glaube und erst recht nicht, was moralisch vielleicht angemessen wäre (er geht ja nicht aus spaß an der freud in den bezug).
Sollte das Arbeitsverhältnis aktuell noch nicht offiziell beendet sein, dann MUSS er endlich UND SOFORT zum Arzt und sich eine AU-Bescheinigung holen, die kann dann durchaus auch noch länger laufen, ehe er wirklich zur AfA muss.

Und er hätte einen medizinischen Beweis dafür in der Hand wie schlecht es ihm gerade geht, genau wie du kann hier auch Mancher nachvollziehen was aktuell mit ihm los ist aber das interessiert die Behörden (von denen er dann Geld braucht) nicht im Geringsten.

Ist er aktuell schon arbeitslos (das Arbeitsverhältnis wurde bereits abschließend beendet zum ???), dann hat er bereits mehr als EIN dickes Problem, denn er hat auch schon versäumt sich Arbeitsuchend / arbeitslos zu melden = 1 Woche Sperrzeit oben drauf.

Zitat:
ich wäre über hilfe sehr dankbar und leite das an ihn weiter. zwar habe ich ihm das forum hier zwar auch schon selber empfohlen, aber er meint, dass er gerade keinen kopf für sowas hat..
Für sein eigenes finanzielles Leben wird er aber jetzt ganz dringend "Kopf" haben müssen, ansonsten braucht er eigentlich nur noch überlegen wie er die nächsten 3 Monate finanziell existieren kann, auch seine Krankenversicherung ist aktuell in Gefahr wenn das Arbeitsverhältnis schon aktuell nicht mehr besteht, läuft in 1 Monat die gesetzliche "Nachversicherung" aus.

Für Krankengeld ist er dann schon aktuell NICHT mehr versichert, eigentlich bald nur noch für Notfallbehandlung, bis wieder Beiträge gezahlt werden von irgendeinem Leistungsträger, ansonsten fordert die KK das bei ihm direkt ein.

Falls das Arbeitsverhältnis aktuell noch besteht, dann kann er mit viel Glück (und dem richtigen Arzt) den Boden unter den Füßen wieder finden, dafür sollte er sich dann auch die Zeit nehmen, die vom Arzt für Notwendig gehalten wird.

In dieser Zeit braucht er sich bei der AfA dann noch nicht weiter für den Aufhebungsvertrag zu erklären, es würde genügen denen mitzuteilen, dass er ab Tag X arbeitslos ist aber bis auf weiteres AU-Krank ....

MfG Doppeloma
__

Ich gebe hier nur meine persönlichen Erfahrungen wieder und bitte diese nicht als Rechtsberatung aufzufassen!

Keine Einzelfall-Beratung per PN, alle Fragen bitte im Forum stellen !!!
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Alt 08.12.2016, 08:21   #3
Kerstin_K
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Beiträge: 7.655
Kerstin_K Kerstin_K Kerstin_K Kerstin_K Kerstin_K Kerstin_K Kerstin_K Kerstin_K Kerstin_K Kerstin_K Kerstin_K
Standard AW: Aufhebungsvertrag = automatisch Sperrzeit?!

Im Prinzip muss er nachweisen, dass das Arbeitsverhältnis auch ohne den Aufhebungsvertrag beendet worden waere.
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Alt 08.12.2016, 08:33   #4
bla47
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bla47 Möchte sein Renommee nicht öffentlich anzeigen...
Standard AW: Aufhebungsvertrag = automatisch Sperrzeit?!

Bei meinem Aufhebungsvertrag 2009 in der Krise führten 2 wichtige Dinge nicht zu einer Sperrzeit. Da war 1. der Zusatz im Vertrag: "Zur Vermeidung einer betriebsbedingten Kündigung....wird folgender Vertrag...." und 2. die strikte Einhaltung bzw. max. Ausnutzung der Arbeitgeber seitigen Kündigungsfrist ! Nur so wurde ich nicht schuldhaft ( frühzeitiger als vermeidbar ) arbeitslos.
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Alt 12.12.2016, 23:42   #5
arbeitslooser
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Beiträge: 15
arbeitslooser Möchte sein Renommee nicht öffentlich anzeigen...
Standard AW: Aufhebungsvertrag = automatisch Sperrzeit?!

hallo,

zunächst einmal ein dankeschön, besonders an doppeloma für ihre ausführliche antwort.
ja, du hast mit der suchfunktion: es war ne mischung aus bequemlichkeit und schusseligkeit. da ich selber lange zeit als moderator in einem forum tätig war, weiß ich auch ziemlich gut, wie sehr uns postings genervt haben zu themen, die schon zigfach durchgekaut wurden... dafür sorry nochmal.

mein bekannter hat ende letzter woche dann irgendwie erfahren, dass er kein ALG1 direkt erhält, sondern er muß jetzt ALG2 beantragen. warum das so ist, weiß ich nicht. er hat irgendwas von einer "krankmeldung ab dem letzten offiziellen arbeitstag" erzählt, aber was das genau bedeuten soll, schien er selbst nicht genau zu wissen.
und ICH hab es sowieso nicht verstanden, warum er kein ALG1 bekommen sollte, da er eigentlich fast immer durchgehend gearbeitet hat bis jetzt...


