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Start > > -> linke und rechte Konvergenzen beim Thema 'Ende der Arbeit'

...Grundeinkommen Alles zum Grundeinkommen


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Alt 23.08.2006, 09:26   #1
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redwitch
Standard linke und rechte Konvergenzen beim Thema 'Ende der Arbeit'

es lohnt sich das weiter zu verfolgen, weil das auch im Zusammenhang zum Thema Grundeinkommen steht.

Bei der These vom Ende der Arbeit und der Kritik am Modell der Vollbeschäftigung, die Massenarbeitslosigkeit als strukturelles und unabänderliches Phänomen sieht, treffen sich linke und rechte Positionen, wie beim Thema Grundeinkommen/Bürgergeld. Seltsame Einigkeit.

Freilich sind die Grundpositionen gegensätzlich: Ein 'Linker' wie Kurz geht von einer Krise des Kapitalismus an sich aus, also von einer radikalen Kapitalismuskritik, neoliberalen Think tanks sehen andererseits in der kapitalistischen Wirtschaftsverfassung die beste aller möglichen Welten.

Trotzdem stellt sich bei der Kritik am Modell der Vollbeschäftigung bei beiden eine seltsame Einigkeit ein. Albrecht Müller stellt diese Sicht in Frage anhand der Tatsache, dass zB Schweden nicht von solcher Massenarbeitslosigkeit betroffen ist.

Zitat:
Transnationalisierung und Globalisierung, neue Kommunikationsinfrastrukturen und die Welle der mikroelektronischen Rationalisierung, technischer Fortschritt und Dienstleistungsgesellschaft - alles wird so dargestellt, als sei das gänzlich neu und als seien wir nur Opfer von strukturellen Veränderungen und als hätte die Politik keinen Entscheidungsspielraum mehr. Robert Kurz spricht von der bevorstehenden „neuen Qualität der strukturellen Massenarbeitslosigkeit“. Alles ist neu, so die Vorstellung. Um das Jahr 2000 oder irgendwann in den 90ern muss es den großen Bruch gegeben haben. Die Zeitenwende. Komisch, in Ländern wie Schweden nicht oder jedenfalls nicht so.
Makropolitik, also eine aktive Beschäftigungspolitik gibt es in den Köpfen der Linken und der Rechten in gleicher Weise sowieso nicht. „Die Sehnsucht nach Arbeitsplatzinvestitionen wird zur gefährlichen Ideologie“, schreibt der linke Kurz, wie die meisten seiner Aussagen ohne jede schlüssige Begründung. Dafür um so mehr Jargon. Auch das verbindet. Logischerweise stellt die Autorin der „Welt am Sonntag“ fest, es sei parteiübergreifender Konsens, dass es jetzt der Niedriglohnsektor richten soll. Wie denn? Auch nur Jargon.
Kurz tut so, als gäbe es Standardisierung und Automatisierung in den Verwaltungsbereichen der Industrie erst jetzt. Der Betrieb, in dem ich meine kaufmännische Lehre machte, führte die EDV anfangs der 70er ein. Von anderen Betrieben weiß ich, dass sie seit langem nicht mehr mit Nadel und Lochkarten arbeiten.
Interessant auch, wie bei Kurz das „Übernahmefieber“ als nicht beeinflusst von politischen Rahmensetzungen dargestellt wird. Kein Wort zu der von Schröder und Eichel eingeführten Steuerfreiheit für die bei Übernahmen erzielten Gewinne. Und deshalb natürlich kein Wort dazu, dass dies kein Fieber ist (dann wäre ja die schöne Headline kaputt) und dass man etwas gegen das angebliche Fieber tun könnte: die Steuerfreiheit zurücknehmen und bessere Regeln und Kontrollen gegen das Unwesen der sogenannten Heuschrecken einführen.
http://www.nachdenkseiten.de/cms/fro...t=5&idart=2057
redwitch ist offline  
Alt 23.08.2006, 13:22   #2
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silkem
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:icon_kinn: Und was macht Schweden anders? :icon_kinn:
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Leben und Leben lassen!
silkem ist offline  
Alt 23.08.2006, 19:20   #3
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redwitch
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also wenn Du Dich dafür interessierst, würde ich vorschlagen, dass Du Dich auch um Infos bemühst, ich tue es ja auch nicht anders

soweit ich es zeitlich schaffe, sehe ich mich aber gerne um.

für den Anfang habe ich das gefunden

Zitat:
Sowohl Sozialdemokraten als auch schwedische Konservativen streichen im schwedischen Wahlkampf die großen Verdienste des schwedischen Wohlfahrtsstaatsmodells in der Globalisierung heraus. In diesem Punkt gibt es zwischen beiden Parteien keine grundsätzlichen Unterschiede. Die Konservativen mit ihrem Spitzenkandidaten Reinfeldt wollen nur einige wenige Sozialleistungen streichen, die sie als hinderlich für das Bemühen um die Wiederaufnahme einer Arbeit erachten, was die Sozialdemokraten unter Persson aber strikt ablehnen.

