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Alt 16.05.2009, 23:09  
Mario Nette
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Standard AW: Arbeitsvermittler bei der Arbeitsagentur

Zitat von Entwistle Beitrag anzeigen
@ Mario:

Ich bin da leider als Angestellter auch gewissen Zwängen unterworfen, wie du dir sicher denken kannst. Ich habe zwar einen gewissen Ermessensspielraum, aber irgendwann haut mir mein Arbeitgeber auch auf die Finger, wenn ich alle Kunden so machen lasse, wie sie gerne möchten.

Was spricht denn gegen einen dritten Arbeitsmarkt, also gegen staatlich subventionierte Arbeit auf permanenter Basis? Ich sehe das doch täglich im Büro: Manche Kunden werden nie wieder einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt finden, egal, wie sehr ich ihnen das wünschen würde. Die sind dann sehr traurig, wenn ihr 1-Euro-Job nicht mehr verlängert werden kann, weil sie dort nette Kontakte mit anderen Leuten hatten und vor allem eine Aufgabe.

Warum also nicht, anstatt von Staatsseite sinnlos Geld in eine riesige Bürokratie zu pumpen, den Leuten zu ermöglichen, für ihr Geld arbeiten zu gehen? Sie würden weiter vom Staat Leistungen beziehen, aber nicht mehr in dieser Almosen-Form, sondern real als Lohn. Wie oft höre ich von meinen Kunden "es ist mir peinlich, vom Staat zu leben". Ich bin sicher, sie würden sich besser fühlen, wenn sie etwas dafür tun würden.
Mir geht es um den Zwang, den du auf deine Kunden ausübst. Du sagst, du musst dir drakonische Strafen ausdenken. Du sagst auch, dass dir dein Arbeitgeber (sonst) aufs Dach steigt. Was tust du also konkret: Du gibst den Druck deines Arbeitgebers fast 1:1 weiter an die Leute, die nicht daran schuld sind, dass der Arbeitsmarkt so beschissen ist (und die ihn über die Annahme eines Ein-Eurojobs oder das Akzeptieren einer Sanktion garantiert nicht ändern werden). Und das alles nämlich eigentlich auch aus dem Grund, damit DU DEINE Schäfchen (deinen Job) ins Trockene bringst.

Gegen staatlich finanzierte Arbeit spricht in Teilen nichts; auch deine Arbeit ist staatlich finanziert. Die Frage darf doch aber gestellt werden, warum sich der Staat Arbeit ausdenken soll, die entweder total sinnentleert und sinnentleerend(!) ist oder die man eigentlich vernünftig entlohnt sehen will? Warum zum Beispiel wurden früher in einigen Komunen die Grünanlagen von Festangestellten gepflegt, die weder um ihr Gehalt streiten noch es bei irgend einem Amt beantragen mussten, stattdessen aber Rechte wie jeder normale Arbeitnehmer hatten - und warum schickt man jetzt Leute in die Grünanlagen, die dafür zum Einen nur den Mehraufwand erstattet bekommen und zum Anderen auf einem Existenzminimum herumdümpeln, während sie für sicherlich auch einige hundert Euro im Monat verwaltet werden?

Mit Ein-Euro-Sklavenjobs und Sanktionen diesbezüglich wirst du das Bürokratiemonster jedenfalls nicht bändigen, sondern es füttern. Nebenbei vielleicht ganz interessant: Ich lese gerade ein Buch aus den 70ern mit dem Titel: Vom Schock zum Fatalismus? Soziale und psychische Auswirkungen der Arbeitslosigkeit (Broschiert) - gibt es für momentan einen Cent + 3 Euro Versandkosten. Einige Parallelen von darin schon zitierten Quellen aus den 30ern zu heute sind auffällig.

Mario Nette
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