das ist jetzt allerdings eh nicht mehr so akut, da er nach einem donnerstag mit terminen beim amt und 2 verschiedenen beratungsstellen zum thema ALG einen nervenzusammenbruch erlitten hat und er -freiwillig- in die psychiatrie rein ist, weil er mental am limit war... jetzt gehts ihm aber schon besser und wir haben auch schon kurz telefoniert. er möchte erstmal noch da bleiben und etwas zur ruhe kommen. außerdem kriegt er wohl zumindest für diesen ämterwahnsinn einen sozialarbeiter an seine seite, der das mit ihm regelen wird.

er hat sich immer selber so einen druck gemacht und hatte wahnsinnige angst, in die mühlen des systems zu geraten. er hat es damals nämlich bei mir schon mitgekriegt, wie das jobcenter mich permanent drangsaliert hat, obwohl ich jetzt nicht gerade ein "querulant" o.ä. bin und auch nie unangenehm dort aufgefallen wäre. aber die haben damals das ganze programm abgespult: komplettsanktion bis auf null, den außendienst zur kontrolle rausgeschickt(wobei natürlich NICHTS beanstandet wurde und ich kenne bis heute nicht den genauen grund oder die ursache, warum damals 2 leute vom jobcenter zu mir zu besuch gekommen sind), sinnloseste maßnahmen sollte ich machen usw....
viele von euch kennen diesen wahnsinn. und mir hat das damals ja auch enorm zugesetzt und ich bin schwer depressiv geworden. aber das ist glücklicherweise laaaaangeeee her inzwischen...


mein kumpel hat halt ein paar jahre lang im callcenter gejobbt und obwohl ich auch nur schlechtes vom callcenter berichten kann (habe das auch mal eine zeitlang gemacht), war es bei ihm wohl auch nochmal ne ecke schlimmer.
und danach gings halt direkt in den einzelhandel bei ihm, was beim discounter natürlich auch kein zuckerschlecken ist... aber jetzt soll er erstmal "klarkommen" und sich auf sich selbst besinnen. ich hab ihm auch gesagt, dass er KEIN schlechtes gewissen haben braucht, dass er arbeitslos ist. ganz ehrlich: bei SOLCHEN JOBS kann niemand, wirklich NIEMAND, erwarten, dass alle menschen das gerne tun. besonders bei der MISERABLEN bezahlung. der mindestlohn ist auch eher ein schlechter witz und ich meine, dass 1200 € netto für vollzeitarbeit, 40std/woche, einfach zu wenig ist. wir reden ja nicht von jobs, die befriedigend sind und spass machen, sondern von zäher maloche, wo die stunden nicht schnell vergehen...


doppelomi, das ist sehr gut, dass du leute davor bewahren willst!

als ich im callcenter war (ich hab auch mehrere "callcenter" durch, allerdings nie besonders lange durchgehalten!), hab ich das ungefähr so erlebt: die arbeit an sich war in 1 laden sogar ganz ok: das war technischer support für eine große firma bzw. deren produkte.

wenn man (1.) diese tätigkeit DIREKT BEIM ANBIETER SELBER ausüben könnte (also gerade NICHT über einen outsourcer/subunternehmer), wenn man (2.) entsprechend ausgebildet/qualifiziert werden würde und (3.) ein ANGEMESSENES gehalt dafür bekäme, dann wäre so ein job natürlich um ein vielfaches attraktiver.
aber klar, wir leben im kapitalismus und da zählt nur der profit. menschen werden vpon anderen menschen ausgebeutet.
diese arbeit ist extrem stressig: zeitdruck, quotendruck, verkaufsdruck, genervte u. nervende kunden, unfähige vorgesetzte, extreme arbeitsplatzunsicherheit, verdienst unterhalb der armutsgrenze usw. usf.
MAN WIRD GANZ SCHLIMM VERHEIZT IN SOLCHEN LÄDEN und das was man im gegenzug dafür erhält, ist ein schlechter witz.

ich habe dort sogar einige (wenige) leute kennengelernt, die den job schon lange gemacht haben. aber das waren auch zum großteil zyniker, die ihre moralischen bedenken ausblenden konnten.

bei uns hiess es immer: "wenn ein kunde nur wegen einer störung anruft, dann wimmelt ihn ab!", dabei waren wir die offizielle entstörhotline einer sehr großen und bekannten firma!!!

