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Start > > -> Umgehung einer dreimonatigen Sperrfrist beim ALG1

ALG I Rund ums Thema Arbeitslosengeld I


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Alt 28.05.2014, 11:44   #1
chris1984->Emailproblem
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Registriert seit: 28.05.2014
Ort: Hamburg
Beiträge: 20
chris1984
Frage Umgehung einer dreimonatigen Sperrfrist beim ALG1

Guten Tag!

Ich habe sehr zuverlässige Informationen, dass die Umgehung einer wegen Eigenkündigung verhängten drei-monatigen Sperrfrist möglich ist, indem man (statt sofort) erst mehr als ein Jahr nachdem man arbeitslos wurde das ALG 1 geltend macht.

Hat damit jemand Erfahrung?

So wie ich es verstanden habe funktioniert der "Trick" folgendermaßen:

Man meldet sich am ersten Tag der Arbeitslosigkeit persönlich arbeitslos/-suchend beim Amt. Hierdurch wird der Leistungsantrag gestellt. Dann lässt man mindestens zwölf Monate ins Land streichen - hat hoffentlich mittlerweile wieder einen Job - und dann reicht man den Antrag auf Arbeitslosengeld ein.

Hat das schonmal jemand erfolgreich geschafft?

Ich habe bereits 110 Euro investiert um diese Frage mit einem Anwalt auf frag-einen-anwalt.de zu klären. Leider bin ich sehr unzufrieden mit den Ausführungen, weil ich sie auf gut Deutsch einfach nicht kapiere! Ich verstehe nicht, was mir der Herr Rechtsanwalt eigentlich konkret sagen will.

Umgehung der Sperrfrist bei ALG 1 - frag-einen-anwalt.de
Nachträgliche Beantragung von Arbeitslosengeld 1 - frag-einen-anwalt.de
Nachträglicher Antrag ALG 1 zur Umgehung der Sperrfrist

Lustiges Detail: Dieser Tipp wurde mir von meinem Sachbearbeiter bei der Arge empfohlen, nachdem ich Ihm mitteilte, dass ich die Zeit auch mit Erspartem überbrücken kann.

Bin gespannt auf eure Antworten und Hinweise. Man findet leider praktisch nichts hierzu online, was ich komisch finde, da diese Möglichkeit für sehr viele Menschen interessant sein dürfte.

Viele Grüße

Chris
chris1984 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.05.2014, 12:27   #2
Fritz Fleißig
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Registriert seit: 08.03.2013
Beiträge: 3.325
Fritz Fleißig Möchte sein Renommee nicht öffentlich anzeigen...
Standard AW: Umgehung einer drei-monatigen Sperrfrist beim ALG1

Erfahrung nicht, und ich kann dir das nur als juristischer Laie ohne Anspruch auf Richtigkeit zu erklären versuchen. Die Information, welche du von der Arbeitsagentur erhalten hast, ist grundsätzlich richtig. Gemeint ist folgendes:

1. Wenn du ohne wichtigen Grund deine Stelle kündigst, wird (mal von den Sonderfällen abgesehen, in denen aus bestimmten Gründen kürzere Sperrzeiten gelten) eine Sperrzeit von zwölf Wochen, also rund gerechnet drei Monaten, verhängt - § 159 Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 3 SGB III. Diese Sperrzeit läuft ab dem Datum der Arbeitsaufgabe, das heißt dem Ende des Arbeitsverhältnisses. Sie bewirkt, daß der Anspruch auf ALG in den ersten zwölf Wochen der Arbeitslosigkeit ruht.

2. Damit geht einher eine Minderung der Anspruchsdauer für die gleiche Zeit - § 148 Abs. 1 Nr. 3 SGB III. Die Sperrzeit bewirkt also, daß sich nicht etwa der Auszahlungsbeginn nur einfach nach hinten verschiebt wie etwa bei der Anrechnung einer Urlaubsauszahlung und ähnlichem, sondern das ALG für die Dauer der Sperrzeit ist endgültig weg. Es tritt also insgesamt gerechnet ein echter finanzieller Verlust ein.

3. Weiterhin wird dein "Sperrzeitkonto" mit dieser Sperrzeit belastet - § 161 SGB III. Kommen später aus anderem Anlaß noch weitere Sperrzeiten hinzu, erlischt dein Anspruch auf ALG, sobald sich mindestens 21 Wochen an Sperrzeiten angesammelt haben.

4. Man kann sich nun - und das ist der zentrale Punkt - arbeitslos melden, aber bis zur Entscheidung über den ALG-Antrag erklären, daß der Anspruch auf ALG erst zu einem bestimmten späteren Zeitpunkt entstehen soll - § 137 Abs. 2 SGB III. Beispielsweise erst ein Jahr später. Man ist dann für das erste Jahr "arbeitslos ohne Leistungsbezug" gemeldet.

