ALG II Rund ums Thema Arbeitslosengeld II


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Alt 05.10.2012, 18:58   #1
Ollli
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Ollli
Standard Ängste vorm Postboten

Ich grüße Euch,

ich kann jetzt irgendwie nicht das passende Forum finden, das da heissen könnte "Allgemeine Unterhaltungen zum Hartz", daher bitte ich den Mod. evtl. zu verschieben oder einfach stehen lassen, denn im weitesten Sinne geht es hier um Kinderhartz! Vielleicht interessiert ja jemanden mein Text

Wie der Titel schon ausdrückt, geht es bei mir darum, daß ich mittlerweile beginne regelrechte Sorge (Ängste klingt vielleicht zu reißerisch) vorm Postboten aufzubauen, bzw. erst dann richtig mein Wochenende genießen kann, wenn der Briefträger da war und keine böse Post vom Amt dabei war!

Nun gehts bei mir zum Glück nicht um die nackte Existenz, wie bei vielen hier, sondern "nur" um den sog. Kindergeldzuschuß für unsere 2 Kinder, den wir wegen unserer famili. Konstellation und meines geringen Einkommens als Kleinkrauterselbständiger erhalten (oder auch nicht).

Man hat allerdings auch hier jedesmal das Gefühl, daß man alles versucht, um den Hilfebedürftigen die Inanspruchnahme dieses finanziellen Vorteils (und Rechtsanspruch) so schwer wie nur irgend möglich zu machen!

Ich meine, es geht darum, daß man als armer und zudem hart arbeitender Mensch mit Kindern einen Zuschuß bekommt, und ich sehe grundsätzlich auch ein, daß, nach der heutigen Rechtslage, ein Nachweis darüber zu erbringen ist,das das Einkommen gering ist... aber der Kindergeldzuschuß bei
Selbständigen (Hartz für Kinder) hat es auch in sich!!!

"Man soll halt auch nur Kinder haben, wenn man sie sich auch leisten kann" habe ich mir schon angehört.

Auf der einen Seite wird immer über Kinderarmut gejammert, auf der anderen Seite wird es dem Hilfesuchenden so unsagbar schwer gemacht.

Gäbe es vernünftige Löhne hätte ich auch keine Kleinkrauterselbständigkeit gegründet und müsste auch nichts beantragen.

Aber wie läuft der Antrag bei Selbständigen?!

Mal grob dargestellt:

Erst ist der Nachweis in Form von "vorläufigen Angaben" zu erbringen mit unzähligen Formularen, die genau wie bei Hartz jedes denkbare mögliche und unmögliche Detail ausfragen, danach wird über eine Zahlung unter Vorbehalt entschieden.

Füllt man hier schon mal nicht richtig aus, gibt es schon mal pauschal nichts, denn hast du ZUWENIG kriegst du nichts, sondern musst gleich zum Hartzamt, lt. deren Aussage. Das stimmt aber nicht, denn Wohngeld und Kindergeldzuschlag soll immer Vorrang vor Hartz haben, auch wenn man
eigentlich weniger zur Verfügung hat! (Urteil kann ich auf Wunsch nachliefern)

Hast du zuviel, klar, dann gibt es natürlich nichts ;-) (das sollte
dann aber grundsätzlich kein Problem sein)

Weiter gehts:

Nach 6 Monaten sind wieder exakt die gleichen Formulare auszufüllen, diesmal "mit endgültigen Angaben". Bis ins Detail werden die "Wohnkosten" und alles mögliche abgefragt und entsprechende Nachweise sind zu erbringen, dann geht es alles in "die große Rechenmaschine" (die Berechnung
versteht eh niemand!) und dann kommt die Überraschung:

Entweder Rückzahlungsforderung wegen ZUWENIG Geld (dann wird das schon mal vom Kindergeld unberechtigterweise einbehalten) oder Rückzahlung wegen
zuviel Geld. Hier wird aber natürlich grundsätzlich nicht berücksichtigt, daß die 2. Jahreshälfte schlechter aussehen kann.

