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...Grundeinkommen Alles zum Grundeinkommen


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Alt 15.06.2006, 11:16   #1
redwitch->Emailproblem
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Registriert seit: 13.02.2006
Beiträge: 297
redwitch
Standard Einwendung gegen das Modell Grundeinkommen

Zitat:
Ein Aspekt aller Grundeinkommensmodelle ist übrigens, dass sie höhere Verteilungsgerechtigkeit ausschließlich durch eine nachträgliche Korrektur der in der Geldökonomie zustande gekommenen ungleichen Einkommensverteilung erreichen wollen. Umgekehrt könnte aber auch für eine ausgewogenere Verteilung des produktiven Vermögens und der daraus erzielten Einkommen gesorgt werden. Autoren wie Ronald Blaschke betrachten eine solche Ausgewogenheit aber als Hindernis: „Dort, wo halbwegs gesicherte Kapitaleinkommen zur ausreichenden Existenzsicherung beitragen, besteht weder individuell noch sozialstaatlich Interesse an der Einführung eines garantierten Grundeinkommens.“
Natürlich: Denn dann ist es ja überflüssig. Warum aber soll ein existenzsicherndes Einkommen nicht auch durch Verteilung produktiver Vermögenswerte ermöglicht werden? Bei einer Landreform oder der Verteilung von Land an Landlose im Süden geschieht genau das. Ebenso geschieht es, wenn in Argentinien oder anderswo Beschäftigte Unternehmen in Eigenregie übernehmen oder Genossenschaften gegründet werden. Auch an den arbeitslosen Einkommen, die die BürgerInnen des US-Bundesstaats Alaska aus dem staatlichen Erdölfonds beziehen (ein oft von Eduardo Suplicy zitiertes Beispiel) ist wenig auszusetzen. Vielleicht fehlt hier der „antikapitalistische“ Gehalt. Aber man erspart sich die logische Inkonsistenz, mit Grundeinkommensmodellen den „Kapitalismus von innen zerstören“ (Blaschke) zu wollen, deren Finanzierung aber vom Funktionieren genau dieses Kapitalismus abhängig zu machen.
D.h. jedes Modell eines Grundeinkommens setzt das Funktionieren des kapitalistischen Systems voraus, dessen soziale Unzulänglichkeiten es angehen will. Das erklärt auch, warum sich so viele Unterstützer dieser Modelle unter dem 'Unternehmerlager' finden.

http://www.suedwind-magazin.at/z_detail.asp?ID=3612
redwitch ist offline  
Alt 16.06.2006, 13:57   #2
mo->Emailproblem
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Registriert seit: 08.03.2006
Beiträge: 92
mo
Standard Re: Einwendung gegen das Modell Grundeinkommen

Zitat von redwitch
D.h. jedes Modell eines Grundeinkommens setzt das Funktionieren des kapitalistischen Systems voraus, dessen soziale Unzulänglichkeiten es angehen will. Das erklärt auch, warum sich so viele Unterstützer dieser Modelle unter dem 'Unternehmerlager' finden.
hallo redwitch,

ja, diesen punkt sehe ich ähnlich - aber ich halte das grundeinkommen aus einem anderen grund für etwas sehr elementares und letztlich auch - ähem, subversives :party: :

die entkoppelung von existenzgrundlage und lohnarbeit wäre ein gewaltiger schritt, dessen v.a. psychologische wirkung gar nicht zu überblicken wäre - und das wäre dann mal eine echte strukturelle veränderung einer tragenden säule dieses systems - mit möglichen vielfältigen positiven effekten auf andere, ebenso tragende bereiche.

unser menschenbild könnte sich dadurch ändern - und alleine das macht das projekt primär für mich unterstützenswert.
__

"Wenn es ein Phänomen wie das absolut Böse überhaupt gibt, dann besteht es darin, einen Menschen wie ein Ding zu behandeln."

(John Brunner, Der Schockwellenreiter)
mo ist offline  
Alt 01.07.2006, 17:03   #3
Perestroika
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Standard

Na so wenig Einwände? Das ist ja sehr betrüblich, am Ende wirds wohl noch was mit dem Grundeinkommen!

Und das wenige bißchen kriegen wir auch noch weg! ;)

1.
Zitat:
Ein Aspekt aller Grundeinkommensmodelle ist übrigens, dass sie höhere Verteilungsgerechtigkeit ausschließlich durch eine nachträgliche Korrektur der in der Geldökonomie zustande gekommenen ungleichen Einkommensverteilung erreichen wollen.
Das Problem ist nur, daß es gar nicht um "Verteilungsgerechtigkeit" geht. Das ist ein rein akademisches Problem und interessanterweise wird es oft von denen "beackert", die ihre Pfründe schon gesichert haben.

