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ALG II Rund ums Thema Arbeitslosengeld II


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Alt 22.11.2007, 20:53   #1
huckup
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard ALG II + Selbstständig + EGV

Hallo, liebes Forum!

Ich wende mich an euch mit folgendem Problem.
Seit April 2004 bin ich hauptberuflich, selbstständiger Webprogrammierer.
Anfangs lief auch alles tutti bis das Überbrückungsgeld (6 Monate) auslief.
Danach konnte ich mich zwar noch 1 1/2 Jahre mittels kleinerer Aufträge, privater Rücklagen und Darlehen über Wasser halten, mußte jedoch im Dezember 2005 zusätzlich ALG II beantragen.

Die Einnahmen aus der Selbstständigkeit decken gerade mal die monatlichen Kosten. Also quasi +/- Null. Aber eben nicht MINUS! :-)

Mal abgesehen davon, dass ich in diesem Jahr schwerpunktmäßig programmiert habe. Die "Früchte" kommen im nächsten Jahr zum Tragen.

Ich bekomme den ganz normalen Satz von 347,00 + 56,00 EUR Nebenkosten. Miete zahle ich nicht, da ich im Haus meiner Eltern (separate Wohnung) lebe. Also ganz bescheiden die Staatskasse belaste.

Bis heute musste ich den ALG II Urantrag aus Dez. 05 vier Mal für jeweils weitere 6 Monate verlängern. Bis Dato ging das auch ohne Probleme und ohne Nachfragen des Jobcenters. Fortsetzungsantrag nebst Belegen (EÜR) einreichen und gut!

Letzte Woche Donnerstag wurde ich allerdings zu einem Gespräch eingeladen. *wunder*

1. Einladung
.... "Ich möchte mit Ihnen über Ihr Bewerberangebot bzw. Ihre berufliche Situation sprechen." ...

Also bin ich da hin und schnell wurde mir klar gemacht, dass ich eine EGV unterschreiben soll, da ich sonst mit Sanktionen 30, 60 und 100 Prozent rechnen müsse.

Aus großer Besorgnis heraus habe ich den Wisch natürlich unterschrieben.
Die "Bemühungen", dass ich mich auch an Zeitarbeitsfirmen (in meinen Augen Seelenverkäufer) wenden muss, wurde trotz meiner Ablehnung nicht aus der EGV genommen. Mündliche Begründung des SB: Man muss alle möglichen Angebote auf dem Arbeitsmarkt nutzen um die Hilfebedürftigkeit zu beenden.

Auf meine Aussagen und Erklärungen ist er (der SB) erst gar nicht eingegangen. Eingeschüchtert habe ich also unterschrieben. Ich soll jetzt ums Verrecken in den Arbeitsmarkt zurück. Das will ich aber nicht, da ich selbstständig bin.

Ich verstehe, dass die nach 2 Jahren mal nachfragen. Aber mich jetzt so unter Druck zu setzen halte ich für unmenschlich. Wenn es nach denen geht, soll ich zum 01.12.07 eine Arbeitsstelle antreten.

Frage: Ist ein solches Zustandekommen einer EGV unter o.g. Bedingung anfechtbar oder sogar nichtig ?

Bis morgen soll ich eine Bewerbung einreichen, mit dieser der SB dann loszieht und für mich einen Job besorgt. Vermutlich bekommt er Provision beim "Seelenverkäufer". Seine Hartnäckigkeit würde diesen Vorwurf begründen. Es könnte natürlich auch sein, dass die Statistik zu meinen Ungunsten "gesäubert" bzw. nach unten hin korrigiert werden muss?!

Wer weiß das schon?

Ich hab jetzt ein allgemeines Bewerbungsschreiben aufgesetzt:

-----------------------------

Sehr geehrte Damen und Herren,

gemäß Sozialgesetzbuch Zweites Buch SGB II stehe ich in der Verpflichtung, meine derzeitige Hilfebedürftigkeit selbstständig und aktiv zu beenden. Aus diesem Anlass bewerbe ich mich ...

...

... Bitte überprüfen Sie anhand meiner eingereichten Unterlagen, ob ich für eine sozialversichterte Tätigkeit (Teilzeit/Vollzeit) in Ihrem Betrieb geeignet bin.

-----------------------------
Da wird doch keiner Anbeißen. Die denken doch, dass ich "am Rad drehe".
Aber es ist doch die nackte Wahrheit. Denn wenn ich schreiben würde: "Mit großer Begeisterung verfolgte ich Ihr Stellenangebot .... blablabla", würde ich glatt lügen. Ich hab ja nen Job - ich bin selbstständig!

Es ist auch kein aussichtsloser Job. Denn dann müsste man die fachliche Kompetenz eines Steuerberaters und die der hiesigen Wirtschaftsförderung in Frage stellen.

Welche Selbstständigkeit läuft nach einem 1/2 Jahr schon perfekt?
Nur die eines Jobcenter SB :-))

Gutes zu programmieren, dauert halt seine Zeit. Außerdem will ich nachweislich mit einem Kollegen ein Gemeinschaftsprojekt im Frühjahr 2008 starten. Mich trifft das Ganze jetzt "kurz" vor Beendigung der Abhängigkeit durch ALG II.

Fragen:

- Muß man die Selbstständigkeit tatsächlich aufgeben weil das Jobcenter glaubt, meine Tätigkeit würde ihrer Meinung nach auf Dauer nichts bringen?

- Warum wird kein Gutachter bestellt, wenn Zweifel am Erfolg meiner Selbstständigkeit beim Jobcenter bestehen? Da wird einfach aus dem Bauch heraus über eine Existenz entschieden.

- Wieso melden die sich erst jetzt? Muss ich sofort alles abbrechen und nach deren Vorstellungen springen?

- Was könnt ihr mir raten?

- Kennt jemand einschlägige Infos mit Beispielen, Urteilen, etc.?

- Welche Möglichkeiten habe ich, meine Selbstständigkeit weiterhin fortzusetzen bzw. ALG II für mindestens 05/2008 (bis dahin läuft die ALG II Bewilligung, wenn nicht vorher gekürzt) uneingeschränkt zu bekommen?


Stehe echt ein bisschen auf dem Schlauch.
Fühle mich vom Jobcenter überrannt und zu unrecht behandelt.

Meinung zum Forum:
Toll, dass ihr so ein "Sprachrohr" betreibt. Sitze jetzt seit 14 Uhr ununterbrochen hier und stöbere durch den "Themenpark".
Man kann echt nur Schmunzeln, wenn es nicht so traurig wäre.

In diesem Sinne vielen Dank schon mal im Voraus !!!


Der selbstständige ALG II Empfänger

..:: Der Staat kann dich fi.... aber deswegen noch lange nicht heiraten ::..
 
Alt 23.11.2007, 15:44   #2
huckup
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard

Ich nochmal!

Kann ich die unterschriebene EVG anfechten?
Gründe wären meines Erachtens:

1) In der Einladung stand nichts von einer EVG sondern lediglich der Hinweis, man möchte sich mit mir über meine berufliche Situation unterhalten.

Somit wurde ich unvorbereitet vor nackten Tatsachen gestellt. Ist das nicht schon arglistig?

2) Jetzt habe ich im Netz erfahren, dass vor einer EVG ein s.g. Profiling zwingend erforderlich ist. Ist das so? Wir haben kein Profiling durchgeführt.

Ich will die EVG nicht gänzlich ablehnen, sondern meiner Situation entsprechend anpassen und vor allem die Form wahren.

Für eine Antwort immer dankbar ...
 
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