5. Diese Lösung hat den Vorteil, daß bei selbstverschuldeter Arbeitsaufgabe zwar weiterhin eine Sperrzeit verhängt wird, aber keine Minderung der Anspruchsdauer mehr eintritt - § 148 Abs. 2 Satz 2 SGB III. Während der ersten zwölf Wochen, in denen die Sperrzeit formal läuft, bezieht man ohnedies aufgrund eigener Entscheidung kein ALG. Nach einem Jahr entsteht dann der Anspruch auf ALG, und man bekommt seinen vollen Anspruch. Auch bezüglich des obenerwähnten "Sperrzeitkontos" dürfte dies unkritsch sein, denn der Anspruch auf ALG ist erst ein Jahr nach Arbeitsaufgabe überhaupt entstanden, und rückwirkend darf auch hier maximal nur bis zu einem Jahr betrachtet werden - § 161 Abs. 1 Nr. 2 SGB III.

6. Das ganze macht natürlich nur Sinn, wenn man nach Ablauf des einen Wartejahres weiterhin arbeitslos ist. Beschäftigungslosigkeit ist schließlich Voraussetzung für die Arbeitslosigkeit und damit die Auszahlung von ALG. Hat man in der Zwischenzeit eine Beschäftigung gefunden, dann hat man möglicherweise Geld verschenkt. Diese Regelung wird oftmals angewandt, wenn jemand mit einer guten Abfindung vorzeitig in den Ruhestand gehen will, dann ohne Einhaltung einer Frist selbst kündigt, das erste Jahr mit der Abfindung überbrückt, später ALG bezieht und nach Auslaufen des ALG-Anspruchs seine Rente. Genauso kann die Verschiebung unabhängig von einer Sperrzeit sinnvoll sein, wenn man kurz vor Erreichen einer "kritischen" Altersgrenze (50, 55 oder 58 Jahre) steht und später einen längeren Anspruch erwerben würde.

7. Für den "normalen" Arbeitnehmer würde ich das nicht empfehlen. Hier sollte es eher sinnvoll sein, das Entstehen einer Sperrzeit überhaupt zu vermeiden.

8. Und um es nochmal zur Vermeidung von Mißverständnissen klarer auszudrücken: man bekommt bei so einem Vorgehen nicht etwa das ALG für das erste Jahr der Arbeitslosigkeit einfach nur später ausgezahlt, wie du es vermutlich annimmst, sondern ALG erst für die (notwendige!) Arbeitslosigkeit ein Jahr später, wenn auch in gleicher Höhe und mit gleicher Anspruchsdauer.
__

Meine Beiträge stellen nur persönliche Erfahrungen oder Meinungen dar und sind keine Rechtsberatung.
Fritz Fleißig ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.05.2014, 12:32   #3
chris1984->Emailproblem
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Beiträge: 20
chris1984
Standard AW: Umgehung einer drei-monatigen Sperrfrist beim ALG1

Vielen Dank für diese sehr klare Antwort!

Der Sachbearbeiter nannte dieses Szenario auch im Zusammenhang mit "den Siemensianern" - so hoch ist meine Abfindung und Erspartes leider nicht und ich bin auch nicht scharf darauf ein Jahr arbeitslos zu bleiben.

Mal wieder so ein Beispiel nach dem Prinzip "wem hat dem wird gegeben".
chris1984 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.05.2014, 13:12   #4
schweizer
 
Registriert seit: 25.10.2012
Beiträge: 833
schweizer schweizer schweizer
Standard AW: Umgehung einer drei-monatigen Sperrfrist beim ALG1

Ich denke mal das eine 12 Wochen Speerzeit ja wohl günstiger sind,als wenn man 1 Jahr von seinem Ersparten Leben muss.Dazu kommt ja noch der Krankenkassen-Beitrag
schweizer ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.05.2014, 13:24   #5
chris1984->Emailproblem
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chris1984
Ausrufezeichen AW: Umgehung einer dreimonatigen Sperrfrist beim ALG1

jupp - was lerne ich daraus?

Wenn ich das nächste mal auf so einen "schlauen" Plan stoße, dann gehe ich zu einem Anwalt und spreche das durch.

frag-einen-anwalt.de scheint leider keine relevante Option hierfür zu sein. Die Antworten die ich dort bekommen habe waren das Geld nicht wert und haben meine Verunsicherung eher vergrößert.
chris1984 ist offline   Mit Zitat antworten
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alg1, dreimonatigen, sperrfrist, umgehung

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