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ALG II Rund ums Thema Arbeitslosengeld II


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Alt 13.01.2006, 16:18   #1
schwabengeli
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Erfahrungsbericht einer Hartz4-Geschädigten bei der Jobsuche

Ich habe eine Anzeige in der Heilbronner Stimme aufgegeben, dass ich einen Job suche: Diese lautete wie folgt und erschien am 19.11.2005:

„Zu alt? Jahrelang habe ich Dir den Rücken freigehalten, für dich gelogen, dir den Kaffee gebracht, den Betrieb zusammen gehalten. Und nun? Sekretärin, 54 J. mit s.g. Englisch Kenntnissen möchte in HN, oder Umgebung arbeiten. Freundl. Angebote unter: sekretaerin@online.de“ (Anmerkung: email-adresse ist still gelegt)

Ich habe mit Absicht keine Telefonnummer mit in die Anzeige gebracht, um zu verhindern, dass ich mit unzähligen Spam-Anrufen zugemüllt werde.

Leider habe ich es versäumt einen Antrag auf Kostenerstattung bei der ARGE Heilbronn zu holen, um die 45,00 Euro erstattet zu bekommen, welche die Anzeige gekostet hatte. Also bleibe ich darauf sitzen.

Am 20.11.05 bekam ich auch eine Mail von einem Herrn T. von der Fa. P. aus O.

Sehr geehrte Dame,
mit einem Schmunzeln habe ich Ihr Stellengesuch gelesen.
Sofern Sie das Kaffeekochen und das Lügen nicht verlernt haben
möchte ich Sie um einen Rückruf bitten.
071.. / ……
Mit freundlichen Grüßen

S…….. T…………
Geschäftsführer
…………. GmbH
D…………… Straße 23
7……. O…………..

Diesen Herrn habe ich am 21.11.05 angerufen und mit ihm einen Termin für den 02.12.05, 10:00 Uhr vereinbart.

Den mir angebotenen Kaffee von der Auszubildenden habe ich dankend abgelehnt, da ich bereits zu Hause meinen Kaffee getrunken hatte. Herr T. kam auch sogleich.

Das Gespräch verlief wie folgt:
Ich legte ihm meine Unterlagen (Lebenslauf und Zeugnisse vor). Er überflog den Lebenslauf und schob die Unterlagen zurück auf meine Seite. Auf die Frage „möchten sie denn keine Zeugnisse sehen?“, antwortete er, das sieht er sich nie an, weil schliesslich die Person zähle und in den Zeugnissen könnte ja vieles stehen was nicht stimmt.

Er hat mir dann vieles über die Firma und sich selbst erzählt. Er erwähnte, er wolle nur noch über 50-jährige einstellen, weil die zuverlässiger seien und wissen „wo der Hase Lang geht“. Er hätte solche „Hühner“ hier, die nichts könnten und einfach zurechtgebogen werden müssten. (er bezeichnete allen Ernstes seine Angestellten als „Hühner“). Er hätte z.B. auch herausgefunden, dass seine Sekretärin nicht loyal sei, indem er eine Mail von ihr, geschrieben an ihre Freundin gelesen hatte mit folgendem Wortlaut: „bring mir ein Messer, damit ich ihn abstechen kann“. (Er liesst sich also die Mails seiner Angestellten durch.) Und so was könnte er nicht tolerieren. Auch wenn er ein neues Auto fahren würde, seien alle neidisch auf ihn.
Er braucht also eine Frau im Büro, die ein richtiges „Miststück“ ist. Seine Aussage: „wir müssen ein Kopf und ein ***** sein!“ Ausserdem seien ja seine Frauen im Büro ja so doof, er sei zum kotzen. Wir unterhielten uns recht lange, wobei er auch sagte, er finde es nicht gut, weil ich kein Kaffee getrunken hätte. Meine Antwort: „Oh, hätte die Dame mit ein Wasser angeboten, hätte ich sicherlich eines getrunken“. Umgehend bekam ich ein Wasser.
Er zeigte mir noch die Büros, wo ich u. a. auch in ein Raum kam, wo eine neue Laminiermaschine stand. Er sagte: „Kucken sie mal, hier steht die Maschine und keiner dieser Hühner kann sie bedienen“.

Im Büro seiner Sekretärin zog er auch ein Fax aus der Maschine und überflog es, gab es seiner Sekretärin. Hinterher meinte er, das Fax habe mit Sicherheit stundenlang im Faxgerät gelegen! Er zeigte mir auch die übrigen Räume. Zu sagen ist, dass alles sehr feudal eingerichtet war. Sein Büro sah aus, wie in einen Palast.

Wir vereinbarten, dass ich am 05.12. anrufen solle, weil er sich über das Wochenende überlegen wolle wegen mir Ich habe angerufen mit dem Resultat, dass Herr T. nicht da war sondern verreist nach Berlin. Am 08.12. habe ich nochmals angerufen und er war wieder nicht zu sprechen. Ich habe dann nicht mehr zurückgerufen. Im Gegenzug hat er mich dann in der Folge-Woche angerufen. Im Verlauf des Gespräches sagte er immer wieder, wir müssten ein Kopf und ein ***** sein und seine Hühner müsste ich in Griff bekommen, sozusagen als „Oberhenne“. Es wäre ein Test gewesen, ob ich nochmals zurückgerufen hätte, was ich verneinte und er meinte, ich hätte Stolz und das gefiele ihm.

