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ALG II

Kontoauszüge bei Antragannahme und anderes.; in Forum: Information; Guten Tag erstmal. Ich habe eine Frage. Meine Frau hat ALG 2 beantragt. Sie soll unter anderem die Kontoauszüge der letzten drei Monate einreichen, soweit ist das ja klar. Muss ...
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Alt 27.10.2008, 09:52   #1
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Registriert seit: 22.05.2008
Ort: NRW
Beiträge: 10
Standard Kontoauszüge bei Antragannahme und anderes.

Guten Tag erstmal.

Ich habe eine Frage. Meine Frau hat ALG 2 beantragt. Sie soll unter anderem die Kontoauszüge der letzten drei Monate einreichen, soweit ist das ja klar. Muss sie diese einreichen, obwohl sie vorher ja nie eine Leistung beansprucht hat? Soll heißen, der Zeitraum der drei Monate wäre für das Amt uninteressant, da es dabei eh um eine Zeit ging, in der sie keinerlei Leistungen beanspruchte.

Ich habe gelesen, das es ein Urteil gibt, was man auf Kontoauszügen alles schwärzen darf. Wo kann man dieses Urteil finden, oder kann das jemand hier direkt sagen?
Bartokk ist offline  
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Alt 27.10.2008, 10:41   #2
Benutzer
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Registriert seit: 21.06.2005
Beiträge: 85
Standard AW: Kontoauszüge bei Antragannahme und anderes.

Hilft dir das hier?
http://juris.bundessozialgericht.de/...8&pos=4&anz=49
Zitat:
Medieninformation Nr. 45/08



Pflicht zur Vorlage von Kontoauszügen durch Datenschutz begrenzt

Die beklagte ARGE hatte die Gewährung von Arbeitslosengeld II (Alg II) als Leistung der Grundsicherung für Arbeitsuchende (nach dem SGB II) versagt, weil der Kläger sich geweigert hatte, eine Kontenübersicht und die Kontoauszüge der letzten drei Monate vorzulegen. Der Kläger hält das Verlangen der Beklagten für unangemessen und unverhältnismäßig, weil er zuvor bereits über 13 Monate Leistungen nach dem SGB II erhalten und in seinem Fortzahlungsantrag angegeben habe, in den Vermögens- und Einkommensverhältnissen habe sich keine Änderung ergeben. Bestünden kei*nerlei konkrete Anhaltspunkte dafür, dass zwischenzeitlich Einnahmen erzielt oder Vermögen angesammelt worden sei, so sei die Forderung nach Vorlage von Kontoauszügen unverhältnismäßig. Zudem werde er hierdurch in seinen Rechten auf Sozialdatenschutz verletzt.

Der 14. Senat des Bundessozialgerichts hat am 19. September 2008 (B 14 AS 45/07 R) entschieden, dass die Beklagte berechtigt war, dem Kläger ab 1. Februar 2006 Alg II wegen fehlender Mitwirkung zu versagen. Eine grundsätzliche Pflicht zur Vorlage der Kontoauszüge, einer Kontenübersicht und der Lohnsteuerkarte folgt aus § 60 I Nr 3 SGB I. Hiernach hat, wer Sozialleistungen beantragt oder erhält, Beweismittel zu bezeichnen und auf Verlangen des zuständigen Leistungsträgers Beweisurkunden vorzulegen. Die allgemeinen Mitwirkungspflichten gelten grundsätzlich auch im Bereich der Grundsicherung für Arbeitsuchende. Die von der Beklagten geforderten Vorlagepflichten waren auch nicht durch § 65 SGB I eingeschränkt, der Grenzen der Mitwirkungspflicht aufzeigt. Insbesondere kann die Beklagte nicht darauf verwiesen werden, nur im Rahmen eines (Erst-) Antrags die Vorlage von Kontoauszügen etc zu fordern. Eine solche Aufforderung kann auch - wie hier - bei Stellung eines Folgeantrags erfolgen. Ebenso wenig ist die Vorlagepflicht auf konkrete Verdachtsfälle beschränkt. Hinsichtlich der zeitlichen Erstreckung war die Vorlage von Kontoauszügen jedenfalls der letzten drei Monate nicht unverhältnismäßig.

