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Alt 26.08.2011, 23:11  
Debra
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Debra
Standard AW: TV-TIP: Mi, 24.08.11 | 21:45 Uhr, ARD-exclusiv: Alt, arm, arbeitslos

Zitat von jockel Beitrag anzeigen
Tatsache ist, daß wir wieder Mal ein kampagnienmäßig medienwirksames, von Politik und Wirtschaft inszeniertes Affentheater eines angeblichen Fachkräftemangels haben. Bezahlbare Arbeit ist jede Menge da, nur nicht nach der Luxusvorstellungen der Wirtschaft mit jungen, sexy aussehenden, karrieregeilen Berufserfahrenen, die nicht gewerkschaftlich organisiert sind und denen die arbeits- und sozialrechtliche Lebenserfahrung fehlt.

Sobald diese von der Wirtschaft aufgestellten Job-Zugangsvoraussetzungen
  • jung,
  • sexy aussehend,
  • karrieregeil
  • berufserfahrenen,
  • nicht gewerkschaftlich organisiert und
  • arbeits- und sozialrechtliche Unerfahrenheit
nicht vom Bewerber erfüllt werden, gibt es auch keine Vermittlung auf irgendeinen Job durch Arbeitlosenverwahrlosungsämter und Personalabteilungen der Firmen.

Bezahlbare Arbeit ist jede Menge da. Nur der prekär beschäftigte Steuerzahler soll für den Lebensunterhalt der jobsuchenden Erwerbslosen aufkommen. Die dafür eigentlich zuständigen Unternehmer wollen aus Profitgründen ihre arbeitsvertraglichen und ihre grundgesetzlichen Arbeitgeberpflichten seit Jahren nicht mehr erfüllen. Die haben jedes Maß von Anstand, Sitte, Moral und Verantwortung verloren. Das ist der springende Punkt.

Die Globalisierung als Buhmann vors Loch zu schieben, daß angeblich Arbeit ins Ausland abwandert, hinkt. Unternehmer haben gesellschaftspolitische Pflichten - eben Arbeit zu schaffen, zu fördern, weiterzuentwickeln und zu erhalten - zu erfüllen, wo sie ihren Sitz haben, wo sie die Infrastrukturen billigst nutzen, wo ihnen schöne Rahmenbedingungen politisch geschaffen werden. Sie haben ihre Arbeitskräfte leistungsbezogen und existenzsichernd zu bezahlen. Dafür gibt es im Betriebsverfassungsgesetz den § 99 mit der Verpflichtung zur Eingruppierung der Arbeitsaufgaben nach dem Leistungsprinzip in entsprechende Lohn- und Gehaltsgruppen ab einer Betriebsgröße von 20 Beschäftigten. Egal wie groß ein Unternehmen ist, ob unter oder über der 20 Nasen, daß ist den Unternehmern völlig egal. Denen geht dieser Paragraf an Hintern vorbei.

Die Planwirtschaft kommt auch im Kapitalismus vor - in der Planung von Ackermannrenditen jenseits der 25%, ansonsten will man planwirtschaftliche Prinzipien im Kapitalismus nicht sehen, weil Unternehmern nur ihr eigenes Luxusleben interessiert und weiter nichts.

Wie reagiert der wandelnde Hosenanzug und der Schäuble auf diese Steuerzahlungsangebote?

Zum Schutze ihrer anderen, reichen, steuerhinterziehenden Wähler- und Parteienspendenschmierfilzklientel wollen sie bestenfalls von Reichen höhere Steuern, wenn der Staat sich in einer finanziellen Notstandssituation befindet. Das hätten wir noch lange nicht.

Mit planwirtschaftlichen Mitteln Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten, ist nicht das Schlechteste, weil dann der Mensch im Mittelpunkt steht.
Grundsätzlich stimme ich mit Dir überein. Möchte allerdings zu bedenken geben, dass nicht für JEDEN Menschen ARBEIT das höchste Gut ist. D.h., es hat schon immer Leute gegeben, die kamen/kommen mit diesem wenigen Geld, was man als Arbeitsloser erhält, ganz gut klar und haben offensichtlich besseres zu tun, als auf Teufel komm raus arbeiten zu gehen.
Seit HartzIV wurde das aber von diesen verlangt, auch z.B. von allein erziehenden Müttern. Die werden gejagt, irgendwie Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder aufzutreiben, nur damit sie Vollzeit arbeiten können. Und das bei dieser Arbeitsmarktlage! Was soll denn das? Lasst sie doch zuhause, wenn sie da lieber sind und sich um die Kinder selber kümmern! Und wen interessiert es denn, wenn jemand sich sagt, ich leb von wenig Geld und mache mit meiner Zeit lieber was anderes. Derjenige hat doch schon einen (finanziellen) Schaden, durch diese Entscheidung. Warum muss man solche Leute "bestrafen" oder gar zur Zwangsarbeit herbei kommandieren?