Und danach wirds natürlich zum dritten mal (!!!) berechnet, weil du deinen Einkommenssteuerbescheid abgeben musst.

Aktuell habe ich komplette Rückforderung wegen zuwenig Einkommen in der zweiten Jahreshälfte 2011 (!), wehre ich mich aber, und erhalte wahrscheinlich komplette Rückforderung wegen zuviel Einkommen in der ersten
Jahreshälfte 2012 und werde voraussichtlich komplette Rückforderung 2 HJ 2012 wegen zuwenig Einkommen bekommen.

Für mich steckt darin ganz klar das System, möglichst viele Leute abzuwimmeln , der "Anspruch" soll möglichst nur auf dem Papier stehen!

Es soll eine möglichst große Drohkulisse aufgebaut werden, mit dem Ziel, das der Hilfebedürftige klein beigibt und auf seinen Rechtsanspruch verzichtet, um dann nachher in der Presse zu verkünden, "man habe ja alles getan, ist ja deren Schuld das sie die Hilfe nicht annehmen"

Warum ich nach wirklich harter Knochenarbeit erst entspannen kann wenn der Postbote da war und nur Reklame bringt, erklärt sich nun wahrscheinlich von selbst!

Der einzige "Vorteil" bei mir ist der, dass ich mich nicht nach Gutdünken zum Amt zitieren lassen muss und dort"psychologisch auf mich eingewirkt werden kann... Allgemein bleibt mir auch festzuhalten, daß ich Behördengänge jeglicher Ar wie die Pest hasse. Da habe ich tagelang vorher schlecht geschlafen.

Ist das normal?!

Schönes Wochenende!
Ollli ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.10.2012, 20:17   #2
Teelicht
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Standard AW: Ängste vorm Postboten

Hallo Ollli,
ich kann dich sehr gut verstehen.
Heute waren vier Umschläge vom JC im Postkasten.
Zwei normale und zwei Din A4 Umschläge.
Der Weg zwischen Haustür und Küche in der ich die Umschläge öffnen wollte wurde unendlich lang .
Mir wurde heiß und kalt meine Beine wollten mich nicht mehr tragen ich bekam einen solchen Druck im Kopf das mir übel wurde.
In der Küche habe ich vor lauter zittern die Umschläge fast nicht aufbekommen.
Mein Herz hat sich fast überschlagen .
Die Kopfweh und Übelkeit halten immer noch an.

In den Umschlägen waren nur ab 2010 neu berechnete Bescheide (WW)

Früher dachte ich ...nur ich sei so in Panik und mit mir stimmt was nicht ...aber es häufen sich immer mehr Berichte das die ALGIIer vor ihrem Briefkasten regelrechte Angstattacken haben.
Das ist Psychologisch Kriegsführung .
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Alt 05.10.2012, 21:01   #3
Erolena
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Erolena Erolena Erolena Erolena Erolena Erolena Erolena Erolena Erolena Erolena Erolena
Standard AW: Ängste vorm Postboten

Ich kann dich gut verstehen.

Ein Glück, wer einen Mitbewohner hat, der täglich den Postkasten öffnet. Und wenn es dir ganz schlecht geht, sogar die Behördenpost an deiner Stelle öffnet. Der Trick funktioniert gut. Bis man dann selber wieder auf dem Posten ist.
Erolena ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.10.2012, 21:24   #4
thunder1111
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Standard AW: Ängste vorm Postboten

Ich muss sagen, ich habe es auch eine ganze Zeit so wie Dirkus gemacht, aus den gleichen Gründen, wenn meine Frau die Post zum Wochenende geholt hat, hat sie mir diese nicht vor Montag gegeben, damit ich mich nicht das ganze Wochenende darüber aufrege. Mittlerweile bin ich aber so abgebrüht/abgestumpft, dass ich mir vom JC das Wochenende nicht mehr vermiesen lasse (kann sowieso nicht mehr schlimmer werden als 100% Sanktion), kann also auch die Post am Freitag oder Samstag lesen.
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Alt 06.10.2012, 03:58   #5
sabinchen28->Emailproblem
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sabinchen28
Standard AW: Ängste vorm Postboten

Ging mir lange auch so.