Die Vorlagepflicht wird auch durch die Regelungen des Sozialdatenschutzes nicht grundsätzlich eingeschränkt. Sowohl nach den speziellen Datenschutzvorschriften des SGB II (§§ 50 ff) als auch nach den allgemeinen Regelungen des Sozialdatenschutzes in den §§ 67 ff SGB X ist die Erhebung von geschützten Sozialdaten zulässig, wenn ihre Kenntnis zur Erfüllung einer Aufgabe der erhebenden Stelle nach dem Sozialgesetzbuch erforderlich ist. Die Vorlage der Kontoauszüge und einer Kontenübersicht ist in diesem Sinne erforderlich, um die Anspruchsvoraussetzungen der Grundsicherungsleistungen zu ermitteln und zu überprüfen. Im Einzelfall kann allerdings zweifelhaft sein, ob die Erhebung besonderer Arten personenbezogener Daten für die Erfüllung der Aufgaben des Grundsicherungsträgers erforderlich ist. Hierzu zählen Angaben über die rassische und ethnische Herkunft, politische Meinungen, religiöse oder philosophische Überzeugungen, Gewerkschaftszugehörigkeit oder Sexualleben.

Dies betrifft aber nur die Ausgabenseite (Sollstellung) der Kontenbewegungen. Während die Einnahmen jeweils unbegrenzt aus den Kontoauszügen hervorgehen müssen, räumen die Regelungen des Sozialdatenschutzes (§ 67 Abs 12 iVm § 67a Abs 1 SGB X) dem Grundsicherungsempfänger die Möglichkeit ein, auf der Ausgabenseite die Empfänger von Zahlungen zu schwärzen oder unkenntlich zu machen, wenn diese Zahlungen besondere personenbezogene Daten betreffen (etwa Beiträge für Gewerkschaften, politische Parteien, Religionsgemeinschaften etc). Die überwiesenen Beträge müssen aber auch in diesen Fällen für den Grundsicherungsträger erkennbar bleiben. Die Regelungen über den Sozialdatenschutz in den §§ 67 ff SGB X greifen auch nicht in das Grundrecht des Klägers auf informationelle Selbstbestimmung ein.

Der Grundsicherungsträger ist zwar grundsätzlich gehalten, in seinen Mitwirkungsaufforderungen auf die aufgezeigten Möglichkeiten der Schwärzung von Angaben zu Zahlungsempfängern hinzuweisen. Im vorliegenden Fall kann aber dahinstehen, ob ein unterlassener Hinweis die Aufforderung bereits rechtswidrig macht, denn der Kläger hat sich von vorneherein und prinzipiell geweigert, überhaupt Kontoauszüge vorzulegen bzw mitzuwirken.

Hinweise zur Rechtslage:

§ 60 SGB I:
(1) Wer Sozialleistungen beantragt oder erhält, hat 1. alle Tatsachen anzugeben, die für die Leistung erheblich sind, und auf Verlangen des zuständigen Leistungsträgers der Erteilung der erforderlichen Auskünfte durch Dritte zuzustimmen, 2. … 3. Beweismittel zu bezeichnen und auf Verlangen des zuständigen Leistungsträgers Beweisurkunden vorzulegen oder ihrer Vorlage zuzustimmen.
Satz 1 gilt entsprechend für denjenigen, der Leistungen zu erstatten hat.

§ 66 SGB I:
1) Kommt derjenige, der eine Sozialleistung beantragt oder erhält, seinen Mitwirkungspflichten nach den §§ 60 bis 62, 65 nicht nach und wird hierdurch die Aufklärung des Sachverhalts erheblich erschwert, kann der Leistungsträger ohne weitere Ermittlungen die Leistung bis zur Nachholung der Mitwirkung ganz oder teilweise versagen oder entziehen, soweit die Voraussetzungen der Leistung nicht nachgewiesen sind. Dies gilt entsprechend, wenn der Antragsteller oder Leistungsberechtigte in anderer Weise absichtlich die Aufklärung des Sachverhalts erheblich erschwert.
(2) …
(3) Sozialleistungen dürfen wegen fehlender Mitwirkung nur versagt oder entzogen werden, nachdem der Leistungsberechtigte auf diese Folge schriftlich hingewiesen worden ist und seiner Mitwirkungspflicht nicht innerhalb einer ihm gesetzten angemessenen Frist nachgekommen ist.

