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Volksweisheit: Ich hab ja nichts zu verbergen!; in Forum: Allgemein; Wie das enden kann schreibt höchst interessant Heise Zitat: IP-Verwechslung führt zu falschem Kinderporno-Verdacht Als Professor Erwin Schmidt (Name geändert) der dringende Anruf seiner Frau erreichte, nahm er gerade Pr ...

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Alt 15.03.2008, 16:31   #1
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Standard Volksweisheit: Ich hab ja nichts zu verbergen!

Wie das enden kann schreibt höchst interessant Heise

Zitat:
IP-Verwechslung führt zu falschem Kinderporno-Verdacht

Als Professor Erwin Schmidt (Name geändert) der dringende Anruf seiner Frau erreichte, nahm er gerade Prüfungen an der Hochschule ab. Seine Frau war vollkommen aufgelöst: Die Polizei sei da und durchsuche das Haus, berichtete sie aufgeregt. Die Beamten suchten nach Kinderpornos. Die nächste Prüfungspause nutzte Schmidt, um mit der Polizei vor Ort zu telefonieren. Er sei verdächtig, in einem Filesharing-Netzwerk Kinderpornos zum Download angeboten zu haben, bestätigte ihm der Beamte.
Die Aussage "Wer nichts zu verbergen hat, ..." macht zunächst Geheimnisse zum Thema:
Irgendjemand verbirgt etwas vor jemand anderen. Weil dieser Satz zur Rechtfertigung von Sicherheitsgesetzen gebraucht wird, kann man nun bestimmen, um welche Art von Geheimnissen es sich handelt und welche Personen wem gegenüber etwas zu verbergen haben könnten. Nicht gemeint sind Geheimnisse wie die heimliche Geliebte oder eine politische Intrige. Die Enthüllung des Verborgenen folgt also weder einem privaten noch öffentlichen Aufklärungsbedarf. Es geht um Geheimnisse, die die innere Sicherheit bedrohen. Sachwalter der inneren Sicherheit ist der Staat (im Sinne der Exekutive), der diese Aufgabe durch Überwachung der Einhaltung geltender Gesetze erfüllt. Er ist damit derjenige, vor dem etwas verborgen wird. Geheimgehalten werden nun tatsächlich begangene und geplante Gesetzesübertretungen, also Straftaten. Von besonderer Bedeutung sind "terroristische" Straftaten, da sie die innere Sicherheit am stärksten bedrohen. Die Aussage "Wer nichts zu verbergen hat, ..." stellt nur in einer Richtung den Zusammenhang zwischen Geheimhaltung und Sanktionswürdigkeit her: Nur der Michel muss etwas befürchten, wenn er etwas verbirgt. Die staatliche Geheimhaltung ihrerseits wird von den Nutzern des "Killerarguments" keiner besonderen Erwähnung für Wert befunden. Man sieht sich nicht genötigt, zwischen legitimen und illegitimen Staatsgeheimnissen zu unterscheiden. Folglich lässt man den Kritiker wissen, dass staatliche Geheimhaltung grundsätzlich legitim ist, die des Michels aber nicht. Man hat ja nichts zu verbergen.

Geändert von B. Trueger (15.03.2008 um 16:33 Uhr)
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Alt 15.03.2008, 16:56   #2
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Zitat:
„Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten.“

Falsch. Unschuldige geraten immer wieder zu Unrecht in das Visier von Behörden.

Auch unschuldige Menschen müssen sich fragen lassen: „Wenn du nichts zu verbergen hast, kannst du davon auch den Polizisten oder den Einreisebeamten überzeugen?“ Auch wer unschuldig ist, muss zunehmend mit polizeilichen Maßnahmen rechnen.
Oft ziehen schon ein falscher Verdacht, vermeintliche Risikofaktoren (z.B. „falsche“ Religion, „falsche“ Nationalität, „falscher“ Geburtsort, „falscher“ Name, „falsche“ Bücher gelesen, „falsche“ Meinung geäußert) oder unglückliche Umstände einschneidende Maßnahmen nach sich.
In der Folge kann es zur Befragung von Nachbarn und Arbeitskollegen kommen, zur Observation, zu Wohnungsdurchsuchungen oder zur Festnahme.
Derartige Maßnahmen können Vorverurteilungen im sozialen Umfeld und sogar Existenzvernichtungen zur Folge haben. Auch unberechtigte Aus- und Einreiseverweigerungen, Vermögensbeschlagnahmen, Grenzzurückweisungen wegen Namensverwechselungen bis hin zu Verschleppungen durch Geheimdienste und irrtümlichen Tötungen durch Polizei oder „Sky-Marshalls“ werden immer wieder bekannt.
Beispiele solcher Fälle finden sich hier.

Überwachung und Datensammlung liefern eine Flut von Informationen, aus denen sich Unregelmäßigkeiten ablesen lassen oder ein Verdacht konstruieren lässt.
Dann hilft es nicht, wenn man „nichts zu verbergen“ hat.