die meisten großen konzerne, die produkte und/oder dienstleistungen anbieten, müssen eine kundenhotline unterhalten, um als ansprechpartner bei fragen erreichbar für die kunden zu sein. so eine hotline kostet ja erstmal nur geld und bringt dem unternehmen (finanziell) nichts.
also hat sich irgendein hochbezahlter unternehmensberater vom schlage eines PETER HARTZ überlegt, dass man doch diesen kundenkontakt auch als VERKAUFSGESPRÄCH nutzen könnte. das war sicherlich eine interessante idee in der theorie. aber in der praxis ruft ja zb. ein DSL-kunde, bei dem das internet nicht geht, bei seinem anbieter an, WEIL ER TECHNISCHEN SUPPORT und HILFE braucht und nicht etwa, weil er jetzt gerade auch noch einen neuen handyvertrag oder irgendein abo für sonstwas braucht.
SO FUNKTIONIERT DAS ABER SCHEINBAR FAST ÜBERALL INZWISCHEN.
und die großen anbieter verteilen ihr kundenaufkommen bzw. die kundenanrufe auf unterschiedliche callcenter. diese callcenter sitzen nicht unbedingt nur in ganz deutschland, sondern oft auch in rumänien, der türkei, ungarn, aber auch in argentinien und sogar in indien wird für deutsche firmen telefoniert.
diese mitarbeiter sind inhaltlich zumeist MISERABEL ausgebildet. ich habe es bei mehreren callcentern selten erlebt, dass man länger als 5 tage geschult wurde, selbst für komplexeste inhalte hatten wir einmal maximal 4 wochen und das war außergewöhnlich lange.
der grund ist simpel: solange man nur geschult wird, kann man nicht telefonieren. und schulungen kosten geld. deshalb wird man lieber ins kalte wasser geschmissen und die kunden haben dann inkompetente mitarbeiter dran, die oft nichtmal was dafür können...

und wenn ein kunde dann zb. wegen einer internet-störung anruft, soll man mit bestimmten verkaufstechniken versuchen, dem kunden einen handyvertrag anzudrehen. ja, das ist KEIN SCHERZ!! wer denkt sich so etwas nur aus?
und das schlimme daran ist ja: es funktioniert auch noch!! das schlimme ist, dass manche kollegen auch noch unsauber arbeiten. oder ich sage "betrügen" zu dem, was diese leute tun. gerade ältere und gutgläubige leute werden dann oft opfer solcher maschen.
aber ist ja auch nachvollziehbar, dass die mitarbeiter sowas tun, denn wer nicht gut verkauft, fliegt spätestens nach 6 monaten raus. außerdem ist der grundlohn ja meist nur der mindestlohn und das reicht vielen einfach auch nicht zum leben. also nimmt man nochmal fix die 5 euro provision für den handyvertrag mit...

druck hat man immer: in callcentern, wo nicht verkauft wird, geht es fast immer um ZEIT. je schneller du die kunden abarbeitest, dest mehr erwirtschaftest du fürs unternehmen. und viele callcenter loben prämien für schnelle telefonie aus. SORGFALT bleibt so natürlich auf der strecke. es ist furchtbar. mein kumpel hätte zu dem thema noch ein paar "leckerlis" auf lager. der hat halt länger da gearbeitet und auch diverse läden durch und diverse sache gemacht.

ich hab zwar nicht ganz so viel erfahrung in dem metier, aber kann auch nur JEDEM raten, sich das verdammt gut zu überlegen, ob er sich das wirklich antun will.


zwar darf ich zu der sache aus "datenschutzgründen" nicht zu viel verraten, aber ich umschreibe es mal: ein familienmitglied ist im bereich "erwachsenenbildung" tätig und hatte dort auch kontakt zu projekten mit sog. "langzeitarbeitslosen". das waren lt. jobcenter alles menschen, die angeblich "nicht leistungsfähig" sein sollten. es gab wohl auch welche, die tatsächlich kaum noch was machen konnten, was allerdings gesundheitlich bedingt war.
und diese leute sollten nun 6 monate bespaßt werden (--->"MASSNAHME") und danach idealerweise langsam wieder an arbeit herangeführt werden. auftraggeber war das jobcenter einer deutschen großstadt, mit der begleitung dieses kurses war u.a. auch mein familienmitglied beauftragt (ich verachte viele solcher einrichtungen, die im ***** der jobcenter stecken und auf dem rücken der arbeitslosen disziplinierungsmaßnahmen durchziehen).

im letzten monat sollten die bewerber ein 14-tägiges "praktikum" machen. von den kursteilnehmern fanden nur 2 einen praktikumsplatz, der auch sinn für sie machte (der eine beim bäcker und der andere weiß ich nicht mehr wo).

und was macht das jobcenter? schickt prompt zur maßnahme 2 junge frauen, die für ihre firmen um mitarbeiter warben: beides waren damen aus der personalabteilung von callcentern.
als mein familienmitglied dies beim zuständigen jobcenter monierte (---> "solche jobs sind viel zu stressig für meine kursteilnehmer, das ist kompletter schwachsinn, diese leute da hineinzusetzen!!"), gab es direkt am nächsten tag ein gespräch mit dem chef des sog. "freien bildungsträgers" (oder wie diese läden sich schimpfen). der boss hat sinngemäß gemeint, dass die ARGEN als "hauptkunde" vorschläge machen können und diese seien dann bitte auch 1:1 umzusetzen. punkt, ende, aus. ob das "SINN" macht oder nicht, ist Exkrementgal.

dieses system ist doch krank.


so, das is n ellenlanger text geworden, lol... naja, vllt stößt ja mal jemand drauf und findet es interessant... erstmal alles gute allen hier!
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