Bei solchen Leuten sind wir doofen und schmutzigen Menschen nur das unvermeidbare Anhängsel "höherer" Modelle und Prinzipien. Was wir wollen, tuen, wie wir leben und wie wir leben wollen spielt hier keine Rolle.
Wenn so "verteilt" wird, daß man nichts mehr zu beißen hat, dann es es eine wahrhaft banale Erkenntnis, darin ein "Verteilungsproblem" zu sehen. Dennoch ist und bleibt in diesem Fall der Mangel an Ernährung das primäre Problem. Wenn es am Ende z.B. mittels eines Grundeinkommen futsch ist, dann mag das "Verteilungsproblem" ja noch bestehen, aber das primäre Problem, um daß es uns eigentlich geht ist futsch.

2. Daß das Markenzeichen für Kapitalismus ein Verteilungsproblem sein soll, halte ich für ein Ammenmärchen. Historisch war Kapitalismus eine Gesellschaft in der ein großer Teil der Menschen nichts besaß und -um nicht zu verrecken- waren gewisse "Proletarier" gewzungen ihre Arbeitskraft als Ware zu verkaufen. Bei großem Arbeitsangebot sank der Preis, d.h. der Lohn, bis auf ein gewisses Minimum.
Das war eigentlich das "kapitalistische" Prinzip, dem man sich als "einzelner" nur durch reiche Erbschaft oder Zufallsglück entziehen konnte, oder "kollektiv" durch Klassenkampf.
Es gab für große Bevölkerungsteile keine Alternative.

In der BRD sind nun z.B. von 81 Mio Bürgern überhaupt nur 39 Mio "erwerbstätig". 41 Mio sind nicht erwerbstätig und existieren -wie auch immer- nicht vom Verkauf ihrer Arbeitskraft. (Obwohl natürlich noch die Schattenwirtschaft erwähnenswert ist, wo es in der "illegalität" so zugeht wie im Kapitalismus von 1848).

Unter den Erwerbstätigen sind wiederum viele Millionen -z.B Lehrer (1,2 Mio) oder Geschäftsführer von Banken, Geschäften oder Parteien usw, die mehr arbeiten, als für ihre Existenz unmittelbar erforderlich. Es sind nicht die typischen "Lohnarbeiter" des vergangenen Kapitalismus. Die Frage ist also: leben wir denn überhaupt im "Kapitalismus"? Wenn nicht, müssen "wir" ihn auch nicht beseitigen.

Heute ist es auch möglich, und mit einem Grundeinkommen ist es erst recht möglich, mit anderen Betriebsformen zu experimentieren. Im vergangenen "Kapitalismus" wurden z.B. Genossenschaften -wenns "ökonomisch" nicht ging, militärisch beseitigt.
Davon kann aber doch wohl heute kaum die Rede sein! Im Gegenteil, unabhängig von der inneren Struktur der Betriebe, erhalten sie Unterstürzung von Kommune, Land, Bund oder EU.

Kurzum, den Einwand gegen das Grundeinkommen, daß es das "Funktionieren des kapitalistischen Systems voraussetzt" kann ich nicht nachvollziehen. Das ist ein rein akademischer Einwand und hängt von der jeweiligen Weltinterpretation ab.

In der realen und vergangenen kapitalistischen Klassengesellschaft war das "Grundeinkommen" bereits unmöglich, weil Geld noch Gold war, ganz zu schweigen davon daß die damalige Kapitalistenklasse bis auf wenige Ausnahmen nicht das geringste Interesse an so was gehabt hätte: Damals hat man ja alles getan den Proletariern -bzw den Menschen überhaupt- jede Alternative zur Lohnarbeit zu nehmen. Die Befreiung der "Leibeigenen" unter Führung der Fabrikbesitzer war z.B. auch eine Befreiung der Menschen von "ihrem" Land, von ihrer gewohnten Existenzgrundlage, so daß sie als besitzlose Proletarier in die wachsenden Städte strömten...

Zitat:
Das erklärt auch, warum sich so viele Unterstützer dieser Modelle unter dem 'Unternehmerlager' finden.
Na ja mein Freund, das "Unternehmerlager" besteht auch aus vielen Selbständigen. Dazu kommt aber daß in "modernen" Betrieben (ob nun gewöhnlicher Chef-Betrieb, Genossenschaft, Landkommune, Kolchose oder lockere Linux-Gemeinde) "Zwangsarbeiter" nicht gebraucht werden. Menschen die mit ihren Arbeitsbedingungen nicht einverstanden sind, können schon beim Gebrauch der "Werkzeuge" versehentlich große Schäden anrichten, anders als z.B. im Steinbruch.
Das Grundeinkommen sorgt mit dafür, daß nach und nach jeder der Arbeit nachgeht, mit der er eben zufrieden ist, insgesamt im Sinne von: "Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen".



Perestroika
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