Der nächste Gesprächstermin war am 22.12.05.

Was ich aber in der Zwischenzeit bei meinem Arzt herausgefunden hatte, ist, dass ich ein Morton Neurom (Nervenentzündung mit Geschwulstbildung) im linken Fuss habe, das irgendwann mal raus operiert werden muss). Dieses Gespräch verlief ähnlich wie die vorherigen, ausser das er mir noch erzählte dass das Gebäude seiner Frau gehöre und noch vieles mehr. Ich habe ihm auch bei dieser Gelegenheit von meinem Neurom erzählt. Er sagte, ja und? Das dauert vielleicht 14 Tage und dann sind sie wieder da. Ich meinte nein, so lange dauert das bei mir nicht, da ich ungern zu Hause bleibe, allerhöchstes 3 Tage. Das Gespräch zog sich hin und ich fragte ihn, ob er mich denn nun einstellen wolle, worauf er mir mündlich zugesagt hat: Ja, ich stelle sie ein! Aber erst mal mache ich Urlaub mir meiner Frau wir treten wieder telefonisch in Kontakt am 03.01.06.

Mein Anruf am 03.01.06:
Ich meldete mich am Telefon und wünschte ihm ein gutes neues Jahr. Er machte es recht knapp und sagte zu mir: ich habe Zeit gehabt um zu überlegen und wir passen doch nicht zusammen. Wünschte mir noch ein gutes neues Jahr und das Gespräch war zu Ende.

Sie können sich sicherlich vorstellen, dass ich mit offenem Mund da sass und erst mal gar nicht begriff was da gerade passiert war.

Da denkt man, man hat einen Job und dass in meinem Alter (54J.) und freut sich wie ein Schneekönig und dann dies!

Meiner Meinung nach wurde ich hier ganz kräftig verarscht! Ja und so kann es einem ergehen. Ich habe Herrn T. eine Mail geschrieben mit folgendem Wortlaut:

„Sehr geehrter Herr T.,

ich bedanke mich sehr herzlich für Ihre individuelle Absage am Telefon.

Ich finde es, milde gesagt, eine Unverschämtheit sondergleichen mit den
Gefühlen anderer Menschen umzugehen.

1. Telefonische Anrufe
2. Vorstellungstermin
3. nochmalige Anrufe,
4. nochmalige Vorstellung bei Ihnen

Bei dieser Vorstellung hatten Sie mir mündlich zugesagt mich einzustellen.

Ich habe Sie leider nicht so eingeschätzt, wie Sie sich mir gegenüber
verhalten haben.
Es gibt da ein Sprichwort: What goes around comes around!
Ich denke mit Ihrem Bildungsstand wird es nicht nötig sein für Sie, das
übersetzen zu lassen.

Im Nachhinein finde ich es eine Unverschämtheit, wie Sie sich über Ihre
Angestellten auslassen. Kein Wunder Ihre Sekretärin hat nach einem Messer
verlangt.

Was müssen Sie für ein Mensch sein, dass sämtliche Angestellten vor Ihnen
Angst haben.
Ich habe keine Angst vor Ihnen, sonst würde ich Ihnen nicht diese Mail
schreiben.

Und falls dies ein Test gewesen sein sollte, vergessen Sie es, es hat sich
ausgetestet!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen alles Gute für Sie, Ihre Frau und Ihre
Firma.

A.H. (meine Unterschrift)


:dampf:
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Alt 14.01.2006, 13:34   #2
Ludwigsburg
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Re: Erfahrungsbericht einer Hartz4-Geschädigten bei der Jobs

@schwabengeli

Den Text deiner Annonce find ich klasse! :-)

>Leider habe ich es versäumt einen Antrag auf Kostenerstattung <

Dummheit muß bestraft werden! ;-)



>Er hätte z.B. auch herausgefunden, dass seine Sekretärin nicht loyal sei, indem er eine Mail von ihr, geschrieben an ihre Freundin gelesen hatte mit folgendem Wortlaut: „bring mir ein Messer, damit ich ihn abstechen kann“. <

spätestens hier hätte ich ihm gesagt, daß ich kein Interesse mehr habe...und wär gegangen.

Hätte dir viel vergebliche Hoffnung erspart!

egal warum er sowas erwähnt, ob er die mails seiner Angestellten liest oder ob seine Angestellte das schrieb, weil das Arbeitsklima eineZumutung sein muß....oder,weil er den bewerber "testen" will...

Gruß aus Ludwigsburg
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Alt 14.01.2006, 13:39   #3
schwabengeli
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Danke Dir

Ludwigsburg, Du has tin jedem einzelnen Punkt recht.
Aber wenn man einen job haben will, dann macht man manchmal solche Dummheiten.

Liebe Grüsse
aus Weinsberg
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erfahrungsbericht, hartz4geschaedigten, hartz4geschädigten, jobsuche

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