Roger Mörtvik, politischer Direktor der mit einem Organisierungsgrad von 80% sehr starken Gewerkschaft der Beamten und Angestellten, schrieb in seinem Buch „Die Turboökonomie oder der weltweite Kampf um Beschäftigung und Wohlfahrtsstaat“, dass sich Schweden mit seiner hohen Steuerquote und dem dadurch möglichen und großzügig ausgebauten Wohlfahrtsstaat als das Land erwiesen habe, das gegenüber den Risiken der Globalisierung am besten gerüstet ist. Dieser Erfolg der nordischen Länder sei jetzt offensichtlich eine unerträgliche Provokation für die europäischen Neoliberalen.

Im direkten Interview mit Le Monde erklärte Mörtvik, die Lösung der aktuellen gesellschaftlichen Probleme könne nicht in einer Senkung der Steuerbelastung oder einer weiteren Einschränkung des Sozialstaates liegen. Im Gegenteil habe gerade Beibehaltung und Ausbau des Wohlfahrtsstaats Schweden überhaupt dazu befähigt, der Herausforderung der Globalisierung angemessen begegnen zu können. Bei allen Reformen, die den Unternehmen mehr Flexibilität brachten, seien gleichzeitig auch die Sicherheitsbedürfnisse der Arbeitnehmer beachtet worden.

Die Vorteile, die ein intaktes soziales Netz in Verbindung mit großen sozialen Vergünstigungen gebracht haben, hätten dazu geführt, dass Schweden heute gleichzeitig eine hohe Geburtenrate und einen hohen Beschäftigungsstand der Frauen habe.

Großzügige Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung in Verbindung mit der Möglichkeit einer vom Staat bezahlten, schnellen und effektiven Weiterbildung hätten dazu geführt, dass Arbeitslosigkeit in Schweden heute ihren Schrecken verloren habe.

Arbeitsplätze kämen und vergingen, das sei die Realität. So arbeiteten heute fast ein Drittel aller Arbeitnehmer in Schweden auf Arbeitsplätzen, die es vor zehn Jahren noch nicht gab. Bei ihrer Politik setzten die schwedischen Gewerkschaften daher ihre Priorität nicht auf die Rettung vom Strukturwandel betroffener Arbeitsplätzen, sondern auf die Durchsetzung des Rechts der Menschen auf Arbeit. Um den im Weltmaßstab erreichten Vorsprung als Wohlfahrtsstaat halten zu können, müsse Schweden allerdings sein Bildungswesen noch deutlich verbessern und ausbauen.
http://www.nachdenkseiten.de/cms/fro...t=5&idart=1704
redwitch ist offline  
Alt 03.09.2006, 23:57   #4
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commie
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Zitat:
Deie schwedische Gesellschaft leidet unter sehr vielen Problemen, Orientierungslosigkeit, Gewalt(erschreckende hohe Gewaltrate auch unter den "einheimischen" Jugendlichen), zerruettete Familien, schlechte Schulen(mein Kind wuerde ich nicht auf eine schwedische Schule schicken), "Polizei", die so gut wie nichtexistent ist.

http://www.politikforum.de/forum/sho...eden+migranten


Von jemandem, der dort lebt.


Zitat:
Ein 'Linker' wie Kurz

Wieso in Anführungszeichen?


Zitat:
Albrecht Müller stellt diese Sicht in Frage anhand der Tatsache, dass zB Schweden nicht von solcher Massenarbeitslosigkeit betroffen ist.

Das sind Indien, England, China und die USA (um EINIGE Beispiele zu nennen) OFFIZIELL auch nicht... liegt bei den USA bspw. daran, daß viele lieber auf das karge Arbeitslosengeld verzichten, zurück zu ihren Eltern ziehen und von deren Einkommen leben, das diese in Zeiten prosporierender Wirtschaft akkumulieren konnten. Des Weiteren wird das Arbeitslosengeld maximal 5 Jahre gezahlt wird und Leute, die 4 oder 5 Stunden die Woche irgendwas arbeiten, nicht mehr als arbeitslos gelten...