2008 bis 2010 war ich durchgehend arbeitslos und ALG II Bezieherin. Das Amt hat mir so bösen Druck gemacht, dass ich Angst vor dem Briefkasten hatte. Ich hatte ungelogen mindestens 5 mal in der Woche Post vom SB im Briefkasten. Einladungen, Anhörungen, Sanktionsbescheide (meine AU's wurden nie akzeptiert >>> Stichwort "Reiseunfähigkeitsbescheinigung"), Vermittlungsvorschläge mit Rechtsfolgebelehrung (alles Schrott und unpassend für mich), die dann wieder zu neuen Sanktionen geführt haben, wieder Einladungen, wieder Sanktionen da ich krank geschrieben war und die AU's nicht anerkannt wurden etc und so ging das jede Woche immer so weiter. SB hatte mich so richtig heftig aufm Kieker. Mein SB hat so extremen Druck aufgebaut, dass ich regelrecht Angst hatte den Briefkasten zu öffnen.

Erst habe ich es so gemacht wie meine Vorredner. Paar Tage lang nicht rein geschaut. Nach und nach wurden die Abstände aber immer größer. Ich glaube ich habe zu der Zeit schon mal 3 Wochen lang gar nicht mehr in den Briefkasten geschaut. Aus purer Angst. Die Post wurde immer mehr und mehr. Und mit jedem Tag nahm dann die Hemmung zu den Briefkasten endlich zu öffnen. Unnötig zu erwähnen, dass neben den bösen Briefen vom SB auch andere Post und Rechnungen ungelesen blieben.

Irgendwann kam dann die Zeit wo ich jeden Tag mit mir rang den blöden Briefkasten mal zu öffnen. Eines Tages tat ichs dann. Mit großem Herzklopfen und dem Gefühl, dass ich sicher vor Schrecken umfallen werde was mich da jetzt erwarten würde. Waren bestimmt an die 30 Briefe drinne. Mehr als die Hälfte vom Amt.

Heute mache ich das zum Glück nicht mehr. war auch von 2010 bis 2012 wieder durchgehend und gerne arbeiten war und mittlerweile auch nicht mehr wegen Umzug im selben Jobcenter bin und eine andere SB habe die mich in Ruhe lässt. Aber damals war echt Horror.
sabinchen28 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.10.2012, 04:13   #6
gast_
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gast_ gast_ gast_ gast_ gast_ gast_ gast_ gast_ gast_ gast_ gast_
Standard AW: Ängste vorm Postboten

Da stehst du mit deiner Angst ganz sicher nicht alleine da.

Ich habe zwar keine Angst mehr, aber ein Unbehagen immer noch. Dabei weiß ich mir ziemlich gut zu helfen, und helfe auch anderen in Leistungsangelegenheiten..

Bin aber immer froh, wenn keine Einladung vom Vermittler dabei ist...

Zitat:
Für mich steckt darin ganz klar das System, möglichst viele Leute abzuwimmeln , der "Anspruch" soll möglichst nur auf dem Papier stehen!
Gut erkannt.
gast_ ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.10.2012, 04:47   #7
ash007
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Standard AW: Ängste vorm Postboten

Ich hab's mal ein wenig überflogen.

Der Gang zum Kasten gibt mir den Gedanken "was könnte heute wieder für Schrott drin sein?". Ich bin dann ebenfalls froh wenn nichts vom Amt, Behörde, Institut, GmbH, oder was das JC auch immer ist, nichts drin ist. Man freut sich eher auf Werbung oder Zeitungen die man eh nicht liest und diese vergnügt in die Papiertonne legt.