Zitat von jockel Beitrag anzeigen
Warum fördert die BRD die Exportgeschäfte der Unternehmer und nicht den Erhalt und die Funktionsfähigkeit der Binnen- und Regionalwirtschaft?

Beides hat seine Berechtigung - Export- und Binnenwirtschaft -, aber bitte immer im ausgewogenen Maß. Sobald wir Exportüberschüsse favorisiert unterstützen, schaden wir andere EU-Mitgliedsländern in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung, wenn dort die Exporte landen und gleichzeitig vernachlässigen wir unseren Binnenmarkt. Wir schmarotzen bei unseren Nachbarn und sind so an deren Wirtschafts- und Finanzkrisen die aktiv verantwortlichen Täter.

Das Sprichwort ist schon richtig: "Schuster bleib bei Deinen Leisten, bleib im Lande und nähre Dich redlich!"
Der Binnenmarkt bedeutet ja auch nicht NUR sinnlosen Konsum, sondern eben auch Schaffung von Arbeitsplätzen. Das kann z.B. auch der ganz normale "Luxus" sein, den man mit einem TZ-Einkommen sich noch erfüllen konnte zu D-Mark-Zeiten: ab und an mal schön essen gehen. Heutzutage hast Du da entweder nur noch die Billig-Buden oder die Schicki-Läden. Furchtbar.
Oder mehr Service. Also Lebensqualität für uns selber. Anstatt für andere zu buckeln. Insbesondere gehen ja die horrenden Gewinne der großen Unternehmen in Geldanlagen im Ausland und nicht in Investitionen im Binnenland (was sie eigentlich sollten).
Also Bildung, schöne Parks und Freizeitmöglichkeiten für ALLE Bürger, ob arm oder reich, Ausrüstung für Firmen und Fabriken etc.

Über eines hat aber keiner hier geschrieben: Es geht bei diesen zynischen Ringelpietz-mit-Anfassen-Veranstaltungen/KDF-Nazi-Verblödungsmaßnahmen für arme Arbeitslose NICHT um Arbeit für Arbeitslose. Es geht einzig und allein um ARBEITSPLÄTZE für die Sozialindustrie/Beamte. Das ist doch ein Super-Geschäft, wo Dir Deine Kunden zwangsweise zugetrieben werden und die können sich kaum oder gar nicht dagegegen wehren (wenn sie nicht unter einer Brücke schlafen wollen).
Jemand hat gemeint, kuck mal Gerd, wir haben da so viel Masse an Arbeitslosen, daraus MUSS MAN DOCH Kapital schlagen können... und so haben es die Verbrecher Schröder/Clement/Fischer und Co dann eben gemacht.
Du brauchst Dir doch nur die Schmiersäcke, die da in den Maßnahmen den Leuten was vom Hengst erzählen, ansehen, dann weißt Du Bescheid.
In der letzten "Bespassungsmaßnahme", wo ich hinsollte, hat der Loser da glatt behauptet, Mercedes (oder sonst ein großes Unternehmen) suchte seit Mooonaten vergääblich nach einer Lagerkraft, obwohl sie 17,-- EUR/Std. bezahlen. Alle Anwesenden haben NICHTS dazu gesagt, nur ich sagte laut und deutlich: "Das GLAUB ICH NICHT!"
(Das überging der Typ geflissentlich. Ansonsten hätte ich ihm gesagt, er soll mir sofort den VV rausgeben, weil ich dann da jetzt SOFORT hingehe. Für 17,-- EUR/Std. arbeite ich auch als Lagerarbeiter, da hab ich gar kein Problem.)
SOOO werden die Leute dort verblödet!
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