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Alt 30.03.2009, 13:57  
B. Trueger
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B. Trueger
Standard AW: Demo gegen die Krise 28. März 2009

Zitat von Bielsteinbräu Beitrag anzeigen
@ B.Trueger
Warum immer diese Lethargie ?
Auch wenn unser Ego uns vormacht es geht nicht anders heißt das ja nicht das es ewig so sein muß.
Angesichts großer Probleme fühle ich mich hilflos - einer wilden Hundertschaft gegenüber, einem übermächtigem Staatssystem, einer übermächtigen Naturgewalt oder ...Wenn aber viele Menschen gemeinsam tatkräftig zupacken, dann ruckt es. Hochwasser an der Oder - die Menschen stehen Schulter an Schulter und packen zu, der Wiederaufbau nach dem Krieg und ... Es funktioniert doch. Warum sollen wir also uns von unserem Ego weiter so in in dieser stumpfsinnigen Teilnahmslosigkeit knechten lassen ? Dieser Opferrolle - man kann ja eh nichts machen , die machen ja eh was sie wollen, das klappt ja doch nicht.? Gemeinsam sind wir nicht ohnmächtig sondern stark. Dieses Gefühl der Gemeinsamkeit und Stärke berührte mich stark bei den Reden zum Auftakt der Demo. Wenn wir gemeinsam - Schulter an Schulter - für unsere Rechte einstehen - dann gehts. Dazu bedarf es nur einer persönlichen "Bewegung"Wir müssen doch nicht nur vor dem PC sitzen und Bewegungsübungen der Finger an der Tastatur machen. Bei einem gemeinsamen Spaziergang am 16. Mai könnten wir doch unseren gemeinsamen Unmut über diese Vollschmarotzer im Land kundtun. Nichts ist beständiger als der Wandel. Und den brauchen wir jetzt. Es ist Schluss mit lustig. Schluss mit Zechprellerei. Das System hat fertig. Wir zahlen nicht für Eure Krise !
Hallo lieber/liebe Bielsteinbräu (ich versteh eigentlich nicht, warum es in Profilen Gästebücher gibt aber keine Geschlechteranzeige). Mir ist ehrlich nicht ersichtlich, wie du darauf kommst oder aus was du es liest, ich sei lethargisch? Nein Bielsteinbräu, das bin ich nicht, versprochen.


Ich möchte einmal etwas auf deinen hier zitierten Beitrag eingehen, vielleicht auch etwas tiefgründiger. Du fühlst dich hilflos, wie ich das so erlese, anlässlich der großen staatlichen Übermacht, was ich mit Sicherheit vollends verstehen kann. Ich weiß nicht, ob du meine Beiträge hier zuvor auch schon mal durchgelesen hast, es wäre dir vermutlich aufgefallen, dass ich ebenfalls auf dieser Demo anwesend war, in Frankfurt, liegt das ja nahe, da ich hier wohne. Gut, sei es drum.


Ich sehe, du bedienst dich mit althergebrachten Begründungen, wieso und warum ich nicht teilgenommen habe, was ja nicht stimmt, warum ich lethargisch bin, was ja nicht stimmt und wieso und weshalb und warum. Ich verstehe deine Sicht der Dinge, träumst du doch bestimmt von einer gerechteren Welt. Tu ich ja auch. Ja, allen soll es besser gehen, wenn....


Und da geht es ja dann auch meist schon los:


Zitat:
Wenn aber viele Menschen gemeinsam tatkräftig zupacken, dann ruckt es.


Wenn wir gemeinsam - Schulter an Schulter - für unsere Rechte einstehen - dann gehts.