Außerdem: Wer „nichts zu verbergen“ hat, braucht auch nicht überwacht zu werden.
Das ist das Gegenargument von "Stoppt die Vorratsdatenspeicherung".
Quelle und viel mehr Gegenargumente und Interessante Aspekte zum Thema findet Ihr hier: vorratsdatenspeicherung

>>
Mein persönliches Prädikat: :: Sehr Empfehlenswert! ::
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Müssen aber nicht...

© Syndrom

"Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht."
Berthold Brecht

"Armut ist die grausamste Form der Gewalt."
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"Winkt das Geld der Lobbyisten, sind Politiker Statisten"
(Auf einem Plakat gegen die 3. Startbahn des Flughafen FJS)
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Alt 15.03.2008, 16:59   #3
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Zitat:
Zitat von Syndrom Beitrag anzeigen
Das ist das Gegenargument von "Stoppt die Vorratsdatenspeicherung".
Quelle und viel mehr Gegenargumente und Interessante Aspekte zum Thema findet Ihr hier: vorratsdatenspeicherung

>>
Mein persönliches Prädikat: :: Sehr Empfehlenswert! ::

Klasse Link. Danke dir. Genauso ist es nämlich. Die Aussage: Wer nichts zu verbergen hat, braucht auch nicht überwacht zu werden, trifft es auf den Punkt.
B. Trueger ist offline  
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Alt 16.03.2008, 13:07   #4
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Ich habe und will was verbergen: Meine Privatsphäre.

Es gibt kein Mensch, der nix zu verbergen hat. Wäre das so, bräuchte man keine Privatsphäre.
__________________
Auf dem Papier:
Artikel 1 Grundgesetz: DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR...
und real:
Artikel 1 Grundgesetz: DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST EINE GELD- UND MACHTFRAGE...

„Wir befinden uns am Anfang einer globalen Umwälzung. Alles, was noch fehlt, ist eine große weltweite Krise, bevor die Nationen die 'Neue Weltordnung' akzeptieren.” (David Rockefeller 2005 auf der Bilderberger-Konferenz in Rottach-Egern)
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Alt 16.03.2008, 13:12   #5
Eka
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Zitat:
Zitat von HartzDieter Beitrag anzeigen
Ich habe und will was verbergen: Meine Privatsphäre.

Es gibt kein Mensch, der nix zu verbergen hat. Wäre das so, bräuchte man keine Privatsphäre.
So ist es.


Gruß
Eka
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Audiatur et altera pars....
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Alt 16.03.2008, 14:15   #6
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Zitat:
Zitat von HartzDieter Beitrag anzeigen
Ich habe und will was verbergen: Meine Privatsphäre.

Es gibt kein Mensch, der nix zu verbergen hat. Wäre das so, bräuchte man keine Privatsphäre.
Ich habe nichts zu verbergen, aber mein Leben geht trotzdem keinen etwas an.

„Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten.“

Dann erinnert euch bitte mal an die Ärzte. Die sagen auch immer scherzhaft, ein gesunder Mensch wurde einfach noch nicht richtig untersucht.

So dürfte es auch bei der Überwachung gehen. Es gibt keine Unschuldigen mehr, sondern nur Noch-Nicht-Überführte und die Verbrecher äh Überwacher.
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* "Politik lügt, ARGE betrügt, Bürokratie mordet" * Die Würde des Menschen war unantastbar! vor HartzIV *
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Alt 16.03.2008, 18:34   #7
Heinzi1
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Zu diesem Thema auch noch ein interessanter, längerer Artikel bei Telepolis/heise.de, bei dem genau dieses Argument sehr schön auseinander genommen wird:

Zitat:
Im so genannten "Kampf gegen den Terror" sind die Bürgerrechte zunehmend unter Druck geraten. Kritiker dieser Entwicklung werden allerorten mit der Aussage "Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten" beschieden. Diese Standardformel "...ist das Killer-Argument schlechthin, dem offenbar viel abzugewinnen ist". Sie gibt sich den Anschein, selbstredend zu sein. Diejenigen, die sie verwenden, erwarten, dass dieser Satz bereits alle Fragen beantworten könne. Seine Evidenz mache weitere Erklärungen und Debatten obsolet. Doch wie schlagkräftig ist dieses "Argument" wirklich und worauf beruht seine vermeintliche Überzeugungskraft?
TP: "Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten"
 
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Alt 16.03.2008, 18:39   #8
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Zitat:
Zitat von Heinzi1 Beitrag anzeigen

"Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten"

Warum sind dann die Nebeneinkünfte unsere BT-Abgeordneten davon ausgeschlossen?
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Alt 16.03.2008, 18:46   #9
Heinzi1
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Zitat:
Zitat von Sancho Beitrag anzeigen
Warum sind dann die Nebeneinkünfte unsere BT-Abgeordneten davon ausgeschlossen?
Na, das weißt Du doch selbst: Durch rechtlich abgesicherte Des- und Nicht-Information sowie durch juristische Unangreifbarkeit sichert sich dieser Teil der Herrschaft die Macht.
 