[OT]
Naja, ich muss bestimmt bald eine neue EGV unterschreiben, deswegen werde ich bestimmt wieder Vorgel... ähm Eingeladen. Der Typ wird sich freuen wenn ich die EGV nicht mehr unterschreibe
[/OT]
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Alt 06.10.2012, 09:11   #8
BibiBlocksberg2009
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BibiBlocksberg2009 BibiBlocksberg2009 BibiBlocksberg2009 BibiBlocksberg2009
Standard AW: Ängste vorm Postboten

Ollli, ich kann das auch sehr gut nachvollziehen.

Allerdings hat bei mir der Stress und der innere Druck mit dem Gang zum Briefkasten deutlich nachgelassen, seit das mit der Selbstständigkeit auf Eis gelegt ist.
D.h. ich bin aktuell zu 100% im Hartz4-Bezug, also kein sog. Aufstocker mehr.

Keine EKS-Papiere mehr ausfüllen, kein Amtswahnsinn, keine Diskussionen mehr über Falschberechnungen und die Angst, dass irgendwelche Betriebsausgaben nicht anerkannt werden und ich weniger hab als das Existenzminimum.

Angst vor Einladungen und den üblichen Sinnlos-Blabla-Terminen habe ich weniger, die Angst betraf eher diese ganzen Falschbescheide etc.pp. und dieser Druck vom Amt ("Letzte Gnadenfrist für Ihre Selbstständigkeit" ) ...

Ohne all das lebt es sich nach meinem Gefühl wesentlich entspannter.
Es gibt seitdem auch keine falschen Bescheide mehr, denn jetzt müssen sie nur noch Regelsatz + Miete zusammenrechnen.

Und es ist doch im Grunde genau das, was die Jobcenter immer wollen von den Selbstständigen: nicht mehr selbstständig sein.

Also, bitteschön !
__


BibiBlocksberg2009 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.10.2012, 12:49   #9
Ollli
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Ollli
Standard AW: Ängste vorm Postboten

Ich möchte mich erst einmal bei allen für die Beiträge bedanken. Es macht wirklich Mut und das Herz wird einem wirklich etwas leichter, wenn man liest, das man eben nicht allein damit ist; dass eben andere das gleiche Gefühl haben und man ganz offensichtlich nicht irre ist!

Sind ja auch einige die verständlicherweise sehr krass darauf reagieren.

Ehrlich, ich glaube ich würde das nicht bringen, einfach mal 2 tage nicht zum Briefkasten zu laufen...

Da würde ständig der Hintergedanke im Kopf sein, "und wenn da jetzt was böses" drin ist...

Obwohl, und das muß man ganz klar und auch ehrlich sagen, es bei mir glücklicherweise noch nicht um die nackte Existenz geht, wie bei vielen hier.

Ich glaube dann würde ich vorher den Herztod vor Streß sterben. Sind halt nicht alle Menschen belastbar und wohl dem, an dem das abperlt!

Also beute ich mich im Rahmen meiner Kleinkrauterselbständigkeit weiter aus und beantrage halt für meine Kinder die entsprechenden Zuschüsse, die es da gibt.

Kleinkriegen lasse ich mich auf keinen Fall, dann sage ich immer, es geht um unsere Kinder.

Auch Zuschüsse aus dem Bildungs und Teilhabepaket habe ich beantragt. Es ist schon eine spürbare Erleichterung, wenn wir anstatt wie früher 100 Euro für die kita nun 40 zahlen müssen.

Nur eben dieser Kindergeldzuschuß der wird dir so unglaublich madig gemacht, und mit bürokratischen Hürden zugemauert dass es ein Skandal ist, wie so vieles was in der Sozialgesetzgebung heutzutage üblich ist...
Ollli ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.10.2012, 22:54   #10
miaa->Emailproblem
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miaa
Standard AW: Ängste vorm Postboten

Ich kann dich verstehen aber glaub mir eins Angst bring dich nicht weiter denn da musst du eben durch deshalb versuch immer Positiv zu denken und versuch bißchen abzuschalten.
miaa ist offline   Mit Zitat antworten
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postboten, vorm, Ängste

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