Bei einem gemeinsamen Spaziergang am 16. Mai könnten wir doch unseren gemeinsamen Unmut über diese Vollschmarotzer im Land kundtun.
Hätte, könnte, wenn, würde, sollte. Ja, die Konjunktiv-Kiste ist sehr tief. Das ist das eigentliche Problem an allem. Ich versuche das mal etwas zu spezifizieren. Vor einigen Jahren gab es ja bekannter Weise mal einen Sternenmarsch nach Berlin hinsichtlich der Hartz-Gesetzgebung. 200.000 Teilnehmer zählte man damals. Beachtlich, wo es doch nur um Hartz IV ging und damals vielleicht mal so 5 Millionen davon direkt betroffen waren. Ok, heute sind es mehr, will das aber nicht ausufern lassen. Bei der derzeitigen Lage, der Bankenkrise, der Wirtschaftskrise, welche nun mal auch arbeitsmarktpolitisch, sozialpolitisch, gesellschaftspolitisch einiges mit sich reißen wird, versammelten sich in Berlin mit über 3 Millionen Einwohner ca. 30.000 Demonstranten, in Frankfurt, bei ca. 650.000 Einwohnern gut 20.000 Demonstranten. Nur betrifft die derzeitige Krise aber nicht nur wie damals eine kleine Gruppe von 5 Millionen Menschen, sondern heute betrifft diese Krise 82 Millionen Menschen. Ergo so ziemlich alle – dabei gingen aber gerade mal ¼ derer auf die Straßen, die es noch beim damaligen Sternenmarsch schafften.


Ich will nun wirklich nicht glauben, dass die nicht Anwesenden alle krank waren, kein Geld für die Reise, Behinderungen oder sonstige Entschuldigungen hatten. Angesicht der wirklich desolaten Lage auf dem Arbeitsmarkt, welcher ja noch zunehmen wird, stell ich dir doch mal die Frage:


Wo waren die ca. 25.000 Opelaner, was ja nun wirklich in den Medien breit gequatscht wurde und wo waren deren Familien?


Wo waren die ca. 400.000 Kurzarbeiter?


Wo waren die unterbezahlten und überarbeiteten Ärzte und Schwestern der auf ökonomische Gewinnmaximierung getrimmten Krankenhäuser?


Wo bitte waren die ca. 670.000 Leiharbeiter?


Alles Betroffene der derzeitigen Krise und des vorausgegangenen neoliberalen Agierens der Politik und Wirtschaft. Wir leben doch in einer Demokratie oder doch nicht? Ja wirst du sagen und Millionen andere natürlich auch, nur ist es nicht auch so, dass in einer Demokratie, in der das Volk regiert, die Steuern und Abgaben für die Masse ins Unerträgliche steigen, während die großen Konzerne (die wenigen gehören) von Steuern nahezu komplett befreit sind, dass Steuern auf erwerbstätige Arbeit (95% der Bürger) hoch sind, während die Steuern auf die unermesslichen und ohne eigene Arbeit erworbenen Kapitalrenditen (extrem bei 1% der Bevölkerung) durch Steuerschlupflöcher nahezu Null ist, dass alle unter Globalisierung und Arbeitsplatz-Export leiden, die Politik aber nicht imstande ist, die deutsche oder europäische Wirtschaft mit ein paar Gesetzen zu schützen? (am Rande: Das Problem Globalisierung war mit der deutsch-französisch-russischen Zollunion bereits 1834 erkannt und gelöst, musste nach dem Ersten Weltkrieg aber wieder eingeführt werden), dass die Wirtschaft ständig wachsen muss - unendlich (!) - um "gesund" zu sein, dass Staatsschulden fast aller Länder der Welt seit Jahrzehnten nur einen Weg kennen - nach oben? Das kann ich hier kilometerweit aufführen.


Scheint alles nicht wirklich von Interesse zu sein. Bei keinem. Ich frage mich auch, wenn ich das mal auf Brandenburg und Hessen begrenze, wo denn die 1.382.000 Schüler und Studenten waren, ausgehend des Bildungsnotstandes, auf Grund Einsparungen und Privatisierungen. Wir hatten mit eines der besten Bildungssystem der Welt, nur komisch ist doch, dass obwohl allen der Bildungsnotstand bekannt ist, eines der besten Bildungssysteme der Welt über viele Jahrzehnte abgebaut wurde und sich laufend weiter verschlechtert, dass das Privatfernsehen ungehemmt Bevölkerungsverdummung auf dem niedrigsten Niveau aller Zeiten betreiben kann, dass finanzielles Grundwissen nicht vermittelt wird, obwohl sich die meisten Menschen bei Haus- und Autokauf über Jahre und Jahrzehnte verschulden und hunderttausendfach von den Banken abgezogen werden? Ja, auch hier kann man kilometerweit auflisten. Wo waren sie, die Bildungsverteidiger?


Wo waren die 14.000 registrierten User des Elo? Wo waren die sonst bei allem mitreden wollenden ca. 2,5 Millionen Mitglieder der Partei Die Linke? Also, ich habe da wirklich einige vermisst.