OB es sich, wie Kurz behauptet, um die finale Systemkrise des Kapitalismus in der Dritten Industriellen Revolution handelt, sei dahingestellt - Anzeichen dafür gibt es jedenfalls genug, und auch Kurz` Prophezeiungen im "Schwarzbuch Kapitalismus" 1999 sind bis jetzt auch eingetreten - die Spirale zeigt abwärts.


Der Kapitalismus - die Endlösung der Menschheitsfrage?
__

Mitglied in der geheimen DKP-Militärorganisation (aber bitte nicht weitersagen, sonst scheitert die Revolution)!


„Diese Verhältnisse sind nicht die von Individuum zu Individuum, sondern die von Arbeiter zu Kapitalist... streicht diese Verhältnisse, und ihr habt die ganze Gesellschaft aufgehoben.“

(Karl Marx, "Das Elend der Philosophie")
commie ist offline  
Alt 05.09.2006, 00:39   #5
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redwitch
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ja, ich weiß: Schweden ist auch kein Paradies auf Erden

Zitat:
Der Kapitalismus - die Endlösung der Menschheitsfrage?
im apokalyptischen Sinne, der Kapitalismus ist der Totengräber von Mensch und Natur.
redwitch ist offline  
Alt 05.09.2006, 05:04   #6
nakamura
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Beiträge: n/a
Standard Skandinavien

Hallo,

trotz alledem scheinen die skandinavischen Länder ein anderes Menschenbild zu haben, als meinetwegen Deutschland, oder die neoliberale Clique der EU. auch scheinen sie sich vom Patriachat mehr gelöst zu haben, als andere europäische Länder. Ich kann mir gut vorstellen, das eben wegen der neloliberalen EU, die skandinavischen Länder mancherorts doch unter heftigen Druck stehen, was den repressiven Charakteren, die dort mit Sicherheit auch leben, mitunter den "rechten Fahrtwind" zum weiteren Abbau des Sozialen an sich, "ermutigt".

Zu Robert Kurz hätte ich auch noch etwas anzumerken.
Mir ist immer wieder aufgefallen, das er zwar recht gut analysieren kann, aber er "liefert" niemals Begründungen, oder versucht eine Alternative darzustellen. Eine Alternative ins Auge zu fassen, wie es meinetwegen Negri und Hardt in ihren Büchern "Empire" und "Multitude" tun, unterläßt Kurz. Fast habe ich das Gefühl, das Robert Kurz so etwas wie ein Ressentiment vor sich herschiebt, das sich so manifestiert, das er eben keinerlei Alternativen ins Auge fasst. Und klar ist natürlich, wer Alternativen ins Auge fasst, dem ist Kritik und Auseinandersetzung sicher.
Kurz mag vielleicht in seinem stillen Kämmerlein zu stichhaltigen Analysen kommen und diese gut darstellen, aber das reicht nicht.

MfG,
nakamura
 
Alt 05.09.2006, 07:40   #7
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silkem
Standard

@redwitch:
Danke für das Zitat und den Link :)

Ich denke die Kernpunkte für den wirtschaftlichen Erfolg und die geringe Arbeitslosenquote in Skandinavien geben folgende Punkte treffend wieder:
Zitat:
Die Vorteile, die ein intaktes soziales Netz in Verbindung mit großen sozialen Vergünstigungen gebracht haben, hätten dazu geführt, dass Schweden heute gleichzeitig eine hohe Geburtenrate und einen hohen Beschäftigungsstand der Frauen habe.
Großzügige Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung in Verbindung mit der Möglichkeit einer vom Staat bezahlten, schnellen und effektiven Weiterbildung hätten dazu geführt, dass Arbeitslosigkeit in Schweden heute ihren Schrecken verloren habe.
Nebenbei habe ich die Skandinavier als relaxter und innovationsfreudiger erlebt als die Deutschen.

Ich sehe auch, dass ich mich noch mit vielen Dingen auseinanderzusetzen habe - aber der Tag hat auch nur 24h :icon_kinn: :icon_kinn:

LG

Silke
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Leben und Leben lassen!
silkem ist offline  
Alt 05.09.2006, 07:44   #8
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silkem
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@Nakamura:

Zitat:
Eine Alternative ins Auge zu fassen, wie es meinetwegen Negri und Hardt in ihren Büchern "Empire" und "Multitude" tun
Welche Bücher von den beiden meinst du genau?

LG

Silke
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Leben und Leben lassen!
silkem ist offline  
Alt 05.09.2006, 15:47   #9
nakamura
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Beiträge: n/a
Standard Empire

Empire!, meine ich.
Im Grunde genommen ein "kommunistisches Manifest" des 21. Jahrhunderts.

MfG,
nakamura
 
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