§ 67a SGB X:
(1) Das Erheben von Sozialdaten durch in § 35 des Ersten Buches genannte Stellen ist zulässig, wenn ihre Kenntnis zur Erfüllung einer Aufgabe der erhebenden Stelle nach diesem Gesetzbuch erforderlich ist. Dies gilt auch für besondere Arten personenbezogener Daten (§ 67 Abs. 12). Angaben über die rassische Herkunft dürfen ohne Einwilligung des Betroffenen, die sich ausdrücklich auf diese Daten beziehen muss, nicht erhoben werden. Ist die Einwilligung des Betroffenen durch Gesetz vorgesehen, hat sie sich ausdrücklich auf besondere Arten personenbezogener Daten (§ 67 Abs. 12) zu beziehen.

§ 67 Abs. 12 SGB X:
Besondere Arten personenbezogener Daten sind Angaben über die rassische und ethnische Herkunft, politische Meinungen, religiöse oder philosophische Überzeugungen, Gewerkschaftszugehörigkeit, Gesundheit oder Sexualleben.


Az.: B 14 AS 45/07 R W. ./. ARGE München
__________________
Grüße Heiner ;-)
Heiner Peters ist offline  
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Alt 27.10.2008, 10:52   #3
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Forumnutzer
 
Registriert seit: 01.09.2007
Beiträge: 634
Standard AW: Kontoauszüge bei Antragannahme und anderes.

Sie muss die Kontoauszüge vorlegen, vor allem weil sie vorher noch nie Leistungen bezogen hat. Es geht dem Amt darum, nachzuprüfen, ob Bedürftigkeit vorliegt, oder etwa noch Geld aus Abfindungen, Vermögenswerte über dem Freibetrag o.ä. beiseite geschafft wurden.

Das höchstrichterliche Urteil vom 19.9. erweiterte diese Kontrollzugriffe auch auf Folgeanträge, wenn zuvor schon Leistungen bezogen wurden.

In beiden Situationen darfst Du aber NICHT "alles schwärzen" , im Gegenteil:
jegliche Einnahmen müssen in Text und Betrag erkennbar bleiben, und nur in sehr wenigen Ausnahmefällen (namentlich: Spenden an Parteien, gewerkschaftliche Mitgliedsbeiträge, religiöse Zwecke) darf der Verwendungstext geschwärzt werden, nicht aber der Zahlbetrag. (B 14 AS 45/07 R.BSG: Kontoauszüge dürfen auch weiterhin verlangt werden

Selbst dabei ist noch einiges unklar. Hier rufen zwar ein paar Tapfere zu "alles schwärzen"-Aktionen auf, aber bei solchen BumBaaf-Spaßnummern muss jeder vorab selbst entscheiden, wie sehr er/sie auf das sicher erst mal nicht eintrudelnde Geld angewiesen ist.

edit: na da war Heiner schneller im Reinkopieren, die Überschrift dieses Artikels finde ich aber immer allzu frohlockend: das Urteil hebt das Bankgeheimnis völlig und den Datenschutz zu 99% auf....


Gruß,
M.
Neuerdings ist offline  
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Alt 27.10.2008, 10:58   #4
Hartziger
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard AW: Kontoauszüge bei Antragannahme und anderes.

Es gibt ein Urteil. Demnach muss jeder der Leistungen beziehen will, seine Konten mittels Kontoauszügen offen legen.

Da gibt es jetzt doch wirklich nichts mehr dran zu rütteln. Wenn dir das nicht passt, dann Klage und du wirst die Klage verlieren...
 
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Alt 27.10.2008, 14:12   #5
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Ort: NRW
Beiträge: 10
Standard AW: Kontoauszüge bei Antragannahme und anderes.

Danke für die schnellen Antworten.
Bartokk ist offline  
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