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Alt 16.03.2008, 18:48   #10
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Zitat:
Zitat von Sancho Beitrag anzeigen
Warum sind dann die Nebeneinkünfte unsere BT-Abgeordneten davon ausgeschlossen?
Die aben doch nichts zu verbergen - die sagen einfach, daß geht den Pöbel nichts an.
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Alt 16.03.2008, 18:50   #11
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"Politik sichert unantastbarkeit bei Lügen, Betrug und Volksverar...."

Sancho ist offline  
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Alt 16.03.2008, 19:08   #12
Heinzi1
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Hier noch was interessantes:

Zitat:
Und wer absolut nichts zu verbergen hat, der …
  1. … braucht kein Arztgeheimnis! Wozu? Ist ja durchaus vorteilhaft, wenn der Arbeitnehmer, die Nachbarn und alle anderen, die es interessiert, gleich wissen, woran man erkrankt ist.
  2. … braucht kein Bankgeheimnis! Alle Interessierten können sofort den Kontostand einsehen. Das ist auch praktisch: so können sich Ermittlungsbehörden gleich direkt informieren, dass man keine Terroristen finanziell unterstützt. Auch so Fragen, wie “Was mag der wohl verdienen?” gehören der Vergangenheit an.
  3. … braucht erst recht kein Beichtgeheimnis! Denn wer nichts zu verbergen hat, dessen Sünden können doch alle bei der Beichte erfahren. Außerdem entsteht ein neuer Geschäftszweig: Vollvernetzte und verwanzte Beichtstühle.
  4. … braucht keine Schweigepflicht des Rechtsanwalts (Mandantengeheimnis)! Denn wer nichts zu verbergen hat, dessen Verteidigunsstrategie kann auch schon vor der Verhandlung veröffentlicht werden.
  5. … kann natürlich freimütig DNA-Proben an mehreren Stellen abgeben! Dann weiß der (zukünftige) Arbeitgeber gleich, für welche Krankheit man erblich bedingt prädestiniert ist, und kann bei seinen Entscheidungen darauf auch entsprechend Rücksicht nehmen. Bei jeder Straftat, bei der DNA-Spuren hinterlassen werden, ist man sofort nach einem DNA-Vergleich auf der Seite der Unschuldigen. Auch Kuckucks-Kinder sind kein Thema mehr. Außerdem können Kranken-, Lebens- und andere Versicherungen viel fairere Beiträge kalkulieren, denn die Risokofaktoren sind durch DNA-Analysen besser abschätzbar.
  6. … hat auch nichts dagegen, wenn ein komplettes Bewegungsprofil angelegt, gespeichert und für jedermann zugänglich ist! So gibt es kein Problem mehr, herauszufinden, wo sich der Betreffende gerade aufhält. Jeder wird sofort gefunden, egal von wem; das ist praktisch.
  7. … sollte auch beginnen, andere Leute, die nichts zu verbergen haben, zu beobachten und diese Beobachtungen zu notieren! Man kann nie genug Informationen von Leuten haben, die nichts zu verbergen haben. Natürlich gibt es eine zentrale Stelle, bei der diese Daten gesammelt werden: die Information Sammel-, Tausch-, Archivierung- und Such-Institution.
  8. … hat auch nichts dagegen, wenn jedes Zimmer (Bad, Wohn- und Schlafzimmer, usw.) komplett audio- und videoüberwacht ist. Das schafft zusätzliche Sicherheit. Natürlich sind die Daten rund um die Uhr für jedermann einsehbar und werden in oben angesprochener Institution dauerhaft gesichert. So bleiben diese wertvollen Daten auch noch der Nachwelt erhalten.
Vielleicht beginnen mal die ganzen Personen, die natürlich nichts zu verbergen haben, nachzudenken. Vielleicht fällt diesen Personen dann auf, dass z.B. Arzt-, Bank- und Mandantengeheimnis, sowie die anderen Punkte, die obgen aufgezählt wurden, gar nicht existieren, um etwas zu verbergen, sondern um etwas zu schützen. Was könnte das bloß sein?
mein-parteibuch.com » Und wieder nichts zu verbergen
 
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Alt 17.03.2008, 08:14   #13
Emily
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Täusche ich mich aus persönlichen Erlebnissen, oder ist es möglich dass diese Argumentation besonders gerne von der "älteren" Generation von sich gegeben wird? Letztens hatte ich auch wieder so ein Aha-Erlebnis, nämlich betreffend ziemlich unangemessener Mieterhöhungsforderungen in unserem Haus, gegen die mehrere Betroffene hoffentlich nun gemeinsam vorgehen werden. Eine der Betroffenen, Rentensemester welche unter der krassen Erhöhung genau so zu leiden haben wird, meinte auf meine Ansprache: "Der Vermieter hat ja das Recht zu der Erhöhung". Aus meiner Sicht ist das natürlich hündische Obrigkeitshörigkeit, und bei der Einstellung können die "Oberen" natürlich treiben und lassen was sie möchten, obwohl es gerade rechtlich durchaus Angemessenheitsgrenzen gibt, und der Miettreiberei Grenzen zu setzen dringend Not täte.

Sehen die das nicht? Oder ist denen das schlichtweg egal, welche Auswirkungen ihr "Zulassen" mittel- und langfristig sowohl für sie selbst als auch auf andere hat?


Emily
 
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