Bielsteinbräu, wir sehen das Treiben hier aus unterschiedlichen Blickrichtungen. Du träumst von hätte könnte, würde, müsste, sollte, wenn, nicht nur du allein – also ein Soll-Zustand, ich betrachte derweil den Ist-Zustand, ohne rosarote Brille. Die Krise ist global, das Agieren der Kapitalisten ist global, ergo muss auch der Protest globalisiert werden, sonst haben wir, trotz Masse immer das Nachsehen und wir werden weiterhin von einer geldgeilen Minderheit beherrscht.


Hier verlangt man Widerstand, ich verlange massiven, landesweiten Protest in aller schärfsten Form. Man applaudiert hier einer Latschdemo mit eklatanter Unterbesetzung zum Non-Plus-Ultra-Erfolg, ich seh hier das desaströse Versagen der deutschen Verantwortlichkeit eines jeden. Wer vom Schlaraffenland träumt und gebratene Tauben erwartet hat sicherlich viel Phantasie. Nur, dazu darf man nicht nur mit Zündhölzern drohen, da muss man schon ein Feuerchen machen, um Tauben auch braten zu können, denn sonst bleibt es immer ein Soll-Zustand und nie ein Ist-Zustand.


Was mir immer zu kurz kommt, die systemischen Felder werden kaum beachtet, ja die Systemfrage selbst kaum gestellt, dabei liegt darin doch die Ursache allen Übels. Auch frage ich mich, was wäre, würden wir tatsächlich etwas ändern? Es dauert nicht lange und der Michel fällt wieder ins Konsum-Koma, die Kapitalisten werden dahingehend immer weiter versuchen, die Menschen, Grund und Boden für sich selbst zu nutzen und alles dafür tun, ihre Ziele zu erreichen. Wir aber pennen dann wohl wieder und wachen erneut in der nächsten Exkrement auf. Man muss berücksichtigen, Politik und Wirtschaft babbeln nicht nur, sie machen. Wir aber hier babbeln nur oder, wie du auch schreibst, verkrüppeln uns die Finger beim Tippen. Einige hier haben ja sogar wahnhafte, krankhafte copy & paste-Veranlagung, dass m.E. Bei denen fachärztliche Behandlung notwendig ist.


Wir zahlen nicht für eure Krise Bielsteinbräu, wie du noch so fett markiert hast? Oh doch, das tun wir, das wird ja sogar hier im Forum gar noch beworben, mit Abwrackprämie, mit Hinweisen auf Anträgen. Die 2.500 zahlt nicht Merkel oder Steinbrück aus der Kaffeekasse. Bei den bereits versenkten Milliarden will ich gar nicht erst anfangen, die wir alle, du, ich auch zahlen werden. Bei Menschen, die 10 Jahre eine alte Karre fuhren, weil sie kein Geld für ein neues Auto haben. Denn nicht umsonst fahren sie solche alten Kisten. Nun sollen aber diese mit 2.500 Euro Prämie gelockt werden, sich ein neues Auto zu kaufen, den Restbetrag haben sie natürlich auch nicht, das muss dann über die Händlerbank der jeweiligen Marke wieder finanziert werden, zu einem Zinssatz von 1,9 – 10%, je nach Klasse. Weiter geht’s im Schuldenrad. Und wenn dann diese erwerbslos werden, die Tilgungsraten nicht mehr tragen können, ist Prämie futsch und Auto auch + Schulden. Dass das hier noch in einem Thread so bejubelt wird halte ich persönlich für fatal. Zumal ein jeder mehr für sein Auto bekommt, sind doch die Absatzzahlen der Händler massiv in den Keller gerutscht, so dass die meisten weit mehr als 2.500 € für eine alte Karre zahlen, würde der Verkäufer sich dort einen neuen Wagen kaufen.

Wir wollen nicht für eure Krise zahlen wäre vielleicht sinniger gewesen aber parallel mit einem Forderungskatalog ud natürlich mit mehr Teilnehmern. So aber war das wieder ein Spektakel, was die Medien, trotz Anwesenheit sogar noch totschweigen. Nix gewonnen. War aber dennoch schön, mit vielen Leuten zu plaudern und Kontakte zu knüpfen.
B. Trueger ist offline